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Pontifex

Die Geschichte der Päpste. Von Petrus bis Franziskus. 2. , durchgesehene Auflage. mit 109 Abbildungen und 4…
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Hüter einer ewigen Ordnung: So sehen sich die Päpste, deren Institution durch ihre lange Kontinuität fasziniert. Volker Reinhardt zeigt, dass diese Unveränderlichkeit eine Fiktion ist. Er erzählt höchst spannend, wie sich das Papsttum immer wieder ne … weiterlesen
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Produktdetails

Titel: Pontifex
Autor/en: Volker Reinhardt

ISBN: 340670381X
EAN: 9783406703812
Die Geschichte der Päpste. Von Petrus bis Franziskus.
2. , durchgesehene Auflage.
mit 109 Abbildungen und 4 Karten.
gebunden.
Beck C. H.

16. Februar 2017 - gebunden - 928 Seiten

Beschreibung

Hüter einer ewigen Ordnung: So sehen sich die Päpste, deren Institution durch ihre lange Kontinuität fasziniert. Volker Reinhardt zeigt, dass diese Unveränderlichkeit eine Fiktion ist. Er erzählt höchst spannend, wie sich das Papsttum immer wieder neu erfunden hat, und vollbringt das Kunststück, dabei jedem Pontifikat in seinen theologischen, politischen und kulturellen Besonderheiten gerecht zu werden.

Volker Reinhardt legt nach dreißigjähriger Forschung zur Geschichte Roms und des Papsttums mit diesem Buch die seit Langem erste Gesamtgeschichte der Päpste aus der Feder eines Historikers vor. Er schildert, wie die Bischöfe von Rom in der Antike den Primat über alle anderen Bischöfe durchsetzten, im Mittelalter die Hoheit über Könige und Kaiser gewannen, als weltliche Herrscher den Kirchenstaat vergrößerten und dabei jahrhundertelang die Erhöhung der eigenen Familie im Blick hatten. Unzählige Kunstwerke zeugen bis heute von diesem vielfältigen Machtanspruch, und die meisten entstanden in Renaissance und Barock, als die Machtfülle schon bröckelte. Bis weit ins 20. Jahrhundert stemmten sich die Päpste gegen die Moderne und handelten dem Papsttum das Stigma des Ewiggestrigen ein. Aber der Ruf nach Reformern ist, wie die fulminante Darstellung zeigt, so alt wie das Papsttum.

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Legenden, Uranfänge und erste Machtkämpfe: Von Petrus bis Eusebius (309/310)

Das Petrus-Problem

Schattenbeschwörung: Von Linus zu Eleutherus

Streit um Ostern und das Problem des Kaiserkults: Victor I., Zephyrinus, Calixtus I.

Das Problem der "Gefallenen": Urban I., Pontian, Anterus, Fabian, Cornelius, Lucius I.

Taufstreit und Autoritätskonfl ikte: Stephan I., Sixtus II., Dionysius

Meeresstille und unruhige Fahrt: Felix I., Eutychianus, Caius, Marcellinus, Marcellus I., Eusebius

2. Die "Konstantinische Wende" und der Weg zum doppelten Primat: Von Miltiades bis Johannes II. (311-535)

Toleranzedikt und Konzil: Miltiades, Silvester I.

Streit um ein Jota: Marcus, Julius I., Liberius

Der erste Papst: Damasus I.

Reichsverfall und Primatansprüche: Siricius, Anastasius I., Innozenz I.

Günstlingswirtschaft , Gnadenstreit, Grabenkämpfe: Zosimus, Bonifaz I., Cölestin I., Sixtus III.

"Konsul Gottes": Leo I.

Zwischen Arianern und Monophysiten: Hilarius, Simplicius, Felix III.

Zwei Schwerter, ein Papst: Gelasius I.

Zwischen Goten und Kaisern: Anastasius II., Symmachus, Hormisdas, Johannes I.

Streit um die Designation: Felix IV., Bonifaz II., Johannes II. .

3. Am langen Arm von Byzanz: Von Agapet I. bis Constantin (535-715)

Marionette und Märtyrer: Agapet I., Silverius, Vigilius

Zwischen Langobarden und Byzanz: Pelagius I., Johannes III., Benedikt I., Pelagius II.

Schutzherr der Ewigen Stadt: Gregor I.

Blicke nach Westen: Sabinian, Bonifaz III., Bonifaz IV., Deusdedit, Bonifaz V.

Der Papst als Ketzer? Honorius I.

Gegen den Monotheletismus: Severinus, Johannes IV., Th eodor I., Martin I., Eugen I., Vitalian

Ruhe vor dem Sturm: Adeodatus, Donus, Agatho, Leo II., Benedikt II., Johannes V.

Eiszeit und Beginn der Emanzipation: Konon, Sergius I., Johannes VI., Johannes VII., Sisinnius, Constantin . .

4. Der Weg nach Westen: Von Gregor II. bis Nikolaus I. (715-867)

Bilderkämpfe: Gregor II., Gregor III.

Die fränkische Wende: Zacharias, Stephan II.

Adelsherrschaft : Paul I., Stephan III.

Familienmacht und Nepotismus: Hadrian I.

Kaisermacher und Kirchenbauer: Leo III., Stephan IV., Paschalis I.

Symbolische Selbstbehauptung: Eugen II., Valentin, Gregor IV., Sergius II.

Seeschlacht, Borgomauern und Reliquien: Leo IV.

Legenden und letzter Glanz: Benedikt III., Nikolaus I.

5. Silberstreifen an blutigen Horizonten: Von Hadrian II. bis Gregor VI. (867-1046)

Verbrechen an Lebenden und Toten: Hadrian II., Johannes VIII., Marinus I., Hadrian III., Stephan V.

Papst oder nicht Papst? Formosus, Bonifaz VI., Stephan VI., Romanus, Theodor II., Johannes IX., Benedikt IV., Leo V.

Mord und Geblütsheiligkeit: Sergius III., Anastasius III., Lando, Johannes X., Leo VI., Stephan VII., Johannes XI.

Alberichs Päpste: Leo VII., Stephan VIII., Marinus II., Agapet II., Johannes XII.

Für und gegen Otto I.: Leo VIII., Benedikt V., Johannes XIII.

Marionetten der Crescenzier: Benedikt VI., Benedikt VII., Johannes XIV., Johannes XV.

Träume von einem neuen Rom: Gregor V., Silvester II.

Crescenzier-Päpste, neue Folge: Johannes XVII., Johannes XVIII., Sergius IV., Benedikt VIII., Johannes XIX. . 244 Drei sind zwei zu viel: Benedikt IX., Silvester III., Gregor VI.

6. Kirchenreform und Hegemoniekämpfe: Von Clemens II. bis Cölestin III. (1046-1198)

Päpste von Kaisers Gnaden: Clemens II., Damasus II., Leo IX.

Emanzipation vom Reich: Victor II., Stephan IX., Nikolaus II., Alexander II.

Radikalreform: Gregor VII.

Reformkurs und Kreuzzug: Victor III., Urban II.

Kämpfe mit dem Kaiser: Paschalis II.

Der Weg zum "Wormser Konkordat": Gelasius II., Calixtus II.

Normannen und Schismatiker: Honorius II., Innozenz II.

Kämpfe um die Kommune: Cölestin II., Lucius II., Eugen III., Anastasius IV., Hadrian IV.

Kampf gegen Barbarossa: Alexander III.

Ketzerbekämpfung und staufi sche Umklammerung: Lucius II

Portrait

Volker Reinhardt, Professor für Geschichte der Neuzeit an der Universität Fribourg, gehört weltweit zu den besten Kennern der Papstgeschichte.

Pressestimmen

"Eine solide gearbeitete, sprachlich ansprechende Überblicksdarstellung über eine der ältesten Institutionen der Welt, die nicht nur von Vertretern der Historikerzunft mit großem Gewinn herangezogen werden kann." Ralf Lützelschwab, Zeitschrift für Geschichtswissenschaften, 11-2017 "Glänzend." Christian Schröder, Tagesspiegel, 17. Juni 2017 "Kenntnisreich, gewandt und zwischendurch in einem Tempo, das einen staunen lässt, wie rasch man Jahrhunderte lesend durchschreiten kann." Thomas Ribi, Neue Zürcher Zeitung, 8. Juni 2017 "Eine Geschichte, die facettenreicher kaum sein könnte." Heike Talkenberger, Damals, Juni 2017

Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung vom 12.04.2017

Diplomatische Seelenheildiener

Anders als sein Ruf: Volker Reinhardt führt durch die zweitausend Jahre lange Geschichte des Papstamtes und zeigt, dass es in ihr eine Konstante gibt.

Keine andere Institution der Geschichte hat ihre eigene Geschichte so oft und so kreativ neu erfunden": Der in Fribourg lehrende Historiker Volker Reinhardt wendet sich gegen die Vorstellung, das Papsttum habe sich nie verändert. Bei aller Wandelbarkeit will er "Entwicklungslinien" aufzeigen. Eine Geschichte dieser zweitausendjährigen Institution in einem Band, noch dazu von einem einzigen Autor verfasst - schon allein das muss einem Respekt abnötigen. Schließlich gilt es zu überblicken, was ansonsten Profan-, Kirchen- und Kunsthistoriker, Dogmatiker und Patrologen beschäftigt. Der Zugang muss multiperspektivisch sein, waren doch die Päpste nicht nur Religionsführer, sondern auch Monarchen und Mäzene.

Sicher ist es von Vorteil, dass Reinhardt anders als die älteren Historiker (Ranke auf protestantischer, Pastor auf katholischer Seite) keinen konfessionellen Standpunkt einnimmt. Dass seine Ausführungen dennoch nicht voraussetzungslos sind, ist offenkundig: Er versteht die Papstgeschichte als "Kampf um den Glauben, die Gewissen, die Seelen und damit um die Macht in ihrer höchsten und reinsten Potenz". Ihrem Selbstverständnis nach dürfte es den meisten Pontifices allerdings primär um etwas anderes gegangen sein: um das Seelenheil der Menschen.

Reinhardt wendet sich gegen die anachronistische Annahme, die Päpste hätten schon immer eine absolute Machtfülle besessen. Am Anfang stand lediglich ein Ehrenvorrang des Bischofs der Hauptstadt des Römischen Reiches, die überdies durch die Gräber der Apostelfürsten geadelt war. Doch schon in vorkonstantinischer Zeit suchte sich dieser Bischof "einen Vorrang innerhalb der Kirche zu sichern, der über den Ehrenplatz eines primus inter pares deutlich hinausging".

In Lehrfragen wie der Festsetzung des Ostertermins wollte Rom die eigene Position gesamtkirchlich durchzusetzen, stieß dabei aber auf Widerstände. Im späten vierten Jahrhundert begründete der 384 verstorbene Damasus, der als "erster Papst" gelten kann, den päpstlichen Anspruch theoretisch, ohne schon eine universale Jurisdiktionsvollmacht auszuüben. Die Entwicklung des Primats kam unter Leo dem Großen, dessen Lehrautorität auf dem Konzil des Jahres 451 allgemein anerkannt wurde, zu einem vorläufigen Abschluss.

Die territoriale Souveränität etablierte sich seit der karolingischen Zeit. Das Zusammengehen von Kaisertum und Papsttum brachte beiden Institutionen Vorteile, befreite dieses aus den Händen des lokalen Adels. Zur Emanzipation vom Reich und von den deutschen Herrschern kam es nach der Jahrtausendwende durch das Werk von "Radikalreformern" wie Gregor VII. Die Tiara, die päpstliche Krone, wurde zum Symbol des pontifikalen Herrschaftsanspruchs - aber erst seit dem vierzehnten Jahrhundert mit drei Kronreifen.

Mit dem Investiturstreit war der "Kampf um die Vormacht" nicht entschieden, selbst dann nicht, als die Nachfolger Petri sich für siebzig Jahre in die Obhut der französischen Krone begaben. Auf das "Avignonesische Exil" folgte ein Papstschisma mit zwei, später drei konkurrierenden Prätendenten, das einen Keil durch ganz Europa treiben sollte. Erst auf dem Konzil zu Konstanz wurde die Einheit wiederhergestellt.

Einen wirklichen "Neuanfang", ja eine "Neuerfindung" des Papsttums stellt die Epoche der Renaissance dar. Hier kann Reinhardt als ausgewiesener Kenner der Epoche aus dem Vollen schöpfen. Als Nachfolger der römischen Cäsaren - von denen sie auch den Titel Pontifex geerbt hatten - verliehen die Päpste Rom einen Glanz, wie sie keine andere Hauptstadt der Welt aufwies. Die Stadt wurde zu einem "einzigartigen Kunst-Heiligtum". Es entstanden der neue Petersdom und die Sixtina, die Freskenprogramme Raffaels und Michelangelos. Trotz schwindender geopolitischer Bedeutung erwies sich das Papsttum nun bis ins achtzehnte Jahrhundert als Kulturmacht. Die Begünstigung der eigenen Familie bestimmte fast durchgängig das Handeln.

All das wird packend und detailreich geschildert, ohne dass die Entwicklungslinien aus dem Blick geraten. Allerdings werden die verbleibenden zwei Jahrhunderte auf lediglich hundertdreißig Seiten abgehandelt, ohne dass hier ein größerer Bogen erkennbar wäre. Die Auswahl der Literatur wird hier selektiv, obwohl zu fast allen Pontifikaten neuere Forschungen vorliegen, die sich aber weder im Text noch in der Bibliographie niederschlagen. Die so unterschiedlichen Papstprofile werden unter den Schlagworten "Selbstabschließung und Sackgasse" und "Schwankende Haltungen zur Gegenwart" ziemlich holzschnittartig zusammengefasst.

Dabei zeichnet sich nach der Zerschlagung des alten Kirchenstaats im Jahr 1870 durchaus so etwas wie eine "Neuerfindung" des Papsttums ab. Seiner materiellen Basis beraubt, wurde es nun gewissermaßen "internationalisiert", indem über den "Peterspfennig" Gelder aus der Weltkirche abgerufen wurden. Massenwallfahrten nach Rom dienten der Solidarisierung mit den im Vatikan eingeschlossenen Päpsten Pius IX. und von 1878 an Leo XIII.

Ein Weiteres wäre zu bedenken. Für Reinhardt verlor das Amt des Staatssekretärs an Bedeutung. Das Gegenteil ist der Fall. Mit Kardinal Rampolla kam der eigentliche Architekt der modernen vatikanischen Außenpolitik ans Ruder. Enttäuscht über das Bündnis Wiens und Berlins mit den italienischen "Räubern des Kirchenstaates", orientierten sich Leo XIII. und sein Staatssekretär nach Paris und drängten die französischen Katholiken, sich hundert Jahre nach der Revolution endlich mit der laikalen Republik auszusöhnen. Eine nicht minder zukunftsweisende Weichenstellung: Der Anspruch auf den Kirchenstaat wurde beibehalten, aber durch eine bis dato ungekannte internationale Vermittlertätigkeit untermauert.

Zehnmal fungierte der Heilige Stuhl als Schiedsrichter zwischen Staaten. All das erfährt der Leser nicht. Der Vatikan wurde aber so erst zum politischen Global Player, suchte moralische Weltgeltung und internationale Anerkennung zu erlangen. Friedenspolitik ist seither eine der vatikanischen Prioritäten: Benedikt XV. vermittelte erfolglos im Ersten Weltkrieg. Pius XI. musste das Haupthindernis für diese neue internationale Politik, den Konflikt mit Italien, ausräumen. Bekannt sind die glücklosen Bemühungen von Pius XII. Paul VI. versuchte, im Vietnamkrieg zu vermitteln, und rief vor den Vereinten Nationen zum Frieden auf.

Und noch Papst Franziskus steht in dieser Traditionslinie, wie die Anbahnung der Aussöhnung zwischen Kuba und den Vereinigten Staaten zeigt. Nicht von ungefähr kann man von einem Zeitalter der Diplomatenpäpste sprechen, insofern quasi alle Päpste zwischen 1878 und 1978 Diplomaten waren. Diplomatie und Friedenspolitik waren die Antwort des Papsttums auf die antiklerikalen und totalitären Regime der Zeit.

Keine rechte "Entwicklungslinie" zu erkennen ist auch bei der Darstellung der jüngeren innerkirchlichen, theologischen Entwicklungen. Das II. Vatikanische Konzil erscheint vor allem als Kampf der kirchlichen Lager; es habe die Erwartung, die Kirche zu erneuern, nur halbherzig eingelöst. Der für die weitere Entwicklung so wichtige Paul VI. ist nur Randfigur, überdies ein "Sprachrohr" der konservativen Kräfte. Die "alten Feindbilder, aber auch die tradierten Vorstellungen von einem umfassenden Primat des Papsttums" würden nicht angetastet. Aber wie konnte das Konzil dann zur Initialzündung für einen umfassenden Modernisierungsschub werden, wie ihn die Kirche selten in ihrer Geschichte erlebt hat?

Es wäre ungerecht, Volker Reinhardts Buch als Beweis dafür zu lesen, dass man als Vertreter einer einzigen Disziplin keine Gesamtdarstellung des Papsttums schreiben sollte. Wenn man es so hochkarätig fortschreiben würde, wie es auf den ersten siebenhundertfünfzig Seiten begonnen wurde, wäre es weit mehr als ein "vatikanischer Torso". Dann wäre dem Autor ein Meisterwerk gelungen.

JÖRG ERNESTI

Volker Reinhardt: "Pontifex". Die Geschichte der Päpste. Von Petrus

bis Franziskus.

Verlag C. H. Beck, München 2017. 928 S., Abb., geb.

© Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt.
Bewertungen unserer Kunden
Anspruchsvoll und lesenswert.
von Wedma - 17.02.2017
"Pontifex" von Volker Reinhardt ist ein opulentes Werk von 928 Seiten mit 109 schwarz-weiß Abbildungen und 4 Karten, das das Leben und Wirken der Päpste von Petrus bis Franziskus beschreibt. Die äußere Gestaltung des Buches passt prima zum Inhalt: Ein 5 cm dickes Foliant, fester Einband, einfarbig in dunkel bordeaux gehalten. Auf dem Umschlag sieht man das Porträt von Papst Innozenz X, gemalt von Diego Vélazquez. Ein Lesebändchen, in der Farbe des Einbands, ist auch dabei. Man hat gute Menge Text pro Seite. Die Schriftgröße hätte gerne etwas größer ausfallen können. Aufbau: Nach einer 10-Seitigen Einleitung folgen 14 Kapitel, je ca. 40-60 S., darin wird jeder Papst und sein Wirken auf ca. 3-13 Seiten beschrieben. Anschließend gibt es Karten auf 5 S., Liste der Päpste und Gegenpäpste auf 5 S., Literaturhinweise 3 S., Bildnachweis 2 S., Personenregister 15 S., Bibliographie 23 S., dabei sind viele Quellen außer Deutsch, auf Englisch und Italienisch. Jedes Kapitel hat Fotos, die z.B. Portraits der Päpste, ehemalige Papstpaläste, Fresken und andere Kunstwerke zeigen. Darunter gibt es Kurztexte, die diese Bilder erklären. Die Päpste und ihr Wirken sind chronologisch aufbereitet, von 309/310 im ersten Kapitel bis zu unserer Zeit. Einige Beispiele: Kapitel 11. "Nepotenherrlichkeit und barocke Prachtentfaltung" beschreibt auf 46 Seiten 6 Päpste von "Paul V. bis Clemens X. (1605-1676)", darin: "Verflechtung und Ängstlichkeit: Paul V." (S. 603-612); "Aktives Intermezzo: Gregor XV." (S. 612-618); "Der Kosmos der Barberini: Urban VIII." (S. 618-630); "Die ¿Päpstin` und ihre Skandale: Innozenz X." (S. 630-640); "Den Sonnenkönig im Nacken: Alexander VII." (S. 640-649); "Maß und Maßlosigkeit: Clemens IX., Clemens X." (S. 649-654). Kapitel 14: "Schwankende Haltungen zur Gegenwart. Von Benedikt XV. bis Franziskus I. (1949 bis heute)" behandelt auf 51 Seiten 7 Päpste, darin: "Zwischen den Fronten: Benedict XV." (S.821-826); "Mussolinis Papst: Pius XI." (S. 826-836); "Der letzte Papst im alten Stil: Pius XII." (S. 836-846); "Aufbruch in die Gegenwart: Johannes XXIII." (S. 846-851); "Das Konzil und die Folgen: Paul VI., Johannes Paul I." (S. 851-860); "Polen in Rom: Johannes Paul II." (S. 860-866); "Disziplin und Fürsorge: Benedikt XVI., Franziskus I." (S. 866-872). Kapitel 13, S. 743-812: "Selbstabschließung und Sackgasse. Von Pius VII. bis Pius X. (1800-1914); Kapitel 12, S. 655-737: "Wider den Geist der Zeit. Von Innozenz XI. bis Pius VI. (1676-1799), etc. In der Einleitung beschreibt Volker Reinhardt zunächst das Amt eines Papstes, seine wichtigsten Funktionen und sagt anschließend: "Keine andere Institution der Geschichte hat ihre eigene Geschichte so oft und so kreativ neu erfunden und einen so umfassenden und häufigen Gestaltwandel erlebt wie das Papstum." S. 20. Gleich im ersten Kapitel, "Das Petrus-Problem" räumt er mit manchen Mythen auf, z.B. ob Petrus unter dem Petersdom in Rom begraben liegt, ob er, als Fischers Sohn, der erste Bischof von Rom wurde, etc. Zu seiner Vorgehensweise schreibt der Autor: "Als wissenschaftliche Darstellung der Papstgeschichte behandelt das vorliegende Buch alle Fragen des Glaubens als reine Ideen und Vorstellungen¿ Auch wer mit der Geschichte der Päpste höhere, transzendente Wahrheiten verknüpft, sollte an dieser Beschränkung keinen Anstoß nehmen: Als Wissenschaft vom Menschen ist die Geschichte im Sinne Voltaires die Summe menschlicher Erfahrungen¿"S. 19. Ein weiterer Moment, auf den der Autor hinweist, ist, dass es hier um die öffentlichen Profile der Päpste geht, da der privat-menschliche Aspekt kaum greifbar ist. Alles, was ein Kardinal macht, ist öffentlich und somit Gegenstand der Inszenierung. "Die Kurie ist früh eine höfische Gesellschaft, in der die Akteure Masken tragen. Der Historiker kann diese Inszenierungen beschreiben und deuten¿ in das "Wesen", das "Ich", das dahintersteht, hat er jedoch kaum je Einblick." S. 21. Allerdings wird das Werk dem selbst aufgestellten Anspruch: "Die vorliegende Geschichte will ein ganzheitliches Profil der Päpste und ihrer Pontifikate bieten. Dazu gehört eine Bestandaufnahme ihrer Tätigkeiten in den Hauptfeldern der Kirchenherrschaft, der moralisch-politischen Aufsicht über die christlichen Herrscher, der Machausübung in Rom und dem übrigen Kirchenstaat, des Nepotismus sowie der Mediennutzung und Propaganda im weitesten Sinne." S. 21, nicht in allen Kapiteln vollauf gerecht. Das ist z.T. aus der Anzahl der in Anspruch genommenen Seiten sichtbar. Gerade die Moderne wurde eher sparsam behandelt: Benedikt XVI. wurde auf 3,5 Seiten und Franziskus I auf 3 Seiten recht knapp beschrieben. Obwohl der Text recht dicht ist, was ein enormes Wissen auf dem Gebiet voraussetzt, in einer sachlichen und aussagekräftigen Sprache, konnte ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass das Wirken bestimmter Päpste auf nur paar Seiten für die Laien zugänglich darzulegen eine sehr ehrgeizige wie kaum erfüllbare Aufgabe darstellt. Bei manchen Kapiteln bekam ich den Eindruck, dass man mehr Wissen auf dem Gebiet mitbringen müsste, um voll in den Genuss dieser Ausführungen zu kommen. Manchmal bleibt man mit offenen Fragen zurück und liebäugelt mit weiterführender Literatur. Fazit: Ein Werk, in dem sichtbar Jahre intensiver Arbeit wie Recherche, Aufbereitung, Analyse, etc. stecken, dass das Wirken der Päpste von Petrus bis Franziskus I. aus der Sicht eines objektiv und oft kritisch schildernden Historikers darlegt. Anspruchsvoll und lesenswert.
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