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Neunzehnhundertachtundsechzig ( 1968) als Mythos, Chiffre und Zäsur als Buch
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Neunzehnhundertachtundsechzig ( 1968) als Mythos, Chiffre und Zäsur

Buch (gebunden)
Eine Analyse der historischen Bedeutung der 68er-Bewegung
Kein anderes Jahr ist im Rückblick auf die alte Bundesrepublik so umstritten wie 1968. Für die einen war es Ausdruck eines weitreichenden Werteverfalls, für die anderen Aufbruch in eine längst … weiterlesen
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Neunzehnhundertachtundsechzig ( 1968) als Mythos, Chiffre und Zäsur als Buch

Produktdetails

Titel: Neunzehnhundertachtundsechzig ( 1968) als Mythos, Chiffre und Zäsur
Autor/en: Wolfgang Kraushaar

ISBN: 393090859X
EAN: 9783930908592
Hamburger Edition

15. Oktober 2000 - gebunden - 369 Seiten

Beschreibung

Geschichte schreiben, meinte Walter Benjamin einmal, heiße "Jahreszahlen ihre Physiognomie" zu geben. Doch welche Gesichtszüge mit "1968" in Verbindung gebracht werden sollen, ist noch immer höchst umstritten. Das schillernde Jahr stand nicht nur für Aufbruch, Umwälzung und Emanzipation, sondern auch für einen Flirt mit dem totalitären Kommunismus und markiert zugleich die Geburtsstunde einer Apologie der Gewalt, des RAF-Terrorismus. In der Erinnerungskultur der Bundesrepublik spielt "1968" dennoch die Rolle einer Art Ursprungsmythos. Ob es sich zum 10., 20., 25. oder zum 30. Mal jährte, jedesmal haben sich die Medien den Hauptereignissen extensiv gewidmet. "1968" wird von vielen als eine Art soziokultureller Nachgründung der Republik angesehen. Inzwischen ist "1968" jedoch vor allem eine Münze im Kampf um das politische Selbstverständnis dieser Republik geworden. Der "Kulturkampf um 68" ist spätestens seit der deutschen Einigung ein ständig wiederkehrender Topos, an dem sich in Öffen tlichkeit und Wissenschaft die Geister scheiden.
Der 68er-Bewegung wird auch von der Zeitgeschichte die Rolle einer bedeutenden, in mancher Hinsicht sogar einzigartigen historischen Zäsur eingeräumt. Mehr und mehr Historiker haben sich darauf besonnen, dass das umstrittene Jahr die Rolle eines Knoten- und Umschlagpunktes in der Geschichte der alten Bundesrepublik spielt. Wer dem "Mythos 68" nicht aufsitzen will, dem bleibt nichts anderes übrig, als die damalige Jugendbewegung zu historisieren. Es gibt kein politisches Erbe der 68er-Bewegung, auf das sich heute noch irgend jemand unmittelbar berufen könnte.
"1968" war sicher eine starke, vielleicht sogar die weitreichendste politische Herausforderung in der Geschichte der alten Bundesrepublik. Eine Tiefenwirkung besass die antiautoritäre Bewegung vor allem aber als ein soziokultureller Bruch, als die Implementierung eines neuen Lebensgefühls, das eine erhebliche gesellschaftspolitische Durchsetzungskraft entfaltete. Das erzeugte in de n siebziger Jahren eine nachhaltige Grundspannung zwischen den in ihrer Legitimität in Frage gestellten Institutionen in Erziehung, Wissenschaft, Kirche, Presse usw. und den Staatsorganen sowie den von den etablierten Parteien geprägten Einrichtungen.
Die Frage steht im Raum, ob eine grundlegende Veränderung der Mentalitäten, Lebensstile und Lebensentwürfe, die Ausbildung zivilgesellschaftlicher Normen, die Fundamentalliberalisierung der neuen Mittelschichten in dieser Form ohne die von der antiautoritären Bewegung freigesetzten Schubkraft überhaupt denkbar gewesen wären. Der Politikwissenschaftler Wolfgang Kraushaar, einer der genauesten Kenner der 68er-Geschichte, versucht das Schlüsseljahr in seinen wichtigsten gesellschaftspolitischen Dimensionen zu dechiffrieren.

Portrait

Wolfgang Kraushaar, Dr. phil., Politikwissenschaftler, Wissenschaftler an der Hamburger Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kultur; assoziiert am Hamburger Institut für Sozialforschung. Er war bis 2015 Wissenschaftler im Hamburger Institut für Sozialforschung.
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