Blaue Frau

Roman. 5. Auflage.
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Haben wir das Recht zu schweigen?

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Produktdetails

Titel: Blaue Frau
Autor/en: Antje Rávik Strubel

ISBN: 310397101X
EAN: 9783103971019
Roman.
5. Auflage.
FISCHER, S.

11. August 2021 - gebunden - 428 Seiten

Beschreibung

Ausgezeichnet mit dem Deutschen Buchpreis 2021
Adina wuchs als letzter Teenager ihres Dorfs im tschechischen Riesengebirge auf und sehnte sich schon als Kind in die Ferne. Mit ihr greift Antje Rávik Strubel eine Figur aus ihrem frühen Roman »Unter Schnee« wieder auf. Nun ist Adina 20 Jahre alt und lernt bei einem Sprachkurs in Berlin die Fotografin Rickie kennen, die ihr ein Praktikum in einem neu entstehenden Kulturhaus in der Uckermark vermittelt. Unsichtbar gemacht von einem sexuellen Übergriff, den keiner ernst nimmt, strandet Adina nach einer Irrfahrt in Helsinki. Im Hotel, in dem sie schwarzarbeitet, begegnet sie dem estnischen Professor Leonides, Abgeordneter der EU, der sich in sie verliebt. Während er sich für die Menschenrechte stark macht, sucht Adina einen Ausweg aus dem inneren Exil. 
»Blaue Frau« erzählt aufwühlend von den ungleichen Voraussetzungen der Liebe, den Abgründen Europas und davon, wie wir das Ungeheuerliche zur Normalität machen.

Portrait

Antje Rávik Strubel veröffentlichte u.a. die Romane »Unter Schnee« (2001), »Fremd Gehen. Ein Nachtstück« (2002), »Tupolew 134« (2004) sowie den Episodenroman »In den Wäldern des menschlichen Herzens« (2016). Ihr Werk wurde mit zahlreichen Preisen geehrt, ihr Roman »Kältere Schichten der Luft« (2007) war für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert und wurde mit dem Rheingau-Literatur-Preis sowie dem Hermann-Hesse-Preis ausgezeichnet, der Roman »Sturz der Tage in die Nacht« (2011) stand auf der Longlist des Deutschen Buchpreises. Antje Rávik Strubel wurde mit einem Stipendium in die Villa Aurora in Los Angeles eingeladen sowie als Writer in residence 2012 an das Helsinki Collegium for Advanced Studies. 2019 erhielt sie den Preis der Literaturhäuser. Ihr Roman »Blaue Frau« wurde mit dem Deutschen Buchpreis 2021 ausgezeichnet. Sie übersetzt aus dem Englischen und Schwedischen u.a. Joan Didion, Lena Andersson, Lucia Berlin und Virginia Woolf.  Antje Rávik Strubel lebt in Potsdam. (www.antjestrubel.de)

Leseprobe

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Pressestimmen

Strubels gewaltige und kunstvoll komponierte Geschichte über die junge Tschechin Adina ist ein Europaroman über eine Zweiklassengesellschaft, eine queere Ost-West-Geschichte und ein feministisches Menschenrechtsplädoyer Mia Eidlhuber, Der Standard

ein starker Roman über weibliche Selbstermächtigung Anina Valle Thiele, Luxemburger Wort

Sprachlich ist Blaue Frau von atemberaubender Poesie. Nichts ist kitschig, nichts gefühlig, nichts an der Figur übergriffig. Lena Schneider, EMMA

Strubel hat ein komplexes und kluges Buch geschrieben, das auf vielfältige Weise die Frage nach der Möglichkeit von Gerechtigkeit auf allen Ebenen stellt. Bernadette Conrad, Wiener Zeitung

Sensibel, oft fast lyrisch, stets behutsam, aber nie beschönigend Melanie Brandl, Münchner Merkur

Wie Adina über ihre Sinneseindrücke beginnt, sich allmählich auch selbst wiederzufinden, sich herantastet an das Trauma, zieht Seite für Seite mehr in den Bann. Katharina Kluin, Stern online

Ich finde den Roman wirklich glänzend großartig. Joachim Dicks, NDR Kultur

So ist diese blaue Frau Teil, manchmal auch Katalysator eines Buchs, das versucht, eine Sprache zu finden für die Folgen männlicher Machtstrukturen. Ein Buch, das anschreibt gegen aufgezwungene Sprachlosigkeit. Nicola Steiner, SRF

Strubels Roman [...] ist ein filigran komponiertes Gewebe, das aus ernste, ja fast feierliche Weise den Versuch unternimmt, Brüche in der weiblichen Identität im komplizierten Einigungsprozess der EU zu spiegeln. Kerstin Cornils, junge Welt

gnadenlos, was Sprachwahl, Drastik und Botschaft angeht Andreas Platthaus, Frankfurter Allgemeine Zeitung

Zeitebenen und Erzählperspektiven verbindet sie kunstvoll Felix Bayer, Der SPIEGEL

Aber wie sie diesen schweren Stoff in eine schwebende Prosa verwandelt [...] zählt zu den nachdrücklichsten Leseerfahrungen dieses Bücherherbstes. Stefanie Wirsching, Augsburger Allgemeine

ein großer Wurf Bettina Schulte-Böning, Badische Zeitung

Spannend ist vor allem die Struktur. Denn immer wieder werden die Ebenen vermischt, verbindet sich Reales mit Traumsequenzen. [...] Reichlich Stoff zum Nachdenken! Anja Witzke, Donaukurier

fesselnd, klug, poetisch, [...] voller genauester Beschreibungen - und lässt sich am Ende trotzdem nicht ganz fassen. Blaue Frau ist ein Meisterinnenwerk. Lena Schneider, Potsdamer Neueste Nachrichten

ein großer, eindringlicher Roman im Spannungsfeld zwischen Individuum und Gesellschaft Georg Wendt, Neue Osnabrücker Zeitung

In denkwürdigen Sätzen entwickeln Strubels Alter ego und die geheimnisvolle blaue Frau eine Poetik der Diskretion. Miryam Schellbach, Die Zeit

ein sprachlich und von der Kraft der Erfindung großartiger Roman, der ernste Chancen auf den Deutschen Buchpreis haben sollte. Michael Hametner, Der Freitag

Blaue Frau ist ein Buch, das man verändert aus der Hand legt. Ellen Schweda, MDR Kultur

Strubel erzählt uns das, zwingend und schön, psychologisch klar und streng ausdifferenziert, vor dem fahlen Leuchten der finnischen Landschaft: Eine große, berührende Geschichte! Denis Scheck, ARD

es schärft den Blick, es schärft die Empathie, wie große Literatur das ja immer tut, für das, was vor unseren Augen vor sich geht und was wir allzu oft ausblenden. Denis Scheck, WDR 2

Eine auch sprachlich beeindruckende Reise. Bettina Steiner, Die Presse (Spectrum)

Mit unentrinnbarer Wucht treibt der Roman auf eine Gewalttat zu. Karin Grossmann, Sächsische Zeitung

kompromisslos erzählt [...] mit elementare[r] Wucht. Andreas Platthaus, FAZ.net

Strubel entfaltet ihre Geschichte in genauen Beobachtungen, zeigt Blicke, Verhaltensweisen, Kleidung, Tonlage, Habitus ihre Figuren. Sabine Rohlf, Berliner Zeitung

[...] ein hochambitioniertes Wechselspiel zwischen gegenwärtigen Momentaufnahmen und den seelischen Lasten der Vergangenheit. Peter Mohr, Abendzeitung München

Es ist ein sehr komplexes, packendes Buch. Andrea Gerk, Deutschlandfunk Kultur

Passagen von lyrischer Sprachintensität finden sich neben politische Statements, bittere Vergangenheiten führen in eine vielleicht hellere Zukunft [...]. Jutta Duhm-Heitzmann, WDR3

Vom Recht, sich selbst zu erzählen, und das auch noch fesselnd: Antje Rávik Strubels Roman Blaue Frau ist das Porträt einer Frau - und von Europa. Lena Schneider, Der Tagesspiegel

Was in der Zusammenfassung einfach und klar erscheint, entfaltet Strubel in aller Komplexität und Widersprüchlichkeit: die existenzvernichtende Macht eines Traumas. Richard Kämmerlings, Die Welt/Literarische Welt

ein ungeheuer vielschichtiger, kluger, politischer, psychologischer neuer Roman von Antje Rávik Strubel. Anne-Dore Krohn, rbb Kultur

eine Meisterin der inneren Zustände. [...] Bereits auf den ersten Seiten von Antje Rávik Strubels gleißendem Roman Blaue Frau setzt ein charakteristischer Sog ein. Maike Albath, Süddeutsche Zeitung

sie beherrscht die Kunst, das im Grunde Unerzählbare ohne große Worte zu thematisieren. Niels Beintker, Bayerischer Rundfunk, Bayern 2

Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung vom 22.09.2021

Der Fall ins Bodenlose

Macht löst Ohnmacht aus: Antje Rávik Strubels neuer Roman "Blaue Frau" erzählt von sexualisierter Gewalt.

Am 18. September 2006 verlässt die einundzwanzigjährige Tschechin Adina mit einer Gürteltasche gesparter Euro, einem 50-Liter-Rucksack und jeder Menge Hoffnung auf Zukunft den Busbahnhof von Liberec. Ihr Bus fährt "in die richtige Richtung", nach Deutschland, wo mit Angela Merkel zum ersten Mal eine Frau an der Spitze der Regierung steht. Gleichsam aus dem Off schaltet Antje Rávik Strubel einige Sätze aus der Regierungserklärung in die Szene, die Merkel bereits im November 2005 abgegeben hat: "Lassen Sie uns verzichten auf die eingeübten Rituale, auf die reflexhaften Aufschreie, wenn wir etwas verändern wollen. Niemand kann uns daran hindern, neue Wege zu gehen." Adina, der man bereits vor zwanzig Jahren in Rávik Strubels Episodenroman "Unter Schnee" als "letztem Teenager von Harrachov", dem kleinen Skiort dreißig Kilometer südöstlich von Bautzen, begegnen konnte, kennt diese Rede nicht. Sie kennt nur Merkels Stimme aus dem Radio. Doch sie, die in Berlin einen Sprachkurs belegen, später studieren will und all das Neue mit der Unerschrockenheit einer Naturforscherin in den Blick nimmt, mutig wie bei ihren halsbrecherischen Tiefschneeabfahrten mit blinkender Stirnlampe daheim im Riesengebirge, würde jeden Satz leidenschaftlich bejahen: eine starke Frau am Anfang des neuen Jahrtausends.

Keine zwei Jahre später wird sich Adina, schwer traumatisiert, in einem Plattenbau in Helsinki einigeln, nach der brutalen Vergewaltigung durch einen hochrangigen deutschen Kulturmanager und einer atemlosen Flucht, bei der sie drei Grenzen, drei Sprachen hinter sich gelassen hat. "Sie ist in einem Land, das sie nicht kennt, in einem Land im Norden, wo die Bäume andere sind und die Menschen eine andere Sprache sprechen, wo das Wasser anders schmeckt und der Horizont keine Farbe hat."

An ihrem der 2017 verstorbenen Freundin und Mentorin Silvia Bovenschen gewidmeten Roman, der das Psychogramm einer um die eigene Identität ringenden Frau und zugleich ein breit angelegtes europäisches Gesellschaftspanorama zu MeToo-Zeiten ist, hat Antje Rávik Strubel, wie sie im Nachwort festhält, mehr als acht Jahre gearbeitet. Es ist ihr wohl kühnster erzählerischer Wurf, seit sie 2001 in Klagenfurt für einen Auszug aus ihrem Debüt "Offene Blende" den Ernst-Willner-Preis erhalten hat.

Adinas Geschichte wird, in jeweils geänderter Tonalität, über vier Romanteile entwickelt, an unterschiedlichen Hauptschauplätzen zwischen Helsinki, Berlin und der östlichen Uckermark sowie mit wechselndem Personal im Vordergrund. Erzählt wird nicht linear, sondern in einem raffinierten Wechsel von Vorausdeutungen und assoziativen Erinnerungssplittern. In der finnischen Hauptstadt, wo der Roman einsetzt, muss der Leser die Protagonistin zunächst ganz nach unten begleiten. Wie in Nebel stochernd, müht sich eine zutiefst verletzte Frau, "die Handgelenke lose, wie aus der Verankerung gerissen", um Zugriff auf ihr in Scherben liegendes Lebens. Was bleibt, neben Albträumen, Rachephantasien und Viru Valge, dem eiskalten finnischen Seelentröster?

Da sind Short Cuts der eher tristen Nachwende-Kindheit eines Mädchens am Fuß des Krkonose, das zur Samtenen Revolution gerade fünf ist. Nach dem Tod des Partisanen-Großvaters wächst Adina unter Frauen auf und wird nur vom digitalen Lagerfeuer eines Chatrooms gewärmt, in dem sie sich "der letzte Mohikaner" nennt. Wenn sie den Krieger aus Coopers Klassiker in sich spürt, fühlt sie sich frei und ohne Angst, jenseits jeder geschlechtlichen Determination. Und schließlich ist da noch der estnische EU-Diplomat Leonides Siilmann, der sich in der Hotelbar, in der Adina schwarzarbeitet, in sie verliebt. Die Begegnung mit dem feingeistigen Professor, der statt Virginia Woolf eher Zygmunt Baumann oder Umberto Eco liest und die "Dunkelstellen" des Stalinismus freilegen möchte, ist für Adina ein Durchatmen, ein Luftholen - mehr nicht. Denn für die existenzielle Not seiner Geliebten hat Leonides kein Gespür: "Bei seinem Einfühlungsvermögen, das für ganz Europa reicht, hätte ihm auffallen müssen, dass etwas nicht stimmte mit ihrer Haut, mit ihrem Zurückzucken im Bett, etwas, das in Ordnung gebracht werden musste."

Schritt für Schritt steigt der Leser mit Adina zurück ins Herz des Schreckens: Als ihr die lesbische Fotografin Rickie, für die sie in Berlin nach den Deutschkursen Modell steht und die in ihren Bildern "den letzten Mohikaner zum Vorschein" gebracht hat, einen Praktikumsplatz auf einem Gut in der Uckermark vermittelt, ist die Katastrophe nicht mehr aufzuhalten. Das Abhängigkeitsverhältnis zwischen dem hemdsärmeligen Selfmademan Razlav Stein, einem Ex-NVA-Offizier, der in der uckermärkischen Pampa ein Kulturzentrum als Ost-West-Drehscheibe ausbauen will, und dem westdeutschen "Multiplikator" Johann Manfred Bengel, einem "uralten Mann in Turnschuhen", der dafür die nötigen Fördertöpfe anzapfen und Kontakte herstellen soll, gerät für Adina zur Falle. Als sie, anderthalb Jahre später, auf einem Kulturempfang in Helsinki, zu dem sie Leonides begleitet, hinter sich Bengels Räuspern hört - "ein Geräusch, das vom Tod kam" -, fällt sie ins Bodenlose.

Mit der Aktivistin Kristiina, die sich Adinas annimmt und den vierten Teil des Buchs dominiert, rücken sexualisierte Gewalt und der Umgang mit ihr nicht mehr nur als individuelle Leidensgeschichte, sondern als strukturelles gesellschaftliches Problem in den Blick. Die akribisch aufgebotenen Fakten, unter deren Last das kunstvolle Romangebäude gegen Ende hin ächzt, sind erschreckend genug: "Sexualisierte Gewalt gilt überall als sicheres Verbrechen."

Was aber hat es mit der titelgebenden "blauen Frau" auf sich? Eine weitere Erzählebene dieses an Spiegelungen und literarischen Verweisen von Ilse Aichinger bis Joan Didion nicht eben armen Romans verfolgt deren Begegnungen mit einer eng an die Autorin gebundenen Ich-Erzählerin, die in Helsinki für ein Romanprojekt recherchiert. In den anfangs wie kleine Prosagedichte eingestreuten, später weiter ausgreifenden Passagen gibt die blaue Frau, als eine Art Katalysatorin des Erzählens, die poetischen Obertöne des Romans vor; sie bestimmt, wer spricht, sprechen darf: "Wenn die blaue Frau auftaucht, muss die Erzählung innehalten." In Rávik Strubels Roman werden immer wieder Machtverhältnisse durchdekliniert: Meist sind es die zwischen Männern und Frauen, hin und wieder, wie in Rickies Berliner Bohème-Clique oder im Fall von Bengels Schweizer Begleiterin, die die Augen vor der Vergewaltigung verschließt, jene zwischen Frauen. Aber auch die (Macht-)Strukturen zwischen Ost- und Westeuropa, Ost- und Westdeutschland werden seziert, in der Figur des tatenarmen, doch gedankenvollen Leonides oder im Fall des bitterböse überzeichneten Herr-und-Knecht-Duos aus Bengel und Stein.

Auch die der Autorin sehr ähnliche Ich-Erzählerin, die bei Erscheinen ihres vierten Romans ("Tupolew 134", 2004) genauso lang in der Bundesrepublik gelebt hat wie in der DDR, weiß um all diese Antagonismen. Als ostdeutsche Schriftstellerin zu gelten, schien ihr damals fad. "Nach entsprechender Zeit war ich selbst westdeutsch geworden, als wäre Sozialisation eine Art Smog, der einen ihm ausgesetzten Körper durchdringt. Erst im Brodeln von Paris, New York und Helsinki, in der Salzluft des Pazifiks und den eisigen Weiten Lapplands löste er sich auf." Finnland erscheint ihr fast ideal, als "Gehirn mit zwei Gedächtnissen". Eine Insel der Seligen ist das Land, in dem der von Kristiina spöttisch "Saunapräsident" genannte Urho Kekkonen 25 Jahre lang Politik nach Männerart machte, keineswegs. Doch vielleicht können die bisher übersehenen Geschichten hier besser geschrieben werden? NILS KAHLEFENDT.

Antje Rávik Strubel: "Blaue Frau". Roman.

Verlag S. Fischer, Frankfurt am Main 2021. 430 S., geb.

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Empfehlungen Ihres Buchhändlers
Jens M.
von Jens M. - Hugendubel Buchhandlung Frankfurt am Main Steinweg - 06.11.2021
Von der ersten Zeile an bemerkt man, dass Antje Ravik Strubel Form und Inhalt beherrscht, dass die Sprachbilder stimmen und alles in eine wunderbare Poetik überführt wird. Erzählt wird die Geschichte von Adina, die nach verschiedensten Schicksalsschlägen ihrem Leben wieder Sinn geben möchte ...
Bewertungen unserer Kunden
Nicht mein Buch
von Christiane Fi - 14.11.2021
Kennt Ihr das auch? Du hättest Zeit zum Lesen, aber das Buch will dich einfach nicht einfangen, du liest Seite um Seite, aber eigentlich hast du gar nicht verstanden was da steht, weil deine Gedanken bei was anderem waren, bei der Bügelwäsche vielleicht.... Du blätterst zurück. Du willst ja nichts auslassen! 2.Versuch... aber nach ein paar Seiten stellst du fest, dass die Gedanken bereits wieder woanders sind. OK, also keine Lesezeit, dann ist es vielleicht doch Bügelzeit. Ein paar Stunden später, sitze ich wieder hier. Worte und Sätze sind aneinandergereiht. Ich schweife schon wieder ab und sehe das Unkraut im Garten, ich stehe auf und ziehe mir Gartenhandschuhe an. Das gibt es doch nicht! Ich habe in 8 Tagen nur 153 Seiten gelesen? Das lese ich doch sonst an einem Tag! Ich werde einfach nicht warm mit Adina, Sala, Nina, der letzte Mohikaner, der Protagonistin, mit den vielen unterschiedlichen Namen, sie hat kein Gesicht, ich weiß nicht mal ihre Haarfarbe. Oder habe ich den Teil überlesen? Aufgewachsen ist sie in Tschechien, nach ihrem Abitur ist sie nach Deutschland gezogen. Irgendwann war sie in Rio, ach nein, auf Seite 150 erfahre ich, dass sie nur mit Rio gechattet hat. Dann gibt es noch eine andere Zeitebene: Adina befindet sich in Helsinki. Dorthin scheint sie geflüchtet zu sein. Warum, habe ich noch nicht herausgefunden, denn die Autorin lässt mich im Nebel, sie weicht aus und umschreibt einfach alles. Und um es noch komplizierter zu machen gibt es eine weitere Geschichte - Die blaue Frau: Diese taucht immer im Hafen von Helsinki auf. ABBRUCH auf Seite 153. Ich hasse es Bücher abzubrechen, es lässt mich unzufrieden zurück. Aber mein Haushalt ist aufgeräumt, die Bügelwäsche ist weg und im Garten wächst auch kein Unkraut mehr. Ich möchte jetzt endlich wieder lesen.
Mehr als eine [*]MeToo Geschichte
von Booklove15_11 - 25.10.2021
Adina wächst in einem abgelegenen tschechischen Dorf in der Region Riesengebirge auf. Ein Örtchen, die mit Armut gekennzeichnet ist und überwiegend vom deutschen Skitourismus lebt. Ohne Altersgenossen, vaterlos, nur mit ihrer Mutter und mit den seelischen, gleichsam materielle Überbleibsel von ihren Großeltern lebt Adina zwischen einer Schule und einem Glühweinstand, wo sie Teilzeit arbeitet und Deutsch lernt, chattet in ihrer Freizeit mit Leuten aus Rio über Gott und die Welt. In dem Chatraum heißt sie "Der letzte Mohikaner". Wo am 18. September 2006 zum ersten Mal eine Frau für die Deutsche-Bundesregierung gewählt wurde, reist die 21-jährige Adina mit schwer erspartes Geld in der Gürteltasche, eine Tüte Apfelspalten und mit seit Kindheit geliebtes grünen Pullover nach Deutschland ein. Mit den Ohren Frau Merkels Rede: "Niemand kann uns daran hindern, neue Wege zu gehen." Im Gedanken: Deutschland ist meine Zukunft. Denn Adina möchte hier Naturwissensschafen studieren. In Berlin angekommen, lernt sie nicht nur Deutsche-Grammatik, sondern auch eine Fotografin kennen und Dank ihr bekommt sie ein bezahltes Praktikum in Uckermark. Weil sie jeden Cent für ihr zukünftiges Studium braucht, ertrugt sie den Namen, die ihr Chef aus Vergessenheit ihr gegeben hat. In Brandenburg heißt sie "Nina". Doch es ist nicht der letzte Name, den sie bekommen hat. Die Geschichte fängt in Helsinki an. Eine junge Frau sitzt in einem Plattenbau, in von einem fremden möblierten Wohnung, und beobachtet die Bäume vor dem Fenster. Dabei versucht sie eine Anzeige gegen Sexualgewalt zu formulieren und erinnert sie sich an den letzten zwei Jahren. Mittlerweile hat Adina drei Grenzen und drei Sprachen hinter sich, schwer traumatisiert aber ein bisschen verliebt ist sie auch. Denn als sie nach Finnland flüchtete, lernt sie Leonides, einer estnischer Professor und EU-Abgeordneten, kennen, der sie liebevoll "Sala" nennt. Und es ist der vierte Name, den sie bekommen hat... Adina, kleine Mohikaner, Nina, Sala... Eine junge Frau mit vier Namen, die in 21. Jahrhundert innerhalb EU flüchten und in der europäischen Gesellschaft um eigener Identität kämpfen musste. Schnörkellos und rätselhaft nimmt Strubel ihre LeserIn auf eine Zugreise. Langsam aber sicher gleiten wir zwischen drei Staaten, halten wir an um die neuen Gäste einsteigen zu lassen, fahren wir eine weile mit denen, machen wir neue, teilweise unangenehme Erfahrungen und in der nächsten Haltestelle lernen wir neue Fahrgäste kennen. Allerdings wer hier eine schnelle Fahrt wünscht, ist in dem falschen Zug einstiegen. Denn unsere Zugführerin Adina fährt gemächlich und nimmt ihre Umgebung sehr detailgetreu wahr. Doch wer sich auf diese Reise einlässt, wird mit unaufgeregte aber künstlerisch fein gemalte [*]MeToo Bilder belohnt. Eine Geschichte wie ein Moor. Steckt man erst mal drin, kann man sich nicht mehr befreien! Wohl verdiente Deutschen Buchpreis 2021!
Komplex und intensiv
von Circlestones Books Blog - 25.09.2021
"Ich frage die blaue Frau, ob es sich nicht umgekehrt verhalte. Ob nicht das Erzählen vor dem Leben geschützt werden müsse, vor dem Gewöhnlichen, dem Vergessen, dem Vergehen der Zeit." (Zitat Pos. 1650) Inhalt Adina, geboren 1984 wächst in einem Dorf im tschechischen Riesengebirge auf, in einem im Winter von Touristen besuchten Schigebiet. Am 18. September 2006, sie ist einundzwanzig Jahre alt, fährt sie nach Berlin. Sie besucht Deutschkurse, denn sie will Geowissenschaften studieren. Durch die Fotografin Rickie erhält Adina eine Praktikumsstelle auf einem Landgut in der Uckermark. Razlav Stein hat das verfallene Anwesen gekauft und will ein Kulturzentrum errichten. Den Namen Adina kann er sich nicht merken, er nennt sie Nina. Es ist ein Abend mit wichtigen Investoren, der ihr Leben völlig verändert. Sie flieht nach Helsinki, wo sie den estnischen Professor Leonides Siilmann, der sie liebevoll Sala nennt, kennenlernt. Eines Abends nimmt dieser sie auf einen Empfang mit, wo ihre Vergangenheit sie einholt. Wer ist diese junge Frau mit den drei Namen, die sich selbst jedoch "Mohikaner" nennt und wer ist die blaue Frau, die ihre Geschichte begleitet und die Ilse Aichinger zitiert? Thema und Genre In diesem komplexen Roman geht es um die auch nach dreißig Jahren noch bestehenden mentalen und wirtschaftlichen Grenzen zwischen Ost und West, wobei Finnland das Bindeglied ist. Themen sind Gewalt an Frauen, Traumata, das Wegsehen der Gesellschaft, Ausbeutung, und die Lebensumstände der aus Osteuropa stammenden Menschen im Westen. Charaktere Die Autorin formt ihre Figuren, sie geht hart und realistisch mit ihnen um. Es geht ihr die tatsächlichen Umstände, Entscheidungen, Handlungen, Befindlichkeiten, die sie genau beobachtet und präzise beschreibt. Adina ist Opfer, weil es die Geschichte einer Frau ist, die durch ein einschneidendes Erlebnis zum Opfer wurde, die Autorin lässt ihrer Hauptfigur keine Wahl für mögliche andere Entscheidungen. Adinas Stärke zeigt sich, wenn der Mohikaner auftaucht, der in ihrer Jugend irgendwann plötzlich da war, eine Art Alter-Ego und ihr vierter Name. Handlung und Schreibstil Die Geschichte beginnt in Helsinki, wir folgen Adina als Mittelpunkt der personalen Erzählform, sehen durch ihre Augen die Umgebung, die Gegenstände ihrer Wohnung, aber auch Helsinki und die weiteren Orte der Handlung, immer wieder die genauen Beobachtungen der Natur, der Bäume, präzisiert durch Licht und Schatten. Sie erinnert sich an die Zeit mit Leonides, den sie gerade verlassen hat. Der zweite Teil geht in der Zeit zurück und schildert Adinas Ankunft und Neubeginn in Berlin. Es folgt der dritte Teil mit den Ereignissen in dem Landhaus an der Oder, der vierte Teil beschreibt ihren Weg aus der Uckermark bis nach Helsinki und verbindet sich hier mit der Gegenwart. Ergänzt wird die Geschichte durch Erinnerungen an ihre Kindheit und Jugend. In einem eigenen Erzählstrang taucht immer wieder die blaue Frau auf, sie trägt einen hellen Mantel und ein blaues Tuch. "Wenn die blaue Frau auftaucht, muss die Erzählung innehalten." (Zitat Pos. 146). Die Momente dieser Begegnungen werden von einer Ich-Erzählerin geschildert. Die Autorin überlässt es uns Lesenden, diese Figur zu interpretieren, für mich ist es die Idee zu diesem Roman, zur Figur der Adina und zum gesamten Schreibprozess. Fazit Ein vielschichtiger, packender Roman mit brisanten aktuellen Themen, mit spannenden Varianten der Erzählperspektiven, mit trotz kleiner Längen sprachlich beeindruckenden Schilderungen, der nachdenklich stimmt und einige wichtige Aspekte der eigenen Interpretation der Lesenden überlässt.
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