Die Enkelin

Roman. Originaltitel: Die Enkelin. LEINEN.
Buch (gebunden)
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Birgit ist zu Kaspar in den Westen geflohen, für die Liebe und die Freiheit. Erst nach ihrem Tod entdeckt er, welchen Preis sie dafür bezahlt hat. Er spürt ihrem Geheimnis nach, begegnet im Osten den Menschen, die für sie zählten, erlebt ihre Bedrück … weiterlesen
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Die Enkelin als Buch (gebunden)

Produktdetails

Titel: Die Enkelin
Autor/en: Bernhard Schlink

ISBN: 3257071817
EAN: 9783257071818
Roman.
Originaltitel: Die Enkelin.
LEINEN.
Diogenes Verlag AG

27. Oktober 2021 - gebunden - 368 Seiten

Beschreibung

Birgit ist zu Kaspar in den Westen geflohen, für die Liebe und die Freiheit. Erst nach ihrem Tod entdeckt er, welchen Preis sie dafür bezahlt hat. Er spürt ihrem Geheimnis nach, begegnet im Osten den Menschen, die für sie zählten, erlebt ihre Bedrückung und ihren Eigensinn. Seine Suche führt ihn zu einer völkischen Gemeinschaft auf dem Land - und zu einem jungen Mädchen, das in ihm den Großvater und in dem er die Enkelin sieht. Ihre Welten könnten nicht fremder sein. Er ringt um sie.


Portrait

Bernhard Schlink, geboren 1944 bei Bielefeld, ist Jurist und lebt in Berlin und New York. Der 1995 erschienene Roman Der Vorleser , 2009 von Stephen Daldry unter dem Titel The Reader verfilmt, in über 50 Sprachen übersetzt und mit nationalen und internationalen Preisen ausgezeichnet, begründete seinen schriftstellerischen Weltruhm.
Bewertungen unserer Kunden
Aufwühlend und berührend
von karo_liest - 25.10.2021
Als Kaspar eines Abends aus seiner Buchhandlung nach Hause kommt, findet er seine Frau tot in der Badewanne vor. War es Selbstmord oder ein Unfall? Birgit hatte Depressionen und Alkoholpropleme. Und wie Kasper aus ihren Aufzeichnungen erfährt, hatte sie auch ein Geheimnis. Er macht sich auf die Suche und begibt sich auf die Spuren der Vergangenheit seiner Frau. Diese Spuren führen ihn in den Osten Deutschlands zu einer völkischen Gemeinschaft, zu Svenja, Birgits Tochter, die sie nach deren Geburt in der damaligen DDR zurückgelassen hat. Und die Spuren führen somit auch zu Svenjas 14-jähriger Tochter Sigrun, der Enkelin von Birgit. Bernhard Schlink hat mit "Die Enkelin" wieder einen großartigen Roman geschrieben. Mit einer ruhigen, klaren Sprache, die doch gleichzeitig so wuchtig und beeindruckend ist, erzählt er aus dem Leben des Buchhändlers Kaspar. Erzählt rückblickend über dessen Studentenzeit. Wir erfahren, wie Kaspar in der ehemaligen DDR in den 60er Jahren Birgit kennengelernt und ihr zur Flucht in den Westen verholfen hat. In der Gegenwart treffen wir auf eine Gemeinschaft rechtsradikaler Menschen. Wir treffen auf die Familie von Sigrun und lernen deren extreme Ansichten kennen. Kaspar bemüht sich um seine Stief-Enkelin und möchte ihr die Augen öffnen für seine Welt. Dabei stellt sich die Frage: Inwieweit dürfen wir eingreifen in die Welt der anderen, in deren Leben, ihre Ansichten? Mich hat dieses Buch absolut begeistert und berührt. Es gehört definitiv zu meinen Lese-Highlights dieses Jahres.
Aufwühlend und berührend
von karo_liest - 25.10.2021
Als Kaspar eines Abends aus seiner Buchhandlung nach Hause kommt, findet er seine Frau tot in der Badewanne vor. War es Selbstmord oder ein Unfall? Birgit hatte Depressionen und Alkoholpropleme. Und wie Kasper aus ihren Aufzeichnungen erfährt, hatte sie auch ein Geheimnis. Er macht sich auf die Suche und begibt sich auf die Spuren der Vergangenheit seiner Frau. Diese Spuren führen ihn in den Osten Deutschlands zu einer völkischen Gemeinschaft, zu Svenja, Birgits Tochter, die sie nach deren Geburt in der damaligen DDR zurückgelassen hat. Und die Spuren führen somit auch zu Svenjas 14-jähriger Tochter Sigrun, der Enkelin von Birgit. Bernhard Schlink hat mit "Die Enkelin" wieder einen großartigen Roman geschrieben. Mit einer ruhigen, klaren Sprache, die doch gleichzeitig so wuchtig und beeindruckend ist, erzählt er aus dem Leben des Buchhändlers Kaspar. Erzählt rückblickend über dessen Studentenzeit. Wir erfahren, wie Kaspar in der ehemaligen DDR in den 60er Jahren Birgit kennengelernt und ihr zur Flucht in den Westen verholfen hat. In der Gegenwart treffen wir auf eine Gemeinschaft rechtsradikaler Menschen. Wir treffen auf die Familie von Sigrun und lernen deren extreme Ansichten kennen. Kaspar bemüht sich um seine Stief-Enkelin und möchte ihr die Augen öffnen für seine Welt. Dabei stellt sich die Frage: Inwieweit dürfen wir eingreifen in die Welt der anderen, in deren Leben, ihre Ansichten? Mich hat dieses Buch absolut begeistert und berührt. Es gehört definitiv zu meinen Lese-Highlights dieses Jahres.
von Johannes - 25.10.2021
Bernhard Schlink ist hier wieder ein großartiges Stück Literatur gelungen. Ihm gelingt es wieder einmal geschichtliches in einen Roman zu verpacken. Dies allerdings so elegant und tiefgründig, dass man gar nicht weiß wo man anfangen soll. Die Protagonisten sind so toll herausgearbeitet, dass der Leser selbst gefragt ist wie er alles interpretiert. Bernhard Schlink wirft zeitaktuelle Fragen auf, liefert Erklärungsansätze für bestimmte Denkweisen und entwickelt so ein riesiges Potenzial zu vermitteln. Nur leider werden die Wenigsten sich von diesem Meisterwerk inspirieren lassen, denn dazu müssten sie es ja lesen. Alles in allem beschreibt er mit seinem Buch nicht nur eine packende emotionale Geschichte sondern auch eine großartige Gesellschaftskritik. Klare Kaufempfehlung und auch eine Empfehlung für den Deutschunterricht!
Neue Studien aus dem Wilden Osten ?!?
von Martina Bade - 24.10.2021
Diese Rezension kommt aus Mecklenburg. Kaspar Wettner betreibt seit Jahrzehnten in Berlin eine Buchhandlung. Seine Frau Birgit hat zum Anfang auch im Laden mitgeholfen. Doch bald hat sie das nicht mehr erfüllt. Nach Monaten in einem indischen Ashram macht sie eine Ausbildung zur Goldschmiedin, dann eine zur Köchin. Dann beginnt sie vermeintlich zu schreiben. Schon lange sind Alkohol und Medikamente ihre Begleiter, als sie eines Tages in der Badewanne ertrinkt. Kaspar geht in Birgits Schreibstube auf Spurensuche und findet Teile seiner eigenen und der gemeinsamen Vergangenheit. Die beiden, er aus dem Westen, sie aus dem Osten Berlins, lernen sich als Studenten in Ostberlin kennen. Bei Diskussionsveranstaltungen und in der Kneipe bei Ingrid. Nicht lange, und Kaspar setzt alle Hebel in Bewegung, dass Birgit zu ihm nach West-Berlin kommt. Die Flucht gelingt. Aber Birgit hat Zeit ihres Lebens ein Geheimnis gehütet. Sie hat eine Tochter. Als sie 20jährig auf den Parteifunktionär Leo reinfällt, der sie dann in der Schwangerschaft sitzen lässt, bekommt sie das Kind und beauftragt eine Freundin, den Säugling direkt nach der Geburt auf die Schwelle des Pfarramtes zu legen. Nach dieser langen Zeit beginnt Kaspar die Suche nach Birgits Tochter. Und findet sie in der Tat in einer völkischen Gemeinschaft in einem Dorf nahe Güstrow, in Lohmen, denn um Güstrow schien es die meisten zu geben . Und Kaspar findet nicht nur Birgits Tochter Svenja sondern auch deren 14jährige Tochter Sigrun und Svenjas Mann Björn, der den Gast gleich mal nach dem potentiellen Erbe der Mutter abcheckt. Diese Gier macht sich der frisch gebackene Stiefopa zunutze und ab sofort verbringen Sigrun und er Zeit miteinander in Berlin. Dies aber erst, nachdem Björn ihm das Versprechen abgenommen hat: Kein Alkohol, kein Piercing, kein Kino oder TV. Vorneweg: Bei Bernhard Schlink ist der Leser oder die Leserin sprachlich auf der sicheren Seite. Keine Experimente, alles sauber durcherzählt. Da sind wir safe wie in Abrahams Schoss. Und natürlich blitzt auch immer wieder auf, dass Schlink gelernter Jurist ist. Bei der mittlerweile stetig anschwellenden Flut von Juristen und Juristinnen, die der Überzeugung sind, dass sie nicht nur Bücher juristischen Inhalts schreiben können, muss das nicht unbedingt sein. Die Leserschaft hat da teilweise schon lange Leidenswege mit belletristisch dilettierenden Staats- und Rechtsanwälten hinter sich. Die Geschichte kommt langsam in Fahrt, zu langsam. Auf Seite 100 kann man den Eindruck bekommen, man befände sich im Geteilten Himmel 2.0 . Dann aber wird aus der Ost-West-Story, mit der Behäbigkeit der 31 Jahre Nachwende, eine sehr gegenwärtige Erzählung. Von der Neuen Rechten, von Menschen, die in deren Gemeinschaft die Struktur und Orientierung suchen und finden, die die heutige Gesellschaftsordnung nicht mehr vorrätig hält. Und die auch vor Gewalt nicht zurückschrecken. Über das letzte Drittel des Buches und vor allem über die Figur des Opa Kaspar kann und soll sich jeder und jede eine eigene Meinung bilden. Dieses Buch ist auf jeden Fall ein rechtschaffener Versuch, sich dem Phänomen erzählend zu stellen.
Unsere Vergangenheit ist etwas, das immer bei uns ist
von Lue - 23.10.2021
Erst nach dem Tod seiner Frau Birgit erfährt der Buchhändler Kaspar, was in all den Jahren ihrer gemeinsamen Ehe zwischen ihnen stand. Birgit hütete von Anfang an ein Geheimnis, das sie nach ihrer Flucht hinter sich lassen wollte, wie sie auch den Osten hinter sich ließ. Kaspar möchte Birgits Vergangenheit aufarbeiten, möchte sich ihren früheren Problemen stellen. Seine Suche endet in einer völkischen Gemeinschaft, wo er ein junges Mädchen trifft - seine Enkelin. Es entsteht ein Konflikt zwischen zwei Welten, zwischen Ost und West und bringt den politischen Konflikt auf eine persönliche Ebene. Das für den Diogenes Verlag typische schlichte Cover lässt auch in Kombination mit dem Titel nicht auf den Inhalt schließen und auch der erste Teil der Geschichte erweckt den Eindruck, als folge etwas anderes. Schlink verpackt seinen Roman in einen nüchternen Schreibstil, der dennoch viele Emotionen erkennen und mitfühlen lässt. Er ergänzt damit perfekt den Hauptcharakter Kaspar mit seiner nachdenklichen und zurückhaltenden Art. Der Konflikt ist offensichtlich, der bürgerlich-demokratische Kaspar gegen die völkischen Werte seiner Enkelin, trotzdem sind die Konsequenzen nicht so berechenbar, wie es scheint und das Ende birgt Ernüchterung anstatt Erleichterung. Insgesamt ein gelungener Roman mit sentimentalem Beginn, worauf eine kleine Spannungskurve folgt, die bis zum Ende aufrechterhalten werden kann. Der schlinkische Schreibstil ist bestimmt nichts für jede*n, trotzdem ist das Buch empfehlenswert, besonders der interessanten Ost-West-Geschichte wegen. Dabei ist es gar nicht schwerfällig, sondern leicht und kurzweilig zu lesen.
Meisterhafte Literatur
von Anonym - 23.10.2021
Mit seinem neuen Roman beweist Schlink wie schon bei seinen mir bekannten Romanen "Der Vorleser" und "Olga", dass er ein begnadeter zeitgenössischer Autor ist. Thematisch ähneln sich die vorgenannten Bücher in gewisser Weise. Auch vorliegend nehmen Rechtsradikalismus bzw. völkischer Nationalismus Raum ein. Hinzu kommen der Sozialismus in der ehemaligen DDR und das Leben in ihr in der Nachwendezeit, also alles gesellschaftspolitisch bedeutsame Aspekte, die entsprechend interessierte Leser ansprechen. Doch worum geht es? In den 1960er Jahren verlieben sich der Student Konrad aus West-Berlin und die Studentin Birgit aus Ost-Berlin bei einem Pfingsttreffen. Sie ist schwanger von einem Parteimitglied, ohne dass Konrad davon weiß. Er verhilft ihr zur Flucht in den Westen. Das Kind hat sie von einer Freundin vermeintlich aussetzen lassen, tatsächlich wurde es dem leiblichen Vater überlassen. Jahrzehnte später schreibt Birgit ein Buch über ihr Leben und will sich auf die Suche nach ihrer Tochter machen. Beide Vorhaben bleiben unvollendet, weil sie stirbt. Konrad erfährt aus den Aufzeichnungen von der Tochter. Nunmehr sucht er nach ihr und findet sie in einer völkischen Siedlung in einem ostdeutschen Dorf. Listig stellt er Kontakte zu deren Tochter Sigrun her und bringt dieser ein Leben jenseits rechten Denkens nahe. Sigrun wendet sich tatsächlich gegen ihre Eltern, schließt sich aber der autonomen rechten Szene in Berlin an, wo die Situation eskaliert. All das und noch viel mehr erzählt Schlink in seiner gewohnt bedächtigen, gleichwohl kraftvollen Schreibweise. Verschiedene weltanschauliche Ansätze, die zu verfolgen äußerst interessant ist, führt er durch die verschiedenen Romanfiguren ein. Konrad mit seinen liberalen Ansichten steht in krassem Gegensatz zu den rechten Parolen und Denkweisen, die sich Sigrun und ihre Familie zueigen machen. Ohne sie belehren zu wollen, will Konrad sie geduldig auf den rechten Weg bringen. Volle Leseempfehlung.
Mein Land - Dein Land
von Anonym - 22.10.2021
Buchhändler Kaspar liest nach dem Tod seiner Frau Birgit deren Aufzeichnungen. Wir erfahren, wie er seinerzeit Ihre Flucht aus der DDR organisiert hat und was sie für das Leben mit ihm tatsächlich alles aufgegeben hat. Er macht sich in Ostdeutschland auf die Spurensuche und findet dabei Menschen, die im Leben seiner verstorbenen Frau eine wichtige Rolle gespielt haben. Unter anderem findet er ihre Enkelin, die in einer völkischen Gemeinschaft aufwächst. Die Welten der beiden könnten unterschiedlicher nicht sein. Trotzdem setzt er alles daran, ein Teil ihres Lebens zu werden und das Vermächtnis seiner Frau zu vollenden. Es geht um Alkoholismus, Ost-West-Konflikte, rechte Gesinnung sowie die Frage: Kann man geliebte Menschen wirklich zu 100% kennen? Kann man Menschen retten, obwohl sie in einer anderen Welt zu leben scheinen? Ich konnte das Buch nicht aus der Hand legen und werde noch lange darüber nachdenken. Pflichtlektüre!
Ein Meisterwerk vom Meister
von Clara - 20.10.2021
Bernhard Schlink hat hier mit seinem genialen Buch Die Enklin ein neues Meisterwerk erschaffen. Geschickt sind die Erzählstränge miteinander verwoben und der Schreibstil ist wie immer genial. Es geht um Generationen, Schicksalsschläge, Kulturgut der deutsch-deutschen Geschichte, Motive und biographische Puzzlestücke. Langsam setze sich die Geschichte postmortal nach dem Tod von Birgit zusammen, denn der Ehemann nimmt die Spur auf und stolpert über bisher unbekannte Facetten der alkoholkranken Ehefrau. Dabei ist die Handlung sehr klar und sachlich beschrieben, wobei sich auch emotionale Themen puzzlestückartig aneinanderreihen. Die Enklin Sigrun ziert das Cover, die auch eine beeindruckende Schlüsselrolle in dem Buch einnimmt. Ein Buch, dass von der ersten bis zur letzten Seite fesselt und deren 368 Seiten viel zu schnell durchgelesen waren.
Ungewöhnliche Geschichte
von Anonym - 19.10.2021
Die Enkelin ist ein zweifellos toller Roman, der eine ungewöhnliche Geschichte erzählt. Kaspar findet seine geliebte Frau Birgit tot in ihrer Wohnung. Als er später ihren Nachlass sichtet, stellt er fest, dass Birgit Geheimnisse vor ihm hatte. Die Geheimnisse sind durchaus sehr gravierend und eröffnen Kaspar die Option, neue Menschen, darunter eine Enkelin, in sein Leben zu lassen. Dabei wird er allerdings mit einer Weltsicht konfrontiert, die mit seiner eigenen enorm kollidiert. Mir gefällt der ruhige Schreibstil des Buchs, der gut zu Kaspar passt. Die Charaktere sind durchaus unterschiedlicher Natur und längst nicht alle sympathisch - genauer gesagt, hat jeder der Charaktere seine Fehler und wird dadurch authentischer. Kaspar reflektiert viel und meistert den Zwiespalt, in dem er sich mit seiner Enkelin oft befindet, ziemlich souverän. Was mir nicht gut gefällt, ist, dass der Sprachstil Kaspars nicht von dem Birgits oder seiner Enkelin abweicht. Das macht das Lesen des mittlerein Parts teilweise anstrengend und verhindert etwas einen tieferen Inneneinblick in die Enkelin. Vor allem Kaspar und Birgit ähneln sich in ihrem Erzählstil zu sehr. Was mich ebenso verwundert, ist, dass Kaspar eine aus meiner Sicht nicht angemessene Reaktion auf die Offenbarungen Birgits Geheimnisse reagiert. Dass er besonnen ist und Birgit dennoch liebt - geschenkt, aber jeder Mensch wäre um einiges bestürzter und verletzter als er es war.
Verzwickte Familiengeschichte zwischen Ost und West
von Lisbethsalander - 18.10.2021
Birgit flieht kurz nach dem Mauerbau über die deutsch-deutsche Grenze aus Ostberlin in den Westen, um mit Kaspar zusammen zu leben, den sie bei dessen Besuch in der DDR kurz zuvor kennengelernt hat. In ihrer alten Heimat lässt die junge Frau auch ihr Kind zurück, dass sie sofort nach der Geburt zur Adoption frei gegeben hat, da sie als Teenager ungewollt während einer Affäre mit einem verheirateten Mann schwanger geworden war. Die Existenz ihres Kindes, über dessen Aufenthaltsort Birgit selbst nichts weiß, verschweigt sie ihrem Ehemann Kaspar jedoch zeitlebens. Zwar trägt sich die Mutter lange mit dem Gedanken, sich auf die Spurensuche nach ihrer Tochter zu machen, nachdem dies durch die Öffnung zwischen den beiden deutschen Staaten und der Wiedervereinigung möglich geworden ist, doch kann sie das Vorhaben leider nicht in die Tat umsetzen. Zu früh verstirbt sie tragisch an den Folgen ihrer krankhaften Alkoholsucht. Durch schriftliche Hinterlassenschaften erfährt Kaspar von der Existenz der Tochter seiner toten Frau und macht sich selbst auf die Suche. Er findet nicht nur die Tochter selbst, sondern auch deren Familie. Auf diesem Wege wird er auch mit der Existenz einer quasi Stiefenkeltochter und seiner Rolle als plötzlicher Großvater konfrontiert. Durch den Tod von Birgit nun auch recht einsam, engagiert sich Kaspar intensiv als Opa, obwohl ihm dies nicht wirklich leicht fällt, lebt die neu gefundene Familie doch einen recht unterschiedlichen Lebensstil als er selbst und hat vor allem komplett andere politische Einstellungen. Svenja und ihr Mann Björn sowie Tochter Sigrun leben in den neuen Bundesländern als sogenannte völkische Siedler und finden auf diese Art und Weise ihre Erfüllung. Der "neue Großvater" lädt die Enkelin zu sich nach Berlin ein, zeigt ihr die Großstadt, bringt ihr klassische Musik nahe, besucht mit ihr Konzerte, lässt sie im Klavierspiel unterrichten u. genießt vor allem ihre Gesellschaft, auch wenn das Zusammensein nicht immer harmonisch und durchaus von kleineren Konflikten geprägt ist. Bernhard Schlink hat mich mit diesem Buch stark beeindruckt und teilweise sehr berührt! Seine klare,eindringliche, manchmal einfach wirkende, und doch so poetische Sprache macht dieses Geschichte zu einem großartigen Leseerlebnis, von mir hierfür eine absolute Empfehlung! Für mich auf jeden Fall ein Werk mit Highlight-Potential!
Ein grandioses Werk
von Anonym - 17.10.2021
Ich finde das Schlink ein grandioser Autor ist und das hat er auch in diesem Buch wieder unter Beweis gestellt.Die Geschichte ist in seiner typischen Schreibweise geschrieben und hat mich sehr beeindruckt. Es gab keine Längen und alles war verständlich und sehr interessant. Das Buch war in drei Teile gegliedert, wobei der mittlere der Stärkste war. Ich fand die gesamte Idee des Buches äußerst gelungen. Das der Großvater, die Tochter seiner verstorbenen Frau sucht und sich dann um dessen Tochter wie ein echter Opa kümmert, fand ich rührend, auch das er ihr die Musik näher bringt und versucht sie dadurch aus dem rechten Sumpf zu ziehen. Ein zeitaktuelles Thema und erschreckend was der Vater so alles denkt und tut. Das Buch beinhaltet soviele Themen, tragisch war auch der Tod der Frau und was Alkohol so alles kaputt machen kann. Das Cover ist schlicht, wie üblich bei Schlink, schön gestaltet und absolut passend. Eine ganz klare Leseempfehlung und volle Punktzahl.
viele Geheimnisse
von v_im_wunderland - 17.10.2021
Nach dem tragischen Unfalltod seiner Frau Birgit ist nun Kaspar auf sich allein gestellt. Doch dies ist nicht die einzige Herausforderung mit der der Witwer kämpfen muss. Denn um seine Verzweiflung noch zu erhöhen, muss er feststellen, dass Birgit so manches Geheimnis vor ihm hatte und er bei weitem seine eigene Ehefrau nicht so gut kannte, wie er dachte. Und so gräbt er sich immer tiefer in das Leben und die Gefühlswelt seiner Frau und erfährt so einiges über ihre aber auch über die gemeinsame Vergangenheit. Es ist ein sehr gelungener Roman, welcher den Leser auf eine Reise in die DDR mitnimmt und man gut einen Eindruck von dem Leben der jungen Menschen erhält. Auch das Kennenlernen von Kaspar und Birgit wird in dem Buch aus beiden Perspektiven gut beschrieben und so lernt man in dem Buch beide Ehepartner nach und nach sehr gut kennen und geht mit ihnen gemeinsam auf eine intensive Reise.
Wer bist du?
von Petra Wiechmann - 17.10.2021
Birgit ist zu Kaspar in den Westen geflohen. Jetzt ist sie tot. Selbstmord, Unfall? Sie hat viel zurück gelassen im Osten, wieviel, erfährt Kaspar erst nach ihrem Tod. Er macht sich auf die Suche nach den Menschen, nach ihrem Leben dort. Findet ihre Tochter von der er nichts wusste und eine Enkelin. Damit beginnt eine Beziehung die er so vorher nicht kannte. Das Buch ist in drei Teile aufgeteilt, für jede Frau eins, das Verbindende ist Kaspar, der Buchhändler, der Feingeist, der Liebende und Verständnisvolle. Alle Frauen bekommen den ihnen zustehenden Raum für Gefühle und Gedanken, ihre Handlungen werden beschrieben nicht bewertet. Nur Kaspar steht über allem, sein Gefühl und Denken wird seinem Handeln gleichgesetzt. Er ist Beobachter, Chronist, Mann, Großvater und vor allem für jeden der Halt in einer Welt die überfordert. Er kommt nicht zu kurz in diesem Roman, aber am Ende habe ich ihn lieb gewonnen und hätte ihm gern mehr Raum gegeben. Es ist auch ein Roman über uns Deutsche, wie wir mit der Teilung und Wiedervereinigung umgehen, auch über dreißig Jahre danach. Das leise Mitleid und Unverständnis mit denen aus und im Osten. Das manchmal von Oben herab, das Unverständnis von uns Wessis zu den Aussagen aus dem Osten ( besonders auffällig wieder nach der Bundestagswahl ). Der Autor beschreibt die Seele der Menschen. Er zeigt die Zerrissenheit zwischen dem Handeln und dem Denken. Er beschreibt, bewertet aber nicht. Er überlässt es uns Lesern unsere eigenen Schlüsse zu ziehen. Er fordert das Nachdenken noch lange nach dem Buch. Jedes mal wenn ich ein Buch von Bernhard Schlink gelesen habe, frage ich mich, wie macht er das, dass ich einerseits Mitleid mit den Protagonisten habe, sie andererseits auffordern möchte, tu endlich etwas und dann wieder frage, wie hättest du reagiert. Er fordert mich mit dem ersten Satz auf, nicht nur zu lesen, sondern mit zu denken vielleicht in Gedanken andere Wege zu gehen.
Ausgezeichnet!
von tansmariechen - 13.10.2021
Birgit ist tot. Der Buchhändler Kaspar kommt nach Hause und findet seine alkoholkranke Frau Birgit tot in der Badewanne. War es ein natürlicher Tod? War es Selbstmord? War es ein Unfall? Während Kaspar sich mit dem Nachlass seiner Frau beschäftigt, stellt er fest, dass er Birgit gar nicht kannte. Er begibt sich auf Spurensuche in Birgits Vergangenheit. Er spricht mit Menschen, die für sie wichtig waren, bevor sie aus dem Osten zu ihm in den Westen geflohen ist. Er entdeckt, was sie alles zurück gelassen hat. Den Roman "Die Enkelin" hat Bernhard Schlink gemeinsam mit dem Verlag Diogenes am 27.10.2021 herausgebracht. Das Cover ist in dem klassischen Stil des Diogenes Verlages gestaltet und zeigt Sigrun im Porträt. Die junge Frau hat mich sofort fasziniert. Den Blick konnte ich nicht von ihr wenden. Ich habe mir die Frage gestellt, was sie zu erzählen hat, wer sie ist und was sie bewegt. Mit diesem Gedanken habe ich das Buch aufgeschlagen. Es ist die erste Geschichte von Bernhard Schlink, die ich lese. Ganz sicher ist, das ich mich mit weiteren Werken des Autors beschäftigen werde, denn mich hat diese Geschichte in allen Teilen gefesselt. Schlink ist Jurist. Selten habe ich einen Roman gelesen, in dem der Handlungsstrang so ruhig, so sachlich und aus so vielen Blickwinkeln erzählt wird. Gleichzeitig gelingt es ihm, die Gefühle und Empfindungen seiner Personen mit nur wenigen Worten zu beschreiben. So werden sie in meinem Kopf lebendig. Gemeinsam mit Kaspar habe ich mich auf die Suche nach Birgits Leben im Osten vor ihrer Flucht in den Westen gemacht. Beinahe beiläufig vermittelt der Autor einiges an Wissen über die deutsch-deutsche Geschichte, die Anspannungen und Schwierigkeiten in der Ost-West-Beziehung und die völkische Gemeinschaft auf dem Land. Seine Persönlichkeiten sind vielschichtig aufgebaut. Ich habe mich intensiv mit Kaspar, seiner alkoholkranken Frau Birgit und deren Enkelin Sigrun beschäftigt. Je weiter ich gelesen habe, desto besser konnte ich sie verstehen. In sich sind die Charaktere alle stimmig aufgebaut. In ihrer Zusammensetzung sind Konflikte vorprogrammiert. Ihre Handlungen und Gedankengänge sind allesamt nachvollziehbar. Sie sind menschlich und nicht immer richtig. Doch wer macht schon immer alles richtig? Mit diesem Buch habe ich viele unterhaltsame Lesestunden verbracht. Gerne empfehle ich es weiter. Bernhard Schlink unterhält aus dem Blickwinkel des Beobachters mit einer Mischung aus vielen Formen der Liebe, verschiedenen Facetten der Menschlichkeit und der deutsch-deutschen Geschichte in einer außergewöhnlichen Erzählkunst. Von mir eine klare Leseempfehlung für alle, die das zu schätzen wissen.
Familienbande
von Ännie - 13.10.2021
Birgit hatte ein schweres Päckchen zu tragen. Das war Kaspar immer klar. Ihre Liebe (oder seine Liebe?) war groß, so groß, dass sie in der Lage war, die innerdeutsche Grenze im Jahr 1964 zu überwinden. So groß, dass sie Birgits Suche nach ihrem Weg im Leben getragen und ertragen hat, ihr Scheitern, ihre Neuanfänge, ihre Fluchten in ein mäandrierendes in den Tag hinein leben, schreiben und trinken. Ein Leben als Flucht, deren Ausmaße Kaspar sich erst vollständig offenbaren, als er - genau so still wie er mit ihr gelebt hat - Abschied von Birgit nehmen muss. Er will ihr nah sein, bricht ein Tabu und sieht ihre Unterlagen, ihre Recherchen und ihre Texte durch und findet ein gigantisch großes Geheimnis, das ihm seine Frau ganz neu erklärt. Mit Neugier und sehr großer Akzeptanz für die Sache an sich, geht er dieses alte neue Kapitel seines Lebens an und findet Menschen, die ihm fremd sind, durch die er aber die Verbindung zu seiner Frau spürt und lange Vergangenes nicht einfach ruhen lässt, sondern eine Aufgabe für sich daraus generiert. Er findet die Enkelin Sigrun. Ein Mädchen, dass in so vielem an seine Birgit erinnert, aber vollkommen anders erzogen und aufgewachsen ist. Eine Haltung zum Leben, zur Politik, zur Geschichte, die er nicht vertritt und weit davon entfernt ist, sie auch nur in Ansätzen gutzuheißen, doch Sigrun ist ihm wichtiger Bernhard Schlink zeichnet das Bild eines Protagonisten, der in unvorstellbar großer Akzeptanz und Toleranz einem Umstand begegnet, mit dem die absolute Mehrzahl der Menschen ihre heftigen Probleme haben dürfte. Kaspar versucht nicht, sich einzumischen, er versucht Impulse zu geben, Horizonte zu weiten. Wenn er eingreift, dann auf eine absolut konstruktive Art, nicht unterbindend. Er streitet nicht, aber er stimmt auch nicht zu, er widerspricht, aber belegt dies mit Argumenten. Manche fallen sofort auf fruchtbaren Boden, andere müssen keimen. Diese wertschätzende, altruistische Einstellung hat mich sehr beeindruckt und an das Buch gebunden. Kaspar ist für mich der Prototyp eines leisen Menschen, passend dazu sein Beruf des Buchhändlers. Seine Ruhe ist dabei jederzeit mehr Stoa als Phlegma - was man ja ebenfalls vermuten könnte. Kapsar ergibt sich nicht in Situationen, er nimmt sie an. Die Schilderung der Beziehung und deren Entwicklung zwischen Sigrun und Kaspar ist gerade in ihrer Unaufgeregtheit fesselnd. Schlink zeigt dabei keinen gerade Weg auf, mahnt nicht mit erhobenem Zeigefinger, maßt sich nicht an, zu behaupten, dass Sigrun gerettet werden muss, ruft dem Leser nicht zu hier guck an, der Großvater bringt das Mädchen ruckzuck auf den rechten Weg, alles total einfach . Im Gegenteil agiert er - oder er lässt Kaspar so agieren, wie seinen Erzählstil fließen - bedacht, beharrlich, auch im Wissen, dass ein Scheitern möglich ist und das man auch dieses akzeptieren kann und muss. Fazit: eine bewegende Geschichte über eine traurige Frau, einen bewundernswert altruistischen Mann, ein Mädchen, dass dachte, sein Weg sei schnurgerade und plötzlich Biegungen und Kreuzungen entdeckt. Lesenswert!
Ost und West - zwei Welten
von Herbstrose - 13.10.2021
Als Buchhändler Kaspar Wettner abends nach Hause kommt, findet er seine Frau Birgit tot in der Badewanne. Unfall oder Selbstmord? Kaspar weiß es nicht, er weiß nur, dass seine Frau Alkoholikerin war, verschlossen und in sich gekehrt, und er sie trotzdem sehr geliebt hat. Erst nach Wochen kann er sich dazu überwinden, ihren Schreibtisch zu öffnen und ihre Unterlagen zu sichten. Dabei findet er das Manuskript eines Buches, ihres Buches, ihre Lebens- und Leidensgeschichte zu der Zeit in der DDR, bevor Kaspar ihr zur Flucht nach Westberlin verhalf und sie dort heiratete. Was er darin erfährt erschüttert ihn zutiefst. Als er Birgit kennen und lieben lernte war sie bereits schwanger von Leo Weise, einem verheirateten Parteigenossen, und gebar kurz vor ihrer Flucht ein Mädchen, das sie Svenja nannte. Hebamme war ihre Freundin Paula, die das Kind seinem Vater Leo und dessen Frau übergab. Während der ganzen Zeit ihrer Ehe mit Kaspar sehnte sich Birgit nach ihrer Tochter, brachte aber nie den Mut auf, nach ihr zu suchen. Sie vermutete in ihr eine kraftvolle, lebensfrohe, glückliche junge Frau - in Wirklichkeit war Svenja auf die schiefe Bahn geraten und drogen- und alkoholabhängig. Inzwischen muss sie über vierzig Jahre alt sein und Kaspar beschließt, sie zu suchen. Sein Weg führt ihn in den Osten Deutschlands wo er auf Menschen trifft, die in Birgits früherem Leben eine bedeutende Rolle gespielt haben. Im Dorf einer völkischen Gemeinschaft trifft er auf Svenjas 15jährige Tochter Sigrun, die er sofort als seine Enkelin ansieht. An ihr will er das Vermächtnis seiner Frau vollenden, doch ihre beiden Welten sind grundverschieden Der Autor Bernhard Schlink wurde 1944 in Bielefeld geboren, wuchs in Heidelberg auf, studierte in Heidelberg und Berlin Jura, promovierte 1975 in Heidelberg zum Dr. jur. und habilitierte in Freiburg/Brsg. zum Professor für Öffentliches Recht. Er lehrte an den Universitäten in Bonn, Frankfurt/Main und Berlin und war von 1987 bis 2006 Richter am Verfassungsgerichtshof. Seinen Erfolg als Schriftsteller hatte er ab 1987 - inzwischen veröffentlichte er einige Sachbücher und vierzehn Romane, für die er zahlreiche Preise und Auszeichnungen erhielt. Heute lebt Schlink in New York und Berlin. Hauptsächlich zwei Figuren dominieren in diesem Roman. Da ist der schon ältere Buchhändler Kaspar, der den Verlust seiner Frau damit bewältigt, dass er deren uneheliche Tochter Svenja in den Ferien bei sich aufnimmt und dem Mädchen, das bisher in einer völkischen Dorfgemeinschaft aufgewachsen ist, alles bietet, was Berlin zu bieten hat. Das geht jedoch nicht ohne Konflikte ab. Ein großes Lob gebührt dem Autor, der es großartig versteht, die einzelnen Charaktere mit all ihren Stärken und Schwächen zu beschreiben. Der Leser wird überschüttet mit einer Flut von Emotionen. Man schwankt zwischen Ärger und Mitgefühl und ist oft wütend über die Borniertheit und den Unverstand mancher Zeitgenossen. Der Schreibstil ist dabei von einer gekonnt sachlichen Nüchternheit, klar, präzise und schnörkellos, wie man ihn auch bisher von Schlinks Romanen kennt. Fazit: Eine Geschichte die berührt, nachdenklich stimmt und zu Diskussionen anregt. Sehr lesenswert!
Menschen in Ost und West
von Emmmbeee - 12.10.2021
Birgit ist noch vor der Wende von der DDR zu einem Freund nach Westdeutschland geflohen. Sie hat jedoch ihr neugeborenes Kind zurückgelassen, denn von ihm wusste Kaspar nichts. Zudem wäre die Flucht noch schwieriger geworden. Keinesfalls wollte sie es dem Kindsvater übergeben, der sie im Stich gelassen hatte und nun mit seiner unfruchtbaren Frau das Baby aufziehen möchte. Doch ihre Freundin und Geburtshelferin Paula brachte es nicht über sich, das Baby auf die Stufen eines Waisenhauses zu legen. Birgit kommt mit dem Verlust ihres Kindes und der Ungewissheit über seinen Verbleib nicht zurecht, wird zur Alkoholikerin und stirbt, bevor sie die Suche starten kann. Ihr Mann Kaspar findet ihre Aufzeichnungen, forscht nach der Tochter und findet im Osten Deutschlands ein rechtsextremes Milieu vor, das ihn abstößt. Dennoch will er seiner Stieftochter ihr Erbe zukommen lassen. Beim Lesen habe ich erschrocken mitverfolgt, wie verkehrt alles läuft, auf welche Vorurteile und Feindschaften ein Mann stößt, der verantwortungsbewusst handeln will, vor allem gegenüber Stieftochter Svenja. Sie und die gemeinsame Tochter Sigrun stehen unter der Fuchtel des gewaltbereiten, völkisch-faschistisch ausgerichteten Ehemannes Björn. Mit Freude las ich jedoch, was der Stief-Großvater seiner intelligenten und begabten Enkelin geben, welche Welt er ihr eröffnen kann. Doch im dritten Teil erfolgt eine unerwartete Kehrtwende, vieles läuft noch einmal in die falsche Richtung, in eine andere Welt, letztlich in einen anderen Erdteil. Bernhard Schlink ist Jurist, und selbstverständlich kann er diesbezüglich in einem weiten Themenfeld schürfen. In den drei Teilen des Romans geht um Recht und Unterdrückung, um die völkische Gemeinschaft und um Vorurteile, um rechtsextreme Strömungen, Rassismus und Habgier. Meine Sympathien sind bei keiner Person ungeteilt. Birgit war Alkoholikerin und allzu unschlüssig, Kaspar scheint mir bei aller liebenden Fürsorge reichlich schwach. Svenja unterwirft sich zu sehr ihrem Mann Björn, Enkelin Sigrun schwankt zwischen den Welten. Doch Paula als Bindeglied ist die selbstlose Vermittlerin, der starke Angelpunkt, die vieles zum Guten lenkt. Ein mitreißender Roman, spannend von A bis Z. Der Stil ist voller Leben, angefüllt mit Bildern, die Handlung hat einen flotten Drive. Viele Themen kommen zur Sprache, tiefgründig geht Schlink den Problemen und Missverständnissen nach. Mit wieviel Freude und Hoffnung hat man die deutsche Wiedervereinigung gefeiert, und wie schwierig ist sie teils noch heute. Seit längerem wieder der erste Roman, bei dem ich gleich hineingefunden und kein einziges Mal quergelesen habe.
Ein echtes Leseerlebnis
von Sophie H. - 12.10.2021
Dies war mein erstes Buch von Bernhard Schlink und ich frage mich, warum? Warum habe ich diesen grandiosen Autor nicht eher entdeckt? Zum Buch: Kaspar ist Buchhändler und kommt wie jeden Abend nach Hause. Wie jeden Abend findet er die Wohnung in einem katastrophalen Zustand vor, denn seine Frau Birgit ist Alkoholikerin. Kaspar vermutet sie im Bett und beginnt, die Wohnung aufzuräumen. Doch Birgit schläft nicht, sie ist in der Badewanne ertrunken. Als Kaspar ihren Nachlass regelt, entdeckt er ein Manuskript, an dem Birgit seit Jahren gearbeitet hat. Es ist eine Autobiographie, in der Birgit schildert, wie ihr einst mit Kaspars Hilfe die Flucht aus der DDR gelang. Beim Lesen muss Kaspar entdecken, dass seine Frau ein großes Geheimnis hatte und er Birgit in Wahrheit gar nicht richtig kannte. Kaspar macht sich auf den Weg in die ehemalige DDR, um das in die Tat umzusetzen, was Birgit sich nicht getraut hat. Kaspar findet nicht nur Birgits Tochter, sondern auch ihre Enkelin, doch die ist so ganz anders, als man sich eine Enkelin wünscht. Für mich hat sich beim Lesen des Buches eine ganz neue Welt aufgetan, von deren Existenz ich zwar wusste, aber mehr auch nicht. Der Einblick hat mich tief nachdenklich gemacht. Dieses Buch wird mich gedanklich sicherlich noch eine ganze Zeit begleiten. An den etwas holprigen Schreibstil von Schlink musste ich mich erst gewöhnen, aber dann konnte ich das Buch kaum aus der Hand legen. Schlink erzählt unaufdringlich, aber mit mächtigem Sog. Obwohl der Mann ein Protagonist ist, konnte ich mich sofort in ihn hineinversetzen. Eines der besten Bücher, die ich in diesem Jahr gelesen habe, deswegen eine ganz glasklare Leseempfehlung von mir!
kommt an Vorgänger nicht ran
von Sandra - 11.10.2021
Birgit ist zu Kaspar in den Westen geflohen, für die Liebe und die Freiheit. Erst nach ihrem Tod entdeckt er, welchen Preis sie dafür bezahlt hat. Er spürt ihrem Geheimnis nach, begegnet im Osten den Menschen, die für sie zählten, erlebt ihre Bedrückung und ihren Eigensinn. Seine Suche führt ihn zu einer völkischen Gemeinschaft auf dem Land - und zu einem jungen Mädchen, das in ihm den Großvater und in dem er die Enkelin sieht. Ihre Welten könnten nicht fremder sein. Er ringt um sie. Die Geschicht an sich hat mich schon interessiert vorallem da Herr Schlink lange Zeit einer meiner Lieblingsschriftsteller war. Die Beschreibung der Beziehung zwischen Kaspar und Birgit fand ich auch sehr schön. Jedoch rückt mir dann die Geschichte der DDR zu sehr in den Vordergrund und auch die Sätze sind mir stellenweise zu wirr formuliert gewesen. Das Lesevergnügen war dadurch doch sehr geschmälert.
Interessanter Geschichtsabriss
von Dunja Droske - 09.10.2021
Einen interessanten Geschichtsabriß, den Bernhard Schlink hier ausbreitet, bei dem allerdings der Titel des Buches - Die Enkelin - irreführend ist. So geht es in der Geschichte keineswegs in erster Linie um eine Enkelin. Der eigentliche Protagonist Kaspar wird durch den plötzlichen Tod seiner Frau und eines von ihr verfassten Manuskriptes animiert, sich mit ihrer Vergangenheit auseinander zu setzen. Diese Schatten reichen über die DDR bis in die heutige Zeit und bis in die völkische Bewegung. Erzählt wird in drei Abschnitten, die ihre eigenen Fragen aufwerfen, was die Handlungen und möglichen Handlungen der Personen aufwerfen. Wie weit kennt man jemand, mit dem man lebte wirklich? Wie weit mische ich mich in das Leben der anderen ein? Was macht Geschichte mit uns? Zerstören alte Handlungen auch noch in der Gegenwart das Leben von Personen? Nein, für mich regt das Buch zum Nachdenken nicht nur über die Enkelin an. Sondern vor allem auch über Kaspar. Warum handelt er, wie er handelt? Was geht ihn das alles an? Hinter Kaspars wirkliche Motivation bin ich nicht befriedigend gekommen. Auch hat das Buch ein offenes Ende und einige lose Fäden werden nicht verknüpft. Ja, es ist ein interessantes Buch, von dem ich mir auf Grund der Leseprobe aber etwas mehr versprochen hatte. Doch nichts desto trotz ist es lesenswert.
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