Die Königin von Berlin

Sie war die Muse von Bertolt Brecht. Roman. 3. Auflage.
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Die Bühne war ihr Leben - und ihr Leben eine Bühne

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Produktdetails

Titel: Die Königin von Berlin
Autor/en: Charlotte Roth

ISBN: 3426282321
EAN: 9783426282328
Sie war die Muse von Bertolt Brecht. Roman.
3. Auflage.
Droemer HC

2. März 2020 - gebunden - 416 Seiten

Beschreibung

Ein aufregender Roman über Carola Neher, eine der schillerndsten Schauspielerinnen der Weimarer Republik von der Bestseller-Autorin Charlotte Roth.
Wo sie auftritt, jubeln die Menschen der geheimnisvollen Carola Neher zu. Die Theater reißen sich um sie. Berlin liegt ihr zu Füßen in jenen letzten Jahren der Weimarer Republik. In durchfeierten Nächten verdreht sie einem berühmten Mann nach dem anderen den Kopf - doch im Herzen bleibt sie allein. Das ändert sich, als sie dem Dichter Klabund begegnet, ein Suchender und ein Getriebener wie sie selbst.
Ausgerechnet sie, die begehrte femme fatale, verliebt sich in den scheuen, zurückhaltenden Dichter, der von der gleichen inneren Glut verzehrt wird wie sie selbst. Was keiner für möglich gehalten hätte, tritt ein: Sie heiratet ihn. Doch eine brave Ehefrau wird Carola nicht, denn schon bald lockt sie das wilde Leben - und die Künstler Berlins, darunter Bertolt Brecht, der ihr die Chance ihres Lebens bietet ...

In diesem Roman setzt Bestseller-Autorin Charlotte Roth der Schauspielerin Carola Neher ein Denkmal, die in den 20er Jahren die Muse vieler berühmter Männer war und als Brechts erste Polly unsterblich wurde.


Portrait

Charlotte Roth, Jahrgang 1965, ist gebürtige Berlinerin, Literaturwissenschaftlerin und seit zehn Jahren freiberuflich als Autorin tätig. Charlotte Roth hat Globetrotter-Blut und zieht mit Mann und Kindern durch Europa. Sie lebt heute in London, liebt aber Berlin über alles.
Ihr Debüt, „Als wir unsterblich waren", war ein Bestseller, dem seitdem zahlreiche weitere Romane über Frauenschicksale vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte folgten.




Leseprobe

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Pressestimmen

"Ein schillernder Roman, mindestens ebenso glamourös und dramatisch wie ein gutes Theaterstück!" Bella's Wonderworld (Blog)

"Diese Geschichte muss einfach gelesen werden!" Lesezeit (Blog)
Bewertungen unserer Kunden
Eine Frau will hoch hinaus
von zeilenausgold - 22.02.2021
Karoline, Carola, Carla Neher - die gleiche Frau, jedoch nicht dieselbe, wie es scheint. Ihre Persönlichkeit ist so vielfältig und verschieden, wie ihre Affären es sind - zahlreichen dient sie als Muse, darunter der egozentrische und unsympathische Bertold Brecht. Dabei verfolgt die Königin von Berlin nur ein Ziel: Sie will auf die Bühne, und das in einer Hauptrolle. Sie geht dabei nicht zimperlich vor, sondern ist auf ihren eigenen Vorteil bedacht, was sie nicht sonderlich sympathisch macht. Auch die anderen Charaktere, außer Klabund, ihrem späteren Ehemann, sind nicht sonderlich sympathisch oder können den Leser mitziehen. Von der Verehrung der Carola Neher konnte man ebenfalls nichts spüren - ich hätte mir mehr Glanz und Glamour um eine schillernde Persönlichkeit gewünscht. Die Sprache von Charlotte Roth ist jedoch wunderbar und animiert absolut zum Weiterlesen!
Und am Ende geht es doch ans Herz
von Selina M. - 20.08.2020
Karoline Neher weiß, dass für ihr Leben nur eine Karriere als erfolgreiche Schauspielerin in Frage kommt. Diesen Weg stellt sie für sich nicht in Frage und verlässt München lediglich mit ihrem Mantel und ein paar Mark in der Tasche Hals über Kopf. Doch sie schafft es nicht gleich in den Ort ihrer Träume: Berlin. Und auch die ersten Engagements lassen auf sich warten. Doch Karolines Glaube an sich selbst sowie die Bekanntschaft zu Bertholt Brecht scheinen auf Kurz oder Lang alles möglich zu machen. Zugegebenermaßen hat es zu Beginn des Romans einen Moment gedauert, eh ich mit der wilden, von ihrem Traum, Schauspielerin zu werden, maßlos überzeugten Karoline warm wurde. Gerade die Anfangszeit in Baden-Baden erschien mir doch sehr naiv. Doch dies änderte sich: Ich liebe das von der Autorin beschriebene Berlin der 1920er-Jahre und auch Carola Neher wird für mich immer authentischer. Gerade die Liebe zu ihrem Fredi ging ans Herz und am Ende hatte ich es ziemlich schwer, mich von Carolas Geschichte zu verabschieden. Carolas Beziehung zu Bertholt Brecht ist etwas sonderbar einzigartiges, das dem Buch einen besonderen Reiz gibt, einen aber auch irgendwie verwundert zurücklässt. Den Aufbau betreffend fand ich es sehr schön, dass Carolas/Karolines Geschichte eingebettet ist in die Nachforschung eines Mannes namens Georg über ihre Person Ende der 1970er-Jahre. Dieser trifft im Wohnort - Weyher bei Edenkoben - von Carolas geliebtem Onkel, einem scheinbar gottverlassenen Ort, auf die junge Annette, die ihr Dasein in der Bibliothek des Dorfes fristet. Jahrzehnte nach Carolas Leben auf der Überholspur hat diese noch einen Einfluss auf Annettes vorgegebenes und scheinbar hoffnungsloses Leben. Auch dies geht ans Herz! Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung für die Erzählung über ein einzigartiges Leben im Berlin der 1920er-Jahre und über die Beziehungen einer Frau, die sich nicht sicher ist, ob überhaupt ein zu lieben fähiges Herz in ihrer Brust schlägt. Die Liebe zu Schauspiel und Theater ist dabei jedoch unanfechtbar.
Mal etwas völlig anderes!
von Inge Held - 02.06.2020
*Beurteilung* Ich muss gestehen, dass dies mein erster Charlotte Lyne Roman war und es ist gar nicht so einfach, dieses facettenreiche Buch zu beschreiben, weil ich mich ehrlich gesagt überhaupt nicht für Brecht und seine Werke, erst recht nicht für seine Muse Carola Neher interessiere. Es ist allein der vielschichtige Aufbau der Geschichte und der hervorragende Schreibstil der Autorin, der es mir angetan hat. Bereits die viel zu kurze Leseprobe bei Vorableben hatte mir sehr gut gefallen, besonders die Einleitung, weil die Autorin mich als Leserin persönlich angesprochen hatte. Es wirkte wie eine Szene im Theater und so holte Sie mich mehr oder weniger auf die Bühne. Das steigerte meine Laune und machte mich neugierig. Charlotte Lyne spricht den Leser als einen von vielen Zuschauer Ihres Publikums an und holt ihn damit auf ihre Bühne, wo zunächst einmal ein gewisser Georg Becker in Erscheinung tritt. Wir schreiben das Jahr 1979. Dieser Musiker versucht die Vergangenheit von Carola Neher zu ergründen und besucht dafür den kleinen pfälzischen Ort Weyher, wo er auf die liebe Annette trifft, die Bibliothekarin des Dorfes. Georg sucht hier nach Spuren von Carola Neher, deren Onkel in Weyher gelebt haben soll. Die beiden freunden sich schnell an und die liebe, junge Annette hilft ihm bei seiner Recherche. In den 1920er Jahren hatte Bertolt Brecht jene mir nichts sagende Carola als Schauspielerin für seine Theaterstücke entdeckt. Später wurde sie seine Muse und Geliebte. Durch diese erworbenen Kenntnisse über das Leben der Künstlerin beginnt Annette, ihr eigenes Leben zu überdenken. Und so pendelt der Roman zwischen beiden Erzählsträngen zeitlich und räumlich hin und her. Der Leser lernt viel über Bertolt Brecht und die damalige Kunst-, Literatur sowie Theaterszene, gleichzeitig begleiten wir die liebe Annette, die in einer völlig anderen Zeit aufgewachsen ist und trotzdem dafür kämpfen muss, ihre Wünsche zu realisieren. Fasziniert haben mich an diesem komplizierten Roman nicht die Fakten, sondern die Relativität und das Fiktive. Egal zu welcher Zeit man als Frau geboren wird, man hat immer sein Kreuz zu tragen und immer haben wir Weiber etwas zu meckern. Wir sind nie zufrieden mit dem was ist oder was wir haben. Ein Buch, nicht nur für Literatur und Theater interessierte Leserinnen und Leser geeignet, sondern auch für Querdenker. Die sollten sich vielleicht sogar noch mehr angesprochen fühlen. *Fazit* Der Schreibstil hat mich regelrecht begeistert. Die Königin von Berlin ist ein farbenprächtiges Porträt der Welt um Annette, Bertolt Brecht, Georg, Carola und Klabund, den habe ich ja ganz vergessen zu erwähnen, sorry, das ist auch so ein bunter Hund ... jedenfalls ist das Buch ganz perfekt in Szene gesetzt, überzeugend aufbereitet und so wirkt dieses Buch auch nach dem Einschlafen noch lange nach. © 2020 Frau-mit-Hut
Interessanter Werdegang einer Schauspielerin
von Gisel - 01.06.2020
Carola Nehers Lebenstraum war die Schauspielerei im Berlin der Weimarer Republik. Ihr Weg dahin war jedoch nicht vorgezeichnet, sie benötigte viel Durchhaltevermögen vor allem zu Beginn ihrer Karriere. Doch das änderte sich, als sie Bertolt Brecht kennenlernte. Heute ist sie kaum noch bekannt, zu ihrer Zeit war sie allerdings eine der schillerndsten Schauspielerinnen. Die Autorin Charlotte Roth erzählt in einem Roman die Geschichte der Carola Neher, dabei hält sie sich im wesentlichen an die Lebensgeschichte der Schauspielerin. In vielen Facetten wird ihr Werdegang geschildert, so dass der Leser sich gut in sie hineinversetzen kann. Gut verständlich wird dabei die Einsamkeit der Protagonistin, die trotz aller Erfolge auf sie lauerte. Charlotte Roth versteht es spannend zu erzählen. Ganz besonders gefallen hat mir, dass sie die Geschichte wie ein abendfüllendes Theaterstück erzählt. In zwei verschiedenen Handlungssträngen erzählt, bleibt die Geschichte von Georg etwas im Hintergrund, eigentlich ist sie auch nicht wirklich nötig. Ein Glossar ergänzt die Erzählung am Schluss des Buches. Diesen interessanten Roman über die einst schillernde Schauspielerin Carola Neher hat mir sehr gut gefallen, ich empfehle das Buch gerne weiter und vergebe 4 von 5 Sternen.
Nicht so packend wie erhofft
von Panagiota Leissou - 31.05.2020
Von der Autorin Charlotte Roth habe ich schon so einiges gelesen, deshalb muss ich vorab betonen, dass dies nicht das beste Buch von ihr ist, meiner Meinung nach. Ein wenig zum Inhalt: die begehrte Femme fatale Carola Neher gilt als eine der attraktivsten Schauspielerinnen der Weimarer Rebuplik und überrascht alle als sie trotz ihres exentrischen Lebensstils den introventierten und zurückhaltenden Dichter Klabund heiratet. Doch Carola hat ein weitaus durchaus spannenderes Leben und ist kein Mauerblümchen hinter dem Herd. Die erzählte Person hat wirklich gelebt und war auch weitaus bekannt in der Schauspielwelt der damaligen Zeit. Von daher war es interessant das Leben dieser Rebellin zu beobachten. Anderseits aber hatte das Buch viele Längen, was es durchaus schwierig machte der Handlung mit Spannung zu folgen. Ich bin also einfach nicht warm geworden mit diesem Buch und hoffe darauf, dass sich Charlotte Roth zukünftig mit ihrem gewohnten Schreibstil wieder der fiktiven Welt zuwendet.
Sie war die Muse von Bertolt Brecht.
von Inge Weis - 28.05.2020
Faszinierendes Portrait der kapriziösen Carola Neher. Eine interessante Frau in einer spannenden Zeit, war die Muse von Brecht, Klabunds Seelenverwandte und der schillerndste Stern Berlins in den zwanziger Jahren. Wo sie auftritt, jubeln die Menschen der geheimnisvollen Carola Neher zu. Die Theater reißen sich um sie. Berlin liegt ihr zu Füßen in jenen letzten Jahren der Weimarer Republik. In durchfeierten Nächten verdreht sie einem berühmten Mann nach dem anderen den Kopf - doch im Herzen bleibt sie allein. Das ändert sich, als sie dem Dichter Klabund begegnet, ein Suchender und ein Getriebener wie sie selbst. Ausgerechnet sie, die begehrte femme fatale, verliebt sich in den scheuen, zurückhaltenden Dichter, der von der gleichen inneren Glut verzehrt wird wie sie selbst. Was keiner für möglich gehalten hätte, tritt ein: Sie heiratet ihn. Doch eine brave Ehefrau wird Carola nicht, denn schon bald lockt sie das wilde Leben - und die Künstler Berlins, darunter Bertold Brecht, der ihr die Chance ihres Lebens bietet ¿Schon in der Leseprobe erfährt man einiges aus dem außergewöhnlichen Leben und Schicksal der Schauspielerin Carola Neher. Charlotte Roth erzählt in diesem Roman ihre ganze Geschichte, gibt ihr eine Stimme. Und mit jedem Satz, den ich lese, wird es für mich unbegreiflicher, wie diese selbstbewusste, willensstarke und wunderschöne Frau so in Vergessenheit geraten konnte. Immerhin war sie eine sprudelnde Inspirationsquelle für Bertold Brecht, eine femme fatale im Berlin des 20. Jahrhunderts, und eine Herzensbrecherin für viele andere, die ihrem Charme erlagen. Carola Neher, damals ein Star seiner Zeit, heute längst vergessen, dient als literarische Vorlage für den Roman. Charlotte Roth lässt nicht nur die Figur, die die Muse Bertolt Brechts war, sondern auch die Zeit, die goldenen Zwanziger in Berlin, durch ihr Werk wieder auferstehen. Sie verbindet Fiktion und Biografie ganz lebendig und nimmt kunst- und kulturinterssierte Leserinnen mit auf eine interessante Zeitreise. Ihre Geschichte würdigt die Schauspielerin, die sich an die Spitze des Weimarer Theaterlebens kämpfte und sich als Ikone eines modernen Frauentyps inszenierte. Als Interpretin großer Rollen in legendären Inszenierungen der Dramen Klabunds, Brechts und Horváths schrieb sie Bühnen- und Filmgeschichte. Vorhang auf für Carola Neher. Ein Roman, der im Gedächtnis bleibt! Hinterlässt einen nachhaltig prägenden Eindruck. Sehr empfehlenswert, diese schillernde Lektüre, besonders für die Fans von Babylon Berlin ....Komisch, skurril und sehr Berlin. Mehr Berlin geht eigentlich nicht. Sehr lesenswert!
Fesselndes Portrait der in Vergessenheit geratenen Ikone Carola Neher
von bookloving - 10.05.2020
In ihrer Romanbiografie "Die Königin von Berlin" hat sich die Bestsellerautorin Charlotte Roth dem bewegten Leben von Carola Neher angenommen, und setzt der heute weitgehend in Vergessenheit geratenen Ikone der Weimarer Republik gekonnt ein Denkmal. Die Schauspielerin und Sängerin Carola Neher war in den 1920er Jahren die Muse einiger berühmter Künstler, brannte für das Theater und wurde schließlich mit Brechts Dreigroschenoper als Polly und ihrem "Barbara-Song" unsterblich. Einem Theaterstück gleich hat Charlotte Roth ihren Roman als einen Drei-Akter mit einigen Zwischenspielen inszeniert. Geschickt hat sie ihre eigentliche Geschichte um Carola Neher in eine interessante Rahmenhandlung eingebettet, die im Jahr 1979 in dem kleinen Ort Weyher an der Südlichen Weinstraße angesiedelt ist und von der aus die Spurensuche nach Carola und ihrer Familie aufgerollt wird. Den einzelnen Romanteilen wurden passender Weise Szenenangaben aus der Dreigroschenoper von Bertolt Brecht vorangestellt sowie Gedichtzeilen des Dichters Klabund, Nehers an Tuberkulose erkranktem, ersten Ehemann, der bürgerlich Alfred "Fredi" Henschke hieß. Zu Beginn ihres Romans macht die Autorin dem Leser in einem unterhaltsamen "Grußwort des Abendspielleiters" deutlich, dass sie bewusst keine Biografie zu Carola Neher sondern einen Roman über diese außergewöhnliche Frau schreiben wollte, sich zwar an Fakten und historisch verbürgte Begebenheiten orientiert, aber auch einige dramaturgische Freiheiten in Bezug auf Schauplätze, Figuren und zeitliche Abläufe genommen hat. Sehr eingehend hat sich die Autorin mit Nehers, Klabunds und Bertolt Brechts Biografie beschäftigt. Aber auch das kultur- und theatergeschichtliche Umfeld jener Zeit sowie das politische und zeitgeschichtliche Geschehen während der Weimarer Republik hat sie sehr gründlich recherchiert und äußerst anschaulich und authentisch in ihre Geschichte eingebaut. Im angehängten Glossar kann der interessierte Leser verschiedene wissenswerte Begriffserklärungen sowie Erläuterungen zu damals bekannten Schauplätzen und angesagten Treffpunkten nachlesen. Mit ihrem ansprechenden, sehr mitreißenden Schreibstil gelingt es Charlotte Roth sehr schnell uns auf eine faszinierende Zeitreise in die Welt der Goldenen Zwanziger Jahre mitzunehmen - eine faszinierende Zeit zwischen Armut, den Nachwirkungen des ersten Weltkriegs, rasantem Fortschritt, beispielloser kultureller Aufbruchsstimmung, gesellschaftlichen Umbrüchen, politischen Unruhen, ungezügeltem Vergnügen und Dekadenz. Doch schon bald setzen Weltwirtschaftskrise und der aufkommende Nationalsozialismus dem Ganzen ein Ende. Zugleich nimmt sie uns aber auch mit in die faszinierende Welt des Theaters jener Zeit. Sehr abwechslungsreich und einfühlsam hat die Autorin in sorgfältig ausgewählten Episoden das außergewöhnliche Lebensbild von Carola gezeichnet, die sich sehr hartnäckig und zielstrebig zu einer gefeierten Schauspielerin der 1920ger und 30ger Jahre hochgearbeitet hat. Mit ihrem extravaganten Erscheinungsbild wurde sie zu einer Ikone des modernen Frauentyps und pflegt ihr Image als "femme fatale". Es ist Roth hervorragend gelungen, uns an den bedeutsamen Stationen ihrer Karriere und ihres turbulenten Privatlebens teilhaben zu lassen und diese zu einer fesselnden, abwechslungsreichen und sehr stimmigen Geschichte mit viel Zeitkolorit zusammen zu fügen. Zwar ist es mir nicht sofort gelungen, Bezug zu Carola und ihrem teilweise sehr kompromisslosen, egoistischen Verhalten aufzubauen, aber schließlich hat mich ihre extrovertierte, lebendige Persönlichkeit und ihr recht kapriziöses Innenleben doch zunehmend in den Bann gezogen. Schon früh entschließt sie sich gegen den Widerstand der Mutter, den Weg zur Schauspielerei einzuschlagen und will unbedingt auf die Bühne. Anfang der 20er-Jahre erhält sie zwar erste, kleinere Rollen in Baden-Baden, München und Breslau, doch wird ihr von Kritikern das Talent zur bedeutenden Darstellerin wegen ihres eigenwilligen Stils abgesprochen. Dank ihres Aussehens, ihrer Erotik und ihres extremen Ehrgeizes gelangt sie schließlich dennoch an die Spitze des Theaterlebens während der Weimarer Republik und glänzt auf dem Höhepunkt ihres Ruhms in einigen großen Rollen und legendären Inszenierungen. Vielen berühmten Persönlichkeiten aus den Theater- und Kunstkreisen begegnen wir im Laufe der Handlung wie beispielsweise Julius Gellner, Feuchtwanger, Wedekind, Benn oder Weill. Zwei Männer, die in ihrem Leben eine ganz besondere Rolle gespielt haben, ihr großer Bewunderer und späterer Ehemann Klabund und der Dramaturg Bertolt Brecht, dessen Muse und Geliebte sie über längere Zeit ist, erhalten natürlich sehr viel Raum in der Handlung. Vor allem die ambivalente Figur von Brecht mit all seinen Licht- und Schattenseiten ist Roth hervorragend gelungen und wirkt äußerst überzeugend und authentisch. Schade nur, dass die Autorin ihre Erzählung mit dem Höhepunkt von Carolas Karriere nur noch kurz anreißt. Über die letzten, bedrückenden Stationen ihres wechselvollen Lebens - von ihrer Flucht vor den Nazis in die Sowjetunion, ihrem Martyrium bis hin zu ihrem tragischen Tod im stalinistischen Gulag - erhalten wir in der Rahmenhandlung sowie im Nachwort "Ihr Abendspielleiter verabschiedet sich" nur noch einen knappen Einblick und wenige Hintergrundinformationen. FAZIT Ein sehr interessanter und abwechslungsreich erzählter Roman über die fast völlig in Vergessenheit geratene Carola Neher - eine gefeierte Schauspielerin und Ikone der Weimarer Republik! Feinfühlig und lebendig portraitiert Charlotte Roth die faszinierende Persönlichkeit von Carola Neher in all ihren schillernden Facetten und nimmt uns mit auf eine fesselnde Zeitreise.
Die Königin von Berlin
von MarySophie - 11.04.2020
Handlung: Carola Neher träumt von einer Karriere auf der Bühne. Sie verlässt ihr Elternhaus mit der Hoffnung auf erste Schauspielrollen, die irgendwann zum gewünschten Erfolg führen sollen. Und genau das schafft Carola. Sie wird nicht nur immer erfolgreicher, sondern auch immer bekannter und von den Menschen umschwärmt. Und so vielen Männern sie auch den Kopf verdreht, ihr Herz kann sie lange Zeit für niemanden öffnen. Bis sie auf den Dichter Klabund trifft, der ihr mit seiner besonnenen und ruhigen Art wie ein sicherer Hafen erscheint. Ihm vertraut sie und eine Hochzeit scheint für Carola nicht ausgeschlossen... Doch Carola würde nie ihre Karriere aufgeben, sie liebt dafür nicht nur die Bühne, sondern auch das aufregende und wilde Leben in Berlin viel zu sehr. Sie mag den Austausch mit anderen Künstlern, besonders mit Bertolt Brecht, der ihr ein großes Versprechen macht. Meinung: Anhand des Covers kann man sich einen ersten Eindruck von Carola Neher verschaffen, bekommt ein Bild von ihr und einen zarten Eindruck ihres Charakters. Ich mag es, dass das Bild leicht koloriert ist und sich so von dem weißen Hintergrund abhebt. Die Schrift passt perfekt dazu, durch das Gold und die Schnörkel am oberen Bildrand entsteht eine edle Note, die stellvertretend für die Zeit der Goldenen Zwanziger stehen könnte. Mit dem roten Titel könnte die Kraft, Energie und Leidenschaft von Carola Neher gemeint sein. Insgesamt gefällt mir das Bild recht gut, es deutet für mich auf eine Art von Biographie hin und ich mag die wenigen, gezielt genutzten Farben sehr gerne. In einer Buchhandlung würde der Roman sicherlich auffallen, ich würde ihn aber eher der Erzählung einer tatsächlichen Lebensgeschichte als einem Roman, vermischt mit einigen fiktiven und realen Ereignissen, zuordnen. Der Name Bertolt Brecht ist ein Name, den man durchaus mal gehört haben sollte, tatsächlich habe ich mich aber weder mit ihm, noch mit seinen Werken näher befasst. Vielleicht bin ich auch deshalb nie über den Namen Carola Neher gestolpert und wusste absolut gar nichts von der Frau. Daher war ich doppelt gespannt auf das Buch, nicht nur auf die Neher, sondern auch auf ihr Verhältnis mit Brecht und was für ein Mensch sie war. Aufgebaut ist der Roman wie ein Theaterstück. Er wurde in mehrere Kapitel unterteilt, es gibt immer wieder Zitate aus Brechts Dreigroschenoper, aber auch Ausschnitte aus Klabunds Werken. So kommt man den Werken der beiden Männer näher, es wird bei einigen das Interesse geweckt, diese weiterzulesen, zumindest weiß man aber ein wenig, von was gerade die Rede ist. Dazu wird am Anfang von neuen Kapitel immer erwähnt, was der folgende Handlungsort und die Handlungszeit ist. Man erhält so einen groben Überblick, vor allem die zeitliche Einordnung war für mich sehr wichtig. Schnell ist man in der Zeit etwas verloren gegangen und ich konnte kaum benennen, in welchem Jahr die Handlung nun stattfindet. So ganz leicht ist mir der Einstieg in den Roman nicht gefallen. Zuerst war ich überrascht, dass die Handlung auf zwei zeitliche Ebenen eingeteilt wird, womit ich gar nicht gerechnet hatte. Meine Erwartungshaltung war eher, dass man Carola Neher über viele Jahre begleitet, es vielleicht sogar ein - zwei Kapitel über ihre Kindheit gibt. Zudem ließ sich die Nebengeschichte für mich erst mal nicht recht einordnen, ich wusste damit nichts anzufangen und konnte auch nur schwer abschätzen, wie wichtig sie für die eigentlichen Ereignisse rund um die Muse von Bertolt Brecht ist. Auch der Schreibstil hat es mir anfangs nicht leicht gemacht. Ich brauchte einige Seiten, um mich daran zu gewöhnen, aber auch um die Namen der Figuren auseinanderzuhalten. Darauf wurde man schon anhand des Vorwortes der Autorin vorbereitet, was ich wirklich sehr gut fand. Trotzdem musste ich anfangs ab und an ein paar Seiten zurückblicken, um mich richtig an die Namen zu gewöhnen. Nicht nur in diesem Sinne, sondern auch allgemein wäre ein Personenverzeichnis nicht schlecht gewesen. Um alle stets wiederzuerkennen und auseinanderzuhalten. Das ist mir hier sehr schwer gefallen, gerade die zahlreichen Erwähnungen von Schriftstellern und Dichtern habe ich nur mit Mühe auseinanderhalten können. Sobald ich mich an den Schreibstil gewöhnt hatte, ging das Lesen leichter von der Hand. Die Ereignisse wurden nüchtern, ohne viele Gefühle beschrieben und ließen mich stets eine gewisse Distanz zu der Situation, aber auch zu den Protagonisten wahren. Auch hier hatte ich wieder mehr den Eindruck, eine Biographie zu lesen, anstatt eines Romans. Ich konnte weder mit den Protagonisten mitfühlen, noch sie als sympathisch oder unsympathisch einstufen. Im Grunde waren sie mir egal, wurden auch viele Jahre nach ihrem Tod nicht lebendig und sind nur Figuren, die vor langer Zeit mal gelebt haben. Das fand ich wirklich schade, man merkt deutlich, mit welch großer Tatkraft die Autorin nicht nur über die Protagonisten, sondern auch über die damalige Zeit mit politischen Geschehnissen recherchiert hat. Auf mich sprang dieser Funke leider nicht über, dafür wurde alles zu nüchtern und emotionslos beschrieben. Am besten hat mir die Handlung stets gefallen, wenn Carola sich mal ruhige Momente gönnt, sie nicht so energievoll wie sonst auftritt, sondern natürlicher und menschlicher wirkt. Dann kommt eine angenehme Ruhe in den Roman, die Handlung wird bodenständiger und ich hatte das Gefühl, dass ich den Protagonisten dann immer am nächsten war. Jedoch hatte ich gerade erst begonnen, sie etwas besser einschätzen zu können, als diese Szenen schon wieder vorbei waren und die zarte Bande, die gerade geknüpft wurde, war auch schon wieder weg. Ansonsten plätschert die Handlung meist etwas vor sich hin, ist nicht immer sonderlich spannend oder aufregend. Leider entstanden für mich ab und an Längen, gerade die Handlung 1979 hätte ich nicht zwingend gebraucht. Sie gibt zwar einen Moment der Erholung und bietet eine Abwechslung, doch sie ist nicht für den Hauptteil des Romans wichtig. Ich muss leider sagen, dass mir zu viele historische Fakten eingebunden wurden. An sich mag ich es wirklich gerne, mich über einen Roman weiterzubilden und immer wieder neue Dinge zu erfahren und berühmte Personen in dieser Art und Weise kennenzulernen. Doch der Reichtum an Informationen, die teils innerhalb von wenigen Seiten auf den Leser einprasseln, waren zu viel für mich. Ich hatte an diesen Stellen nicht nur Probleme mit der Schreibweise und bin mit dem Lesen kaum vorangekommen, sondern ich war überfordert. Überfordert damit, die Informationen zu verstehen, aufzunehmen und in meinem Kopf in eine sinnvolle Weise einzuordnen. Für mich war es zu viel des Guten und mein Lesefluss wurde leider eingeschränkt. Bei den historischen Ereignissen hat mir am besten gefallen, mit welchen Worten die Autorin das aufregende Berlin der 1920er Jahre geschildert hat. Die Zeit wirkte lebendiger als manch andere Details und vermittelte ein gutes Bild der Situation. Leider waren die Charaktere für mich durchweg nicht lebendig und greifbar. Ich fand viele nicht sonderlich sympathisch, sie waren recht oberflächlich gezeichnet und waren auch nicht sonderlich stark in ihrem Auftreten. Wenn ich nicht anhand des Internets nach Bildern der Protagonisten gesucht hätte, wäre vor meinen Augen kein Bild entstanden. Klabund war mir da noch am liebsten, obwohl ich seine nachgiebige und stets verständnisvolle Art irgendwann auch etwas nervig fand. Doch er hatte für mich noch die meisten sympathischen Züge und kommt von seiner Darstellung am besten weg. Carola scheint ein ganz interessanter und willensstarker Mensch zu sein, doch mit ihr hatte ich durchweg Probleme. Ich fand es von ihr toll, dass sie ihr Glück selbst in die Hand nehmen will und anfangs tut sie das auch von sich aus. Doch irgendwann helfen ihr immer irgendwelche anderen Menschen auf der Karriereleiter weiter, sie zeigt keinen eigenen Antrieb und Wünsche für kommende Rollen mehr. Stattdessen erwartet sie, dass ihr die Rollen vorgeschlagen werden. Hier hätte ich mir gewünscht, dass Carola selbstständiger bleibt und mehr eigene Entscheidungen trifft, sich mehr für ihre Karriere interessiert. Denn für mich hatte es auch irgendwann den Eindruck, als würde sie nicht mehr mit vollem Herzblut und Engagement bei der Sache sein, als wäre ihre Karriere in den Hintergrund gerückt und Carola brennt nicht mehr für die Bühne. Dabei hat sie am Anfang genau das ausgezeichnet... Zudem finde ich Carola unglaublich egozentrisch und traumtänzerisch. Sie ist vor allem auf ihr Wohl bedacht, achtet nur wenig darauf, was sie anderen Menschen antut oder nimmt auf andere keine Rücksicht. Gerade gegenüber dem ihr vollkommen ergebenen Klabund lässt Carola nur wenig Rücksicht walten. Das hat nicht dazu beigetragen, dass meine Sympathie für sie steigt. Insgesamt scheint Carola eigentlich eine unglaubliche Ausstrahlung zu haben, sowohl Frauen, als auch Männer sind von ihr und ihrer Schauspielkunst begeistert. Leider wurde diese Energie nicht auf den Leser übertragen, ich konnte nicht verstehen, weshalb Carola die Menschen so angezogen hat und weshalb diese die Künstlerin bejubelt haben. Fazit: Ich bin bereits über ein paar positive Rezensionen gestolpert und hatte große Erwartungen an den Roman. Die für mich leider nicht mal ansatzweise erfüllt wurden. Die Geschichte hatte einige Längen und konnte nicht mit einer mitreißenden Energie aufwarten. Mir haben Spannung und Lebendigkeit gefehlt, zudem konnte ich die Begeisterung um Carola Neher nicht nachvollziehen. Wenige Dinge haben mir gut gefallen, die ich bereits genannt habe. Insgesamt ist mein Gesamteindruck aber leider nicht positiv und ich kann mich den positiven Meinungen nicht anschließen.
Schauspielerin und Muse
von Ascora - 01.04.2020
Das Cover zeigt ein sanft koloriertes Schwarzweißfoto von Carola Neher, das 1927 anlässlich eines Besuches im Berliner Tierpark entstanden ist. Carola sitzt dabei auf einer Parkbank und kuschelt mit einem ausgewachsenen Gepard, der stolz neben ihr auf der Bank sitzt. Bereits ein Hinweis um welche ungewöhnliche Frau es sich in diesem Buch handelt. Der Klappentext: "Ein aufregender Roman über Carola Neher, eine der schillerndsten Schauspielerinnen der Weimarer Republik von der Bestseller-Autorin Charlotte Roth. Wo sie auftritt, jubeln die Menschen der geheimnisvollen Carola Neher zu. Die Theater reißen sich um sie. Berlin liegt ihr zu Füßen in jenen letzten Jahren der Weimarer Republik. In durchfeierten Nächten verdreht sie einem berühmten Mann nach dem anderen den Kopf - doch im Herzen bleibt sie allein. Das ändert sich, als sie dem Dichter Klabund begegnet, ein Suchender und ein Getriebener wie sie selbst. Ausgerechnet sie, die begehrte femme fatale, verliebt sich in den scheuen, zurückhaltenden Dichter, der von der gleichen inneren Glut verzehrt wird wie sie selbst. Was keiner für möglich gehalten hätte, tritt ein: Sie heiratet ihn. Doch eine brave Ehefrau wird Carola nicht, denn schon bald lockt sie das wilde Leben - und die Künstler Berlins, darunter Bertold Brecht, der ihr die Chance ihres Lebens bietet ¿" Zum Inhalt: Carola Neher, um 1900 in München geboren war ab den 20er Jahren als Schauspielerin unterwegs auf verschiedenen Bühnen und in verschiedenen, meist kleinen Rollen bis sie schließlich 1926 nach Berlin ging und auf Berthold Brecht traf. Mit ihm verknüpfte sich ihr Erfolg und sie verband eine Leidenschaft. Ein Bühnen- und Filmerfolg folgte auf den nächsten bis sie 1933 nach Prag floh und nach Moskau weiterreiste. Dort wurde sie 1936 verhaftet und starb 1942 in Lagerhaft. Charlotte Roht hat nun aus dem schillernden Leben dieser jungen und erfolgreichen Frau einen Roman erschaffen, von dem sie selbst in ihrem Vorwort schreibt, es sei keine Biographie, sondern ein Roman. Sie hat sich dichterische Freiheiten erlaubt, die ein Biograph nicht getan hätte, doch ist vielleicht gerade deswegen ein einfühlsamer und interessanter Roman über Carola Neher entstanden? Ein Roman der seinem Leser eine faszinierende Frau und eine schwierige Zeit gekonnt näherbringt. Der Stil: Charlotte Roht hat diesen Roman wie ein Theaterstück in verschiedene Akte aufgeteilt, jeder Akt ein wichtiger Abschnitt in Carolas Leben. Die Geschichte wird dabei von Georg, einem Zeitzeugen der jungen Bibliothekarin Annette erzählt, die gerade dabei ist über Carola Neher zu recherchieren. Es wird schon deswegen in der 3. Person erzählt. Der Schreibstil ist flüssig, mitreißend und bildlich, so dass man als Leser gut in diese aufregende Zeit der 20er und 30er Jahre eintauchen kann und "echte" Theaterluft schnuppern kann. Auch wenn es sich um einen Roman handelt, sind die wichtigen Fakten gut recherchiert und auch das Zeitgefühl kommt überzeugend rüber. Am Ende des Buches wartet ein ausführliches Glossar, leider kein Personenverzeichnis, aber hier kann man noch so einiges informatives nachlesen. Mein Fazit: Eine äußerst gelungene Romanbiographie über eine faszinierende Frau, die zumindest mir völlig unbekannt war, natürlich kenn man Berthold Brecht, aber seine Muse?.
Die Muse Brechts
von eine Kundin - 29.03.2020
In "Die Königin von Berlin" hat die Autorin Charlotte Roth wiedereinmal ihr feines Gespür für Historisches unter Beweis gestellt. Erzählt sie doch in ihrem neuen Werk die Lebensgeschichte der Carola Neher - die nicht nur mit einem unglaublichen Talent für Theater und Schauspiel gesegnet sondern auch die Muse Bertolt Brechts war. Leider ist sie aber auch ein Opfer der politischen Umstände ihrer Zeit. Denn es ist die Epoche der Weimarer Republik und die Menschen haben anderes zu tun als ins Theater zu gehen, müssen sie doch täglich ihren eigenen Kampf ums Überleben ausfechten. Der entscheidende Durchbruch und damit einhergehende große Bekanntheitsgrad bis in unsere Tage, ist ihr leider verwert geblieben. Um so schöner, dass sich die Autorin dieser Persönlichkeit angenommen hat. Durch den ausgezeichneten Erzählstil nimmt die Geschichte immer mehr an Tempo zu. Man möchte wissen wie es mit der Beziehung zu Brecht weitergeht oder was Klabund vor hat. Und was ist mit dem Barbaralied? Viele Fragen, die man beantwortet bekommen will. Und deshalb bleibt man dran und in Null Komma nichts ist der Roman auch schon wieder zu Ende - leider. Ich wurde toll unterhalten und kann diesen Roman nur empfehlen. Ich vergebe 5 von 5 Sterne.
Die (Berliner) Künstlerszene der 1920er/1930er
von LaberLili - 26.03.2020
Ich bin eine sehr große Anhängerin von Romanbiografien; in der Hinsicht ist Lewinskys "Gerron" im Übrigen mein Heiliger Gral und da sammelte "Die Königin von Berlin" nun weitere Extrapunkte bei mir, da letztlich auch Gerrons Name immer mal wieder genannt wurde - obschon Kurt Gerron in diesem Roman weiterhin nun eher völlig außen vor ist. Ehe ich diesen Roman las, war mir Carola Neher völlig unbekannt, weswegen der überschwängliche Klappentext mich zunächst etwas irritierte, der für mich immer noch so wirkt als müsse man Carola Nehers Namen zweifelsohne und ganz unbedingt kennen. Tue bzw. tat ich aber nicht. Mit Klabund konnte ich etwas anfangen, mit Bertolt Brecht konnte ich noch mehr anfangen, aber Carola Neher war bislang tatsächlich komplett an mir vorbeigegangen. Weiterhin kommen im Roman später noch sehr viele der damaligen und auch heute noch großen Namen vor (Frank Wedekind, Gottfried Benn, Else Lasker-Schüler¿), die ich alle konkret einordnen konnte, aber Carola Neher? Nie gehört, oder wenn doch, dann zumindest nicht weiter erinnert. Für mich war die große Frage da eher: Wie konnte Carola Nehers Name so sehr in Vergessenheit geraten, wenn sie doch zur damaligen Zeit eine solch große Nummer war, während man ihre "Mitprominenten" durchaus noch im Gedächtnis hat? Diese Frage hat sich für mich persönlich auch nach der Lektüre nicht beantwortet; es scheint mir, als habe man irgendwann einfach aufgehört, von ihr zu sprechen. Aus den Augen, aus dem Sinn sozusagen. Mir hat "Die Königin von Berlin" allerdings sehr gut gefallen, nicht nur, weil ich so Carola Neher "kennenlernen" durfte, sondern weil ich die beschriebenen Dynamiken zwischen den diversen damaligen Künstlern ungemein faszinierend fand. Tatsächlich fand ich in diesem Fall weniger Carola Neher, also die eigentliche Hauptfigur des Romans, spannend, sondern eher, aus wie vielen superberühmten Namen sich die Künstlerszene damals überhaupt zusammensetzte. Mir ist während des Lesens erst so richtig bewusst geworden, wer eigentlich zu welcher Zeit gleichzeitig gelebt und gewirkt hatte. Ich habe die so bezeichnete "Königin von Berlin" generell einfach nicht so sehr als das Zentrum des Romans empfunden, wozu auch beigetragen haben mag, dass mir die Erzählposition eher distanziert erschienen ist; nicht ganz weit weg, aber eben auch nicht wirklich nah an Carola Neher, wobei auch mir die hier wichtigen Nebenfiguren eher oberflächlich beschrieben schienen. Um auf "Gerron" von Lewinsky zurückzukommen: Jene Romanbiografie wirkte auf mich sehr viel persönlicher und intimer, aber hier könnte man natürlich auch sagen, dass Charlotte Roth es einfach nicht gewagt hat, den real existiert habenden Personen bestimmte Worte in den Mund zu legen oder ihnen spezifische taten ganz definitiv zuzuschreiben. Da ist "Die Königin von Berlin" definitiv sehr viel vorsichtiger gehalten. Ein bisschen persönlicher würde ich mir den Roman durchaus gewünscht haben, aber er ist eben ein wunderbarer Einblick in die damalige Künstlerszene, die insbesondere in Berlin vorherrschte. Wer da einen speziellen Hang zur, auch literarischen, Kultur hat, wird sich sicherlich ganz generell auch an diesem Roth-Roman erfreuen können!
Eigenartig
von raschke64 - 24.03.2020
Karoline wächst in einer gutbürgerlichen Familie auf. Der Vater ist allerdings sehr tyrannisch und verlangt von ihr eine solide Ausbildung. Erst als er stirbt, bricht sie völlig unvorbereitet aus ihrem Bankarbeitsleben aus und will Schauspielerin werden. Doch schon in der ersten Nacht trifft sie die Einsamkeit mit voller Wucht und sie hält es nicht aus. Später wird aus Karoline Carola und eine besonders in Berlin an der Bühne berühmte Schauspielerin. Das Buch war für mich eigenartig. Und in großen Teilen auch extrem schwer zu lesen, ich musste mich regelrecht zum Weiterlesen zwingen. Das lag nicht an dem Thema des Buches. Ich hatte vorher nie von dieser berühmten Schauspielerin gehört und so war es für mich sehr interessant, etwas über sie zu erfahren. Doch leider war der Stil des Buches für mich überhaupt nicht gut. Vor allem im Teil, der die Vergangenheit behandelt, fand ich gerade die wörtlichen Reden oft sehr hölzern und auch gestelzt wirkend. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Menschen damals so gesprochen haben sollen. Das hat mir das Lesen des Buches nicht besser gemacht. Es ist schade darum, denn in dem Teil, in dem es um die Gegenwart ging, wurde der Stil viel besser und auch realer.
ein bunter Reigen der Theaterwelt
von Marita Robker-Rahe - 17.03.2020
Die Geschichte der Carola Neher, einer Frau, die mir bis dato kein Begriff war, lernt man in diesem Buch kennen. Beginnend in der Zeit nach dem 1. Weltkrieg in München, geht die Reise weiter nach Berlin und anderswo hin und hält eine Begegnung mit Berthold Brecht bereit, einem Schrftsteller und Theatermensch, dem ich große Hochachtung entgegenbringe. Die Dreigroschenoper ist wohl sein berühmtestes Werk und hier findet Carola, die unbedingt Schauspielerin werden will , nach vielen Niederlagen endlich eine Rolle. Dass sie Brechts Muse war, war mir nicht bewusst und so lerne ich auch dieses Kapitel von Brecht kennen , was mich sehr gefreut hat. Sicherlich werden auch die politischen Ereignisse genannt in diesem Buch, doch hauptsächlich spielt es im Theatermilieu. Man erfährt viel über dieses und obwohl das Buch einigen Längen hat, wird es unterhaltsam und spannend erzählt.Es ist nicht das beste Buch dieser Autorin, aber unbedingt lesenswert.
Ein Schauspiel der Extraklasse, gelungen inszeniert
von Seifried - 16.03.2020
"Sie würde hier sitzen bleiben und altern wie eine Kartoffel, die nicht durch Modergestank auf sich aufmerksam machte, sondern irgendwann einfach verschrumpelt war." Bibliothekarin Annettes Traum, aus dem kleinen Ort in der Pfalz hinaus in die weite Welt zu kommen, hat sich bisher nicht erfüllt. Da sie ihre Mutter, die an MS leidet, unterstützen muss, sitzt sie nun in Bibliothek und Heimatmuseum ihre Tage ab. Dort erscheint eines Tages ein Unbekannter. [[Und was suchen Sie?[[, [[Eine Familie Ziegler[[, sagte Georg Hase Becker. [[Sie soll hier bereits seit über zweihundert Jahren ansässig sein[[, genauer gesagt sucht er eine Verwandte, eine Carola Neher. Und genau diese lernt man hier in einem Roman, der keine Biografie sein soll, sondern vielmehr einem Theaterspiel gleicht, wie deren Leben selbst wohl auch, an dem sich die Autorin durchaus orientiert, kennen. Als Leser wird man nachdem man Annette kennenlernen durfte, erst einmal ins München kurz nach dem Ersten Weltkrieg zurückversetzt. Ihre Mutter, Wirtin einer Weinkneipe und Witwe, hat es nicht leicht mit Karoline. Lehrerin will sie nicht werden, "da lieber Stinkefisch am Viktualienmarkt verkaufen" und dazu noch träumt sie vom Schauspiel. "Karoline also hatte einen Floh im Ohr, gegen den die Idee mit dem Klavier wie eine harmlose Schrulle erschien. Jemand musste ihn ihr austreiben, bevor ihr gesamtes Leben zum Flohzirkus mutierte." Deshalb von, der in ihren Augen tyrannischen, Mutter zu einer Banklehre verpflichtet, ist ihr schnell klar, "Die Münchner Kammerspiele wäre also ihr Traum gewesen. Da aber irgendwann festgestanden hatte, dass ihre Mutter kein Einsehen haben würde, hatte sie zu handeln und ihr davonlaufen müssen." Mittellos und ohne jegliches Gepäck landet man mit ihr zunächst aber nicht im großen Berlin, sondern schafft es gerade bis nach Baden-Baden. Der Traum von der großen Schauspielerin bekommt hier erst einmal einen richtigen Dämpfer. Zwar ein "halbwegs gefälliges Gesicht und ein nettes Fahrgestell" aber Talent und Stimme, Fehlanzeige. So sieht das einige Jahre später, wieder zurück in München, auch der berühmte Falckenberg, bei dem Julius Gellner, ihr Jugendfreund, der sie abgöttisch liebt, ein Vorsprechen organisiert hat. Derart abserviert, scheint Feuchtwanger, dem Carola, wie sie sich inzwischen nennt, ebenfalls einen Brief mit der Bitte um Unterstützung geschrieben hat, die letzte Chance zu sein. Und es öffnet sich tatsächlich eine Tür, denn wenn Falckenberg sie nicht leiden kann und behauptet, "die hat einen Mund wie eine Leiche", dann gilt für einen Berthold Brecht, "Bestens. Dann kann sie zu mir kommen, bei mir gibt es immer Leichen zu spielen." Von der Chance als eher unscheinbar aussehender Mann Julius Gellner, den Schwarm aller Frauen, ausstechen und dessen große Liebe erobern zu können, angetrieben, erkennt Brecht aber auf den ersten Blick, er will mehr und auch Carola findet in seinem Größenwahn vom Film, vom Durchbruch ein Echo ihrer eigenen Traumwelt. Eine Karriere kann beginnen, von der ich gar nicht mehr verraten will. Man darf mit ihr von München, nach Berlin ziehen, den einen oder anderen Mann kennen, vielleicht auch so etwas wie lieben lernen und kann dabei eintauchen in die Welt des Theaters und Schauspiels. Dies ist mein erster Roman von Charlotte Roth, wird aber definitiv nicht mein letzter sein. Der pointiert, kurzweilige Stil und die besondere Ausdrucksweise hat mir sofort ausgezeichnet gefallen, ja auch über die eine oder andere Länge hinweggeholfen. Die Idee den ganzen Roman als eine Art Schauspiel zu inszenieren hat mir gut gefallen. Das passt perfekt zu dem Leben, das eine Carola Neher wohl gelebt hat und zudem hebt sich der Roman so deutlich vom sonstigen Einerlei ab. Humorvolle Dialoge, wie [[Es ist mir einfach so eingefallen, als mir auf der Nymphenburger Straße auf einmal mein Leben davon geschwommen ist.[[ bekommt da schon einmal ein [[Geschwommen? Es hat doch gar nicht geregnet.[[, keck, freche Antworten mit denen Carola nicht geizt, haben mich oft schmunzeln lassen. "Auch wenn mir zu politischen Abenteuern, wie du weißt, die Zeit fehlt. Den Hitler-Haufen habe ich mir vor Kurzem schon aus rein beruflichem Interesse angesehen und kann dir versichern: Die sind selbst als billigste Schmierenkomödianten noch zu schlecht.", später z.B. auch "Die Machtkämpfe, die nach Lenins Tod in der Sowjetunion tobten, nahmen einen Einfluss auf die Kommunisten Deutschlands, der Fredi wie ein nicht gar gekochter Königsberger Klops im Magen lag," Die Autorin nimmt einen mit auf eine gelungene Zeitreise. So darf man die Stimmungen und die Atmosphäre nach dem Ersten Weltkrieg, das Erstarken des Nationalsozialismus zuerst in München und später dann auch im Berlin miterleben. Dort darf man zudem eintauchen in " dem steinernen Dschungel der modernen Stadt, die feindselig und lüstern, gierig und abweisend, bösartig und liebessüchtig zugleich war, gefangen in einer babylonischen Verwirrung neuer Sprachen, in denen niemand sich zu verständigen wusste. In diesem unerbittlichen Moloch, ¿" und natürlich in die Welt der Stars und Sternchen. "Ich werde schamlos sein müssen. Schamlos ja. Aber nicht wahllos. Und der da gefällt mir nicht." Carola Neher, eine Frau, die sich von keinem die Butter vom Brot nehmen lässt und für ihren großen Traum mit allen Mitteln kämpft, wird hier als eine Schauspielerin, die eigentlich ihr Leben spielt, gezeichnet. Das ist der Autorin gut gelungen, mir jedoch blieb Carola Neher mit ihren großen Zielen eher fremd. Wobei fremd vielleicht gar nicht der richtige Ausdruck ist. Ich war z.B. ob ihrer Schlagfertigkeit und ihrem äußerst gesunden Selbstbewusstsein, einerseits beeindruckt, aber andererseits habe ich sie auch stets als unnahbar empfunden. Vielleicht trifft es nicht echt am ehesten. [[Eine wie du, die taugt zur Freundin wie die Kuh zur Pianistin.[¿] Du hast doch nichts im Kopf als deine Bühne, und Menschen sind für dich nichts als Mittel zum Zweck." Ähnlich gefühllos ist mir ebenfalls ein Berthold Brecht erschienen und auch sonst habe ich wenige ihrer Wegbegleiter, die man hier kennenlernen darf, als besonders sympathisch empfunden. Vielleicht hätte ich sonst auch mehr mit deren Karrieren und Schicksalen fiebern können, so entstand bei mir doch die eine oder andere Länge. Gerne hätte ich noch ein bisschen mehr Zeit mit Annette verbracht. Alles in allem ist vielleicht die Theaterwelt einfach nicht die, in die ich völlig abtauchen könnte, dennoch hatte ich dank des pointiert, kurzweiligen Schreibstils wirklich gute Unterhaltung. Mein erster wird definitiv nicht mein letzter Roman aus der Feder von Charlotte Roth sein. 4,5 Sterne
Hat mich leider, leider nicht überzeugt
von Wencke - 12.03.2020
Ich habe (fast) alle Bücher von Charlotte Roth gelesen und bin bisher immer überaus begeistert von ihren Büchern gewesen. Dass dieses Buch anders geschrieben ist, habe ich bereits bei der Leseprobe gemerkt, aber das Thema und meine Begeisterung für historische Romane, die in Deutschland erzählen, war so groß, dass ich auch diesen Roman von Charlotte Roth unbedingt lesen wollte. Ich habe gelesen und gelesen, aber das Gelesene hat mich leider überhaupt nicht gefesselt, es ging sogar soweit, dass mich dieser Roman teilweise schon gelangweilt hat. Es tut mir unendlich leid, dass ich das hier so schreibe, aber es ist das, was ich beim Lesen empfunden habe. Der nächste Roman wird hoffentlich wieder an die Qualitäten der bisherigen Romane anknüpfen.
Theater, Theater...
von sommerlese - 11.03.2020
Carola Neher gilt als eine der schillerndsten Schauspielerinnen der Weimarer Rebuplik, wo sie auftritt, jubeln die Menschen. Berlin liegt ihr zu Füßen, überraschend heiratet die begehrte Femme fatale den scheuen, zurückhaltenden Dichter Klabund. Doch eine brave Ehefrau wird Carola nicht, denn schon bald lockt sie das wilde Leben - und die Künstler Berlins. Der Name der Schauspielerin Carola Nehers ist heute weitgehend ungekannt, dabei war sie in den letzten Jahren der Weimarer Republik recht erfolgreich, ihre Karriere startete in München. Sie wurde angelockt vom wilden Leben unter Künstlern, verdrehte Bertholt Brecht den Kopf und wurde seine Muse und spielte die Rolle der Polly Peachum in Brechts Dreigoschenoper . Doch was steckte hinter dieser Femme fatale? Gehörte ihr Herz wirklich dem scheuen Dichter Klabund? Dieser Roman soll nach Angaben der Autorin keine reine Biografie sein, sondern ein Roman mit fiktivem Inhalt. Er wird wie ein Theaterstück aufgebaut und fühlbar nah und intensiv beschreibt Charlotte Roth mit spürbarem Herzblut ihre Geschichte um Carola Neher. Man merkt der Autorin ihre Faszination für diese Frau an. Dabei wirkten auf mich einige delikate Details aus Nehers Leben mit ihren Liebhabern eher nicht nach großen Gefühlen, sondern eher als Versuch, mit allen Mitteln erfolgreich zu werden und auf die Bühne zu kommen. Die Zeitspanne des Berlin der 1920er Jahre wird von Charlotte Roth anschaulich geschildert. Man erlebt Zeitgeschehen, Personen aus der Theaterlandschaft und allgegenwärtig die politischen Verhältnisse authentisch mit, wird in diese Zeit zurück versetzt und bekommt grobe Einblicke in das Leben und Wirken des getriebenen Brechts und Klabunds. Brecht bleibt merkwürdig und unsympathisch, scheinbar haftet ihm seine Berühmheit an und wird nicht hinterfragt. Auch andere Figuren wie Elisabeth Bergner oder Fritzi Massary muss man kennen, um sie im Roman interessiert verfolgen zu können. Am interessantesten war für mich die Entstehung der Dreigroschenoper und der dazugehörige Barbara-Song, doch nur für diese Information hätte ich keinen Roman gebraucht. Leider ist mir besonders Karoline Nehers Charakter trotz aller Einzelheiten merkwürdig fremd geblieben, sie wird als Schönheit beschrieben und als Karrierefrau gezeigt, die alles macht, um erfolgreich und auf die Bühne zu gelangen. Sie bindet sich an den kranken Klabund, scheinbar liebt sie ihn, doch er stirbt an seiner Krankheit. Welche Schwärmerei allerdings Carola für den Kommunismus hegt, wird deutlich, aber kennt sie die Idee auch wirklich. Das habe ich mich beim Lesen gefragt, ist Carola nur einer politischen Schwärmerei aufgesessen? Hängt das mit ihren Liebhabern zusammen? Diese Frage konnte sich mir nicht beantworten. Deshalb bleibt für mich die Figur auch ziemlich blass und undurchschaubar. Auch Carolas Leben nimmt ein böses Ende. Doch von diesen Jahren erzählt der Roman nicht, sie wird nach ihrer Flucht vor den Nazis nach Moskau denunziert und landet im stalinistischen Gulag und endet dort tragisch. Insgesamt muss ich leider sagen, dass mir die Königin von Berlin in diesem Roman nicht viel bekannter wurde als vorher. Obwohl die Autorin wieder in einem wunderbaren Schreibstil Schauplätze, Theater und Figuren zum Leben erweckt, konnte ich mich nicht wie gewünscht in die Handlung fallen lassen.
Schillernde Theaterwelt
von Philo - 10.03.2020
Mit diesem Buch ist Charlotte Roth ein wahres Meisterwerk gelungen. In brillanter Weise öffnet sie den Vorhang und läßt ihre Leser teilhaben an einem Theaterstück, das in den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts spielt und auf dessen Darstellerliste viele auch heute noch bekannte Namen stehen. Carola Neher aber habe ich nicht gekannt. Ich bin total fasziniert von ihrer Persönlichkeit, geprägt von einer schrecklichen Kindheit und dem Wunsch, sich in ihrem weiteren Leben von nichts und niemandem von ihrem Weg abbringen zu lassen. Sie will Schauspielerin werden und dieses Vorhaben setzt sie auch über alle persönlichen Gefühle und Beziehungen. Über Baden Baden und München gelangt sie nach Berlin. Sie lernt Bertolt Brecht kennen, der von ihr begeistert ist und der für sie ein Stück schreiben will, mit dem sie ihr ganzes Können unter Beweis stellen kann. Brecht hat viele Liebschaften, aber nur Carola Neher kann ihm Paroli bieten, ohne daß dies ihrer Beziehung schaden würde. Er nennt sie Barbara und seine Begeisterung für sie ist ungebrochen. Eine wichtige Figur des Buches ist der Schriftsteller Alfred Henschke, genannt Klabund. Als Carola und Klabund sich kennenlernen, fühlen sie sich sofort zueinander hingezogen, und er wird ab diesem Moment an voller Liebe und Fürsorge für sie da sein. Carola aber gibt sich voll und ganz diesem rauschhaften Theaterleben und den gesellschaftlichen Vergnügungen hin, wohl wissend, daß Klabund, der schwer krank war, an ihrem Leben nicht teilhaben kann. Ich habe Klabund bewundert für seine Fürsorge und Großherzigkeit, der niemals auch nur ein gewisses Maß an Entgegenkommen eingefordert hätte. Im Gegenteil hat er Carola immer darin bestärkt, ihren Weg zu gehen. Bertolt Brecht ist ein schwieriger Charakter, der unbeirrt seinen Weg geht und an dem sich seine Weggefährten die Zähne ausbeißen. Anerkennung findet nur Barbara, die genau wie er nur den eigenen Weg vor Augen hat. Geboren ist Carola Neher 1920 in Weyher bei Edenkoben in der Pfalz, wo es ein kleines Heimatmuseum gibt, in dem sich noch Dokumente aus ihrem Leben befinden, zu denen 1979 ein Besucher um Auskünfte bittet. In vielen Gesprächen zischen dem Besucher und Annette, die das kleine Museum leitet, wird das ganze Leben von Carola Neher auf eine ganz besondere Art wieder wachgerufen. Die Gespräche der beiden ziehen sich in eigenen Kapiteln durch das ganze Buch und nach und nach wird dem Leser klar, weshalb der Besucher ein solches Interesse an Carola Neher hat. Ich hoffe, daß auch viele Leser Interesse daran haben, Carola Neher näher kennenzulernen und empfehle ihnen daher dieses Buch. Der Autorin sei Dank für dieses wunderbare Buch. Es war ein besonderes Lesevergnügen.
Der Schauspieler, der im wirklichen Leben ständig stolpert
von Magnolia-sieben - 07.03.2020
In ihrem Roman "Die Königin von Berlin" erzählt Charlotte Roth von der heute vergessenen Schauspielerin Carola Neher, der Muse vieler berühmter Männer und die als Brechts erste Polly damals auf dem Höhepunkt ihres Schaffens war. Die junge Karoline will unbedingt Schauspielerin werden, sie beobachtet die Großen dieses Fachs mit ihren Federboas, wie sie dahergeflattert kommen. Um ihr Ziel zu erreichen, geht sie ganz schön dreist zu Werke. Sie ist eine ausgebuffte Lügnerin, eine Träumerin, ein Aufschneiderin, ein Möchte-gerne-Groß - Frechheit siegt. "Das kann ich auch, das kann ich besser" - so sind ihre Gedanken. Über Feuchtwanger lernt sie Brecht kennen und dieser will sie haben. Das erste Gespräch zwischen ihr und Bertolt ist amüsant, ja frivol. Sie sind sich ähnlich. Beide gehen forsch zu Werke, die Anziehungskraft zwischen ihnen ist sofort da, sofort spürbar. Die Männerwelt liegt ihr zu Füßen, sie aber sagt von sich selbst "was kann ich dafür, dass ich nicht lieben kann". Doch dann begegnet sie Fredi - Alfred Henschke, der als Dichter Klabund sein Dasein fristet. Er ist gleich hin und weg von ihr und, was sie nie für möglich gehalten hat, sie ist in ihn verliebt. Mehr noch - sie heiraten. Die Liebe der zwei zueinander ist so einfühlsam, so liebevoll beschrieben, dass einen warm ums Herz wird. Sie liebt ihren Klabund, ohne Frage. Ist aber gleichzeitig egoistisch bis zum Abwinken. Sie will ihre Jugend, ihre Freiheit, ihren unstillbaren Lebenshunger in vollen Zügen genießen und genau das macht sie auch. Er gönnt ihr ihre Abenteuer, auch wenn die Eifersucht an ihm nagt. Im zweiten Handlungsstrang sucht Georg Becker nach einer Frau aus dem Berlin der zwanziger Jahre: Carola Neher. Die Bibliothekarin Annette hilft ihm dabei und bringt ihr Leben für eine Weile etwas durcheinander. Ärgern über Carola musste ich mich oft. So ein selbstgerechtes, egoistisches Wesen wie sie ist zwar keine Seltenheit, trotzdem war ihr immer ihre Karriere und das Drumherum wichtiger als der sanftmütige und immer kränker werdende Fredi. Das größte Ekelpaket war wohl Brecht in seiner Selbstgerechtigkeit. Er nahm sich was er wollte ohne Rücksicht auf Verluste und er bekam auch immer, was er wollte. Die Fetzen wären geflogen, wäre Brecht ständig an Carolas Seite gewesen. Das Leben der Neher bis zum Tod ihres Alfie, wie ihn Carla auch nannte, ist sehr ausführlich. Ihr weiteres Leben, ihre zweite Heirat, ihr Sohn und ihr tragisches Ende kommen leider nur als Randnotiz vor. Hier wäre die ganze Dramatik ihres weiteren Lebens fernab der schillernden Theaterwelt ein ganz anderes Kapitel geworden. Schade, dass dem nicht mehr Platz eingeräumt wurde. Trotz alledem fühlte ich mich von dem Roman gut unterhalten und das, was ich zu lesen bekam, hat alle möglichen Gefühle in mir geweckt. Ich war aufgebracht über so viel Selbstverliebtheit, besser gesagt von so viel Unverfrorenheit von Carola, aber vor allem von Brecht und war zutiefst ergriffen von der selbstlosen Liebe Klabunds zu seiner Carla. Nebenbei bemerkt: Carola Neher habe ich nicht gekannt, nie gehört. Um mir ein Bild von ihr zu machen, suchte ich Fotos von ihr und dann auch von Klabund, der gar nicht so schlecht aussah, wie in ihn mir beim Lesen vorgestellt habe. Das Coverbild mit Gepard ist sehr gut ausgesucht, es passt hervorragend zum mondänen Leben einer Diva. Der Roman ist gut zu lesen, bietet gute Unterhaltung und ist eine Zeitreise ins mondäne Künstlerleben der zwanziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Eine Leseempfehlung für alle, die sich gerne zurückbeamen und gut unterhalten lassen wollen.
Sehr schön erzählt
von lesebiene - 06.03.2020
Meine Meinung: Bereits nach den ersten ca 50 Seiten , zieht die spannende Geschichte, den Leser fast spielerisch in ihren Bann ! Dabei kommt eine gut erzählte und recherchierte Handlungen und eine Menge Tiefgang nicht zu kurz ! Die Autorin hat ein Talent dafür Geschehnisse , so real und eindringlich zu beschreiben , dass der Leser völlig gebannt vor dem Buch sitzt , und förmlich in eine andere Welt eintaucht . Im Laufe der Zeit , entwickelt dieses Buch einen solchen Sog , dem ich mich nicht entziehen konnte . Ich habe dieses Buch an einem Tag förmlich verschlungen und geliebt! Denn es ist ein (Historischer) Roman ,der spannend und interessant ist und dennoch eine Menge Tiefgang hat. Einziger Kritikpunkt ist, dass ich erst nach etwas 50 Seiten einen richtigen Zugang zur Geschichte finden konnte, aber dann war ich absolut begeistert! Fazit : Das Buch ist atmosphärisch dicht und absolut faszinierend erzählt! Niveauvoll , atmosphärisch dicht und mit einer Gänsehaut machenden Spannung ! Ein beinahe durch und durch gelungenes Buch !
Carola Neher - fast vergessen
von Bibliomarie - 06.03.2020
Karoline Neher, geboren in der pfälzischen Provinz, hat nur ein Lebensziel: raus aus der Enge. Sie ist Schauspielerin, Sängerin und auch eine Femme fatale. Sie nimmt sich in den frühen Zwanziger Jahren, dass was ihr zusteht und für Sentimentalitäten hat sie keine Ader. Ihr Aufstieg ist kometenhaft. Sie verkehrt in den Kreisen Feuchtwanger, Wedekind, Weill, Brecht und Klabund, der wird ihr Ehemann, eine komplizierte und turbulente Zeit, für Brecht wird sie Muse und Geliebte. Er schrieb Rollen für sie und versagte doch kläglich, als sie Hilfe gebraucht hätte. Die Zwanziger Jahre waren auch ein politisch unruhige Zeit, Neher engagierte sich als Kommunistin und nach der Machtergreifung Hitlers ging sie mit ihrem zweiten Ehemann Anatol Becker zuerst nach Prag, später nach Moskau. Als Schauspielerin konnte sie nicht mehr arbeiten, im Zuge der "Säuberungen" wurde Carola Neher verhaftet. Sie starb in einem Gefangenenlager in Russland an Typhus. Wie ein Theaterstück präsentiert Charlotte Roth ihren Roman um eine außergewöhnliche Frau, damit stellt sie auch klar, dass sie keine Biografie vorlegt, sondern sich erzählerische Freiheit nimmt und die historisch belegten Ereignisse die Folie für ihren Roman sind. Charlotte Roth hat eine unglaublich mitreißende Art zu erzählen und ihr gelingt es, mich nach wenigen Seiten völlig in Bann zu ziehen. Auch wenn ich vorher nur sehr wenig über die Schauspielerin wusste, hat mich ihre Persönlichkeit fasziniert. Wäre Carola Neher 50 Jahre später geboren, sie wäre eine der großen Figuren der Frauenbewegung geworden. Sie machte sich um Gleichberechtigung keine Gedanken - sie lebte sie, auch wenn der Preis dafür hoch war. Die Autorin hat die vielen Facetten dieser Frau in ihrem Roman gebündelt und damit eine Hauptfigur geschaffen, an der man sich auch reiben kann. Nur gleichgültig bleibt Carola Neher den Lesern nie. Eingebettet hat sie Carolas Geschichte in eine Rahmenhandlung, die zurück in die Pfalz führt. Dort taucht eines Tages Georg Becker auf, der sich für die Wurzeln der Familie Neher interessiert und mit der Bibliothekarin Anette Kontakt aufnimmt. Diese Einschübe sind ein Ruhepol und rundet diesen Roman ab.
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