Du sagst es

Roman. Originaltitel: Jij zegt het.
Buch (gebunden)
"In einer Liebe kann man nie nur einem die Schuld geben, schon gar nicht an einem Selbstmord." Connie Palmen
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Produktdetails

Titel: Du sagst es
Autor/en: Connie Palmen

ISBN: 325706974X
EAN: 9783257069747
Roman.
Originaltitel: Jij zegt het.
Übersetzt von Hanni Ehlers
Diogenes

19. August 2016 - gebunden - 288 Seiten

Portrait

Connie Palmen, geboren 1955, wuchs im Süden Hollands auf und kam 1978 nach Amsterdam, wo sie Philosophie und Niederländische Literatur studierte. Ihr erster Roman, >Die Gesetze<, erschien 1991 und wurde gleich ein internationaler Bestseller. Sie erhielt für ihre Werke zahlreiche Auszeichnungen, so wurde sie für den Roman >Die Freundschaft< 1995 mit dem renommierten AKO-Literaturpreis ausgezeichnet. Connie Palmen lebt in Amsterdam.

Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung vom 11.12.2016

Sylvia hatte diesen radioaktiven Blick
Die niederländische Schriftstellerin Connie Palmen lässt in ihrem Roman "Du sagst es" Ted Hughes seine Version der Geschichte erzählen

Die amerikanische Schriftstellerin Sylvia Plath hat nicht viel veröffentlicht. Einige Gedichtbände und ihren Roman "Die Glasglocke", mit dem sie postum weltweiten Ruhm erlangte. Sylvia Plath lebte das Schriftstellerleben inklusive Todessehnsucht, Leidenschaft, Schreibwut, Lebenshunger, Verzweiflung, Depression und Selbstzerstörung. Sie war verheiratet mit dem britischen Poeten - Ted Hughes. Sie war Mutter eines kleinen Mädchens und eines kleinen Jungen. 1963 nahm sie sich in ihrer Londoner Wohnung das Leben. Ab diesem Augenblick wurde ihr Mann Ted Hughes für die weltweite feministische Anhängerschaft von Sylvia Plath zum Sündenbock. Und Sylvia zur Ikone der Frauenbewegung. Ted Hughes war der Verräter, der seine junge Frau in den Tod getrieben hatte, die im Namen aller Frauen gezeigt hatte, dass es sehr wohl möglich war, als Mutter ein intellektuelles Leben zu führen, zu schreiben, erfolgreich zu sein, frei zu sein - um am Ende doch von demjenigen betrogen und zerstört zu werden, dem sie sich anvertraut hatte: ihrem Mann.

Bis zu seinem Tod 1998 konnte Ted Hughes sich nicht von dieser Schuld befreien. Er hat dazu geschwiegen, sich weder gewehrt, noch versucht, das öffentliche Zerrbild zu korrigieren, das durch unzählige Sylvia-Plath-Biographien wieder und wieder heraufbeschworen wurde - in der Überzeugung, dass man ihm seine Version der Geschehnisse sowieso nicht glauben würde. Er, der kurz nach der Geburt seines Sohnes Nicholas aus der Ehe, aus dem engen Korsett des "fabelhaften Ehemanns", kopflos in eine Affäre geflohen war und öffentlich von der eigenen Frau für "vogelfrei" erklärt wurde, "zu einer Figur, die andere nach Belieben beschuldigen und anschwärzen konnten".

Jetzt, dreiundfünfzig Jahre nach Sylvia Plath' Selbstmord, hat die niederländische Schriftstellerin Connie Palmen Ted Hughes zum ersten Mal seine Version der Geschichte erzählen lassen. Von ihrem ersten Treffen an der Universität in Cambridge 1956 bis zur totalen Zerstörung der eigenen kleinen Familie nur sechs Jahre später. Connie Palmen holt alles noch einmal hervor. Lebendig und unmittelbar, als sei Ted wieder auferstanden. Als sei seit damals kein bisschen Zeit vergangen, erinnert er sich noch immer erstaunt, wer Sylvia Plath wirklich war: Ein geistreiches junges Mädchen, sprudelnd vor Lebhaftigkeit, mit unerschöpflicher Energie und Durchhaltevermögen, voller Selbstironie - andererseits eine angstbesessene Frau mit "hysterischen Heulkrämpfen und Panikattacken, Sinusitis und Migräne, krankhafter Eifersucht und Vereinnahmung" und "radioaktivem Blick".

Doch vor allen Dingen lässt Connie Palmen ihren Protagonisten erklären, wer er wirklich war. Einer, der wahrhaft geliebt hatte und irgendwann nicht mehr lieben konnte, weil er seiner Frau nicht mehr standhalten konnte. Einer, der schreiben wollte, aber den Ruhm verabscheute. Einer, der seine Kinder liebte und sie doch verließ. Einer, der sich nach der Natur und der Unschuld seiner Kindheit sehnte und zum Ehebrecher wurde. Einer, der sich verlor und versuchte, sich wiederzufinden. Einer, der nach Sylvia Plath' Selbstmord von Generationen von Frauen gehasst wurde, die nicht sehen konnten oder wollten, welche Abgründe er in dieser dramatischen Ehe durchlebt hatte, im Versuch, Sylvias Seele zu retten. Im Gegenteil. Sylvia Plath' Anhängerinnen setzten die Schriftstellerin auf "einen Dornenthron" und riefen ihre wuterfüllte Stimme aus "zum Evangelium ihrer eigenen Vater-, Mutter- und Ehemannmorde".

Vom ersten Kennenlernen bis zur Selbstauslöschung der gerade mal 29-Jährigen lässt Connie Palmen Ted Hughes von einer Liebe berichten, die von der Umwelt von Beginn an misstrauisch beäugt wurde: "Freunde wollen, genau wie die Familie, dass du bleibst, wer du warst, während die Liebe das unzüchtige Vermögen besitzt, dich zu verändern, dich um einen neuen Blick auf alles, was dir vertraut war, zu bereichern. Je mehr sie bei allen in Ungnade fiel, desto (. . .) stärker meine Überzeugung, dass nur ich wusste, wie sie wirklich war." Anstatt ihrer Liebe und Zuneigung zu vertrauen, schonen Sylvia und Ted sich gegenseitig. Die süße Welt voller gepinselter Herzen im ganzen Haus - "magische Zeichen, die dafür sorgen sollten, dass alles so bleibe, wie es sei" - wird zum Korsett, in dem jeder seine ihm zugeteilte Rolle bekleidete, beide versuchten, dem anderen zu gefallen und doch heimlich ihren Sehnsüchten nachzugehen, von denen sie befürchteten, dass sie sich gegenseitig ausschließen und zur Entzweiung führen würden. Ted suchte nach Wahrhaftigkeit, nach einem Leben als Dichter, ohne die öffentliche Ausbeutung seines Ruhms, die aus ihm jemanden machte, der er nicht war. Sylvia dagegen verzehrte sich nach Ruhm, Anerkennung, danach, ihre schriftstellerische Stimme wiederzufinden, die sie als junges Mädchen in Folge einer von Ärzten durchgeführten Elektroschocktherapie verloren hatte. "Statt den schöpferischen Geist wiederzuerwecken, brachten sie jede Stimme, die je in ihr gesprochen hatte, zum Schweigen, töteten sie ab." Diese Stimme, die Sylvia auch durch Teds Liebe nicht wiederfindet, ohne die sie aber nicht leben und schreiben kann, wie sie es sich wünscht.

"Wir waren jung und unerfahren, tasteten uns zögernd in die Welt der Erwachsenen vor, die Welt von Verantwortung, Einkommen, Wohnung, beide auf der Suche nach unserer eigenen Stimme. Wir schrieben jeden Tag, erträumten uns ein Dichterleben."

Sylvia unterstützt Ted und sorgt dafür, dass seine Gedichte mit bedeutenden Preisen ausgezeichnet werden. Während Ted mehr und mehr Bekanntheit erlangt, dümpelt Sylvias Karriere. Aus Geldnot nehmen sie in den Vereinigten Staaten eine Unistelle an, Ted vermisst seine englische Heimat, und nach einem Jahr kehren sie schließlich zurück und werden Eltern einer Tochter. In "Du sagst es" lässt Connie Palmen Ted Hughes von ihrem gemeinsamen schriftstellerischen Schaffen erzählen, wie sie sich gegenseitig ihre Gedichte vorlesen, ununterbrochen ihr privates und öffentliches Leben reflektieren. Doch der Tod ist Sylvias ständiger Begleiter.

Es ist atemberaubend, wie ungebrochen es der Schriftstellerin gelingt, die Sprache, die Erzählweise der damaligen Zeit einzufangen, sich in Ted Hughes hineinzuimaginieren. Als Grundlage für ihre feingewebte Erzählung hat sich Connie Palmen bei "Birthday Letters" bedient, seinem letzten Werk, das nur wenige Monate vor seinem Tod erschien und als eine Art Aufarbeitung seiner Liebe zu Sylvia Plath gilt. Ted Hughes beschreibt seine achtundachtzig Briefe oder Gedichte in "Du sagst es" als das Gespräch, das er und Sylvia durch ihren Selbstmord nicht mehr führen konnten. Das Buch urteilt nicht. Es beurteilt nicht. Es beobachtet nur Sylvias Reaktionen, Ausfälle, Zusammenbrüche und schildert Teds Innensicht, wenn ihm der Ruhm zu viel wird, er sich nach kindlicher Geborgenheit sehnt und wie er Sylvia gegenüber beides empfindet: Liebe und Entfremdung. Seine Reaktionen auf ihre Ausbrüche werden nur ein einziges Mal dokumentiert, als sie mit einem Kinderstuhl eine Tischplatte in Stücke schlägt. "Weil ich etwas zu spät nach Hause kam. (. . .) Weil mir ihre Wut zehnmal lieber war als ihre lähmende Verzweiflung, stand ich wie ein Boxtrainer am Ring dabei und ermunterte sie: Toll, nur weiter so, mach alles zu Kleinholz, mach ruhig alles, was du dich in deinen Gedichten nicht traust."

In diesem Moment der totalen Zerstörungswut schien der junge Mann etwas verstanden zu haben: Dass sein Traum, ihr gemeinsamer Traum vom Schriftstellerleben, als Eltern, als Familie, als Intellektuelle, als freie Menschen, sich nie erfüllen würde, obwohl ihr Leben auf dem Land in Devon exakt diesem Anschein entspricht. Doch im Gegensatz zu Ted Hughes ist es Sylvia Plath nicht möglich, Schönheit oder Ganzheit zu ertragen. Sylvia kann nur schreiben, wenn sie ihren Dämonen - wie Ted sie nennt - freien Lauf lässt. "Hin- und hergerissen zwischen Bewunderung und Rührung - (. . .) - entging mir, dass sie mir schon in unserer ersten Nacht meinen größten Rivalen vorstellte, einen Gottvater, allmächtig abwesend im Tod, und dass der Tod mein Gegner im Kampf um ihre Seele sein würde."

Ted erkennt, dass sein Bestreben, sie aus der Dunkelheit zu befreien, scheitern muss, weil sie die Dunkelheit ist. Was er - genau wie Sylvia nicht erkennt: sie sind beide jung. Sie machen erst die Erfahrungen, die ihnen helfen könnten, das Leben zu führen, das sie sich wünschen. Insofern gleicht ihr Drama so vielen anderen Dramen zwischen Männern und Frauen. Ihr Bemühen, ein erwachsenes Leben als Paar, als Eltern und als Menschen in Freiheit zu führen, geben sie auf, bevor es überhaupt angefangen hat. "Du sagst es" erzählt von einem literarischen Großereignis - und von dem hilflosen Versuch, ein großes Leben zu führen.

ALEXA HENNIG VON LANGE

Connie Palmen: "Du sagst es". Roman. Aus dem Niederländischen von Hanni Ehlers. Diogenes, 288 Seiten

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