Haarmann

Ein Kriminalroman. Deutsche Erstausgabe.
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Der spektakulärste Kriminalfall Deutschlands - psychologisch raffiniert und extrem fesselnd

Im Hannover der 1920er-Jahre verschwinden Jungs, einer nach dem anderen, spurlos. Steckt ein bestialischer Massenmörder dahinter? Für Robert Lahnstein, Ermittl … weiterlesen
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Produktdetails

Titel: Haarmann
Autor/en: Dirk Kurbjuweit

ISBN: 3328600841
EAN: 9783328600848
Ein Kriminalroman.
Deutsche Erstausgabe.
Penguin Verlag

24. Februar 2020 - gebunden - 320 Seiten

Beschreibung

Der spektakulärste Kriminalfall Deutschlands - psychologisch raffiniert und extrem fesselnd

Im Hannover der 1920er-Jahre verschwinden Jungs, einer nach dem anderen, spurlos. Steckt ein bestialischer Massenmörder dahinter? Für Robert Lahnstein, Ermittler im Fall Haarmann, wird aus den Gerüchten bald schreckliche Gewissheit: Das Deutschland der Zwischenkriegszeit, selbst von allen guten Geistern verlassen, hat es mit einem Psychopathen zu tun. Lahnstein, der alles dafür gäbe, dass der Albtraum aufhört, weiß bald nicht mehr, was ihm mehr zu schaffen macht: das Schicksal der Vermissten; das Katz-und-Maus-Spiel mit dem mutmaßlichen Täter; die dubiosen Machenschaften seiner Kollegen bei der Polizei; oder eine Gesellschaft, die nicht mehr daran glaubt, dass die junge Weimarer Republik sie vor dem Verbrechen schützen kann.
Dirk Kurbjuweit inszeniert den spektakulärsten Serienmord der deutschen Kriminalgeschichte psychologisch raffiniert und extrem fesselnd. Eindringlich ergründet er die dunkle Seite der wilden 1920er-Jahre, zeigt ein Zeitalter der traumatisierten Seelen, der politischen Verrohung, der massenhaften Prostitution. So wird aus dem pathologischen Einzelfall ein historisches Lehrstück über menschliche Abgründe.

Portrait

Dirk Kurbjuweit, geboren 1962 in Wiesbaden, zählt zu den vielseitigsten und produktivsten Autoren unserer Gegenwart. Als Zeit- und Spiegel-Reporter einer breiten Leserschaft bekannt, überzeugte er schon früh als Erzähler. Nach dem Debüt »Die Einsamkeit der Krokodile« (1995) wurden besonders die Novelle »Zweier ohne« (2001) und der Roman »Angst« (2013) von der Kritik gefeiert. Etliche seiner literarischen Erfolge dienten als Vorlage für Verfilmungen, Theaterstücke und Hörspiele.

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Pressestimmen

"Dirk Kurbjuweit verarbeitet den Fall zu einem spannenden Krimi und vielschichtigen Gesellschaftsporträt der frühen Weimarer Republik." " Stern Crime
Bewertungen unserer Kunden
Der Werwolf von Hannover, realistisch und nüchtern
von Christina P. - 16.06.2020
Von dem Serienmörder Fritz Haarmann, der als Werwolf von Hannover in den 1920er Jahren über 20 Jungen ermordete, hatte ich bisher noch nichts gehört. Umso neugieriger war ich da, einen Kriminalroman zu lesen, der auf einem echten Kriminalfall basiert. In diesem Roman ist Polizist Robert Lahnstein dafür verantwortlich, den Fall um die vielen verschwundenen Jungen aufzuklären. Eine Mischung aus nicht immer regelkonformem Verhalten der Kollegen, wirtschaftlicher sowie politischer Unruhen und Lahnsteins Erinnerungen an seine Zeit im ersten Weltkrieg führt zu einer düsteren Atmosphäre, welche sich durch den kompletten Roman zieht. Einige Szenen aus der Sicht des Täters sowie eines seiner Opfer runden das Ganze gekonnt ab. Die Schilderung der wirtschaftlichen sowie politischen Lage empfand ich als sehr gut greifbar, nichts wurde geschönt. Lahnsteins Erinnerungen an die Kriegszeit waren zwar ebenso erschütternd, dienten jedoch eher dazu, ihn als Charakter vielschichtiger darzustellen. Was mir weniger gefiel, war der starke Schwerpunkt auf den homophilen Handlungen sowie der gleichzeitig im Roman immens vertretenen Homophobie. Gut, es gehört zum Fall Haarmann mit dazu, jedoch wirkte es durch seine hohe Gewichtung stellenweise so, als würde dieses Thema zu den Hauptinteressen der damaligen Bevölkerung zählen, was ich bezweifle. Ebenfalls wurde ich mit dem Schreibstil nicht warm. Oftmals wirkt das Geschriebene aufzählend und regelrecht nüchtern, als hätte Polizist Lahnstein einen Bericht für die Akten geschrieben. Besonders die Personen wirkten dadurch stark distanziert, eher wie Darsteller. Wäre ich nicht am Fall selbst interessiert gewesen, hätte ich das Buch aufgrund dessen längst zur Seite gelegt. Entsprechend gebe ich dem Buch 3,5 von 5 Sternen.
Hervorragend und fesselnd erzählt
von LesePartie - 03.05.2020
Der Autor Dirk Kurbjuweit erzählt den Kriminalfall des Massenmörders Haarmann aus der Sicht des ermittelnden Kommissars. Aufgrund der Kriegsfolgen leben viele Deutsche 1923/24 in großer Armut. Lebensmittel sind teuer. Die neue Republik hat es schwer sich gegen die Monarchisten und rechte Strömungen zu behaupten. Um das Vertrauen der Bevölkerung nicht gänzlich zu verspielen, müssen in Hannover Ermittlungsergebnisse her. Seit Monaten gibt es keinerlei Hinweise auf den Verbleib der verschwundenen Jungs. Die 175. Szene in Hannover ist bekannt und in den letzten Jahren gewachsen. Immer wieder führen die wenigen Spuren in dieses Milieu, ohne Ergebnis. Lahnstein, im Krieg Flieger gewesen und dann in britische Gefangenschaft geraten, ist SPD Mitglied und von der Demokratie überzeugt. Auf dem Polizeipräsidium ist er mit dieser Einstellung nicht willkommen, was wiederum die Zusammenarbeit mit Kollegen erschwert. Manche Passagen im Buch, in kursiver Schrift gedruckt, schildern die Geschehnisse aus Sicht des Täters sowie aus Sicht eines der Opfer. Zudem gibt es Zeitsprünge in Lahnsteins Geschichte. So erzählt der Roman von seiner Faszination für die ersten Flugzeuge, von seiner Familie, die er verlor, und von seiner Gefangenschaft. Für den Leser entsteht somit ein umfassende Biografie des Charakters Lahnstein. Dadurch fiel es mir leicht eine Verbindung zu der Hauptfigur aufzubauen und seine Handlungen nachzuvollziehen. Auch wirft der Roman die Frage auf, wo die moralischen Grenzen liegen, um einen dermaßen bestialischen Serienmörder zu überführen. Gerade Haarmanns Schilderungen, wie er die Jungs gesucht, gefunden, mitgenommen und am Ende verarbeitet hat, geben Einblick in seine gestörte Wahrnehmung. Jemanden, der solche Morde verübt, muss man stoppen. Doch welche Mittel rechtfertigen am Ende das Ergebnis? Eine Frage, die sich Lahnstein im Verlauf des Romans stellen muss. Der Fall des Serienmörders Haarmann ist in der Vergangenheit einige Male künstlerisch aufgegriffen worden. Am eindringlichsten und erschreckendsten wahrscheinlich im Film Der Totmacher aus dem Jahr 1995, in dem Götz George Fritz Haarmann sehr authentisch spielt. Dieser Roman fokussiert sich eher auf die moralische Ebene, in einem stark gebeutelten Land, dass schwer an den Repressalien des Krieges zu tragen hat. In einer Demokratie, die jeden Tag ums Überleben kämpft. Die Sichtweise des Buches hat mich gänzlich überzeugt. Dirk Kurbjuweit erzählt eine fesselnde Geschichte ohne Partei zu ergreifen oder den Zeigefinger zu erheben. Die moralische Frage ist heute genauso aktuell wie damals. Angesichts solch grausamer Morde, ist die Versuchung groß Mittel und Maß anders abzuwägen, als es die Vorschriften zulassen. Mich hat der Roman vollends überzeugt. Eine durchweg stimmige Erzählung. Außerordentlich gut geschrieben und durchdacht. Die Geschichte Haarmanns ist mir bekannt, vor allem durch den erwähnten Film. Dieser Kriminalroman wirft ein anderes, sehr interessantes Licht auf die Geschehnisse. Ich bin begeistert und kann das Buch nur empfehlen!
Mehr Abbild der 1920er Jahre als Krimi
von kingofmusic - 07.04.2020
Friedrich "Fritz" Haarmann - die meisten von uns werden schon einmal etwas von diesem Serienmörder gehört haben. Ich bringe damit oft den von mir geliebten Film "Der Totmacher" mit dem großartigen Götz George in Zusammenhang. Nun zählt der Kriminalroman "Haarmann" von Dirk Kurbjuweit zu meinen zukünftigen (guten) Erinnerungen dazu. Der Autor hat dabei jedoch alles andere als ein literarisches Denkmal für Fritz Haarmann geschaffen; wer mit diesen Erwartungen an das Buch herangeht, wird vermutlich enttäuscht werden. Es gibt (wenn überhaupt) nur rudimentär neue Erkenntnisse für die Leserinnen und Leser. Allerdings bin ich der Meinung, dass man mehr über Haarmann gar nicht wissen muss. Vielmehr geht es Kurbjuweit in seinem Buch darum, die Stimmung in der jungen Weimarer Republik wiederzugeben. Das Misstrauen der Bevölkerung gegenüber der Politik (egal ob demokratisch oder links, (leider) weniger von rechts) und - speziell im Raum Hannover, wo Haarmann sein Unwesen trieb - gegenüber der Polizeiarbeit wächst. Und hier kommt der fiktive Kommissar Robert Lahnstein ins Spiel, der die Misserfolge der Hannoveraner Polizei bei der Suche nach verschwundenen Jungen in einen Erfolg "umwandeln" soll. Lahnstein ist ein in sich gekehrter und an sich selbst zweifelnder Charakter, dem das Leben schwer zugesetzt hat. Er wacht immer wieder aus Alb- oder Tagträumen auf, in denen seine Frau Lissy und sein Sohn August eine Rolle spielen. Was mit Frau und Sohn passiert ist, wird allerdings erst sehr spät deutlich. Zunächst ist auch Lahnstein¿s Arbeit nicht von Erfolg gekrönt, da immer mehr Jungen verschwinden, seine Kollegen intrigieren und er in Folge dessen immer mehr Druck von außen und von innen ertragen muss. Ein Flug mit einer Albatros-Maschine bringt schließlich die entscheidende Wende¿ Mehr sei an dieser Stelle gar nicht verraten, zumal das Ende (Haarmann wird gefasst, verurteilt und hingerichtet) bekannt ist. Der etwas ungewöhnliche, eher nüchtern-trockene Schreibstil sowie keinerlei "wörtliche Rede" ist zunächst ungewohnt, sollte jedoch kein Grund sein, diesem Roman keine Chance zu geben. Auch die am Ende eines jeden Kapitels kursiv dargestellte Sichtweise von Haarmann sowie die ebenfalls kursiv dargestellten Texte aus der Sicht der Opfer werden sachlich und ohne jedwede "Wertung" von Kurbjuweit wiedergegeben. Alles in Allem liegt mit "Haarmann" ein großartiger Kriminalroman vor, der von mir die verdienten 5* sowie eine Leseempfehlung bekommt! ©kingofmusic
Interessante Mischung
von JosephinW - 30.03.2020
Das Buch hat mir sehr gut gefallen. Ich fande die Mischung aus Krimi und Geschichte sehr gut gelungen. Der Schreibstil ist angenehm und flüssig zu lesen. Der Autor schreibt sehr detailreich und es kommt von Anfang an Spannung auf. Er wechselt in der Geschichte auch immer mal die Perspektive des Protagonisten, mal aus seiner Gegenwart, mal aus seiner Vergangenheit. Interessant fande ich sehr den teilweise wahren geschichtlichen Hintergrund. Der Autor hat das gut in der Geschichte verwoben. Die Kapitel sind recht lang, da es aber zwischendurch kürzere Abschnitte gibt, kann man auch mal mit weniger Zeit etwas lesen. Stilistisch werden Passagen, in denen von anderen Personen die Rede ist in einer anderen Schrift (Kursiv) dargestellt. Empfehlen würde ich das Buch auf jeden Fall für Krimifans. Aber auch geschichtlich Interessierte könnten auf ihre Kosten kommen. Es ist für Leser und Leserinnen gleich gut geeignet. Es ist aber keine Literatur zur reinen Entspannung, da die geschichtlichen Ereignisse eine große Rolle spielen.
Fritz Haarmann, der Schlächter von Hannover
von claudi-1963 - 24.03.2020
Warte, warte nur ein Weilchen, bald kommt Haarmann auch zu dir, mit dem kleinen Hackebeilchen, macht er Hackefleisch aus dir. (Hawe Schneider) In Hannover verschwinden in den 20er Jahren mehrere Jungs im Alter zwischen 10 und 22 Jahren. Die Polizei steckt in einer Krise, da sie sich nicht sicher sind, ob hinter dem Verschwinden ein Serienmörder steckt. Kommissar Robert Lahnstein wird deshalb nach Hannover berufen, um seine Kollegen zu unterstützen. Als weitere junge Männer verschwinden wird aus den Gerüchten immer mehr die Gewissheit, dass sie es mit einem gefährlichen Psychopathen und Serienmörder zu tun haben. Doch auch Lahnsteins Ermittlungen stecken fest, weil er keinen Verdächtigen findet, besonders da seine Kollegen und die Gesellschaft wegschauen. Als er jedoch von Fritz Haarmann erfährt, ist er sich ziemlich schnell sicher, dass er der Täter sein könnte. Nur wie soll er ihm die Taten nachweisen? Ein Katz und Maus Spiel zwischen Täter und Lahnstein beginnt. --- Meine Meinung: Das düstere Cover mit dem Mann, der jemanden verfolgt, passt, sehr gut zu der Geschichte. Der Schreibstil ist für mich etwas gewöhnungsbedürftig, schon alleine dadurch das die wörtliche Rede im gesamten Buch nicht mit Satzzeichen markiert wurden. Zudem fehlte es für mich total an Spannung und vom eigentlichen Täter erfuhr ich viel zu wenig. Stattdessen ließ der Autor sehr viel Belangloses aus dem Privatleben Lahnsteins, in dem Fall hineinfließen. Gerade die vielen Rückblenden in Lahnsteins Vergangenheit, die ich als nichtig empfand, störten dann zusehends meinen Lesefluss. So stand ich mehr als einmal kurz davor dieses Buch abzubrechen. Der Vampir, der Schlächter, der Kannibale oder der Werwolf von Hannover wie der Massenmörder Fritz Haarmann ebenfalls genannt wird, kannte ich schon zuvor. Von daher war dieser Fall nichts Neues für mich. Doch trotz der realen und fiktiven Umsetzung konnte mich die Darstellung des Autors nicht in allen Belangen überzeugen. Zwar erfahre ich von vereinzelten Jungs was ihr Verschwinden von zu Hause anbelangt, doch selbst dies fand ich zu wenig. Ich hätte mir hier weitaus mehr gewünscht. Genauso wie über Haarmanns Motivation, die mir hier selbst am Ende noch nicht ganz klar dargestellt wurde. Ebenso wäre eine Namensaufstellung der toten Jungs am Ende oder Anfang des Buchs von Vorteil gewesen, sodass ich dafür nicht immer im Nachschlagen musste. Im Grunde erfuhr ich über Haarmann selbst nicht mehr als das, was ich schon wusste. Was mich von daher enttäuscht hat, besonders da der Autor ein renommierter Reporter ist. Dass Haarmann die Jungs beobachtet hatte, sie mit zu sich nahm, kennenlernte, missbrauchte und dann totbiss, kann einen schon erschüttern. Doch das so viele Menschen rücksichtslos weggesehen haben oder die Polizei ihm seinen Taten lange nicht nachweisen konnte, ist schon erschreckend. Dass dies, genauso wie seine sexuelle Neigung, Korruption, sowie die unerlaubten Vernehmungsmethoden im Buch angesprochen wurden, hat mir dagegen gut gefallen. Ungeachtet dessen kann ich diesem Buch nur 2 1/2 von 5 Sterne geben, da es für mich im Grunde nichts weiter Relevantes zutage brachte, wie das was ich sowieso schon über den Haarmann wusste.
Der Kommissar und der Serienmörder
von Siglinde Haas - 21.03.2020
Die 1920ziger Jahre in Hannover. Kommissar Lahnstein wurde von Bochum nach Hannover versetzt. Seine einzige Aufgabe dort, er soll das Verschwinden mehrerer Jugendlicher aufklären. Man geht davon aus, dass sie ermordet wurden und es eine Verbindung zum Homosexuellenmilieu gibt. Das erschwert die Ermittlungen, weil Zeugen damit rechnen müssen, strafrechtlich verfolgt zu werden und die trauernden Eltern jeden Verdacht ihre Söhne betreffend von sich weisen. Lahnstein fühlt sich immer mehr überfordert. Zum einen machen seine Vorgesetzten Druck, die Presse wendet sich gegen ihn und er fühlt sich von seinen Kollegen nicht genügend unterstützt und nur mitleidig belächelt. Lahnstein hält Haarmann für den Mörder und setzt alles daran, ihn zu überführen. Doch wie weit darf er dabei gehen ? Das Buch dreht sich überwiegend um den ermittelnden Kommissar Lahnstein und seine Befindlichkeit. In so weit halte ich den Buchtitel für etwas irreführend. Lahnstein kämpft mit den Dämonen seiner Vergangenheit. Er war Pilot im 1. Weltkrieg, aber kein Held. Er hat seine Familie auf tragische Weise verloren. Bei den Ermittlungen sieht er sich mit seinen Ängsten, homosexuell zu sein, konfrontiert. Lahnstein beginnt alle Aspekte seiner Nachforschungen auf sich selbst zu beziehen. Im Gegensatz dazu schildert der Autor in knapper nüchterner Sprache das Verschwinden der Opfer. Haarmann als Person blieb für mich blass, obwohl der Autor Aktenauszüge aus seinem Leben einfügt. Das Buch liest sich dennoch spannend und hat mich in seinen Bann gezogen. Ich habe mit Lahnstein gelitten und war fassungslos ob Haarmanns Gleichgültigkeit gegenüber der Opfer. Die Pluspunkte des Romans liegen für mich in den Einblicken in die damalige Gesellschaft und die Zustände bei der Polizei, deren Arbeit mit geprägt war durch Vorurteile und politische Sympathien. Für mich ist das Buch nur bedingt ein Kriminalroman. Ich bin der Meinung, es ist eher Lesestoff für jemanden, der sich für den Zeitgeist von damals interessiert.
Der Werwolf aus Hannover
von Bibliomarie - 21.03.2020
In den unruhigen 20iger Jahren trieb Haarmann in Hannover sein Unwesen. Er ermordete über 20 junge Männer und zerstückelte ihre Leichen. Die Spitze der Perversität war der Verkauf des Fleisches an die notleidende Bevölkerung. Wie Jack the Ripper ist auch Fritz Haarmann längst in die Kriminalgeschichte eingegangen. Seine Taten haben Filme und Bücher inspiriert. Auch der Autor Dirk Kurbjuweit hat diesen Stoff aufgenommen. Sein Buch ist ein Roman, hält sich bei der Beschreibung Haarmanns eng an die vorhandenen Dokumente. Als Gegenspieler führt er die fiktiven Kriminalisten Lahnstein und Müller ein. Lahnstein ist erst kürzlich aus französischer Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt und noch nicht richtig im zivilen Leben angekommen. Er trägt schwer am Verlust seiner Frau und seines Sohnes, über deren Schicksal der Autor den Leser fast bis zum Schluss im Unklaren lässt. Die Suche nach dem Mörder der Jungen zeigt die wirren Zeiten der Zwischenkriegsjahre. Die Bevölkerung leidet Not, die politische Situation ist mehr als unsicher und die noch junge Demokratie überhaupt nicht gefestigt. Extreme politische Anschauungen finden nicht nur bei der Bevölkerung Anklang, auch im Kommissariat sind mit dem Sozialdemokraten Lahnstein und dem reaktionären Müller zwei gegensätzliche Standpunkte vertreten. Müller nutzt auch die Stimmung um gegen den angeschlagen wirkenden Lahnstein zu intrigieren. Damit illustriert der Autor auch die historisch nachgewiesenen Fehleinschätzungen der damaligen Polizei und der zum Teil dilettantisch anmutenden Ermittlungen, die dem "Werwolf von Hannover" jahrelang weiteres Morden ermöglichten. Kann man die Persönlichkeit des wohl krankhaft veranlagten Haarmanns überhaupt erklären? Hier hatte ich nicht das Gefühl, da blieb für mich vieles im Dunkeln. Der Kriminalroman ist auch ein Zeitbild der Zwanziger Jahre, die für weite Teile der jungen Republik und ihrer Menschen lange nicht so Golden war, wie es Filme oder Bücher suggerieren. Ein wenig habe ich die Spannung vermisst, vielleicht auch durch die Gewichtung auf die Figur des Kommissars Lahnstein. Auf alle Fälle aber ein interessanter Roman mit kriminalgeschichtlichem Hintergrund. 3,5 Sterne
Kriminalroman mit einem spannenden Stück Zeitgeschichte
von Lesendes Federvieh - 20.03.2020
Hannover in den 1920er Jahren. Mit einer erschreckenden Regelmäßigkeit verschwinden Jungen. Gerüchte gibt es genug und so versucht der Ermittler Robert Lahnstein den Fall Haarmann aufzuklären. Doch bisher konnte man Haarmann nichts nachweisen. Lahnstein stösst auf Schweigen bei seinen Polizeikollegen und der mutmaßliche Täter fühlt sich unantastbar. Dazu kommen politische Spannungen, denn man traut in der Bevölkerung der jungen Demokratie nicht. So muss sich Lahnstein von Anfang an mit viel zu vielen Problemen herumschlagen, die seine Ermittlungsarbeit nicht gerade beschleunigen... Dirk Kurbjuweits neuester Roman befasst sich mit einem spektakulären Kriminalfall aus den 1920er Jahren, dem Fall des Serienmörders Fritz Haarmann. Präzise und nüchtern schildert er die Ermittlungen von Robert Lahnstein, der von Anfang an mit Hindernissen und Rückschlägen bei seiner Polizeiarbeit zu kämpfen hat. Das politische Zeitgeschehen und die Stimmung im Land werden dabei gut mit der Aufklärung des Falles verknüpft. Diese Zeit zwischen den Kriegen wird sehr authentisch und atmosphärisch dicht beschrieben. Ich empfinde das Buch dadurch nicht als reinen Kriminalroman, sondern auch als einen Roman, der ein gutes Stück Zeitgeschichte vermittelt. Das hat mir sehr gut gefallen. Auch die persönlichen Erlebnisse von Robert Lahnstein werden ausführlich geschildert. Das war mir an manchen Stellen fast zu viel, ich wäre lieber weiter beim Katz- und Maus-Spiel mit Haarmann geblieben. Denn diese Passagen sind absolut fesselnd und spannend, weil sie so realistisch und auf den Punkt genau und teils auch richtig heftig geschildert werden. Speziell am Buch ist der Schreibstil des Autors. Klar, pointiert und genau schildert er die Ereignisse. Durch das Weglassen von Satzzeichen bei den Dialogen muss man sich konzentrieren, damit man das Gesprochene dem jeweiligen Protagonisten zuordnen kann. Diese Art muss man mögen. Das war zu Beginn für mich doch recht gewöhnungsbedürftig, aber je weiter ich gelesen hatte, desto mehr fand ich gerade diese fehlende Abgrenzung zum Fließtext gut. Es passt zu den komplizierten Ermittlungen, finde ich. Insgesamt habe ich Haarmann , gerne gelesen. Die Zeit in den Zwanzigerjahren des vorigen Jahrhunderts fand ich schon immer interessant und so hat mir dieser Kriminalroman unterhaltsame Lesestunden beschert.
Geboren am 17.05. oder Paragraph 175 - Der Fall Fritz Haarmann
von Marakkaram - 17.03.2020
** Sicherheit, die Leute wollten Sicherheit, Ordnung. Auf den Kaiser konnten sie verzichten, die Leute, aber nicht auf die Sicherheit. ** So viel gleich vorweg, Haarmann , der neue Roman von Dirk Kurbjuweit ist nicht jedermanns Geschmack. Auch ich habe mich anfangs eher schwer getan und es hat einige Seiten gebraucht, bis er mich so richtig fesseln konnte. Ich war sehr neugierig auf das Buch, weil mich das Thema Haarmann unheimlich interessiert und z.B. die Haarmann Protokolle und deren Verfilmung Gänsehaut bei mir ausgelöst haben. Das hat Dirk Kurbjuweit nicht geschafft. Und das liegt gar nicht mal am Schreibstil, der sehr nüchtern, distanziert ist und ohne jegliche Anführungszeichen in der wörtlichen Rede auskommt - was tatsächlich anstrengend ist. Nein, man wird einfach das Gefühl nicht ganz los, dass der Autor die Person Fritz Haarmann durch all seine anderen Themen, zu Beginn ein wenig aus den Augen verliert. Er driftet viel ins tief politische ab, es geht um die Nachwehen des 1. Weltkriegs, den Heimkehrern, um Korruption und es dreht sich immer wieder um §175 oder auch geboren am 17.05. wie man Homosexuelle zu damaliger Zeit gern betitelt hat. Mir persönlich wurde es mit den Problemen und der Zerrissenheit des Ermittlers Lahnstein zu diesem Thema ein wenig zu viel. Es ist klar, was der Autor damit bezwecken möchte, aber das hätte es gar nicht gebraucht, um sich in Lahnstein hineinversetzen zu können. Manchmal ist weniger wirkungsvoller. Dirk Kurbjuweit zeichnet ein unheimlich starkes, sehr authentisches Bild der 20iger Jahre und der Leser bekommt ein Gefühl, warum jemand wie Haarmann so lange unentdeckt morden konnte. Das ist schon klasse gemacht. Und er zeigt auch ganz deutlich die Ermittlungsarbeit, die Einschränkungen durch den Versailler Vertrag, den Druck durch die Eltern der verschwundenen Jungen, durch die Presse usw. Zwischendurch gibt es immer wieder kurze kursive Kapitel aus der Sicht Haarmanns oder eines seiner Opfer, aber so richtig intensiv wird es hier erst im letzten Drittel. Fazit: Mir hat der Roman sehr gefallen, trotzdem kann ich Haarmann nur bedingt weiterempfehlen. Er ist mit Sicherheit für all diejenigen interessant, die den Fall einmal aus einer anderen Perspektive, mitten aus dem Zeitgeschehen der 20iger Jahre in Hannover, lesen wollen. Jemand, der einfach einen spannenden Krimi nach einer wahren Geschichte erwartet, der wird vermutlich eher enttäuscht sein.
Düster und erschütternd
von Martina Ernst - 15.03.2020
In "Haarmann" taucht Autor und Journalist Dirk Kurbjuweit in den spektakulären Kriminalfall rund um den Serienmörder Fritz Haarmann ein und strickt daraus einen packenden Kriminalroman. Kommissar Robert Lahnstein wird nach Hannover versetzt. Die Ermittlungen in einer Vermissten-Serie stecken fest. Spekulationen verlaufen im Sande. Kein Muster ist in den Fällen der verschwundenen Jungs zu erkennen. Es gibt keine Leichen und keine Spur. Ihm Polizeiarchiv macht Lahnstein eine seltsame Entdeckung. Das Schicksal eines Jungen, seine Hoffnungen und Ziele berühren. Der Leser begleitet ihn auf seiner Reise. Er wird zum roten Faden der Geschichte. Handlungswechsel, Hysterie und Gerüchte, die Vermissten-Serie schürt die Angst der Menschen. Kommissar Robert Lahnstein steht unter Druck, die stetig ansteigende Zahl von Fällen aufzuklären. Persönliches macht die Hauptfigur zusätzlich greifbar. Er hat mit einem Trauma zu kämpfen, das ihn in Alpträumen heimsucht. Ihn quälen privat und beruflich Schuldgefühle. Bald glaubt Lahnstein nicht mehr an die Theorien, wohin die Jungs verschwunden sein könnten. Die Suche nach dem Motiv lässt ihn nicht ruhen. Kurze Sätze verdichten die Atmosphäre. Das Düstere und der Gruselfaktor steigern sich im Laufe der Geschichte. Perspektivwechsel zwischen Ermittler, Opfer und Täter unterstreichen den zunehmenden Schrecken. Trauer und Verlust, die Sicht der Mütter, Verzweiflung, Unglauben, Hoffnung, bewegt. "Ich komme wieder, sagte sie, so lange, bis Sie unser Kind gefunden haben, bis Sie uns sagen können, wie unser Kind gestorben ist. Vorher finden wir keine Ruhe. Es ist Ihre Pflicht, uns unseren Sohn zurückzugeben, auch wenn er nicht mehr lebt." Hannover in den 20er Jahren, Geschichte und Politik, Lahnstein wird zum Spielball der Akteure und zweifelt zunehmend an sich und seinen Fähigkeiten. Der Plot ist mit all seinen Facetten, besonders auch Lahnsteins privatem Verlust, raffiniert gestrickt. Wahrheiten und Ausmaß im letzten Buchdrittel sind schwer zu ertragen. Der Krimi geht unter die Haut, offenbart menschliche Schwächen und Verstrickungen, Ignoranz, Lügen und Täuschungen. Lahnstein ist eine gewichtige Hauptfigur, kein Held, sondern einer, der mit Widrigkeiten, Vertrauensverlusten, Intrigen und Mauern des Schweigens zu kämpfen hat und den Ereignissen zeitweise ohnmächtig gegenüber steht. Das Cover setzt das Bedrohliche wirkungsvoll in Szene. Der kurze, prägnante Titel entfaltet seine Wirkung. "Haarmann" entwickelt von Anfang an eine ungewöhnliche Intensität und lässt den Leser nicht mehr los. Menschliche Abgründe erschüttern. Ein Kriminalroman, der auch nach dem Zuklappen des Buches noch düster nachhallt.
Mehr als gewöhnungsbedürftig
von Julies Bookhismus - 24.02.2020
Das Buch hat mich gereizt, weil es auf einer wahren Begebenheit basiert und ich mich im Vorfeld schon einmal mit dem Fall vertraut gemacht habe. Leider hat mich das Buch sehr enttäuscht. Nicht nur, dass es 3 Sichtweisen gibt, bei denen man anfangs nicht einmal weiß, um wen es sich handelt, auch der Schreibstil ist sehr merkwürdig. Es gibt keine richtigen Gespräche, eigentlich wird alles in der "Erzählperspektive" geschrieben, ohne Gänsefüsschen. Dazu kamen die völlig aus dem Nichts auftauchenden Rückblicke von Lahnsteins Leben. Bei seiner Vorgeschichte mag das alles sinnvoll sein, aber die Momente, in denen sie auftauchen, sind völlig aus dem Zusammenhang gerissen. Man verliert den Anschluss an den Fall und muss sich im nächsten Teil erst wieder hineinfinden. Gut finde ich allerdings, dass hier die Korruption, Prostitution und die Verrohung der damaligen Gesellschaft aufgegriffen wird. Auch die politischen Bezüge, die der Autor hier anspricht, sind sehr interessant, da sie auch auf unsere heutige Situation bezogen werden können. In einem Interview des Autors sagt er folgendes dazu: "Wir müssen unsere Demokratie mit legalen, zivilen Mitteln gegen ihre Feinde verteidige, und unser Rechtsstaat muss für die Menschen unter allen Umständen Sicherheit gewährleisten." (Presseinformation des Penguin Verlag) An sich ist die Geschichte wirklich fesselnd. Die häufigen Rückblicke stören allerdings den Lesefluss und die fehlenden Gespräche bzw. Anführungszeichen verwirren ungemein. Lahnsteins Leben ist dramatisch, Haarmann ein Psychopath, der sich gut zu verkaufen weiß. Alles in allem ein guter Kriminalroman, wenn auch mit einigen großen Hindernissen.
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