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Haltlos

Sämtliche Erzählungen Band 1. Mit Frontispiz.
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Bisher sind Heinrich Manns kürzere Texte - mögen sie Novellen heißen oder Erzählungen - in siebenundzwanzig Ausgaben in neunzehn verschiedenen Verlagen erschienen, in verschiedenen Zusammen-stellungen und auch als Einzeldrucke. Die Überlieferungsgesc … weiterlesen
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Produktdetails

Titel: Haltlos
Autor/en: Heinrich Mann

ISBN: 310047810X
EAN: 9783100478108
Sämtliche Erzählungen Band 1.
Mit Frontispiz.
FISCHER, S.

1. September 1995 - gebunden - 584 Seiten

Beschreibung

Bisher sind Heinrich Manns kürzere Texte - mögen sie Novellen heißen oder Erzählungen - in siebenundzwanzig Ausgaben in neunzehn verschiedenen Verlagen erschienen, in verschiedenen Zusammen-stellungen und auch als Einzeldrucke. Die Überlieferungsgeschichte dieser Texte Heinrich Manns ist so verwickelt wie hinderlich für ihre Rezeption. Dabei schätzte er gerade diese Texte besonders hoch ein. »Manchmal das Beste« schrieb er in einer autobiographischen Notiz an den Mailänder Verleger Mondadori, als er aufseine Novellen zu sprechen kommt. Die Verlockung zur Lektüre der kürzeren literarischen Texte Heinrich Manns liegt darin, daß der Leser den Autor auf der Suche nach seiner eigenen Form nacherleben kann - wie er seine Themen und seine Kunstmittel findet, um schließlich der Autor von Jahrhundertromanen wie >Der Untertan< oder >Professor ünrat< zu werden. Über die Jahrzehnte hinweg haben seine Erzählungen sein Romanschaffen vorbereitet, begleitet und weitergeführt, sie stehen über thematische Zusammenhänge auch in enger motivischer Beziehung. Fast von Anfang an geht es dabei um diese Themen: Problematik des Künstlers in spätbürgerlicher Gesellschaft, um den Widerspruch zwischen Geist und Macht, um moralische Defor-mierungen in der bürgerlichen Gesellschaft, um Herrschaft und Abhängigkeit.

Portrait

Heinrich Mann, 1871 in Lübeck geboren, begann nach dem Abgang vom Gymnasium eine Buchhhandelslehre, 1891/92 volontierte er im S. Fischer Verlag. Heinrich Mann hat Romane, Erzählungen, Essays und Schauspiele geschrieben. 1933 emigrierte er nach Frankreich, später in die USA. 1949 nahm er die Berufung zum Präsidenten der neu gegründeten Akademie der Künste in Ost-Berlin an, starb aber 1950 noch in Santa Monica/Kalifornien.

Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung vom 05.10.1995

Machen Sie eine Novelle daraus
Heinrich Mann im Delikatessenladen des Fin de siècle

Hohl wirkt heute der Wortrausch der Lobredner zu Heinrich Manns sechzigstem Geburtstag im Jahre 1931, leer die Festrhetorik, mit der Gottfried Benn "den Meister, der uns alle schuf" und "die entfaltetste, deutsche Sprachschöpfung" seit der Jahrhundertwende feierte, leer deren Überbietung bei Rudolf Leonhard: "das vollendetste Deutsch, das seit Heinrich von Kleist geschrieben wurde".

Daß die DDR den Dichter zu ihrer Galionsfigur zu machen versuchte, indem sie ihm das Amt des Akademiepräsidenten anbot und sein Werk als ihren Kulturbesitz vereinnahmte, hat den nach dem Krieg im Westen um sich greifenden Mißmut noch verschärft. Entweder beherrscht im Lager der Gegner Heinrich Manns kalte Verachtung die Diskussion, oder es werden Krokodilstränen über die Enttäuschung einer früheren Liebe zu diesem Autor vergossen. Bei nur wenigen Schriftstellern überhaupt besteht eine ähnliche Fallhöhe zwischen Ruhm und Geringschätzung.

Nun macht sich aber die allzu glatte Übereinkunft der Kritiker Heinrich Manns verdächtig. Zu vehement folgte dem "Hosianna" das "Kreuziget ihn!". Besonnenheit ist vonnöten. Wer mehr Gerechtigkeit fordert, muß ja weder Heinrich Manns törichte Rechtfertigung Stalins gutheißen noch die literarische Bedeutung des Bruders Thomas Mann verkleinern wollen, der den schließlich Verarmten im kalifornischen Exil unterstützte. Und es wäre naiv, als feuriger Anwalt des Romanwerks aus dieser Exilzeit aufzutreten, einer Zeit, in der Heinrich Mann trotz hitziger Produktion offenbar ausgebrannt war. Andererseits kann man sich nicht mit jenem Minimalzugeständnis zufriedengeben, das allenfalls dem Roman "Die kleine Stadt" (1909) noch einige literarische Qualität zuerkennt. Da wünscht man sich schon differenziertere Urteile.

Die Möglichkeit zu genauerer Unterscheidung bietet der jetzt im S. Fischer Verlag herausgekommene Band der frühen, zwischen 1890 und 1902 entstandenen Erzählungen, der sich auf den Band 16 der Akademie-Ausgabe im Aufbau Verlag (1978) stützt. Er lädt zu erneuter Prüfung ein. Auch hier bestätigt sich, daß im Werk Heinrich Manns Spreu und Weizen dicht nebeneinander liegen können. Doch sollte man sich schon die Mühe machen, beides zu trennen.

Ein Teil der Erzählungen ist zu Lebzeiten Heinrich Manns gar nicht erschienen, darunter die Titelerzählung "Haltlos". Unverkennbar sind hier die Reflexe der eigenen Biographie, der Buchhändlerlehre in Dresden. Schauplatz anderer Erzählungen ist Italien, wohin es den jungen Autor nach einem Verlagsvolontariat bei S. Fischer 1893 für mehrere Jahre zog. Diese Erzählungen bewegen sich zum Teil im Umkreis seiner Trilogie "Die Göttinnen oder Die drei Romane der Herzogin von Assy" (1903).

Aber die novellistischen Texte Heinrich Manns wollen nicht von seinen Romanen her beurteilt und nicht als deren Abfall-oder Nebenprodukte gesehen werden. Eine einzige Erzählung des Bandes hat annähernd romanhafte Länge, und sie ist eine große taube Nuß: "Die Königin von Zypern". Heinrich Mann selbst hat sie nicht veröffentlicht, und diese Unterlassung ist ein unbestreitbares schriftstellerisches Verdienst. Hier gerät Geschichte zur bloßen erzählerischen Dekoration; in schulbuchhaften Dialogen werden rhetorische Fragen gestellt, damit der Erzähler historische Kenntnisse und Fiktionen ausbreiten kann: Geschichte in bewegten Bildern, aber mit Gestalten aus Gips. Gegenüber der "Königin von Zypern" ist "Henri Quatre", der spätere historische Roman (1935/38), ein reifes Werk. Geglückt als historische Erzählung ist die Geschichte einer westfälischen Episode aus dem Dreißigjährigen Krieg ("Zwei Neujahrsnächte").

Einige Erzählungen machen vom Delikateßangebot der Fin-de-siècle-Stile allzu willfährigen Gebrauch. Historische und mythische Staffage, Allegorik und Neuromantik verschlingen sich in der Erzählung "Ein Gang vors Tor", die mit einer jugendstilhaften Vignette schließt und nicht zufällig zuerst in Otto Julius Bierbaums Zeitschrift "Die Insel" veröffentlicht wurde. Wie der Traum eines Ästheten liest sich die in "Pan" erstgedruckte Erzählung "Das Wunderbare". Und "Contessina" kostet den morbiden Reiz der Decadence aus.

Die besten Erzählungen des Bandes sind Liebesgeschichten, genauer: Geschichten der entsagenden Liebe. Noch hält Heinrich Mann die Bewertung der adligen und der bürgerlichen Welt im Gleichgewicht, was der Form seiner Novelle entgegenkommt: er weiß die Traditionsmuster der italienischen Renaissancenovelle zu nutzen. Manche der Geschichten werden im geselligen Kreis zur Unterhaltung vorgetragen. Die Unmittelbarkeit mündlichen Erzählens bleibt bewahrt.

In der Zeit des Wiener Kongresses und der bonapartistischen Verschwörung spielt die Geheimnis- und Abenteuernovelle "Die Gemme", in der ein Künstler und Aristokrat seiner Geliebten als Diener folgt und unrettbar in den Ruin getrieben wird. Eine Provinzschönheit, eine zweite Emma Bovary, die sich als eine Femme fatale und Denunziantin entpuppt, wird von ihrem Liebhaber beschämt ("Das Verbrechen"). Blindes, aber auch gedankenloses Vertrauen, die unterlassene Wahrnehmung des Treuebruchs der Partnerin zerstört deren Liebe in "Enttäuschung".

Ein Novellenduett bilden die "Geschichten aus Rocca de'Fichi", eine Legende aus der Campagna und eine traurige Romanze, an deren Ende die Liebe wahnhaft und die Geliebte selbst nicht mehr erkannt wird. Riva am Gardasee bietet das Ambiente für die Begegnung eines deutschen Kaufmannssohns, dessen Familie es durch die Arbeit mehrerer Generationen zu Wohlstand gebracht hat, und einer Amerikanerin, die ihren von schweren geschäftlichen Verlusten getroffenen Vater begleitet ("Auf Reisen"). Die Annäherung gelangt bis an einen Punkt, an dem Alfreda Crawford die Beziehung, aus Vernunft und psychologischer Einsicht, durch die Abreise abrupt beendet.

Das Meisterstück der frühen Novellen aber ist "Eine Erinnerung", die Erzählung eines ehemaligen Adjutanten in einer deutschen Residenzstadt. Ein zartes Verhältnis zwischen einer jungen Adligen und dem wesentlich älteren Offizier spinnt sich an, das durch die Erwartungen der Gesellschaft in eine schiefe Lage gebracht wird und das der Mann schließlich abbricht, weil er bei der jungen Partnerin nicht Liebe geweckt hat, sondern nur die Sehnsucht, lieben zu können. Das melancholische Fazit zieht der Ratschlag eines Freundes an den Entsagenden: "Machen Sie eine Novelle daraus!"

Novellen wie diese erklären das außerordentliche frühere Renommee Heinrich Manns. Die Sprache fügt sich dem Gesetz zielstrebigen Erzählens, enthält sich der theatralischen und aufgetriebenen Bilder, mit der sie in manchen seiner Romane über die Stränge schlägt. Heinrich Mann läßt sich durch die literarische Gattung in die Sprachzucht nehmen. Der vorliegende Band schleppt manchen Ballast mit, aber er birgt auch einen Kern, der zum dauernden Bestand unserer Novellenliteratur gehören sollte. WALTER HINCK

Heinrich Mann: "Haltlos. Sämtliche Erzählungen. Band 1". Herausgegeben von Peter-Paul Schneider. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 1995. 582 S., geb.

© Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt.

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