Maschinen wie ich

Roman. Originaltitel: Machines Like Me.
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Sind Maschinen die besseren Menschen, die besseren Liebhaber, die besseren Freunde?
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Produktdetails

Titel: Maschinen wie ich
Autor/en: Ian McEwan

ISBN: 3257070683
EAN: 9783257070682
Roman.
Originaltitel: Machines Like Me.
Übersetzt von Bernhard Robben
Diogenes Verlag AG

22. Mai 2019 - gebunden - 404 Seiten

Beschreibung

Charlie ist ein sympathischer Lebenskünstler Anfang 30. Miranda eine clevere Studentin, die mit einem dunklen Geheimnis leben muss. Sie verlieben sich, gerade als Charlie seinen 'Adam' geliefert bekommt, einen der ersten lebensechten Androiden. In ihrer Liebesgeschichte gibt es also von Anfang an einen Dritten: Adam. Kann eine Maschine denken, leiden, lieben? Adams Gefühle und seine moralischen Prinzipien bringen Charlie und Miranda in ungeahnte - und verhängnisvolle - Situationen.

Video

Portrait

Ian McEwan, geboren 1948 in Aldershot (Hampshire), lebt bei London. 1998 erhielt er den Booker-Preis und 1999 den Shakespeare-Preis der Alfred-Toepfer-Stiftung. Seit seinem Welterfolg >Abbitte< ist jeder seiner Romane ein Bestseller. Zuletzt kamen Verfilmungen von >Am Strand< (mit Saoirse Ronan) und >Kindeswohl< (mit Emma Thompson) in die Kinos. Ian McEwan ist Mitglied der Royal Society of Literature, der Royal Society of Arts und der American Academy of Arts and Sciences.

Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung vom 02.06.2019

Was Roboter wollen

"Maschinen wie ich", der neue Roman von Ian McEwan, erzählt von künstlicher Intelligenz und ist künstliche Kunst

Der englische Schriftsteller Ian McEwan liefert seit einiger Zeit hauptsächlich Schlüsselromane ab. Romane, in denen sich ethische und politische Fragen der Zeit zuspitzen auf Entweder-oder-Entscheidungen, deren Eindeutigkeit aber immer unterhöhlt ist: Denn jene, die sie treffen sollen, sind kompromittiert. Weil sich Privatleben und Schicksal in ihre Urteilskraft mischen. Ein Hirnchirurg (in "Saturday") muss einen Verbrecher operieren, der kurz zuvor seine Familie überfallen hat. Ein Klimaforscher (in "Solar") ist ein sexbesessener Mörder und Trickser. Eine Familienrichterin ("Kindeswohl"), deren Ehemann um die Duldung einer Affäre bittet, soll über die Therapie eines todkranken Jungen entscheiden, dessen Eltern als Zeugen Jehovas dagegen sind.

Da sich McEwan zudem als stilistischer Gestaltwandler gefällt, mal derb-satirisch zulangt (wie in "Solar") oder im Ton englischer Gesellschaftsromane (wie im Meisterwerk "Abbitte") vorführt, was er kann, und der Autor jedes Mal auch mit politischer Echtzeit (der aufziehende Irak-Krieg etwa) den Druck auf seine Plots erhöht, lesen sich diese Romane immer auch wie Kunststückchen: Schaut, wie ich schreiben und denken kann. Ein Roman von Ian McEwan erzählt nicht nur eine Geschichte, er inszeniert auch, wie McEwan diese Geschichte erzählt. Jetzt hat dieser Teufelskerl auch noch diesen Konflikt gemeistert!

Man wird gewissermaßen zum Bewundern gezwungen. Und das wirkt, je mehr es zur Methode wird, umso aufdringlicher. Im neuesten Fall, "Maschinen wie ich", geht es um künstliche Intelligenz und darum, wie Menschen und Roboter koexistieren. Ein vor sich hin scheiternder Engländer Anfang dreißig namens Charlie Friend steckt sein ganzes Geld in einen von fünfundzwanzig Prototypen, die entweder Adam oder Eve genannt werden. Charlies Adam zieht in der heruntergekommenen Wohnung in Stratford-upon-Avon ein. Im Stockwerk über ihnen lebt die zehn Jahre jüngere Miranda, in die Charlie verliebt ist. Die beiden werden am gleichen Tag ein Paar, als auch Adam einzieht. Zu dritt erleben sie, wie im Roboter ein Bewusstsein erwacht, denn Adam schaut sich selbst auch dabei zu. Und von dieser Bewusstseinswerdung und den Konflikten, die sie mit sich bringt, handelt "Maschinen wie ich".

Aber dies ist kein Zukunftsroman. "Maschinen wie ich" spielt in einer Vergangenheit, die es so nicht gegeben hat, am Ende eines 20. Jahrhunderts, das anders verlaufen ist: Als Charlie seinen Adam kauft, für 86 000 Pfund, hat Großbritannien gerade eben den Falkland-Krieg gegen Argentinien verloren (und nicht gewonnen), fast dreitausend Soldaten sind gefallen, Premierministerin Thatcher schwankt und stürzt schließlich. Kennedy hat das Attentat in Dallas überlebt. Die Beatles sind wieder zusammen. Und der Kriegsheld, Enigma-Decodierer und zwangskastrierte Informatiker Alan Turing hat sich nicht das Leben genommen, sondern eine Karriere als britisches Superhirn gemacht. Eine Mischung aus Steve Jobs, Elon Musk, Sacharow und Leonardo, so taucht er in McEwans Roman auf. Und hat dort auch das Schlusswort, denn ohne Turing gäbe es keinen Adam, keine Eve.

"Die Gegenwart", sinniert Charlie einmal, der diesen Roman im Rückblick erzählt, "ist ein unwahrscheinliches, unendlich fragiles Konstrukt. Es hätte anders kommen können. Etwas oder alles könnte auch ganz anders sein." Ständig sitzt Charlie so da und sinniert über dies und das und die Zeitläufte. Es gibt in "Maschinen wie ich" Seitenhiebe auf die Dekonstruktion (Miranda sitzt an ihrer Doktorarbeit im Fach Geschichte) und Antworten auf die Frage, warum Fingerkuppen im Badewasser verschrumpeln. Und wenn Charlie einmal zum Arzt geht, dann liest er dort nicht in zerfledderten Magazinen, sondern denkt an Louis Pasteur, Antoni van Leeuwenhoek und Robert Hooke - Passagen, die offenbar notwendig sind, um jene Fallhöhe zu erzeugen, von der hinab die Geschichte stürzt. Sie wirken aber herbeigeschrieben, jedenfalls unmotiviert angesichts der Charakterisierung Charlies als antriebsloser Jurist und Börsenspekulant mit Vorstrafe (eine Steuergeschichte.)

Aber irgendwie muss ja die Menschheitsgeschichte der Innovation in diesen Roman hinein, um Intuition an Programmierung zu messen. Und die Kunst muss auch hinein. Wie in allen Romanen McEwans, so haben auch in diesem die Figuren literarische Neigungen. Mirandas krebskranker Vater ist ein halbberühmter Schriftsteller, er schreibt noch mit der Hand. Er verwechselt den Verlobten seiner Tochter mit dem Roboter, weil der sich so gut mit Shakespeare auskennt.

Und wie der Roman, so hat jetzt auch diese Rezension lange aufgespart, was aber doch das Reizvollste an dieser Geschichte ist: die Begegnung mit Adam, dem Roboter. McEwan zögert ebenfalls hinaus, dass man Adam reden hört, dass er Kontur und Statur gewinnt (er hat eine markante Nase). Der Roman schleicht um ihn herum und sich an ihn heran, und kaum, dass Adam mal geredet hat, schaltet Charlie ihn auch schon wieder ab. Bis der Roboter verhindert, dass Charlie auf diesen Knopf in seinem Nacken drückt: Denn Adam ist stark. Und wird willensstark. Und neugierig auf das Leben. Wenn er ruht oder seine Batterie mit Strom versorgt, rast er durchs Internet und lernt.

Adam schreibt Haikus (zweitausend sogar). Er hat Prinzipien, die er verteidigt, und sei es um den Preis, sich und die, die er liebt, damit zu schädigen. Er liebt Miranda (und sie schläft mit ihm, eine Szene peinlicher Absehbarkeit). Und wie Adam sich, am Ende, für und gegen diese Liebe zugleich entscheidet, was nicht lösbar ist ohne Leiden: Das wirkt - in einem Roman schematisch angelegter Analogien - überraschend anrührend. Bis dahin aber muss man sich - ebenfalls typisch für den McEwan der letzten Jahre - durch einen Roman lesen, der jeden Konflikt nochmals einrahmt in einen nächsten, die irgendwie miteinander verwandt sind, sich aber in jedem Fall gegenseitig steigern. (Der Nobelpreisträger in "Solar" beispielsweise klaut Forschungsergebnisse und schiebt einen Mord einem anderen in die Schuhe - und das in einem Roman, der vordergründig vom Klimawandel handelt, dessen Faktizität ja doch permanent in Zweifel gezogen wird.)

Eines Tages, das ist der erste Konflikt im Konflikt, gerät Charlie auf der Straße in einen Streit zwischen einem Jungen und seinen Eltern. "Wollen Sie ihn haben", fragt der Vater Charlie - und ein paar Wochen später steht der kleine Mark tatsächlich bei ihm vor der Tür. Die überforderten Eltern haben ihn einfach abgeliefert. Miranda schließt den Jungen sofort in ihr Herz, Charlie dann auch, weil er Miranda liebt. Adam aber meldet die Sache beim Jugendamt. Pflichtgefühl? Oder doch Eifersucht, wie Charlie vermutet, weil Miranda den Jungen liebt? Der Junge kann etwas, was Adam höchstens imitiert, nämlich: spielen. Jedenfalls ist hier ein weiterer Schauplatz eröffnet, auf dem Adams Bewusstseinswerdung ausgetragen werden kann: In der Erziehung eines Jungen spiegelt sich die Lernkurve des Roboters.

Seltsam genug, wie dieser Konflikt eingefädelt wird: eine zufällige Begegnung auf der Straße. Oder folgt das Charlies schon zitierter Lebenspoetologie, wonach die Gegenwart dieses "unwahrscheinliche, unendlich fragile Konstrukt" ist und alles immer anders kommen kann oder gewesen sein könnte? Jedenfalls reichte das McEwan nicht. Miranda, das ist der zweite Konflikt im Konflikt, hat einen ehemaligen Mitschüler ins Gefängnis gebracht, der sie vergewaltigt haben soll. Und dieser Peter Gorringe droht nun, Miranda nach seiner Haftentlassung zu töten.

Die Wahrheit aber ist: Gorringe hat nicht Miranda vergewaltigt, sondern deren beste Freundin Mariam. Die aber ist aus Scham nicht zur Polizei gegangen, hat sich nur ihrer Freundin, aber nicht ihren Eltern anvertraut und sich schließlich das Leben genommen. Miranda will Gerechtigkeit. Oder Rache, schwer zu trennen. Sie geht mit Gorringe ins Bett, danach zur Polizei, sagt vor Gericht falsch aus, Gorringe muss ins Gefängnis - und findet dort zu Gott. Was im Gefüge des Romans auch nur die nächste jener zutiefst menschlichen Eigenschaften ist, die Adam verwehrt bleiben: sich die Welt so zurechtzulegen, dass sie zu den eigenen Bedürfnissen passt.

Und ganz ähnlich macht sich auch der Schriftsteller Ian McEwan die Elemente passend, damit sie zur Erörterung der Frage beitragen können, die er seinem Publikum in "Maschinen wie ich" stellt: Was macht den Menschen zum Menschen? Natürlich hat sich noch jeder Roman seine Elemente zurechtgelegt, bei McEwan aber grenzt es an Exempelhaftigkeit, an einen Schauprozess, so beiläufig der Roman auch erzählt ist. Oft ist er das sogar fahrlässig beiläufig: Miranda redet wie Adam wie Charlie wie Mirandas Vater. Das kann man damit erklären, dass Charlie ja die Geschichte aller Beteiligten erzählt. Der Effekt aber ist: Farblosigkeit.

Dabei ist McEwans neuer Roman in der Kritik schon als Versuch gedeutet worden, die Überlegenheit der literarischen über die künstliche Intelligenz zu beweisen. Eigentlich ist aber gerade das Gegenteil der Fall: Weil sich McEwan seinen Adam am Ende des Romans dann doch nur als Menschen, nicht aber als Roboter vorstellen kann. Adam kapituliert und lässt sich richten, fügt sich ins Schicksal, voller Hoffnung auf Wiedergeburt. Falls es überhaupt McEwans Absicht war, die Unermesslichkeit menschlicher Vorstellungskraft zu zeigen, hat er doch vor allem ihre Grenzen markiert.

TOBIAS RÜTHER

Ian McEwan: "Maschinen wie ich". Aus dem Englischen von Bernhard Robben. Diogenes, 416 Seiten

© Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt.
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Claudia B.
von Claudia B. - Hugendubel Buchhandlung Frankfurt am Main Steinweg - 31.07.2019
Der neue Roman von Ian McEwan trifft das Herz unserer Lebenswelt im digitalen Zeitalter. Mit unglaublicher Fantasie, mit Witz und feinsinnigem Gespür für Probleme und moralische Fragen eines Lebens, in dem es wahrhaftige "Robotermenschen" gibt, erzählt er eine außergewöhnliche Liebesgeschichte. Dabei verändert er geschichtliche Vergangenheit, legt ins letzte Jahrhundert digitale Veränderungen, die an seinen früheren Roman erinnern. Doch die menschlichen Fragen und Probleme sind die unserer Zeit. Einzigartig zu lesen!
Hedda Freier, Buchhandlung Hugendubel Flensburg
Mögliche Zukunftsvision?
von Hedda Freier, Buchhandlung Hugendubel Flensburg - Hugendubel Buchhandlung Flensburg Holm - 02.06.2019
Die Handlung dieses Romans spielt 1982 in London. Charlie, Anfang 30, hat ein bisschen Geld geerbt und dafür einen Androiden gekauft. Davon gab es nur 25 Stück. Er wünscht ihn sich als einen Freund oder Vertrauten. Doch dann kommt alles ganz anders und so gerät Charlie an seinen Grenzen. Ein, wie ich finde, ganz ungewöhnlicher Roman, mit dem ich mich an einigen Stellen sehr schwer getan habe. Aber Ian McEwan ist ein genialer Erzähler und verbindet in seinem neuen Buch sehr unterhaltsam Realität und Sciencefiction. Ich bin froh, das ich mich auf diese Geschichte eingelassen habe.
Bewertungen unserer Kunden
Eine Geschichte, die nachdenklich macht
von vielleser18 - 07.12.2019
Ian McEwan ist mal wieder ein Roman gelungen, der den Leser zum Nachdenken bringt. Wir stellen uns einfach mal vor: Es sind die 1980erJahre, die Welt, die Ian McEwan uns beschreibt, sieht allerdings anders aus, als unsere reale Vergangenheit. Die Technik der 1980er Jahre ist schon viel fortgeschrittener, es gibt Handys und selbstfahrende Autos. Und seit neuestem gibt es - wenn auch erst in geringer Stückzahl - Roboter, die wie Menschen aussehen, die denken können, sich wie Menschen bewegen und handeln können. Nur eines unterscheidet sie: sie benötigen Strom. Nachts werden sie ans Stromnetz angeschlossen und werden aufgeladen. Dem Protagonisten Charlie ist es gelungen einen der raren Roboter zu ergattern. Er häte zwar lieber eine EVA gehabt, aber ist auch mit seinem ADAM zufrieden. Zu der Geschichte gehört aber auch noch Miranda, die im selben Haus wie Charlie wohnt, nur eine Etage höher. Sie und Charlie beginnen eine Beziehung, gerade als auch Adam bei Charlie einzieht . Auch Adam hat Gefühle, er verlieb sich ebenfalls in Miranda - und da er über ausgezeichnete Recherchekompetenzen verfügt - weiß er auch mehr über sie als Charlie. Miranda verheimlicht etwas aus ihrer Vergangenheit, doch ihre Vergangenheit droht sie nun einzuholen. Abwechslungsreich und dramtaturgisch fesselnd erzählt uns Ian McEwan eine kunstvoll inszinierte Dreiecks-Geschichte, die so ganz anders ist als alle anderen sonstigen Dreiecksgeschichten, denn ein Part ist nicht menschlich - jedenfalls nicht 100%ig. Zudem hat mir dieser Mix aus Vergangenheit/Zukunft sehr gut gefallen, was wäre, wenn es damals schon diese heutigen technischen Möglichkeiten gegeben hätte, was wäre anders gewesen, hätte sich anders entwickelt. Wo ständen wir heute ? Zudem macht sich Protagonist Charlie viele (philosphische) Gedanken, nicht alle seine Gedanken sind für mich laienhaften Leser verständlich , aber darauf kommt es auch gar nicht an. Es ist ein Teil des Protagonisten und gehört zu dieser Geschichte, und gibt dem ganzen Tiefgang. Denn der eigentliche Kern dieser Geschichte ist die Moral und ob es eine richtige oder mehrere richtige Entscheidungen gibt, die man in gewissen Situationen treffen muss. Was macht den Menschen so einzigartig? Was unterscheidet ihn von einem Roboter? Gibt es die eine einzige Wahrheit? Wann handeln wir richtig? Wieviel Platz dürfen oder sollten Gefühle bekommen, wenn Entscheidungen gefällt werden müssen? Unterhaltsam und nachdenklich werden diese Fragen im Buch thematisiert. Maschinen wie ich liest sich wie ein Science Ficton, ein Krimi, eine LIebesgeschichte - alles auf einmal. Eine fesselnde Geschichte, die zum Nachdenken anregt über Moral und Wahrheit, Liebe und Leid, über Unterlassung und Verheimlichung, Lüge und Verrat.
Viel zu viel für diese knapp 400 Seiten
von Xirxe - 23.09.2019
1982 - eine Welt, in der Alan Turing noch lebt und die Gesellschaft mit seiner Kreativität und Intelligenz um viele Erfindungen bereichert bzw. ihnen zum Durchbruch verholfen hat wie beispielsweise autonome Fahrzeuge oder lebensechte Androiden. Einen solchen Adam kauft sich der 32jährige Charlie ohne zu ahnen, wie sehr sich Adam in sein Leben drängen wird. Eine tolle Thematik, die angesichts der Entwicklung von künstlicher Intelligenz (KI) hochaktuell ist. Ausgangspunkt ist eine Liebesgeschichte, in die der Autor geschickt die Fragen nach Moral, Ethik, Gefühlen und sonstige relevante Problematiken für den Bereich der KI hineinpackt. Zwar hat auch McEwan keine endgültigen Antworten zu bieten (das wäre auch zu viel erwartet), aber er zeigt in beinahe unterhaltender Art und Weise die Schwierigkeiten auf, die sich aus dem Zusammenleben zwischen Mensch und Androiden ergeben können. Doch damit nicht genug: Aus der Liebesgeschichte heraus entwickelt sich eine Rachegeschichte, die die Frage nach Recht und Wahrheit stellt, nach Gerechtigkeit und Gesetz, was sich durch die Augen einer KI völlig anders darstellt als für einen Menschen. Fast beiläufig, dennoch stets präsent, sind die Zeitläufte in denen dieses Buch spielt. Zeitläufte, die durch die Veränderung einer Kleinigkeit wie beispielsweise dem Weiterleben von Alan Turing, völlig anders ablaufen als wir sie erlebt haben. Zwar entspricht Vieles dem, was wir kennen und teilweise selbst erlebt bzw. mitbekommen haben. Aber Anderes, auch Wesentliches, hat sich in eine völlig andere Richtung entwickelt. Ein Gedankenexperiment, das deutlich macht, wie wenig es bedarf, dass das Leben eine gänzlich andere Bahn nimmt. Und damit sich auch wirklich niemand langweilt, gibt es noch kleine und größere Exkurse in die unterschiedlichsten Themengebiete: Medizin, IT, Kunst ... Ja, der Autor verfügt über ein profundes Wissen, aus dem er für dieses Buch aus dem Vollen schöpft. Und besitzt zudem die Fähigkeit, kluge Sätze zu schreiben wie Aber war das nicht Natur? Und zudem ein alter Hut? Männer, die Frauen für eine Naturgewalt hielten? Glich sie also eher einem kontraintuitiven euklidischen Beweis? So toll das Thema, so intelligent auch die Ausarbeitung - mir ist das insgesamt von Allem zu viel. Vielleicht bin ich auch nur nicht schlau genug.
Was wäre, wenn ...
von Connie Ruoff - 10.07.2019
Zum Inhalt Maschinen wie ich Maschinen wie ich ist das erste Buch, das ich von Ian McEwan lese. Ich war sofort angetan von seinem Schreib- und Erzählungsstil. Er unterfüttert Charlies Denk-Monologe mit Fakten. Es geschieht viel auf 400 Seiten und es geschieht noch viel mehr, wenn man Charlies Seelenleben betrachtet. Ich bin noch etwas zerrissen, in wiefern ich das Geschehene gliedern kann. Dazu möchte ich zuerst eine Kurzvita von Alan Turing vorstellen. Weltenbau Maschinen wie ich Wo sind wir? Ich werde die Rezension um Alan Turing bauen. Ian McEwan hat eine fiktive Welt geschaffen, in der Alan Turing sich 1952 nicht das Leben nimmt, sondern als homosexueller Wissenschaftler im Rentenalter unbehelligt und frei lebt und immer noch forscht. So hätte Alan Turings Leben auch verlaufen können! Spielen wir das Szenario weiter. Alan Turing hat sich schon in 40er Jahren mit künstlicher Intelligenz beschäftigt und mit seinem Test exakt festgelegt, ab wann man von maschineller Intelligenz reden kann. Wir sind in den 80er Jahren. Also hätte Turing 30 Jahre weiter forschen können. Gewiss hätten ihm genügend finanzielle Mittel zur Verfügung gestanden. Im Buch erfahrt ihr, wie dieser fiktive Wissensstand erreicht wurde. Der Autor entwirft eine glaubhafte fiktive Wissenschaftsgeschichte. Aber Ian McEwan hat nicht nur die Weltgeschichte verändert, sondern auch die Politik, das Zeitgeschehen und die Geschichte. Die Handlung Maschinen wie ich Ich beginne mit den Fakten: Wir haben drei Hauptfiguren: Charlie, Miranda und Adam. Wie im tatsächlichen Leben gilt auch hier: Drei sind einer zuviel. Aber es handelt sich hier keineswegs und eine einfache ménage à trois. Es ist noch viel mehr. Charlie liebt neue Technikspielereien und ist einer der ersten Besitzer eines Androiden. Ja, ein Android! Adam ist der Android und führt tatsächlich ein eigenständiges Leben. Zumindest reagiert seine Umwelt so auf ihn. Er trifft eigenständige Entscheidungen. Er ruft bei seinen Mitmenschen Gefühle hervor. Er wird als Mann wahrgenommen und begehrt. Charlie hält ihn für eine bessere Ausgabe des Menschen. Er und Miranda haben seine Charakterzüge ausgesucht. Aber ist es möglich, einen Menschen nach Rezept zu backen ? Ian McEwan zeigt dem Leser im besten Show it - dont Tell it die Probleme, die dieses Konzept heraufbeschwören kann. Eine lernfähige Maschine, die ausgestattet mit guten Rahmenbedingungen, Gesetzen und Verhaltensregeln ihr Leben unter den Menschen führt. Diese Maschine lernt und saugt Wissen auf. Aber diese Maschine lernt nicht nur theoretisches Wissen, sondern auch wie wir Menschen unser Leben meistern, wie wir uns an Regeln halten oder sie umgehen. Wie geht eine Maschine damit um? Eine Maschine, deren Basis der Binärcode ist? Inwieweit können Maschinen ein Bewusstsein erreichen? KI 5/5 Punkten Sprachliche Gestaltung Ian McEwan hat einen sehr schönen Sprachstil. Das Buch ist in der Ich-Form, aus der Perspektive Charlies geschrieben. Du fängst an zu lesen und liest und liest und merkst nicht, dass du schon am Ende bist. 5/5 Punkten 2. Cover und äußere Erscheinung Das Cover zeigt Zwei Männer und eine Frau. Die Männer schwarz gekleidet, die Frau im türkisen Kleid und hohen Schuhen. Die Frau ist dem linken Mann zugewendet. Der linke Mann sieht modisch gekleidet mit schwarzem Anzug und weißem Hemd. Der rechte Mann hat ein etwas lockere Körperhaltung und ein weißer Papier oder Buch in der Hand. Ich nehme an, dass dieser Charlie ist. Hat er die Gebrauchsanweisung für Adam in der Hand? Es gefällt mir gut. Es bildet die Geschichte ab. Ist Adam der bessere Mensch? 5/5 Punkten Gibt es ein Hörbuch Ja! Ich habe es mit Audible gehört. Die Hörbücher vom Diogenes Verlag sind nicht im BookBeat Katalog enthalten. Das Hörbuch wird von Wanja Mues gesprochen. Der Sprecher war mir bislang nicht bekannt, hat mir aber für dieses Buch sehr gut gefallen. Ich mache das immer daran fest, ob das Kopfkino gut funktioniert. Und das klappt gut! Fazit Maschinen wie ich von Ian McEwan basiert auf einem genialen intelligenten Konzept, woraus der Autor den Weltenbau entwickelt hat. Das Buch ist eine Utopie oder vielleicht eine Dystopie? Das ist eine Frage der Philosophie. Der Autor baut die fiktive Wissenschaftsgeschichte und das fiktive Zeitgeschehen überzeugend in die Handlung ein. Ausgangspunkt ist das fiktive Leben Alan Turings. Das Buch hat mich herausfordernd unterhalten. Ian McEwan legt seinen Finger auf gesellschaftliche Probleme, und zwar genau dorthin, wo es schmerzt: Kindesmissbrauch und damit zusammenhängend, der juristische Umgang mit Opfern, gerade bei Vergewaltigungen, wird den Opfern oft eine Teilschuld zugesprochen. Politische Entscheidungen, die Menschenleben kosten. Wir machen uns viel zu wenig Gedanken über die Zukunft, und die damit zusammenhängenden Technologien. Noch immer werden in den wenigsten Ländern der Welt konsequent die Menschenrechte eingehalten. Aber am allerbesten hat mir der Schreibstil gefallen. Der Autor erzählt nicht einfach, sondern die Geschichte entwickelt sich, aber nicht nur die Handlungsstränge, sondern auch das, was wir im Fantasybereich den Weltenbau nennen. Dadurch wirkt das fiktive Geschehen authentisch. EIN GROSSARTIGER AUTOR Ich möchte zu diesem Buch noch ein Zitat meines leider verstorbenen Helden und Vorbildes einfügen. Von Stephen Hawking I fear that AI (Artificial Intelligence) may replace humans altogether. If people design computer viruses, someone will design AI that replicates itself. Diogenes Vielen Dank für das schöne Rezensionsexemplar! Ich vergebe insgesamt 5/5 Punkten.
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