Charisma

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»Es sind die Kurzgeschichten, die ihn zu einem der besten Schriftsteller des letzten und diesen Jahrhunderts machen.« Financial Times
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Produktdetails

Titel: Charisma
Autor/en: James Salter

ISBN: 3827013275
EAN: 9783827013279
Übersetzt von Beatrice Howeg, Malte Friedrich, Nikolaus Hansen
Berlin Verlag

Gebundene Ausgaben

Beschreibung

Dieser Band versammelt die Kurzgeschichten eines der besten Autoren unserer Zeit. »Salter schreibt mit Kenntnis, Präzision und Witz ... Die frühen Geschichten aus den sechziger bis hin zu den achtziger Jahren haben einen jazzigen Rhythmus und den aalglatten, kühlen Glanz der Welt von Mad Men. ... Wir befinden uns in der zweiten Hälfte des Zwanzigsten Jahrhunderts und das World Trade Center befindet sich gerade erst in der Planung. Was kann schon schiefgehen? Und doch geht am Ende so ziemlich alles schief Salter ist ein Zauberer und seine Wunderwerke sind fein gewirkt, und doch vermögen sie, die alltägliche Wirklichkeit des Lebens kraftvoll zu packen. Wieder und wieder gelingt ihm auf diesen Seiten, was John Updike als die Aufgabe des Schriftstellers definiert hat, nämlich dass er das Schöne am Gewöhnlichen zu zeigen habe. Salter zeigt das Gewöhnliche als das, was es wirklich ist: das Wunderbare.« John Banville

Inhaltsverzeichnis

Vorwort von John Banville Am Strande von Tanger My Lord Zwanzig Minuten Platin So viel Spaß Dämmerung Kino Akhnilo Die Augen der Stars Komet Die Zerstörung des Goetheaneums Bangkok Erde American Express Palm Court Verlorene Söhne Via Negativa Fremde Küsten Charisma Gabe Arlington Letzte Nacht  Kapnick Distinguished-Writer-in-Residence-Lectures1. Vorlesung: Die Kunst der Literatur 2. Vorlesung: Wie man Romane schreibt 3. Vorlesung: Leben als Kunst

Portrait

James Salter, 1925 in Washington, D.C. geboren und in New York aufgewachsen, wurde mit seinen großen Romanen »Lichtjahre« und »Ein Spiel und ein Zeitvertreib« auch in Deutschland berühmt. Er diente als Kampfflieger zwölf Jahre lang in der US Air Force und nahm 1957 seinen Abschied, als sein Debüt, Jäger, erschien. Seitdem lebte Salter als freier Schriftsteller in New York City und auf Long Island. Am 19. Juni 2015 verstarb James Salter wenige Tage nach seinem 90. Geburtstag in Sag Habour. Er gilt als moderner Klassiker der amerikanischen Literatur. Im Berlin Verlag erschienen Von James Salter zuletzt die Romane "Alles was ist" und "Jäger".

Pressestimmen

»Der US-amerikanische Schriftsteller James Salter gilt als Meister der Verknappung.«, LiteraturSPIEGEL, 26.11.2016

Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung vom 29.12.2016

Was ist? Nichts, ich sterbe nur

In jedem Satz gilt es den Hebel zu finden: Ein Band mit sämtlichen Erzählungen James Salters zeigt den amerikanischen Autor auf der Höhe der Kunst.

Das große Publikum entdeckte James Salter spät, dafür heftig, und nicht zuletzt über den deutschen Sprachraum. Denn als sein Roman "Lichtjahre", in Amerika zunächst ein Flop, mit 23 Jahren Verspätung 1998 hierzulande erschien, wurde er als Meisterwerk gefeiert. Die längste Zeit seines Schriftstellerlebens aber blieb Salter, der am 19. Juni 2015 nur wenige Tage nach seinem neunzigsten Geburtstag starb, ein "writer's writer". Einer also, der sich mit geringen Auflagen begnügen musste, aber von Kollegen wie Richard Ford oder John Banville hochgeschätzt wurde.

Sie lasen und lesen Salter wegen seiner stilistischen Brillanz, die Atmosphären dicht wie in einem Treibhaus werden lässt, seinem eleganten Fatalismus, vor allem aber wegen seiner Sätze. Salter brachte jeden Satz zum Flirren. "Das Vokabular ist wie ein Fingerabdruck", heißt es in einer seiner Erzählungen, wie die "Handschrift eines Körpers und seiner unsichtbaren Seele." Was Salter vor Studenten einmal über den "unaufdringlichen Schreiber" Isaak Babel sagte: dass er seine Geschichten unermüdlich überarbeitete, traf auch auf ihn zu. Salter korrigierte lieber, als neue Bücher zu schreiben. Er meinte, dass in jedem Satz "eine Art Hebel" existiere, "auf den man seine Hand legen und den man nur ganz leicht drehen müsse", um an der richtigen Stelle zu landen. Dafür braucht es Zeit.

Die Kunst der Salterschen Sätze lässt sich jetzt aufs Neue in seinen gesammelten Erzählungen studieren, die der Berlin Verlag erstmals vollständig publiziert. Sie stammen aus den sechziger bis achtziger Jahren und erscheinen zusammen mit der unveröffentlichten Story "Charisma" sowie drei Vorlesungen: "Die Kunst der Literatur", "Leben als Kunst" und "Wie man Romane schreibt".

John Banville zufolge ist in der Literatur nichts schwieriger als die Darstellung banaler Wirklichkeit. "Nur die Besten haben diese Aufgabe erfolgreich bewältigt", schreibt er im Vorwort zu diesem Band. Salter gehört für ihn zweifellos dazu. Was außerdem an diesen Texten ins Auge fällt, ist die rücksichtslose Genauigkeit, mit der sie ihr Personal betrachten. Gerade auf der kurzen Strecke hat Salter eine Erzähltechnik entwickelt, die bei aller Knappheit irrwitzige Räume öffnet.

Die Short Story ist ja vor allem deshalb eine solch schwere Form, weil sie wie ein Schnappschuss funktioniert, ohne Anfang, ohne Ende. Oft braucht Salter nur zwei oder drei Sätze, und es öffnen sich Falltüren unter den Menschen, die sich eben noch auf sicherem Boden wähnten.

Richard Ford schätzt an Salter, dass er wie kein anderer den Unterschied von Sein und Schein darstelle. Diese Diskrepanz, "der Quell all unserer Nöte", findet sich in Geschichten wie "Kino" oder "Die Augen der Stars", die um Menschen kreisen, die es als Schauspieler, Regisseure oder Drehbuchautoren in die Welt des schönen Scheins verschlagen hat. Gerade schön aber geht es dort nicht unbedingt zu. Salter spürt ihren inneren Groll auf, ihren prätentiösen Ton und porträtiert sie in all ihrer Bedürftigkeit. Die Katastrophen, an denen er herumdoktert, sind oft leise, und kündigen sich in harmlosen Bemerkungen an, einmal ist es nur ein schlecht sitzendes Kleid.

Das Paar in "Bangkok" etwa ist längst getrennt und kann trotzdem nicht von früheren Gefühlen lassen. Als Caroll und Hollis sich nach Jahren wiedersehen, fangen sie sofort wieder zu streiten an: ",Ich wusste nicht, dass das wahre Glück darin liegt, die ganze Zeit immer dasselbe zu haben.' Sie sah auf ihre Hände. Ihm fielen wieder ihre langen, biegsamen Daumen auf." Die Zeit ist verloren und lässt sich nicht wieder einfangen. Was auch Noreen nicht glauben mag, als sie ihre Jugendliebe nach einem halben Leben wieder anruft. Einst hatte sie Arthur eines anderen wegen abserviert. Als sie sich im Plaza treffen, ist er fassungslos darüber, wie erkaltet seine Gefühle waren. Dabei hätte er für die Liebe dieser Frau einmal alles getan. Jetzt "versteckte selbst ihre Kleidung, was sie einmal gewesen war".

In "So viel Spaß" sitzen drei Freundinnen einen Abend lang fröhlich beieinander und schwatzen über Berufe, Affären, Abenteuer. Erst als sie auseinandergehen und Jane allein im Taxi sitzt, bricht sie in Tränen aus. Was denn sei, fragt sie der Taxifahrer. ",Nichts', sagte sie, den Kopf schüttelnd. ,Ich sterbe.'" Vor ihren Freundinnen konnte sie diese existentielle Wahrheit nicht preisgeben. Auch in der Erzählung "Platin", die von der Scheinheiligkeit der New Yorker Haute-Volée erzählt, ist die Verzweiflung des jungen Mannes am Ende so greifbar wie sein edler Mantel in der Garderobe.

Von diesen verunglückten Leben erzählt Salter fast beiläufig. "Warum haben wir den Weg nicht eingeschlagen, der uns vorgezeichnet war?" Die Frage in der Erzählung "Charisma" treibt alle seine Figuren um. Auf wenigen Seiten setzt er sie nicht nur sich selbst, sondern einem ganzen Geflecht sozialer Beziehungen aus, die in lauter kleine Nebenhandlungen und Vergangenheiten führen. Es ist dieses Netz, in dem sich Noreen, Cecily oder Polo ein ums andere Mal verheddern. "Details sind alles", hat Salter seinen Studenten erklärt. Und dass sein einziges Ziel beim Schreiben darin liege, Sätze aneinanderzufügen, als wäre dies ihr einziger Daseinszweck. Es ist ein Ziel, das die Zeit überdauern wird.

SANDRA KEGEL

James Salter: "Charisma". Sämtliche Stories.

Vorwort von John Banville. Aus dem Englischen von Beatrice Howeg, Nikolaus Hansen, Malte Friedrich. Berlin Verlag, Berlin 2016. 368 S., geb.

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