Kalmann

Roman. Originaltitel: Kalmann.
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Treffen Sie Kalmann. Experte für Gammelhai und die großen Fragen des Lebens.

Eine Entdeckung: der spannende, herzerwärmende Island-Roman von Joachim B. Schmidt.
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Produktdetails

Titel: Kalmann
Autor/en: Joachim B. Schmidt

ISBN: 3257071388
EAN: 9783257071382
Roman.
Originaltitel: Kalmann.
Diogenes Verlag AG

26. August 2020 - gebunden - 351 Seiten

Beschreibung

Er ist der selbsternannte Sheriff von Raufarhöfn. Er hat alles im Griff. Kein Grund zur Sorge. Tag für Tag wandert er über die weiten Ebene um das beinahe ausgestorbene Dorf, jagt Polarfüchse und legt Haiköder im Meer aus, um den Fang zu Gammelhai zu verarbeiten. Doch in Kalmanns Kopf laufen die Räder manchmal rückwärts. Als er eines Winters eine Blutlache im Schnee entdeckt, überrollen ihn die Ereignisse. Mit seiner naiven Weisheit und dem Mut des reinen Herzens wendet er alles zum Guten. Kein Grund zur Sorge.


Portrait

Joachim B. Schmidt, geboren 1981 in Graubünden, ist Journalist, Autor dreier Romane und diverser Kurzgeschichten. 2007 ist er nach Island ausgewandert, wo er mit seiner Familie in Reykjavik lebt und Touristen über die Insel führt.


Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung vom 08.09.2020

Wildwest auf Island
Joachim B. Schmidts Roman "Kalmann"

Kalmann Óðinnson ist 34 Jahre alt, dicklich, geistig unbedarft und hat noch nie mit einer Frau geschlafen oder ein Buch gelesen, hält sich aber für den Sheriff von Raufarhöfn. Stolz trägt er Stern, Cowboyhut und eine deutsche Mauser, die ihm sein Vater, ein amerikanischer Soldat, vermacht hat, aber der war nur Samenspender für die Mutter. Sheriff Kalmann, ohnehin kein sehr unternehmungslustiger Typ, hat wenig zu tun: Raufarhöfn, 609 Kilometer nördlich von Reykjavík gelegen, ist ein sterbendes Dorf mit noch 173 Seelen. Seit die Fischerei fast zum Erliegen kam, ziehen die Leute weg, und alles, was Raufarhöfn lebens- und liebenswert machte, wurde geschlossen oder geschrumpft: Kino, Tanzgruppe, Schule, Tankstelle.

Kalmann redet mangels anderer Gesprächspartner mit Eisbären, Polarfüchsen oder dem Kutter, mit dem er zur Jagd auf Grönlandhaie ausläuft. Sein Wortschatz beschränkt sich auf Phrasen wie "Korrektomundo" oder "Keine Chance" und lakonische Lebensweisheiten wie "Wenn etwas das Gesetz ist, kann man nichts machen" oder "Unter einem Eisbären kann es sehr dunkel sein". Kalmann vertreibt sich die Zeit gutgelaunt mit ortsüblichen Zerstreuungen: Er isst als Mutprobe rohe Fischaugen (und erbricht sie gleich wieder), besucht den Großvater im Seniorenheim und telefoniert viel mit seinem einzigen Freund, einem nerdigen Hacker aus Reykjavík, der alle Welt mit tragikomischen Hass- und Hämetiraden überzieht. Kalmann dagegen ist im Grunde eine Seele von Mensch. Und keiner macht besseren Gammelhai - eine isländische Spezialität, die fermentiert und im Boden vergraben wird, allerdings bestialisch stinkt.

Ausgerechnet Kalmann findet bei der Jagd auf Polarfüchse Blutspuren im Schnee, die seinen kriminalistischen Instinkt wecken. Ist nicht gerade der Hotelier Róbert McKenzie spurlos verschwunden, der König von Raufarhöfn, der das Dorf als "Jammerkaff" beschimpfte und sich in einem Anfall lebensmüder Verzweiflung den Haien zum Fraß vorwerfen wollte? Wurde McKenzie Opfer eines Verbrechens oder eines verirrten Eisbären? Was wissen die litauischen Saisonarbeiter in McKenzies Hotel, was die schöne Nadja, nach der Kalmann sich in seinen Tagträumen verzehrt? Er tappt ahnungslos im Polarkreis herum, die Polizei in Gestalt der molligen, warmherzigen Birna im Dunkeln, und so scheint die Story auf einen herzerwärmenden Wohlfühl-Krimi loszusteuern: Ein nordischer Forrest Gump verirrt sich in ein Abenteuer aus Kuschelsex und Crime.

Joachim B. Schmidts Roman ist dann aber doch ein bisschen mehr, nämlich eine genau recherchierte, unprätentiös erzählte Reportage vom Alltag am kalten Ende der Welt. Der gebürtige Schweizer lebt nach etlichen Zwischenstationen (Kellner, Knecht, Maurer, Journalist) seit mittlerweile dreizehn Jahren als Fremdenführer auf Island. Drei Romane hatte er schon über die geheime Verwandtschaft zwischen Schweizern und Isländern geschrieben; zuletzt, in "Moosfieber" (2013), erinnerte er ans Schicksal von dreihundert deutschen Kriegerwitwen, die nach dem Zweiten Weltkrieg im Rahmen einer Bauer-sucht-Frau-Aktion auf die Insel verschickt wurden. Jetzt könnte Schmidt bei Diogenes einem größeren Publikum bekannt werden: als Außenreporter und Tourenführer für ein gemütlich vergammelndes Island.

Aus Schmidts Blog geht hervor, dass der Autor kaum etwas erfinden musste: Wie im Roman hält auch im wahren Leben von Raufarhöfn der Dorfdichter Sprechstunde in der Bücherei, stehen Tankstelle, Leuchtturm und Arctic Henge Monument als Ruinen verblichener Hoffnungen in der großartigen Einöde herum. Als Sittenbild aus Islands Provinz ist Schmidts Roman durchaus gelungen, als Porträtgalerie von verschrobenen Originalen überzeugt er weniger. Der schrullige Großvater scheint immer kurz davor, als Hundertjähriger aus dem Fenster zu steigen, und vor allem die weiblichen Figuren sind arg altbacken. "Ich mag Leute, die ich nicht kenne, grundsätzlich nicht", räsoniert Kalmann einmal. "Außer Frauen. Aber das ist etwas anderes. Die muss man nämlich mögen, denn das ist die Natur. Fortpflanzung." Korrektomundo. Aber mit solch grenzdebilen Kalendersprüchen bekäme man wohl nicht einmal in Raufarhöfn eine Chance.

MARTIN HALTER

Joachim B. Schmidt: "Kalmann". Roman.

Diogenes Verlag, Zürich 2020. 352 S., geb.

© Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt.
Bewertungen unserer Kunden
Auf Kalmann ist Verlass
von Readaholic - 14.10.2020
Kalmann Odinsson lebt in Raufarhöfn, einer kleinen Gemeinde im menschenleeren Nordosten Islands. Früher, als es noch Heringsschwärme gab, war es ein prosperierender Ort, doch diese Zeiten sind längst vorbei. Jetzt zählt Raufarhöfn nur noch 173 Einwohner. Auch Touristen verirren sich nur selten in die Gegend. Das Leben in Raufarhöfn ist beschaulich bis zu dem Tag, an dem der reichste Mann des Ortes, Robert McKenzie, spurlos verschwindet. Allerdings nicht ganz spurlos, denn Kalmann findet während der Fuchsjagd eine große Blutlache im Schnee. Wurde Robert McKenzie etwa an dieser Stelle ermordet? Bald steht Kalmann im Mittelpunkt des Interesses von Polizei und Medien. Kalmann ist, wie sein Großvater immer sagte, "besonders". Mit über 30 hat er das Bewusstsein eines Kindes, doch er ist mutig und ehrlich und im Dorf durchaus angesehen, nicht nur, weil er den zweitbesten Gammelhai Islands herstellt. Den besten machte Kalmanns Großvater, der inzwischen jedoch dement in einem Pflegeheim lebt. Kalmanns Vater, ein Amerikaner, den er nur einmal als Kind zu Gesicht bekam, vererbte ihm eine Mauser, einen Sheriffstern und den dazu passenden Hut. So ausgestattet patroulliert Kalmann die Straßen von Raufarhöfn und sorgt dafür, dass alles seine Ordnung hat. Seit sein Großvater im Pflegeheim lebt, ist Kalmann viel allein. Seine Mutter arbeitet in einer größeren Stadt, seinen einziger Freund Noi kennt er nur vom Computerbildschirm und die wenigen Frauen im Ort, die ihm gefallen, sind alle schon vergeben. Wir begleiten Kalmann in seinem Alltag, erfahren viel von seinen Gedanken und erfahren durch seine Augen die grandiose Natur Islands. Es ist ein ruhiger und poetischer Roman, der Kriminalfall steht nicht unbedingt im Vordergrund, auch wenn manches eine überraschende Wende nimmt und sich als ganz anders herausstellt als zunächst angenommen. Ein besonderer Protagonist und ein ungewöhnliches Buch.
Überraschende Perspektive
von Gisel - 14.10.2020
Kalmann lebt am äußersten Rand von Island, jagt Polarfüchse und fängt Haie, um daraus seinen berühmten Gammelhai zu machen. Dabei ist er, der Sohn eines Amerikaners und einer isländischen Mutter, der Sheriff von Raufarhöfn, mit seinem Hut und seinem Sheriffstern sowie seinem Revolver. Doch obwohl er seit einiger Zeit allein lebt und sein Leben gut meistert, hat er so seine Schwierigkeiten mit dem Kopf, da er manches nicht so gut begreift. Und so ist er etwas überrollt von den Ereignissen, als er eine Blutlache im Schnee findet und kurz darauf ein Mann aus dem Dorf vermisst wird. Aus Kalmanns Sicht erzählt, entwickelt die Geschichte über das Auffinden der Blutlache und den Ereignissen danach einen ganz eigenen Charme. Mehr als einmal drängt sich bei der Lektüre der Vergleich zu Forest Gump auf, so brillant kann der Autor Joachim B. Schmidt die Perspektive seines Protagonisten beibehalten. Durch den gesamten Roman zieht sich die Frage hindurch, welche Bewandtnis das Auffinden der Blutlache hat und was dabei Kalmanns Rolle ist, so dass die Spannung bis zum Schluss gut erhalten bleibt: ein Krimi, überraschend anders erzählt. Nebenbei erfährt der Leser viel über das karge Leben in einem abgelegenen isländischen Ort. Diese Geschichte hat mich sehr überrascht, sehr gerne empfehle ich sie weiter und vergebe 4 von 5 Sternen.
Kalmann der Gammelhaiexperte
von Nele22 - 11.10.2020
Joachim B. Schmidt nimmt den Leser mit auf eine Reise nach Island, ins Örtchen Raufarhöfn. Dort lebt der Hauptprotagonist Kalmann. Er ist ein junger Mann, mit autistischen Zügen und auf dem Entwicklungsstand eines Erstklässlers. Kalmann ist ein besonderer Mensch mit einer guten Seele. Er schwelgt in Erinnerungen an seinen verstorbenen Großvater, der im halt gegeben hat. Die Geschichte wird aus seiner Sicht erzählt. Und man bekommt die Welt von ihm erklärt. Er ist sehr liebenswert und treuherzig und wächst einem ans Herz. Der Roman ist gespickt mit grandiosen Naturschilderungen und einem überraschenden Ende. Der Autor lässt Kalmann in teils langen, holprigen Sätzen erzählen. Der Schreibstil hat mir sehr gut gefallen. Wer ein Buch in ruhigem Tempo mit etwas Spannung und interessanten Charakteren sucht, ist hier richtig.
Wunderbar normal
von Fransen - 07.10.2020
Kalmann ist 33 Jahre alt und lebt im Haus des Großvaters in Raufarhövn, einem kleinen und verschlafenen Fischerdorf im Nordosten Islands. Im Dorf ist Kalmann bei manchen auch als Dorftrottel abgestempelt, doch sein Großvater brachte ihm bei, dass jeder Mensch anders sei und somit auch Kalmann irgendwie normal sei. Diese Sichtweise zieht sich wie ein roter Faden durch das gesamte Buch. Kalmann ist der selbsternannte Sheriff des Ortes und hat von seinem Großvater das Jagen und Fischen gelernt. Inzwischen stellt er den (beinahe) besten Gammelhai der ganzen Gegend her. In seiner liebenswürdigen Art treiben ihn oft kindlich geprägte Gedanken, Unsicherheit oder unkntrollierte Wut umher. Ganz normal eben. Eines Tages findet Kalmann eine große Blutlache, die dem Vermissten Robert McKenzie zugeordnet werden kann. Die Polizei wirbelt den Ort mächtig auf und mit der schönen Ruhe ist es vorbei. Kalmann ist ein sehr spezieller Protagonist, den man einfach gerne haben muss. Letztlich regt das Buch sehr zum Nachdenken über das eigene Schubladendenken an und offenbart, wie unterschiedlich und speziell jeder Mensch ist und dadurch doch normal wird. Ein schönes Buch, dass die hohe Wertung sehr verdient!
Nordischer Sheriff
von Mona Lenal - 06.10.2020
Der Autor Johannes B. Schmidt nimmt uns in seinem Buch Kalmann mit nach Island. Mitten hinein in die karge Natur und in das Leben von Kalmann, dem selbsternannten Sheriff von Raufarhöfn. Kalmann lebt dort alleine im Haus seines Großvaters, bei dem er aufgewachsen ist und von dem er das Jagen und Fischen gelernt hat. Er führt dessen Lebenswerk weiter. Und ist nun der Gammelheikönig von Raufarhöfn. Der Großvater ist inzwischen im Pflegeheim. Die Mutter arbeitet als Krankenschwester 3 Stunden entfernt. Kalmann, der von Geburt an anders ist, hat aber trotzdem seinen Platz in der Gemeinschaft. Als Jäger geht er mit seiner Mauser im Halfter in der Umgebung auf Tour. Der Sheriffstern, den er von seinem amerikanischen Vater bekommen hat, ist ebenfalls immer dabei. Deshalb nennt er sich selber Sheriff und wird auch von den Anderen als der Sheriff von Raufarhöfn gesehen. Als es im Ort ein Problem mit dem Polarfuchs gibt, schickt ihn die Ortsvorsteherin los. Er soll den Fuchs, den er Schwarzkopf nennt, ausfindig machen. Bei dichtem Schneefall findet er anstatt des Fuches eine frische Blutlache. Damit ist es mit der Ruhe in Raufarhöfn vorbei. Sein Leben und das aller Dorfbewohner wird damit durcheinandergewirbelt. Es gibt einen Vermissten von dem jegliche Spur fehlt. Führt die Blutlache zum verschwundenen Hotelbesitzer Robert. Der Roman kommt mit seiner Sprache und Erzählweise für mich nicht als Krimi, sondern eher als Abbildung der Gesellschaft am Rande der Welt, die den Leser in den Bann zieht, herüber. Man ist als Leser sofort mittendrin in Raufarhöfn und Kalmann ist trotz seiner Einschränkungen der Held. Ein Buch, das mich tief beeindruckt hat und das ich uneingeschränkt empfehlen kann.
Gefährliches Island
von whiterose1 - 02.10.2020
Mit dem Haifischfänger und Dorfsheriff Kalmann ist es dem Schweizer Autor Joachim B. Schmidt gelungen, uns in seiner isländischen Wahlheimat einen eigensinnigen aber sehr sympathischen Ermittler zu präsentieren... Fazit: Atmosphärisch, düster, dicht, teilweise auch humorvoll kommt der am 26.08.2020 im Diogenes-Verlag erschienene Roman im HC daher. Kalmann, der außergewöhnliche Protagonist als schlichter ich-Erzähler wartet am Ende noch mit einer besonderen Überraschung auf...mir gefiels!
Vom Dorftrottel zum Dorfhelden
von Rose75 - 30.09.2020
Ich habe schon lange eine Sympathie für Island und da mich Cover und Klappentext sofort angesprochen haben, entschied ich mich für dieses Buch. Kalmann ist Mitte Dreißig und leicht behindert. Er ist langsam im Denken, sein Handeln wird von einer Routine, die er bei seinem Großvater abgeschaut hat, bestimmt. Seine Leidenschaften sind Jagen und Fernsehen. Als er eine große Blutlache in der Nähe einer Touristenattraktion entdeckt, kommt Leben in das verschlafene Dorf Raufarhövn. Eine prominente Person des Dorfes wird vermisst und natürlich liegt der Verdacht nahe, dass das Blut vom Vermissten stammt. Im Verlauf der Handlung erfahren wir viel über die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Nöte des kleinen Fischerdorfes. Das fand ich sehr interessant und auch stellenweise bedrückend. Stellenweise hatte ich das Gefühl, die Geschichte plätschert so dahin, aber mit der Zeit habe ich mich an die Erzählweise und Stimmung gewöhnt. Alles wird aus der Sicht von Kalmann, der für mich leicht autistische Züge hat, erzählt. Das hatte einen eigenen Charme. Von der Kurzbeschreibung her habe ich mehr Krimihandlung erwartet. Ich habe gedacht Kalmann wird den Fall auf seine eigene Art lösen. Die Handlung entwickelt sich aber in eine ganz eigene Richtung, die für mich auch passend war. Wer einen typisch nordischen Krimi erwartet, wird enttäuscht sein. Dieses Buch lebt von der Beschreibung der Natur und der Gegend und den Gedanken von Kalmann. Ich habe das Buch gerne gelesen und einiges über das Leben im isländischen Norden gelernt.
ein spezieller Typ
von Anonym - 30.09.2020
Forrest gump - Revival in Island. Diese Geschichte ist 1. Lebensweisheit, 2. fast Kriminalfall, 3. wirtschaftliche Verwerfungen in der idealisierten isländischen Welt. Zu 1 : der Kalman= geistig nicht auf der Höhe- wächst beim Grossvater auf, der ihm alles für das Überleben mitgibt. Dadurch findet er seinen Platz im Dorf. Seine Fähigkeiten werden gut rausgearbeitet. Zi 2: Er findet bei seinen Streifzügen etwas Besonders, das ihn in Kontakt zur Polizei bringt. Die erste Befragung finde ich sehr gelungen beschrieben. Zu 3. Der Niedergang des Fischfanges treibt das Dorf in den Verfall. Ein gelungenes ruhiges Buch, das auch wunderschöne Landschaftsbilder malt. Der Schreibstil ist sehr schön. Eine empfehlenswerte Lektüre.
Ein Buch voller Besonderheiten
von Rema - 30.09.2020
JOACHIM B. SCHMIDT hat in seinem Buch KALMAN ein ganz ganz besonderes Buch geschaffen. Wer denkt, dass ein Buch in dem ein Mord vorkommt, wie ein Krimi oder Thriller zu lesen ist, der ist hier im falschen Genre. KALMAN ist etwas anders. Er ist ein junger Mann, Anfang 30, wirkt aber wesentlich jünger, da er etwas zurück geblieben ist. Er lebt in dem sehr einsam gelegenen isländischen Dorf Raufarnhöf mit noch 172 anderen Bewohnern. Also 20 Kinder und 153 Erwachsene. Ich bin durch das Lesen zum Hai Spezialisten geworden, zumindest was das Fangen, Töten und Gammelhai herstellen, betrifft. Letzteres hat KALMAN alles von seinem Großvater gelernt. KALMAN ist ein besonderer Mensch, schon als Kind hatte er kaum Freunde, so beschäftigt er sich mit seiner selbsternannten Tätigkeit als Sheriff in und um Raufarnhöff. Als er plötzlich eine wirklich große Blutlache entdeckt, wird alles anders. Die Beschaulichkeit findet ein schnelles Ende. Das Fernsehen und die Polizistin Birna kommen und bringen Unruhe ins Dorf. Das Buch ist weit entfernt von spannend und trotzdem hat es etwas fesselndes. Es macht deutlich, dass das Leben in der Einsamkeit auch aufregend werden kann. Weil es so ist wie es ist und weil ich Island liebe bekommt das Buch von mir 5 Sterne
Mut des reinen Herzens
von eurydome - 30.09.2020
Inhalt und meine Meinung: Kalmann Odinnsson ist der selbsternannte Sheriff von Raufarhövn. Er ist besonders und das macht ihn so einzigartig. Kalmann ist der Ich-Erzähler in diesem Roman und so nimmt er mich mit auf eine Reise zu seinem Island, genaugenommen in einen kleinen Ort namens Raufarhövn. Er lebt schon sein ganzes Leben in diesem Ort, zuerst mit seiner Mutter und dem Großvater. Später als der Großvater ins Heim kommt wohnt er alleine in einem kleinen Haus. Dort kennt jeder jeden. Eines Tages entdeckt Kalmann auf seiner Tour über die Halbinsel Melrakkaslétta Blut im Schnee. Von da an ist für Kalmann nichts mehr wie es war. Die Polizei kommt in den Ort, man sucht nach einer Leiche. Die Geschichte hat mir sehr gut gefallen. Kalmann hat mich mitgenommen in sein Leben. Er ist anders, er denkt anders und das ist gut so. Ich empfehle diesen besonderen Roman gerne weiter, denn er hat mich in der Hektik des Alltags wunderbar entschleunigt.
Isländischer Forrest Gump
von Noelli - 28.09.2020
Kalmann ist ein besonderer Protagonist. Er ist selbsternannter Sheriff und, wie es auf dem Klappentext so schön heißt, in seinem Kopf laufen die Räder manchmal rückwärts. Er wohnt in einem beschaulichen Dorf in Island, indem nicht allzu viel passiert. Doch eines Tages findet Kalmann eine Blutlache im Schnee und ab da überschlagen sich die Ereignisse in seinem sonst so beschaulichen Leben. Klingt nach einem spannenden Krimi, allerdings würde ich dieses Buch nicht wirklich als Krimi klassifizieren. Im Mittelpunkt der Geschichte steht Kalmann, der anders ist als andere Menschen. Er ist sehr naiv, einfach gestrickt und hat eine andere Denkweise als andere Menschen. Allerdings hat Kalmann wirklich ein sehr gutes Herz. Die Spannung ist in diesem Buch vorhanden, mal mehr und mal weniger, aber sie ergibt sich nicht aus einer klassischen Kriminalgeschichte bei der ein Mord aufgedeckt werden soll, sondern vielmehr daraus, was Kalmann als Nächstes tun wird und was ihm als Nächstes in seinem Leben widerfahren wird. Das ist auch im Tempo der Geschichte zu spüren. Man hat es hier nicht mit einer tempo - und actionreichen Geschichte zu tun, sondern eher mit einer ruhigeren Erzählweise, was mich aber keineswegs gestört hat. Es gab Momente, in denen mir Kalmann ein wenig auf die Nerven ging, aber im Großteil des Romans fand ich ihn einfach sehr erfrischend, liebenswert und seine Aussagen haben mich oftmals sehr gerührt. Er ist wirklich ein sehr besonderer Mensch und man kann ihn eigentlich nur lieb haben. Seine kindliche Sicht auf die Dinge hat mir neue Perspektiven eröffnet und mich auch zum Nachdenken gebracht. Besonders schön fand ich, dass die Geschichte in Island spielt. Ich selbst war noch nie da, aber dieses Buch hat mir große Lust gemacht, einmal nach Island zu reisen. Die Beschreibungen der Natur und der Landschaft sind Joachim B. Schmidt wirklich sehr gelungen. Man kann sehr gut in diese besondere Atmosphäre Islands eintauchen, was das Buch noch ein Stück lesenswerter für mich macht. Einzig das Ende war für mich nicht ganz rund. Aber alles in allem hat mir dieses Buch sehr gut gefallen!
Der Sheriff von Raufarhöfn
von meggie3 - 27.09.2020
Kalmann ist der inoffizielle Sheriff im isländischen Raufarhöfn. Er ist fast Mitte dreißig, in vielen Dingen jedoch kindlich naiv. Von seinem Großvater hat er gelernt, in der Natur und im Leben zu Recht zu kommen. Kalmann ist Haifischjäger und stellt Gammelhai her. Nebenbei jagt er Füchse, zum Beispiel wenn er von der Schulleiterin der sehr kleinen Schule darum gebeten wird. Auf eben dieser Fuchssuche stößt er auf Blut im Schnee. Von da an ist für Kalmann und ganz Raufarhöfn alles anders. Ein Dorfbewohner wird vermisst und die Polizistin Birna macht sich an die Aufklärung. Die Mischung aus Krimi und einfühlsamem Roman um Kalmann ist sehr gelungen. Der Schreibstil passt wunderbar zu Kalmann und vermittelt einen intensiven und authentisch wirkenden Eindruck von Kalmanns Innenleben. Die langsame Erzählweise hat mir wirklich gut gefallen und dem Protagonisten, aber auch Beschreibungen über das Leben in einem kleinen abgeschiedenen Ort im Norden Islands, viel Raum gegeben. Besonders überzeugt haben mich die Vergleiche, die Kalmann anstellt oder sein Großvater angestellt hat, um Sachverhalte zu verdeutlichen und zu erklären. "Kalmann" ist kein rasanter Krimi im engeren Sinne, sondern eher ein Roman über die Entwicklung Kalmanns und dessen Beziehungen zu sich, anderen Personen und der Natur. Die Gedanken, die sich Kalmann bezüglich des Blutes und des Vermisstenfalls, aber auch um das eigene Verhalten und das seiner Mitmenschen macht, sind manchmal naiv und zum Schmunzeln, manchmal aber auch sehr zum Nachdenken anregend. Kalmann zu begleiten hat mir viel Freude bereitet. Der Charakter Kalmann ist sehr liebevoll beschrieben und die eher langsame Erzählweise hat mich absolut in den Bann gezogen.
Der charmante Sheriff von Raufarhöfn wickelt jeden Leser um den Finger
von Jidewi - 26.09.2020
Kalmann wie er leibt und lebt, mit Cowboyhut und Sheriffstern, Mauser im Holster ist er der selbsternannte Sheriff von Raufarhöfn in den weiten Islands. Joachim B. Schmidt beschreibt einen unglaublich herzlichen, charmanten, etwas naiven, aber stets mit einem Augenzwinkern versehenden Charakter, der Haifischjäger ist, von seinem Großvater die Welt erklärt bekommen hat, die manchmal einfach so unglaublich kompliziert ist und sich unversehens mit einer großen Blutlache konfrontiert sieht. Von da an wird alles noch viel komplizierter, aber Kalmann setzt seinen Rucksack auf, rückt den Hut zurecht und kümmert sich, denn das ist sein Job. Mit Kalmann wurde ein sehr skurriler, jedoch herzlicher Charakter geschaffen, der den Leser in die wunderschönen Weiten Islands entführt, ihm alles über das Haifischen und die Kunst der Gammelhaiherstellung beibringt, ihn staunen lässt über sein Geschick mit Petra und immer wieder herzlich zum Lachen und schmunzeln bringt. Er sieht die Welt so einfach und klar, wie es uns manchmal nicht möglich ist. Kalmann mag seine Defizite haben, aber mit dem Herz am rechten Fleck und dem richtigen Gespür löst er alle Probleme. Es ist so charmant und sympathisch geschrieben, dass der Leser sich gar nicht lösen kann von der Geschichte und seinen Charakteren, die Tiefgang aufweisen und mit schönen Anekdoten aufwarten. Dabei ist die Handlung überraschend, birgt einige Wendungen und hat mich zum Schluss verblüfft. Eine Empfehlung für alle, die gerne beim Lesen schmunzeln, besondere Charaktere schätzen und Krimis mit Wendungen favorisieren.
Ein Buch wie ein langer Winterspaziergang
von Romy - 26.09.2020
Kalmann ist 34 Jahre alt und lebt in Raufarhövn, wo er als Haifischfänger und Sheriff bekannt ist. Sein Gammelhei und seine Mauser kennt jeder im Dorf. Haie zu fangen und Polarfüchse zu jagen hat er von seinem Großvater gelernt, die Mauser hat er von seinem leiblichen Vater geschenkt bekommen, einem Amerikaner. Mehr ist ihm von seinem Vater nicht geblieben, und so hütet er sie wie einen Schatz. Mit den Leuten im Dorf kommt Kalmann gut klar, auch wenn er manchmal lacht wenn niemand lacht, oder nicht weiß warum die anderen lachen. Er zieht sich dann in sein kleines Haus zurück, vor den Fernseher, wo er so viele Chips und Süßigkeiten essen kann wie er möchte - so lange ihn seine Mutter nicht erwischt. Eines Tages entdeckt Kalmann auf der Jagd eine Blutlache im Schnee und ist kurz darauf in einen Vermisstenfall verwickelt, der das ganze Dorf in Atem hält. Doch schon bald hat er die Polizistin Birna und alle anderen von seiner Unschuld überzeugt, auch wenn die kaum einer ihm glaubt, dass tatsächlich ein Eisbär den Vermissten gefressen haben könnte... Joachim B. Schmidt nimmt uns in seinem Roman Kalmann mit auf einem ausgedehnten Winterspaziergang durch die Natur und Kultur Islands. Wir lernen als Leser viel über die Menschen in Raufarhövn, über ihre Eigenarten und Probleme, aber auch über die Wildnis, das Wetter und das Meer. Während wir Kalmann durch seinen Alltag begleiten, auf seinen Streifzügen durch den Schnee und seinen Fahrten zu seinen Langleinen im Meer, entdecken wir als Leser viele kleine wunderschöne Dinge: Kalmanns Gedanken, die Natur Islands, die Menschlichkeit der Bürger in Raufarhövn. Doch unterwegs ist es auch kalt, der Himmel ist grau und die Schritte werden schwerer, während die Feuchtigkeit in die Schuhe kriecht. Leider reicht die Energie in Schmidts Erzählweise nicht aus, um diese Schwere abzuschütteln. Es stellt sich beim Leser eine Trägheit ein, die die Seiten zäh werden lässt. Insgesamt hat mir das Setting der Erzählung gut gefallen, doch leider fehlt es an Dynamik, Interaktion und Emotion. Stattdessen wird leierhaft aus Kalmanns Gefühls- und Gedankenwelt erzählt, die aufgrund seiner Einschränkungen leider sehr einseitig und wenig tiefgründig ist. Doch auch eine leichtfüßige Komik kommt nicht auf; stattdessen begleiten wir Kalmann auf einem langen Winterspaziergang, den ich mir als Leserin wesentlich spannender vorgestellt habe, und dessen Ende ich nach der Hälfte bereits herbeigesehnt habe.
Wunderbar erzählt!
von Magnolia-sieben - 24.09.2020
Kalmann, der beste Haifischjäger und selbsternannte Sheriff von Raufarhöfn mit seinen 173 Einwohnern und 609 km von Reykjavik entfernt, lebt hier schon immer. Seinen Großvater, von dem er vieles weiß und alles Wichtige gelernt hat, besucht er jetzt einmal in der Woche im Heim und bringt ihm den zweitbesten Gammelhai mit. Als Robert McKenzie vermisst wird und Kalmann eine Blutlache findet, ist das beschauliche Leben in dem kleinen Küstenort vorbei, die Polizei untersucht diesen Fall. Hier erzählt Kalmann, dessen Räder in seinem Kopf so manches Mal rückwärts laufen, auf eine bezaubernd liebenswerte, zuweilen kindlich naive und verschrobene Art und Weise seine Sichtweise auf die Geschehnisse. Es ist die Geschichte eines jungen Mannes, der mit seinen fast 34 Jahren in einem kleinen Fischerdorf im Norden Islands im Einklang mit der Natur lebt. Trotz seiner geistigen Schwäche behauptet er sich als Sheriff von Raufarhöfn, von so Manchem als Dorftrottel belächelt. Sein Cowboyhut, sein Revolvergürtel samt Mauser unterstreichen dieses Bild. Kalmann erzählt so nach und nach die Geschichte - seine Geschichte - in seiner einfältigen, arglosen Weise. Von den Leuten im Dorf, von den Besuchen beim Großvater, der ihn nicht immer registriert, von seinem besten Freund Noi, den er nur aus dem Internet kennt, dem er alles erzählen kann. Er möchte gerne eine Freundin haben und war auch schon verliebt, aber so richtig klappt das dann nie. Er erzählt, dann vergisst er wieder alles, sagt von sich selber "Ich kann wichtige Sachen einfach so vergessen vor allem, wenn ich aufs Meer fahre¿" So nach und nach enthüllt sich das Geschehen, erst aber lernt man ihn besser kennen, lebt mit ihm, fährt mit ihm hinaus zum Haifischfang und verarbeitet den dann zu Gammelhai. Auf eine ganz und gar unaufgeregte Weise wird trotzdem sehr viel Spannung erzeugt. Der Fokus liegt auf der Polizeiarbeit, auf der Suche nach dem Verschwundenen, um dann wieder ein wenig vom Dorf und seinen Bewohnern zu erzählen. So ist man tief drin, der Held will nichts unrechtes tun, hat nichts Falsches an sich. Er ist zwar geistig nicht so ganz auf der Höhe aber so einigen Mitmenschen haushoch überlegen in seiner Geradlinigkeit, seiner Aufrichtigkeit. Indem man ihn begleitet, erfährt man immer ein Stückchen mehr und wird ihm doch nicht so ganz gerecht. Weil - wie es sich wirklich zugetragen hat, das erfährt man dann schon, aber auf eine so gelassene, natürliche Selbstverständlichkeit. "Es hat wohl alles seinen Sinn." Gerne habe ich Kalmann ein Stück seines Weges begleitet. Eine von Anfang bis Ende wundervoll erzählte Geschichte, die ich nur empfehlen kann.
Ein Roman, der mit keinem vergleichbar ist, die ich bisher gelesen habe
von Isländer - 24.09.2020
Die Geschichte, die Joachim B. Schmidt in Kalmann erzählt, spielt in einem kleinen Küstenort in Island, der real existiert. Hier lebt der Protagonist Kalmann, der Experte für Gammelhai, mittlerweile alleine in dem Haus seines Großvaters. Kalmann vereinigt in sich als Person einige Besonderheiten, denn einiges kann er oder darf er nicht, wie Autofahren, sein Haus in Ordnung halten ect., aber er ist sehr fit im Umgang mit der Waffe und der Jagd bzw. dem Fang von Haien, wozu auch das Fahren des Bootes zählt und der Herstellung von Gammelhai, einer Delikatesse, die aufgrund des Geschmacks und starken Geruchs aber nicht alle lieben. Während Kalmann friedlich so vor hinlebt, findet er eine Blutlache, ein Mann verschwindet und es passiert so einges mehr. Der Autor beschreibt sehr detailliert Ausschnitte aus dem Leben von Kalmann und den Ereignissen im Ort. Während der Ort erst realativ verschlafen dargestellt wird und ich die Natur Islands mir sehr gut vorstellen kann, wachen alle quasi auf, als die Polizei auftaucht und Kalmann scheint immer mittendrin in den Ereignissen zu sein. Es gibt einige Spuren, es wird immer verzwickter, spannender und der Autor schafft es mich in die Irre zu führen. Mit dem Ende hatte ich so nie gerechnet, aber es stimmig und gefällt mir sehr gut. Ein besonderer Roman mit einem besonderen Protagonisten! Fünf Sterne!
Kalmann, Experte für Gammelhai
von dreamlady66 - 23.09.2020
(Inhalt, übernommen) Er ist der selbsternannte Sheriff von Raufarhöfn. Er hat alles im Griff. Kein Grund zur Sorge. Tag für Tag wandert er über die weiten Ebene um das beinahe ausgestorbene Dorf, jagt Polarfüchse und legt Haiköder im Meer aus, um den Fang zu Gammelhai zu verarbeiten. Doch in Kalmanns Kopf laufen die Räder manchmal rückwärts. Als er eines Winters eine Blutlache im Schnee entdeckt, überrollen ihn die Ereignisse. Mit seiner naiven Weisheit und dem Mut des reinen Herzens wendet er alles zum Guten. Kein Grund zur Sorge. Zum Autor: Joachim B. Schmidt, geboren 1981 in Graubünden, ist Journalist, Autor dreier Romane und diverser Kurzgeschichten. 2007 ist er nach Island ausgewandert, wo er mit seiner Familie in Reykjavik lebt und Touristen über die Insel führt. Gesamteindruck/Schreibstil/Fazit: Danke für meine Teilnahme an diesem aktuellen Diogenes-Schmankerl per grosser Leserunde, ich freute mich sehr über dieses isländische Schmuckstück im exquisiten Outfit in meinem Regal. Joachim B. Schmidt, der sich vor Ort einfach bestens auskennt, hat dem Leser schöne Landschaftsbeschreibungen von Island vermittelt und dazu die Weltanschauungen des eigenwilligen Kalmann. Er ist und bleibt der Hauptprotagonist in einem vielschichtig-konstrurierten Plot. Die Spannung wurde langsam aufgebaut, dabei mit viel Fantasie und überraschenden Wendungen gespickt. So, wie ich es mag :) Wirklich, ein interessantes Buch, das mir sowohl angenehme, aber auch intensive Lesestunden bereitete - für das Gesamtpaket vergebe ich gerne und uneingeschränkt eine Leseempfehlung mit 5*!
Kalmann
von Bibliomarie - 23.09.2020
Raufarhövn ist ein abgeschiedener Ort in Island. Viel gibt es nicht, seit die Fischfabriken geschlossen haben. Dort lebt Kalmann Óðinnsson und produziert die isländische Spezialität Gammelhai. Er macht den besten Gammelhai der Welt, seit sein Großvater in einem Pflegeheim immer weiter ins Vergessen eintaucht. Er war Kalmanns Stütze und Lehrer, denn er ist schon immer ein wenig anders gewesen. Sein Denken funktioniert nicht wie bei anderen Leuten und manchmal bekommt er eine große Wut und weiß selbst nicht warum Aber Raufarhövn ist seine Heimat und er selbst sieht sich als selbsternannter Sheriff, einen Sheriffstern und einen Hut und eine alte Pistole hat er. Das sind die einzigen Erinnerungsstücke an seinen Vater, der als Soldat kurz in Island stationiert war. Doch dann findet er auf der Fuchsjagd eine große Blutlache und von da an geraten die Ereignisse außer Kontrolle und die Gedanken in Kalmanns Kopf spielen verrückt. Der Island-Roman von Joachim B. Schmidt ist eine Liebeserklärung an Island mit einem Helden, bei dem sich der Vergleich mit Forrest Gump aufdrängt. Kalmann hat eine kindliche Sicht auf die Welt. Lügen oder Ironie sind ihm fremd, wenn ihn etwas überfordert, ignoriert er es einfach. Seine Schlussfolgerungen zu all den Ereignissen haben mir Spaß gemacht, im Gegensatz zur ermittelnden Beamtin, die mit Kalmann an ihre Grenzen stößt. Und was als Kriminalroman begann, wird allmählich zu einem Buch über einen ganz besonderen Menschen. Der Schreibstil ist besonders, denn der Leser folgt ja den Gedankengängen Kalmanns, die ganz seiner eigenen Logik folgen und ich konnte mich sehr gut darauf einlassen. Ganz besonders gefiel mir die Landschaftsbeschreibung, Island ist ein wunderbarer Hintergrund, rau und einsam am Rand Europas, mit faszinierender und gewaltiger Natur. Dazu passen die Menschen in diesem Buch, ebenso einzigartig und von ihrer Umgebung geprägt. Eine warmherzige und wie ich finde, auch ganz besondere Geschichte.
Das Ende der Welt
von Julia Lindner - 23.09.2020
...zumindest fühlt es sich so an, wenn man in Raufarhöfn lebt. Am nördlichsten Zipfel von Island gelegen, liegt dieses Dorf und stirbt dank Fischfangquote und dem Wegzug der jungen Leute den langsamen Tod, ein Schicksal, dass es sich mit vielen anderen abgelegenen Dörfern teilt. Doch dieses Dorf hat zumindest Kalmann, den geistig eingeschränkten Haifänger, der dank Cowboyhut, Sheriffstern und Coltholster gerne als Dorfsheriff durch die Gegend streift. Für Raufarhöfn und seine Einwohner ändert sich alles, als er nach einem seiner Streifzüge von einer Blutlache berichtet. Kalmann ist ein karger Krimi mit Lokalkolorit, der perfekt die eisige und auch emotionale Kälte der isländischen Weite wiederspiegelt. Die Menschen sind dort genauso wie ihre Umgebung, als hätte das raue Klima auch sie abgeschliffen und vor allem abgehärtet. Da sticht der junge Kalmann, der sein Herz auf der Zunge trägt, den Menschen mit überrumpelnder Offenheit begegnet und seine Wut oft körperlich zum Ausdruck bringt, enorm hervor. Und doch zeigt Joachim B. Schmidt in seinem Buch, wie Inklusion geht. Auch wenn sich die Geschichte offenkundig zu allererst um einen Kriminalfall dreht, schneidet sie doch auf subtile Weise auch andere wichtige Themen an und führt einen unter anderem auch in die gesellschaftspolitischen Problemzonen eines weiten, rar besiedelten Landes nahe des Polarkreises ein. Fazit: Auch wenn dieses Buch mein romantisiertes Bild von Island zerstört hat, weckt es doch die Reiselust in mir und ändert mein Weltbild in mehr als einer Weise.
Großartiges Island, toller Erzähler, schwächere Handlung
von luisa_loves_literature - 22.09.2020
Kalmann ist ein sehr liebenswerter, in seinen intellektuellen Fähigkeiten eingeschränkter, Isländer, der im kleinen, einsamen Raufarhöfn seinen Lebensunterhalt mit Gammelhai verdient. Als ein wohlhabender Bürger seines Ortes verschwindet, gerät Kalmann mitten hinein in den Strudel der Ereignisse. Ich liebe idiosynkratische, eigenartige und unzuverlässige Erzähler, und deshalb liebe ich auch Kalmanns Figur. Er ist in seinen Kommentaren und seiner Bewertung der Welt einfach herrlich authentisch und belebend. Es macht Freude der Langsamkeit seiner Gedanken und Überlegungen, seinen intuitiven Wahrnehmungen und seinen Gefühlen zu folgen und darüber nachzudenken, was seine Auslassungen und sein Schweigen zu gewissen Fragen zu bedeuten haben. Dem Autor ist es durchgängig gelungen, Kalmanns Stimme einzufangen. Da knirscht nichts, es wird nie vergessen, wer hier eigentlich spricht und wie er die die Welt sieht. Allerdings schöpft dieser Roman, trotz des andeutungsschwangeren letzten Kapitels, die Möglichkeiten, die ein unzuverlässiger Erzähler bietet nicht vollends aus - und das ist sehr schade, denn so bleibt der Roman hinter seinem eigentlichen Potenzial zurück und der (oder mehrere) finale Plot-Twists bleiben aus. Die Handlung ist eigentlich gut angelegt, wird aber ebenfalls nicht konsequent zu Ende geführt. Die red herrings lösen sich zu schnell in Wohlgefallen auf, das Ganze könnte verstrickter, vertrackter, komplexer sein - für meinen Geschmack ist es einfach etwas zu gemächlich, zu beschaulich. Dazu: ein Krimi ist für mich gerade kein Genre für lose Enden, Mysteriöses darf zwar auch mal ruhig in der Luft hängen bleiben, aber dem Leser sollten zumindest Hinweise zum eigenständigen Schließen der Lücken an die Hand gegeben werden. Darüber hinaus empfinde ich die Eisbären-Handlung als befremdlich - aber das ist mein persönlicher Geschmack. Sie ist so angelegt, dass sie in der heutigen Zeit trotz ihres fiktionalen Charakters, eher unschön und unpassend ist. Was mich absolut bezaubert hat, ist hingegen das wunderbare isländische Setting. Der Autor weiß, wovon er spricht und bannt diese großartige Insel mit ihren Besonderheiten vollkommen lebensecht auf die Seiten. Man spürt die raue Natur und Einsamkeit, die Abgeschiedenheit und Einfachheit des Lebens, aber auch die Bedrohung durch den Bevölkerungsschwund. Kalmann ist ein Roman für Island-Liebhaber mit einem Herz für besondere Erzähler, für die die Krimihandlung nicht an erster Stelle steht.
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