Daheim

Roman. 4. Auflage.
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Nominiert für den Preis der Leipziger Buchmesse 2021

Judith Hermann erzählt in ihrem neuen Roman »Daheim« von einem Aufbruch: Eine alte Welt geht verloren und eine neue entsteht.
Sie hat ihr früheres Leben hinter sich gelassen, ist ans Meer gezogen, in … weiterlesen
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Produktdetails

Titel: Daheim
Autor/en: Judith Hermann

ISBN: 3103970358
EAN: 9783103970357
Roman.
4. Auflage.
FISCHER, S.

28. April 2021 - gebunden - 189 Seiten

Beschreibung

Nominiert für den Preis der Leipziger Buchmesse 2021

Judith Hermann erzählt in ihrem neuen Roman »Daheim« von einem Aufbruch: Eine alte Welt geht verloren und eine neue entsteht.
Sie hat ihr früheres Leben hinter sich gelassen, ist ans Meer gezogen, in ein Haus für sich. Ihrem Exmann schreibt sie kleine Briefe, in denen sie erzählt, wie es ihr geht, in diesem neuen Leben im Norden. Sie schließt vorsichtige Freundschaften, versucht eine Affaire, fragt sich, ob sie heimisch werden könnte oder ob sie weiterziehen soll. Judith Hermann erzählt von einer Frau, die vieles hinter sich lässt, Widerstandskraft entwickelt und in der intensiven Landschaft an der Küste eine andere wird. Sie erzählt von der Erinnerung. Und von der Geschichte des Augenblicks, in dem das Leben sich teilt, eine alte Welt verlorengeht und eine neue entsteht.

Portrait

Judith Hermann wurde 1970 in Berlin geboren. Ihrem Debüt »Sommerhaus, später« (1998) wurde eine außerordentliche Resonanz zuteil. 2003 folgte der Erzählungsband »Nichts als Gespenster«. Einzelne dieser Geschichten wurden 2007 für das Kino verfilmt. 2009 erschien »Alice«, fünf Erzählungen, die international gefeiert wurden. 2014 veröffentlichte Judith Hermann ihren ersten Roman, »Aller Liebe Anfang«. 2016 folgten die Erzählungen »Lettipark«, die mit dem dänischen Blixen-Preis für Kurzgeschichten ausgezeichnet wurden. Für ihr Werk wurde Judith Hermann mit zahlreichen Preisen geehrt, darunter dem Kleist-Preis und dem Friedrich-Hölderlin-Preis. Die Autorin lebt und schreibt in Berlin. Im Frühjahr 2021 erscheint der Roman »Daheim«, der für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert wurde.

Literaturpreise:
Blixenprisen 2018 für »Lettipark«
Erich-Fried-Preis 2014
Friedrich-Hölderlin-Preis 2009
Kleist-Preis 2001
Hugo-Ball-Förderpreis 1999
Förderpreis zum Bremer Literaturpreis 1999

Leseprobe

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Pressestimmen

Es ist atemberaubend, wie Judith Hermann diesen Zustand zwischen Nahsein und Fremdsein ausbalanciert. Karin Grossmann, Sächsische Zeitung

Judith Hermann lässt vieles offen. Sie ist immer schon eine Meisterin der Lücken gewesen, des Ungesagten, das macht einen Reiz ihrer Werke aus. Bettina Steiner, Die Presse

Ein Roman über das Hinter-sich-Lassen, das Alleinsein und Neuerfinden. Katharina Kluin, Stern

Judith Hermann hat einen ganz leichten, ganz großen Metaroman geschrieben. Er handelt von der Literatur, die erlösen soll und nicht erlöst. Adam Soboczynski, Die Zeit

Der Roman kommt dabei nicht nur ohne jeden Dorfidyllen-Kitsch aus, sondern ist vor allem mit viel Sinn für Lakonik und trockenen Humor verfasst. Erika Thomalla, Der Freitag

Ein Roman wie eine wundervolle Zauberkiste Björn Hayer, Rolling Stone

"Daheim" ist ein Meisterwerk. Stefan Kister, Stuttgarter Nachrichten

Ein Buch, das ausgezeichnet in die derzeitigen Genderdebatten passt, zugleich aber so zeitlos ist, dass es seinen festen Platz in der Literaturgeschichte haben wird. Welf Grombacher, Lübecker Nachrichten

Ein so schönes, tiefgründiges Buch. Ihr schwebend-hypnotischer Sog-Sound. Ihre Präzisionssprache. Markus Clauer, Die Rheinpfalz

Judith Hermanns Bücher sind unbeirrbare Erkundungen der menschlichen Verhältnisse. Roman Bucheli, Neue Zürcher Zeitung

[Ein] Roman, der lange nachklingt [...]. Cornelia Geißler, Berliner Zeitung

Mühelos fängt Judith Hermann etwas von unserer Zeit ein: den eigentümlichen Zustand des Dazwischen. Maike Albath, Deutschlandfunk Kultur

Daheim ist die überzeugende Geschichte eines radikalen Neuanfangs. Richard Kämmerlings, Die Welt am Sonntag (Nordrhein-Westfalen)

Da ist dieser Sound, der nur wirkt, als sei er ungefähr und schwebend, der aber in Wahrheit das Ergebnis exakter Prosa ist: Kein Wort zu viel. Tobias Rüther, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung

Judith Hermann hat mit "Daheim" einen souveränen, überzeugenden Roman geschrieben. Gerrit Bartels, Der Tagesspiegel

ein Roman wie ein roter Burgunder, der auf den ersten Schluck ganz unkompliziert ist, aber dann einen unglaublich langen Nachhall am Gaumen hinterlässt [...]. Denis Scheck, ARD/Druckfrisch

Die Sehnsucht, diese große Sehnsucht, die Hermanns Figuren groß und stark und unvergesslich gemacht hatte, die ist immer noch da. Volker Weidermann, Der Spiegel

Daheim ist ein überraschender, stolzer, kaum ausdeutbarer Roman darüber, wie nah das Daheimsein und das Sichverlieren beieinanderliegen. Uwe Wittstock, Focus

Zwischen Erinnerung und Alltag entsteht etwas Neues, Prägendes, Widerstandsfähiges. SWR2

Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung vom 25.04.2021

Der Ausbruch und die Falle
Judith Hermanns "Daheim" erzählt von einer Frau auf der Suche nach einem Ort in einer vertrocknenden Welt: Ein Klimaroman?

In einem Jahr, in dem es so wenig geregnet hat wie seit einem Menschenleben nicht mehr, spielt diese Geschichte. Also: irgendwann jetzt. Sie spielt am Meer. Und erzählt wird sie von einer Frau, die ihren Ort in der Welt neu bestimmen will. Die Tochter der Frau ist erwachsen und ausgezogen, die Frau hat sich von ihrem Mann getrennt und ist jetzt auf dem Dorf an der Küste gelandet. Dass es im Osten Deutschlands liegen könnte, dass es sich also um die Ostsee handeln muss, darauf deuten Details hin: etwa, dass die Erzählerin davon spricht, dass sie früher in einer Einraumwohnung gelebt und "im Westen" gearbeitet hat, lange bevor sie an die Küste zu ihrem Bruder zog. Dieser Begriff, Einraumwohnung, ist im Osten Deutschlands gebräuchlicher als im Westen. Letztlich ist es aber zweitrangig, wo genau dieser Ort liegt: Er ist weit weg von der Stadt, in einer Landschaft, wohin die Leute zum Ausspannen kommen und wo die Einheimischen ihr Geschirr mit Goldrand von Hand abspülen, damit es noch eine weitere Generation hält, und noch eine.

"Daheim" heißt der neue Roman von Judith Hermann, und er hat alles, was die Geschichten der Berliner Schriftstellerin ausgemacht haben, seit sie vor über zwanzig Jahren mit den Erzählungen aus "Sommerhaus, später" berühmt wurde. Da ist dieser Sound, der nur wirkt, als sei er ungefähr und schwebend, der aber in Wahrheit das Ergebnis exakter Prosa ist: Kein Wort zu viel. Ohne Umschweife, direkte Wege. Und da sind diese Figuren, die wie nicht richtig ausgemalt wirken und die auch sich selbst im Verdacht haben, nicht richtig ausgemalt zu sein. Sondern irgendwie haltlos durch eine Welt zu driften, die ihnen nicht gehört, die sie nur anschauen, melancholische Mängelwesen, zur Untermiete im eigenen Leben.

Auch die Erzählerin dieses neuen Romans, die namenlos bleibt, ist so eine Figur. Vor dreißig Jahren wäre sie fast einmal aus ihrer provisorischen Existenz - einer Einraumwohnung im Westen mit Blick auf eine Tankstelle, einem Job in einer Zigarettenfabrik, in der alle "Mahlzeit" sagen, nur sie nicht - ausgebrochen, um mit einem Zauberer und dessen Frau auf Kreuzfahrt nach Singapur zu gehen. Sie sollte sich als Assistentin auf der Bühne in einer Kiste zersägen lassen. Und hat das Angebot abgelehnt. Als die Frau dann dreißig Jahre später eine Marderfalle in ihrem leeren Haus in der leeren Küstenlandschaft aufstellt, erinnert sie sich wieder an diese Episode. Wie der Zauberer sie in der Schlange an der Tankstelle anspricht. Sie erst zögert, ihn doch dann zu Hause besucht und testweise in die Trickkiste steigt. Vielleicht wäre alles anders gekommen, wäre sie mit aufs Schiff nach Singapur gegangen. Vielleicht wäre das die Freiheit gewesen, nie mehr Einraumwohnung, nie mehr Zigarettenfabrik. Oder eine Falle. Vielleicht aber stimmen auch ihre Erinnerungen daran nicht.

Und man könnte das, was diese Frau erzählt, was "Daheim" erzählt, nominiert für den Leipziger Buchpreis 2021, für stille Introspektion über Einsamkeit und Resilienz halten. Die Geschichte einer Frau Ende vierzig, die von ihrem Mann getrennt lebt, seit die gemeinsame Tochter ausgezogen ist, und die nun in einem leeren Haus an der Küste wohnt, im Gasthaus ihres Bruders kellnert und zögerlich eine Beziehung zu einem Bauern beginnt. Das ist die Konstellation dieses Romans, und sie könnte einem, weil sie so konventionell ist und die Poesie des Zauberers doch eher schmerzt, auch egal sein: Eine Frau schaut zurück auf ihr Leben, auf die große Unverbundenheit der Zufälle, die so ein Leben ergibt, wer liebt wen, wer bleibt, wer geht, was tut weh und ab wann nicht mehr: "Wir sind Trabanten", denkt sie einmal, "wir kreisen um unsere Sonnen, jeder um seine eigene." Ein anderes Mal hält sie ihr Haus für eine Raumstation und die Nacht vor ihrer Tür für das Weltall. "Wir sind zufällig zusammen alleine auf einem fremden Planeten", sagt sie über Arild, den Bauern. Planeten, Sonnen, Trabanten, weiter weg kann der Blick eigentlich nicht gehen.

In Wahrheit richtet die Frau ihn immer nach innen. So erzählt sie ihre Geschichte, wie sie und Arild ohne viele Worte ein Paar werden, wie ihr Bruder an seiner viel, viel jüngeren Freundin Nike verzweifelt, die ein fürchterliches Trauma in sich trägt, wie Arilds Schwester Mimi als Mittlerin zwischen dieser Zufallsgemeinschaft wirkt, in einem Dorf an der Küste, in einem flachen Land, "alles, was kommt oder geht, tritt deutlich zu Tage".

Aber was auch immer hier deutlich zutage tritt, und so bekannt einem Judith Hermanns Roman über die zweite Hälfte eines Lebens vorkommt, dessen erste Hälfte seine Versprechen und Wünsche nicht einlöste, weil es vielleicht gar keine gab: "Daheim" erzählt noch eine andere Geschichte. An den Rändern der Wahrnehmung passieren ständig beunruhigende Dinge. Sie entgehen der Erzählerin zwar nicht, sie erwähnt sie auch, sonst würde man davon ja nicht lesen, aber sie interessiert sich trotzdem nicht genug dafür. Wie nebenher erzählt der Roman deshalb von einem gewaltigen Konflikt, der nur noch gewaltiger werden wird: zwischen den Menschen und der Umwelt, in der sie leben. Man könnte sagen, dass "Daheim" ein Roman über den Klimawandel ist und über Menschen, die es gewohnt sind, die Welt, die sie umgibt, als Flächen für die Projektion ihrer Melancholien und Bedürfnisse zu halten. Der Baum, das Meer, die Sonne über dem Feld: Sie alle haben es immer ausgehalten, dass Menschen sie für symbolisch gehalten haben. Sie halten das auch jetzt noch aus, nur halten die Menschen diese Umwelt bald nicht mehr aus, weil sie sich verändert.

Denn es regnet nicht mehr. Einmal steigt die Erzählerin zu ihrem Bauern Arild auf den Trecker, es ist Ende August. "Der Pflug quälte sich durch die staubtrockene Erde, hinter uns steigt eine rauchige Wolke auf, die die Sonne verdüstert." In ihrem Blick werden diese Felder immer noch irgendwie zu Seelenlandschaften, die in ihrer Unbestimmtheit und Teilnahmslosigkeit der Unbestimmtheit und Teilnahmslosigkeit ihres eigenen Lebens eine Gestalt geben. Die Frau sieht genauso auf die tausend Schweine, die Arild trostlos in einem finsteren Stall hält. Aber auch dieser Zustand, die Härte einer falschen Notwendigkeit sozusagen, ist für sie vor allem Ausdruck von Arilds Eigensinn, der über den Tag hinaus seine Berechtigung zu haben scheint: Arild pflügt Land, das seit Generationen anderen gehört. Er hält Schweine ohne jedes Mitleid, er ist in einer anderen Zeit zu Hause, würde Ernst Bloch sagen, seine Uhr geht anders als ihre. Einmal fragt sie ihn, ob er jemals schwimmen geht, Schwimmen ist eine große Sache in ihrem Leben. "Er sagt, hier oder was. Im Meer oder was. Nein. Nie. Käme ich gar nicht drauf."

Und dann fragt sie ihn, ob er je woanders gelebt habe. "Arild schüttelt entschieden den Kopf, öffnet die rechte Hand mit einer abschließenden Geste. Er sagt, nie. Nie weggegangen, keine Reise gemacht, nie woanders gewesen. Wüsste auch nicht, wozu." Bis eben war sie mit dem Vater ihrer Tochter zusammen gewesen, mit dem sie Erinnerungen verglich, der kaputte Dinge gesammelt hat, bis die Wohnung nicht mehr bewohnbar war. Jetzt kommt sie mit Arild zusammen, dessen karge Entschiedenheit sie zwar traurig macht, weil er ihr ein feierliches Abendessen aus schlimmster Tiefkühlware kocht, der sie aber vor allem reizt. Ein Mann, der sein Schicksal zu kennen scheint. Und der den Marder massakrieren würde, dem sie eine Falle in ihrem Haus gestellt hat. Falls es ein Marder ist.

Stoisch leben diese Menschen in einer ausgemergelten Umwelt weiter. Und sehen nur sich selbst in ihr. Und blenden aus, dass es so nicht mehr weitergehen kann, aber sie haben immer so gelebt. Am beklemmendsten wird diese doppelte Wahrnehmung der Dinge im Verhältnis der Erzählerin zu ihrer Tochter. Ann ist mit einer Gruppe Gleichaltriger auf einem Segelboot unterwegs und schickt ihrer Mutter Koordinaten. Wenn sie skypen, fragt die Mutter nach gemeinsamen Erinnerungen, nach früher, nicht danach, wohin die Tochter aufbricht. Es könnte sein, und Judith Hermann deutet das nur an, dass es sich bei dieser Gruppe um Aktivisten handelt, sie sind jedenfalls mit einem Schiff zu den Rändern der Welt unterwegs und verraten nicht, was sie tun. Die Mutter fragt auch nicht. Sie fragt nach gestern. Und hofft, dass ihre Tochter morgen nach Hause kommt. Aber wo immer das auch ist: Dort regnet es nicht mehr.

TOBIAS RÜTHER.

Judith Hermann, "Daheim". Verlag S. Fischer, 192 Seiten

© Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt.
Bewertungen unserer Kunden
Aufbruch einer Frau in mittleren Jahren
von Literaturhexle - 07.05.2021
Als Einstieg erinnert sich die namenlose Ich-Erzählerin an ein Erlebnis vor rund 30 Jahren, als sie eine Einraumwohnung in einer namenlosen Stadt mit Blick auf eine Tankstelle bewohnte. Sie arbeitete damals in einer Zigarettenfabrik. Offensichtlich lebte sie sehr zurückgezogen ohne Kontakte zu Verwandten und Freunden. Da wird sie eines Tages von einem älteren Mann angesprochen: Er unterbreitet ihr das Angebot, seine Assistentin zu werden. Dieser hat ein Engagement als Zauberer auf einem Kreuzfahrtschiff angenommen, mit dem man drei Monate unterwegs sein wird. Die Erzählerin verabredet sich zunächst mit dem Zauberer und seiner Frau zu einem Probetermin, bei dem sie in die magische Kiste steigt und sich ¿durchsägen¿ lässt. Obwohl bei diesem Termin objektiv nichts weiter passierte, bleibt er ihr über Jahrzehnte im Gedächtnis hängen¿ In der Gegenwart lebt die Erzählerin seit einem Jahr in einem abgeschiedenen Haus hinter dem Deich an der Nordsee. Sie arbeitet als Kellnerin in der Kneipe ihres älteren Bruders, der eine eigenartige Beziehung mit der 20-jährigen stark heruntergekommenen Nike unterhält, die ihn aus dem Tritt bringt. Die Erzählerin hat Freundschaft mit ihrer Nachbarin, der Künstlerin Mimi, geschlossen, die eine deutlich lebhaftere Persönlichkeit besitzt und von einem großen Bauernhof in der Nähe abstammt. Mimi fühlt sich mit ihrer Heimat verbunden, sie hat Wurzeln geschlagen, fühlt sich zuhause, während die Erzählerin sich in einem Schwebezustand befindet. Ursächlich dafür dürfte die Trennung von ihrem Mann Otis sein sowie der Auszug der 20-jährigen gemeinsamen Tochter Ann, die sich aufgemacht hat, die Welt zu erkunden. ¿Sie war Bildhauerin und Malerin. Sie sagte, sie hätte seit Ewigkeiten keinen Ton und keine Leinwand mehr in der Hand gehabt, aber nun sei sie wieder bei ihren Wurzeln und sie sei in Wallung. Es war das, was sie sagte. Ich bin in Wallung. Sie betonte das mehrmals, sie fügte hinzu, sie sei gut zufrieden. (¿) Sie sagte, wo sind deine Wurzeln. Ich sagte, oh, ich fürchte, ich hab keine. Ich sagte, Gott. Sieh mich nicht so an. Das ist ganz normal. Manche Leute haben Wurzeln und andere eher nicht.¿ Die Erzählerin führt uns in ihre Vergangenheit. Sie ist Otis, einem eigenwilligen, zu Endzeitstimmungen und zur Sammelleidenschaft neigenden Mann, noch immer freundschaftlich verbunden. Sie schreibt ihm Briefe über das gegenwärtige Leben, Erinnerungen und ihre Gedanken. Nach und nach lernt man die Ich-Erzählerin besser kennen. Man bekommt eine Vorstellung davon, wie sie sich zu der unsicheren, zuweilen ängstlichen Frau entwickelt hat. Sie reflektiert wesentliche Ereignisse und Begegnungen ihres Lebens. Sie analysiert ihren Bruder, ihren Ex-Mann, Mimi und deren Bruder sowie ihre Tochter Ann. ¿Das Leben verlangsamt sich, findest du nicht, sagt Mimi. Ich finde, es wird langsamer und langsamer. Unangenehm, in gewisser Weise. Aber es gibt dir Zeit, zu verstehen, was du hast ¿ stell es vor dich hin. Dann weißt du, wovon du was brauchst. Und worauf du verzichten kannst. Sie sagt, weißt du, was ich meine. Ich sage, ja. Vielleicht. Ich muss drüber nachdenken.¿ Alles in einem sehr ruhigen Ton gehalten erlangt der Leser Erkenntnis um Erkenntnis. In kurzen, klaren und zuweilen lakonischen Sätzen wird die Geschichte erzählt. Trotz vieler Dialoge gibt es keine Redezeichen. ¿Daheim¿ ist ein ruhiges Buch ohne nennenswerte Spannungskurven. Es geht um eine Frau in mittleren Jahren, die sich neu austarieren, ihre Zugehörigkeit definieren und sich klar werden will, wie sie den neuen Lebensabschnitt gestalten wird. Dabei werden unterschiedliche Lebensentwürfe im Umfeld der Protagonistin vorgestellt. Es geht um Selbstfindung und -bestimmung, um Wehrhaftigkeit, um Zugehörigkeit, Wurzeln, Spuren, auch um Rollenbilder, Gewalt, um Gefängnisse im übertragenden Sinn, um Vertrauen, Familie, Freundschaft und Liebe. Es geht aber auch um die Zuverlässigkeit von Erinnerungen. Wunderbar eingebettet wird das alles in die norddeutsche Landschaft, und das dörfliche Leben in Abhängigkeit von Natur und Gezeiten. Dieser Roman hat auf mich einen intensiven Sog ausgeübt, ich habe ihn innerhalb zweier Tage ausgelesen. Die Charaktere sind vielschichtig angelegt und wirken sehr glaubwürdig, jeder hat seinen individuellen Hintergrund, die Protagonistin entwickelt sich anschaulich und nachvollziehbar. Die nüchterne sprachliche Gestaltung hat mich fasziniert, gerade weil so viel Intensität und Bedeutsamkeit in den Sätzen mitschwingen. Man sollte das Buch unbedingt aufmerksam lesen. Denn viele Themen werden behandelt, starke Symbole und Motive säumen den Roman, der durchaus literarische Ansprüche befriedigt, sich ideal für Lesekreise eignet und völlig zurecht für den Leipziger Buchpreis 2021 nominiert wurde. Für mich war es die erste Begegnung mit der Schriftstellerin Judith Herrmann, aber es wird nicht die letzte gewesen sein. Große Leseempfehlung!
Eine deprimierende Geschichte, einprägsam erzählt
von Circlestones Books Blog - 30.04.2021
"Wir sind Trabanten, denke ich, wir kreisen um unsere Sonnen, jeder um seine eigene." (Zitat Pos. 1667) Inhalt Die Ich-Erzählerin ist siebenundvierzig Jahre alt, geschieden. Vor dreißig Jahren hätte sie als Mitglied einer Zaubergruppe auf einem Kreuzfahrtschiff nach Singapur reisen können, erzählt sie, hat es aber doch nicht getan. Plötzlich erinnert sie sich wieder an diese Geschichte. Seit beinahe einem Jahr wohnt sie jetzt schon in einem kleinen, baufälligen Haus in einem Dorf an der östlichen Nordseeküste. Ihrem Bruder gehört hier eine Kneipe am Hafen und sie arbeitet für ihn, fünf Tage pro Woche. Sie sehnt sich nach ihrer erwachsenen Tochter Ann, die rastlos durch die Welt zieht und auch ihrem Exmann Otis schreibt sie oft, erinnert sich an gemeinsame Erlebnisse, erzählt von der Natur im Wechsel der Jahreszeiten. Wird sie bleiben? Thema und Genre Themen dieses Romans sind die Suche nach dem Platz im eigenen Leben, Beziehungen, Veränderungen, Aufbruch, Ankommen, Neubeginn. Es geht auch um Erinnerungen, reale und falsche. Charaktere Nicht grundlos erinnert sich die erzählende Hauptfigur beim Anblick einer Marderfalle an die Geschichte mit dem Zaubertrick und Singapur, sie scheint auch in ihrem Leben irgendwo zwischen Vergangenheit und Neubeginn gefangen, wie auch alle sie umgebenden Figuren irgendwie festzuhängen scheinen, der Bruder, ein Lebenskünstler, der die Arbeit in der Kneipe lieber der Schwester überlässt und in einer Beziehung zu einer Frau gefangen ist, die jünger ist, als seine Nichte. Der Landwirt, der nie wo anders leben könnte, als in diesem Dorf, und sich deshalb um den Hof seiner Eltern kümmert, samt Feldern und Schweinen in Massentierhaltung. Nur Mimi, die Bildhauerin und Malerin ist freiwillig zurückgekommen, sie ist hier aufgewachsen. Obwohl wir viel über das Leben und die Gedanken und Wünsche der einzelnen Figuren erfahren, bleiben sie auf Distanz. Handlung und Schreibstil Die Hauptfigur erzählt von ihrem Aufbruch aus dem alten Leben und dem Neubeginn in diesem kleinen Dorf an Meer. Die Handlung spielt während eines Jahres, im Wechsel der Jahreszeiten und der Natur, und wird rückblickend am Ende dieses ersten Jahres erzählt. Es geht um die kleinen Ereignisse, entspannte Stunden der Hauptfigur mit der neugierigen, aufgeschlossenen Mimi, die wie ein nicht aufzuhaltendes Ereignis als Freundin in das Leben der Ich-Erzählerin stürmt und ein Lichtblick in dieser insgesamt trostlosen, deprimierenden Geschichte ist. Die Sprache der Autorin ist klar und knapp, einprägsam in ihren symbolhaften Bildern, wie zum Beispiel die Marderfalle: "Du fängst selten das, was du fangen willst. Du fängst mitunter was ganz anderes. Dann musst du sehen, was du damit machst." (Zitat Pos. 1802). Fazit Eine deprimierende Geschichte und wenig sympathische Figuren. Gegen Ende wirft die Autorin plötzlich noch ein Gewaltverbrechen in die Handlung, ohne jedoch weiter darauf einzugehen, eine von vielen offenen Fragen, mit denen mich dieser Roman etwas ratlos zurücklässt.
Bedächtiger Stil
von begine - 27.04.2021
Die Schriftstellerin Judith Hermann schreibt mit ruhiger bedächtiger Stimme den Roman "Daheim". Die Icherzählerin lässt uns an der Kargheit der Gegend im Norden am Meer teilnehmen. Sie erzählt mit kühler Präzision über menschliche Beziehungen in ihrer Umgebung. Wenn man sich in diese Geschichte einlässt, erfährt man von den Gefühlen der Personen. Die Erzählerin lebt seit einem Jahr in der Gegend, Nachdem sie sich von ihrem Mann getrennt hat. Sie arbeitet bei ihrem Bruder. Sie schafft es mit den Nachbarn Zeit zu verbringen. Die Geschichte ist etwas schwer nachzuvollziehen. Allerdings ist das Leben nicht immer spannend. Der Roman ist gut geschrieben und mir hat er gefallen.
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