Aus Neugier und Leidenschaft

Gesammelte Essays. Originaltitel: Curious Pursuits.
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»Eine Goldmine für die Bewunderer ihre Bücher.« Sunday Times
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Aus Neugier und Leidenschaft als Buch (gebunden)

Produktdetails

Titel: Aus Neugier und Leidenschaft
Autor/en: Margaret Atwood

ISBN: 382700666X
EAN: 9783827006660
Gesammelte Essays.
Originaltitel: Curious Pursuits.
Übersetzt von Christiane Buchner, Claudia Max, Ina Pfitzner
Berlin Verlag

2017 - gebunden - 480 Seiten

Beschreibung

»Immer wenn ich gerade beschlossen habe, weniger zu schreiben und stattdessen etwas für meine Gesundheit zu tun - vielleicht Eistanz oder so -, ruft mich garantiert irgendein glattzüngiger Verleger an und macht mir ein Angebot, das ich unmöglich ablehnen kann. In gewisser Weise ist dieses Buch also schlicht das Ergebnis meiner unterentwickelten Fähigkeit, nein zu sagen.« Ob Rezensionen zu John Updike und Toni Morrison oder eine Würdigung Dashiell Hammets; ob ein Afghanistan-Reisebericht, der zur Grundlage für den Report der Magd wurde, ob leidenschaftliche Schriften zu ökologischen Themen, herrlich komische Geschichten über »meine peinlichsten Momente« oder Nachrufe auf einige ihrer großen Freunde und Autorenkollegen: Margaret Atwoods Vielfalt, ihr großes Engagement und ihr herrlicher Witz machen dieses durchaus lehrreiche Kompendium zu einem Riesen-Lesevergnügen.

Portrait

Margaret Atwood, geboren 1939 in Ottawa, gehört zu den bedeutendsten Erzählerinnen unserer Zeit. Ihr »Report der Magd« wurde zum Kultbuch einer ganzen Generation. Bis heute stellt sie immer wieder ihr waches politisches Gespür unter Beweis, ihre Hellhörigkeit für gefährliche Entwicklungen und Strömungen. Sie wurde vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem renommierten Man Booker Prize, dem Nelly-Sachs-Preis, dem Pen-Pinter-Preis und dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Margaret Atwood lebt in Toronto.

Pressestimmen

"In diesen äusserst klugen und bisweilen kühnen Essays ist auf jeder Seite zu erkennen, wie Atwoods Denken ausserhalb der Fiktion funktioniert.", Neue Zürcher Zeitung, 11.03.2018

Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung vom 25.11.2017

Diese Geschichte muss ich unbedingt noch erzählen

Spekulative Fiktion, nicht nur für Fans: Margaret Atwoods Essays verknüpfen Gegenwartsdiagnostik mit poetologischer Selbstauskunft.

Von Silke Scheuermann

Wissen Sie schon, was "atwoodian" bedeutet? Nein? Nun, es heißt in etwa "klar", "klug", "ironisch", "auf die Zukunft gerichtet", und Sie können es zur Beschreibung so ziemlich jedes Textes verwenden, der Ihnen pfiffig vorkommt und den Sie dafür loben möchten.

Genau wie das Adjektiv "kafkaesk "auf Franz Kafkas absurde, düstere Erzählkonstruktionen anspielt, stand ein Autor für "atwoodian" Pate, besser gesagt, eine Autorin: nämlich die kanadische Schriftstellerin Margaret Atwood, die im Oktober in Frankfurt mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet wurde. Ihr bereits in den achtziger Jahren erschienener Roman "Der Report der Magd" wird weltweit diskutiert, seit die BBC ihn als Serie adaptierte - und parallel dazu die neue amerikanische Regierung Donald Trumps auf den Plan trat, die das im Roman geschilderte frauenfeindliche, kunstferne, diktatorisch unter Männern aufgeteilte Dystopia scheinbar zum Vorbild für die Umgestaltung Amerikas genommen hat.

Margaret Atwoods Ruhm ist also durchaus mit den (negativen) Entwicklungen der Zeit verknüpft, was die Autorin natürlich weiß. Wenn sie auf das von ihr in den vergangenen Jahren hauptsächlich gepflegte Genre des Zukunftsromans angesprochen wird, beharrt sie entsprechend darauf, keine Science-Fiction zu schreiben, sondern speculative fiction. Es gehe nämlich weder um Raumschiffe noch um Außerirdische in ihren Büchern - alles, was sie schildere, liege im Rahmen des heute schon Möglichen.

Wo Realität und Fiktion, Zukunft und Gegenwart auf dermaßen beängstigende Weise ins Schwimmen geraten, braucht der Mensch etwas, an dem er sich festhalten kann, einen Begriff zum Beispiel - doch da wären wir wieder bei "atwoodian". Oder aber er konzentriert sich, in einer Gegenbewegung, auf Konkretes, stellt kleine, leicht zu beantwortende Fragen, die ihm ein gutes Gefühl geben.

Nur so kann man sich womöglich erklären, was Gesprächspartner von der siebenundsiebzigjährigen Autorin bei Lesungen und Interviews so alles wissen wollen: von welchem Beruf Atwood als Teenager geträumt hat (Modedesignerin), warum sie es bereut, nicht die Sekretärinnen-Schule durchlaufen zu haben (sie könnte dann auch tippen, ohne dabei ständig auf die Tastatur zu starren), oder worin sie denn eigentlich in den vergangenen Jahren besser geworden sei (kaputte sanitäre Anlagen selbst reparieren).

Deutschsprachige Leser können nun aufatmen, Radio, Fernsehen und Youtube-Kanäle ausschalten beziehungsweise schließen, denn es ist mit "Aus Neugier und Leidenschaft" im Berlin Verlag ein großartiges Buch für Atwood-Fans erschienen: die gesammelten Gelegenheitsaufsätze der Autorin von den siebziger Jahren an bis heute. "Curious Pursuits" heißt das Buch im Original. In pursuits steckt bekanntlich das englische Wort für verfolgen, was im Titel "Aus Neugier und Leidenschaft" leider verlorenging. Atwood lässt die Leser aber wissen, dies habe ihr besonders gut gefallen, denn sie habe oft den Eindruck, immerzu damit beschäftigt zu sein, der Wirklichkeit nicht nachzujagen; sie zu verfolgen.

Die Sammlung gliedert sich chronologisch in drei Teile, reicht von Aufsätzen aus den siebziger und achtziger Jahren über den mittleren Teil mit Texten von der Zeit des Berliner Mauerfalls an bis 1999. Im dritten Teil finden sich Stücke, die seit der Jahrtausendwende mit ihren Untergangsprophezeihungen entstanden sind (In Atwoods Worten: "dem Millenniumsjahr, in dem nichts wie erwartet in die Luft flog").

"Aus Neugier und Leidenschaft" behandelt gesellschaftsrelevante Themen, man findet aber auch Aufsätze und Kritiken zu nicht ganz so einfachen Büchern, Anekdoten aus Atwoods Leben und allgemeinere Bemerkungen zum Schreiben - und doch liest das Buch sich als Ganzes zusammenhängend und spannend wie ein Roman; selbst das leidige Thema der weiblichen Autorschaft, das von den siebziger Jahren ebenso wenig zu trennen ist wie die Streifen vom Zebra. Liest man das Buch chronologisch, kann man gleich zu Beginn erleichtert aufatmen, denn Distanz, Humor und Anschaulichkeit sind es, die vorherrschen, von Frustration ist zumindest im Ton nichts zu spüren. Und nicht nur das: Manche Beispiele kommen mir beim Lesen auch heute noch verdächtig bekannt vor. (Beispielsweise wird immer noch genauso an den von schreibenden Frauen erfundenen weiblichen Charakteren herumgemäkelt, sie hingen zu viel herum, seien zickig, hätten ja nicht mal einen vernünftigen Job und so weiter, dass man meinen könnte, der Kritiker untersuchte die Figur nicht in ihrem für sie erdachten Umfeld und mit ihrer ganz eigenen Problemlage, sondern plante, mit ihr zusammenzuziehen. Männer dagegen dürfen auch als Romanfigur so ziemlich alles.)

Dass Margaret Atwoods erste Publikationen Gedichtbände waren, wird heute leicht vergessen; hier erinnert man sich daran. Es wimmelt gerade in den Texten zur Lyrik nur so von interessanten Gedanken. Etwa, dass die in den sechziger Jahren gefeierte Amerikanerin Anne Sexton, die sich mit Mitte vierzig das Leben nahm, "zutiefst Angst vor der Zukunft" gehabt hätte, habe ich so schlicht und gleichzeitig treffend noch nirgends formuliert gesehen. Auch die Rezension zu Adrienne Richs Lyrikband "Ins Wrack tauchen" liest sich heute noch mit Gewinn, finden sich doch Sätze wie: "Die Wahrheit ist eben nicht bloß, was sich findet, wenn man eine Tür aufmacht: Sie ist selbst eine Tür, durch die die Dichterin sich jeweils anschickt zu gehen."

Atwoods Interessen weiten sich mit den Jahrzehnten aus, früh schon war die Umwelt ein Thema, die genauere Beschäftigung mit Geschichtlichem und historischen Romanen kommt später hinzu. Zu den interessantesten Texten kommt man im letzten Drittel, wenn sie große Werke, von George Orwell oder H. G. Wells ("Zehn Annäherungen an die Insel des Dr. Moreau") untersucht. Von Wells' überehrgeizigem Wissenschaftler und seinen zum Leben erweckten Tier-Mensch-Mischwesen hat sich die Autorin deutlich für ihren Roman "Oryx und Crake" inspirieren lassen.

Margaret Atwoods Argumentationen bleiben dabei nie abstrakt, selbst dann nicht, wenn sie schwerstes Geschütz auffährt wie an jener Stelle, an der sie die Heisenbergsche Unschärferelation auf die Literatur bezieht. "Sehr frei" formuliert, schreibt Atwood, laute diese: "Man kann zwar sagen, warum eine Geschichte schlecht ist, aber nur viel schwerer, warum sie gut ist", und dabei bezieht sie sich auf ihre Arbeit als Herausgeberin. Aus dem Berg angebotener Texte heraus will sie nur einige für eine Anthologie aussuchen, und während dies geschieht, fragt sie sich ständig selbst, was denn nun ihre Kriterien seien. Kaum möglich, denn sobald "man Listen anlegt oder Regeln für Short Stories oder sonstige literarische Gattungen aufstellen will, kommt garantiert eine Autorin daher und verstößt beiläufig gegen jede abstrakte Regel, die man selbst oder sonst jemand aufgestellt hat."

Man spürt an jeder Stelle, wie sehr Margaret Atwood Vagheit, Unschärfe, Schwammigkeiten jeder Art hasst. Sobald sie auf solche stößt, krempelt sie sozusagen die Ärmel hoch und packt zu, darauf gefasst, dass sie, sobald das flutschige Ding Wahrheit ihr dann doch wieder aus der Hand gleitet, sich etwas anderes überlegen muss, zum Beispiel, sich Angelzeug anzuschaffen oder etwas über Fische dazuzulernen, das ihr helfen könnte. Es geht ihr immer um die gute Geschichte, und dies wäre eine, bei der sich die Leser "sicher fühlen" können, dass "der Erzähler nicht das Buch mittendrin zuklappt oder Helden und Bösewichte verwechselt". Magaret Atwoods Sprache ist zupackend; wenn sie Felder beackert, gleicht ihr Zugriff eher dem eines Bauern, der seinen Mähdrescher benutzt, als dem eines Bonsai-Liebhabers. Auch ihr eigenes Leben behandelt sie als Stoff, den es auf Spannung und Witz zu trimmen gilt. Dieser flotte und bildreiche Zugriff erweist sich als großer Gewinn.

Man mag sich über einige merkwürdige Flapsigkeiten wundern, die vielleicht den Übersetzungen geschuldet sind, vielleicht aber nicht nur. Dass man das Buch aufschlägt und lesen muss, den Leser erwarte mit diesem Essayband "ein Mischmasch" aus "Gelegenheitswerken", ist zum Beispiel merkwürdig, schließlich sind die Texte doch einzeln hintereinandergestellt, nach Publikationsdatum geordnet und nicht auf irgendeine Weise ge- oder vermischt. Oder wenn es im erwähnten Anthologie-Vorwort um die "konkreten Details" der Short Stories geht, fragt man sich, ob es denn unkonkrete Details gibt und wie die aussehen könnten. Doch man tröstet sich mit so vielen anderen Stellen, an denen der Mähdreschereinsatz funktioniert und Margaret Atwood das Feld frei gemacht hat für Sätze wie "Sie brauchen [gemeint ist, als Erzählerin oder Erzähler] das Ancient-Mariner-Element, das Scheherazade-Element: eine gewisse Dringlichkeit", als würde man zu Kindern sprechen. "Diese Geschichte muss ich unbedingt noch erzählen; die musst du dir unbedingt noch anhören."

Unbedingt anhören wollen sich Margaret Atwoods Geschichten inzwischen Leser auf der ganzen Welt. Und das ist gut so, denn "im Akt ihres Zuhörens erfährt die Geschichte ihre Wiedergeburt", was wiederum, im Idealfall, verhindern könnte, dass außer im Kopf auch in der Realität die Horrorszenarien der Geschichte und aus Geschichten wiedergeboren werden. "Aus Neugier und Leidenschaft" ist ein einziges großes Plädoyer für die Phantasie, dafür, aus ihr heraus stetig neue Hoffnung und Menschlichkeit wachsen zu lassen, auch wenn die Lage ernst ist.

Margaret Atwood: "Aus Neugier und Leidenschaft". Gesammelte Essays.

Aus dem Englischen von Christiane Buchner, Claudia Max und Ina Pfitzner.

Berlin Verlag, Berlin 2017. 480 S., geb.

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