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Das geschundene Tier

Neunundreißig Balladen. 2. Auflage. Zahlreiche s/w Zeichnungen. Lesebändchen.
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"Mir wächst keine Blume im Mund", heißt es in einer der 39 Balladen vom täglichen Leben mit dem Schmerz. Die Rede ist vom Schmerz eines Stürzenden, Geschundenen, Verletzten, der sagt: "Würf ich jetzt ein Blatt ins Wasser/ spränge drauf, es trüge mich … weiterlesen
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Das geschundene Tier als Buch (gebunden)

Produktdetails

Titel: Das geschundene Tier
Autor/en: Martin Walser

ISBN: 3498073591
EAN: 9783498073596
Neunundreißig Balladen.
2. Auflage.
Zahlreiche s/w Zeichnungen.
Lesebändchen.
Illustriert von Alissa Walser
Rowohlt Verlag GmbH

16. März 2007 - gebunden - 88 Seiten

Beschreibung

"Mir wächst keine Blume im Mund", heißt es in einer der 39 Balladen vom täglichen Leben mit dem Schmerz. Die Rede ist vom Schmerz eines Stürzenden, Geschundenen, Verletzten, der sagt: "Würf ich jetzt ein Blatt ins Wasser/ spränge drauf, es trüge mich, ich/ schwämme davon. So aber geh ich/ unter auf dem festen Land." Es sind zarte, dunkle Balladen von nur wenigen Zeilen Länge, aber ihre tragischen Themen sprechen für sich: das Hadern mit Dummheit und Leere, Lüge und Hass, die Klage über Unverständnis, Feindseligkeit und Folter, das Ringen mit dem Stolz, der Finsternis, der Scham. Sehnsüchte, Wünsche werden laut und verstummen gleich wieder. Am Ende jedoch - ein Aufblitzen von Helligkeit - weiß das lyrische Ich seinen Namen, trägt es "den Mond im Geweih". Diese Sammlung nach 1998 entstandener Gedichte, ergänzt durch einfühlsame Zeichnungen von Alissa Walser, gehört zum Persönlichsten, das Martin Walser bisher vorgelegt hat. Eine Verneigung vor dem Jubilar!

Portrait

Martin Walser, 1927 in Wasserburg geboren, lebt in Überlingen am Bodensee. Für sein literarisches Werk erhielt er zahlreiche Preise, darunter 1981 den Georg-Büchner-Preis, 1998 den Friedenspreis des deutschen Buchhandels und 2015 den Internationalen Friedrich-Nietzsche-Preis. Außerdem wurde er mit dem Orden «Pour le Mérite» ausgezeichnet und zum «Officier de l'Ordre des Arts et des Lettres» ernannt.

Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung vom 14.04.2007

Der unbewegte Beweger und sein ewiges Gegenteil
Die große Wutglocke: Martin Walsers Altersballaden

Von Hubert Spiegel

Je vollkommener die Dichtung ist, desto weniger verweist sie auf den Dichter. Bei der nicht vollkommenen Dichtung ist der Dichter zum Verständnis nötig; dann ist das Werk nicht unabhängig geworden von der Biographie." Ob Martin Walser diese Sätze, mit denen er als Tübinger Student 1951 seine Dissertation über das Werk Franz Kafkas eröffnete, heute noch unterschreiben würde? Auf Walsers jüngstes Buch sind sie jedenfalls kaum anzuwenden, nicht nur, weil der Verlag erklärt hat, "Das geschundene Tier" gehöre zum Persönlichsten, was dieser Autor bisher vorgelegt habe. "Neununddreißig Balladen" verheißt der Untertitel, aber tatsächlich handelt es sich um 39 kurze Gedichte, meistens vier, sechs oder acht Zeilen lang, die überwiegend ohne Reimschema auskommen. Ihre Themen sind groß, denn sie handeln von Alter, Liebe, Enttäuschung, von Wahrheit, Lüge, Betrug - und immer wieder von Verletzung und Schmerz, vom Unzulänglichen, vom Unzumutbaren, auch vom Unsagbaren. Sie zu lesen, ohne an Walsers Irrungen und Wirrungen der letzten Jahre zu denken, ist kaum möglich. Ist also der Dichter zu ihrem Verständnis nötig, sind diese Verse abhängig von der Biographie ihres Verfassers?

Ein dummer August will er nicht sein. "Schrei nur, wenn du nicht gehört wirst. / Lächerlichkeit ist die Königskrone", heißt es schon auf einer der ersten Seiten. Da wird das Lear-Motiv angeschlagen, und nach der ersten Hälfte des Buches, in der achtzehnten Ballade, geht es noch eine Stufe höher hinauf: "Die Dornenkrone ist schon mal vergeben, / auch dieser zum Himmel gedrehte Schmerzblick ist weg". Doch auf der Heide des öffentlichen Raums schmückt dieser Schmerzensmann alles, was man ihm angetan hat, "mit Flitter in Pink" und bringt die "Installation mit bloßer Empfindung zum Glühen".

Dass diese Gedichte so absolut sind in ihrer Ichbezogenheit, macht sie auf paradoxe Weise allgemein. Es sind Verse, aus denen Bitterkeit trieft, aber sie sind zu scharf, um larmoyant, zu distanziert, um nur eitel, zu "gemacht", um nur privat und intim zu wirken. Der Gestus ist nicht neu bei Walser, und auch der mitunter deutlich aphoristische Tonfall dieser Verse kommt einem bekannt vor. "Mich verändert alles. Ich verändere nichts", hieß es schon 1985 in "Meßmers Gedanken". So spricht das ewige Gegenteil des unbewegten Bewegers. Aber müsste es nicht genau umgekehrt sein? Walser sagt es nicht und überlässt es dem Leser, dies zu denken. Immer wieder stößt Allmachtsanspruch auf Ohnmachtsgefühl, das ist das Alpha und das Omega in Walsers Werk, und ihr Zusammenstoß erzeugt den typischen Walserklang. Dann hört man die Walsersche Wut- und Schmerzensglocke tönen: "Jeder Folterer hat einen freien Tag. Ich kann's / jetzt schon selbst, ruf ich. Und führ mein Gewissen / an der Leine spazieren. Nassschwarz die Straßen. / Der Himmel stützt sich auf Bäume, mich zu verhören, / Ich mach aus der Lüge von allen Künsten die schönste."

"Gestehen ist alles", hieß es vor vier Jahren noch in der Aphorismensammlung "Meßmers Reisen". Aber auch schon: " Gestehen genügt nicht, du mußt lügen." Jetzt schreibt Walser: "Lieber in Scherben / baden als in der Wahrheit. Gestehen macht hässlich". Liegt es am "Leben mit dem Kunstherz der Lüge", oder ist die Wahrheit eine Unmöglichkeit? Dass man sich selbst nie entkommen und nie ganz auf die Schliche kommen kann, gehört zu den Aporien, an denen Walser sich reibt wie der Bär am Baum. Es juckt ihn ganz ungeheuerlich: "Wenn ich nicht flüchtete täglich aufs neu / und immer vor mir, könnt ich nicht leben."

Alissa Walser, geboren 1961, hat die Gedichte ihres Vaters mit Zeichnungen versehen, skizzenartig, wie flüchtig hingeworfen. Das Spielerische ihrer Strichmännchen nimmt den Versen des Vaters ein wenig von ihrer Wucht. Der Kontrast tut ihnen gut. Denn manchmal bläst das geschundene Tier die Backen denn doch zu dick auf oder verfällt ins Kalauern: "Über Stock und Stein reitet die Pein." Gegen Ende wird es indes wieder kalt, pathetisch, klassisch: "Gefesselt an den schon immer unerfüllbaren / Wunsch. Die Welt streckt die Hände her, / mir die Fesseln zu lösen. Ich habe, sag ich, / nur einen Wunsch: Gefesselt zu bleiben an den schon immer unerfüllbaren Wunsch." Wenn Freiheit heißt, sich die Art der Fessel selbst zu wählen, ist Martin Walser ein großer Freiheitskämpfer. Vor der Größe seines Ohnmachtsgefühls wirkt jeder Allmachtsanspruch klein.

- Martin Walser: "Das geschundene Tier". Neununddreißig Balladen. Mit Zeichnungen von Alissa Walser. Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 2007. 88 S., geb.

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