Hermeneutik des Subjekts als Buch (gebunden)
PORTO-
FREI

Hermeneutik des Subjekts

Vorlesungen am Collège de France 1974/1975. Originaltitel: L herméneutique du sujet. Cours au Collège de France…
Buch (gebunden)
Michel Foucaults Vorlesung "Hermeneutik des Subjekts", die er 1981/82 am Collège de France hielt, war ein zugleich umstrittenes wie einflußreiches Ereignis. Foucault bestimmt hier die historischen wie theoretischen Voraussetzungen eines seiner wirkmä … weiterlesen
Buch (gebunden)

39,90 *

inkl. MwSt.
Portofrei
Sofort lieferbar
Hermeneutik des Subjekts als Buch (gebunden)

Produktdetails

Titel: Hermeneutik des Subjekts
Autor/en: Michel Foucault

ISBN: 3518583883
EAN: 9783518583883
Vorlesungen am Collège de France 1974/1975.
Originaltitel: L herméneutique du sujet. Cours au Collège de France 1981-1982.
Übersetzt von Ulrike Bokelmann
Suhrkamp

23. Mai 2004 - gebunden - 694 Seiten

Beschreibung

Michel Foucaults Vorlesung "Hermeneutik des Subjekts", die er 1981/82 am Collège de France hielt, war ein zugleich umstrittenes wie einflußreiches Ereignis. Foucault bestimmt hier die historischen wie theoretischen Voraussetzungen eines seiner wirkmächtigsten Konzepte: der Sorge um sich.
Der Entwurf einer Ästhetik der Existenz, von dem auch derjenige einer Philosophie der Lebenskunst ihren Ausgang nimmt, gewinnt hier in einer subtilen Interpretation klassischer antiker Texte seine Konturen. Foucaults Lektüre kanonischer Texte von Platon, Mark Aurel, Epikur und Seneca zielt dabei auf eine neue und überraschende Theorie des Subjekts, die sich keineswegs auf eine historische Rekonstruktion beschränkt, sondern vielmehr versucht, eine andere Perspektive auf die Konstitution des modernen Subjekts zu gewinnen. Seine Arbeit besteht darin, einen historischen Blick auf das zu gewinnen, was für uns keineswegs der Geschichte unterworfen zu sein scheint: die Art und Weise, wie wir uns als Subjekte zu uns selbst verhalten. Zugleich eröffnet diese Deutungsperspektive eine Neuformulierung der Frage nach der Politik. Sind nicht die heutigen politischen Kämpfe weniger als Kämpfe gegen politische oder ökonomische Unterwerfung, sondern vielmehr als ein Aufbegehren gegen das Verschwinden der Identität zu begreifen? Foucaults berühmte Vorlesung lotet ein neues Konzept der Macht aus, das zugleich den übergang von seinem Entwurf einer Mikrophysik der Macht hin zu einer konkreten Analyse der Selbstverhältnisse darstellt.

Portrait

Paul-Michel Foucault wurde am 15. Oktober 1926 in Poitiers als Sohn einer angesehenen Arztfamilie geboren und starb am 25. Juni 1984 an den Folgen einer HIV-Infektion. Nach seiner Schulzeit in Poitiers studierte er Philosophie und Psychologie in Paris. 1952 begann seine berufliche Laufbahn als Assistent für Psychologie an der geisteswissenschaftlichen Fakultät in Lille. 1955 war er als Lektor an der Universität Uppsala (Schweden) tätig. Nach Direktorenstellen an Instituten in Warschau und Hamburg (1958/1959) kehrte er 1960 nach Frankreich zurück, wo er bis 1966 als Professor für Psychologie und Philosophie an der Universität Clermont-Ferrand arbeitete. In diesem Zeitraum erschien 1961 seine Dissertationsschrift Folie et déraison. Histoire de la folie à l'âge classique (dt.: Wahnsinn und Gesellschaft). Er thematisierte darin die Geschichte des Wahnsinns und das Zustandekommen einer Abgrenzung von geistiger Gesundheit und Krankheit und die damit einhergehenden sozialen Mechanismen. 1965 und 1966 war er Mitglied der Fouchet-Kommission, die von der Regierung für die Reform des (Hoch-)Schulwesens eingesetzt wurde. 1966 wurde Les mots et les choses Une archéologie des sciences humaines (dt.: Die Ordnung der Dinge) veröffentlicht, worin er mit seiner diskursanalytischen Methode die Wissenschaftsgeschichte von der Renaissance bis ins 19. Jahrhundert untersuchte. Nach einem Auslandsaufenthalt als Gastprofessor in Tunis (1965-1968) war er an der Reform-Universität von Vincennes tätig (1968-1970). 1970 wurde er als Professor für Geschichte der Denksysteme an das renommierte Collège de France berufen. Gleichzeitig machte er durch sein vielfältiges politisches Engagement auf sich aufmerksam. In diesem Kontext entstand die Studie Surveiller et punir (dt.: Überwachen und Strafen). 1975-1982 unternahm er Reisen nach Berkeley und Japan sowie in den Iran und nach Polen.

Pressestimmen

»Es sind, im besten Sinne, merk-würdige Vorlesungen, die der Philosoph anstellt, um sich dem Subjekt nicht im Sinne einer Unterwerfung, sondern der Subjektivierung zu nähern. Damit wird auch Foucaults Satz, er sei kein Philosoph der Macht, sondern einer des Subjekts, in einen weiteren Zusammenhang gestellt.«

Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung vom 30.07.2004

Faszinierende Streiflichter auf eine unkuschelige Subjektivität
Jenseits unseres Selbsterfahrungskitsches rehabilitiert Michel Foucault das goldene Zeitalter der Sorge um sich selbst

Kaum ein Konzept hat so viele Mißverständnisse ausgelöst wie das der "Sorge um sich", das aus der Tradition der "cura sui" und des griechischen "epimeleia heautou" Foucaults Denken in den letzten Jahren bestimmte. Rückzug aus dem Politischen, Ästhetisierung der Existenz, philosophische Begründung des zeitgenössischen Individualismus - so war trotz Foucaults eigenen Warnungen vor solchen Verkürzungen immer wieder zu hören. Das Thema der Selbstkultur und Selbstpraxis hat in der komplizierten Umorientierung von Foucaults gesamtem Denken ab 1976 - weg von der kritischen Systemgenealogie der abendländischen Neuzeit, hin zur griechisch-römischen Antike und deren Problematisierung des Subjekts - eine führende Rolle gespielt und sollte wohl den krönenden Abschluß einer ganzen Werkphase ergeben. "Die Sorge um sich" heißt tatsächlich der dritte Band von "Sexualität und Wahrheit". Das Kernthema wird darin aber nur marginal entwickelt. Das große Buch über die Selbsttechniken mit der theoretisch durchgearbeiteten Wende von der Politik zur Ethik, von der Analyse der Machtdispositive zu der des Selbst, hat Michel Foucault nie geschrieben. Die Vorlesungen, die der Gelehrte im Frühjahr 1982, zwei Jahre vor seinem Tod, am Collège de France hielt, nehmen die Stelle jenes ungeschriebenen Werks ein.

Da Foucault testamentarisch jede postume Veröffentlichung unpublizierter Texte untersagte, sind diese Vorlesungen am Collège de France praktisch das einzige, was es an potentiell Neuem von diesem Autor noch zu entdecken gibt. Vier von den insgesamt dreizehn Vorlesungszyklen liegen im französischen Original schon vor. Auf deutsch ist dieser Band der dritte des - unchronologisch angelaufenen - Publikationszyklus. Zwei weitere Bände, "Sicherheit, Territorium, Bevölkerung" und "Geburt der Biopolitik", werden als "Geschichte der Gouvernementalität I und II" in diesem Herbst zeitgleich auf französisch und deutsch erscheinen. Trotz der teilweise weit ausgearbeitet vorliegenden Vorlesungsmanuskripte beruht der Text ausschließlich auf dem in privaten Tonbandaufzeichnungen erhaltenen gesprochenen Wort, um nicht gegen die erwähnte testamentarische Bestimmung zu verstoßen. So haben diese Vorlesungen mit ihrem spezifischen, etwas steifen Diskurs ihren eigenen Status, wie die französischen Herausgeber mit doppeltem Recht schreiben, im Gesamt der "philosophischen Akte" von Foucault. Die enorme Zitat- und philosophische Quellenbasis ist sprunghaft, wenig strukturiert, bald über-, bald unterkommentiert, manchmal mehr vorbereitendes Inventar als dessen Ausführung. Die Gedankenentwicklung läuft, dem Vortrag im Wochentakt entsprechend, resümierend voraus und zurück. Das macht die Lektüre gerade anregend im Hin und Her der thematischen Akzentverschiebungen, das schon im beigefügten Jahresrückblick aus der Feder Foucaults selbst einzelne Aspekte heraushebt, andere bereits wieder wegfallen läßt.

Nachdem die Vorlesung "Die Regierung der Lebenden" des Vorjahres 1980/81 noch die Wahrheitsfähigkeit des Subjekts in den christlichen Geständnispraktiken von Beichte, Gewissenserforschung und Gehorsam gegen die befreiende Eigenregulierung des Selbst bei Seneca, Marc Aurel, Epiktet abhob, herrscht im Zyklus "Hermeneutik des Subjekts" eher wieder eine Transversalität der Epochen vor. Ausgangsfeststellung ist für Foucault, daß das uns geläufige Prinzip "Erkenne dich selbst" eine einseitig kognitive Überblendung der viel weiter gefaßten "Sorge um sich selbst" aus dem delphischen Weisheitsfundus darstellt. Der "cartesianische Moment", wie Foucault ihn nennt, habe allein den objektiven Erkenntnisaspekt des subjektiven Zugangs zur Wahrheit herausgegriffen: Daß der Zugang zur Wahrheit dem Subjekt auch Arbeit an sich und Selbstveränderung abverlange, von der philosophischen Übung bis zur christlichen Askese, habe sich allenfalls in der abendländischen Geistlichkeit und deren spirituellen Praktiken gehalten. Nicht die Wissenschaft, stellt Foucault aber sogleich klar, habe den Keil zwischen das Sorge- und das Erkenntnis-Element getrieben, sondern die scholastische Theologie mit ihrem Universalisierungsversuch des Glaubens.

In Platons "Alkibiades", wo Sokrates den jungen angehenden Politiker zur Sorge um sich selbst und nicht bloß um Dinge und Besitzstände ermahnt, findet Foucault einen Grundlagentext seines Themas. Das goldene Zeitalter der Sorge um sich sieht er aber in den ersten beiden nachchristlichen Jahrhunderten gekommen. Sowohl bei Epikur wie in der Stoa wird das Sich-um-sich-selbst-Kümmern nicht mehr als Selbstanalyse in Vorbereitung auf ein politisches Amt verstanden und betrifft auch nicht mehr bloß didaktisch das Jugendalter. In der Ausweitung aufs ganze Leben und der Abkoppelung von jeder politischen Funktion wird die Sorge um sich zum wahren Motor der Selbstbildung und findet so auch ihr ganzes kritisches Potential, indem sie zur fortwährenden Korrektur der eigenen Lebensführung anspornt.

Die unmittelbar daraus entspringende Frage, die dem Vortragenden keinen Augenblick entgeht und immer neu hin und her gewendet wird, ohne zur endgültigen Fixierung zu kommen, ist die des Politischen: die Frage des Verhältnisses zum anderen in der radikalen Selbstpraxis. Gelangt der Vortragszyklus zu keiner abgerundeten Theorie des Politischen aus der Sorge um sich, so läßt er, stets in direkter Nähe zu den Referenztexten, faszinierende Streiflichter auf Einzelaspekte fallen. Daß bei Platon das kathartische und das politische Moment der Selbstkenntnis noch eins sind, ich mich also um mich selbst kümmern muß, um mich überhaupt um die anderen kümmern zu können, und das Heil der Polis dem Staatsmann gleichsam als Belohnung für seine Sorge um sich zufällt, daß in der griechisch-römischen Kaiserzeit Katharsis und Politik sich aber trennen bis zur Verabsolutierung des Selbst als einziges Objekt der Sorge um sich, ist Foucaults Grundhypothese. In Begriffsklärungen wie etwa der zur Idee des "Heils", das fern von der dramatischen Negativspannung von Erlöstsein oder Verderben im Sinne des Christentums in der Antike eine positive Alltagspraxis auf dem Weg in den Zustand der Gelassenheit war, wird jene Hypothese brillant konsolidiert. Auch bei seinen Differenzierungen zum Thema der "Konversion" zwischen Platons "epistrophe" und der christlichen "metanoia" wird Foucault nicht müde, daran zu erinnern, all das sei noch nicht im Stadium der Begrifflichkeit, allenfalls in dem der Gedankenbilder und der geistigen Anschaulichkeit: "Eines Tages wird es notwendig sein, die Geschichte dessen aufzuzeigen, was wir revolutionäre Subjektivität nennen könnten."

Diese Vorsicht rückt Foucaults Ausführungen Lichtjahre von jenen Zeitströmungen ab, die sich als dandyhafte Egozentrik oder subjektivistische Weltflucht in seiner Theorie oft wiederzuerkennen glaubten. Der unreflektiert selbstverliebte Zeitjargon von "zu sich kommen" und "man selbst sein" verstellte nach Ansicht Foucaults gerade den Horizont einer Ethik des Selbst. Eine "Hermeneutik des Subjekts" zielt nicht auf Selbsterfahrungskitsch oder kuschelige Auspolsterung des Ich, sondern auf scharfe und unablässige Wachsamkeit im Ausdeuten der winzigen Wechselfälle, die jeden Tag neu durch ein ganzes Leben gesellschaftlich das Selbst am Selbst reiben. Die ausgezeichnete Übersetzung von Ulrike Bokelmann gibt den Text in aller wünschenswerten Klarheit wieder, ein Namenregister, ein Literaturverzeichnis und eine ausführliche Situierung der Vorlesung von Frédéric Gros konsolidieren den Band in seiner ganzen philosophischen Relevanz.

JOSEPH HANIMANN

Michel Foucault: "Hermeneutik des Subjekts". Vorlesung am Collège de France 1981/82. Aus dem Französischen von Ulrike Bokelmann. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2004. 694 S., geb.

© Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt.
Servicehotline
089 - 70 80 99 47

Mo. - Fr. 8.00 - 20.00 Uhr
Sa. 10.00 - 20.00 Uhr
Filialhotline
089 - 30 75 75 75

Mo. - Sa. 9.00 - 20.00 Uhr
Bleiben Sie in Kontakt:
Sicher & bequem bezahlen:
akzeptierte Zahlungsarten: Überweisung, offene Rechnung,
Visa, Master Card, American Express, Paypal
Zustellung durch:
1 Mängelexemplare sind Bücher mit leichten Beschädigungen, die das Lesen aber nicht einschränken. Mängelexemplare sind durch einen Stempel als solche gekennzeichnet. Die frühere Buchpreisbindung ist aufgehoben. Angaben zu Preissenkungen beziehen sich auf den gebundenen Preis eines mangelfreien Exemplars.

2 Diese Artikel unterliegen nicht der Preisbindung, die Preisbindung dieser Artikel wurde aufgehoben oder der Preis wurde vom Verlag gesenkt. Die jeweils zutreffende Alternative wird Ihnen auf der Artikelseite dargestellt. Angaben zu Preissenkungen beziehen sich auf den vorherigen Preis.

4 Der gebundene Preis dieses Artikels wird nach Ablauf des auf der Artikelseite dargestellten Datums vom Verlag angehoben.

5 Der Preisvergleich bezieht sich auf die unverbindliche Preisempfehlung (UVP) des Herstellers.

6 Der gebundene Preis dieses Artikels wurde vom Verlag gesenkt. Angaben zu Preissenkungen beziehen sich auf den vorherigen Preis.

7 Die Preisbindung dieses Artikels wurde aufgehoben. Angaben zu Preissenkungen beziehen sich auf den vorherigen Preis.

10 Ihr Gutschein AUDIOZEIT15 gilt bis einschließlich 14.04.2020 und nur für die Kategorie Hörbuch Downloads und Hörbuch CDs. Der Gutschein kann mehrmals eingelöst werden. Sie können den Gutschein ausschließlich online einlösen unter www.hugendubel.de. Der Gutschein ist nicht mit anderen Gutscheinen und Geschenkkarten kombinierbar. Eine Barauszahlung ist nicht möglich. Ein Weiterverkauf und der Handel des Gutscheincodes sind nicht gestattet.

12 Ihr Gutschein RABATT40 gilt bis einschließlich 11.04.2020. Sie können den Gutschein ausschließlich online einlösen unter www.hugendubel.de. Keine Bestellung zur Abholung in der Buchhandlung möglich. Der Gutschein gilt nur auf das Gravitrax Starterset (EAN: 4005556275908) und "Create Verrückte Weltreise" (EAN: 4005556008056) und nur solange der Vorrat reicht. Der Gutschein ist nicht mit anderen Gutscheinen und Geschenkkarten kombinierbar. Eine Barauszahlung ist nicht möglich. Ein Weiterverkauf und der Handel des Gutscheincodes sind nicht gestattet.

* Alle Preise verstehen sich inkl. der gesetzlichen MwSt. Informationen über den Versand und anfallende Versandkosten finden Sie hier.