Die Lüge

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Ein virtuoser Roman über einen Jungen, der in Russland bei einem homosexuellen Paar aufwächst
Mikita wird nach dem Tod seiner Mutter von ihrem Bruder adoptiert, er ist fünf Jahre alt. Mit Slawa und dessen Partner Lew genießt er eine fröhliche Kindheit … weiterlesen
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Produktdetails

Titel: Die Lüge
Autor/en: Mikita Franko

ISBN: 3455013678
EAN: 9783455013672
Übersetzt von Maria Rajer
Hoffmann und Campe Verlag

3. Mai 2022 - gebunden - 382 Seiten

Beschreibung

Ein virtuoser Roman über einen Jungen, der in Russland bei einem homosexuellen Paar aufwächst
Mikita wird nach dem Tod seiner Mutter von ihrem Bruder adoptiert, er ist fünf Jahre alt. Mit Slawa und dessen Partner Lew genießt er eine fröhliche Kindheit. Aber mit der Einschulung beginnt das Versteckspiel, das Lügen. Wenn Besuch kommt, müssen Fotos weggeräumt, in Aufsätzen müssen Dinge verschwiegen oder erfunden werden, und Mikita schlagen Vorurteile entgegen. Er verliert seinen Frohsinn, wird wütend, aggressiv, depressiv.
Erst die Freundschaft mit einem Jungen aus dem Waisenhaus beruhigt ihn. Und dann merkt er, dass er sich zu Jungs hingezogen fühlt. Ausgerechnet! Er beschuldigt sich, zum Beweis für die Propaganda geworden zu sein, die behauptet, gleichgeschlechtliche Paare würden homosexuelle Kinder großziehen. All seine Versuche, sich in Mädchen zu verlieben, scheitern. Es wird noch dauern, bis Mikita Frieden mit sich selbst und seiner Sexualität findet.
Die Lüge ist ein ausgesprochen unterhaltsames Debüt, schnörkellos und am Puls der Zeit.

Portrait

Mikita Franko wurde 1997 in Pawlodar, Kasachstan, in eine Familie geboren, die seit Generationen Ärzte hervorbringt. Im Alter von drei Jahren hat er lesen gelernt, mit vier schreiben. Seither liest und schreibt er. Franko hat das Medizinstudium schnell an den Nagel gehängt und versteht sich als Akyn, als einen kasachischen Volksdichter, der politische Themen verhandelt. Er sagt von sich selbst, er ertrage keine Langeweile, was ihn zwinge, sich dauernd etwas einfallen zu lassen. Er schreibt über alles, was er sieht. Zurzeit lebt Mikita Franko in Moskau.

Pressestimmen

»Eine charmante und sehr zeitgemäße Erinnerung daran, dass ein Kind auch zwei Väter haben kann.« Konstantin Kropotkin, -

»Ein erstaunliches Buch!« Leonid Parfenow, -

»Ich bin süchtig nach Mikita Frankos Roman über einen Jungen, der in einer russischen Kleinstadt mit zwei Vätern aufwächst. So ein herrliches Buch!« Olga Zilberbourg, -

»Die Figuren, die Franko entwirft, sind interessant und vielschichtig, seine Sprache, deren Leichtigkeit Maria Rajer gekonnt ins Deutsche übertragen hat, ist mitreißend und unterhaltsam.
« Norma Schneider, taz - die Tageszeitung

»Mit bestechend klarer Sprache und rührender Empathie vermag Franko es, von der ersten bis zur letzten Seite zu fesseln. Ein großer Wurf.


« Marie-Luise Goldmann, Welt am Sonntag

» Die Lüge ist eine beeindruckende Coming-of-Age-Story.
« Sebastian Fischer, dpa

»[...] Und so ist Die Lüge nicht nur ein Roman über das Finden der eigenen, queeren Identität, sondern auch ein Fenster in eine Welt im Verborgenen.
« Nora Karches, DLF Büchermarkt

»Ein brillianter Roman.
« Deutschlandfunk Kultur Lesart

»[D]er Roman des jungen russischen Schriftstellers Mikita Franko [schildert eindringlich], welche Auswirkungen es hat, wenn alternative Lebensentwürfe nur im Verborgenen gelebt [werden] können.
« 3sat "Buchzeit"

»Ein wichtiges Buch über Russland jenseits der Front.
« Meike Schnitzler, Brigitte
Bewertungen unserer Kunden15
Authentisch und berührend
von Blubie - 27.06.2022
Was für ein starker Debütroman des jungen Autors Mikita Franko. Der Klappentext verrät eigentlich schon das Wichtigste. Ein Interview bei queer.de besagt, dass der Autor mit diesem Roman ein wenig seine Vergangenheit verarbeiten wollte - ein trans Junge in Russland. Wie wir aus mittlerweile unzähligen Dokumentationen wissen, hebt sich Russland ganz besonders durch trans- und homophobe Politik hervor. In diesem Buch erzählt rückblickend der Protagonist Mikita davon, wie er als Kind nach dem Tod seiner Mutter von seinem Onkel aufgenommen wird, der in einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft lebt. Dementsprechend gestaltet sich auch der Schreibstil, man erlebt die Geschichte seiner Entwicklung aus der Sicht eines Kindes und später eines Teenagers und das fühlt sich ungemein authentisch an. Dieses Buch beschönigt nichts, überdramatisiert meines Erachtens aber auch nicht. Man ist gefangen in der Erzählung über eine grausame Gesellschaft, Liebe innerhalb der Familie, Alltagsprobleme und Probleme in der Pubertät... und zu keinem Zeitpunkt fragt man sich: Was geht das mich an? Denn blicken wir den Tatsachen ins Auge: Homo- und Transphobie und Probleme der sexuellen Selbstfindung während der Pubertät sind leider keine russlandspezifischen Probleme. Ein extrem berührender und sehr empfehlenswerter Roman, übersetzt von Maria Rajer.
Aktuell und beeindruckend
von Circlestones Books Blog - 26.06.2022
"Und obwohl wir einer normalen Familie immer ähnlicher wurden, beschlich mich das Gefühl, dass irgend etwas nicht stimmte." (Zitat Pos. 324) Inhalt Mikita, doch alle nennen ihn Miki, ist fünf Jahre alt, als seine Mutter stirbt. Sein Onkel Slawa, der Bruder seiner Mutter, ist nur sechs Jahre älter als Miki. Er war schon immer wie ein großer Bruder für ihn und nimmt Miki jetzt auf. Doch Slawa lebt nicht allein, er lebt mit dem Arzt Lew zusammen. So hat Miki eine neue Familie, ohne Mutter, dafür mit zwei Vätern und das darf niemand wissen. Je älter Miki wird, desto mehr bedrückt ihn die Situation und dazu kommen noch seine eigenen Gefühle, die ihn in Verwirrung stürzen. Sein Leben ist plötzlich ein wütendes Chaos und er erkennt sich selbst nicht mehr. Was ist nur mit ihm los? Thema und Genre In diesem modernen Coming-of-Age- und Gesellschaftsroman, der in Russland spielt, geht es um Freundschaft, Familie, Verständnis, Pubertät, Psychologie. Themen sind alle Facetten von Liebe und unterschiedliche Beziehungsformen. Charaktere Mikita verbringt seine Kindheit und Jugend in einer Familie mit zwei Vätern. Zunächst fällt ihm das nicht auf, doch im Schulalter beginnen die mit dieser Situation verbundenen Lügen und Geheimnisse. Dies, in Verbindung mit den Problemen der Pubertät führen zu einem Gefühlschaos zwischen Depression und Aggression. Handlung und Schreibstil Mikita wächst mit zwei Vätern auf und erzählt als Ich-Erzähler. Die Handlung umfasst chronologisch und zeitnah die wichtigen Jahre der Kindheit und Jugend. Ergänzt werden die aktuellen Ereignisse durch Erinnerungen an einzelne, prägende Episoden der frühen Kinderjahre. Die Form des Ich-Erzählens lässt auch Raum für die Schilderung der intensiven Gefühle und Stimmungen, Konflikte und Probleme dieser speziellen Familienform in der unterdrückten Öffentlichkeit des konservativen Russland. Mikita ist ein sympathischer, ehrlicher Erzähler und die Geschichte ist nachvollziehbar. Die Sprache passt zum Alter des Ich-Erzählers und wir glauben ihm. Fazit Ein einfühlsamer Roman zu einem zeitlos aktuellen Thema, geschrieben in der erfrischend direkten, offenen Sprache eines jungen Ich-Erzählers. Eine trotz zahlreicher Konflikte und Probleme sehr positive Geschichte.
Ein Plädoyer für Vielfalt und Akzeptanz
von Natascha Blaess - 09.06.2022
Eine Familie, das bedeutet im besten Fall Geborgenheit und Zusammenhalt. Auch Miki verbindet diese Gefühle mit seiner Familie. Und dennoch muss er lügen, wenn jemand ihn fragt, bei wem er aufwächst. Denn außer seinem Onkel Slawa, bei dem er lebt seit er vier ist und seine Mutter an Krebs verstarb, gibt es auch noch Slawas Lebensgrfährten Lew. Auf Grund der in Russland herrschenden Homophobie muss Mikis Familie eine Lüge leben. Sowohl die Beziehung der beiden Männer leidet darunter als auch Miki, der ständig Angst haben muss, sich zu verraten und damit seinen Eltern weggenommen zu werden. Es fällt ihm schwer, Menschen an sich heranzulassen und er bleibt oft ein Außenseiter, der sich seinen eigenen Weg suchen muss. Mit dem strengen Lew gibt es häufiger Konflikte, die sogar zu Misshandlungen führen, woran die Familie einmal fast zerbricht. Auch Miki hat mit seinen eigenen Aggressionen zu kämpfen, fühlt sich in der Zeit seines Heranwachsens oft allein und unverstanden und findet doch in seinem Zuhause immer wieder einen Hafen, der ihm Kraft gibt. Letztlich ist der Zusammenhalt zwischen den dreien stärker und sie bieten der oft feindlichen Welt die Stirn. Franko hat einen mutigen Roman geschrieben, in dem es um Familie in all ihren Facetten und mit all ihren Schwächen geht. Deswegen kann meine Meinung nach jede*r etwas aus dieser Erzählung mitnehmen. Deutlich wird auch, wie vergiftend die Queerfeindlichkeit der Umgebung sich auf Miki und seine Väter auswirkt, wie ein ganzes System sich dadurch schwächt, dass es Menschen ausgrenzt und vorverurteilt. Ich habe unheimlich mit Miki gefühlt und habe es bewundert, wie die kleine Familien die mitunter riesigen Hürden nimmt, die ihnen gestellt werden. Ein Roman, der mich absolut begeistert hat. Ein eindringlicher Aufruf zu Akzeptanz und Menschlichkeit. Übersetzt von Maria Rajer.
Jahreshighlight
von Anonym - 18.05.2022
Miki erinnert sich nicht mehr genau an seine Mutter, denn sie starb als er noch ziemlich klein war. Sein Onkel Slawa und dessen Partner Lew sorgen seitdem dafür, dass er behütet und geliebt aufwächst. Doch dass Miki zwei Väter hat, muss außerhalb der Familie ein Geheimnis bleiben und so frisst sich diese Lüge immer tiefer in ihn hinein, während er gleichzeitig versucht sich als introvertierter Junge im vor toxischer Männlichkeit überquellenden russischen Klassenzimmer nicht selbst zu verlieren. Erst die Freundschaft zu einem Jungen aus dem Kinderheim scheint Mikis Abwärtsspirale aus Hass, Gewalt und völliger Leere stoppen zu können. Als er aber anfängt sich zu Jungs hingezogen zu fühlen, versucht er sich verzweifelt in Mädchen zu verlieben, um auf keinen Fall ein Paradebeispiel für die Aussagen russischer Propaganda zu sein, die behaupten gleichgeschlechtliche Paare würden ihre Kinder homosexuell machen. Um es vorwegzunehmen, dieses Buch ist ein Jahreshighlight, ein Buch das ich am liebsten garnicht mehr aus der Hand gelegt hätte und ein Buch, für das ich kurzfristig meine restlichen Lektüren ignoriert habe. Die Lüge begann als häppchenweise hochgeladene Beiträge auf dem Blog des Autors, den er begann um während einer Depression seine Gefühle und Probleme zu verarbeiten. Mikita Franko mischt Fiktion mit eigenen Erfahrungen und autobiografischen Elementen. Direkt und unglaublich mitreißend schreibt er über das Erwachsenwerden eines Teenagers in einer queeren Familie und einem queerfeindlichen Russland, schreibt über Diskriminierung, über Selbsthass, über Gewalt gegenüber sich selbst und anderen, über mentale Gesundheit, über Selbstfindung und die Liebe. Franko erschafft einen Coming-off-Age Roman, von dem er selbst sagt, dass er ihn geheilt hat und von dem ich behaupte, dass er noch vielen jungen (und auch älteren) Menschen Halt geben kann.
Heimlich mit zwei Vätern aufwachsen in Russland
von Lia48 - 17.05.2022
Auch meine Ängste waren nicht sehr kindlich. Wenn es an der Tür klopfte, hatte ich Angst, dass man mich holen kam. Dass ich mich doch verplappert und es nicht gemerkt hatte. Dass jemand über meine Familie Bescheid wusste, als stünde mir auf der Stirn geschrieben: Ich habe zwei Väter. INHALT: Nach dem frühen Krebs-Tod seiner Mutter, wächst der 5-jährige Mikita bei seinem Onkel Slawa und dessen Lebenspartner Lew auf. Slawa, ein lockerer Typ, Grafikdesigner und Künstler, kommt ihm über die Kunst näher: Zusammen besuchen sie Museen, Theater- und Ballett-Vorstellungen und er lehrt ihm das Zeichnen. Die Vaterrolle einzunehmen, fällt ihm jedoch nicht einfach. Schließlich haben sie bis vor Kurzem noch gemeinsam die Nächte vor dem Fernseher verbracht. Mit Mitbewohner Lew hat Miki, wie der Junge von allen genannt wird, so seine Probleme. Denn dieser ist streng, achtet auf ein tadelloses Benehmen und verbietet ihm gefühlt alles, was Spaß macht. Doch bei einem Erste-Hilfe-Einsatz wird er für den Jungen zum Helden. Miki wundert sich, dass die beiden Männern im selben Bett schlafen. Er war sich bisher sicher, dass Liebe lediglich zwischen Frau und Mann existiert. Schließlich kannte er das aus Filmen und Büchern auch so. Doch seine neuen Eltern - Slawa und Lew - sind schwul. Ein Geheimnis, welches in der russischen Kleinstadt nicht nach außen dringen darf. Homosexuelle Paare dürfen hier keine Kinder adoptieren und werden mit Vorurteilen und Homophobie konfrontiert. Slawa könnte das Sorgerecht verlieren. Nach und nach beginnt Mikitas Weltbild zu bröckeln. Er erkennt, dass seine Familie anders ist. Du darfst niemandem erzählen, wie wir leben. Doch wie soll er das für sich behalten? Schließlich darf man doch nicht lügen! Warum müssen wir uns verstecken wie Verbrecher? MEINUNG: Von Anfang an schließt man Miki ins Herz, von Seite zu Seite immer mehr. Er hat es nicht einfach in seinem jungen Leben. Die Mutter ist verstorben, der Vater hat sich schon früh aus dem Staub gemacht. Und von seiner neuen Familie darf er nichts erzählen. Doch wie soll man mit 5/ 6 Jahren verstehen, warum es notwendig ist, seine Familie zu verleugnen? Wie soll man so ein großes Geheimnis nur für sich behalten, ohne sich in der Schule oder bei Freunden zu verplappern? Damit belastet man ein Kind ungemein. Und auch Miki tat mir unglaublich leid. Niemand sollte sich nach außen hin verstellen müssen, schon gar kein Kind. Und keine Lebens - oder Familienform sollte verboten, diskriminiert, verachtet, oder bestraft werden! Immer wieder erschreckend und traurig, wie viele Vorurteile und Stigmatisierung es noch gibt! Mich hat an dem Buch vor allem die Rolle des Kindes interessiert. Welche Gedanken ihm im Kopf herumschwirren, mit welchen Gefühlen es sich auseinandersetzen muss. Wie Miki das alles meistert. Und wie lange er das alles wirklich geheim halten kann Tatsächlich wird dies im Buch sehr viel ausführlicher thematisiert, als ich es erwartet hatte. Und die Handlung bezieht sich hauptsächlich auf die Zeit der Kindheit. Doch ich empfand sie als sehr authentisch dargestellt, weshalb ich sie interessiert verfolgt habe. Mikis chaotische Gefühlswelt und sein Weg zu sich selbst, stehen im Mittelpunkt und wurden sehr eindrücklich beschrieben. Diese unglaubliche Wut, die er so oft in sich trägt, all den Hass, die Aggression und die Depression werden beim Lesen regelrecht spürbar, was für den/ die Leser*in nicht immer einfach auszuhalten ist. Es zeigt, was Homophobie, bzw. die Belastung durch ein solches Doppelleben, bereits bei einem jungen Menschen anrichten kann (TW: lebensmüde Gedanken, Depression, Homophobie). Ein eindrücklicher Coming-of-Age-Roman! Lediglich der Klappentext verrät meiner Meinung nach zu viel. Also entweder ihn ignorieren, oder wieder vergessen! FAZIT: Für mich ist dies ein sehr gelungener, eindrücklich und authentisch geschriebener Coming-of-Age-Roman über die Kindheit, die Gefühlswelt, die Suche nach sich selbst und das Aufwachsen in einer Regenbogenfamilie in Russland aus Kindersicht. Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung! 4,5/5 Sterne! ZUSATZ-INFO: Seit 2013 besteht in Russland das Verbot von Propaganda von nicht-traditionellen sexuellen Beziehungen gegenüber Minderjährigen . Bei öffentlichen Bekenntnissen drohen Geldstrafen & Haft. Positive Berichterstattungen über Homosexualität sind verboten. LGBTQ stoßen daher auf starke Feindseligkeit & Stigmatisierung. Das Gesetz hindert Kinder und Jugendliche am Zugang zu grundlegenden Informationen und psychologischen Beratungsangeboten. In Russland durfte Die Lüge nur für ab 18-Jährige erscheinen.
von Marina D. - 03.05.2022
Die Lüge ist ein aufrüttelndes Buch. Eins, das zeigt, wie viel noch zu tun ist und wie wichtig Familie sein kann - aber auch, mit was für einer Verantwortung sie einhergehen kann. Der introvertierte, ruhige Mikita wächst in Russland auf. Ein Land, in dem Beleidigungen gegen Homosexuelle weniger bestraft werden, als Homosexuell zu sein. Als seine Mutter stirbt, adoptiert dessen Bruder sie. Mit dem liebevollen Slawa und seinem perfektionistischem Freund genießt Mikita eine schöne Kindheit. Bis es dann zur Einschulung geht. Plötzlich lernt Mikita, dass es wohl nicht okay ist, sich öffentlich Homosexuell zu zeigen, obwohl er doch bisher nie ein Problem darin gesehen hat. Die Überforderung kommt schnell, denn das Versteckspiel ist aufwühlend und fordert viel. Aufsätze in der Schule müssen mit größter Vorsicht geschrieben werden, in Gesprächen mit Freund*innen muss auf jedes Wort geachtet werden und Besuch ist selten möglich, vorher müssen außerdem alle Regenbogenflaggen versteckt werden. Irgendwann fühlt Mikita nur noch Leere, die nur von dieser rasenden Wut abgelöst wird. Wut, über die er mit niemandem sprechen kann. Und dann merkt er, dass auch er kein wirkliches Interesse an Mädchen hat, was seinen Selbsthass noch mehr pusht. Es dauert einige Zeit, bis er das akzeptieren kann. "Damals verstand ich den Ernst der Lage noch nicht ganz. Mir war nicht vollkommen klar, warum es so wichtig war, uns nicht zu outen. Ich verhandelte ständig mit meinem Gewissen, nach dem Motto: Wenn ich nur jedem erzähle, wie cool sie sind, wird schon alles gutgehen." Was für eine krasse Geschichte. Mikita tat mir auf jeder Seite so unendlich leid. Mich hat es sehr bewegt, so eine Geschichte mal aus der Sicht eines Kindes zu erleben. Ein Kind, das nie gelernt hat, dass Homosexualität etwas verkehrtes ist und das einfach nur in Ruhe leben möchte. Natürlich musste er in dieser Situation viel zu schnell erwachsen werden. Seine kindlichen Gedanken sind aber häufig eingeflossen und haben die ganze Situation noch packender für mich gemacht. "Die Kindheit ist so schön und herzlos zugleich" Mikitas Gefühle sind dabei so eindrücklich beschrieben, so greifbar. Seine Depressionen, sowieso seine Aggressionen sind durchgängig spürbar und tun fast schon weh. Seid also ein bisschen vorsichtig beim Lesen, das Buch ist keine leichte Kost. "Nach einer langen Pause sagte Slawa etwas, das mir für immer im Gedächtnis geblieben ist: »Ich bin diese verfluchte russische Wahl zwischen Gewalt und Gewalt so leid. Hier bleibt selbst den Kindern nichts, als sich ihre Henker auszusuchen." Natürlich kommen auch Slawa und Lew nicht zu kurz. Ihre Beziehung hat mich total begeistert, auch wenn man immer nur Momente von ihnen mitbekommt. Vor allem die Stärke, die sie zum Teil wohl auch für Mikita aufbringen, hat mich berührt. Slawa und Lew nehmen Vaterrollen an, natürlich kann Mikita in der Öffentlichkeit nicht beide so nennen. Während Slawa sehr liebevoll, oft auch zu locker und gerade zu Beginn eher wie ein großer Bruder mit Mikita umgeht, greift Lew schnell hart durch. Der Arzt hat hohe Ansprüche und die Situation Zuhause eskaliert nicht nur einmal. "Damals spürte ich zum ersten Mal, dass Erwachsene nicht immer ein Garant für Sicherheit sind. Dass sie nicht allmächtig und weise sind. Und dass sie, wenn sie es nicht für nötig halten, dich kleines Wesen vor überhaupt nichts schützen." Der Schreibstil von Mikita Franko gefällt mir sehr gut. Schnörkellos, aber genau ins Herz. Ich mag diese direkte Art einfach und bin nur so durch die Seiten geflogen (Solange ich durch den Tränenschleier lesen konnte) Von mir eine große Empfehlung, ich habe das Buch in kürzester Zeit verschlungen und dann erstmal einige Leute vollgequatscht. Dieses Buch löst so viel aus und öffnet interessante Diskussionen.
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