Wer hat sich nicht schon einmal gewünscht, eine Entscheidung rückgängig machen oder einen besonderen Moment noch einmal erleben zu können? Also ich schon! Mitch Albom greift diesen Gedanken in seinem Roman Noch einmal, für immer auf und entwickelt daraus eine ebenso ungewöhnliche wie berührende Geschichte über die Liebe, das Schicksal und die Frage, ob eine zweite Chance tatsächlich immer die bessere ist.
Alfie ist gerade einmal acht Jahre alt, als er entdeckt, dass er über eine außergewöhnliche Gabe verfügt: Er kann nahezu alles, was er tut, ein zweites Mal versuchen. Missgeschicke, falsche Entscheidungen oder unangenehme Situationen lassen sich auf diese Weise ungeschehen machen. Allerdings gibt es eine entscheidende Einschränkung: Was beim zweiten Versuch geschieht, ist endgültig. Als Alfie erwachsen wird und Gianna kennenlernt, die Liebe seines Lebens, muss er erkennen, dass sich längst nicht alles nach seinen Vorstellungen korrigieren lässt. Vor allem dann nicht, wenn das Herz mitentscheidet.
Mich hat die Grundidee dieses Romans sofort fasziniert. Mitch Albom versteht es einmal mehr, große Lebensfragen in eine scheinbar einfache Geschichte einzubetten. Sein Schreibstil ist warmherzig, leicht und angenehm, gleichzeitig aber auch tiefgründig und inspirierend. Besonders gefallen hat mir, dass er philosophische und spirituelle Gedanken ganz selbstverständlich einfließen lässt, ohne dabei belehrend zu wirken. Immer wieder habe ich mich beim Lesen gefragt, wie ich selbst mit einer solchen Gabe umgehen würde. Und ob es nicht gerade unsere Fehler und Umwege sind, die uns zu den Menschen machen, die wir heute sind.
Auch das Cover finde ich ausgesprochen gelungen. Die sanften Pastelltöne verleihen ihm eine beinahe verträumte Atmosphäre. Besonders ausdrucksstark ist die Spiegelung der Figur, die das zentrale Thema des Romans wunderbar aufgreift: die Möglichkeit, einen eingeschlagenen Weg noch einmal zu gehen. Eine schlichte, aber sehr wirkungsvolle Gestaltung, die für mich perfekt zur Geschichte passt.
Ganz uneingeschränkt begeistert bin ich allerdings nicht. Gerade zum Ende hin empfand ich die Handlung stellenweise als etwas verwirrend und nicht immer ganz schlüssig. Hier hätte ich mir eine klarere und stimmigere Auflösung gewünscht. Auch an Alboms großartige Werke Dienstags bei Morrie und Der Stundenzähler reicht dieser Roman für mich nicht ganz heran.
Dennoch habe ich Noch einmal, für immer sehr gerne gelesen. Es ist eine fantasievolle, gefühlvolle und nachdenklich stimmende Geschichte, die uns daran erinnert, dass nicht jede Entscheidung perfekt sein muss und sich die wirklich wichtigen Dinge im Leben ohnehin nicht beliebig wiederholen lassen.
Mein Fazit: Ein herzerwärmender Roman mit einer originellen Grundidee, viel Gefühl und einer wertvollen Botschaft. Wer außergewöhnliche Geschichten über die Liebe, das Leben und zweite Chancen mag, sollte dieses Buch unbedingt lesen. Von mir gibt es trotz kleiner Schwächen eine Leseempfehlung!