Superbusen

Roman. 4. Auflage.
Buch (gebunden)

»Paula Irmschler lesen ist wie Saufen mit der besten Freundin, aber ohne Kater. Magisch.« Margarete Stokowski

Gisela zieht nach Chemnitz, um neu anzufangen. Die Stadt ist für die Anfang zwanzigjährige ein Versprechen. Endlich studieren, sich finden, w

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Produktdetails

Titel: Superbusen
Autor/en: Paula Irmschler

ISBN: 3546100018
EAN: 9783546100014
Roman.
4. Auflage.
Claassen-Verlag

31. März 2020 - gebunden - 320 Seiten

Beschreibung

»Paula Irmschler lesen ist wie Saufen mit der besten Freundin, aber ohne Kater. Magisch.« Margarete Stokowski

Gisela zieht nach Chemnitz, um neu anzufangen. Die Stadt ist für die Anfang zwanzigjährige ein Versprechen. Endlich studieren, sich finden, weg von der Familie und all den anderen Menschen, die sie nicht versteht und die sie nicht verstehen. Ihren Körper und ihre Gedanken aber nimmt sie mit. Doch in Chemnitz gibt es die Freundinnen, die die Welt nicht so akzeptieren wollen wie sie ist. Zusammen gehen sie auf Demonstrationen, betrinken sich, versuchen, über die Runden zu kommen und gründen eine Band: Superbusen. Bei ihren Konzerten entdecken sie das erste Mal das Konstrukt Ost und West, was sie als Frauen zusammenhält und trennt und die Macht der Musik.

Mit Witz und Präzision erzählt Paula Irmschler in ihrem Romandebüt davon, was es bedeutet, sich von der eigenen Geschichte abzunabeln. Von der Verwundbarkeit des eigenen Körpers, von der Liebe, von Zuhause, von Lebensplänen, die häufig nur aus Warten bestehen, von der Kraft von Freundschaften. Und vor allem erzählt sie eine andere Geschichte von Chemnitz, eine Stadt, die wir so ganz anders kennen. In diesem Buch ist Chemnitz ein Sehnsuchtsort. Mutig, einzigartig, fantastisch.

»Superbusen ist der Poproman, den man nicht mehr für möglich gehalten hatte. Referenzreich, entertaining und wahrhaftig.« Linus Volkmann

Portrait

Paula Irmschler, 1989 in Dresden geboren, zog 2010 für ihr Studium nach Chemnitz. Nach fünf mehr oder weniger erfolgreichen Jahren ging sie nach Köln, arbeitete dort als Garderobiere und schrieb eine Kolumne für »Intro« . Seitdem veröffentlichte sie Texte in »Jungle World«, »Missy Magazine« , laut.de, »Musikexpress« , »Jolie« und hat seit 2017 eine Kolumne bei »Neues Deutschland«, in der sie meist über feministische Themen schreibt. Im Herbst 2018 wurde sie bei TITANIC als Redakteurin eingestellt und konnte ihren Garderobenjob endlich an den Bügel hängen.

Leseprobe

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Pressestimmen

"Ein mitreißendes, ein stellenweise sehr komisches, ein zärtliches Debüt, das wahrhaftig vom Leben in gegenwärtigen Zeiten erzählt." MDR Kultur

"Der Roman macht wahnsinnig gute Laune: das Popbuch der Stunde - und zum Glück noch mehr." Volker Weidermann, Spiegel Online

Eines der besten literarischen Debüts dieser Saison. Überraschend, überzeugend, überwältigend. Julia Encke, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung

"ein großartiger, zeitgemäßer, unbedingt notwendiger Roman" Volker Weidermann, Spiegel Online

"Humor strömt aus jeder Seite ihres Buchs. Nicht in Form von 'brüllend komisch', sondern von ironisch. Superbusen erzählt die unerträgliche Schwere des Seins in Deutschland." taz

Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung vom 14.07.2020

Umgegenderte Brachialbeschimpfung
Paula Irmschlers Debütroman "Superbusen" spielt im Antifa-Milieu zwischen Chemnitz und Berlin

Es kann schnell gehen mit der Nostalgie. Wenn in Paula Irmschlers Flatterpunk-Debütroman während einer Autofahrt von Chemnitz nach Marburg "die Fanta-Korn-Mische" die Runde macht, mag man selig an sorglose Kontaktzeiten denken: dieselbe Flasche, von Mund zu Mund. Die Gerührtheit trügt auch nicht, hat aber noch einen weiteren Grund: Nostalgie ist eine Hauptingredienz dieses Buches, und zwar gebrochene Nostalgie, denn die namenlose, nach einem Wodka-Getränk ironisch Gisela genannte Heldin weiß zwar, dass sie als Endzwanzigerin die ohnehin schon weitgedehnte Adoleszenzphase - Abhängen, Saufen, Pseudostudieren, Jobben, Nicht-Abhänger für "Erwachsene" Halten - allmählich hinter sich lassen sollte, und das nicht nur, weil es die Gesellschaft von Endzwanzigern so erwartet, aber sie hat einfach noch keinen Zugang zur Zeit danach gefunden.

Links sozialisiert, und zwar in der pragmatischen Antifa-Variante ("Wir waren nicht antiintellektuell, wir hatten nur immer anderes zu tun"), ist sich die Heldin sicher, dass Karriere lediglich etwas für "Anzugheinis" ist und Sitzplatzreservierungen im Zug "nur Arschlöcher machen". Gisela hält ein Studentenzimmer in einer ihr fremd gewordenen WG in Chemnitz, ist aber längst nach Berlin geflohen und in eine unverbindliche Problembeziehung mit dem wortkargen Paul geschlittert: "Nicht mehr hier sein, darum ging es. Dass dann woanders ein ,hier' werden würde, hatte ich wohl nicht auf dem Schirm. Wow, ganz schön was wegreflektiert in zwei Zigaretten." Deutlich ist das Bedürfnis, irgendwo anzukommen, doch sieht Gisela sich immer wieder zurückgeworfen auf die eigene Ambitionslosigkeit und eine latente Selbstverachtung, weniger wegen ihres Übergewichts als wegen ihrer Unfähigkeit, diese Nichterfüllung der Norm in positive Energie umzumünzen.

Eine Demonstration - es geht um den Aufmarsch Tausender Rechter im September 2018 - ist ein willkommener Anlass, die alten Freunde wiederzusehen, und so begibt sich die wie die Autorin aus Dresden stammende Ich-Erzählerin noch einmal nach Chemnitz: "Man ist so verdammt schnell immer wieder in Sachsen." Sympathisch wenig Beachtung schenkt das Buch dem Demo-Geschehen und der Hetzjagd-Frage. Wichtiger (und bedeutend unterhaltsamer) ist hier der lange nostalgische Rückblick auf die Jahre, in denen die Erzählerin einige Lebensfreundinnen fand und mit dreien von ihnen, Jana, Fred und Meryam, aus einer Laune heraus die Dilettantenband "Superbusen" gründete, was zu einer chaotischen Konzerttour führte. Erst kurz vor Schluss kehrt die Narration auf die Rahmenebene zurück, auf der die Selbstzweifel weitergehen, aber ebenso das Aufgefangenwerden.

Die Handlung ist also überschaubar. Es passiert aber nicht nur wenig, es wird dieses wenige auch in keiner Weise geöffnet, überhöht, poetisiert oder mit unerwarteter Bedeutung gefüllt. Kurz: "Superbusen" ist ein Dilettantenroman, nur dass das Punk-Konzept in der Literatur nicht so gut funktioniert wie in der Musik. Flott runtergelabert könnte man den Stil nennen, und das ist durchaus positiv gemeint: locker, lakonisch, gut beobachtend ("Männer haben scheinbar nie gelernt, wie man sich eines Pullovers entledigt, ohne sich dabei komplett auszuziehen"), nicht nur wegen der Listen an den gewitzten Plauderton von Blogs erinnernd, aber mit der Zeit eben doch recht eintönig.

Originell ist auch auf inhaltlicher Ebene wenig. Neben langatmigen Beschreibungen von typischen WG-Problemen oder bemühten Bahn-Witzen ("Eine Fahrt wie im letzten Jahrtausend. Kein Strom, kein Kaffee und, wie normal in Deutschland, kein Internetempfang") übt sich die Autorin in Regional-Ethnographie, assoziiert aber dann Köln einfallslos mit Betrunkenen im Karneval und Chemnitz mit Grau. Bei Marburg wird es etwas individueller: "wie die Kulisse einer cooleren Version von Marienhof". Es gibt daneben eine zwar spätestens seit Charlotte Roche nicht mehr sonderlich radikale, aber doch emanzipatorische Aufmerksamkeit für weibliche Körperlichkeit von "Untenrumschmerzen" und Masturbationen ("man könnte es auch wichsen nennen, weil das der treffendere Ausdruck ist") bis zu Rasurverweigerung ("vor allem ein Diktat unter Frauen") und Schwangerschaftsabbruch. Popliteratur könnte das genannt werden, nicht wegen der eher platten Musikreferenzen, sondern wegen der energischen Ausrichtung aufs Hier und Heute. Nur ist die künstlerische Werkhöhe so gering, dass die Bezeichnung wohl doch zu hoch griffe.

Die starken Momente des Buches sind die, in denen Irmschler nahe bei sich und ihrer Generation ist: das Bleiben im Osten, um diesen nicht den Rechten zu überlassen, die kuriosen Rivalitäten innerhalb der Linken, das interesselose Studieren, nur weil man "geil auf das BAföG" war, eine zunehmend verzweifelt wirkende Flucht in die Ironie. Leider kommt etwas hinzu, das sich vielleicht selbst für Feminismus hält, aber doch nur wie Aversion wirkt. Männer, die nicht zur direkten Bezugsgruppe gehören, sind hier so gut wie immer sexistische Anbaggerer, Pöbler, Mobber, Nazis, brüllende Fußballfans, brüllende Zocker, Muskelshirt-Trottel in "motorisierten Pimmeln" oder Homophobe. Sie haben so viel Angst vor Berührungen, dass sie sich nicht einmal zu viert in einen Passbildautomaten wagen, weshalb dann nur einer "seinen hässlichen Pimmel vor der Linse auspackte". Solche Männer mag es geben, aber hier fühlt es sich doch eher an, als wäre man bei Mario Barth gelandet, nur eben in umgegenderter Variante. Trösten dürfen sich Männer allenfalls mit dieser Erkenntnis: "Frauen konnten natürlich auch scheiße sein. Aber das war eher die Ausnahme."

OLIVER JUNGEN

Paula Irmschler: "Superbusen". Roman.

Claassen Verlag, Berlin 2020. 320 S., geb.

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