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Der Freund

Roman. Originaltitel: The Friend. 5. Auflage.
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New York Times-Bestseller und Gewinner des National Book Award

Eine Frau, die um ihren Freund trauert, ein riesiger Hund - und die berührende Geschichte ihres gemeinsamen Wegs zurück ins Leben

Als die Ich-Erzählerin, eine in New York City lebende Schri … weiterlesen
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Produktdetails

Titel: Der Freund
Autor/en: Sigrid Nunez

ISBN: 3351034865
EAN: 9783351034863
Roman.
Originaltitel: The Friend.
5. Auflage.
Übersetzt von Anette Grube
Aufbau Verlag GmbH

21. Januar 2020 - gebunden - 233 Seiten

Beschreibung

New York Times-Bestseller und Gewinner des National Book Award

Eine Frau, die um ihren Freund trauert, ein riesiger Hund - und die berührende Geschichte ihres gemeinsamen Wegs zurück ins Leben

Als die Ich-Erzählerin, eine in New York City lebende Schriftstellerin, ihren besten Freund verliert, bekommt sie überraschend dessen Hund vermacht. Apollo ist eine riesige Dogge, die achtzig Kilo wiegt. Ihr Apartment ist eigentlich viel zu klein für ihn, außerdem sind Hunde in ihrem Mietshaus nicht erlaubt. Aber irgendwie kann sie nicht Nein sagen und nimmt Apollo bei sich auf, der wie sie in tiefer Trauer ist. Stück für Stück finden die beiden gemeinsam zurück ins Leben. Ein Roman über Liebe, Freundschaft und die Kraft des Erzählens -- und die tröstliche Verbindung zwischen Mensch und Hund.

"Auf fast jeder Seite wollte ich mir mehrere Sätze anstreichen, bis ich es irgendwann gelassen habe, man kann ja nicht ein ganzes Buch anstreichen. Es handelt von Freundschaft, Trauer und Schreiben, könnte nicht knapper und eleganter formuliert sein." Johanna Adorján

"Mit "Der Freund" ist Sigrid Nunez über Nacht berühmt geworden als Titanin der amerikanischen Gegenwartsliteratur." The New York Times

"Eine der schwindelerregend genialsten Autorinnen überhaupt." Gary Shteyngart"Nunez erzählt über das Schreiben, das Lesen, die Freundschaft, den Tod und das Leben. Man gleitet durch Nunez' ruhige, weise Sätze und den Raum, den sie dem Leser lässt. Dort ist man ganz bei sich, und neben den vielen Dingen, die dieses Buch einen lehrt, versteht man auch endlich den Hype um den Begriff Achtsamkeit." Jackie Thomae, SZ

"Nunez' Art zu schreiben hat etwas Erhebendes, ihr direkter und entschiedener Stil, die Musikalität in ihren Sätzen und ihre lebenskluge Intelligenz sind beglückend." The New York Times Book Review

Interview

büchermenschen
EXKLUSIV INTERVIEW:
Ein Rettungshund zum Seelentrost

GROSSARTIGE Bücher schreibt die New Yorker Schriftstellerin Sigrid Nunez schon seit Langem, aber nun ist sie "über Nacht berühmt geworden als Titanin der amerikanischen Gegenwartsliteratur" (New York Times): Ihr neuer Roman "Der Freund" ist ein überwältigender Erfolg, eroberte die US-Bestsellerlsiten und wurde mit dem National Book Award 2018 ausgezeichnet. Leser wie du und ich, Schriftstellerkollegen und Kritiker überbieten sich mit Lobeshymnen. "Nunez besitzt ein meisterhaftes psychologisches Gespür" (The New Yorker). Für Gary Shteyngart ist sie "eine der schwindelerregend genialsten Autorinnen überhaupt". Ein facettenreiches, feinfühliges Meisterwerk über die heilsame Kraft, die Mensch und Hund verbindet.

Am Anfang Ihres Romans steht die Erzählerin vor einem Abschied. Wie würden Sie die Ausgangssituation auf den Punkt bringen?
Am Anfang verliert die Erzählerin ihren besten Freund und Mentor, der wie sie Schriftsteller ist und sich für sie völlig überraschend das Leben nimmt. Sie ist in einem Schockzustand, sie ist in tiefer Trauer, und kann darüber hinaus erst einmal gar nichts weiter empfinden.

Portrait

Sigrid Nunez ist eine der beliebtesten Autorinnen der amerikanischen Gegenwartsliteratur. Für ihr viel bewundertes Werk wurde sie mehrfach ausgezeichnet. Für "Der Freund" erhielt sie 2018 den National Book Award und erreichte ein großes Publikum. Sie lebt in New York City.

Pressestimmen

"Nunez, einst Assistentin der Schriftstellerin Susan Sontag, gelingt mit 'Der Freund' große Literatur ... Man muss nicht übertrieben tierlieb sein, um dieses Buch mit großem Gewinn zu lesen." Katharina Stegelmann Der SPIEGEL 20200125

Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung vom 07.03.2020

Mein Freund mit der kalten Schnauze

Die Amerikanerin Sigrid Nunez hat einen hinreißenden Roman über Leben, Sterben und die Tücken der Gegenwart geschrieben.

Von Sandra Kegel

Wenn Lesen die Fähigkeit zur Empathie tatsächlich fördert, wie uns ständig erzählt wird, dann scheint Schreiben sie zu vermindern." Das ist einer dieser Sätze von Sigrid Nunez, die sie wie kleine Bömbchen in ihrem Roman plaziert, der eigentlich ein Brief ist, der Brief an einen Selbstmörder, der am Ende vielleicht gar nicht tot ist, und zugleich eine Reflexion, eine Autofiktion, aber auch Trauererzählung, Literaturbetriebssaga, Hundebuch und Märchen. Beispiele für ihre These findet sie zuhauf: Im Geständnis des Vielschreibers Georges Simenon etwa, der Hass auf die eigene Mutter habe ihn zum Schriftsteller gemacht, oder bei Joan Didion, die meinte: "Schreiben ist ein aggressiver, ja sogar feindseliger Akt", gar "die Taktik eines heimlichen Tyrannen". Oder bei Beckett, der, eines Frühlingsmorgens gefragt, ob er sich an einem so schönen Tag freue, am Leben zu sein, entgegnete: "So weit würde ich nicht gehen."

Ted Bundy war zwar kein Schriftsteller, aber dass der bekannteste Serienmörder Amerikas einst bei einer Selbstmordhotline gearbeitet hat, ist in dieser Recherche so aufschlussreich wie Nunez' eigenes Bekenntnis, in Märchen stets auf Seiten der Hexe zu stehen. Die hätte sich schließlich jahrelang gekümmert: "Es schien nicht fair, dass der erste gutaussehende junge Mann, der zufällig vorbeikam, sie ihr wegnehmen sollte."

Der Freund, von dem in diesem klugen, traurigen, komischen und ergreifenden Buch schon im Titel die Rede ist, meint dabei nicht nur den New Yorker Schriftstellerfreund der Ich-Erzählerin, der hier meist in direkter Rede angesprochen wird und sich unlängst eben das Leben genommen hat. Zum Freund wird außerdem - erst widerwillig, dann herzergreifend real - ein Hund. Kein Schoßhündchen, wie er in eine dieser beengten Wohnungen Manhattans passen würde, sondern eine raumgreifende Dänische Dogge. Apollo, achtzig Kilo schwer und arthritisch, ist tatsächlich das einzige Lebewesen in diesem Roman, das durch einen Namen geadelt wird.

Über den Verlust seines Herrchens, des verstorbenen Autors, schwermütig geworden, wird er zum Objekt einer verzweifelten Bitte, der sich die Erzählerin bald nicht mehr entziehen kann. Die letzte, dritte Ehefrau des Verstorbenen will Apollo nicht behalten, die Tierheime sind überfüllt, und eine Hundepension ist auf Dauer zu teuer, weshalb die Erzählerin sich schließlich breitschlagen lässt, Apollo in ihrer 57-Quadratmeter-Wohnung aufzunehmen. Wider besseren Wissens, denn bald schon steht sie vor dem Dilemma, sich entweder von Apollo zu trennen oder von ihrem günstigen Apartment, in dem Hunde nicht erlaubt sind.

Dabei war der Erzählerin, von Haus aus ein überzeugter Katzenmensch, hündische Devotheit immer suspekt gewesen. Plötzlich aber beginnt sie der kalten Schnauze etwas abzugewinnen und von ihrem Standpunkt immer mehr abzurücken. In kurzen federleichten Episoden wird erzählt, wie da so etwas wie Nähe entsteht zwischen ihr und ihm, zwei Fremden, die irgendwie übriggeblieben scheinen in der lauten, umtriebigen Welt. Die Menage-à-deux ist für beide ungewohnt, irritierend auch, dann wieder zärtlich, fast wie eine Liebesgeschichte. Begleitet wird das von Schubert-Liedern, besonderen Lektüren über Hunde und Menschen sowie Momentaufnahmen aus dem Alltag. Diese vor allem sind es, die das Buch aus dem so beliebten und vielfach bedienten Genre "Hundeerzählung" hervorstechen lassen. So elegant wie beiläufig entwickelt die Erzählerin hieraus Überlegungen zu den großen Fragen unserer Zeit. Wenn sie, aus dem Seminar kommend, die Veränderungen an den Universitäten durch MeToo und Identitätspolitik kommentiert. Sie ist, wie die Autorin Nunez selbst, Lehrerin für kreatives Schreiben in New York. Dem neuen Hang zur Bekenntnisliteratur steht sie skeptisch gegenüber. Sie gehe nie davon aus, dass ein Werk autobiographisch sei, klärt sie einmal einen Studenten auf: "Über wen soll ich denn sonst schreiben?", fragt der irritiert zurück.

Für Toni Morrison war es eine Urheberrechtsverletzung, einer realen Person eine fiktive Figur nachzuempfinden. Bei Nunez, die einst Assistentin von Susan Sontag war und mit deren Sohn liiert, ist es Apollo, der ausgerechnet ein Exemplar von Knausgårds Überwältigungsepos der Selbsterforschung, "Mein Kampf", zernagt. Doch auch die sogenannte Beweisliteratur, wie sie etwa die Nobelpreisträgerin Swetlana Alexijewitsch betreibt, die Stimmen nicht etwa erfindet, sondern aus der Wirklichkeit nimmt und dokumentarisch montiert, wird hinterfragt.

Wie sehr der einst gefeierte, gutaussehende Selbstmörder-Schriftsteller mit dem britischen Akzent gerade in seinen letzten Lebensjahren aus der Zeit gefallen schien, auch das ergründet die Autorin luzide. Er, ein Womanizer, der jeden Seminarraum zum erotischen Spannungsjagdfeld erklärte, ein Egomane, aber auch ein Künstler, fühlte sich fremd in einem Milieu, in dem Studenten persönliche Schwächen und Makel nicht mehr tolerieren.

Dass ein Seminar einstimmig beschließt, Nabokov gehöre auf keine Leseliste mehr, da er ein Snob und Perverser gewesen sei, zählt zu den Auswüchsen dieser neuen Form von Selbstgerechtigkeit. Die Geltungssucht von Schriftstellern zu beklagen, das sei, heißt es an einer Stelle im Roman, als würde man Gewalt bei Boxern kritisieren.

Dass die Fiktion in der Krise sei, befeuert durch die Extrempositionen der biographischen und der dokumentarischen Literatur, ist ein Befund, den man neuerdings häufiger hört. Das Buch von Sigrid Nunez hat den besonderen Reiz, dass sie diese poetologischen Positionen und Diskurse einerseits kenntlich und andererseits große Kunst daraus macht, ganz so wie es in dem Spielfilm "Ist das Leben nicht schön?" (1946) geschah. Darin hält ein Engel den traurigen Helden James Stewart vom Selbstmord ab, indem er ihm zeigt, was für ein großer Verlust es für die Welt gewesen wäre, hätte er nie existiert. Mit "Der Freund" von Sigrid Nunez verhält es sich ganz ähnlich. Denn so ist es nicht gewesen, und doch war es genauso.

Sigrid Nunez: "Der Freund". Roman.

Aus dem Amerikanischen von Anette Grube. Aufbau Verlag, Berlin 2020. 235 S., geb.

© Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt.
Bewertungen unserer Kunden
Wundervoller Roman voller lebenskluger Überraschungen
von Lesendes Federvieh - 11.03.2020
Die Ich-Erzählerin, eine Schriftstellerin, lebt zurückgezogen in einer kleinen Wohnung in New York City. Als ihr bester Freund stirbt, nimmt sie dessen Hund bei sich auf. Doch Apollo ist nicht irgendein Hund, sondern eine achtzig Kilo schwere riesige Dogge. Obwohl der Vermieter keine Hunde duldet, bringt sie es nicht fertig, Apollo seinem Schicksal überlassen. Beide sind in Trauer, doch gemeinsam nähern sie sich Stück für Stück dem Sonnenschein... Der Freund ist ein wundervolles Buch voller schlauer Überraschungen. Lebensklug und unaufdringlich lässt die Ich-Erzählerin Stationen ihres Lebens und Alltags Revue passieren. Sie denkt über Vieles nach und gerade diese Gedankengänge und Überlegungen machen dieses Buch so lebendig und einzigartig. Sie beschäftigt sich mit Freundschaft, Liebe, Literatur - und Apollo. Ich empfinde es wie ein Gespräch oder eine Unterhaltung unter guten Freunden, man kommt vom Hundertsten ins Tausende . Und möchte nicht aufhören zuzuhören, in diesem Fall nicht aufhören zu lesen. Ich kann der Journalistin und Schriftstellerin Johanna Adorján nur zustimmen als sie meinte Auf jeder Seite wollte ich mir mehrere Sätze anstreichen, [...] , mir ging es genauso. Mit ihrer schnörkellosen, klaren und angenehmen Sprache gelingt es Sigrid Nunez ihrer Geschichte eine Leichtigkeit und gleichzeitig eine solche Kraft zu verleihen, dass ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen wollte. Dieser Roman ist wirklich etwas Besonderes, er berührt, zaubert ein Lächeln auf die Lippen und regt zum Nachdenken an. Einfach klasse. Fazit: Ein Freund, genau das ist das Buch auch für mich geworden
Abschied nehmen
von Martin Schult - 06.03.2020
Eine in New York zurückgezogend lebende Schriftstellerin verliert plötzlich ihren besten Freund und Mentor. Er hat für sich den Freitod gewählt, was ihr als zusätzliche Last zur Trauerbewältigung auferlegt wird. Die zurückgebliebene dritte Ehefrau konfrontiert die Schriftstellerin kurz nach dem Tod mit einem angeblichen Wunsch ihres Ehemannes, sie, die Schriftstellerin, solle sich seines Hundes Apollo annehmen. Die Katzenliebhaberin hat bisher noch keine wirkliche Berührung mit Hunden gehabt und dabei auch eigentlich nichts vermisst. Sie nimmt ihn dennoch bei sich auf, was aufgrund seiner Größe, der kleinen Wohnung und dem Haustierverbot durchaus nicht unproblematisch ist... Die in Amerika beliebte Gegenwartsautorin Sigrid Nunez hat für ihren achten Roman Der Freund den National Book Award erhalten, was meine Aufmerksamkeit geweckt hat. Sie erzählt ihre Geschichte in einem aus meiner Sicht durchaus anspruchsvollen und auf diese Art auch fesselnden Schreibstil und thematisiert die Trauerbewältigung. Ihre namenlose Haupt-Protagonistin muss den Schmerz und die hinterlassenen Lücke, die ihr bester Freund hinterlassen hat, überbrücken. Dabei steht ihr die Harlekin-Dogge ihres verstorbenen Freundes zur Seite, die bei ihr eine völlig neue Sicht auf die Welt ermöglicht. Sie sieht in ihm ihren Freund zu dem sie niemals so vor-gedrungen ist, wie sie es gerne gehabt hätte. Es war immer eine Beziehung auf der Freundschaftsebene, aber dadurch auch viel intensiver als die drei Ehen, die er in der Zeit eingegangen ist. Gerade der Punkt des Freitodes kann sie nicht verstehen und lässt in ihr auch immer wieder Zweifel aufkommen, ob sie es nicht hätte verhindern können. Sie flüchtet sich in die Literatur und versucht so zu einer Erklärung und Ruhe zu kommen. Insgesamt ist Der Freund von Sigrid Nunez für mich ein nicht immer einfach zu lesender, aber sehr tiefgehender und berührender Roman. Die erhaltende Auszeichnung hat sich die Autorin aufgrund ihres Erzähltalents redlich verdient, so dass ich das Buch sehr gerne weiterempfehle und mit den vollen fünf von fünf Sternen bewerte. Angehängte Bücher und Autoren einblenden (2)
Abschied nehmen
von Martin Schult - 06.03.2020
Eine in New York zurückgezogend lebende Schriftstellerin verliert plötzlich ihren besten Freund und Mentor. Er hat für sich den Freitod gewählt, was ihr als zusätzliche Last zur Trauerbewältigung auferlegt wird. Die zurückgebliebene dritte Ehefrau konfrontiert die Schriftstellerin kurz nach dem Tod mit einem angeblichen Wunsch ihres Ehemannes, sie, die Schriftstellerin, solle sich seines Hundes Apollo annehmen. Die Katzenliebhaberin hat bisher noch keine wirkliche Berührung mit Hunden gehabt und dabei auch eigentlich nichts vermisst. Sie nimmt ihn dennoch bei sich auf, was aufgrund seiner Größe, der kleinen Wohnung und dem Haustierverbot durchaus nicht unproblematisch ist... Die in Amerika beliebte Gegenwartsautorin Sigrid Nunez hat für ihren achten Roman Der Freund den National Book Award erhalten, was meine Aufmerksamkeit geweckt hat. Sie erzählt ihre Geschichte in einem aus meiner Sicht durchaus anspruchsvollen und auf diese Art auch fesselnden Schreibstil und thematisiert die Trauerbewältigung. Ihre namenlose Haupt-Protagonistin muss den Schmerz und die hinterlassenen Lücke, die ihr bester Freund hinterlassen hat, überbrücken. Dabei steht ihr die Harlekin-Dogge ihres verstorbenen Freundes zur Seite, die bei ihr eine völlig neue Sicht auf die Welt ermöglicht. Sie sieht in ihm ihren Freund zu dem sie niemals so vor-gedrungen ist, wie sie es gerne gehabt hätte. Es war immer eine Beziehung auf der Freundschaftsebene, aber dadurch auch viel intensiver als die drei Ehen, die er in der Zeit eingegangen ist. Gerade der Punkt des Freitodes kann sie nicht verstehen und lässt in ihr auch immer wieder Zweifel aufkommen, ob sie es nicht hätte verhindern können. Sie flüchtet sich in die Literatur und versucht so zu einer Erklärung und Ruhe zu kommen. Insgesamt ist Der Freund von Sigrid Nunez für mich ein nicht immer einfach zu lesender, aber sehr tiefgehender und berührender Roman. Die erhaltende Auszeichnung hat sich die Autorin aufgrund ihres Erzähltalents redlich verdient, so dass ich das Buch sehr gerne weiterempfehle und mit den vollen fünf von fünf Sternen bewerte. Angehängte Bücher und Autoren einblenden (2)
Memoir an einen besten Freund
von Sabine St. - 03.02.2020
Die Ich-Erzählerin hat ihren besten Freund verloren. Er hat Suizid begangen, keinen Abschiedsbrief, aber dafür viele offene Fragen hinterlassen. Die Erzählerin ist in tiefer Trauer, ihr Blick verschwommen vom vielen Weinen. Kennengelernt haben sie sich einst an der Universität. Der Freund war noch sehr am Anfang seiner Professorentätigkeit, die Erzählerin am Ende ihres Studiums. Über Jahrzehnte hielt diese Freundschaft, die abgesehen von einem einzigen Mal keine sexuellen Kontakte zuließ, sondern rein platonischer Natur war. "Es gab eine Zeit - eine lange Zeit sogar, in der du und ich uns fast täglich gesehen haben. Doch während der letzten paar Jahre hätten wir auch in unterschiedlichen Ländern leben können, statt nur in verschiedenen Stadtteilen. Wir hielten überwiegend und regelmäßig Kontakt via E-Mail." Der Verlust des Freundes reißt ein tiefes Loch: "Doch ich muss feststellen, dass du mir umso mehr entgleitest, umso mehr zu einem Hologramm wirst, je mehr die Leute über dich sagen,¿" Beide waren passionierte Schriftsteller, die Erzählerin lässt viele Begegnungen, Gespräche, Meinungsaustausche und fachliche Kolloquien Revue passieren. Beide unterrichteten an der Universität. Es einte sie die Liebe zur Literatur, zum Schreiben. Für Studierende, die ihre Creative-Writing-Kurse nur zum Zeitvertreib besuchten, die wenig belesen waren und denen die wahre Berufung zum Schreiben fehlte, hatten sie nur Spott und Verachtung übrig. Die Erzählerin lässt ihre Gedanken mäandern: Der Verstorbene hatte stets ein reichhaltiges Liebesleben und insgesamt drei Ehefrauen, zu denen die Erzählerin sehr unterschiedliche Verhältnisse hatte. Die Freundschaft überdauerte alle Ehen. Nach der Trauerfeier bittet Ehefrau drei zum Gespräch: "Und du weißt, dass er sich einen Hund zugelegt hat?" Für diesen Hund, eine riesige deutsche Dogge, wird nun eine Bleibe gesucht. Angeblich hat der Ehemann seine Freundin selbst ins Gespräch gebracht, weil sie viel Zuhause, tierlieb und alleinstehend sei. Für die Erzählerin ist dieser Vorschlag eigentlich nicht annehmbar, lebt sie doch in einer kleinen Stadtwohnung, in der zudem Hunde verboten sind¿ Dennoch nimmt sie das stark trauernde Tier in ihre Obhut. "Einem Hund kann man den Tod nicht erklären. Er versteht nicht, dass Daddy nie mehr nach Hause kommen wird. Er hat Tag und Nacht neben der Tür gewartet. Eine Weile hat er nichts mehr gefressen¿" Die Erzählerin fühlt schnell eine innere Verbundenheit zu dem Tier. ("Deinen Hund zu haben ist, als wäre ein Teil von dir hier.") Als einziger im Buch hat der Hund einen Namen: Apollo ist ein sanftmütiger Riese, er würdigt sie zunächst keines Blickes, wirkt apathisch. Die Erzählerin versucht, dem Hund zu helfen, sie nähert sich ihm allmählich an, drängt sich aber nicht auf. Beide machen lange gemeinsame Spaziergänge, respektieren einander. Diese beginnende Zuneigung zweier trauernder Seelen ist anrührend zu lesen, die Zeilen strahlen viel Emotionalität aus. Beide geben sich Wärme und Kraft, sie kommunizieren wortlos und scheinen sich zunehmend zu verstehen und ihre Bedürfnisse zu erkunden. Über dieser beginnenden Freundschaft schwelt das Damoklesschwert der Hausverwaltung. Ihr ist zu Ohren gekommen, dass verbotenerweise ein Hund im Mehrfamilienhaus eingezogen ist und aus "vorübergehend" anscheinend "dauerhaft" wurde. Es ergehen mehrere Mahnungen, die Kündigung droht. Die Erzählerin springt in ihren Erinnerungen. Der Leser lernt viel über das Wesen der Tiere im Allgemeinen ("Sie begehen keinen Selbstmord. Sie weinen nicht. Aber sie können zerbrechen, und sie tun es. Ihre Herzen können brechen, und sie tun es. Sie können den Verstand verlieren, und sie tun es.") und der Hunde im Besonderen. Da das Leben der Erzählerin geprägt ist vom Schreiben und Lehren, bekommt man auch viel vom Literaturbetrieb, den Schreibkursen an der Universität oder auch von Schreibblockaden vermittelt. Es gibt wunderbare Textzitate berühmter Schriftsteller zu entdecken, die teilweise auch kontrovers ausgelegt werden. Apollo leidet offensichtlich an einer Depression. Die Erzählerin bemüht das Internet, Fachliteratur und einen Therapeuten, entwickelt aber ihr eigenes Konzept. Sie kommt zu dem Schluss, dass sie den Hund dazu bringen muss, den Freund zu vergessen und sich in sie selbst zu verlieben. Es ist rührend, wie sie versucht, das Tier mit verschiedenen Musikrichtungen zu erreichen. Man kann mitempfinden, wie die beiden sich gegenseitig im Trauerprozess helfen und sich emotional unterstützen. Die Auseinandersetzung mit der Trauer des Hundes hilft der Erzählerin, ihrer eigenen Trauer zu begegnen. "Trauer kann man nicht zur Eile antreiben". Das muss die Erzählerin erfahren. Man kann sich aber professionelle Hilfe holen. Im Zuge der Trauerarbeit kann man auch eine Schreibblockade überwinden. Ich habe fast den Eindruck gewonnen, dass das vorliegende Buch das Ergebnis dessen sein könnte. Die leuchtenden Farben auf dem Cover sollten nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich hier um einen eher nachdenklichen, intensiven Roman handelt, der einen Trauerprozess von Mensch und Hund beschreibt. Er ist sehr intelligent geschrieben, man möchte viele Textstellen markieren respektive herausschreiben. Man kann sich hervorragend in die Figuren einfühlen. Eine sehr realistische Lektüre, die man jedoch auch am Ende nicht beglückt und erleichtert zuklappt. Aber eine Lektüre, die bereichert, die neue Aspekte eröffnet und vielleicht auch Trauernden eine Stütze sein kann. Denn Trauern und Loslassen gehören zum Leben unabdingbar dazu. "Die Toten halten sich im Konditional auf, in der Zeitform des Nichtwirklichen." Aber sie sind immer da. Sie begleiten uns weiterhin durch unser Leben. Dieser Roman wurde in den USA zum Bestseller und hat den National Book Award gewonnen.
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