GELESEN: Sophie Van der Linden Im Licht der Lofoten
Aus dem Französischen von Valeri Schneider
Erschienen 24.02.2026 bei maneverlag GmbH
119 Seiten mit Lesebändchen
Die Lofoten sind ein magischer Ort. Ich habe sie nur im Sommer kennengelernt. Sie haben mich verzaubert. Die bizarren Berge, die weißen Sandstrände und die Vogelwelt sind von einzigartiger Schönheit.
In diesem schmalen Büchlein erleben wir mehrfach die Lofoten im Winter zu Anfang des vergangenen Jahrhunderts. Zur damaligen Zeit war es eine Ausnahme, wenn eine Frau alleine unterwegs war. Die aus Schweden stammende Malerin Anna Boberg (1874-1935) nahm eine recht beschwerliche Reise auf sich. Zuerst mit dem Zug, dann mit dem Schiff kam sie gerade, als ein Schneesturm tobte, in Svolvaer an. Sie wollte mit ihrem Pinsel die Nordlichter einfangen. Dies war das Ziel ihrer Reisen. Sie erlebt einen entsetzlichen Sturm, welcher sich zu einem Orkan ausweitete. Er weht die Treppe ihrer Hütte weg. Sie selbst setzt sich in ihren Kamin vor lauter Angst. Die Nacht geht vorbei und endlich kann sie sich langsam auf das Malen konzentrieren. Aufräumen, Saubermachen, Ordnen ihrer Malutensilien ist für Anna Boberg eine Zeitverschwendung. Sie möchte ankommen und sofort mit ihrer Passion beginnen. Immer wieder blickt sie zurück auf ihre Zeit in Paris. Sie denkt an Reisen nach Indien und Venedig. Sie macht sich auch Gedanken darüber, dass sie ihren Mann, den Architekten Ferdinand Boberg, mit dem sie gerne zusammen ist, immer wieder für Monate verlässt. Komm nur wieder, sagt er bei einem jeden Abschied.
Anna Boberg fängt die Nordlichter in all ihren Schattierungen ein. Wir erfahren, welche Farben sie benutzt und sind dabei, wenn sie direkt abstrus gekleidet in der Kälte steht. Sie weiß, wie sie aussieht. Ihre Haare sind zerzaust. Sie vermeidet es, in einen Spiegel zu schauen. Nichts ist ihr in diesen Wochen auf den Lofoten so wichtig wie das Einfangen der Natur.
Insgesamt ist dieses Büchlein ein Zeitzeuge. Die Autorin ist dabei in die Rolle der Malerin geschlüpft und erzählt überaus gelungen aus deren Munde. Wenn man sich während oder im Anschluss an die Erzählung die Werke der Anna Boberg im Internet anschaut, kann man feststellen, dass sie eine große Künstlerin war. Boberg hat Strapazen auf sich genommen, die ihresgleichen suchen.
Ich würde sagen, ein gelungenes Buch nicht nur für Freunde der Malerei, der Natur und der Reisen. Die Sprache ist von einer großen Ruhe. Sie spiegelt ausgezeichnet die Situationen.