Deutscher Meister als Buch (gebunden)
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Deutscher Meister

Roman. Ausgezeichnet mit dem Rheingau Literatur Preis 2014.
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Berlin, 9. Juni 1933: Johann Rukelie Trollmann ist ein talentierter, unkonventionell kämpfender Boxer und
charismatischer Publikumsliebling. Er steht im Kampf um die Deutsche Meisterschaft. Seinem Gegner ist er überlegen. Doch Trollmann ist Sinto. SA … weiterlesen
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Produktdetails

Titel: Deutscher Meister
Autor/en: Stephanie Bart

ISBN: 3455404952
EAN: 9783455404951
Roman. Ausgezeichnet mit dem Rheingau Literatur Preis 2014.
Hoffmann und Campe

12. August 2014 - gebunden - 384 Seiten

Beschreibung

Berlin, 9. Juni 1933: Johann Rukelie Trollmann ist ein talentierter, unkonventionell kämpfender Boxer und
charismatischer Publikumsliebling. Er steht im Kampf um die Deutsche Meisterschaft. Seinem Gegner ist er überlegen. Doch Trollmann ist Sinto. SA steht am Ring. Funktionäre und Presse tun alles, um seine Karriere zu zerstören und ihn endgültig auf die Bretter zu schicken.

Stephanie Barts Roman "Deutscher Meister" führt ins Innerste der nationalsozialistischen Machtentfaltung und an ihre Grenzen.

Portrait

Stephanie Bart, geboren 1965 in Esslingen am Neckar, studierte Ethnologie und Politische Wissenschaften an der Universität Hamburg. Seit 2001 lebt sie in Berlin. Für die Arbeit an Deutscher Meister erhielt sie das Stipendium des Deutschen Literaturfonds 2011 und 2012, für den Roman wurde sie mit dem Rheingau Literatur Preis 2014 ausgezeichnet.

Pressestimmen

" Deutscher Meister ist ein spannender, berührender Roman, der eine große, grausame Geschichte erzählt." Hannoversche Allgemeine Zeitung, 12.08.2014

Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung vom 04.10.2014

Ein Roman wie ein Faustschlag

Unglaublich, aber wahr: Stephanie Bart erzählt in "Deutscher Meister" auf großartige Weise die Geschichte des Boxers Johann Rukelie Trollmann, der 1933 im nationalsozialistischen Deutschland um den Titel betrogen wurde.

Von Andreas Platthaus

Stephanie Bart hat sich aufrecht gehalten, seit sie vor vier Jahren wie vom Schlag getroffen wurde. Damals saß die Schriftstellerin im Internetcafé und stieß auf die Nachricht, dass in Berlin ein temporäres Denkmal für Johann Rukelie Trollmann errichtet worden war. Sie wusste nicht, wer das war, aber sie las von zwei Boxkämpfen, die Trollmann im Jahr 1933 absolviert hatte. Einen davon hatte er gewonnen, einen verloren. Das klingt banal, doch das, was Trollmann dabei widerfuhr, war außergewöhnlich: Die Früchte des Siegs wurden ihm gestohlen, und die Niederlage erlitt er unter Kampfbedingungen, die nur geschaffen worden waren, um ihn zu benachteiligen. Denn Johann Rukelie Trollmann war Sinto, und als "Zigeuner" sollte er im nationalsozialistischen Reich nicht Deutscher Meister werden. Stephanie Bart wusste sofort: Das würde der Stoff für ihren nächsten Roman sein. Und er würde "Deutscher Meister" heißen.

So geschah es, aber das Geld für die Arbeit daran musste sich die 1965 geborene Autorin mit Rikschafahren in ihrer Wahlheimatstadt Berlin verdienen, bis sie ein Stipendium des Deutschen Literaturfonds zugesprochen bekam. Wobei das Rikschafahren auch einen werkimmanenten Effekt hatte. Die Romanhandlung spielt sich an Orten ab, die sie mit ihrem Gefährt passiert haben könnte: in der Hasenheide und Kreuzberg, am Schiffbauerdamm, rund um die Gedächtniskirche, quer durch die ganze Hauptstadt.

"Deutscher Meister" umfasst die Zeit vom 27. März bis zum 21. Juli 1933, und was währenddessen politisch geschieht - Boykott jüdischer Geschäfte am 1. April, Bücherverbrennung am 10. Mai, Verbot aller Parteien außer der NSDAP am 1. Juli -, steht hier nur am Rande; das Buch wird zeitlich strukturiert durch vier Boxkämpfe. Doch die Perfidie im Boxsport jener Tage war nicht geringer als die der Politik. Davon erzählt Stephanie Bart.

2009 war ihr erster Roman, "Goodbye Bismarck", erschienen, die - gleichfalls wahre - Geschichte der Verhüllung des gigantischen Hamburger Bismarckdenkmals mit einer Helmut-Kohl-Maske anlässlich der deutschen Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990. Gegenüber "Deutscher Meister" war das ein Halbschwergewicht der deutschen Literatur, doch lässt einiges in diesem Debüt schon das kommende Buch vorausahnen: die Einarbeitung zeitgeschichtlicher Ereignisse, die lebendigen Dialoge, ein poetisches Pathos und vor allem die Fixierung auf ein für die Handlung zentrales Datum, das dann im Boxerroman der 9. Juni 1933 sein wird, der Tag des Titelkampfs von Trollmann. Die Schilderung dieser zwölf Runden in der Kreuzberger Bockbierbrauerei umfasst bei Bart hundert Seiten, mehr als ein Viertel des ganzen Buchs.

Wir bekommen diese reichliche Dreiviertelstunde, in der Trollmann sich zum Deutschen Meister macht, ohne es zu werden, wie in Zeitlupe vorgeführt. Aber keineswegs gemächlich, sondern mit Schilderungen wie der folgenden: "Seine Beine waren wie Sprungfedern aus Stahl, er hielt die Kraft zurück für die Schläge, zackzack, angestoßen vom Boden, eine pfeilgerade Linke in die Mitte der Stirn, das Schmatzen des Leders auf Vaseline, die Hi-Hat des Faustkampfs, Witts Linke nach oben, eine gerade Rechte auf den freiwerdenden Unterkiefer, die kleine Trommel über dem Bass, der Bass, das Treten der Füße auf die Bretter, die Schritte auf Holz, gedämpft durch den Ringbelag, der Resonanzraum unter dem Ring, darüber die Schläge, die schnellen Hände, links-rechts, zwei Schläge wie einer, zackzack, Schwung mit dem Oberkörper, Schritt zur Seite, Witts Konter in die Luft, raus aus der Reichweite, auf der Stelle von einem Bein ins andere, wippend, pendelnd, Bishop: ,Ah, jetzt holt er seine Rechte raus!', sich aufrichtend, fußwechselnd, Plaschnikow: ,Och je, der arme Witt!'" Hier ist der Satz zu Ende, die Kampfschilderung aus der dritten Runde ist es noch lange nicht.

Nur ein Detail neben all den anderen: Wie Stephanie Bart in diesem Satz mit Hi-Hat, kleiner Trommel und Bass ein Metaphernfeld aufbaut, das ein Instrument in unserem Kopf entstehen lässt, aber nie explizit genannt wird: Schlagzeug. Doch die Semantik dieses Begriffs bestimmt unterschwellig die Lektüre.

Neben der Erzählstimme sind in der zitierten Passage auch zwei Zuschauer des Trollmann-Witt-Kampfs zu hören: der halbenglische Großbürger Johnny Bishop und die kleine Bäckereiverkäuferin Maria Plaschnikow, schwul der eine, lesbisch die andere, beide Fans von Trollmann. Um ihre Hauptfigur hat Stephanie Bart ein riesiges Panoptikum arrangiert, ein Abbild der Berliner Gesellschaft jener Zeit, von ganz unten bis ganz oben. Jede dieser zahllos, aber keinesfalls wahllos vertretenen Nebenfiguren versieht im Gefüge des Romans eine emblematisch wichtige Funktion. Und in manchen Momenten, namentlich während des Championatskampfs, evoziert Stephanie Bart mittels ihres Ensembles das vielfältige Stimmengeflecht von "Berlin Alexanderplatz".

Die Handlung des ganzen Buchs läuft selbst ab wie ein idealer Boxkampf: ein stetes Hin und Her, lauter Finten, Vorstöße, Rückzüge und bisweilen Aufwärtshaken und Tiefschläge. Bart benutzt aber auch die Prinzipien des Theaters; mehrfach heißt es lapidar einfach "ab", wenn eine Figur die Szene verlässt, manche Dialoge sind wie für die Bühne notiert, mit den Namen der Sprechenden vor ihren Sätzen. Überhaupt ist das Gespräch ein wichtiges Kompositum des Romans, und meist wird es dann witzig-aberwitzig. Etwa wenn ein NS-Sympathisant einen anderen fragt: "Sehen wir uns morgen Abend auf der Bücherverbrennung?", und die gelangweilte Antwort bekommt: "Ach so, ja, natürlich. Aber nur zum Verbrennungsakt, für den Fackelzug hab ich keine Zeit." In solchen Momenten gehen Humor und Horror bei Stephanie Bart ein Bündnis ein.

"Deutscher Meister" entlarvt am historischen Exempel die verquaste Ideologie des Nationalsozialismus - so wie es Johann Rukelie Trollmann tat, als er am 21. Juli 1933, dem Schlusspunkt des Romans, seinen zweiten Kampf mit blondgefärbten Haaren und hellgepuderter Haut bestritt, nachdem der gegenüber dem Regime willfährige Verband die Regeln derart manipuliert hatte, dass dem unkonventionellen Stil des Boxers keine Möglichkeit zur Entfaltung mehr blieb. So wie Bart diesen Kampfstil beschreibt und ihn die historischen Quellen schildern, nahm Trollmann die Revolution vorweg, die Muhammad Ali in den Boxsport brachte. Float like a butterfly, sting like a bee - das hatte Ali zu seiner Maxime erhoben. Er war so wenig ein K.-o.-Spezialist wie vierzig Jahre früher Trollmann, aber beider Beweglichkeit und Präzision machte sie den reinen Kampfmaschinen im Ring überlegen, zumal Ali wie Trollmann sich auf die lässige Provokation des Gegners und des Publikums verstanden.

Diese Überlegenheitsdemonstration durch Angehörige einer jeweils verachteten Minderheit stieß den Nationalsozialisten im Falle von Trollmann ebenso übel auf wie den amerikanischen Rassisten der sechziger Jahre, die einem schwarzen Seriensieger zusehen mussten, der es dann noch wagte, den Wehrdienst zu verweigern. Ali kam dafür ins Gefängnis und verlor den Weltmeistertitel, ein Willkürakt wie Trollmanns gestohlene Deutsche Meisterschaft. Nur dass es für den Sinto keinen Rückkampf gab. Für ihn galt auf furchtbare Weise jene alte Boxerregel, die Ali außer Kraft setzen sollte: They never come back. Johann Rukelie Trollmann wurde 1935 zwangssterilisiert und 1944 im Konzentrationslager ermordet. Dank Stephanie Barts Roman bekommt er nun ein Nachleben geschenkt. In einem angemessen meisterhaften Roman.

Stephanie Bart: "Deutscher Meister". Roman.

Hoffmann und Campe, Hamburg 2014.

383 S., geb., 22,- [Euro].

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© Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt.
Bewertungen unserer Kunden
Bart:Deutscher Meister
von seschat - 28.04.2015
Inhalt: Der Sinto Johann Rukelie Trollmann ist ein erfolgreicher und beliebter Boxer. Sein Problem sind nicht die Gegner, sondern der Staat: das Dritte Reich. Er passt nicht ins Rassedenken des Hitler-Regimes. Ob Presse, die Boxfunktionäre etc., alle arbeiten gegen ihn. Kann sich der talentierte Trollmann im nationalsozialistischen Haifischbecken behaupten? Ein spannender mit reichlich Geschichtsstoff unterfütterter Lesestoff, der ein Einzelschicksal beleuchtet. Der Autorin Stephanie Bart gelingt es vortrefflich, sich sprachlich und gedanklich in die Zeit der 30er-/40er-Jahre hineinzuversetzen. Irrungen und Wirrungen dieser unruhigen Epoche werden mal drastisch realistisch, mal ironisch leicht dargestellt. Die klare, sachliche, meist unpersönliche Sprache beschönigt nichts, sondern stellt den Boxsport und damit Trollmanns Biografie in all seinen Facetten dar. Bei der Schilderung jedes Boxkampfs spürt man die Faszination für diesen Sport. Verschiedene Handlungsstränge sind miteinander verwoben und müssen vom Leser getrennt werden. Fiktive Dialoge beleben das Lesen. Es ist die Geschichte eines Talents, das alles für den Staat leistete, aber dafür nicht den gebührenden Dank erfuhr. Trollmann wurde zur Marionette auf Zeit. Fazit: Literarisch anspruchsvolle Lektüre mit Tiefgang und viel Geschichte.
Bart:Deutscher Meister
von Wortschätzchen - 20.04.2015
Stephanie Bart schreibt hier keinen Unterhaltungsroman im üblichen Sinne, es ist ein biografischer Roman über das Leben von Johann Trollmann. Dieser war in den frühen 30er Jahren ein überaus talentierter Boxer. Unkonventionell, beliebt, charismatisch, erfolgreich " und ein Sinto. Letzeres wird ihm in dieser Zeit zum Verhängnis. Stephanie Bart weiß hervorragend, mit der Sprache und Sprachmelodie umzugehen und kann damit fast schon zaubern. Damit meine ich nicht, dass sie blumig oder so schreibt. Sie bleibt sachlich und distanziert, aber genau damit macht sie den Leser so betroffen, denn er darf sein eigenen Gedanken und Gefühle in die Geschichte einbringen. So entführt sie den Leser 80 Jahre zurück und zeigt auf, dass Sport schon damals unter Politik zu leiden hatte. Die Autorin beschreibt sehr anschaulich die Ideologie dieser Zeit, die Schwierigkeiten und Hassaktionen " aber auch das Boxen ansich. Sehr gut gemacht, sehr tiefgängig, sehr eindrucksvoll " und sehr deprimierend. Ja, es ist ja auch kein fröhliches Thema. Aber wie man doch bestimmt an meiner Hilflosigkeit in dieser Rezension merken kann, macht mich dieses Buch fassungslos, unendlich traurig und wütend auf eine Zeit, die lang vor meiner Geburt war. Auch wenn schon so viel darüber gesagt wurde " es gibt noch so viele Geschichten aus dieser Zeit, die Schicksale greifbarer machen, als man es in der Schule lernte und die uns alle dazu ermahnen, solche Dinge nie wieder geschehen zu lassen. Das Thema ist immer aktuell, denn es ist immer irgendwo Krieg und immer aus idealistischen Gründen, die einfach nur schwachsinnig sind. So wie jetzt der Wahnsinn des ISIS. Wann lernt der Mensch endlich, sich menschlich zu benehmen? Vielleicht hilft die Lektüre solcher Bücher dabei? Ich hoffe es. Von mir jedenfalls vier Sterne.
Bart:Deutscher Meister
von Patrick D. - 28.09.2014
Johann "Gibsy" Trollmann ist Boxer im Jahre 1933 und Publikumsliebling. Allerdings ist er dem Boxverband ein Dorn im Auge, da seine Herkunft nicht "arisch" genug ist. Trotzdem hat er die Chance am Titelkampf im Halbschwer- und Mittelgewicht teilzunehmen. Stephanie Bart beschreibt auf 384 Seiten nicht nur diesen Kampf, sondern gibt ebenfalls ein paar Einblicke in den Boxsport der damaligen Zeit. Sie macht das mit einem unglaublichen Schreibstil, dass ich immer wieder die Boxer und sogar die Kämpfe vor meinem geistigen Augen gesehen habe. Ich bin sicher kein Freund vom Boxsport, jedoch schafft es die Autorin mich doch dafür zu faszinieren. Ebenfalls finde ich die Mischung zwischen dem Boxsport und der Entwicklung in Deutschland zu diesem Zeitpunkt wirklich toll. Vieles ist natürlich schon bekannt, wird aber dennoch so unglaublich anschaulich dargestellt, dass ich das Buch nicht mehr aus den Händen legen konnte. Gleichwohl stehen nicht nur der Protagonist Trollmann oder die anderen Boxer im Vordergrund, sondern ebenso der immer schemenhaft bleibende "erste Vorsitzende" oder der Engländer "Bishop". Sie sind es die dem Roman eine Tiefe und Wertigkeit geben, welche ich von einem Roman im Boxmilieu nie erwartet hätte. Fazit: Nicht nur sprachlich ein Meisterwerk, sondern ein Roman mit vielen Facetten, den ich sicherlich mehr als einmal lesen werde, so sehr hat er mich fasziniert.
Bart:Deutscher Meister
von Philo - 14.08.2014
Johann Rukelie Trollmann war mir bisher unbekannt. Um mehr zu erfahren, hatte ich große Erwartungen in das Buch gesetzt, die leider nicht erfüllt wurden. Man erfährt zwar einiges über den Boxer, aber das Wesentliche bleibt ungesagt. Es ist eine lange Reportage über einen Boxkampf über 12 Runden, minutiös aufgezeichnet und lehrmeisterlich dargestelt. Dies dürfte nur für absolute Boxfans von wirklichem Interesse sein. Der Leser erfährt natürlich auch, wie es dazu kam, daß Trollmann zu dem Kampf zugelassen wurde, aber die Hintergründe und Personen sind nur unzureichend beschrieben. Es ist das Jahr 1933. Der Führer favorisierte das Boxen. Es sollte die Kerndisziplin der körperlichen Erziehung im staatspolitischen Sinne sein. Nun ging der Erste Vorsitzende der Boxsportbehörde daran, die Säuberungsaktion des Führers durchzusetzen, er strich alle jüdischen Namen aus der Mitgliederliste, so auch Erich Seelig, den deutschen Doppelmeister im Mittelgewicht und Halbschwergewicht. An seiner Stelle sollte Trollmann boxen. Er war Sinto und somit das kleinere Übel. Trollmann war beim Publikum sehr beliebt. Er war ein überaus talentierter und taktisch klug agierender Boxer. Aber er stand unter strenger Beobachtung des Boxsportverbandes und der SA. Man wollte ihn am Boden sehen. Bei dem Titelkampf um den Deutschen Meister siegte er nach Punkten, aber der Titel wurde ihm unter fadenscheinigen Argumenten nicht zuerkannt. Bei seinem letzten offiziellen Kampf, den er nur unter schweren Auflagen bestreiten durfte, wußte er, daß er nur verlieren konnte. Er ließ sich die Haare blond färben und puderte die Haut weiß. Seinem Gegner war er haushoch überlegen, aber in der 5. Runde ging er, er hatte es wohl vorher einstudiert, langsam zu Boden. Der "blonde Arier" war k.o. Ein trauriges Buch, das viele Fragen offen läßt. Sicher lautet der Titel des Buches "Deutscher Meister" und als solches wollte es sich wohl nur auf den Ausscheidungskampf beschränken, dies ist jedoch angesichts des Lebenslaufes des Sportlers Trollmann zu wenig. Das Buch endet aprubt und läßt viele Fragen offen. Gerade für Leser, die den Boxer bisher nicht kannten. Wer sich nur für die boxerische Laufbahn von Trollmann interessiert, für den ist das Buch wohl zu empfehlen. Wer sich für sein Leben interessiert, der kann sich im Internet mit viel Wissenswertem versorgen. Insofern hätte es dem Buch gutgetan, dem weiteren Leben von Trollmann nach dem letzten Kampf noch einige Kapitel anzufügen, da der schlimmste Kampf seines Lebens ihm in den Folgejahren noch bevorstand. Als Fazit möchte ich anmerken. Trotz aller Kritik an dem Buch ist es wichtig, daß es geschrieben wurde, um einem Vergessen dieser Zeit entgegenzuwirken. Es wird viele, die es lesen, dazu anregen, sich mehr Hintergrundwissen über Johann Rukelie Trollmann anzueignen.
Bart:Deutscher Meister
von Tintenherz - 04.08.2014
Deutscher Meister von Stephanie Bart erschienen im Hoffmann und Campe Verlag, Seitenanzahl: 381 Inhalt: Johann Rukelie Trollmann, Boxer, erhält aufgrund der Rassensäuberung in Berlin im Jahre 1933, die Chance, den Titel Deutscher Meister im Halbschwergewicht in einem Boxkampf zu erringen, obwohl er ein Sinto, Zigeuner, ist. Gegen alle Widrigkeiten boxt er den Kampf seines Lebens. Autorin: Stephanie Bart, geboren 1965 in Esslingen am Neckar, studierte Ethnologie und Politische Wissenschaften an der Universität Hamburg. Seit 2001 lebt sie in Berlin. Für die Arbeit an ihrem Roman Deutscher Meister erhielt sie das Stipendium des Deutschen Literaturfonds 2011 und 2012. Meine Meinung zu dem o. g. Buch: Der Einband ist passend mit einem gefesselten Boxer zu dieser Geschichte gestaltet. Das Buch beinhaltet einen leicht verständlichen und flüssig zu lesenden Schreibstil. Hier geht es um Trollmann, der ein Sinto ist und der sich seinen Traum als Boxer erfüllen möchte und um staatliche Visionen. Adolf Hitler will neue Menschen schaffen und favorisiert das Boxen, die Kerndisziplin der körperlichen Erziehung im staatspolitischen Sinne. Der Leser wird in den Boxbetrieb bei säuberungsdezimierten Reihen eingeführt. Detailliert werden die einzelnen Kämpfe beschrieben und man bekommt so einen Einblick in die damalige Welt des Boxsports. Viele ehemalige Boxer, z. B. Max Schmeling, Adolf Witt, werden mit angesprochen Trollmann kämpft einen Kampf gegen mehrere Gegner. Nicht nur im Ring, sondern auch gegen die Außenwelt (Presse, politische Funktionäre. Auch für diejenigen Leser, die nicht am Boxsport interessiert sind, ist dieses Buch eine interessante und lehrreiche Lektüre. Fazit: Eine bemerkenswerte und sportliche Meisterleistung mit geschichtsträchtigem Hintergrund!
Bart:Deutscher Meister
von andrea_strickliesel - 04.08.2014
...Denn so, wie Trollmann boxte, hatte man zu seiner Zeit noch nicht geboxt, und gern wäre Breitensträter noch einmal ganz jung gewesen, um das zu erlernen. Allein seine Beinarbeit war phänomenal, und wie er das Rückwärtslaufen einsetzte und noch aus dem Zurückweichen heraus Wirkungstreffer setze, war unglaublich, und niemand konnte so überzeugend wie er Schläge antäuschen und mit den Füßen fintieren. Er war eine echte Begabung, wen, wenn nicht ihn, sollte man um den Titel kämpfen lassen... Im Frühjahr 1933 tobt das Leben in Berlin. Während Adolf Hitler seine Säuberungsaktionen durchführen lässt und viele Boxer, Trainer und ihre Manager von den offiziellen Listen gestrichen werden, bereitet sich Johann Rukelie Trollmann darauf vor, Deutscher Meister zu werden. Obwohl Zigeuner, glaubt er an einen Sieg. Doch sein echter Gegner heißt nicht Witt, sondern Hitler, besser noch die Handlanger des deutschen Boxsport. Das Buch erzählt ein halbes Jahr in dem Leben des jungen Boxer. Für seinen Kampfstil zu früh geboren und Sportler im falschen Land, zu einer Zeit die nichts übrig hatte für "Andersartigkeit". Stephanie Bart schreibt eine Geschichte wie einen Film. Ständig springt sie in den Spielorten hin und her. Ihre Figuren treffen einander und geben sich den Erzählstab sozusagen in die Hand. Bart erzählt aus allen Richtungen und mit jedem ihrer Helden. Es fällt aber nicht schwer ihrer Erzählung zu folgen. Es bleibt spannend. Genauso umschreibt sie das Kämpfen und Trainieren mit kurzen abgehackten Sätzen und Wörtern, das man wahrlich Kopfkino hat: ...Dirksen, vor ihm stehend, legt die Linke an die rechte Körperseite, nämlich an die Leber, und hielt die Rechte neben dem Kopf . Trollmann, einatmend hoch, sah die Pratze auf der Leber noch in der gebeugten Haltung und winkelte den linken Arm gar nicht erst an den Körper an. Sondern: holte im Aufrichten mit einer Drehung aus der Hüfte nach hinten weg zum Haken aus. Ausholen, einholen, die Weltkugel unter der Achsel, die ganze Welt mit dem Arm umfahren - etwas zu weit, dachte Dirksen -, den Arm von der Fliehkraft beschleunigen lassen, rund rüberzischen und zack!, mit einem gegenläufigen Ruck in Hüfte und Schulter rein in die Leber-Pratze, genau neben den Mittelpunkt - siehste, dachte Dirksen... So lesen wir das öfter, und es macht Spaß! Einzig die vielen Namen machen Kopfzerbrechen. Und wenn man sich nicht vorher etwas mit dem Thema Trollmann auseinander gesetzt hat, könnte etwas fehlen. Die Stadt Berlin zu kennen, ist auch von Vorteil. Nicht oberflächlich, besser so ein bisschen, wohin die Helden dieses Buches zu Fuß unterwegs sind. Stephanie Bart zeigt uns ein Berlin der 30er, mit der Kodderschnautze der Berliner und dem ständigen Lebensmut.
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