Hanna und Sebastian

Roman.
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In der Hoffnung, ganz zueinander zu finden, schreiben sich Hanna und Sebastian nach einigen traumhaften Tagen in Rom lange und intensive Briefe.

Doch das Leben treibt sie auseinander, und das Schreiben wird zu einem exklusiven Raum, in dem sie ihre L … weiterlesen
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Produktdetails

Titel: Hanna und Sebastian
Autor/en: Thomas Klugkist

ISBN: 3406659608
EAN: 9783406659607
Roman.
Beck

21. Januar 2014 - gebunden - 432 Seiten

Beschreibung

In der Hoffnung, ganz zueinander zu finden, schreiben sich Hanna und Sebastian nach einigen traumhaften Tagen in Rom lange und intensive Briefe.

Doch das Leben treibt sie auseinander, und das Schreiben wird zu einem exklusiven Raum, in dem sie ihre Liebe so leidenschaftlich, grenzenlos und wahrheitshungrig leben können wie nirgendwo sonst ? und in dem sie einander die Freiheit schenken, die sie dann immer kompromissloser auch in der Wirklichkeit suchen ...
Dieser sinnlich-virtuose Roman, eine außergewöhnliche Liebesgeschichte in Briefen, Mails und SMS und das literarische Debüt von Thomas Klugkist, erzählt von einem rückhaltlosen Liebes- und Beziehungsexperiment und entwirft dabei das Bild einer Generation zwischen Lebensplanung und Grenzüberschreitung, den Verführungen des Körpers und der Transzendenz.

Portrait

Thomas Klugkist, geboren 1965, hat seine Dissertation über Thomas Manns "Doktor Faustus" geschrieben, war Ressortleiter und stellvertretender Chefredakteur im Rundfunk, Kommunikationsleiter der Klett Gruppe und Geschäftsführer des Friedrich Berlin Verlags. Er veröffentlichte u. a. den Essayband "49 Fragen und Antworten zu Thomas Mann" (2003). Thomas Klugkist arbeitet heute als freier Autor und Unternehmer im Kulturbereich, er lebt mit seiner Familie in Berlin.

Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung vom 30.04.2014

Selbst Liebende sollten sich nicht alles sagen

Thomas Klugkist lässt seine Helden Hanna und Sebastian das Glück nicht im Leben, sondern nur in der Schrift finden. Aber wie viel Intimität ertragen wir als Leser?

Der Liebesbrief unseres Jahrhunderts trägt kein Siegel und keine Briefmarke mehr. Dafür hat er eine Betreffzeile: "Re: Re: Re: Re: Wieder beieinander". So unscheinbar und wenig individuell dieser Betreff daherkommt, so hoch ist der Ton, in dem sich die Liebenden in Thomas Klugkists Debütroman schreiben. Sie heißen schlicht Hanna und Sebastian, aber sie wenden eine schier unendliche Phantasie auf, um diese Namen poetisch zu verzieren: "Meine Lieblingshanna", "Meine Fernhanna", "Deine Dunkelhanna", "Dein Sorgensebastian" und, wenn es noch steiler wird, auch mal "Dein Andermensch" oder "Dein nachtumflorter Spurensucher".

Dieser lyrische Überschuss ist wohl Kompensation. Denn das Besondere an dieser Liebe ist, dass sie nur in der Schrift, nicht im Leben stattfindet: Hanna und Sebastian kennen sich zwar schon seit Schulzeiten, haben sich aber immer verpasst - bis auf einmal. Dieses eine Mal ist das Fundament, auf dem ihre Beziehung aufbaut, und es ist eine ziemlich wunderbare Idee, die Klugkist hier somit auch seinem Roman zugrunde legt: eine Verabredung, getroffen wohl in der Zeit des Abiturs, sich in zehn Jahren wiederzutreffen in Rom. Obwohl sie sich inzwischen aus den Augen verloren hatten und auch andere Partner haben, halten Hanna und Sebastian die Verabredung ein, und unmittelbar nach dieser traumhaften Rom-Reise beginnt ihr Briefwechsel, im Juni 2000.

Über ein Jahrzehnt wohnt dann der Leser ihrer Korrespondenz bei, in der sich bald eine radikale Offenheit und Zuneigung entwickelt, die das alltägliche Leben der beiden weit übersteigt und transzendiert. In den Briefen, den E-Mails und SMS, die Hanna und Sebastian sich schreiben, sind Dinge aussprechbar, die es nur dort sind, eben weil "man schriftlich immer aus dem einen Inneren ins andere Innere spricht, durch keinen Zwischenraum und kein Zwischenfleisch behindert". Bald geht es um Krankheit und Tod der jeweiligen Lebenspartner, um Kinder, um die Überzeugungen, um Sebastians Journalistenberuf und Hannas Erfahrungen als Ärztin, um körperliche Intimität und Sex - kurz, es geht zwischen diesen beiden Menschen immer um alles. Ganz nah scheint in den vier Korrespondenzphasen dieses Jahrzehnts manchmal der Ausbruch aus dem jeweiligen Leben und das gemeinsame Durchbrennen der beiden. Aber leider haben sie, wie man sagt, schlechtes Timing. Und es gibt auch Verletzungen, die zu fünfjährigem Kontaktabbruch führen. Bis dann plötzlich aus dem Nichts wieder eine SMS kommt: "Claudia hat mir deine Nummer gegeben. Telefonieren?" Die Tragik dieser On-and-off-Beziehung mit ungleichzeitiger Leidenschaftsverteilung kommt in der Langzeitstudie des Romans gut heraus: Auf euphorischen Dauerkontakt folgt plötzliches Schweigen von einer Seite, und so schickt der andere dann seine Nachrichten noch eine Weile ins Nichts, bis auch er das Schweigen findet.

Die Konstellation erinnert etwas an Martin Walsers Briefroman "Das dreizehnte Kapitel", und in der Zergliederung der Gefühle kann Klugkist da durchaus mithalten. Da es wohl nichts Intimeres gibt als die Briefe zwischen zwei Menschen, ist beim Briefroman das Risiko besonders groß, dass diese intime Schreibweise nicht im Inneren eines jeden Lesers ankommt, Anklang findet. Das ist natürlich Geschmackssache; aber wie umständlich, geschraubt und gestelzt Klugkist seine Figuren sich ausdrücken lässt, erweckt doch oft den Eindruck, dass der Autor, der eine Dissertation und ein weiteres Buch über Thomas Mann verfasst hat, auch als Literat die Nähe zum Großmeister sucht. Dieser Stil wirkt heute unzeitgemäß.

Da gibt es zum Beispiel einen Brief aus der Zeit der Fußball-Weltmeisterschaft 2006, der Sebastian in einen Glücksrausch über die neue entspannte Gastgebernation geraten lässt: "Endlich macht es Spaß, in diesem Land zu sein." Aber dieser Spaß ist doch einer mit angezogener Handbremse: "Ich möchte Dir gern noch mehr schreiben, aber wir müssen uns gedulden", heißt es - und dann kommt der Großmeistersatz: "Die Zeitzeugenschaft verlangt den ganzen Mann." Wer redet denn bitte so? Auch die ständigen Kursivierungen in den (ohnehin oft schwer unterscheidbaren) Zeugnissen von Hanna und Sebastian verraten wohl eher etwas vom Stilwillen des Autors als von brieflicher Wirklichkeit - es sei denn, man habe sich zwei Liebende als solche vorzustellen, die sich gegenseitig Vorträge halten. Wenn Hanna etwa beginnt, Sebastian etwas von "Sehnsuchtsdynamik", "narzissmustheoretischen Überlegungen" und seinem "verlorenen fötalen Paradies" zu erzählen, dann wird das schon sehr anstrengend.

Mitunter wirkt es, als wollte Klugkist unter dem Deckmantel seiner Figuren die großen Themen Thomas Manns - den Konflikt zwischen Künstlertum und Bürgertum, zwischen Geist und Leben - noch einmal ganz neu aufrollen. Hanna und Sebastian jedenfalls wünscht man am Ende, und das kann ja auch wieder eine Leistung des Romans sein, viel weniger Geist, viel mehr Leben.

JAN WIELE.

Thomas Klugkist: "Hanna und Sebastian". Roman.

Verlag C. H. Beck, München 2014. 430 S., geb.

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Bewertungen unserer Kunden
Philosophisch, nachdenklich und anspruchsvoll
von sommerlese - 04.08.2015
Bei diesem interessanten Debüt handelt es sich um einen Briefroman, der aus Briefen, E-Mails und SMS besteht und in vier zeitliche Abschnitte eingeteilt ist. Hanna und Sebastian verbringen gemeinsam schöne Tage in Rom. Danach treibt sie ihre Zuneigung zu langen gefühlsstarken Briefen, sie hoffen so, zueinander zu finden. Doch das Leben hat anderes mit ihnen vor und so bleibt ihnen nur der imaginäre Raum in ihrer gemeinsam geschaffenen Briefwelt. Hier leben sie ihre Liebe und Freundschaft gedanklich aus und vertrauen sich offen ihre Hoffnungen und Wünsche an. Dieses Buch erforderte ein aufmerksames Lesen und schon einige Konzentration. Es ist keine leichte Kost und auf gar keinen Fall ein einfacher Liebesroman. Man muss sich schon bewusst darauf einlassen und die Sätze einwirken und nachhallen lassen. Das braucht Zeit und Musse und häufiges Nachlesen wird erforderlich. Es gibt Textpassagen, die im Kopf nachhallen, so tief berühren sie. Die gemeinsame Sprache ist anspruchsvoll und langsam entsteht aus den Briefen das Hintergrundwissen über die Protagonisten. Es war durch diese komplizierte Sprache schwer, die Gefühle zwischen den beiden zu erkennen. Anfangs war noch mehr Leidenschaft im Spiel, später hat man eher gegenseitig Trost, Hoffnung und Rat gesucht. Denn zwischen Hanna und Sebastian gab es kein reales Treffen, die Begegnung blieb immer geistiger Art. Ihre wahren intimen Erlebnisse haben sie mit anderen Partnern und tauschen sich darüber auch aus. Ihre Freundschaft überdauert sozusagen die irrdischen Beziehungen. Wobei man sich fragt, ob diese Fernbeziehung nicht doch real viel besser und vor allem eine dauerhafte Partnerschaft geworden wäre. Doch Klugkist führt seine Protagonisten in getrennte Leben, lässt sie wieder schriftlich Kontakt aufnehmen, pausieren und wieder zueinander finden. Ihr imaginärer Raum ist wie eine Traumwelt, die aber beiden Personen auch Kraft und Beständigkeit in ihrer Freundschaft gibt. Vielleicht hätten sie sich im persönlichen Gegenüber nicht so offenbahrt, sondern gehemmt und fremd reagiert. Die Liebe besteht in diesem Roman nur in den Köpfen der beiden Briefschreiber. Die gegenseitigen Anreden möchte ich hier noch lobend erwähnen: Meine Hannarettung, Mein ungeduldiger Dulder, Meine Schreibliebe, Mein Nächstmensch, Mein Innigsebastian... Auf jeden Fall bringt der Autor hier eine sprachgewaltige Erzählkunst zu Papier, die es an Ausdruck und Dialektik nicht mangeln lässt. Manche Briefe waren meiner Meinung nach sehr abstrakt und überflüssig und haben den Roman unnötig in die Länge gezogen. Der Mittelteil erschien mir etwas zu lang geraten. Das Ende hat mir gut gefallen, da es zeigt, wie sich die Protagonisten unterschiedlich entwickelt haben. Jeder geht mit den Problemen seines Lebens unterschiedlich um. Dabei geht es Hanna um Körperlichkeit und Sebastian eher darum, sich seelisch nicht zu verlieren. Hier will es scheinbar keinem gelingen, Körper und Seele miteinander in Harmonie zu bringen. Dieser Roman ist wirklich einzigartig und sehr komplex. Es ist genau das Richtige für Leser, die die Herausforderung einer anspruchsvollen Lektüre mit philosophischen Anklängen suchen.
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