Acht Tage im Mai

Die letzte Woche des Dritten Reiches. mit ca. 20 Abbildungen.
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Die letzte Woche des Dritten Reiches hat begonnen. Hitler ist tot, aber der Krieg noch nicht zu Ende. Alles scheint zum Stillstand zu kommen, und doch ist alles in atemloser Bewegung. Volker Ullrich schildert Tag für Tag diese «zeitlose Zeit» und ent … weiterlesen
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Produktdetails

Titel: Acht Tage im Mai
Autor/en: Volker Ullrich

ISBN: 3406749852
EAN: 9783406749858
Die letzte Woche des Dritten Reiches.
mit ca. 20 Abbildungen.
Beck C. H.

17. Februar 2020 - gebunden - 317 Seiten

Beschreibung

Die letzte Woche des Dritten Reiches hat begonnen. Hitler ist tot, aber der Krieg noch nicht zu Ende. Alles scheint zum Stillstand zu kommen, und doch ist alles in atemloser Bewegung. Volker Ullrich schildert Tag für Tag diese «zeitlose Zeit» und entführt den Leser in eine zusammenbrechende Welt voller Dramatik und Hoffnung, Gewalt und Angst. Sein Buch ist eine unvergessliche Zeitreise in den Untergang.

Während die Regierung Dönitz nach Flensburg ausweicht, rücken die alliierten Streitkräfte unaufhaltsam weiter vor. Berlin kapituliert, in Italien die Heeresgruppe C. Raketenforscher Wernher von Braun wird festgenommen. Es kommt zu einer Selbstmordepidemie und zu Massenvergewaltigungen. Letzte Todesmärsche, wilde Vertreibungen, abtauchende Nazi-Bonzen, befreite Konzentrationslager - all das gehört zu jener «Lücke zwischen dem Nichtmehr und dem Nochnicht», die Erich Kästner am 7. Mai 1945 in seinem Tagebuch vermerkt. Volker Ullrich, der große Journalist und Hitler-Biograph, hat aus historischen Miniaturen und Mosaiksteinen ein Panorama dieser «Acht Tage im Mai» zusammengefügt, das sich fesselnder liest als mancher Thriller.

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

Vorwort

Prolog, 30. April 1945
Hitlers Ende im Bunker - Sturm auf den Reichstag - Besetzung Münchens
- Die «Freiheitsaktion Bayern» - Befreiung des Konzentrationslagers
Dachau - Ernennung von Großadmiral Dönitz zu Hitlers Nachfolger

1. Mai 1945
Das Scheitern des Versuchs einer Separatverständigung mit Stalin - Programm
und erste Maßnahmen der Regierung Dönitz - Bekanntgabe
von Hitlers Tod - Selbstmord der Familie Goebbels - Ausbruch aus der
Reichskanzlei - Selbstmordepidemie: Der Fall Demmin - «Gruppe
Ulbricht» in Berlin - Willy Brandt und Astrid Lindgren in Stockholm

2. Mai 1945
Reaktionen auf Hitlers Tod - Kapitulation Berlins - Plünderungen -
Die Tätigkeit der «Gruppe Ulbricht» - Suche nach Hitlers Leichnam -
Sowjetisches Verwirrspiel um Hitlers Tod - Teilkapitulation der Heeresgruppe
C in Italien - Die militärische Lage Deutschlands - Verlegung
des Hauptquartiers der Regierung Dönitz nach Flensburg - Festnahme
der Raketenforscher um Wernher von Braun - Victor Klemperer in
Unterbernbach: Erste Begegnung mit den Amerikanern

3. Mai 1945
Generalaussprache in Flensburg mit den Befehlshabern der besetzten
Gebiete - Kampfl ose Übergabe Hamburgs - Tragödie in der Lübecker
Bucht: Der Untergang der «Cap Arcona» - Das Tagebuch der «Anonyma
»: Massenvergewaltigungen in Berlin - Verhandlungen mit Feldmarschall
Montgomery über eine Teilkapitulation in Nordwestdeutschland

4. Mai 1945
Unterzeichnung der Teilkapitulation in Nordwestdeutschland, Dänemark
und den Niederlanden - Weitere Teilkapitulationen von Heeresgruppen
und Armeen - Die Besetzung des Obersalzbergs - Auf Hitlers
Berghof: Lee Miller und Klaus Mann - Ernennung Adenauers zum
Oberbürgermeister von Köln - Alltag in den Trümmern - Helmut
Schmidt in Kriegsgefangenschaft - Die «Rheinwiesenlager» - Verhaftung
Hans Franks - Die Befreiung der «Sonderhäftlinge» von Dachau

5. Mai 1945
Die Bildung der «Geschäftsführenden Reichsregierung» - Aufstand in
Prag - Beginn der «wilden Vertreibungen» - Aufruf Eisenhowers an die
«Displaced Persons» (DPs) - Das Schicksal der Zwangsarbeiter - Repatriierung
der DPs - Die jüdischen DPs - Befreiung des KZ Mauthausen:
Simon Wiesenthal

6. Mai 1945
Die Verhandlungen von Friedeburgs und Jodls in Reims - Entlassung
Heinrich Himmlers - Der Todesmarsch von Helmbrechts - Todesmärsche
am Ende des «Dritten Reiches» - Die Kapitulation der Festung
Breslau - Vertreibung der Deutschen aus Breslau - Die Wiedergründung
der SPD in Hannover: Kurt Schumacher - Einrücken polnischer
Panzertruppen in Jever

7. Mai 1945
Unterzeichnung der bedingungslosen Kapitulation in Reims - Marlene
Dietrich in Bergen-Belsen - Die ungleichen Schwestern Dietrich - Das
letzte Massaker in Amsterdam - Deutsche Besatzungsherrschaft in den
Niederlanden - Das Schicksal der Familie Frank

8. Mai 1945
Die Wiederholung der bedingungslosen Kapitulation in Berlin-Karlshorst
- Rücktritt der Regierung Dönitz? - Einstellung des letzten deutschen
Widerstands - Die Geburtsstunde der Legende von der «sauberen
Wehrmacht» - Sicherung der Raubkunstbestände im Salzbergwerk Altaussee
- Der Selbstmord Josef Terbovens in Oslo - Das Ende der deutschen
Besatzungsherrschaft in Norwegen - Siegesfeiern: Der «Victory
Day» in Europa

Epilog
8. Mai 1945: Zusammenbruch oder Befreiung? - Die Agonie der Regierung
Dönitz - Interrogation-Camp Bad Mondorf - Abwehr und Verdrängung
der NS-Zeit - Ein Ende und ein Anfang

Anhang
Anmerkungen
Bibliographie
Dank
Bildnachweis
Personenregister

Portrait

Volker Ullrich war von 1990 bis 2009 Redakteur bei der "ZEIT" und dort für das Ressort "Politisches Buch" zuständig. Er hat zuletzt eine auch international erfolgreiche zweibändige Hitler-Biographie vorgelegt.

Pressestimmen

"...ein packendes szenisches Puzzle."
SPIEGEL Bestseller

"Der geglückte Versuch, als Chronik ein Stimmungsbild zu erzeugen."
ZEIT Bestenliste Platz 1

"Ein fabelhaftes Lesebuch über die letzten Tage des Dritten Reichs, das jeder mit Gewinn lesen wird."
SWR2, Wolfgang Schneider

"Eine sehr lebendige, eindrückliche Erzählung."
Heilbronner Stimme

"Ein faszinierend erzählter Bilderbogen vom Ende des Zweiten Weltkriegs, in dem der Historiker Ullrich auch weniger Bekanntes (...) schildert. Ein Buch, das unsere heutigen Kümmernisse relativiert."
ARD Druckfrisch, Denis Scheck

"Ein faszinierend erzählter Bilderbogen."
Magdeburger Volksstimme, Denis Scheck

"(...) mit Volker Ullrich hat diese Endphase des Dritten Reiches einen klugen und nachdenklichen Chronisten erhalten (...) seine Darstellung lebt vor allem aus der Nahoptik seiner präzisen Beobachtung, aus der sicheren Kenntnis der Quellen und einem weiten Blick, der immer wieder über die Tage der Endzeitstimmung hinausgeht."
Süddeutsche Zeitung, Dietmar Süss

"Angesichts des Themas mag es etwas seltsam klingen, aber Ullrich hat ein fesselndes Lesebuch geschrieben, das den Nachgeborenen 75 Jahre später schonungslos davon erzählt, wohin politischer Wahn und moralischer Verfall,Gewalt und Krieg führen."
Frankfurter Rundschau, Wilhelm von Sternburg

"Mit einem sicheren Gespür für die Komposition sortiert Ullrich private Zeugnisse und Ergebnisse aus der historischen Literatur, aus Memoiren und Archiven zu einem rundum gelungenen Tableau der Umbruchszeit."
Die Tageszeitung, Rudolf Walther

"...ein ganzes Panorama persönlicher Erlebnisberichte. Es ist die Stärke des Buches, dass so viele zum Teil auch berühmte Zeitzeugen zu Wort kommen."
mdr kultur, Stefan Nölke

"Volker Ullrich (...) versteht es, die Fakten so zu arrangieren, dass die Lektüre zum historischen Spaziergang wird, ohne gefällig oder belehrend zu wirken."
Frankfurter Allgemeine Zeitung, Andreas Kilb

"Ein erhellender Perspektivwechsel (...). Es wird wenige Leser geben, die selbst bei bester eigener Kenntnis über diese viel beschriebenen Monate nicht immer wieder auf neue, ihren bisher unbekannte Details oder Episoden stoßen werden."
Die WELT, Richard Kämmerlings

"Der frühere "Zeit"- Redakteur berichtet erzählerisch und eindringlich mit den Worten von Zeitzeugen und Erinnerungen über Leid, Wirren, Ängste, weiter bestehende Vorurteile und Verdrängung von Schuld."
Lübecker Nachrichten

"Ullrich schildert "Die letzte Woche des Dritten Reichs". Anschaulich nähert er sich jenem seltsamen Schwebezustand, den der Schriftsteller Erich Kästner als "kurze Pause im Geschichtsunterricht" bezeichnete."
Märkische Oderzeitung

"Der Historiker und Journalist Volker Ullrich bedient sich nicht nur umfangreicher Studien, sondern auch Erinnerungen und Tagebücher prominenter wie gewöhnlicher Zeitzeugen, um ein vielschichtiges Bild (...) zu zeichnen."
Nürnberger Zeitung, Reinhard Kalb

"Der Hitler-Biograf berichtet erzählerisch und eindringlich mit den Worten von Zeitzeugen und Erinnerungen über Leid, Wirren, Ängste, weiter bestehende Vorurteile und Verdrängung von Schuld."
Rhein-Neckar Zeitung, Oliver Pietschmann

"(Volker Ullrich) webt nach allen Regeln der Erzählkunst ein multiperspektivisches Panorama."
SWR2, Rainer Volk

"'Acht Tage im Mai' ist ein faktenreiches, akribisch recherchiertes und zugleich faszinierendes Buch. Jeder Tag fesselt und wühlt den Leser auf. Es liefert fabelhaften Geschichtsunterricht in Corona-Zeiten."
Tagesspiegel, Christina Brinck

"Ein Buch von bedrückender Spannung."
P.M. History

"Ein spannendes, fast schon atemloses Buch, das einen förmlich zum Weiterlesen zwingt. Selten war Geschichte so packend."
Stuttgarter Zeitung, Simon Rilling

"Auf ebenso verblüffende wie beeindruckende Weise gelingt es Volker Ullrich, die letzte Woche des Dritten Reiches durch dokumentarische Zeitzeugenschaft - wäre das nicht selbst

Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung vom 08.05.2020

Onkel Baldrians letzter Auftritt

Zeitgeschichte in einer Folge von überzeugend arrangierten Skizzen: Volker Ullrich erzählt vom Ende des Zweiten Weltkriegs in Deutschland.

Wer erfand das Wort vom Eisernen Vorhang? Am 2. Mai 1945 benutzte Johann Ludwig Graf Schwerin von Krosigk den Ausdruck in einer Rundfunkansprache, in der er den "Heldenkampf" des deutschen Volkes gegen die "rote Flut" der anstürmenden Sowjetarmeen beschwor. Hinter deren Front, so Krosigk, gehe "das Werk der Vernichtung der in die Gewalt der Bolschewisten gefallenen Menschen" weiter. Zehn Tage später nahm Winston Churchill die Wortprägung in einem Telegramm an den amerikanischen Präsidenten Truman auf, bei dem er sich über den sowjetischen Verbündeten beschwerte: "An iron curtain is drawn upon their front." Schon zweieinhalb Monate zuvor freilich hatte Joseph Goebbels in einem Leitartikel für "Das Reich" vom "eisernen Vorhang" gesprochen, hinter dem im Fall einer deutschen Kapitulation "die Massenabschlachtung der Völker" begänne. Wer die Geschichte des Begriffs noch weiter zurückverfolgt, stößt auf Zeugnisse aus dem Ersten Weltkrieg. Fest steht, dass der Eiserne Vorhang im Frühjahr 1945 im deutschen wie im westalliierten Lager die Runde machte, bis ihm Churchill in seiner berühmten Rede am Westminster College in Fulton ein Jahr später die bis heute gültige Definition gab.

Der kurze Blick auf das begriffsgeschichtliche Infektionsgeschehen zwischen Goebbels, Krosigk und Churchill ist eine der bemerkenswertesten Passagen in Volker Ullrichs Panorama der "letzten Woche des Dritten Reiches", weil sie das Drama der Ereignisse in den Horizont ihrer ideologischen Verarbeitung rückt. Mit der Übernahme der Erzählung von der Abschottung Mittel- und Osteuropas unter sowjetischer Herrschaft kündigt sich schon die Nachkriegsordnung an, auch wenn deutsche Soldaten noch vereinzelt gegen Amerikaner, Briten und Franzosen kämpfen. Die von Hitler testamentarisch eingesetzte Reichsregierung des Großadmirals Dönitz, in der Schwerin von Krosigk als "Leitender Minister" und Außenminister fungierte, spielte in diesem Übergangsprozess die Rolle eines Transmissionsriemens. Der Versuch von Dönitz, Krosigk und der Wehrmachtsführung unter Keitel und Jodl, nur vor den Westalliierten zu kapitulieren, scheiterte politisch zwar an der Bündnistreue des amerikanischen Oberbefehlshabers Eisenhower, kam aber auf symbolischer Ebene mit Jodls Unterschrift am 7. Mai in Reims dennoch zum Ziel. Die nachgeholte Kapitulation fast zwei Tage später in Karlshorst, aus der Ullrich ein Kabinettstück historischen Erzählens macht, war nur die Reprise eines bereits vollzogenen Unterwerfungsakts. "Siegesfeiern in allen Hauptstädten von New York bis Moskau", notierte Ernst Jünger in Kirchhorst in jener Nacht, "während der Besiegte ganz tief im Keller sitzt, mit verhülltem Gesicht."

In der langen Reihe von Veröffentlichungen zum Kriegsende ist Volker Ullrichs Buch der Antipode zu Walter Kempowskis "Echolot"-Band "Abgesang '45". Wo Kempowski in jeder Briefstelle, jeder Tagebuchnotiz das fehlende Puzzleteil zu einem Gesamtbild sucht, kann Ullrich auf knapp zweihundertfünfzig Textseiten immer nur Schnappschüsse eines als Ganzes unfasslichen, jeden Begriff übersteigenden Geschehens liefern. Das beschränkte Format gibt ihm die seltene Freiheit, Zeitgeschichte als Skizze statt als Monumentalfresko anzulegen.

Mal ist es ein Ereignis, das dabei scharf gestellt wird, wie die Welle von Selbstmorden im vorpommerschen Städtchen Demmin nach der Besetzung durch die Rote Armee oder der Todesmarsch der Insassen aus dem oberfränkischen Konzentrationslager Helmbrechts, mal ist es eine Person. Willy Brandt empfängt während einer Rede in Stockholm "in tiefer Bewegung" die Nachricht von Hitlers Selbstmord. Wolfgang Leonhard erkundet mit der "Gruppe Ulbricht" das eroberte Berlin und beobachtet, wie Walter Ulbricht die überlebenden deutschen KPD-Genossen abkanzelt. Marlene Dietrich findet ihre ältere Schwester als Kinobetreiberin in Bergen-Belsen wieder und nimmt ihr gegen großzügige Geldgeschenke das Versprechen ab, über ihre Familie Stillschweigen zu bewahren. Wernher von Braun posiert mit seinen amerikanischen Bewachern für Erinnerungsfotos. Konrad Adenauer übernimmt wieder das Amt des Oberbürgermeisters im zerstörten Köln. Kurt Schumacher gründet in Hannover den ersten Nachkriegs-Ortsverein der SPD, Annemarie Renger wird seine Sekretärin. Filmisch betrachtet, könnte man von einem Wochenschau-Muster sprechen: Haupt- und Staatsaktionen, Kriege, Katastrophen, dazwischen Vermischtes und Kultur. Aber Volker Ullrich, langjähriger Sachbuchredakteur der "Zeit", Hitler-Biograph und Analytiker des Deutschen Kaiserreichs, versteht es, die Fakten so zu arrangieren, dass die Lektüre zum historischen Spaziergang wird, ohne gefällig oder belehrend zu wirken. In seiner Schilderung der Übergabe Hamburgs an die britische Armee vergisst er nicht zu erwähnen, dass der Staatssekretär, der die letzte Rundfunkrede des dortigen Gauleiters Kaufmann abmoderierte, bei den Bürgern der zerbombten Stadt "Onkel Baldrian" hieß. In der NDR-Mediathek kann man nachhören, warum.

Es sind einzelne Sätze, Wortblitzlichter, die aus diesem Pastiche der "Stunde null" in Erinnerung bleiben. Etwa der Zornausbruch eines russischen Offiziers, der über die gut gefüllten Vorratskammern der besiegten Deutschen staunt: "Am liebsten würde ich meine Faust mitten in all diese ordentlichen Reihen von Dosen und Gläsern hineinschmettern." Oder das Aperçu des NKWD-Obersten Potaschew, der die im luxemburgischen Bad Mondorf internierten überlebenden Nazi-Größen - unter ihnen die Mitglieder der Regierung Dönitz - verhören durfte: "Sie sehen alle gut aus und gebräunt wie Kurgäste." Bei Hannah Arendt findet Ullrich die Diagnose, "die Geschäftigkeit" der Deutschen sei "ihre Hauptwaffe bei der Abwehr der Wirklichkeit". Natürlich kann man auf zweihundertfünfzig Seiten nicht die ganze Geschichte der letzten Kriegstage in Deutschland ausbreiten. Aber vielleicht muss man das, was nicht bei Volker Ullrich steht, auch nicht unbedingt wissen.

ANDREAS KILB

Volker Ullrich: "Acht Tage im Mai". Die letzte Woche des Dritten Reiches.

C. H. Beck Verlag, München 2020. 318 S., Abb., geb.

© Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt.
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von Jens Finger - Hugendubel Buchhandlung Greifswald Markt - 11.03.2020
Klar und deutlich wie auch schon in Die Zeit zeigt Volker Ullrich in seinem neuen Buch die letzten Tage des Kriegs. Die Menschen, die Entscheidungen, die Leben oder Tod bedeuteten. Die große Müdigkeit am Ende und die große Freude über das Ende.
Bewertungen unserer Kunden
Umfassend, sachlich und aufschlussreich
von Bellis-Perennis - 24.05.2020
Historiker Volker Ullrich nimmt seine Leser auf eine fesselnde Zeitreise in das Deutschland zwischen dem 30. April und dem 8. Mai 1945 mit. Dabei verbindet er unzählige zeitgleich stattfindende, dabei aber oft gegenläufige Ereignisse zu einer Gesamtdarstellung. Erich Kästner vermerkt am 7. Mai 1945 in seinem Tagebuch, "Leute laufen betreten durch die Straßen. Die kurze Pause im Geschichtsunterricht macht sie nervös. Die Lücke zwischen dem Nichtmehr und Nochnicht irritiert sie sehr." (S.11) Genau von diesem Vakuum zwischen alter und neuer Ordnung handelt dieses Buch. Im Prolog entzieht sich Adolf Hitler gemeinsam mit Eva Braun im Führerbunker seiner Verantwortung für die Gräuel des NS-Staates durch Selbstmord. Damit ist der Zweite Weltkrieg noch nicht zu Ende. Einige Weggefährten Hitlers rechnen sich im Rennen um dessen Nachfolge Chancen aus. Doch "Erbe" wird Großadmiral Karl von Dönitz, der mit seiner Regierung für eine knappe Woche die Geschicke des Deutschen Reiches von Flensburg aus lenkt. Es wird noch acht Tage dauern, bis die Regierung Dönitz und damit Nazi-Deutschland endlich die bedingungslose Kapitulation unterschreibt. Volker Ullrich beschreibt diese langen "Acht Tage im Mai"aus verschiedensten Perspektiven. Alles ist in Bewegung, alles fließt "panta rei". Auf der einen Seite rücken die westliche Alliierten unaufhaltsam vor und die Sowjetarmee liefert sich mit den letzten Einheit der Wehrmacht einen Kampf Haus um Haus in Berlin. Nach wie vor leisten Teile der Wehrmacht erbitterten und dennoch sinnlosen Widerstand. In diesen acht Tagen verüben die Schergen Hitlers noch zahlreiche Gräueltaten, die nicht mehr vom Diktator selbst angeordnet worden sind, sondern auf völlige Verrohung der Beteiligten schließen lassen: "Der Mord an den KZ-Häftlingen in der Phase der Todesmärsche war nicht von oben angeordnet und zentral gesteuert, vielmehr entwickelte er sich in einem unkoordinierten, dynamischen Prozess von unten, ¿ ein schlagender Beleg dafür, in welchem Ausmaß der Virus entfesselter Gewalt von Teilen der deutschen Gesellschaft Besitz ergriffen hatte." Es kommen berühmte Zeitzeugen wie Erich Kästner, Mitglieder der Familie Mann, Simon Wiesenthal oder Marlene Dietrich zu Wort. Doch auch wenig prominente Überlebende, wie untergetauchte Juden oder Regimekritiker werden zitiert. Diese Seitenblicke auf "normalen" Bürger, die die Bombennächte in Bunkern und Kellern überlebten, finde ich sehr interessant. Daneben erfahren wir auch einiges über Menschen, die später in beiden Deutschlands (BRD und DDR) eine Rolle spielen werden: Willy Brandt, Konrad Adenauer, Hannah Ahrendt, Walter Ulbricht und Erich Honecker. Es ist aber auch von Personen, wie unter anderem Wernher von Braun und/oder der Familie Quandt die eine ambivalente, wenn nicht zwielichtige Roller während der NS-Zeit gespielt haben die Rede. Dem Autor gelingt es, ein umfassendes Bild der damaligen Situation zu entwerfen, indem auch das wehleidige Getue der ehemaligen Machthaber bzw. der deutschen Bevölkerung nicht fehlen darf. Ein großer Teil fühlt sich als "Opfer" der fremden Armeen und "war eh niemals in der Partei". Diese Einstellung herrscht sehr, sehr lange vor, manchmal noch bis heute. Auch die unmenschliche Behandlung der Kriegsgefangenen durch die Amerikaner (Stichwort "Rheinwiesenlager") sowie die Plünderungen und Massenvergewaltigungen (hauptsächlich) durch Angehörige der Sowjetarmee ergänzen das Szenario dieser acht Tage im Mai. Die letzten drei Sätze im Epilog dieses Buches muss ich, in Anbetracht so mancher "blinder Flecken" und dem seltsamen Geschichtsverständnis mancher Personen und/oder politischer Gruppen, hier zitieren: Neben all der Zerstörung, der Selbstgerechtigkeit und der Unfähigkeit zu trauern, zeigten sich so schon erste zarte Knospen des Neuanfanges. Doch es sollte noch dauern, bis die Demokratie, die unter Anleitung von Amerikanern, Briten und Franzosen reimplantiert wurde, in der Bevölkerung der Westzone Wurzeln schlug. Man muss sich das Ausmaß der Verheerungen, der materiellen wie moralischen, vor Augen halten, um zu begreifen, wie unwahrscheinlich dies am 8. Mai 1945 erscheinen musste und welche Errungenschaft es bedeutet, heute in einem stabilen, freiheitlichen und friedlichen Land leben zu können. Vielleicht ist es an der Zeit, daran zu erinnern. (S.253) Dem ist wenig hinzuzufügen. Obwohl ein Sachbuch, liest sich das Werk eingängig. Der Schreibstil ist mitreißend und dennoch kann sich der Leser den Schilderungen der Gräuel nicht entziehen. Zahlreiche Fotos ergänzen das Buch und die Anmerkungen bzw. Quellenangaben umfassen rund 40 Seiten. Also eine Fundgrube, die sich weiter in diese Materie einlesen wollen. Fazit: Volker Ullrich gibt in diesem Buch aufschlussreiche Einblicke in den letzten des Deutschen Reiches, wobei er unzählige zeitgleich stattfindende, aber oft gegenläufige Ereignisse zu einer Gesamtdarstellung vereint. Gerne gebe ich für dieses Buch 5 Sterne und eine absolute Leseempfehlung.
Wichtiges Zeitdokument
von Sikal - 21.03.2020
"Man muss sich das Ausmaß der Verheerungen, der materiellen wie moralischen, vor Augen halten, um zu begreifen, wie unwahrscheinlich dies am 8. Mai 1945 erscheinen musste und welche Errungenschaft es bedeutet, heute in einem stabilen, freiheitlichen und friedlichen Land leben zu können. Vielleicht ist es an der Zeit, daran zu erinnern." Der Historiker Voker Ullrich gibt mit diesem Buch "Acht Tage im Mai" einen aufschlussreichen Einblick in die letzten Tage des Zweiten Weltkrieges. Während des Lesens wird bewusst, dass Hitler zwar am 30. April 1945 Selbstmord begeht - dies aber nicht das Ende des Krieges bedeutet. Unter der Regierung Dönitz gehen das Morden und die Grausamkeiten weiter. Das Buch zeichnet die Tage vom 1. Mai bis zum 8. Mai 1945 auf, zeigt die politischen und gesellschaftlichen Abwege genauso wie die vielen Selbstmorde der Nazigrößen. Die Analyse beschränkt sich hier nicht nur auf Berlin und das Umland, sondern weist quer über das Reichsgebiet und zeigt den Verfall, der sich nicht aufhalten lässt - und doch will ihn kaum einer wahrhaben. Als Prolog liest man detailliert über den 30. April und den Tod Hitlers, der Epilog zeigt die Verhaftungen der NS-Elite und deren Aufenthalt in Bad Mondorf wo sie auf den Prozess warten. Die meisten Bücher über den Zweiten Weltkrieg enden mit dem Tod Hitlers und erwähnen das Ende des Krieges nur in einigen Sätzen. Hier steht genau dieser Zerfall des Dritten Reiches im Fokus und wird analysiert. Die Angst vor den Russen, die Befreiung durch die Alliierten und auch so manche Anekdote über berühmte Persönlichkeiten (beispielsweise die Manns oder Marlene Dietrich) kommen zur Sprache. Der Autor schafft es, sein Wissen auch für den Laien verständlich weiterzugeben. Das Buch liest sich flüssig und spannend, die Seiten verfliegen, einige Bilder ergänzen die Fakten. "Der Mord an den KZ-Häftlingen in der Phase der Todesmärsche war nicht von oben angeordnet und zentral gesteuert, vielmehr entwickelte er sich in einem unkoordinierten, dynamischen Prozess von unten, ¿ ein schlagender Beleg dafür, in welchem Ausmaß der Virus entfesselter Gewalt von Teilen der deutschen Gesellschaft Besitz ergriffen hatte." Die Grausamkeiten des Nazi-Regimes dürfen nicht in Vergessenheit geraten, gerade deshalb sind solche Bücher so wichtig. Gerne vergebe ich 5 Sterne und empfehle das Buch weiter.
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