Sein und Nichtsein als Buch (kartoniert)
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Sein und Nichtsein

Paperback.
Buch (kartoniert)
Wie fühlt sich ein Junge, der in einem Mädchenkörper leben muss? Felix hat es ausprobiert. Natürlich nicht freiwillig. Er ist transsexuell. An sich klingt dieser Zustand wie ein Abenteuer oder Märchen, aber für Menschen, die unter dieser Identitätsst … weiterlesen
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Sein und Nichtsein als Buch (kartoniert)

Produktdetails

Titel: Sein und Nichtsein
Autor/en: Felix Fink

ISBN: 3831125902
EAN: 9783831125906
Paperback.
Books on Demand

20. September 2001 - kartoniert - 416 Seiten

Beschreibung

Wie fühlt sich ein Junge, der in einem Mädchenkörper leben muss? Felix hat es ausprobiert. Natürlich nicht freiwillig. Er ist transsexuell. An sich klingt dieser Zustand wie ein Abenteuer oder Märchen, aber für Menschen, die unter dieser Identitätsstörung leiden, ist es bittere Realität. Die Betroffenen fühlen sich alles andere als wohl in ihrer Rolle, denn sie werden von ihren Mitmenschen nicht so anerkannt, wie sie wirklich sind.In diesem Buch erzählt Felix, ein junger Frau-zu-Mann-Transsexueller, der dies alles viele Jahre lang erleben musste, von seinen Erfahrungen. Nach einer Jugend voller Frust beschließt er kurz nach seinem 16. Geburtstag, sich operieren zu lassen. Damit beginnt sein langer, mühevoller Weg auf der Suche nach Harmonie zwischen Körper und Seele.

Portrait

Abgesehen von dem, was ich vor dem Abitur lernte, habe ich keine literarische Ausbildung genossen, und beruflich mache ich etwas ganz anderes. Schreiben ist nur eines meiner Hobbys. Schwerpunktmäßig schreibe ich zum einen Informatives rund um das Thema Transsexualismus und zum anderen Unterhaltsames oder Satirisches. Neben meiner Mitarbeit bei der Abitur- und der Examenszeitung führte ich auch mehrere Jahre lang eine überörtliche, informative Zeitschrift für Frau-zu-Mann-Transsexuelle namens efzettemm, in der ich, dank meines medizinischen Studiums, auch über operative Moeglichkeiten referieren konnte. Felix Fink ist ein Pseudonym.

Leseprobe

aus Sein und Nichtsein von Felix Fink An solchen Wochenenden ging ich auch Schwimmen. Ich mußte ja weiterhin etwas Gesundes für meinen Rücken tun, um den Belastungen durch meine schlechte Haltung entgegenzuwirken. In Langen gab es ein sehr schönes Schwimmbad. Ein 50m-Becken in der Halle! So etwas hatte ich noch nie vorher gesehen! Natürlich gab es die üblichen Probleme mit den Umkleidekabinen. Wenn ich angezogen zu den Damen-Kabinen ging, schauten mich die Leute komisch an, wenn ich im Badeanzug zu den Herren-Kabinen gegangen wäre, hätten sie mich erst recht komisch angesehen. Daheim hatte ich weniger Probleme damit, einerseits, weil mich dort viele Leute zu kennen schienen und andererseits, weil ich nur zu solchen Zeiten ins Schwimmbad ging, wenn es ziemlich leer war. In Langen bekam man an der Kasse eine Münze, wobei die Münzen je nach Geschlecht verschiedene Formen hatten. Mit diesen Münzen konnte man sich wiederum in Kästen an der Wand seinen Spindschlüssel einlösen, der farblich gekennzeichnet war. Rot für die Weiblein und Blau für die Männlein. Meistens schaffte ich es, ohne großes Aufsehen zu erregen eine weibliche Münze zu verlangen und mich aus dem Staub zu machen, ehe die Kassiererin mißtrauisch wurde. Einmal erwischte ich aber doch eine männliche Münze. Die Kassiererin dachte wohl, sie hätte sich verhört. Was sollte ich tun? Laut und deutlich der Kassiererin klarmachen, daß ich ein Mädchen war? Das wäre wie sich selbst unter die Gürtellinie zu schlagen, zumal heute an der Kasse ziemlich viele Leute standen und sowohl unnötig warten als auch mithören mußten. Ich ging weiter und versuchte die Münze in den Schlüsselschlitz im °weiblichen Kasten° zu stecken. Aber das funktionierte natürlich nicht. Eine Putzfrau kam vorbei, und mit zum Himmel rollenden Augen über so viel Dummheit grapschte sie mir die männliche Münze aus der Hand, ging zum männlichen Kasten und steckte sie dort in den Schlitz. Funktionierte einwandfrei. Nun hatte ich den männlichen Schlüssel in der Hand. Was sollÜs? Das Schicksal hatte gesprochen! Dann ging ich halt in die Männerkabine. Zum ersten Mal in der Männer-Kabine... Es sieht genauso aus wie bei den Damen. Die Männer und Jungen würdigen mich keines Blickes, schließlich sehe ich aus wie einer von ihnen. In Kleidern. Obwohl das Schwimmbad in Langen so modern ist, gibt es kaum Einzelkabinen. Pro Umkleideeinheit mit ihren ca. 40 Spinden gerade mal 2 Stück! Die anderen müssen sich vor ihren Spinden wie in einer Sammelkabine für Schüler umziehen. Auf dem Hinweg habe ich Glück. Eine Kabine ist frei! Ich ziehe mich um. Jetzt kommt der Schocker-Teil! Ich muß meine Kleider zum Spind bringen, sie einschließen und dann schnell abhauen, bevor irgend jemand anfängt mich zurechtzuweisen! Ich hänge mein Handtuch so um die Schultern, daß es den Badeanzug etwas verdeckt. Dann hole ich tief Luft und marschiere los. Es klappt reibungslos. Zur Zeit sind auch nur zwei Leute hier. In der Damendusche befestige ich mein blaues Schlüsselband am Handgelenk und tue so, als ob das ganz normal wäre. Vielleicht sieht es auch niemand. Ansonsten trage ich es mit einem gewissen Stolz. Es ist wie ein Ausweis für Männlichkeit. Schade, daß ich den Badeanzug anhabe. In normalen Kleidern wäre die Sache perfekt gewesen! Ich steige ins Wasser und schwimme meine Strecke. Mein Arm mit dem blauen Schlüsselband bewegt sich vor meinen Augen. Es ist dort wie selbstverständlich. Eine Vorschau auf kommende Zeiten? Ich genieße das Schwimmen. Doch früher oder später muß ich in den sauren Apfel beißen und wieder in die Kabine gehen. Jetzt ist sie voller als vorhin. Und keine Einzelkabine ist frei! So ein Mist! Da bleibt mir nichts anderes übrig als mich vor meinem Spind umzuziehen. Ob ich nun im nassen Badeanzug in der falschen Kabine stehe oder mich dort umziehe - es kommt aufÜs selbe raus. Jetzt kommt mir meine Stranderfahrung zugute. Dort habe ich es gelernt, mir einen Badeanzug auszuziehen, ohne daß es etwas zu sehen gibt. Ich streife mir die Träger über die Schultern, ohne den Badeanzug hinunterzuziehen, ziehe mein Unterhemd an, greife darunter und ziehe den Badeanzug bis zur Gürtellinie hinunter, hänge mir mein Handtuch um die Hüften und wechsle darunter die Hosen. Dabei starre ich stur geradeaus. Wahrscheinlich werfen meine Nachbarn einige verwunderte Blicke in meine Richtung, aber die will ich lieber nicht erwidern, denn damit könnte ich Fragen provozieren. Die Männer sind anscheinend so baff, daß sie sich nicht trauen, etwas zu sagen. Oder es ist ihnen egal. Im umgekehrten Fall - wenn ich mich mit männlichem Körper in der Damenkabine umgezogen hätte - hätte es bestimmt ein Riesengezeter gegeben! So - und jetzt raus hier! Mit der zuklappenden Kabinentür im Rücken kann ich mein Tempo getrost verlangsamen. Hier draußen hat mich niemand im Badeanzug gesehen. Hier bin ich der Mann, komme aus der Männerkabine heraus und tausche meinen selbstverständlich blauen Schlüssel wieder gegen die Münze ein. Die Putzfrau nickt wohlgefällig mit dem Kopf. Auch die dümmsten Jungs sind lernfähig! Ich genieße diese Sekunden.
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