Ein Märchen von Tag und Nacht hat mich auf eine ganz andere Art berührt als viele klassische Fantasygeschichten. Es ist weniger ein Abenteuer im klassischen Sinne, sondern eher eine Reise nach innen und genau das hat mich überrascht und gleichzeitig total abgeholt.
Schon nach den ersten Seiten hatte ich das Gefühl, dass hier mehr zwischen den Zeilen passiert als auf ihnen. Die Geschichte wirkt ruhig, fast sanft, und trotzdem steckt unglaublich viel Tiefe darin. Es geht um Fragen, die man nicht einfach beantwortet, sondern eher fühlt: Wer bin ich? Was hält mich zurück? Und was brauche ich, um wirklich weiterzugehen?
Ich mochte besonders die Bildsprache. Viele Szenen haben sich für mich fast wie kleine Gedankenbilder angefühlt nicht laut oder spektakulär, sondern leise und intensiv. Es ist eines dieser Bücher, bei denen man automatisch langsamer liest, weil man die Worte wirken lassen möchte.
Die Figuren sind weniger klassische Charaktere, sondern eher Spiegel. Man erkennt sich in ihnen wieder, manchmal mehr, als einem lieb ist. Genau das macht die Geschichte so persönlich. Es gab einige Stellen, bei denen ich kurz innehalten musste, weil sie mich direkt getroffen haben.
Der Schreibstil ist klar, aber gleichzeitig poetisch. Nicht überladen, sondern genau richtig, um die Gedanken und Gefühle zu transportieren. Ich hatte nie das Gefühl, dass etwas künstlich wirkt alles fließt ruhig und stimmig.
Wenn ich einen kleinen Punkt nennen müsste: Man muss sich auf die Erzählweise einlassen. Wer eine actionreiche Handlung erwartet, wird hier vielleicht nicht ganz abgeholt. Aber genau diese Ruhe ist auch die Stärke des Buches.
Für mich ist Ein Märchen von Tag und Nacht eine besondere, fast meditative Lektüre, die noch lange nachwirkt. Ein Buch, das nicht laut ist aber genau deshalb so viel sagt.