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32 Postkarten - Post aus Nazi-Deutschland

Post aus Nazi-Deutschland. Das Schicksal einer deutsch-jüdischen Familie aus Hamburg vor der Deportation.…
Buch (kartoniert)
32 Postkarten schrieben die deutsch-jüdischen Großeltern des Autors zwischen 1940 und 1941 von Hamburg aus an ihren Sohn Walter Wächter in Schweden- die letzte Karte unmittelbar vor ihrem Transport in ein Konzentrationslager bei Riga.
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32 Postkarten - Post aus Nazi-Deutschland als Buch (kartoniert)

Produktdetails

Titel: 32 Postkarten - Post aus Nazi-Deutschland
Autor/en: Torkel S Wächter

ISBN: 3862822923
EAN: 9783862822928
Post aus Nazi-Deutschland. Das Schicksal einer deutsch-jüdischen Familie aus Hamburg vor der Deportation.
Originalausgabe.
Übersetzt von Paul Berf
Acabus Verlag

1. März 2014 - kartoniert - 177 Seiten

Beschreibung

32 Postkarten schrieben die deutsch-jüdischen Großeltern des Autors zwischen 1940 und 1941 von Hamburg aus an ihren Sohn Walter Wächter in Schweden- die letzte Karte unmittelbar vor ihrem Transport in ein Konzentrationslager bei Riga.
Die hier versammelten Originaldokumente erzählen die dramatische Geschichte einer Hamburger Familie: Wie die Großeltern Minna und Gustav Wächter die Machtergreifung der Nationalsozialisten erlebten und welche Folgen dies für sie und ihre drei Söhne hatte. Sie wurden denunziert, verhaftet, gefoltert. Die Söhne konnten fliehen, doch von den Großeltern hat man nach ihrer Deportation nie wieder etwas gehört. Nur zwei Stolpersteine in Eimsbüttel erinnern heute noch an sie.
Der Autor Torkel S Wächter hat die Postkarten im Nachlass seines Vaters gefunden, Deutsch gelernt, Zeit in Archiven verbracht und Menschen getroffen, die ihm von dem erzählten, wonach er seinen Vater nie gefragt hat. Er hat Verwandte kennen gelernt, von denen er nie zuvor gehört hatte. Dabei ist Torkel S Wächter klar geworden, dass Dinge, die verloren gingen, nicht für immer fort sein müssen. Die 32 Briefkarten sind ein Beweis dafür und ein Vermächtnis für uns alle.
Siehe auch:
http://stolpersteine-hamburg.de/index.php?MAIN_ID=7&BIO_ID=1008

Portrait

Torkel S Wächter wurde 1961 in Stockholm geboren. Er studierte Wirtschaftsgeschichte, Entwicklungshilfe und Sprachen an den Universitäten von Lund, Melbourne und Barcelona sowie Judaistik am Paideia - The European Institute for Jewish Studies in Stockholm, und Restaurierungskunst an der Königlichen Kunsthochschule in Stockholm. Wächter ist darüber hinaus Pilot; er erhielt seine grundlegende Flugausbildung an der Königlichen Kampfflugschule in Ljungbyhed und war zwischen 1986 und 1999 als Verkehrspilot für die Fluggesellschaft SAS tätig. Wächters erster Roman Samson von 1997 basiert auf seinen Erfahrungen als Pilot.
Wächters zweiter Roman, Ciona - eine Selbstbiologie, von 2002, erzählt von einer Wissenschaftlerin und behandelt Themen wie Fortpflanzung und weibliche Sexualität. Der Roman erschien unter dem Pseudonym Tamara T und es wurde allgemein angenommen, dass eine Frau das Buch geschrieben hatte. Es war das erste Buch, das unter einem Pseudonym veröffentlicht und für den renommierten Augustpreis nominiert wurde.
In den letzten Jahren hat Wächter mit authentischem Material aus dem Dritten Reich gearbeitet, sowohl offiziellen Dokumenten als auch privaten Briefen und Tagebüchern. '32 Postkarten' ist der erste Teil des Literatur- und Kunstprojekts Simulierte Echtzeit und wurde von März 2010 bis Dezember 2011 durchgeführt. Mittlerweile haben er und seine vier Kinder auch die deutsche Staatsbürgerschaft zurückbekommen.

Leseprobe

6. April 1940, Postkarte von Gustav und Minna Wächter:

Meine Lieben!
Wir erhielten die Briefe von John u. Max von Euch u. ferner bestätige ich mit bestem Dank den Eingang Eurer Karte vom 28. März am 4. April. Wenn Ihr mal wieder Briefe nachschickt, dann müßt Ihr dies auch vermerken, damit keine Reklamationen kommen. Die Angelegenheit ist ja nunmehr erledigt. Die Prüfstelle konnte doch nicht wissen, daß die Briefe wegen Übergewichts nicht beigefügt waren. Hier ist das Wetter auch noch immer sehr schlecht u. kalt. Von John u. Max haben wir in der letzten Zeit nichts gehört. Von Max bekamen wir gestern einen Brief vom 10. Dez., wovon Ihr auch eine Abschrift bekommen habt.
Dr. Blumenthal ist immer noch in der Schweiz, es hat sich noch nichts geändert.
Möchtet Ihr schon bald nach Palästina oder ist Euch das einerlei. Wann besteht denn für Euch Aussicht dort hinzukommen? Ich finde, Ihr seid ganz gut dort aufgehoben, so daß es m.E. ganz gut ist, wenn Ihr noch vorläufig dort bleibt.

Kommentar:

Am 6. April 1940 halten sich die drei Brüder Wächter in Brasilien, Argentinien sowie Schweden auf. Ihre Eltern sind in Hamburg geblieben. Für die Polen ist der Weltkrieg seit dem 1. September 1939 grausame Realität, für die Alliierten und die deutsche Heimatfront ist er dagegen vorerst nur ein Krieg auf dem Papier, ein phoney war oder Sitzkrieg, ohne Kampfhandlungen zwischen den Alliierten und Nazideutschland, obwohl Großbritannien und Frankreich ein halbes Jahr zuvor, nur wenige Tage nach Hitlers Überfall auf Polen, Deutschland den Krieg erklärt haben. Die Armeen stehen sich an der deutsch-französischen Grenze Auge in Auge gegenüber und täglich steigen Maschinen der Luftwaffe zu Erkundungsflügen auf. Der erste Fliegeralarm wurde in Hamburg bereits am 4. September 1939 ausgelöst. Das einzige, was die Briten bislang über der Stadt abgeworfen haben, sind jedoch Flugblätter gewesen.
Walter und Erna scheinen in Schweden relativ sicher zu sein, auch wenn die Führung von Hechaluz die Mitglieder in ihren Rundschreiben auffordert, ein Fahrrad bereit zu halten, um nach Norden zu fahren, falls Schweden in den Krieg hineingezogen werden sollte.

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Am 4. Dezember 1941 verlassen Gustav und Minna für immer den Scheideweg. Sie werden ihre beiden letzten Nächte in ihrer Heimatstadt zusammen mit hunderten anderer Menschen in einem eiskalten Schlafsaal verbringen. Als der Zug am 6. Dezember 1941 den Hannoverschen Bahnhof und Hamburg verlässt, sind Gustav und Minna Wächter keine deutschen Staatsbürger mehr. Gustav schreibt mit seiner schönen Beamtenhandschrift eine Briefkarte, in der er erzählt, dass sie gerade etwas zu essen bekommen haben und alles in Ordnung sei. Anschließend gibt er die Briefkarte einem Polizisten auf dem Bahnsteig in Bad Oldesloe und bittet diesen, die Karte in einen Briefkasten zu werfen. Was danach geschieht, hat im Grunde nichts mit Gustav und Minna zu tun.
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