Die Legende vom Papst Gregorius ist Thomas Mann früher, als er selbst erinnerte, bekannt geworden: Im Wintersemester 1894/1895 als Hospitant in den Vorlesungen des Münchner Germanisten Wilhelm Hertz über Hartmann von Aue. Auf diesen im Inzest gezeugten »christlichen Ödipus« mit der »Kraft der Reue zur Vergebung jeglicher Sünde« stieß er dann wieder, auf der Suche nach einem Stoff »zur Verarbeitung als groteske Puppenspiele« für seinen Helden Adrian Leverkühn, »in dem alten Buch Gesta Romanorum «; erst da, im Oktober 1945, wurde er sich, den Legendenstoff im entstehenden Doktor Faustus zusammenfassend, des Reizes der Eigengestaltung bewußt; der Faust-Tragödie sollte nach antikem Beispiel das Satyrspiel - »dieses in Gott vergnügte Büchlein« - folgen.
Unter Nutzung aller Mittel, »die der Psychologie und Erzählkunst in sieben Jahrhunderten zugewachsen sind«, formte, ja stilisierte er »ein zeitlich ziemlich unbestimmtes übernational-abendländisches Mittelalter mit einem Sprachraum, wo das Archaische und das Moderne, Altdeutsche, Altfranzösische, gelegentlich englische Elemente sich humoristisch mischen«.
Unter Nutzung aller Mittel, »die der Psychologie und Erzählkunst in sieben Jahrhunderten zugewachsen sind«, formte, ja stilisierte er »ein zeitlich ziemlich unbestimmtes übernational-abendländisches Mittelalter mit einem Sprachraum, wo das Archaische und das Moderne, Altdeutsche, Altfranzösische, gelegentlich englische Elemente sich humoristisch mischen«.

Taschenbuch
Thomas Manns frühe Erzählungen in neuer Gestaltung
Thomas Manns erster erhaltener Prosatext »Vision« erschien 1893 in der Schülerzeitschrift »Der Frühlingssturm«. Er bildet den Grundstein für die Laufbahn eines Erzählers, die ihresgleichen sucht. Bereits 1897 druckte die »Neue Deutsche Rundschau« die Erzählung »Der kleine Herr Friedemann«, die ein Jahr später zusammen mit fünf weiteren Erzählungen als erste Buchveröffentlichung Thomas Manns im S. Fischer Verlag publiziert wurde. Mit »Tonio Kröger« erschien 1903 eine Künstlernovelle, die bis heute zu den populärsten Erzählungen Thomas Manns zählt, und 1912 findet die Phase der frühen Erzählungen mit dem »Tod in Venedig« ihren Höhepunkt und Abschluss.











