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Rudernde Hunde

Geschichten.
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Elke Heidenreich und Bernd Schroeder, zwei Dichter an einem Tisch, zwischen sich das Meer der erfundenen und erlebten Geschichten. In ihnen treten auf: verwitwete Finanzbeamte, körnergefütterte Hühner, Nurejews Hund und eben - rudernde Hunde. Neben h … weiterlesen
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Rudernde Hunde als eBook

Produktdetails

Titel: Rudernde Hunde
Autor/en: Elke Heidenreich, Bernd Schroeder

EAN: 9783446242616
Format:  EPUB
Geschichten.
Hanser, Carl GmbH + Co.

19. November 2012 - epub eBook - 208 Seiten

Beschreibung

Elke Heidenreich und Bernd Schroeder, zwei Dichter an einem Tisch, zwischen sich das Meer der erfundenen und erlebten Geschichten. In ihnen treten auf: verwitwete Finanzbeamte, körnergefütterte Hühner, Nurejews Hund und eben - rudernde Hunde. Neben heiteren gibt es auch melancholische Geschichten, in dem Ton, den man bereits aus den letzten Erfolgen der beiden kennt und liebt.

Portrait

Elke Heidenreich lebt in Köln. Sie studierte Germanistik und Theaterwissenschaft und arbeitete bei Hörfunk und Fernsehen. Bei Hanser erschienen zuletzt Rudernde Hunde (mit Bernd Schroeder, Geschichten 2002), Der Welt den Rücken (Geschichten 2012), Alte Liebe (mit Bernd Schroeder, Roman 2009), Passione (Liebeserklärung an die Musik 2009) und Alles kein Zufall (Kurze Geschichten 2016). Im Kinder- und Jugendbuch veröffentlichte sie Nero Corleone kehrt zurück (mit Quint Buchholz, 2011), Nurejews Hund (mit Michael Sowa, 2013), Erika (mit Michael Sowa, 2015) und Erika meets Nero Corleone (Elke Heidenreichs schönste Geschichten, E-Book 2016).
 

Leseprobe

Rudernde Hunde


KARNEVAL, BITTERKALT, ich glaube, es war 1982. Ich glaube sogar, es war der Rosenmontag. Walter und ich waren tatsächlich auf einem Kostümfest gewesen, selten genug, wir haßten den Karneval, aber um ihn wirklich zu hassen, muß man ihn ja schließlich auch mal mitgemacht haben. Walter trug ein Bärenkostüm, ich ging als Panzerknacker in Gestreift mit Nummer auf der Brust und Pappkugel am Bein. Wir kamen um Viertel nach eins in der Nacht nach Hause, leicht angetrunken, verfroren, es schneite wieder. Ich freute mich auf ein letztes Glas Sekt in der warmen Badewanne und auf mein Bett.

Aber es kam anders. An diesem Abend sollten Heinz und Fritz in mein Leben treten.

Wir fanden auf der Matte zu unserer Wohnung einen Zettel der Nachbarin, die während unserer Abwesenheit nach dem Hund geschaut hatte und auch einmal mit ihm rausgegangen war.

»Telefon hat geklingelt«, schrieb sie, »ein Albert aus Paris. Er fährt mit dem Orientexpreß heute nacht nach München, und sein Zug hat genau um zwei Uhr drei eine Minute (1 Minute!) Aufenthalt hier. Ihr sollt bitte unbedingt an den Zug kommen, es wäre wahnsinnig wichtig.«

Das war noch nicht die Zeit der Handys. Der Zug von Paris nach München war jetzt unterwegs, Albert saß drin und würde in weniger als einer Stunde eine einzige Minute auf unserm Bahnhof sein. Was tun?

Albert war mein ältester und bester Freund. Gut, er war mehr als ein Freund gewesen – ich hatte einige Zeit mit ihm zusammen gewohnt, das Bett mit ihm und seinem Labrador Willi, das Bad mit ihm und seinem grünen, zahmen Leguan Theo, die Küche mit ihm und dem Kakadu Ernst-August geteilt. Es war ein chaotischer Haushalt, es war eine chaotische Zeit gewesen, und wir hatten uns, glaube ich, sogar ein bißchen geliebt. Aber ich bin wegen des Chaos dan
n doch eines Tages ausgezogen, nur um zu merken, daß mich diese Zeit mit Albert auf ewig für bürgerliche Lebensumstände mit Schrankwand, Sitzgruppe, Auslegeware, Ordnung, Sauberkeit und Frische verdorben hatte. Ich war in all dem Durcheinander sehr glücklich gewesen, aber das habe ich erst hinterher gemerkt.

Walter liebte die Ordnung, vor allem auf seinem Schreibtisch und in der Küche war sie ihm unerläßlich. Albert gegenüber war Walter freundlich, auch nicht nachträglich eifersüchtig, aber doch etwas reserviert. Albert, behauptete er, unterstütze meine fatale Neigung zu überbordender Phantasie, zu Leichtlebigkeit und Durcheinander in Haus und Kopf, und er kam nicht darüber hinweg, daß Albert mir nie die zweitausend Mark zurückgegeben hatte, die ich ihm – noch vor dem Zusammenleben mit Walter! – geliehen hatte. Dabei war es mein Geld gewesen, nicht seines, und ich mochte Albert nicht daran erinnern, denn er war mit mir immer großzügig gewesen und es hatte oft genug schon zum Frühstück Champagner und statt Mittagessen teure Trüffeltorte gegeben, und er hatte immer alles bezahlt. Also konnte ich ihm aus einer momentanen Notlage sehr wohl auch einmal heraushelfen, ohne das Geld gleich wieder einzuklagen. Für Walter waren das sogenannte undurchsichtige Verhältnisse, und als er mich einmal an einem leichtsinnigen Abend gefragt hatte, ob wir nicht heiraten sollten, hatte ich schaudernd gedacht: das wären dann durchsichtige Verhältnisse! und hatte nein gesagt. Seitdem hatten wir darüber nie wieder gesprochen.

Albert sah ich nur selten, wir telefonierten manchmal, und nun hatte er also angerufen, mitten in der Nacht. Es war völlig klar: er brauchte uns, mich, er war in Not.

»Er ist krank«, sagte ich, »er mußte unbedingt auf diesen Zug, aber er ist krank. Er hat Schmerzen, Fieber, i
hm ist schlecht. Er braucht Aspirin. Er braucht heißen Tee, er braucht ein Antibiotikum, er braucht Halspastillen und Hustensaft.«

»Grundguter Himmel«, sagte Walter, »mach doch nicht so ein Theater. Krank! Was der braucht, ist wahrscheinlich Geld. Er wird in Paris alles rausgehauen haben und sitzt jetzt pleite im Zug und kann morgen früh nicht mal das Taxi zahlen. Der braucht Geld, sonst braucht der gar nichts.«

Ich zog es vor, darauf lieber nicht zu antworten, und band mir die Kugel vom Bein. Schluß mit Panzerknacker, jetzt war Fürsorge gefragt.

»Zahnschmerzen«, sagte ich, »er hat vielleicht Zahnschmerzen und braucht Zahnschmerztabletten, nach denen man schlafen kann, Dolomo Nacht, die blauen.«

Albert hatte ein prächtiges Gebiß, aber man weiß ja nie, und Walters Zähne bröckelten täglich schmerzhaft vor sich hin, Zahnschmerztabletten hatten wir immer im Haus, also, warum nicht, vorsichtshalber? Ich begann, eine Tasche zu packen. Aspirin, Hustensaft, Dolomo, ich kochte Tee und füllte ihn in die Thermoskanne, und eine Wärmflasche präparierte ich auch. Walter saß im Bärenkostüm, allerdings jetzt ohne Kopf, am Tisch und sah mir zu.

»Sonst noch was«, sagte er verächtlich.

»Ich war mal in einem Zug ohne Heizung, von Bonn bis Wien«, sagte ich, »das ist furchtbar, man friert sich tot. Vielleicht ist keine Heizung in seinem Zug«, und aus Trotz holte ich noch die blaue Wolldecke, die Walter besonders gern mochte. Er kniff die Lippen zusammen und sagte nichts.

Ich plünderte den Apothekenschrank im Bad und legte Hansaplast und Wundsalbe in die Tasche, nur die Tabletten gegen Menstruationsschmerzen ließ ich liegen.

Der Hund steckte seine Nase in die Tasche, wedelte mit dem Schwanz und freute sich darüber, daß es nun wohl bald
auf Reisen ging. Er sah das Leben immer eins zu eins, und er nahm alles, was sich ereignete, als günstige Wendung für sein Hundeleben an. Es war ein sehr törichter Hund, aber ich liebte ihn nun mal. Er hieß eigentlich Purzel, aber Walter nannte ihn Kuno und versuchte, ihm »Sitz! Platz! Fuß!« beizubringen, bis jetzt aber vergeblich. Ich hatte Purzelchen aus dem Tierheim geholt, als ich noch allein war, und Walter konnte sich zuerst ein Leben mit einem Tier gar nicht vorstellen. Aber dann sah er in ihm eine Aufgabe und fand, ein Hund müsse in erster Linie mal parieren. Der Meinung war ich gar nicht, ich dachte, ein Hund müßte in erster Linie dafür sorgen, daß Pfotentapsen auf allzu ordentliche Teppiche und Haare auf keimfreie Sofas kämen und daß Post und Schuhe ein bißchen angeknabbert würden. Aber das sagte ich natürlich nicht.

Albert war Antiquitätenhändler, immer unterwegs nach schönen Dingen für seinen Schwabinger Laden. Vielleicht hatte er sich an einem alten Möbel verletzt, geklemmt, geschnitten – er brauchte Schmerztabletten aller Art, Mullbinden, Watte, Jod, reinen Alkohol. Wir waren gut ausgestattet.

»Vielleicht gibt es in dem Zug nichts zu essen«, überlegte ich und schmierte vier dicke Butterbrote und belegte sie mit Salami und Käse. Walter nahm sich ein Salamibrot und biß hinein. »Ich habe auch Hunger«, sagte er mürrisch, »falls das irgendwen interessiert.«

Dem Hund tropfte der Speichel aus dem Maul auf den Küchenboden, bis mir ein Stück Salami wie zufällig aus der Hand rutschte und ihn glücklich machte. Walter verkniff es sich, zu sagen: »Der Hund soll am Tisch nicht gefüttert werden!«, und ich rechnete ihm das irgendwie als Pluspunkt an. Pluspunkte, fand ich, brauchte er jetzt dringend. Ich wickelte die Brote gut ein, l
egte das, was wir an Äpfeln, Schokolade, Mandarinen hatten, noch dazu. Die Tasche war fast voll. Wir hatten noch knappe zwanzig Minuten Zeit, und ich dachte nach.

»Vielleicht will er dir ja endlich die zweitausend Mark zurückgeben«, sagte Walter. Ich antwortete darauf nicht, ging suchend durch die Wohnung und packte aktuelle Zeitungen, ein spannendes Buch, Zigaretten, Streichhölzer in die Tasche.

Was konnte ein Mann, der nachts in Not anrief, noch brauchen? Ich stattete den kleinen Kassettenrecorder mit frischen Batterien aus, legte die Kopfhörer dazu und ein paar Kassetten mit Mozart, Bach und Deep Purple, Smoke on the water and fire in the sky, und Walter sagte: »Das siehst du alles nie wieder.«

Um Viertel vor zwei war ich gerüstet. Ich ging noch einmal alles durch, was ich eingepackt hatte, und siehe, es war gut.

»Was ist«, fragte ich Walter, »gehst du mit oder nicht?«

Mit dieser Entscheidung hatte er schon die ganze Zeit gekämpft. Einerseits hatte er überhaupt keine Lust, in der kalten Nacht noch zum Bahnhof zu fahren. Andererseits wollte er mich so allein auch nicht ziehen lassen, und wer garantierte denn, daß ich nicht in den Zug stieg und …

»Der Hund muß sowieso noch mal raus«, sagte er, stand auf und nahm die Leine.

Kuno-Purzel tobte übermütig herum und freute sich, ich nahm die prallvolle Tasche und zog den Mantel über mein Sträflingskostüm.

»Dann los«, sagte ich. Wir schlossen die Wohnung ab, der Hund sprang glücklich vor uns her die Treppe hinunter und hüpfte ins eiskalte Auto, und dann fuhren wir zum Bahnhof, der Hund, der Bär und der Sträfling, in bitterer Kälte, bepackt mit einer Tasche, die alles enthielt, was ein einsamer Mann in einem nächtlichen Zug eventuell brauchen konnte. Sogar eine Flasche Bordeaux und unseren
einzigen Korkenzieher hatte ich hinter Walters Rücken noch rasch dazugeschmuggelt.

Der Zug war pünktlich. Frierend sahen wir ihn einfahren, zitternd vor Kälte und vor Spannung. Ich stand da mit der Tasche, Walter hielt den Hund, befahl: »Sitz!« und knurrte: »Wenigstens ist er pünktlich, mal was Neues!«, so als würde Albert den Zug persönlich fahren und selbst für den Fahrplan verantwortlich sein.

Der Orientexpreß kam mit kreischenden Bremsen um zwei Uhr drei zum Stehen. Außer uns war niemand zu dieser Stunde auf dem Bahnsteig. Ein Mann stieg aus. Die meisten Fenster waren dunkel. Walter überblickte die rechte, ich die linke Seite.

»Da«, sagte er und deutete mit dem Kinn zu einer offenen Tür, und ich...


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