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Der Letzte der Engel

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Kirkuk im Irak der fünfziger Jahre. Das Leben von Hamid beginnt an jenem Tag, an dem er seine Stelle als Fahrer bei der britischen Erdölfirma verliert und seinen unglücklichen Spitznamen Hamid Nylon erhält. Er soll - so die Gerüchte - der leichtferti … weiterlesen
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Produktdetails

Titel: Der Letzte der Engel
Autor/en: Fadhil al-Azzawi

EAN: 9783908778615
Format:  EPUB
Übersetzt von Larissa Bender
Dörlemann eBook

13. August 2014 - epub eBook - 520 Seiten

Beschreibung

Kirkuk im Irak der fünfziger Jahre. Das Leben von Hamid beginnt an jenem Tag, an dem er seine Stelle als Fahrer bei der britischen Erdölfirma verliert und seinen unglücklichen Spitznamen Hamid Nylon erhält. Er soll - so die Gerüchte - der leichtfertigen Frau seines »Boss« Avancen gemacht haben. Hamid findet in der Folge seine Berufung als Revolutionär und gründet eine Gewerkschaft ...

Portrait

FADHIL AL-AZZAWI, geboren 1940 in Kirkuk, verließ 1977 den Irak und lebt seither in Deutschland. Er schrieb zahlreiche Romane, Gedichte und Essays. Der Letzte der Engel erschien in den USA mit einer Startauflage von 200 000 Exemplaren. Fadhil al-Azzawi lebt heute in Berlin.

LARISSA BENDER, geboren 1958 in Köln, Studium der Islamwissenschaft und Ethnologie in Köln, Berlin und Damaskus. Sie arbeitet als Arabischübersetzerin und Journalistin.

Leseprobe

Erstes Kapitel

Hamid, damals noch nicht unter seinem Spitznamen bekannt, der ihm bis an sein Lebensende anhaften sollte, betrat die Wohnung, der ein Hauch von Weite entströmte. Wie immer stieß er die schwere, mit breitköpfigen Nägeln beschlagene Türe aus Walnussholz einfach mit dem Fuß auf. Sie wurde nur nachts mit einem Schubriegel mit weit hervorragenden Zacken verschlossen, auf dem sich der Grünspan ausgebreitet hatte, sodass der Riegel an den Enden hellgrün schimmerte. Danach stieg Hamid die wenigen Stufen zu den beiden kleinen, über dem Eingang zum Hof liegenden Räumen hinauf.

Es war das erste Mal, dass Hamid so früh von seiner Arbeit in der Erdölfirma zurückkehrte. Seine Frau Fatima wunderte sich, hatte sie ihn doch nicht vor dem Nachmittag zurückerwartet, und jetzt war es noch nicht einmal elf. Sie plauderte gerade über das niedrige Mäuerchen hinweg mit ihrer Nachbarin im angrenzenden Haus über ihre nächtlichen Vergnügen, als Hamid ihr unschuldiges Lachen unterbrach. In Wahrheit trübten Bitterkeit und Kummer Fatimas Glück, denn es war bereits mehr als ein Jahr seit ihrer Hochzeit vergangen, und noch immer war sie nicht schwanger geworden. Sie hatte fast alle namhaften und namenlosen Imame der Stadt aufgesucht, um sich ein Amulett gegen die Unfruchtbarkeit anfertigen zu lassen, das den Zauber, den ihr ihre vielen Neiderinnen offensichtlich angehext hatten, unwirksam werden lassen sollte. Obwohl sie dies niemals laut ausgesprochen hatte, kreisten ihre Zweifel von Beginn an um Nazira, die Schwester ihres Mannes, und deren Mutter, Hidaja, eine fettleibige Alte, die aus ihrem Umgang mit dem Teufel keinen Hehl machte. Deren Haus war voller Kräuter und getrockneter Blüten, Knochenmehl und verschiedener chemischer Substanzen, die sie bei den jüdischen Drogisten in Qaisarija am Eingang zum alten Suk erwarb.

Einer
der Imame, die Fatima aufgesucht hatte, war blind gewesen. Für einen Dirham hatte er ihr ein Amulett geschrieben und zu ihr gesagt: »Dieses Amulett wird jeden Teufel verbrennen, der es wagt, sich dir zu nähern.« Um sicherzugehen, war sie aber auch noch zu einem turkmenischen Imam gegangen, der in einem namenlosen Gässchen hauste, das vom Dschai-Viertel abzweigte. Weil ihr Bauch sich jedoch nicht zu wölben begann, riet ihr ihre Nachbarin ein oder zwei Monate später, doch einmal die Gräber der toten Imame aufzusuchen, wenn schon die lebenden, die erst nach Entgegennahme der Bezahlung ihre Amulette anfertigten, nichts hatten ausrichten können. Also hüllte sich Fatima in ihre schwarze Abaja und machte sich auf zum Mausoleum von Imam Ahmad, das sich mitten auf der großen Straße befand, die den Musalla-Bezirk mit dem alten Suk verband. Dort weinte und flehte sie, fest entschlossen, so lange sitzen zu bleiben, bis der Imam ihre Bitte nicht mehr ignorieren konnte. Da sie in ihrer inbrünstigen Hingabe und in Tränen aufgelöst vollkommen vergessen hatte, dass sie mitten auf der Straße saß, wäre sie sogar beinahe von einem vorbeifahrenden Auto angefahren worden. Als Nächstes besuchte sie das Grab eines kurdischen Imams auf dem Musalla-Friedhof, von dem man sich erzählte, dass er mit den Vögeln zu sprechen pflegte, die ihn nicht nur verstanden, sondern ihm auch gehorchten. Als sich aber einen Monat später immer noch keine Veränderung bei ihr eingestellt hatte – wenngleich sie ihren Mann gezwungen hatte, mehrere Male in einer einzigen Nacht mit ihr zu schlafen –, sagte ihre Mutter zu ihr: »Dieses Mal werden wir das Grab eines jüdischen Heiligen aufsuchen, denn niemand ist dem Teufel ergebener als die Juden. Böses kann seine Wirksamkeit nur durch Böses verlieren.« Am nächsten Morgen erzählte sie ihrer N
achbarin davon, die ihr daraufhin riet, zur Zitadelle zu gehen und von einer Christenfamilie den Zahn eines Schweins zu erbitten, den die Christen normalerweise in die Wasserkrüge legten. Diesen Zahn solle sie unter das Kopfkissen ihres Mannes stecken, denn der Satan fürchte nichts mehr als einen Schweinezahn. Vielleicht wegen der zahlreichen Ratschläge von allen Seiten, vielleicht aber auch aus Verzweiflung über die Heiligen, die ihre Fähigkeit, Wunder zu tun, verloren hatten, beschloss Fatima, diese enttäuschenden Versuche – zumindest vorübergehend – einzustellen und stattdessen noch öfter mit ihrem Mann zu schlafen. Sie wusste nämlich – und damit lag sie wohl richtig –, dass die ganze Angelegenheit eher im Bett als an jedem anderen Ort entschieden wurde – und sei er auch die Ruhestätte der Gott am nächsten stehenden Heiligen.

Fatima hätte sich allerdings gar nicht so gegrämt, wäre da nicht das Drängen ihrer Mutter gewesen und die Anspielungen der alten Hidaja und deren Tochter Nazira, die gerne in Rätseln mit ihr zu sprechen pflegten: »Die Kuh, die nicht wirft, wird geschlachtet.« Sie genoss ihre nächtlichen Wonnen mit ihrem Mann, der niemals auch nur daran gedacht hatte, Kinder in die Welt zu setzen, denn seine Liebe zu den Frauen war größer als jede andere Liebe in seinem Leben. Mehr noch als das aber wollte er sich so lange wie möglich das Gefühl bewahren, jung und unbeschwert zu sein. Er ging morgens zu seiner Arbeit in der Erdölfirma und kehrte erst nach Hause zurück, wenn es ihm gefiel – mitunter kam er nachmittags, meist aber nicht vor zehn oder elf Uhr nachts. Fatima war darüber keineswegs verärgert, denn, abgesehen von den Geschichten, die er ihr manchmal erzählte, wusste sie nichts über seine Arbeit. Sie wusste, dass er das Privatauto e
ines englischen Ingenieurs und dessen Frau steuerte, und da er die beiden von Ort zu Ort kutschierte und oft auf sie warten musste, hatte sie begriffen, dass diese Art von Beschäftigung es häufig erforderte, bis spät in die Nacht zu arbeiten. Von Zeit zu Zeit musste er seinen Boss auch in andere Städte oder Regionen begleiten. Besonders während der christlichen Feiertage brachte er dann Londoner Schokolade oder gezuckerte Kokosnussstücke mit nach Hause, die sie noch nie vorher gekostet hatte.

Als sie ihren Mann jetzt das Haus betreten sah, eilte sie auf ihn zu. Zum ersten Mal seit ihrer Hochzeit kam er um diese Uhrzeit nach Hause. Sie war beunruhigt und verwirrt, doch sie beherrschte sich mit Mühe und erkundigte sich nicht nach dem Grund für seine vorzeitige Rückkehr. »Ich möchte mich ein wenig hinlegen«, sagte er stattdessen lächelnd zu ihr. Erst da fand sie den Mut, ihn vorsichtig zu fragen: »Du bist doch hoffentlich nicht krank?« »Nein, gar nicht«, antwortete er und stieg die Stufen zu ihren beiden Zimmern über dem Hauseingang hinauf, »ich bin nur müde.« Diese Antwort genügte ihr. »Gut«, entgegnete sie, »ich werde mich mit dem Kochen beeilen, damit wir gemeinsam Mittag essen können.« Mit diesen Worten zog sie sich zum Kochen zurück. Sie war glücklich und zufrieden, dass ihr Mann zu Hause war, bei ihr. Und wenn etwas nicht in Ordnung wäre, würde er es ihr bestimmt erzählen, da war sie sich sicher.

Ganz im Gegensatz zu seiner Gewohnheit hüllte sich ihr Mann jedoch in Schweigen. Mehr noch, er verließ nicht einmal das Bett. Als der Nachmittag anbrach, ging er weder zum Kaffeehaus noch besuchte er seine Freunde, ja, nicht einmal auf die Straße trat er hinaus, um mit den Jugendlichen des Viertels ein Schwätzchen zu halten. Es kam sogar noch schlimmer, als er auch a
m nächsten Tag das Haus nicht verließ, um zur Arbeit zu gehen. Erst da begriff Fatima, dass etwas nicht stimmte, dass er etwas vor ihr verheimlichte und dass es – ganz sicher – etwas Ernstes war. Getrieben von ihren Befürchtungen, drängte sie ihn, ihr die Wahrheit zu erzählen, doch er entgegnete lapidar, er habe ein paar Tage Urlaub genommen. Auch wenn sie diese Antwort nicht gänzlich überzeugte, war sie immerhin ein wenig beruhigt, denn womöglich schwindelte er nur, um sie nicht zu verärgern oder zu beunruhigen.

Sie wusste schließlich, dass er ihr, wenn er bei guter Laune war, eine Geschichte nach der anderen über Mister McNeely, über seine leichtfertige Frau Helen und über all die anderen Engländer erzählte, die in Baba Gurgur in der Erdölfirma in Kirkuk arbeiteten. Sie wusste auch, dass alle Engländer »Boss« genannt wurden und dass ihnen die Firma gehörte. Sie mussten beide immer furchtbar lachen, wenn Hamid ihr erzählte, wie die englischen Frauen den Arbeitern schamlos ihre nackten Körper zur Schau stellten, und wie sie in T-Shirts und Shorts neben ihren gehörnten Ehemännern herumsprangen, die mit ihren Frauen auch noch prahlten. Hamid hatte sogar entdeckt, dass die Frau des Bosses mehr als einen Liebhaber hatte. Genauso wusste er von der Beziehung des Bosses mit der Tochter von Chamu, einem Assyrer, der in der Firma die Stellung eines »First Class«-Arbeiters innehatte, und dass ihr Vater sie zu dieser Beziehung sogar noch ermutigte. Als wäre es das Normalste von der Welt, versuchten der Boss und seine Frau nicht einmal, ihre Affären vor Hamid geheim zu halten. Wenn die attraktive brünette Gattin des Bosses sich von ihrem Liebhaber verabschiedet hatte, stieg sie mit einer solchen Selbstverständlichkeit zu Hamid ins Auto, als kehrte sie vom Gebet zurück. Einmal waren sie in Ha
banija am Ufer des Sees gewesen, als Helen sich splitternackt ausgezogen hatte. Als sie bemerkte, wie Hamid, vollkommen perplex, wild und lüstern ihren Körper anstarrte, zwinkerte sie ihm lächelnd zu, bevor sie sich ins Wasser begab. »Was willst du mehr als das?«, hatte Fatima ihn immer wieder aufgezogen. »Viele würden sogar noch dafür bezahlen, so eine angenehme Arbeit zu finden.«

In Wahrheit aber genoss Hamid seine Arbeit nicht so, wie seine Frau sich das vorstellte, denn wenn er hinter dem Steuer des Wagens saß und darauf wartete, dass Helen von ihrem Stelldichein kam, fühlte er sich nur allzu oft gedemütigt. Manchmal forderte man ihn sogar...


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