Die Netzflickerin als eBook
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Die Netzflickerin

Originaltitel: De nakomer.
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Diesmal ist es der Apotheker Roemer Simon Minderhout, der im Mittelpunkt des Geschehens steht und dessen kurze, heftige, um so unvergesslichere Liebe zu der Netzflickerin Hillegonda während der deutschen Besatzungszeit in den Niederlanden. Eine Liebe … weiterlesen
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Produktdetails

Titel: Die Netzflickerin
Autor/en: Maarten 't Hart

EAN: 9783492960328
Format:  EPUB
Originaltitel: De nakomer.
Übersetzt von Marianne Holberg
Piper Verlag GmbH

27. Februar 2013 - epub eBook - 448 Seiten

Beschreibung

Diesmal ist es der Apotheker Roemer Simon Minderhout, der im Mittelpunkt des Geschehens steht und dessen kurze, heftige, um so unvergesslichere Liebe zu der Netzflickerin Hillegonda während der deutschen Besatzungszeit in den Niederlanden. Eine Liebe, die ihn 50Jahre später auf eine beklemmende Weise einholt ...

Portrait

Maarten 't Hart, geboren 1944 in Maassluis, studierte Verhaltensbiologie, bevor er sich als Schriftsteller niederließ. 1997 erschien auf Deutsch sein Roman »Das Wüten der ganzen Welt«, der zu einem überragenden Erfolg wurde. Nicht zuletzt seine autobiografischen Bücher machten ihn zu einem der renommiertesten europäischen Gegenwartsautoren, dessen Bücher sich allein im deutschsprachigen Raum über 2 Millionen Mal verkauft haben.

Leseprobe

Neletta

Neletta Minderhout zog die Gardine zurück und sah, daß es in der Nacht geschneit hatte. Jacob Minderhout erwachte, richtete sich langsam auf und fragte: »Was ist los?«

»Mir ist wieder so schlecht.«

»Warum gehst du nicht zu dem neuen Doktor?«

»Der ist noch so jung. Wenn es unser alter Doktor wäre, würde ich …«

»Ja, aber der ist nun einmal im Ruhestand, geh doch zu dem Neuen. Er wird allgemein gelobt.«

»Kann sein, aber ich … vielleicht muß ich mich dann vor ihm ausziehen.«

»Warum in Gottes Namen?«

»Weil etwas mit meinem Bauch ist, wahrscheinlich wird er sich das ansehen wollen.«

Sie starrte in das Mondlicht, das auf den Schnee des Martinikerkhof fiel. Wenn sie doch nur brechen könnte, dann würde sie sich wenigstens für kurze Zeit etwas besser fühlen.

Ein paar Stunden später, an demselben klaren Wintertag, lehnte sie sich gegen die Anrichte. Sie hielt sich den Bauch, sie stöhnte. Floer wurde unruhig in ihrem Korb und bellte. Neletta strich ihr über den Kopf, richtete sich dann entschlossen auf, zog ihre Kittelschürze aus und lief zur Haustür. Hastig schlüpfte sie in ihren Wintermantel, und bevor sie es sich anders überlegen konnte, ging sie schon durch den Torbogen. Sie trat auf die mit dünnem Schnee bedeckte Straße. Ab und an schlitterte sie ein wenig, und nach ein paar Metern war sie von der prickelnd frischen Luft und dem Sonnenlicht, das dem Schnee einen hellblauen Glanz verlieh, so aufgemuntert, daß sie, als sie so dahineilte, alles andere als eine Frau mittleren Alters zu sein schien. Sie hatte schon immer auffallend jung ausgesehen. Vielleicht war das auch der Grund gewesen, weshalb Jacob, um viele Jahre jünger als sie, gut ein Jahr, nachdem si
e Witwe geworden war, mitten im Torbogen einfach vor ihr auf die Knie gesunken war und sie gefragt hatte: »Willst du meine Frau werden?«

»Steh erst mal auf«, hatte sie gesagt.

»Erst, wenn du geantwortet hast.«

»Dann kannst du da noch lange hocken.«

»Ist das deine definitive Antwort?«

»Die kann ich dir erst geben, wenn du aufgestanden bist.«

»Nein, ich bleibe hier knien, bis du ja gesagt hast.«

»Danke bestens. Weißt du, was meine Mutter immer sagte? Wer A sagt, muß auch B sagen.«

Sie war weggegangen, um eine Besorgung in der Turfstraat zu machen. Als sie zurückkam, sah sie, daß er stand. Sobald er sie erblickte, kniete er sich hastig wieder hin, wie zum Gebet. Sie hatte schon immer gewußt, daß Jacob Minderhout etwas eigenartig war. Wer wußte das nicht in Groningen? Als sie den Tod ihres Mannes meldete, hatte er ihr als diensthabender Gemeindebeamter beigestanden. Seitdem hatte sie oft gespürt, wie sein Blick auf ihr ruhte, einfach so, auf dem Martinikerkhof oder bei dem jüdischen Bäcker in der Folkingerstraat, wenn sie dort Sonntag morgens eine warme Challa holte. Ein anderes Mal sehr lange bei den Spilsluizen in der hellen blauen Dämmerung eines Winterabends.

Wenn sie überhaupt wieder heiraten wollte, konnte sie bestimmt eine schlechtere Wahl treffen. Er kam immerhin aus gutem Hause, sein Vater war Arzt gewesen. Nach dessen Tod war es allerdings mit der Familie Minderhout allmählich bergab gegangen; zuletzt waren Mutter und Kinder – bis auf den ältesten Sohn Herbert, der sein Apothekerstudium schon fast beendet hatte – in der Soephuisstraat untergekommen. Dennoch erinnerte sich in Groningen jeder an den alten Doktor Minderhout. Wie konnte also dessen Sohn, dieses große Kind mit seiner verrückten Amtssprache, es s
ich einfallen lassen, ihr den Hof zu machen? Sie fühlte sich belästigt und geschmeichelt, sie war verblüfft und verärgert, es amüsierte sie, aber nun schämte sie sich, daß er unter dem Torbogen wieder vor ihr auf die Knie gesunken war. Sie sagte: »Komm, steh bitte auf und geh!«

»Erst, wenn du ja gesagt hast.«

»Such dir ein Mädchen in deinem Alter.«

»Was soll ich mit so einem jungen Ding, das von nichts eine Ahnung hat. Ich will dich, sag ja, dann stehe ich auf.«

Sie war ins Haus gegangen, hatte ab und zu durch das Fenster geblickt, um zu sehen, ob er noch dort kniete. Als es nach einer halben Stunde zu dämmern begann und ab und an Gruppen von schwatzenden, manchmal johlenden, meistens lachenden Leuten bei dem knienden Jacob stehenblieben, war sie nach draußen gegangen. Sie hatte gesagt: »Bitte, laß mich in Ruhe, geh jetzt nach Hause, ich habe drei Kinder zu versorgen, ich in meiner Lage kann gar nicht daran denken, wieder zu heiraten.«

»Sag ja, und ich gehe«, sagte Jacob selbstbewußt. Das fanden alle Umstehenden so lustig, daß auch sie laut auflachte.

»Gib mir wenigstens Bedenkzeit, ich kann mich doch nicht so Knall auf Fall entscheiden.«

»Das kannst du sehr wohl, du kannst sofort einwilligen. Dann handelst du nicht dümmer als andere Menschen, die meinen, sie würden einen solchen Schritt nach reiflicher Überlegung tun. Für jeden von uns ist es ein Schritt ins Dunkle, und hat man ihn getan, macht es, bei Lichte betrachtet, nichts aus, ob du ja oder nein sagst. Was du auch tust, und was du auch läßt, du kennst doch nie die Folgen von dem, was du tust, du könntest ebensogut bei jeder Entscheidung, die du fällst, einen stuiver in die Luft werfen und dann, je nachdem, ob du Kopf oder Zahl bekommen hast, danach ha
ndeln. Vielleicht wärst du dann sogar besser dran. Nun aber, weil du ja sozusagen eine Entscheidung gefällt hast, ist es, als könnte alles, was du tust, dir zugeschrieben werden, denn sonst hättest du immer die Entschuldigung: Ja, aber der stuiver zeigte Zahl, dafür kann ich doch nichts.«

»Ich kann dir beim besten Willen nicht folgen, aber, bitte, steh auf.«

»Sag ja, und ich gehe.«

Sie hatte noch eine Weile dort gestanden, während die Leute Gott sei Dank weitergegangen waren. Sie hatte ihn sich noch einmal genau angesehen. Er war für ihren Geschmack eigentlich etwas zu schmächtig, sah aber sehr gut aus. Merkwürdig, daß so ein junger Mann noch nie ein Mädchen gehabt haben sollte.

»Ich verstehe nicht, was du in mir siehst«, sagte sie.

»Ich sehe in dir eine Frau, die schon viel mitgemacht hat. Du warst mit einem schwierigen Mann verheiratet. Mich würdest du geradezu als Erholung erleben, obwohl ich in den Augen vieler Leute einen Tick exzentrisch bin. Aber nun, wer ist das nicht, bei mir sitzt das mehr an der Oberfläche als bei anderen Menschen. Ich bin verrückt genug zu meinen, es sei praktisch, eine Witwe mit drei netten Töchtern zu heiraten, die ihre Milchzähne, Masern und Röteln schon hinter sich haben, so daß ich nicht befürchten muß, nachts durch Kindergeschrei hochzuschrecken.«

»Wenn ich jemals wieder heirate, will ich hier im Martinikerkhof wohnen bleiben, das ist der schönste Platz in ganz Groningen.«

»Ich habe nicht gesagt, daß du umziehen sollst. Meine schmalen Besitztümer können ohne weiteres in deinen Haushalt hier eingehen.«

»Hältst du es für möglich, nun doch aufzustehen und auf eine Tasse Tee hereinzukommen? Dann können wir dort weitersprechen.«

&ra
quo;Also gut«, sagte er, »weil du es bist.«

Sie wußte da eigentlich schon, daß die Diskussion über ihre Wohnung und die spontane Einladung zu einer Tasse Tee fast unvermeidlich ein Jawort enthielten, und daher war zwischen ihnen auch kein Wort mehr darüber gefallen, ob sie heiraten würden oder nicht.

Sie hatte das Jawort, so merkwürdig es ihr auch abgerungen worden war, nie bereut. Jacob war ein wunderlicher, lieber Mann. Einen solchen Mann hatte sie noch nie zuvor gekannt. Er wurde nie böse, er war nie launisch. Er war immer so voller Rücksicht, immer so zuvorkommend, daß sie dem manchmal mißtraute, daß sie manchmal das Gefühl hatte, es stecke etwas dahinter. Wie war es nur möglich, daß jemand mit einer so unerschütterlichen, natürlichen Heiterkeit durchs Leben gehen konnte? Obwohl sie inzwischen schon so lange mit ihm verheiratet war, machte sie das doch immer wieder argwöhnisch.

Sie lief quer durch die Stadt, erreichte die Wohnung ihres früheren Hausarztes am Hooge der A. Sie klingelte. Eine bucklige Haushälterin öffnete.

»Ist der Doktor zu Hause?« fragte sie.

Bevor die verschrumpelte Alte etwas sagen konnte, blitzte schon der Goldrand einer Brille im dunklen Flur des Grachtenhauses auf.

»So, Letje, was ist los mit dir? Was führt dich hierher?«

»Ich … oh, Doktor, morgens … ich …«

»Komm erst einmal herein.«

Sie folgte dem alten Mann durch den Flur, sie war ihre Übelkeit los, fühlte sich wieder völlig gesund. Sie war nicht krank, wie hatte sie das denken können, sie könnte jetzt ebensogut umkehren und wieder hinaustreten in die sonnendurchflutete Welt, an den märchenhaften, weißgepuderten Tjalken und Torfkähnen entlanglaufen, die so ordentlich in Reih un
d Glied in der A vertäut lagen. Nachdem er sie aber in seinem Arbeitszimmer aufgefordert hatte, auf einem Stuhl Platz zu nehmen, setzte sie sich doch vorsichtig auf die Kante. Der Doktor blieb stehen, er fragte: »Was fehlt dir?«

»Mir ist morgens oft so übel«, sagte sie.

Er sah ihr tief in die Augen, kam einen Schritt näher und sagte: »Streck mal deine Zunge heraus.«

Neletta streckte ihre Zunge heraus. Der Doktor sagte: »Weißt du noch, daß du beim erstenmal, ach, wie alt magst du da gewesen sein, ich war gerade mit dem Studium fertig, wir lebten noch im neunzehnten Jahrhundert, nun sind wir schon ein Jahrhundert weiter … Ich war mehr als doppelt so alt wie du … Weißt du noch, daß du beim erstenmal deine Zunge nicht herausstrecken wolltest? Wie lange ist...


Pressestimmen

»Maarten 't Hart erweist sich erneut als großartiger Erzähler, dem es gelingt, Schicksale so authentisch zu schildern, daß der Leser einfach Anteil nehmen muß.«, Hamburger Abendblatt

Technik

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