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Brenntage

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«Mit sicherer Stimme erzählt Stavaric vom Erwachsenwerden eines jungen Mannes zwischen Geborgenheit und Fremdsein. Der authentische Tonfall und die Zeitlosigkeit der Erzählweise sprechen für sich...»
Literaturpreis Wartholz 2009Begründung der Jury

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Produktdetails

Titel: Brenntage
Autor/en: Michael Stavaric

EAN: 9783406612664
Format:  EPUB
Beck C. H.

23. Mai 2011 - epub eBook - 232 Seiten

Beschreibung

«Mit sicherer Stimme erzählt Stavaric vom Erwachsenwerden eines jungen Mannes zwischen Geborgenheit und Fremdsein. Der authentische Tonfall und die Zeitlosigkeit der Erzählweise sprechen für sich...»
Literaturpreis Wartholz 2009Begründung der Jury

«Das Ausbleiben der Zukunft ist nichts für schwache Nerven.» So viel steht für den namenlosen Ich-Erzähler fest, der nach dem Tod der Mutter bei seinem Onkel in einer von Bergen und Schluchten umgebenen Siedlung lebt.
Und die Zukunft macht sich rar, denn wegen der Abgeschiedenheit der Siedlung kapseln sich deren Einwohner zusehends ab. So entsteht ein Mikrokosmos mit ganz eigenen Sitten und Gebräuchen, wie etwa den «Brenntagen» bzw. diversen «Waldriten».
Die Grenzen zwischen Surrealität und Realität verschwimmen - Menschen verschwinden, durch die Wälder ziehen Soldaten, Hunderudel und mitunter sogar Geister, die auf längst geführte Kriege verweisen, überall Echos, deren eigentlicher Sinn verborgen bleibt.
Da ist es nur gut, dass es den Onkel gibt, eine schier unerschöpfliche Quelle eigensinniger und abgründiger Weisheit. Und als die Siedlung durch ein großes Feuer in Schutt und Asche gelegt wird, übernimmt dieser das Kommando und veranlasst einen Umzug der Bewohner in eine der nahe gelegenen Minen ...
In schillernd-poetischer Sprache erzählt Michael Stavaric in seinem neuen Roman auf waghalsige und zugleich berührende Weise vom Erwachsenwerden in einer sich beständig wandelnden Gegenwart.

Inhaltsverzeichnis

1;Cover;1 2;Titel;3 3;Impressum;4 4;Motto 1;5 5;Motto 2;7 6;I. Die Bösen;9 7;II. Verschwunden;23 8;III. Blutverlust;41 9;IV. Bei den Schatten;59 10;V. Ich erkläre mir selbst den Krieg;75 11;VI. Verbotene Streifzüge;93 12;VII. Die Waldinsassen;109 13;VIII. Wolken;123 14;IX. Junge Bäume;137 15;X. Die Siedlung;149 16;XI. Träumer;159 17;XII. Wassertreter;175 18;XIII. Lackbotschaften;195 19;XIV. Die Stunde der Übermütigen;207 20;XV. Im strahlenden Licht;219 21;Danksagung;232 22;Zum Buch;233


Portrait

Michael Stavaric, 1972 in Brno geboren, lebt als freier Schriftsteller und Übersetzer in Wien. Er veröffentlichte u.a. die Romane «stillborn» (2006), «Terminifera» (2007) und «Böse Spiele» (C.H.Beck, 2009), die Kinderbücher «Gaggalagu» (2006), «Biebu» (2008) und «Die kleine Sensenfrau» (2010) bzw. Essays/Erzählungen wie «Europa - Eine Litanei» (2005) oder «Déjà-vu mit Pocahontas» (2010). Er erhielt zahlreiche Literaturpreise und Stipendien, zuletzt wurde er für Auszüge aus den «Brenntagen» mit dem Literaturpreis Wartholz und dem Hohenemser Literaturpreis ausgezeichnet.

Leseprobe

I. Die Bösen


 

Einmal im Jahr traten die Menschen der Siedlung geschlossen vor ihre Häuser, die meisten lebten und wohnten in meiner Nähe, wir sahen gebannt zu, wie irgendein Verwaltungsbeauftragter gemächlich die Straße entlangschlenderte, um (pünktlich) unseren Unrat abzuholen, alle ermahnten sich gegenseitig, nichts zu vergessen. Wir lebten in einer ärmlichen, jedoch liebenswerten Gegend, mit blickdichten Zäunen und immergrünen Hecken, vieles war mir seit jeher vertraut, sogar die Amseln unserer Siedlung konnte ich voneinander unterscheiden, beinahe alle Vögel, die sich hierherverirrten, kannte ich schließlich beim Namen. Als hätte sie jemand mit weithin sichtbaren Brandzeichen versehen, erkannte ich deutlich die erhabenen Initialen (wie bei Kühen und Kälbern auf irgendwelchen Weiden), etwa «BH», «EH», «KF» und so weiter, schon immer vermutete ich ein Geheimnis dahinter, als ob sie etwas in sich trugen und bewahrten würden, das es nur zu entziffern galt.

Einmal im Jahr verschwand aller Unrat aus unseren Häusern, der sich nur zu gerne in den Ecken und Kellern anhäufte, mein Onkel meinte noch mahnend … bloß nichts davon übersehen! Man darf niemals vergessen, Entbehrliches und Verderbliches wegzuschmeißen, es anderswo zu deponieren, die Verwaltung war ohnehin zu nichts anderem zu gebrauchen. Einmal im Jahr räumten und schleppten wir demnach allerlei Gerümpel in unseren Garten, und all das, was die Behörde nicht haben oder entsorgen wollte, blieb unser Problem … Wir nahmen Streichhölzer und Feuerbeschleuniger und taten, was getan werden musste. Der Onkel (sichtlich stolz) sprach von den Brenntagen, und irgendwann nahmen sich alle Nachbarn in unserer Straße ein Beispiel, sie verbrannten Zeitungen und Möbelstü
cke, Gartenabfälle und Essensreste, Matratzen und Gummiwaren, sogar die einst so gern getragene und nunmehr verschlissene Kleidung übergab man der Obhut der Flammen.

Später sprach man sogar vom Brauchtum, am ersten Tag des Herbstes wurden fortan die Brenntage begangen, die ganze Siedlung war schon in aller Früh auf den Beinen, und pünktlich, wenn die Sonne sank, ging die Vergangenheit (und als solche waren die allerlei unnütz gewordenen Dinge zu sehen) in Flammen auf. Lauffeuer züngelten entlang der Gassen und Gässchen, in ihrem Schein sah ich die Nachbarn, die entfernten Verwandten und Bekannten, allesamt guter Stimmung und voller Inbrunst.

Die Brenntage sind das Beste, was unserer Siedlung passieren konnte, behauptete mein Onkel, sichtlich stolz, Urheber dieses Spektakels zu sein, das tatsächlich auch einen praktischen Nutzen hatte. Was das Feuer verschmähte, Metallteile, Steingut und Ähnliches, wurde anschließend im Garten vergraben, gleich neben den Grill- und Feuerstellen. Mit nahezu religiösem Eifer hoben die Menschen unserer Siedlung Gräben und Gräber für ihre Vergangenheit aus, darin landeten Matratzenroste und Kachelöfen, Motorenteile und Rasenmäher, Mikrowellen, Kleiderbügel, und was sonst noch das Herz nun nicht mehr begehrte.

An meinen ersten Brenntagen verbrannte ich alte Kuscheltiere, irgendwann in Ungnade geraten, ausgediente Relikte einer immer ferner gewordenen Kindheit, manchmal fordernd, bisweilen glücklich, ich kann mich viel zu gut daran erinnern. Nach und nach übergab ich sie den Flammen, die Stoffhasen und Katzen, Drachen und Plüschbären, kein Einziges sparte ich auf oder hielt es zurück. Ein seltsamer (und merklicher) Ruck ging durch ihre Körper, kurz bevor sie die Flammen vollends erfassten, blickten sie mich vorwurfsvoll an, braune, grüne und schwarze Knopfaugen, die einst mit mir l
ebten, irgendwann in Vergessenheit gerieten und nunmehr langsam verkohlten. Viele Erwachsene bringen es nicht übers Herz, sich ihrer Stofftiere zu entledigen, sagte der Onkel, und er drängte mich, mir alles wohl zu überlegen, du gibst eine Welt auf, weißt aber nicht, ob es für eine neue langt … und schon gar nicht, ob du darin Halt findest!

Oft genug betonte er, dass die neuen Welten gegen die alten nicht ankamen, dass früher alles besser war, dass die Menschen damals noch ihren Tatendrang auslebten, dass sie Prinzipien und Träume hatten, sie ließen sich noch von Ehrgefühl leiten, keinesfalls waren sie so gesättigt und verdorben wie unsere Nachbarn. Der Onkel wandte seinen Kopf einem der nahen Häuser zu, am Fuße des nächsten Hügels stand eine Villa (die ich allerdings als baufälliges Stockhaus in Erinnerung hatte) … dort, wo unsere Siedlung aufhört, leben die Bösen (und Reichen?), sagte er. Sie leben dort in ihrem Gesinnungsmüll, behauptete mein Onkel, und um dies zu bekräftigen, schüttelte er wild die Fäuste und stieß ein paar kräftige Flüche aus.

Doch schon bald war alles vergessen, denn selbst die Bösen (oder Reichen) folgten unserer Tradition, stapelweise türmten sie ihr Gerümpel in den Vorgärten auf und ließen den Flammen ihren Lauf. Gewiss doch, der Unrat der reicheren Nachbarn unterschied sich ganz wesentlich von dem unsrigen, enthielt er doch allerlei nützliche Dinge, nahezu neuwertig und von bester Qualität waren sie, die Bösen verbrannten, was wir benötigt hätten, und wir verachteten sie, weil dies die einzige Möglichkeit war, unseren Unmut auszudrücken.

Einmal im Jahr gab es tatsächlich Gerangel vor den Häusern der reicheren Familien, die Verwaltung, die Nachbarn und allerlei fahrende H&
auml;ndler, die ganze Siedlung war auf den Beinen, man stritt sich um die besten Stücke einer mutwillig abgelegten und immer noch schönen, jedoch böseren (oder vielleicht sogar heileren) Welt. Es hieß damals, lieber die Vergangenheit eines Böseren zu seiner Gegenwart erheben, als gar keine Herkunft zu haben, keine Zukunft oder Hoffnung auf bessere, sorglosere Zeiten.

Die wohlhabenden Nachbarn waren sich all dessen wohl gar nicht bewusst, sie pflegten unsere Bräuche und grüßten freundlich, doch wir hassten sie und ließen keine Gelegenheit aus, dies zum Ausdruck zu bringen. Manchmal löschten wir mutwillig ihre Feuer oder warfen Fensterscheiben ein, sobald sie sich abwandten, wir verprügelten ihre Kinder und verwüsteten die liebevoll angelegten Gärten, allerdings, wir ließen es stets so aussehen, als wären wir selbst die Opfer, wir schlugen uns gegenseitig Veilchen und zertraten auch die Tulpen und Nelken in den eigenen Gärten. Auch wir wollten beklagen, welchen Verlust wir erlitten hatten und dass der unsrige mehr zählte als der ihrige und dass wir die besseren Menschen waren … Wir Kinder glaubten tatsächlich daran, dass die Welt so beschaffen war.

Nach und nach verbrannte ich alles, was mir unter die Finger kam, alte Bücher und Notate, Kleidung, Tücher, Schuhsohlen und Kassetten, Zigarettenschachteln (die ich lange Zeit sammelte), Heldenfiguren und Comics, Schallplatten (die mir gar nicht gehörten), Trockenblumen, Tierpräparate (der Onkel brachte mir manches bei), Spielbretter und noch vieles mehr, eigentlich alles, was mir von ideellem Wert schien. In meiner Kindheit, wenn der Onkel viel Zeit und offenbar kein geregeltes Einkommen hatte, fing er mir manchmal Vögel und Frettchen, die er tötete, ausnahm, trocknete und konservierte, er präparierte sie für mich, kämmte und zupfte an ihnen herum, so lange, bis sie
schließlich normalen Plüschtieren glichen. Allerdings war dieses echte Spielzeug allen nur denkbaren Teddybären und Gummischlangen um Längen voraus, wo es doch einst tatsächlich gelebt und für mich allein mit dem Leben bezahlt hatte. Lapidar meinte der Onkel, all die Tiere würden gerne ihr Leben lassen, um einen Jungen wie mich glücklich zu machen, sie wollten nur mir gehören, mich betören, mit ihrer Schönheit und den ihnen innewohnenden Kräften. Ich gehöre dir, will dich trösten und dein Freund sein, mit dir spielen, mit dir frieren, der Tod ist ein Geschenk, bedenk, bedenk! Amen, sagten der Onkel und ich im Chor, obwohl ich mir nie sicher war, ob so ein endgültiges Wort wie Amen nicht alles zunichtemachte.

Die Brenntage selbst waren oft genug Anlass für wilde Spekulationen … als etwa der Hund des Bäckers abhandenkam (den keiner leiden mochte) oder die Nachbarsköchin spurlos verschwand, als ein junges Mädchen im Teich untertauchte und die Luftblasen jählings abrissen, sie wurde von keinem je wieder gesehen. Viele Erinnerungen gingen auch im Laufe der Jahre verloren, ich selbst habe längst damit aufgehört, die Welt verstehen zu wollen, der Onkel behauptete sogar, dass wir im Augenblick unserer Geburt alles ins Feuer stießen, dass wir verglühten allesamt in einem Feuerball und hinterließen keinerlei Spuren.

Ich lebte mit meinem Onkel und der Tante in einem der Häuser am Waldrand … dort, wo sich die Birken, die überall in der Ebene zu finden waren, allmählich (und durchaus widerwillig) mit Fichten und Kiefern mischten. Eines der Lieblingsrezepte meiner Tante hieß bezeichnenderweise Scheiterhaufen … Sie schälte Äpfel und schnitt sie in kleine, sichelförmige Scheiben, manchmal tropfte auch etwas Blut mit in die...


Technik

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