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Augustus und seine Zeit

6. Auflage. mit 6 Abbildungen, 1 Karte und 1 Stemma.
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Am Tag, an dem Augustus bestattet wurde, kamen alle öffentlichen und privaten Geschäfte zum Stillstand. Ganz Rom und Hunderttausende von Menschen aus ganz Italien beteiligten sich an den Trauerfeierlichkeiten. Die Leiche wurde auf einem Prunkbett auf … weiterlesen
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Produktdetails

Titel: Augustus und seine Zeit
Autor/en: Werner Eck

EAN: 9783406666872
Format:  EPUB
6. Auflage.
mit 6 Abbildungen, 1 Karte und 1 Stemma.
Beck C. H.

18. Juni 2014 - epub eBook - 128 Seiten

Beschreibung

Am Tag, an dem Augustus bestattet wurde, kamen alle öffentlichen und privaten Geschäfte zum Stillstand. Ganz Rom und Hunderttausende von Menschen aus ganz Italien beteiligten sich an den Trauerfeierlichkeiten. Die Leiche wurde auf einem Prunkbett auf den Scheiterhaufen gesetzt. Darüber ruhte, für alle sichtbar, ein aus Wachs gefertigtes Abbild des Toten. Als das Feuer aufloderte, stieg ein Adler in den Himmel - ein Zeichen dafür, daß der Verstorbene zu den Göttern erhoben worden war. Ein Senator bestätigte später unter Eid, er habe die Seele des Verstorbenen zu den Göttern auffahren sehen. Livia, Augustus Witwe, belohnte den Zeugen mit einer Million Sesterzen.
Wer war dieser Mensch, der damals unter die Götter aufgenommen worden sein soll? Ein Willkürherrscher? Ein Friedensfürst? Ein Neugestalter von Staat, Heer, Gesellschaft und Kultus, kurzum - der Neugestalter der römischen Welt? Werner Eck bietet in seiner fesselnden Biographie Antworten auf diese und viele weitere Fragen zur Machtpolitik des Augustus.

Portrait

Werner Eck lehrte von 1979 bis 2007 als ordentlicher Professor Alte Geschichte an der Universität zu Köln. Römische Geschichte, insbesondere die Geschichte der römischen Kaiserzeit, die Geschichte des frühen Christentums, Sozialgeschichte und Epigraphik bilden seine Forschungsschwerpunkte.
Im Verlag C.H.Beck sind derzeit folgende Titel desselben Autors lieferbar: Die staatliche Organisation Italiens in der hohen Kaiserzeit (1979); Das senatus consultum de Cn. Pisone patre (1996).

Leseprobe

3. Usurpatorische Anfänge und Legalisierung


Als Caesar am 15. März 44 von seinen republikanischen Gegnern ermordet wurde, befand sich der junge Octavius in Apollonia in Makedonien. Er sollte dort seine intellektuelle Bildung erweitern und auf seinen Großonkel warten, der zum Krieg gegen die Parther aufbrechen wollte. Zahlreiche Legionen standen in der Provinz Macedonia bereit. Als die Nachricht vom Tod Caesars eintraf, sollen ihm seine Begleiter angeblich geraten haben, sofort diese Armee für sich zu gewinnen. Wenn das wirklich so gewesen sein sollte, dann erschien dem jungen Mann zumindest in dieser Situation eine solche Entscheidung verfrüht. Wußte er doch noch nicht einmal von den Bestimmungen des Testaments. Sie wurden ihm erst bekannt, als er in Eile nach Italien zurückgekehrt war. Dort hat er dann die Entscheidung getroffen, auch politisch Erbe seines Großonkels zu werden. Er hatte dessen Botschaft verstanden.

Engste Berater Caesars kamen zu ihm. Truppen, die in Brundisium für den Partherfeldzug zusammengezogen waren, sollen ihn begeistert begrüßt haben. Auf diese Weise gestärkt, tat er den ersten selbständigen Schritt in die Politik. Er forderte einen Teil der Gelder, die für den Partherkrieg bereitgestellt waren, und kassierte gleichzeitig den Jahrestribut der Provinz Asia – ohne jegliche Berechtigung, ohne Auftrag. Wenn Augustus in seinem Tatenbericht schreibt, er habe aus eigenem Entschluß und mit privaten Mitteln ein Heer aufgestellt, um den Staat, der der Herrschaft einer Clique ausgeliefert war, zu befreien, dann berichtet er zutreffend und falsch zugleich. Sein Entschluß, das politische Erbe des Verstorbenen mit militärischer Macht zu übernehmen, war sein eigener. Hätten ihm aber nur seine eigenen Finanzmittel zur Verfügung gestanden, wäre er schnell gescheitert.

So ausgerüstet konnte er auf
seinem Zug nach Rom bereits Teile der in Campanien angesiedelten Veteranen Caesars für sich gewinnen. Am 6. Mai erreichte er Rom und übernahm unmittelbar das Erbe Caesars, auch seinen Namen. Er nannte sich C. Iulius Caesar. Den Beinamen Octavianus, wie er als Zeichen der Adoption üblich gewesen wäre, verwendete er selbst nie; zu sehr hätte er an seine bescheidene Herkunft erinnert.

Die politische Konstellation war nach dem Mord an Caesar noch nicht geklärt. Am 17. März war es zwar zu einer allgemeinen Amnestie für die Caesarmörder und gleichzeitig zu einer Anerkennung aller Bestimmungen, die Caesar getroffen hatte, gekommen. Marcus Antonius, fast zwanzig Jahre älter als Octavian, einer der engsten Vertrauten Caesars, amtierte zusammen mit Gnaeus Dolabella als Konsul. Es gelang ihm schnell, durch eine aufpeitschende Rede bei der Leichenfeier für Caesar und durch öffentliche Agitation die Caesarmörder aus der Stadt zu vertreiben. Dennoch wurde er keineswegs von allen als der natürliche Führer der Caesarianer akzeptiert. Gerade daraus dürfte sein über längere Zeit undurchsichtiges Lavieren zwischen den verschiedenen politischen Gruppen resultieren. Er verlor Sympathien bei der Plebs und bei den Veteranen, ebenso bei einem Teil der Caesarianer. Denn er verhinderte es zunächst, daß Caesar entsprechend dem deutlich gezeigten Wunsch großer Teile des stadtrömischen Volkes unter die Götter aufgenommen wurde. Indem er durch ein Gesetz die Provinzen Gallia Cisalpina in Norditalien sowie Gallia Comata, das von Caesar eroberte Gallien, auf sich übertragen ließ, zeigte er zudem deutlich, daß er seine eigene Machtposition übermäßig stärken wollte, womit er in Konflikt mit anderen führenden Caesarianern geriet. Er konnte nicht vermuten, damit seinem auf lange Sicht entscheidenden Gegner Octavian den Einstieg
in die Politik zu erleichtern.

In Rom gewann der junge Caesar schnell Rückhalt. Er verkündete einerseits ganz offen, Rache an den Mördern seines (Adoptiv)vaters üben zu wollen. Das verlangte die in allen gesellschaftlichen Gruppen Roms als verpflichtend angesehene ‚Sohnesliebe‘ (pietas). Diese zeigte sich auch in der Auszahlung von je 300 Sesterzen an die Mitglieder der stadtrömischen Plebs, die in Caesars Testament versprochen waren; Antonius hatte es zu seinem Nachteil versäumt, diese Verpflichtung zu erfüllen. Auch die Spiele zu Ehren des Sieges Caesars, die Ende Juli gefeiert werden mußten, richtete Octavian aus, weil sich die dazu bestimmten Priester passiv verhielten. Als während der Spiele ein Komet erschien (sidus Iulium), wurde dies als Zeichen für die Divinisierung des Ermordeten propagiert. Er ließ diesen Stern demonstrativ den Statuen Caesars hinzufügen. Seine Popularität wurde auf diese Weise zu einem politischen Faktor. Doch er verstand es auch, sich mit den gemäßigten Caesarianern zu verständigen, und selbst zu manchen der Republikaner entstanden Verbindungen. Antonius versuchte zwar, den politischen Weg des ‚Jünglings‘, wie er ihn abwertend titulierte, zu blockieren; doch das gelang nur unvollständig. Immerhin schlug der erste Marsch auf Rom, den Octavian im Spätherbst 44 mit Veteranen aus Campanien unternahm, noch fehl. Diese caesarianisch fühlenden Kämpfer wollten – noch – nicht gegen andere Caesarianer antreten. Antonius war jedoch so verunsichert, daß er beschloß, Rom zu verlassen. Die bei Brundisium lagernden vier Legionen rief er zu sich, um mit ihnen die beiden gallischen Provinzen vorzeitig zu übernehmen, bevor noch das Mandat des jetzigen Amtsinhabers Decimus Brutus ausgelaufen war. Doch zwei der ihm rechtlich zustehenden Legionen fielen ab und gingen zu Oct
avian über; dessen Geldgeschenke waren attraktiver als die legalen Befehle des amtierenden Konsuls. Antonius’ Abzug aus Rom glich mehr einer Flucht.

Octavian mußte sich freilich immer noch auf seine legitimen Verpflichtungen als Sohn Caesars berufen; eine offizielle Stellung, von der aus er auch legal handeln konnte, fehlte ihm. Doch die neue politische Konstellation verschaffte ihm – noch nicht zwanzig Jahre alt – die gewünschten Handlungsspielräume. Im Senat konnte sich, trotz der Mehrheit der ‚caesarisch‘ eingestellten Mitglieder, eine republikanisch gesinnte Richtung durchsetzen, angeführt von dem jetzt 62jährigen Konsular Cicero. Dies wurde auch deswegen möglich, weil vielen der Caesarianer die Machtpolitik des Antonius Angst einflößte. Die Senatsmehrheit konnte Beschlüsse fassen, ein Heer aber hatte sie nicht, um sie gegen Antonius durchzusetzen. Das war Octavians Chance, die er ergriff. Daß er dabei scheinbar seine eigene Sache, die Rache für Caesar, zu vergessen schien, hinderte ihn daran nicht; sogar mit Caesarmördern kollaborierte er für kurze Zeit. Cicero gelang es, dieses Bündnis zu schließen. Octavian stellte seine Truppen der Senatsmehrheit zur Verfügung, die ihm im Gegenzug eine offizielle Position zuerkannte. Er wurde, ohne vorher ein Amt bekleidet zu haben, in den Senat aufgenommen und durfte dort in der höchsten Rangklasse, unter den ehemaligen Konsuln, seine Stimme abgeben. Außerdem erhielt er ein Kommando, ein imperium, mit dem Auftrag, gegen Antonius vorzugehen. Der 7. Januar 43, an dem er zum ersten Mal die Zeichen hoheitlicher, auch feldherrlicher Gewalt, die fasces, übernahm, wurde auch später noch durch ein Opfer als bedeutsamer Anfang herausgestellt. Darüber hinaus genehmigte der Senat die Erfüllung der finanziellen Versprechungen Octavians gegenüber seinen S
oldaten. Wie der Caesarsohn freilich seinem Heer die scheinbare politische Kehrtwendung begreiflich machte, ist nicht klar; es muß ihm aber gelungen sein, da die Truppen ihm weiterhin folgten.

Octavian zog mit dem Heer nach Norditalien, wo Antonius Decimus Brutus in Mutina belagerte. Auch die Konsuln des Jahres 43, Hirtius und Pansa, zwei Caesarianer, fanden sich dort ein. In der entscheidenden Schlacht vor Mutina am 21. April wurde Antonius geschlagen, aber auch die beiden Konsuln waren am Ende tot. Octavian übernahm ganz selbstverständlich ihre Heere, womit er militärisch außerordentlich gestärkt war. Das brachte noch keine Entscheidung, denn das politische Machtgefüge veränderte sich schnell.

Zum einen hatte die Mehrheit des Senats inzwischen die Machtpositionen legalisiert, die Brutus und Cassius, die beiden Anführer der Verschwörung gegen Caesar, in Syrien und in Makedonien „aus eigenem Entschluß“, wie Augustus es später für sich formulierte, aufgebaut hatten. Damit hatte Octavian als militärischer Arm des Senats an Wert verloren. Manche formulierten das auch sehr drastisch, man könne ihn „aus dem Verkehr ziehen“. Zum anderen konnte Antonius nach seiner Flucht aus Oberitalien nach Gallien im Verlauf des Sommers mehrere Statthalter im Westen für sich gewinnen: Asinius Pollio, Munatius Plancus und Aemilius Lepidus. Diese propagierten nun ihrerseits die Rache für Caesar als ihr gemeinsames politisches Ziel, wozu die Einheit der Caesarianer die Voraussetzung bildete. Für Octavian war klar, auf welcher Seite er ideologisch und machtpolitisch stehen mußte, wenn er weiterhin eine Rolle spielen wollte. Dennoch versuchte er zunächst noch seine eigene Position zu verbessern. Da beide Konsuln tot waren, forderte eine Abordnung von Centurionen seines Heeres, die nach Rom gezogen waren, vom Senat den Konsulat...


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