Touristen sind immer die anderen

eBook epub

Dieses eBook können Sie auf allen Geräten lesen, die epub-fähig sind. z.B. auf den tolino oder Sony Readern.

Häufig gestellte Fragen zu epub eBooks und DRM

Als hätte der Mensch das Nomadentum nicht längst überwunden, muss er jedes Jahr mindestens eine Reise unternehmen, auch wenn er sich daheim viel wohler fühlt. Dirk Schümer, Kulturkorrespondent und erfahrener Reisender, hat sich als teilnehmender Beob … weiterlesen
Dieser Artikel ist auch verfügbar als:
eBook epub

13,99 *

inkl. MwSt.
Sofort lieferbar (Download)
Machen Sie jemandem eine Freude und
verschenken Sie einen Download!
Ganz einfach Downloads verschenken - so funktioniert's:
  1. 1 Geben Sie die Adresse der Person ein, die Sie beschenken
    möchten. Mit einer lieben Grußbotschaft verleihen Sie Ihrem
    Geschenk eine persönliche Note.
  2. 2 Bezahlen Sie das Geschenk bequem per Kreditkarte,
    Überweisung oder Lastschrift.
  3. 3 Der/die Geschenkempfänger/in bekommt von uns Ihre Nachricht
    und eine Anleitung zum Downloaden Ihres Geschenks!
Touristen sind immer die anderen als eBook epub

Produktdetails

Titel: Touristen sind immer die anderen
Autor/en: Dirk Schümer

EAN: 9783446245464
Format:  EPUB
Hanser, Carl GmbH + Co.

24. Februar 2014 - epub eBook - 240 Seiten

Beschreibung

Als hätte der Mensch das Nomadentum nicht längst überwunden, muss er jedes Jahr mindestens eine Reise unternehmen, auch wenn er sich daheim viel wohler fühlt. Dirk Schümer, Kulturkorrespondent und erfahrener Reisender, hat sich als teilnehmender Beobachter intensiv mit den Eigenarten des "Homo Touristicus" beschäftigt. Er beobachtet unsere Verrenkungen, wenn wir das Gepäck im Flugzeug verstauen, erklärt Hoteliers, wie ein Badezimmer aussehen soll, und hat für uns schon einmal Lammhirn und einen Schnaps mit dem Namen "Schwarzer Tod" vorgekostet. Und wer noch nicht weiß, wohin die Reise gehen soll, kann sich mit dieser Reportage auf dem heimischen Sofa entspannen. Denn nicht nur Reisen, auch Lesen bildet.

Portrait

Dirk Schümer, Jahrgang 1962, Autor, Übersetzer, ab 1991 - mit einer kurzen Unterbrechung als Spiegel-Kulturreporter - als Kulturkorrespondent der F.A.Z.in Amsterdam, Wien und Venedig, von wo er seit 2014 für die Welt berichtet. Zuletzt veröffentlichte er 2010: Zu Fuß - eine kurze Geschichte des Wanderns

Leseprobe

ICH REISE,
ALSO BIN ICH


Ein Eimer, eine Schaufel und jede Menge Sand und Meer. Der kleine Junge auf dem alten Foto bin ich, gerade mal zwei Jahre alt. Ganz selbstverständlich im Sommerurlaub an der Nordsee, über dreihundert Kilometer von zu Hause. Was mache ich da? Warum buddle ich in diesem Riesensandkasten bei Cuxhaven und beschäftige mich nicht vor der Haustür? Wie bin ich dort hingekommen? Für geübte Reisende, also eigentlich jeden von uns, dürften diese Fragen seltsam klingen. Wir sind ins Zeitalter des Tourismus hereingewachsen, hereingeboren, haben den Rhythmus von Ortswechseln als den Herzschlag unseres Lebens als Selbstverständlichkeit akzeptiert. Ein kleines deutsches Kind am Strand, das könnte heute genauso gut auf den Malediven fotografiert werden oder in Florida. Der Junge der sechziger Jahre würde sich heute, vielleicht ganz alleine mit einem Schild um den Hals, in einem Düsenjet wiederfinden, der ihn nach Asien oder Afrika bringt. Warum auch nicht? Unterwegs sein, in Hotels abzusteigen, sich in alle verfügbaren Verkehrsmittel zu stürzen, ist das normalste von der Welt. Allerdings erst seit ein paar Jahren, ziemlich genau seit einer Generation.

Noch mein Großvater ist sein ganzes Leben nicht aus dem kleinen westfälischen Städtchen herausgekommen, in dem er geboren wurde. Genauso wenig wie seine Nachbarn oder seine Verwandten kannte er den Tourismus aus eigener Erfahrung. Wenn Leute zu seiner Zeit verreisten, Bildungs-, Erholungs- oder Kuraufenthalte in ihrer Biografie unterbringen konnten, dann gehörten sie zum Adel oder zum sehr wohlhabenden Bürgertum. Die Masse blieb lebenslang daheim. Genau wie mein Großvater hätten sich wohl die meisten seiner Generationsgenossen gefragt, warum ein Kleinkind an die Meeresküste verfrachtet werden muss. Das ist doch alles aufwendig und als Lebenserfahrung nutzlos. In der Tat habe
ich keinerlei Erinnerungen an meine erste Urlaubsreise, mit der meine persönliche Laufbahn als Homo touristicus begonnen hat. Heute kenne ich etliche Kinder so um die zehn Jahre, die von New York bis Peking, von der Südsee bis zu den Museen von London und Paris schon mehr von der Welt gesehen haben als Captain Cook, von schüchternen Erwachsenenurlaubern ganz zu schweigen.

Die Beschleunigung des Lebens, von der so viel die Rede ist, meint vor allem die hektischen Bilder auf Fernsehschirmen, Personalcomputern und Mobiltelefonen, die unser aller Alltag einen immer hurtigeren Pulsschlag vorgeben. Der Transport der körperlichen Hardware von einem mehr oder weniger beliebigen Fleck der Welt zum anderen gehört aber auch dazu. Doch ging es früher wirklich ruhiger zu, waren die Menschen allesamt sesshafter? Interessant ist es, sich das Itinerar eines römischen Kaisers, eines Papstes oder Monarchen des Mittelalters anzusehen, also den Atlas seiner Reisebiografie mit allen Linien quer durch Mitteleuropa. Da kommen in der Tat meist ein paar mühselige Touren zu Pferd über die Alpen zusammen, und den Rest der meist kurzen Lebensreise ging es über Stock und Stein, Floß und Kahn von einer Versammlung, von einer Burg, von einer Jagd zur anderen. Doch das freilich war die absolute Ausnahme, während fast die gesamte Restbevölkerung brav daheimblieb und von Aussaat bis Ernte die Kalorien für die wenigen Touristen – Krieger, Händler, Politiker – erzeugten. Die Ferien-Völkerwanderung unserer Zeit ist eine ganz andere als die in der Spätantike, da ganze Stämme mit hunderttausend Menschen, Ochsenwagen und Grillgeschirr quer durch Europa zogen, um eine neue Heimat zu suchen und sich notfalls mit Gewalt zu erkämpfen. Menschen waren immer mal staunenswert mobil auf der erzwungenen Suche nach einem neuen Lebensraum, nach Kriegsbeute, nach seltenen Handschriften so wie neugierige
Mönche oder nach Edelsteinen auf der Seidenstraße wie Marco Polo. Das Ausmaß an Mut oder an Verzweiflung, das sich ansammeln musste, damit einer als Auswanderer, Vertriebener, Abenteurer alles hinter sich ließ und sich für immer auf den Pfad begab, können wir kaum ermessen. Und doch sind solche Schicksale immer noch Alltag, etwa wenn sich in Afrika verarmte Glückssucher zu vielen Tausenden zu Fuß durch die Sahara ins vermeintliche Paradies Europa aufmachen und dabei das eigene Leben riskieren. Noch vor ein paar Jahrzehnten gab es nach dem von Deutschen angezettelten und verlorenen Zweiten Weltkrieg die größte Vertreibungswelle der Geschichte mit gut fünfzehn Millionen Menschen, zumeist deutschstämmigen, aus Mittel- und Osteuropa.

Und mächtige Nationen wie die Vereinigten Staaten, Australien, Argentinien rekrutierten ihre Bevölkerung anfangs aus mutigen Auswanderern, die ihre Heimatscholle hinter sich ließen. Dennoch hat diese Form der Ausreise wenig mit unserem All-Inclusive-Ferienspaß gemein; sie lehrt uns einzig, dass Menschen keineswegs zur Sesshaftigkeit neigen. Wenn schon Kimbern und Teutonen und Hunnen über tausende Kilometer ihr Ziel erreichten, dann sollten wir Pauschaltouristen uns auf unser persönliches Itinerar, das immer wieder an den Ausgangspunkt zurückführt, nicht allzu viel einbilden.

Machen wir einmal die Probe und versuchen, unsere eigene Lebensreise auf eine Landkarte zu bekommen. Nehmen wir ruhig die regelmäßigen Verwandtenbesuche bei der Tante in Bayern, die Klassenreisen zum Kölner Dom und zum Hamburger Hafen dazu, dann den Schüleraustausch nach England, dazu bauen wir die Familienferien ein. Schon vor der Volljährigkeit wird alles komplett unübersichtlich, ein Knäuel aus Reisefäden quer durch unseren Kontinent und darüber hinaus. Wann war ich das erste Mal an der Adria? Gab es da
nicht diesen Ausflug mit der Fähre nach Dänemark? Und immer wieder diese Wandertouren mit den Großeltern im Kleinwalsertal, die ich damals so gehasst habe. Wenn man dann noch heroische Fahrradtouren mitrechnet, kommt schnell einiges zusammen.

Seit sich dieser Rhythmus der Ferienreisen beschleunigt hat, wäre es viel leichter, sich die seltenen Jahre in Erinnerung zu rufen, in denen man tatsächlich im Urlaub nirgendwo hingefahren ist. Die Bewegung, ob ins Hotel oder die Jugendherberge, ob mit dem Schiff nach Skandinavien oder per Flieger an die Costa del Sol, ist jetzt die Regel – und längst nicht nur für den Hochadel und Fernhändler. Tourismus ist Menschenrecht. Die DDR ist auch und vor allem an der Absperrung zusammengebrochen, denn Sachsen und Brandenburger wollten auch endlich nach Paris und Rom und Mallorca und weiter, immer weiter in die Welt hinaus. Dieses Recht haben sie eingeklagt, und sie machen seither reichlich davon Gebrauch. Heutige Gesellschaftsdebatten über Armut berichten von unterprivilegierten Kindern, deren Familien dem Nachwuchs kaum Auslauf gönnen: kein Strand im Sommer, keine Skipisten im Winter, kein Kurztrip nach London. Welch ein trauriges, ja fast schon unzumutbares Dasein. Wer gar freiwillig nirgendwo hinfährt und im Urlaub im Stadtviertel spazierengeht oder im Hobbykeller den Kölner Dom aus Streichhölzern zusammenbastelt, gilt als Fall für den Psychologen. Gibt man Menschen die ökonomischen, zeitlichen und technischen Möglichkeiten zum Reisen, dann ist kein Winkel der Welt vor ihnen sicher. Das ist der Unterschied zu früher, als Zwänge und Nöte die Bewegung anschoben. Heute läuft – das gehört geradezu zur Definition von Tourismus – das Gros unserer Reisen ohne Lebensnotwendigkeit: Tourist ist, wer zum Vergnügen und mit Rückfahrkarte keineswegs länger als ein paar Monate den Ort wech
selt und sich einfach mal in der Welt umschaut.

Solches Reisen ist, allen Pilgerfahrten und Kreuzzügen zum Trotz, ein recht neues Phänomen. Europas, vor allem Britanniens Adel pflegte zwar seit der Renaissance den Nachwuchs zur Grand Tour gen Italien auszusenden, doch solche jahrelangen Ausbildungs- und Vergnügungstouren in Begleitung von Hofmeistern und Sprachlehrern waren aufwendiger und sicher lehrreicher als ein Hochschulstudium. Erst im neunzehnten Jahrhundert lassen sich nennenswerte touristische Wanderungen nachweisen, die mit heutigen Urlaubsreisen vergleichbar sind. Wohlhabende fuhren in die Sommerfrische in die Berge oder als durchaus Gesunde in die boomenden Kurorte wie Spa, Baden-Baden, Bath, wo in Hotels, Badehäusern, Pferderennbahnen, Casinos, Operettentheatern für das angemessene Unterhaltungsprogramm gesorgt wurde. Vor allem das weltumspannende britische Empire hat mit seinen Inlandreisen von Glasgow nach Sydney per königlichem Dampfschiff für die Elite des Empire ein touristisches Leben für viele ermöglicht. Man hatte Familie in Indien, alte Geschäftsbeziehungen zum Niagarafall, wollte die viktorianischen Schafe auf Falkland genauso kennenlernen wie die raren Großwildtrophäen im britischen Afrika. Also bitte, der Tourismuspionier Thomas Cook bot das alles und noch viel mehr als Pauschalurlaub an, wenn diese Reisen auch per Schiff und Bahn etwas länger dauerten als die heutigen Pfingstferien. Für die wachsende Zahl von Reisenden entstand eine Infrastruktur von Bimmelbahnen an den Himalaya, luxuriösen Lodges in Kenia, Fahrplänen für Dampfschiffe entlang der Burgen des Rheins oder feinen Hotels an den Stränden von Deauville und der steinigen Küste der Riviera. Schon im neunzehnten Jahrhundert entwickelte sich der Tourismus für die »happy few« zu einem kleinen, aber feinen Wirtschaftszweig. An klassischen Destinationen wie Florenz, den
Loireschlössern, in Wien oder Blackpool sah es vor hundert Jahren schon fast so touristisch überfüllt aus wie heute. Autoren beschweren sich bereits vor 1900 über die lästigen Reisegruppen auf dem Markusplatz von Venedig während der Hochsaison.

Doch heute ist immer Hochsaison, voll ist es fast überall, Hotels finden sich noch auf eisigen Bergeshöhen und mitten in der Wüste. Das Produkt Tourismus hat sich die ganze Welt...


Technik

Dieses eBook wird im epub-Format geliefert und ist mit einem Wasserzeichen versehen. Sie können dieses eBook auf vielen gängigen Endgeräten lesen.

Sie können dieses eBook auf vielen gängigen Endgeräten lesen.

Für welche Geräte?
Sie können das eBook auf allen Lesegeräten, in Apps und in Lesesoftware öffnen, die epub unterstützen:

  • tolino Reader
    Öffnen Sie das eBook nach der automatischen Synchronisation auf dem Reader oder übertragen Sie es manuell auf Ihr tolino Gerät mit der kostenlosen Software Adobe Digital Editions.

  • Andere eBook Reader
    Laden Sie das eBook direkt auf dem Reader im Hugendubel.de-Shop herunter oder übertragen Sie es mit der kostenlosen Software Sony READER FOR PC/Mac oder Adobe Digital Editions.

  • Für Tablets und Smartphones: Unsere Gratis tolino Lese-App
         

  • PC und Mac
    Lesen Sie das eBook direkt nach dem Herunterladen über "Jetzt lesen" im Browser, oder mit der kostenlosen Lesesoftware Adobe Digital Editions.

Die eBook-Datei wird beim Herunterladen mit einem nicht löschbaren Wasserzeichen individuell markiert, sodass die Ermittlung und rechtliche Verfolgung des ursprünglichen Käufers im Fall einer missbräuchlichen Nutzung der eBook-Datei möglich ist.

Bitte beachten Sie: Dieses eBook ist nicht auf Kindle-Geräten lesbar.

Ihr erstes eBook?
Hier erhalten Sie alle Informationen rund um die digitalen Bücher für Neueinsteiger.

Servicehotline
089 - 70 80 99 47

Mo. - Fr. 8.00 - 20.00 Uhr
Sa. 10.00 - 20.00 Uhr
Filialhotline
089 - 30 75 75 75

Mo. - Sa. 9.00 - 20.00 Uhr
Bleiben Sie in Kontakt:
Sicher & bequem bezahlen:
akzeptierte Zahlungsarten: Überweisung, offene Rechnung,
Visa, Master Card, American Express, Paypal
Zustellung durch:
1 Mängelexemplare sind Bücher mit leichten Beschädigungen, die das Lesen aber nicht einschränken. Mängelexemplare sind durch einen Stempel als solche gekennzeichnet. Die frühere Buchpreisbindung ist aufgehoben. Angaben zu Preissenkungen beziehen sich auf den gebundenen Preis eines mangelfreien Exemplars.

2 Diese Artikel unterliegen nicht der Preisbindung, die Preisbindung dieser Artikel wurde aufgehoben oder der Preis wurde vom Verlag gesenkt. Die jeweils zutreffende Alternative wird Ihnen auf der Artikelseite dargestellt. Angaben zu Preissenkungen beziehen sich auf den vorherigen Preis.

4 Der gebundene Preis dieses Artikels wird nach Ablauf des auf der Artikelseite dargestellten Datums vom Verlag angehoben.

5 Der Preisvergleich bezieht sich auf die unverbindliche Preisempfehlung (UVP) des Herstellers.

6 Der gebundene Preis dieses Artikels wurde vom Verlag gesenkt. Angaben zu Preissenkungen beziehen sich auf den vorherigen Preis.

7 Die Preisbindung dieses Artikels wurde aufgehoben. Angaben zu Preissenkungen beziehen sich auf den vorherigen Preis.

* Alle Preise verstehen sich inkl. der gesetzlichen MwSt. Informationen über den Versand und anfallende Versandkosten finden Sie hier.