50 Ways to leave your Ehemann ist ein sehr persönlicher und sarkastischer Essay von Jacinta Nandi, der stellvertretend für viele Schicksale von Alleinerziehenden in Deutschland steht.Nandi beschäftigt sich sehr umfassend mit der strukturellen Benachteiligung von Frauen und insbesondere von alleinerziehenden Mütter. Die Autorin gewährt Einblicke in ihre persönliche Situation als alleinerziehende Mutter mit mehreren Kindern, ihre eigene Befreiung aus einer gewalttätigen Ehe und dem damit verbundenen Aufenthalt in einem Frauenhaus.Kinder ohne Partner*in großzuziehen ist nicht das Problem, das Problem steckt in den Rahmenbedingungen, die dies erschweren. Alleinerziehende sind deutlicher stärker von Armut betroffen, denn viel finanzielle Unterstützung gibt es nicht. Von der Gesellschaft gibt es schlichtweg nur Mitleid. Es wird behauptet alleinerziehende Frauen würden doch einen Kitaplatz und eine Wohnung direkt bekommen, sobald sie angegeben, dass sie alleinerziehend sind. Die Wohnung zahlt der Ex-Partner, den Urlaub auch. Dass dies allerdings nicht die Realität widerspiegelt, weiß leider kaum jemand. Mythen verbreiten sich schnell.An Kita- und Frauenhausplätzen mangelt es. Gerade diese Bedingungen erschweren es vielen Frauen sich von ihrem gewalttätigen Partner zu trennen. Womit wir beim zweiten Schwerpunktthema des Buches angelangt sind: häusliche Gewalt gegenüber Frauen. Nandi erzählt davon, dass sich schnell und immer wieder Vorwürfe auftun, dass Frauen nur an dem Geld des Mannes interessiert seien. Die Frau mache sich jetzt ein tolles Leben auf seine Kosten."Golddigger".""Welche Barbie hat die meisten Sachen?"(..)"Divorce Barbie, sagt er triumphierend. Denn sie hat Kens Haus, Kens Auto..."" (S. 47-48).Ebenso hat sich Nandi umfassend mit dem Prozess zwischen Amber Heard und Johnny Deep auseinandergesetzt, der noch einmal ganz deutlich aufgezeigt hat, wie häusliche Gewalt schlicht bagatellisiert und Frauenhass normalisiert wird."Dass manchmal für Frauen die Macht des Ex-Mannes zu stark, zu total ist - du kannst nicht immer das Richtige machen in einer Gesellschaft, die Frauen so sehr hasst wie unsere." (S. 185).Der Essay macht wütend. Nandi prangert aber nicht nur an, sondern bietet gleichzeitig auch verschiedene Lösungsvorschläge. Lest das Buch. So ein locker leichter Schreibstil bei einem solch tiefgründigen und anklagenden Thema, einfach klasse!An einigen Stellen wurde leider das I-Wort genutzt, das geht überhaupt nicht.