Absturz in Fahrtrichtung rechts

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Bei einem Brandanschlag im autonomen Jugendzentrum wird die Studentin Julia schwer verletzt. Ihr Vater, Holger Bielstein, ist Polizist. Mit seiner Kollegin Cora und dem türkischstämmigen Murat nimmt er die Ermittlungen auf. Die Spur führt schnell in … weiterlesen
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Absturz in Fahrtrichtung rechts als eBook epub

Produktdetails

Titel: Absturz in Fahrtrichtung rechts
Autor/en: Jürgen Kasten

EAN: 9783943886719
Format:  EPUB
Bergischer Verlag

1. Januar 2014 - epub eBook - 256 Seiten

Beschreibung

Bei einem Brandanschlag im autonomen Jugendzentrum wird die Studentin Julia schwer verletzt. Ihr Vater, Holger Bielstein, ist Polizist. Mit seiner Kollegin Cora und dem türkischstämmigen Murat nimmt er die Ermittlungen auf. Die Spur führt schnell in die gewaltbereite rechte Szene. Sascha, ein Jugendfreund von Julia, will nach einer steilen Karriere im rechten Milieu endlich aussteigen. Sein Insiderwissen und die Verbindungen als V-Mann bringen auch ihn in Lebensgefahr.

Leseprobe

Frühjahr 2012


Die erste Nacht


 

Koslowski verfluchte dieses Gleis. Direkt neben der Lade­rampe der alten Post stand er mit seiner Regionalbahn auf dem Abstellgleis und wartete auf die Freigabe für Bahnsteig 5 im Hauptbahnhof Elberfeld. Heute noch zwei Fahrten und morgen die ganze Spätschicht bis Betriebsschluss, dann hätte er die Sonderschichten endlich hinter sich. Warum musste sich Lehmann auch eine Grippe einfangen? Der war doch sonst nie krank gewesen.

Andererseits verfluchte er sich selbst. Schon längst hätte er mit dem Schichtführer sprechen müssen. Sicherlich hätte der Verständnis für seine Nöte gehabt. Der ist doch kein Unmensch. Er hätte mit ihm reden sollen.

Hätte, hätte, hätte – es war nicht einfach, von seinen Ängsten zu erzählen, von seiner Höhenangst, seinen Panikattacken und diesem dumpfen, leeren Gefühl im Kopf.

Koslowski hatte schon ernsthaft über eine Frühpensionierung nachgedacht. Gut, er war beamteter Lokführer, rausschmeißen konnten sie ihn nicht; aber in den Innendienst versetzen, in irgendein Stellwerk oder gar ins Büro, Fahrpläne entwerfen. Das machte ihm genau so viel Unbehagen, wie diese Bahn zu fahren. Im Fahrplan hieß die Regionalbahn 47 ›Der Müngstener‹. Er galt als Touristenattraktion und war als schnelle Verbindung zwischen Remscheid und Solingen unverzichtbar.

Koslowski sah das anders. Vor allem diese Scheißbrücke machte ihm Angst.

107 Meter hoch spannte sich die Müngstener Brücke über das Tal der Wupper. 107 Meter Nichts unter seiner Lok. Bei der letzten Fahrt hatte er einfach die Augen geschlossen, nachdem der Zug den Wald verlassen hatte und der Blick sich in den Weiten des Himmels verlor.

»21, 22, 23 …«, laut hatte Koslowski
die Sekunden gezählt. Bei »35« war das dumpfe Rattern unter seinen Füßen schon wieder heller geworden. Er musste abbremsen. Der Bahnhof Schaberg kam in Sicht. Nur zwei Fahrgäste nahm er auf dem Bahnsteig wahr. Schweiß stand auf seiner Stirn. Das Herz pochte. Der Blick war verschleiert. Fast hätte er das Signal zur Weiterfahrt übersehen. Dann war es vorüber gewesen.

Die überstandene Fahrt ließ in erleichtert aufatmen. Der Gedanke an die noch kommenden verkrampfte ihn wieder.

Koslowski schüttelte sich. »Noch zweimal heute, dann ist dieser Tag geschafft.« Es ging deutlich besser, wenn er laut mit sich selbst redete. Das beruhigte ihn etwas.

Auf der Rückfahrt waberte Nebel von der Wupper herauf. Ein Temperaturwechsel kündigte sich an. Koslowski passierte die Brücke wie über Wolken. Besser erging es ihm dadurch nicht. Fliegen konnte er auch nicht ertragen.

Um 22:45 Uhr stand er in Elberfeld wieder auf dem Abstellgleis und überbrückte die Pause vor der letzten Fahrt mit einem zerfledderten Remscheider Generalanzeiger, den ein Fahrgast liegengelassen hatte. Ein Zugbegleiter war für diesen Tag nicht vorgesehen gewesen, sodass er selbst durch die Waggons gehen musste, um den Müll aufzusammeln. Eine angekokelte Rücklehne im letzten Wagen übersah er geflissentlich. Koslowski hatte keine Lust, ständig ellenlange Schadensmeldungen

auszufüllen. Der ungezügelte Vandalismus der orientierungslos durch den Tag taumelnden Jugendlichen ließ ihn kalt. Das alles war nur der wachsenden Personalmisere der Bahn zu verdanken. Das war ihm klar. So klar, wie dass die ganze beschissene Welt ein einziger Trümmerhaufen war, sein eigenes Leben eingeschlossen.

Koslowski hatte schon viel über den Tod nachgedacht, würde ihn gerne fragen, nach welchem Konzept er vorgehe, warum er den einen ausw
ähle und andere verschone. Noch war der Tod aber nicht bereit gewesen, mit Koslowski zu sprechen. Von daher blieb es eine einseitige Kommunikation, die in seinem Kopf spukte.

Es hatte vor ziemlich genau fünf Jahren begonnen, als seine Frau urplötzlich verstorben war. Mit ihrem Tod war sein eigener Lebensmut wie weggeblasen. Bis heute hatte Koslowski ihren Verlust nicht verwinden können. Sein Sohn wollte es nicht verstehen. Mit ihm war keine Kommunikation mehr möglich. Der Tod der Mutter hatte ihn völlig aus der Bahn geworfen.

Sascha war ein Spätgeborener gewesen. Mutters Ein und Alles. Als sie aus seinem Leben gerissen wurde, lag die unbeschwerte Kinder- und Jugendzeit seit Jahren hinter ihm. Doch mit ihren Mutteraugen hatte sie ihren Sohn immer noch als den kleinen, lieben Jungen gesehen, der er zu dieser Zeit schon lange nicht mehr war. Sie wollte es einfach nicht wahrhaben, dass Sascha sich zu einem rebellierenden Jugendlichen entwickelt hatte, der Halt in einer rechten Jugendclique suchte, Freunde, oder was er dafür gehalten hatte. Kameraden nannten sie sich untereinander. Vater Koslowski hatte das fast wahnsinnig gemacht. Seine Dauerbeschallung hatte Sascha schon vor Jahren aus dem Haus getrieben.

Koslowski war damals noch überzeugter Kommunist gewesen, alter DKPler, der mit aller Macht versucht hatte, seinen Sohn auf den richtigen Weg, den der Sozialistischen Linke, zu bringen – vergeblich. Seine Überzeugungsversuche waren ungehört verpufft, den Sohn hatte er verloren.

Inzwischen glaubte Koslowski selbst nicht mehr an seine alten Ideale. Damals, in den Siebzigerjahren, war er noch überzeugter Kommunist gewesen. Innerhalb seiner DKP gehörte er zu denjenigen, die sich vorsichtig in Richtung eurokommunistische Ansätze orientierten. Er engagierte sich in der Friedensbewegung, schloss sich Michail Gorbatschows neuer politischer Linie an. In den Achtzigern kam es
zu Auflösungsprozessen. Die sogenannten ›Erneuerer‹ verließen die Partei. Sie wanderten zur SPD oder zur PDS ab.

Mit denen, vor allem mit der PDS, konnte Koslowski sich jedoch nicht anfreunden.

Als dann die ostdeutsche PDS mit den westdeutschen Linken fusionierte, hatte er bereits mit seiner alten und auch mit den neuen Parteien gebrochen. Sein politisches Engagement hatte damit ein Ende gefunden. Das alles ist jetzt lange her.

Obwohl Vater und Sohn beide in Wermelskirchen wohnten, gingen sie sich aus dem Weg. Sascha war in der rechten Szene eine regionale Größe geworden. Der Staatsschutz kannte ihn besser als sein eigener Vater. Der bekam hin und wieder Besuch vom Verfassungsschutz, konnte und wollte ihnen aber nichts erzählen.

Die Erfahrungen der Siebzigerjahre schmeckten Koslowski noch bitter nach. Willy Brandts SPD war es schließlich gewesen, die mit ihrem Extremistenerlass verhindert hatte, dass er als Lokführer verbeamtet werden konnte. Stephan Koslowski war damals auch in der Gewerkschaft aktiv gewesen, und er hatte im Betriebsrat der Bundesbahn gesessen. Nach jahrelangen Prozessen erstritt er sich seinen Beamtenstatus. Den Verfassungsschutz hatte er seitdem in keiner guten Erinnerung.

Heute gehörte Koslowski keinerlei Vereinigung mehr an. Seine Trauer und seine Sprachlosigkeit hatten ihn depressiv werden lassen. Das Wort ›Freunde‹ war ihm völlig unbekannt. Lediglich sein Nachbar Bielstein, ein Polizist, holte Koslowski gelegentlich aus seiner selbst gewählten Isolation heraus, indem er sich ab und zu bei ihm zum Kaffee einlud. Koslowskis Genever stand ebenfalls bereit und die Flasche blieb selten voll. Ihre Gespräche kreisten um längst vergangene Jahre, als ihre Kinder noch klein waren und Bielstein und Koslowski gemeinsam erst im Kindergarten, dann in der Schule gegen Lehrer und andere Eltern opponierten.

An Koslowskis Einsied
lerdasein hatte das nicht viel geändert. Die Kollegen mieden ihn, denn er umgab sich mit einer Aura des Unnahbaren. Das alles war Koslowski

egal. Er lebte mehr schlecht als recht vor sich hin, würde aber gerne die letzten zwei Berufsjahre im Führerstand einer Lokomotive verbringen und nicht auf einem Abstellgleis. Die Welt sollte ihn einfach in Ruhe lassen und möglichst auch mit dem ›Müngstener‹ verschonen. Dass er die Schicht für einen erkrankten Kollegen übernehmen musste, lastete er seinem Schichtführer an, nicht seinem Unvermögen, sich diesem anzuvertrauen.

Lustlos blätterte Koslowski in dem Remscheider Generalanzeiger. Lokaler Aufmacher des Wermelskirchener Teils war das immer aggressivere Auftreten rechter Jugendgruppen im Stadtbild. Früher hätte Koslowski sich über solche Meldungen aufgeregt, hätte seine Genossen mobilisiert, hätte Gegenmaßnahmen organisiert. Heute merkte er nicht einmal mehr, wie viele »hätte« in seinem Kopf ihre Kreise zogen. »Scheiß-Nazis«, knurrte er nur, »sollte man alle aufhängen!«

Das Einfahrtsignal für den Bahnhof wechselte auf Grün.

Koslowski knüllte die Zeitung zusammen und atmete tief durch. Noch eine Fahrt, dann wäre es für heute geschafft.

Das bringt nichts. Schon wieder Verlust. Julia war sauer. Tausend Euro für die Band und nur hundertzwanzig Zuhörer. Darunter waren bestimmt zwanzig gewesen, die sich auch noch um die fünf Euro Eintritt herumgedrückt hatten. Da musste man doch nicht rechnen können, um zu sehen, dass das nicht aufgehen konnte. Der Getränkeverkauf schaffte dabei keinen Ausgleich. Sponsoren gab es nicht. Wer finanziert auch Autonome? Die Stadt schon mal gar nicht, obwohl das hier gar keine richtigen Autonomen waren, eher ein selbst verwaltetes Jugendzentr
um mit Vereinsstatus.

Oben im ersten Stock des autonomen Jugendzentrums hatte Julia sich ein kleines Büro eingerichtet. Dort war es ruhiger als nach vorne zur Hauptstraße hin. Tagsüber saß sie oft in diesem Kämmerlein und schrieb an ihrer Diplomarbeit. Den kleinen Schreibtisch hatte sie vor das Fenster gerückt. So konnte sie wenigstens das bisschen Grün sehen, das im Hof wild vor sich hin wucherte.

Resigniert...


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