Die geheime Mission des Kardinals

MP3 Format, Lesung. Ungekürzte Ausgabe. Laufzeit ca. 919 Minuten.
Hörbuch
Die italienische Botschaft in Damaskus bekommt 2010 ein Fass mit Olivenöl geliefert, darin die Leiche eines Kardinals. Kommissar Barudi will das Verbrechen aufklären; Mancini, ein Kollege aus Rom, unterstützt ihn und wird sein Freund. Auf welcher geh … weiterlesen
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Die geheime Mission des Kardinals als Hörbuch

Produktdetails

Titel: Die geheime Mission des Kardinals
Autor/en: Rafik Schami

ISBN: 3869743875
EAN: 9783869743875
MP3 Format, Lesung. Ungekürzte Ausgabe.
Laufzeit ca. 919 Minuten.
Regie: Petra Feldhoff
Vorgelesen von Udo Schenk, Jürgen Tarrach
Steinbach Sprechende

22. Juli 2019 - MP3

Beschreibung

Die italienische Botschaft in Damaskus bekommt 2010 ein Fass mit Olivenöl geliefert, darin die Leiche eines Kardinals. Kommissar Barudi will das Verbrechen aufklären; Mancini, ein Kollege aus Rom, unterstützt ihn und wird sein Freund. Auf welcher geheimen Mission war der Kardinal unterwegs? Bei ihrer Ermittlung südlich von Aleppo fallen die beiden Kommissare in die Hände bewaffneter Islamisten...

Portrait

Rafik Schami zählt zu den bedeutendsten Schriftstellern deutscher Sprache. Seine Werke wurden in 32 Sprachen übersetzt und mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet.
www.rafik-schami.de

Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung vom 06.08.2019

Das große Fressen auf der Ölspur
Rafik Schami schickt einen Kommissar ins politisch explosive Vorkriegs-Syrien: Als Krimi etwas lahm, als landeskundliche Liebeserklärung aber märchenhaft spannend

Syrien ist eine Wunde, ein einfach nicht heilendes Mal gleich über dem Herzen aller leidenden Liebhaber des Vorderen Orients. Damaskus, Aleppo, Idlib, stolze, uralte Schönheiten, in den Staub gedrückt durch gewaltsames Machtstreben von allen Seiten. Nach Jahrzehnten des diktatorischen Absolutismus ("Wir sind bis in die kleinste Zelle der Gesellschaft hinein terrorisiert und korrumpiert"), nach acht Jahren eines selbstzerstörerischen Bürgerkriegs, der viele Paten und Nutznießer hat ("Was aber ist der Islamismus anderes als ein Aberglaube, an dem Millionen heimlich oder offen hängen?"), fehlt selbst den visionärsten Beobachtern wie dem aus Damaskus stammenden, seit einem halben Jahrhundert in Deutschland lebenden Rafik Schami jede Hoffnung auf eine friedliche Zukunft des Landes. Vielleicht auch deshalb schickt er seine Protagonisten nun in den Februar 2011 zurück, unmittelbar vor Ausbruch der Proteste gegen Machthaber Baschar al Assad, als wenigstens die Häuser noch standen und so etwas wie geduckter Alltag möglich schien.

Dass die politische Situation bereits damals hochkomplex und explosiv war, wird schnell deutlich, denn der aufrechte, kurz vor der Pensionierung stehende, seit dem frühen Tod seiner Frau melancholische, aber der Liebe noch nicht ganz abgeneigte Kommissar Barudi, ein Christ, der den brutalen Mord an einem italienischen Kardinal aufklären soll, muss zunächst einmal wichtige Verbündete finden, um in einem Land mit nahezu allmächtigem, raffiniertem Geheimdienst überhaupt ermitteln zu dürfen. Das gelingt ihm, indem er die Botschaften Italiens und des Vatikans mit ins Boot holt. Bald gilt die Aufklärung der Tat als Staatsaktion, schließlich braucht Syrien gute Beziehungen nach Westen. Berlusconis Italien schickt zur Verstärkung (und Absicherung) einen eigenen Kommissar nach Damaskus, den perfekt Damaszener Arabisch sprechenden Marco Mancini.

Während die schnell zu Freunden werdenden Polizisten sich in zahllosen Unterhaltungen über die vom Aberglauben bis zur Korruption einander häufig ähnelnden Sitten ihrer Länder austauschen, rekonstruieren sie, was der Kardinal eigentlich in Syrien zu suchen hatte. Die offizielle Version der geheimen Mission ist bald entschlüsselt: Der abgeklärte Geistliche sollte einen zwar muslimischen, aber Jesus verehrenden "Bergheiligen" im Norden des Landes hinsichtlich seiner vielfach bezeugten Heilkräfte überprüfen, denn mächtige Interessenten innerhalb des Vatikans machten sich für dessen Anerkennung als Heiliger stark. Die im Norden sich ausbreitenden Islamisten könnten daher etwas mit dem Angriff zu tun haben, aber ein Motiv ließe sich auch anders finden. Diese Anlage des Romans erlaubt es dem Autor, mühelos und anhand wahrer Schauplätze wie des jesuitischen Klosters Dair Mar Musa al-Habaschi (der leitende Pater wurde vor sechs Jahren vom IS verschleppt) zum metaphysischen Überbau des multikonfessionellen Landes vorzustoßen. Islamische, alawitische und christliche Perspektiven treten dabei miteinander ins Gespräch. Der Geheimdienst hört mit.

Hier blüht der Autor auf, lässt sein aufgeklärtes Alter Ego in Tagebuchnotizen und Dialogen Kritik am autoritären Islam (etwa an der Verschleierung: "tiefste Stufe dieser Niederlage") ebenso üben wie am Pakt der Alawiten mit der Macht und an der Überheblichkeit des römischen Klerus. So wird die Regensburger Rede von Papst Benedikt XVI. zum Thema: Der ermordete Kardinal hatte den unklug scharfen Papstworten im Jahr 2006 widersprochen, was den Anhängern Mohammeds doch gefallen müsste.

Dass jedoch alle Beteiligten vom Scheich bis zum Mafiaboss offenherzig ihre jeweiligen Ansichten ausbreiten, führt nicht nur zu ziemlich papiernen Dialogen, sondern auch zu einem Glaubwürdigkeitsproblem, das beinahe alle Figuren außer dem Protagonisten betrifft. Besonders konstruiert wirkt ein junger, mit Barudi auf spezielle Weise verbundener Islamist, der als Emir eine bedeutende Position in der Hierarchie des Terrors einnimmt und zugleich durchdrungen sein soll von fast kindlichem Gerechtigkeitssinn. Selbst hier, soll das heißen, zähle der Einzelfall.

Wir kennen Barudi bereits aus dem großen westöstlichen Epos "Die dunkle Seite der Liebe" (2004). Während aber das kriminalistische Element in diesem Roman ganz zurücktrat zugunsten einer vielschichtig ornamental erzählten "Romeo und Julia"-Parabel vor syrischem Sippen-Tableau, erhebt Schami diesmal die - wenn auch letztlich aufgrund des inneren Widerspruchs (es gibt nichts Wahres im Falschen) zerstiebende - Kriminalhandlung tatsächlich zum Romangerüst. Und das war keine sonderlich gute Idee, denn als Krimi liest sich das von Abschweifung zu Abschweifung eilende, kaum wirkliche Überraschungen bereithaltende und stilistisch leicht onkelhafte Werk ("Er rief sie kurz vor acht an, wie immer mit einem Scherz auf den Lippen") doch eher mühselig. Alles dauert ewig.

Freilich ist es dem für seine narrative Sinnlichkeit bekannten Autor auch mehr darum zu tun, ein bei aller Zerrissenheit lebendiges Vorkriegssyrien auferstehen zu lassen, ein Land der Kaffeehausschwärmer und Schlitzohren, auch der Doppelmoral, des Opportunismus und der Brutalität. Sinnlichkeit, das heißt hier Farbenspiel, scheherazadeartiges Erzählen zum Anfassen und Liebe in allen Spielarten, auch und gerade der verzweifelten und der körperlichen. Mehr als alles andere aber geht Sinnlichkeit bei Rafik Schami durch den Magen. Literweise schlürfen die Protagonisten Kardamom-Mokka und Wein (wir befinden uns meist unter Christen), unablässig wird gemampft. Ganze Wagenladungen von Hummus verdrücken die Hauptfiguren. Wer sich liebt, bekocht sich. Dazu passt, dass das Mordopfer in Olivenöl eingelegt aufgefunden wurde und dass noch die letzten Sätze des Buches von unbändigem Hunger handeln.

Es reicht mitunter bis an die Grenze der Parodie, wenn jeder zehnte Satz sich in Gastroführerhymnik auf leibliche Genüsse bezieht, wenn selbst unter widrigsten Bedingungen immer wieder der Appetit des Kommissars thematisiert wird, wenn ein Mann beim Falafelverputzen "stöhnte vor Genuss" oder der italienische Gast im "Imbiss Sindbad" durch Geschmacksnervenkitzel "einem Orgasmus" nahe kommt. Man versteht dabei schnell, was man verstehen soll. Etwa, dass das Essen in arabischen Ländern eine noch größere soziale Bedeutung hat als in Italien. Dass die damit eng verwandte Gastfreundschaft eine der höchsten Tugenden in der arabischen Kultur ist. Auch deshalb ist Barudi, ein Stoiker der Werte, so sehr daran interessiert, der Ölspur zu folgen und den Mord an einem Gast aufzuklären - kurz bevor das ganze Land einem bis heute anhaltenden Mordrausch verfällt.

Der Bergheilige, der sogar seine Fürze als Heilmittel verkauft, ist übrigens ein gerissener Knilch. Er hat als Scharlatan allerlei Wandlungen durchgemacht, mal animalische Lust gepredigt, dann wieder Enthaltsamkeit, und er hat sich stets mit den Mächtigen arrangiert. Den Ungebildeten flunkerte er vor, er müsse die Bräute vor der Brautnacht innerlich reinigen: Die Menge brachte ihm ihre Jungfrauen. Damit hat Rafik Schami denn doch ein recht gelungenes Sinnbild für jene Sorte entrückter Machthaber geschaffen, die gerade in arabischen Gesellschaften so prächtig zu gedeihen scheinen. Auch sie haben Appetit. Sie fressen die Hoffnung und die Würde.

OLIVER JUNGEN

Rafik Schami: "Die geheime Mission des Kardinals". Roman.

Hanser Verlag, München 2019. 432 S., geb.

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