Das kann uns keiner nehmen als Hörbuch CD
- 24%
Hörprobe

Das kann uns keiner nehmen

Ungekürzte Ausgabe, Lesung. Laufzeit ca. 581 Minuten.
Hörbuch CD
Am Gipfel des Kilimandscharo: Hans, ein liberaler Hamburger, ist endlich da,
wo er ein Leben lang hinwollte. Hier, auf dem Dach von Afrika hofft er, endlich
mit der Vergangenheit ins Reine zu kommen. Doch auf dem Grund des Kraters
steht bereits ein Zelt … weiterlesen
Jetzt nur

16,59*

inkl. MwSt.
Statt: € 21,99
Portofrei
Sofort lieferbar
Das kann uns keiner nehmen als Hörbuch CD

Produktdetails

Titel: Das kann uns keiner nehmen
Autor/en: Matthias Politycki

ISBN: 3869744383
EAN: 9783869744384
Ungekürzte Ausgabe, Lesung.
Laufzeit ca. 581 Minuten.
Vorgelesen von Wolfram Koch
Steinbach Sprechende

1. April 2020 - MP3

Beschreibung

Am Gipfel des Kilimandscharo: Hans, ein liberaler Hamburger, ist endlich da,
wo er ein Leben lang hinwollte. Hier, auf dem Dach von Afrika hofft er, endlich
mit der Vergangenheit ins Reine zu kommen. Doch auf dem Grund des Kraters
steht bereits ein Zelt, bewohnt von dem Ur-Bayer Tscharlie mit unerträglich
rechten Ansichten. In der Nacht bricht ein Schneesturm herein und schweißt
die beiden wider Willen zusammen. Es beginnt eine Reise kreuz und quer
durch Afrika. Als sich die beiden schließlich die Geschichte ihrer großen Liebe
anvertrauen, erkennen sie, dass sie mit dem Leben noch eine Rechnung offen
haben. Doch in Afrika fährt der Tod immer mit, und nur einer der beiden wird
die Heimreise antreten.

Portrait

Matthias Politycki lebt in Hamburg
und München, die Hälfte des Jahres ist
er auf Reisen. Der "Abenteurer unter den
deutschen Schriftstellern" ist bekannt
für seine akribische Recherche und zählt
zu den renommiertesten Autoren der
deutschen Gegenwartsliteratur.

Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung vom 02.05.2020

Wenn Kerle sich mit Bergen messen
Matthias Politycki schickt in seinem Roman "Das kann uns keiner nehmen" zwei Männer zum Kilimandscharo

Dass das Reisen nicht nur der Erweiterung des Horizonts, sondern der Überschreitung der eigenen physischen wie psychischen Grenzen zu dienen verspricht, verdient kaum gesonderter Erwähnung. Matthias Politycki hat in seinen Büchern wiederholt davon erzählt - und das ebenso eloquent wie mitunter ideologisch fragwürdig. Man denke etwa an den vor fünfzehn Jahren erschienenen umfangreichen Roman "Herr der Hörner", in dem die Begegnung mit einer Kubanerin einem hanseatischen Bankier den Durchbruch zu seiner vermeintlich ursprünglichen, bis dato von den Banden der westeuropäischen Zivilisation eingehegten Natur beschert.

Auch in seinem jüngsten Roman, "Das kann uns keiner nehmen", in dem er einen Hamburger Schriftsteller zum Kilimandscharo reisen lässt, zelebriert Politycki verschiedene Grenzüberschreitungen. Fluchtpunkt des Geschehens ist eine offenbar autobiographische, annähernd drei Jahrzehnte zurückliegende Blutvergiftung, die Politycki bei einer Reise durch Zentralafrika erlitt und die ihn um ein Haar das Leben gekostet hätte. Das mag die Erklärung für die erschreckende Unreflektiertheit des Geschilderten liefern. Zur Entschuldigung gereicht es kaum.

Der Ich-Erzähler Hans, der mit dem 1955 geborenen Politycki in etwa den Jahrgang teilen dürfte, will nach Jahren den Kilimandscharo noch einmal besteigen. "Schließlich hatte ich noch eine Rechnung mit diesem Berg offen und war entschlossen, sie morgen zu begleichen." Eine Wunde aus der Vergangenheit soll geheilt werden und die körperliche Extremsituation die psychische Tiefenbohrung befördern - Hans will neben der erfahrenen Todesnähe eine gescheiterte Liebesbeziehung aufarbeiten. Allerdings wird er dabei permanent gestört. Nicht nur hockt im Krater bei Stella Point, wo Hans endlich der Einsamkeit huldigen will, schon ein anderer Bergsteiger: "Er hatte halblange, zerzauste Haare, einen buschigen Schnauzbart, der sich beidseits des Mundes bis zum Kieferknochen hinabzog, buschige Koteletten, die genauso tief reichten, alles in Silbergrau. Hals, Kinn, Wangen von Bartstoppeln übersät und jede Menge Falten - ein Zausel, wettergegerbt, vielleicht Ende sechzig, der immer noch den Rocker geben wollte."

Der Zausel entpuppt sich prompt als Ausbund an Übergriffigkeit und wird dem Ich-Erzähler nicht mehr von der Seite weichen. Wie sich zudem herausstellt, heißt er Tscharli - oder "der Tscharli", wie er genannt werden will - und laboriert nicht an schlichter Höhenkrankheit, sondern hat sich vor Jahren in Afrika mit HIV infiziert. Nun ist er zurückgekehrt, um die letzten ihm verbleibenden Tage trinkend und feiernd auszukosten, während blutige Ausscheidungen ihn quälen. Gleich zwei Männer also, die sich dem Existentiellen stellen wollen und doch unterschiedlicher kaum sein könnten.

Man ahnt es rasch: Der Störfaktor, der permanent bayrisch herumkrakeelende, körperlich abstoßende Tscharli, der sich ungeniert vor anderen in den Ohren bohrt, um hernach den benutzen Finger zu beschnüffeln, wächst dem Erzähler wider Willen ans Herz. Ob die vorsichtige Faszination, die Hans für Tscharli entwickelt, auch dessen mangelnder politischer Korrektheit geschuldet ist, die, wie der Text nahelegt, nicht so sehr mit rechter Gesinnung einhergeht, vielmehr mit dem gern so genannten gesunden Menschenverstand? Es scheint so.

Wenn Tscharli etwa die Bergführer mit dem N-Wort bezeichnet und von Hans dafür gerügt wird, lässt Politycki einen Disput zunächst über Respekt, dann über Identitätszuschreibungen folgen. "Die bekämen mehr Respekt von ihm, stemmte sich der Tscharli ein wenig von seinem Klappstuhl empor und schnappte nach Luft: mehr. . . mehr . . . mehr Respekt . . . als von einem dahergelaufenen Klugscheißer wie mir!" Und weiter ereifert er sich: "Wie ich denn bittschön die Weißen bezeichnen wolle, die hier geboren seien? Etwa auch Afrikaner? Und die Schwarzen dann vielleicht ganz oberschlaumeiermäßig Afroafrikaner? . . . Und ich selber nichts als ein Europäer sei? Oder doch ein Weißer? Und ganz eigentlich ein Deutscher, nein, ein feiner Han-se-at, was Besseres?"

Tscharli, der so unkonventionell mit dem eigenen Sterben, aber auch mit den sozialen Gepflogenheiten umgeht, wird von Politycki als "der andere" inszeniert, der irgendwie lästig ist, aber für den Erzähler doch an etwas Grundsätzlichem zu rühren scheint. Und so spielt Politycki mit dem Gegensatz vom vermeintlich zivilisierten, aber verspannten Hanseaten und vermeintlich etwas grobschlächtigen Bayer (der dieser letztlich gar nicht ist), der aber auf sein Bauchgefühl vertraut und sich vitale Bedürfnisse nicht verkneift. Wohin die Sympathiekurve ausschlägt, bleibt bestenfalls offen.

Diese Haltung erstaunlich zu nennen wäre ein Euphemismus. Während gerade allerorten über Fragen und Praktiken der Dekolonialisierung diskutiert wird und darüber, wie gerade auch für sprachliche Diskriminierung sensibilisiert und diese abgeschafft werden kann, wühlt Politycki munter weiter in der Klischeekiste: "Immer, wenn es in Afrika still wird, liegt etwas in der Luft, kündigt sich etwas an, das dann urplötzlich losbrechen kann und alles verschlingt, was sich nicht rechtzeitig in Sicherheit gebracht hat." Kein Zufall natürlich auch, dass stets nur pauschal von "Afrika" gesprochen wird und das vor allem als dem Ort, an dem man sich lebensbedrohliche Krankheiten einfängt und an dem das Gesundheitssystem versagt.

Fast tröstlich könnte bei alledem anmuten, dass Hans auch das Sterben von Tscharli, das er begleitet, zusehends mit den Erinnerungen an die eigene Leidensgeschichte - seine reichlich theatralisch geschilderte vergangene Beziehung und seine ganz sicher tiefschürfende Krankheitserfahrung - überschreibt. Auf diese Weise wird wenigstens deutlich: Das hegemoniale Prinzip dominiert auf der kleinen wie auf der großen Ebene.

Polityckis Roman ist auch kein Beispiel dafür, dass Bücher, die in moralischer oder ideologischer Hinsicht fragwürdig sind, ästhetisch überzeugend sein können: "Unter uns, umbrabraun schweigend und ernst, absolut ernst, lag eine Hügellandschaft aus Asche, feierlich von einem Felsenkranz umzackt, dessen Innenseite mit Schnee geschmückt war." Dieses Buch ist keine Horizonterweiterung, sondern dessen Verengung.

WIEBKE POROMBKA

Matthias Politycki: "Das kann uns keiner nehmen". Roman.

Verlag Hoffmann und Campe, Hamburg 2020. 304 S., geb., 22,- [Euro].

© Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt.
Servicehotline
089 - 70 80 99 47

Mo. - Fr. 8.00 - 20.00 Uhr
Sa. 10.00 - 20.00 Uhr
Filialhotline
089 - 30 75 75 75

Mo. - Sa. 9.00 - 20.00 Uhr
Bleiben Sie in Kontakt:
Sicher & bequem bezahlen:
akzeptierte Zahlungsarten: Überweisung, offene Rechnung,
Visa, Master Card, American Express, Paypal
Zustellung durch:
1 Mängelexemplare sind Bücher mit leichten Beschädigungen, die das Lesen aber nicht einschränken. Mängelexemplare sind durch einen Stempel als solche gekennzeichnet. Die frühere Buchpreisbindung ist aufgehoben. Angaben zu Preissenkungen beziehen sich auf den gebundenen Preis eines mangelfreien Exemplars.

2 Diese Artikel unterliegen nicht der Preisbindung, die Preisbindung dieser Artikel wurde aufgehoben oder der Preis wurde vom Verlag gesenkt. Die jeweils zutreffende Alternative wird Ihnen auf der Artikelseite dargestellt. Angaben zu Preissenkungen beziehen sich auf den vorherigen Preis.

3 Ihr Gutschein TONIE10 gilt bis einschließlich 31.07.2020. Sie können den Gutschein ausschließlich online einlösen unter www.hugendubel.de. Keine Bestellung zur Abholung in der Buchhandlung möglich. Der Gutschein gilt nur auf Tonie-Figuren, Tonie-Transporter und Lauscher und nur solange der Vorrat reicht. Der Gutschein ist nicht mit anderen Gutscheinen und Geschenkkarten kombinierbar. Eine Barauszahlung ist nicht möglich. Ein Weiterverkauf und der Handel des Gutscheincodes sind nicht gestattet.

4 Der gebundene Preis dieses Artikels wird nach Ablauf des auf der Artikelseite dargestellten Datums vom Verlag angehoben.

5 Der Preisvergleich bezieht sich auf die unverbindliche Preisempfehlung (UVP) des Herstellers.

6 Der gebundene Preis dieses Artikels wurde vom Verlag gesenkt. Angaben zu Preissenkungen beziehen sich auf den vorherigen Preis.

7 Die Preisbindung dieses Artikels wurde aufgehoben. Angaben zu Preissenkungen beziehen sich auf den vorherigen Preis.

* Alle Preise verstehen sich inkl. der gesetzlichen MwSt. Informationen über den Versand und anfallende Versandkosten finden Sie hier.