Sterben im Sommer als Hörbuch CD
PORTO-
FREI
Hörprobe

Sterben im Sommer

Ungekürzte Ausgabe, Lesung. Laufzeit ca. 390 Minuten.
Hörbuch CD
Kundenbewertung: review.image.5 review.image.5 review.image.5 review.image.5 review.image.2
Seinen letzten Sommer verbringt der Vater am Balaton, in Ungarn, der alten Heimat. Noch einmal sitzt er in seinem Paradiesgarten unter der Akazie, noch einmal steigt er zum Schwimmen in den See. Aber die Rückreise erfolgt im Rettungshubschrauber und … weiterlesen
Dieser Artikel ist auch verfügbar als:
Hörbuch CD

17,39 *

inkl. MwSt.
Portofrei
Sofort lieferbar
Sterben im Sommer als Hörbuch CD

Produktdetails

Titel: Sterben im Sommer
Autor/en: Zsuzsa Bánk

ISBN: 3958625835
EAN: 9783958625839
Ungekürzte Ausgabe, Lesung.
Laufzeit ca. 390 Minuten.
Vorgelesen von Lisa Wagner
Audiobuch oHG

29. September 2020 - CD

Beschreibung

Seinen letzten Sommer verbringt der Vater am Balaton, in Ungarn, der alten Heimat. Noch einmal sitzt er in seinem Paradiesgarten unter der Akazie, noch einmal steigt er zum Schwimmen in den See. Aber die Rückreise erfolgt im Rettungshubschrauber und Krankenwagen, das Ziel eine Klinik in Frankfurt am Main, wo nichts mehr gegen den Krebs unternommen werden kann. Es sind die heißesten Tage des Sommers, und die Tochter setzt sich ans Krankenbett. Mit Dankbarkeit erinnert sie sich an die gemeinsamen Jahre, mit Verzweiflung denkt sie an das Kommende. Sie registriert, was verloren geht und was gerettet werden kann, was zu tun und was zu schaffen ist. Wie verändert sich jetzt das Gefüge der Familie, und wie verändert sie sich selbst? Was geschieht mit uns im Jahr des Abschieds und was im Jahr danach?

Portrait

Zsuzsa Bánk, geboren 1965, wurde für ihren ersten Roman "Der Schwimmer" mit dem aspekte-Literaturpreis, dem Deutschen Bücherpreis, dem Jürgen-Ponto-Preis, dem Mara-Cassens-Preis sowie dem Adelbert-von-Chamisso-Preis ausgezeichnet. Zuletzt erschienen ihre Romane "Die hellen Tage" und "Schlafen werden wir später" (beide bei AUDIOBUCH als Hörbuch erschienen).

Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung vom 24.09.2020

Leben, Tod und Schreiben
RHEIN-MAIN Zsuzsa Bánk berichtet vom Tod ihres Vaters und davon, wie man das eigene Erleben erzählt

Urlaub am Plattensee. Sommerferien, Badespaß, das Zusammensein der Familie. Dann der Einbruch der Endlichkeit. Der Vater, seit Jahren an einer Krebserkrankung leidend, bekommt Fieber. Es beginnen Wochen der Unsicherheit. Während die Familie den Urlaub fortsetzt, fährt die Tochter zwischen österreichischen Krankenhäusern und dem Ferienort in der alten Heimat der Eltern hin und her, die sie nach dem Ungarnaufstand verließen. Schließlich wird der Vater zurück nach Hause gebracht, nach Frankfurt, wo sein Leben zu Ende geht. "Sterben im Sommer" hat Zsuzsa Bánk ihr neues Buch genannt, das vor kurzem bei S. Fischer erschienen ist. Heute stellt sie es im Museum Wiesbaden vor.

Fiel ihr das Schreiben leicht? Einerseits ja: "Weil alles da war. Ich musste nichts erfinden." Das empfinde sie bei Romanen oft als schwer. Nicht die Figuren, aber das "Stoffgewebe", auf das es ihr ganz besonders ankommt, "das sich stets aufeinander bezieht und sich immer weiterentwickelt". Ehe es zu ihrer Zufriedenheit fertiggestellt ist, vergeht Zeit. Hier war es anders: "Ich musste nur zuschauen." Schwerer aber war es auch. "Will ich das überhaupt?", fragte sie sich: "Weil es eigentlich niemanden etwas angeht, im Privaten geschieht. Warum will ich das jemandem mitteilen? Warum soll das über mich jemand wissen?" Aber es gab einen entscheidenden Grund, ein Buch draus zu machen: "Ich schreibe, ich bin Schriftstellerin, das ist das, was über allem steht." Und das Thema hielt sie in Beschlag, ein anderes wäre gar nicht möglich gewesen: "Deswegen habe ich es dann getan." Vieles, sagt sie, werde zudem gar nicht beschrieben. Das, was niemanden etwas angehe. "Es wird nicht alles erzählt."

Das, was erzählt wird, schrieb sich ziemlich genau in der Zeit, von der berichtet wird, dem ersten Jahr nach dem Tod des Vaters im Herbst 2018. Der Tod tritt nicht nur ein einziges Mal auf, es sterben auch eine Joggerin im Park, eine Berliner Bekannte des Bruders und die ungarische Philosophin Ágnes Heller, die im Sommer 2019 beim Schwimmen im Plattensee ums Leben kommt, in dem auch der Vater gerne geschwommen ist, weit hinaus: "Der Tod ist das, was immer da ist, was immer zugreifen kann, was immer geschieht." Trotzdem galt es, von ihm in Nuancen zu erzählen, im Miteinander von Hell und Dunkel: "Es geht nicht nur um den düsteren Teil des Sterbens." Traurig, wütend, komisch, hilflos - so sei die Trauerzeit gewesen, so hätten sich daher auch die rund 200 Seiten anfühlen sollen: "Auf keinen Fall immer dieselbe Tonart." Stattdessen ein Thema mit Variationen, dazu da, diesen Gefühlszustand in immer neuen Wendungen zu fassen: "Ihn immer wieder anders auszuleuchten."

Zum Wechsel von Hellem und Dunklem tragen die Rückblenden bei. Das Buch, das sich so unkompliziert anfühlt, als sei es chronologisch schwungvoll nach vorne erzählt, besteht auf den zweiten Blick aus einer Unzahl von Zeitsprüngen. Und ungarischen Schlaglichtern. Die Schublade mit den Briefen im Küchenschreibtisch zum Beispiel, die ihre Mutter aus Deutschland an ihre eigene Mutter zu Hause richtete. Bánk hatte die Briefe erst im Jahr zuvor gefunden. "Vom Albtraum meiner Großmutter, die ein ganzes Jahr lang nichts von ihrer Tochter hörte, hat mir meine Mutter erst dann erzählt." Kleine Szenen zum Irrsinn der Diktatur seien das, von der die Eltern sich abwenden mussten.

Es geht um den Vater, die Tochter, die Mutter, die Budapester Cousine und ihre langsam das Gedächtnis verlierende Mutter, jene Tante, der die Mutter vor ihrem Fluchtversuch über die Grenze als Einziger von ihrem Plan erzählt hatte. Um eine abenteuerliche Reise des Vaters in das aufständische Budapest, bei der er Verwandten Suppe bringen soll, und um eine Autofahrt der 13 Jahre alten Tochter mit Mutter und Bruder zur Familie des Vaters nach Ostungarn, wo die Straßen im Jahr 1968 abgesperrt sind, weil sowjetische Panzer in die Tschechoslowakei rollen.

Getröstet hat sie das Schreiben nicht: "Aber ich bin sehr glücklich, dass ich das Dokument habe." Dass es vorliegt, mag dazu beigetragen haben, dass sie sich heute "gefasster" fühlt. Vielleicht liegt hier die Erklärung für die Notwendigkeit dieses Buches. Das Schreibenmüssen, das sie diesmal so getriezt hat, definiert Bánk wie folgt: "Ich beruhige mich damit." Denn so lasse sich das jeweilige Thema beherrschen: "Ich fasse es, ich stelle es in seine Grenzen."

Bücher über Krankheit und Sterben hat es in den vergangenen Jahren viele gegeben, von Joan Didion über Arno Geiger und David Wagner bis zu Connie Palmen: "Ich mag diese Form von autobiographischem Schreiben." Auch wenn sie sich frage, was die vielbeschworene Autofiktion ausmache: "Was ist das eigentlich?" Viele verschiedene Schreibweisen steckten hinter dem unpräzisen Wort. Jetzt hat sie ein solches Schreiben zum ersten Mal ausprobiert. Geht es bei ihr jetzt so weiter wie bei Knausgård und Kurzeck? Eher nicht: "Ich würde sagen, das war einmalig."

Vor kurzem hat sich der Todestag ihres Vaters abermals gejährt: "Jetzt ist es schon ganz anders." Die Wucht des ersten Jahres sei verflogen. Genau sie habe sie festhalten wollen: "Bannen. Kleinschreiben." Kleinschreiben? "Nicht niederknüppeln. Untersuchend in Einzelteile zerlegen." Mehr davon heute in Wiesbaden.

FLORIAN BALKE.

STERBEN IM SOMMER Heute stellt Zsuzsa Bánk ihr Buch von 19.30 Uhr an im Museum Wiesbaden vor. Am 6. Oktober liest sie in Darmstadt, am 17. Oktober in der Frankfurter Katharinenkirche, am 3. November im Literaturhaus Frankfurt.

© Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt.
Bewertungen unserer Kunden
Intensiv
von Calla - 17.10.2020
Ein persönlicheres Buch als dieses zu schreiben, dürfte schwierig sein. In "Sterben im Sommer" erzählt die Autorin Zsuzsa Bánk vom Tod ihres Vaters, der während eines Sommers in der alten Heimat Ungarn erneut an Krebs erkrankt und schließlich einen monatelangen Prozess des Sterbens entgegensieht. Es ist ein schwieriges, emotionales und drückendes Thema. Indem die Autorin als Tochter vom Sterben erzählt, nimmt das Buch eine interessante Perspektive ein. Häufig geht es in Geschichten um den Protagonisten, der dem Tod entgegensieht, dagegen kämpft und sich damit abfinden muss. Hier wird jedoch beschrieben, wie sich der Tod für eine Angehörige anfühlt, für diejenigen, die hilflos danebensitzen und zuschauen müssen, die sich darauf einstellen müssen ohne einen geliebten Menschen weiterzuleben und schließlich zurückbleiben mit ihrer Trauer. Bánk schafft es sehr gut ihre Gefühle und Gedanken begreiflich zu machen. Sie findet Vergleiche, erzählt einmal viele Monate im wenigen Sätzen und dann wieder einzelne Momente bis ins kleinste Detail. So bekommt man ein Gefühl davon, wie die Trostlosigkeit mit einer großen Welle über der Autorin zusammenbricht und sie sich gleichzeitig an einzelnen besonderen Erinnerungen festklammert. Wiederholungen geben allem eine drängende Intensität, gleichzeitig reißt es mich etwas aus der Erzählung heraus. In einer so authentischen und persönlichen Geschichte wirken sie zu gewollt und gekünstelt. Eine Herausforderung für mich war auch die Langsamkeit. Die Handlung schleicht voran, hängt sich immer wieder an einem Aspekt, einer Idee, einem Gedanken auf, braucht lange, um einen Punkt abzuschließen. Für mich war das eine Geduldsprobe. Ich wollte schneller vorankommen, kam mir aber unsensibel vor das von der trauernden Autorin zu verlangen. Gleichzeitig hat auch dieses langsame Tempo wieder für eine besondere Intensität gesorgt. Ich konnte nicht einfach über die Eindrücke der Autorin hinweg huschen, musste sie mir anhören und sie nachempfinden. Ich wurde gezwungen mich ihren Emotionen zu stellen und konnte ihre Trauer so besser nachvollziehen. Wobei mir im Buch immer etwas fehlte: der Vater. Das ganze Buch über erzählt die Autorin von sich, ihren Gefühlen, ihren Erinnerungen. Den Vater lerne ich nie kennen. Er kommt kein einziges Mal zu Wort, bleibt für mich immer ein verschwommener Schatten im Hintergrund. Das hält ihn für mich auf Distanz und lässt ihn für mich zu keiner Person werden, um die ich selbst trauern kann. Trotzdem erlaubt die Geschichte mir Parallelen zu ziehen und wird so sehr emotional.
Ein wunderbares, trauriges, tröstendes Buch voller philosophischer Sätze
von Claudia S. / Kreis HD - 09.10.2020
Die Diagnose ist eindeutig und so will Zsuzsa Bánks Vater den Sommer am Balaton, seiner alten Heimat, verbringen. Statt der Heimreise wird es eine Reise ins Krankenhaus und in den Tod. Wie die Autorin und die Familie damit umgehen, miteinander, mit dem Vater und mit der Zeit danach, das erzählt sie in diesem schönen und urtrauigen und doch tröstenden Buch. Die Erinnerungen und Erzählungen der Autorin sind so zauberhaft wie poetisch. Man folgt ihr sehr gern, so traurig sie oft macht mit ihren Worten. Doch sie schafft es, so zu erzählen, dass man sich trotz aller Unterschiede darin wiederfindet und verstanden fühlt. Das ist wunderbar und tut der Seele gut. Man fühlt sich geehrt, daran teilhaben zu dürfen. Insgesamt malt sie damit ein bleibendes Bild, setzt ihrem Vater damit ein Denkmal. Und nicht nur das - sie hat in meinen Augen das Wunder gebracht, von ihrem Verlust zu erzählen, aber allen unseren Verstorbenen damit noch mal zu gedenken. Ganz klar - das Thema nimmt mit. Und es betrifft jeden einzelnen von uns. Meine Mutter ist nun seit sechs Jahren nicht mehr bei uns und mein Vater ist in dieser Zeit sehr alt geworden. In vielem, das Zsuzsa Bánk erzählt, sehe ich uns drei wieder. Ganz besonders, weil auch meine Mutter quasi "mit Ankündigung" gestorben ist. Vielleicht berührt mich das Buch deshalb so stark, vielleicht zu stark. Dennoch - es ist ein wichtiges Buch. Es tröstet, es holt ins Bewusstsein, was man sich vorgenommen hat und dass auch wir einmal gehen und diese Gefühle bei anderen hinterlassen. Genießen wir die Zeit mit unseren Lieben und bewahren alle Erinnerungen, sowohl die schönen, als auch die nicht so glücklichen, tief in unseren Herzen! Erinnerungen an die Kindheit, an die letzten Monate vor der Diagnose, an Begebenheiten und Gefühle schildert die Autorin offen und ehrlich. Auch erzählt sie davon, dass solche Zeiten die Gespräche mit Gott leichter machen, selbst wenn man vorher schon lange nicht mehr den inneren Dialog mit ihm gesucht hatte. Auch Gespräche mit Ärzten, Krankenhauspersonal und Pflegediensten werden nicht vergessen - dafür aber gezeigt, dass solche Berufe gern mal mit sich bringen, dass man vergisst, wie sich die Patienten und Angehörige fühlen. Wer Angehörige zu Hause gepflegt hat, kennt all die Probleme, über die Zsuzsa Bánk spricht. Das Buch spielt in drei Zeitebenen: 1956 (Flucht der Eltern aus Ungarn), 1973 (das Todesjahr des Großvaters der Autorin) und 2018 (dem Sommer, in dem der Vater stirbt). Dabei dreht sich die eigentliche Geschichte um das Jahr zwischen dem Sommer des Sterbens und der Trauer danach, bis es wieder Sommer wird. Ungarn blieb immer die Heimat des Vaters, deshalb reiste die Familie auch, sobald es wieder gefahrlos möglich war, jeden Sommer zu den Verwandten. Die Autorin begeistert durch die Direktheit, die sie in wunderbaren Sätzen ausdrückt. Mir ist die Sprecherin Lisa Wagner nur ein paar Mal als "Kommissarin Heller" begegnet, da ich sehr wenig TV sehe. Auch da ist sie distanziert und sehr ruhig. Genau so spricht sie dieses Hörbuch ein und es passt einfach wunderbar. Ich habe ihr sehr gerne zugehört. "Die Trauer setzt schon vor dem Sterben ein." - ja, genau so habe ich auch empfunden. Für mich ein wichtiger Schlüsselsatz. Die Autorin bringt alles, was mit dem Tod eines geliebten Menschen zusammenhängt, perfekt auf den Punkt. Sie spricht all das an, was ich selbst erlebt und empfunden, gedacht und gesagt habe. Man ist nicht allein, auch wenn man in dieser Situation immer das Gefühl hat. Man muss schon den richtigen Zeitpunkt für diese Story finden. Und man muss damit rechnen, dass Tränen fließen können. Aber das reinigt und hilft heilen. Ich spüre sowohl meine eigene Trauer als auch die Geschichte in mir nachhallen. Klingt seltsam - aber das ist ein schönes Gefühl. Das Leben steht einfach nur so herum. Ich gebe fünf Sterne.
Abschied nehmen
von Castilleja - 29.09.2020
Ich war neugierig auf dieses Buch, weil ich die Romane und den Schreibstil von Zsuzsa Bánk sehr mag, doch ich habe lange überlegt, ob ich mich traue, dieses Buch zu hören oder nicht. Denn hier geht es um den Tod des geliebten Vaters, der an Krebs erkrankt war. Erst galt der Krebs überstanden, doch dann kehrt er mit ganzer Macht zurück. Da auch ich vor wenigen Jahren meinen Vater an diese Krankheit verloren habe, habe ich gezögert, doch ich habe es nicht bereut. Die Autorin nimmt ihre Leser mit auf diese Reise. Der letzte Sommer, der noch einmal in Ungarn gemeinsam mit der Familie verbracht werden soll, doch dann kommt der Krebs dazwischen und eine Odyssee durch diverse Krankenhäuser beginnt. Der Roman geht über den Tod hinaus, bis hinein in das Trauerjahr und den Umgang mit dem Verlust. Die vielen Fragen, die unbeantwortet bleiben, die Endgültigkeit, die Bürokratie, Entscheidungen, die getroffen werden müssen. Ein sehr persönliches Buch und ich denke nun, dass ich es so sehr geschätzt habe, gerade weil ich diesen Verlust nachempfinden kann. Teilweise sind es nur Gedankenfetzen, Erinnerungen, Überlegungen, die aneinandergereiht werden. Oder aber das Erstaunen, einen Tag später festzustellen, dass am Vortag der erste Tag war, an dem sie nicht geweint hatte. Oftmals philosophisch und poetisch, in der Zeit hin- und herspringend, ein Potpourri der Gefühle. Die Sprecherin Lisa Wagner hatte sicherlich keine einfache Aufgabe, diesem Buch gerecht zu werden, doch für mich war die Besetzung passend und so bleiben mir viele Stellen des Buches besser in Erinnerung.
Das Jahr des Vätersterbens
von Elke Seifried - 22.09.2020
Als Hörer bekommt man hier einen Erfahrungsbericht der Autorin, mit dem sie als Ich-Erzählerin daran teilhaben lässt, wie sie die Krebserkrankung ihres Vaters, dessen Tod und die Zeit danach erlebt hat. Sie beginnt bei ihren Schilderungen damit, wie ihr Vater, seinen Sommer wie gewohnt am Balaton verbringt, obwohl der Krebs, nachdem man dachte, dass er ihn besiegt habe, wieder und dieses Mal mit der Diagnose unheilbar zuschlagen hat. Dort geht es ihm plötzlich schlecht, er wird zunächst mit Fieber ins Krankenhaus eingeliefert und da sich sein Zustand stetig verschlechtert und die medizinische Versorgung in Ungarn längst nicht mit der in Deutschland mithalten kann, soll er zurück geholt werden. Eine Odyssee durch Krankenhäuser folgt bis er wieder in Deutschland ist und schließlich im Krankenhaus Höchst die letzte ihm verbleibende Zeit verbringen muss. Sie erzählt von den Tagen an seinem Krankenbett und von der steten Hoffnung, dass es vielleicht doch alles ein Irrtum ist, dass ihr Vater wieder gesund werden könnte, auch von seinem zunehmenden Verfall. Nach seinem Tod darf man sie zudem bei organisatorischen Dinge begleiten. Angefangen beim Aussuchen des Sargs, über das des Grabes oder auch die Organisation der Trauerfeier, bis hin zum Regeln des Nachlasses lässt sie auch hier an ihren Emotionen dabei teilhaben. Knapp ein Jahr begleitet man sie in ihrer Trauer, erlebt mit ihr Familienfeste das erste Mal ohne den Vater und wird so Zeuge ihrer Trauerbewältigung. In diese Schilderungen mischen sich zahlreiche Erinnerungen an alte Zeiten, an gemeinsame Sommer in Ungarn, die sie in ihrer Kindheit und auch später mit der Familie verbracht haben. Außerdem erfährt man davon, wie die Eltern aus politischen Gründen 1956 aus Ungarn geflohen sind, sich in Deutschland eine Existenz aufgebaut, sich aber auch stets in die Heimat zurück gesehnt haben. Ich hatte zu meinem Vater eine enge Beziehung, habe ihn mit meiner Mutter gemeinsam lange Zeit gepflegt, musste mit ansehen, wie ihn seine Krankheit Schritt für Schritt immer mehr besiegt hat und hatte viele Monate Zeit zum langsamen Abschied nehmen. Sein Tod hat mich, wie die Autorin auch, für lange Zeit gehörig aus der Bahn geworfen. Ich hatte ähnliche Gedanken wie sie beim Bestatter, Leichenschmaus oder auch den ersten Feiertagen ohne ihn. Zudem habe ich erst kürzlich meinen Schwager, im Übrigen auch ein Ungar, aufgrund einer Krebserkrankung verloren. Deshalb hat mich diese Erzählung natürlich betroffen gemacht, teilweise auch alte Wunden wieder ein wenig geöffnet und einige Erinnerungen an Sommerurlaube im schönen Ungarn konnte ich ebenfalls mit der Autorin teilen. Aus diesem Grund konnte mich der Erfahrungsbericht emotional berühren. Wäre diese persönliche Verbindung zur Geschichte allerdings nicht vorhanden, wäre dies wohl eher nicht mein Roman geworden. Ihre Art der Erzählung, die Auswahl ihrer sprachlichen Bilder,auch die teilweise schon fast philosophischen Gedanken lassen zwar ihre Trauer deutlich spüren, konnten mich aber leider nicht gänzlich einholen. Vielleicht liegt es auch ein wenig daran, dass ich in Trauerphasen sicher am wenigsten daran gedacht habe, mich so gewählt auszudrücken, wie es sie es tut. "Die Toten sind nie tot. Aber wir weinen nicht mehr um meinen Vater, das Weinen um meinen Vater ist versiegt. Wir weinen über den Tod, ganz allgemein und groß. Darüber, dass die Geliebten gehen. Unsere Zeit mit ihnen begrenzt ist. Dass sie verschwinden. Nicht wieder auffindbar verschwinden.", ist nur ein Beispiel dafür. Auch das lose Gedanken in den Raum werfen, so habe ich es oft zumindest empfunden, war nicht ganz so meines. Beim Hören hat das bei mir Distanz erzeugt. Dies war mein erstes Hörbuch mit Lisa Wagner als Sprecherin und da ich selten fernsehe, war sie mir die mit Preisen ausgezeichnete Schauspielerin bislang völlig unbekannt. An ihre eher kühlere Stimme musste ich mich zunächst ein wenig gewöhnen. Ihr, für mein Empfinden, nüchterne, klare Vortrag hat mich gefühlt zusätzlich auf Abstand gehalten, wobei ich nicht zu beurteilen vermag, ob eine wärmere Stimme das bei diesem Roman geändert hätte. Ich denke allerdings, dass die Sprecherin sehr passend zu diesem Roman gewählt wurde, denn sie transportiert den Stil der Autorin gelungen und setzt deren präzisen Beschreibungen gekonnt in Szene, stellt sie so wie Zsuzsa Bánk, durch eine perfekt gewählte Erzählgeschwindigkeit in den Raum. Folgen konnte ich ihrem Vortrag sehr gut. Alles in allem konnte mich die Geschichte berühren, völlig einfangen konnte mich dieses Hörbuch allerdings nicht, weshalb es auch für fünf Sterne bei mir nicht mehr reicht. Aber gute vier sind auf jeden Fall drin.
Authentisch, berührend, hilfreich - (Hörbuch: Sterben im Sommer)
von stachelbeere - 16.09.2020
Es ist ein sehr persönliches Buch geworden. In "Sterben im Sommer" schreibt Zsuzsa Bánk über die letzten Monate im Leben ihres Vaters. Die Erzählung setzt ein, als László Bánks zurückgedrängt geglaubte Krebserkrankung unvermittelt zurückkehrt. Die bis vor kurzem noch unbeschwert verlebten Jahre werden nun abgelöst von Sorgen, Ängsten, Schmerzen, Krankenhausaufenthalten und schweren Entscheidungen. Wer selbst schon seine Eltern oder andere nahestehende Menschen auf ihrem letzten Lebensweg begleitet hat, wird sich unweigerlich in vielen der geschilderten Situationen wiederfinden. Die Autorin schildert alles sehr detailliert, die Gespräche mit Ärzten und Freunden, die Reaktionen innerhalb der Familie und im Umfeld, den Tag der Todesnachricht, die Vorbereitungen zur Beerdigung, den Ablauf der Trauerfeier und des Begräbnisses, die mühsamen Versuche wieder in einen geregelten Alltag zu finden, das Auf- und Ausräumen des Nachlasses und den schwierigen Umgang mit den vielen täglichen Erinnerungen. Im weiteren Verlauf des Buchs geht es dann, neben den zahlreichen Erinnerungen an die in der ungarischen Heimat des Vaters gemeinsam mit der Familie verbrachten Sommeraufenthalte, insbesondere um die nach der Beerdigung nun einsetzende Zeit der Trauer, welche die Autorin in vielen Momenten immer wieder unvermittelt einholt. "Sterben im Sommer" ist nicht nur ein literarisches Aufarbeiten des erlittenen Verlusts und der Geschehnisse, sondern vor allem auch ein liebevoller Rückblick auf den Vater, den früheren Mittelpunkt der Familie. Die Autorin lässt den Leser dabei ganz nah an sich und die Familie Bánk heran, sie verklärt nichts, sie lässt den Leser ganz selbstverständlich teilhaben und in zahlreichen Rückblenden eintauchen in eine ganz besondere deutsch-ungarische Familiengeschichte. Ich habe die Erzählung als Hörbuch auf 5 Audio-CDs gehört, mit Lisa Wagner als Sprecherin, die ich bisher nur aus diversen TV-Produktionen (u.a. Tatort) kannte. Im ersten Moment bedeutete das für mich schon eine Umstellung, denn ihr letztes Werk "Weihnachtshaus" hatte die Autorin noch selbst auf eine sehr einfühlsame Art eingelesen. Doch Lisa Wagner macht ihre Sache, wie ich finde, hervorragend. Sie liest ein wenig anders als Zsuzsa Bánk, nüchterner, klarer, aber dennoch mit einem guten Gespür für den für die Autorin typischen Schreibstil mit seinen immer möglichst präzisen Beschreibungen, Annäherungen und Konkretisierungen. Vor allem aber lässt sie sich ausreichend Zeit und liest mit der richtigen Geschwindigkeit. Würde sie zügiger lesen, würde viel von der Bildhaftigkeit der Sprache und der durch sie transportierten Emotionen verloren gehen. So aber ist es genau richtig für das Verständnis und sehr angenehm zum Hören. Fazit: Ein schwieriges, oft tabuisiertes Thema wird hier aufrichtig, authentisch und auf eine sehr persönliche Art behandelt. Hörempfehlung!
Eigene Bewertung schreiben Zur Empfehlungs Rangliste
Servicehotline
089 - 70 80 99 47

Mo. - Fr. 8.00 - 20.00 Uhr
Sa. 10.00 - 20.00 Uhr
Filialhotline
089 - 30 75 75 75

Mo. - Sa. 9.00 - 20.00 Uhr
Sicher & bequem bezahlen:
Bleiben Sie in Kontakt:
Hugendubel App
Zustellung durch:
1 Mängelexemplare sind Bücher mit leichten Beschädigungen, die das Lesen aber nicht einschränken. Mängelexemplare sind durch einen Stempel als solche gekennzeichnet. Die frühere Buchpreisbindung ist aufgehoben. Angaben zu Preissenkungen beziehen sich auf den gebundenen Preis eines mangelfreien Exemplars.

2 Diese Artikel unterliegen nicht der Preisbindung, die Preisbindung dieser Artikel wurde aufgehoben oder der Preis wurde vom Verlag gesenkt. Die jeweils zutreffende Alternative wird Ihnen auf der Artikelseite dargestellt. Angaben zu Preissenkungen beziehen sich auf den vorherigen Preis.

4 Der gebundene Preis dieses Artikels wird nach Ablauf des auf der Artikelseite dargestellten Datums vom Verlag angehoben.

5 Der Preisvergleich bezieht sich auf die unverbindliche Preisempfehlung (UVP) des Herstellers.

6 Der gebundene Preis dieses Artikels wurde vom Verlag gesenkt. Angaben zu Preissenkungen beziehen sich auf den vorherigen Preis.

7 Die Preisbindung dieses Artikels wurde aufgehoben. Angaben zu Preissenkungen beziehen sich auf den vorherigen Preis.

11 Bestellungen ins Ausland und der DHL-Paketversand sind von der kostenfreien Lieferung ausgeschlossen.

* Alle Preise verstehen sich inkl. der gesetzlichen MwSt. Informationen über den Versand und anfallende Versandkosten finden Sie hier.