Die ist der erste Teil der Trilogie um die Glücksfrauen und wurde von mir als Hörbuch nahezu in einem Rutsch durchgehört. Zu einen, weil die beiden Sprecherinnen Julia Tettenborn und Marylu Poolmann eine großartige Arbeit geleistet haben, zum anderen aber auch, weil die Geschichte von Anna Claire/Anja Saskia Beyer so mitreißend, tiefgründig und abwechslungsreich geschrieben wurde.
Es geht um die drei Freundinnen Anni, Maria und Louise. Sie wohnen in Berlin und die Nazi Herrschaft bringt auch ihr Leben durcheinander. Im vorliegenden Roman ist Anni die Protagonistin. Sie ist Anfang zwanzig, Studentin und mit ihrem Dozenten liiert. Die beiden werden in die USA auswandern, denn das Leben in Deutschland ist für sie nicht mehr sicher, nachdem sie Flugblätter des Widerstands veröffentlicht haben. Anni hofft, dass ihre Freundinnen ihnen bald in die USA folgen werden. Ihr Traum ist die gemeinsame Eröffnung eines Cafés. Um ein Startkapitel zu haben, leihen Maria und Louise Anne Geld. Doch das Leben in den USA ist für Immigranten nicht einfach. Aber Anni ist eine Kämpferin und geht ihren Weg. Viele Jahre begleiten wir sie durch ihr Leben. Die Geschichte von Anni wird unterbrochen, vom Leben ihrer Enkelin June. Im Jahr 2023, Anni ist schon seit einigen Jahren tot, erhält June, die mittlerweile in Berlin lebt, vom amerikanischen Anwalt ihrer Großmutter die Nachricht von einem Erbe. Doch dieses kann erst angetreten werden, wenn June die Nachfahren von Maria und Louise ausfindig machen wird. June taucht ein, in das vergangene Leben ihrer Großmutter und erfährt vieles, was ihr bislang völlig unbekannt war.
Auch wenn ich schon Duzende Romane aus diesem Genre gelesen habe, so sind sie doch immer wieder neu und anders aufbereitet. Die Idee, dieser Enkelinnensuche ist einfach grandios und ich war sofort im Sog dieser Geschichte. Ich denke, das wird anderen Lesern und Leserinnen genauso ergehen. Die sich abwechselnden Handlungen in zwei Zeitebenen sind perfekt von Länge und Inhalt und hervorragend aufeinander abgestimmt. Das Leben der Auswanderinnen und Auswanderer wird gut beschrieben, denn mit offenen Armen wurden sie nun wirklich nicht empfangen und sie mussten hart arbeiten. Immer wieder streut die Autorin authentische Persönlichkeiten in dem Roman ein, so dass das Gelesene/Gehörte an Glaubwürdigkeit gewinnt. So lernte ich doch auch wieder das ein oder andere hinzu. Auch viele Jahrzehnte nach den Gräueltaten der Nazis, halten diese Romane die Erinnerung an das Geschehen wach, was so wichtig ist. Auch wenn dies in erster Linie ein Unterhaltungsroman ist, denn eine Liebesgeschichte darf natürlich auch nicht fehlen. Aber die Mischung ist perfekt. Selbstverständlich werde ich auch Teil zwei und drei hören wollen, denn Junes Suche ist mit dem ersten Teil noch nicht beendet und geht weiter. Ein kluger Schachzug der Autorin. Ich bin schon so gespannt wie es weitergehen wird.