Die deutsche Thriller-Elite bekommt ernstzunehmende Konkurrenz. Neben Emily Rudolf, Romy Hausmann, Sebastian Fitzek und Co. dürfte nach dem Einschlagen von DIE FINCA ein weiterer Name ganz weit oben auftauchen - Kirsten Nähle.
Denn ihr erster Thriller DIE FINCA, erschienen im Piper-Verlag setzt nochmal ganz andere Maßstäbe als ihre vier zuvor erschienenen Kriminalromane mit Bezug zu ihrer Heimatstadt Würzburg.
DIE FINCA trifft den Zahn der Zeit. Kirsten Nähle vereint hier die klassischen Elemente eines Thrillers mit den Szenen eines Psychothrillers. Im ersten Teil von DIE FINCA stehen die Zeichen auf Psychothriller. Hier stellt die Autorin den Beziehungsaufbau der beiden Hauptcharaktere Rosi und Fabian in den Fokus und klärt die Fronten zwischen den beiden Personen, die unterschiedlicher nicht sein könnten.
Im Verlauf wird es immer nervenaufreibender die lesende Person befindet sich in einem Sog aus Fiktion und Realität. Befinden wir uns jetzt im Buch oder in unserer ganz eigenen Wahrheit. Dies gilt es letztlich für jeden selbst herauszufinden.
Ich für meinen Teil konnte DIE FINCA einfach nicht mehr aus dem Klauen befreien bis sie ausgelesen war. Zwischenzeitlich war mein Partner kurz davor den Notruf zu wählen, weil ich kaum noch ansprechbar war und die Atmung ständig mit Aussetzer zu kämpfen hatte. Jetzt zurück in der Realität kann ich nur sagen: Wer dieser abgeschiedenen Finca auf Mallorca keinen Besuch abstattet, verpasst einen Meilenstein einer neuen Ebene von spannender Unterhaltung.
Und natürlich kommen auch die Liebhaber von blutigen und actionreichen Momenten in DIE FINCA nicht zu kurz. Gerade in der zweiten Hälfe kommen diese vollkommen auf ihre Kosten. Für mich besonders beeindruckend war es, wie es der Autorin gelungen ist, hochbrisante und top recherchierte Themen in das Handlungsgeschehen einzuflechten und sie für die lesende Person greifbar zu machen. Den Kontrast dazu bildet die Housesitting-Thematik, die sich derzeit besonderes Beliebtheit erfreut.
Der Spannungsbogen baut sich kontinuierlich auf und ich konnte einfach nicht genug bekommen. Als klitzekleinen Wehmutstropfen könnte man die Tatsache beschreiben, dass man anfangs das Gefühl der Vorhersehbarkeit vermittelt bekommt. Doch bitte lasst euch eines besseren belehren. Oft kommt es anders, als wir zu denken wagen.
Für mich als leidenschaftlichen Mallorca-Touristen kam die Insel an sich leider ein wenig zu kurz. Doch der Titel des Buches lautet ja auch nicht "Blutiges Mallorca", sondern DIE FINCA und somit sollte ja eigentlich eingangs schon klar sein, wo wir uns überwiegend befinden.
Lange Rede, kurzer Sinn - Für mich persönlich zählt DIE FINCA von Kirsten Nähle schon jetzt zu den positiven Überraschungen des Jahres und ihr solltet euch diesen Thriller der Extraklasse auf keinen Fall entgehen lassen.