Stay away from Gretchen

Eine unmögliche Liebe, Roman.
Buch (gebunden)
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Eine große Liebe in dunklen Zeiten


Eine junge Frau, ein afroamerikanischer GI und das Geheimnis einer verbotenen Liebe

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Produktdetails

Titel: Stay away from Gretchen
Autor/en: Susanne Abel

ISBN: 3423282592
EAN: 9783423282598
Eine unmögliche Liebe, Roman.
dtv Verlagsgesellschaft

18. März 2021 - gebunden - 526 Seiten

Beschreibung

Eine große Liebe in dunklen Zeiten


Der bekannte Kölner Nachrichtenmoderator Tom Monderath macht sich Sorgen um seine 84-jährige Mutter Greta, die immer mehr vergisst. Was anfangs ärgerlich für sein scheinbar so perfektes Leben ist, wird unerwartet zu einem Geschenk. Nach und nach erzählt Greta aus ihrem Leben - von ihrer Kindheit in Ostpreußen, der Flucht vor den russischen Soldaten im eisigen Winter, der Sehnsucht nach dem verschollenen Vater und ihren Erfolgen auf dem Schwarzmarkt in Heidelberg. Als Tom jedoch auf das Foto eines kleinen Mädchens mit dunkler Haut stößt, verstummt Greta. Zum ersten Mal beginnt Tom, sich eingehender mit der Vergangenheit seiner Mutter zu befassen. Nicht nur, um endlich ihre Traurigkeit zu verstehen. Es geht auch um sein eigenes Glück.


Portrait

Susanne Abel stammt aus einem badischen Dorf an der französischen Grenze, arbeitete bereits mit 17 Jahren als Erziehungshelferin und später als Erzieherin. Nach einer Ausbildung zur Puppenspielerin landete sie über den Weg des Theaters beim Fernsehen. Sie schloss ein Studium an der Deutschen Film- und Fernsehakademie in Berlin ab und realisiert seither als Autorin und Regisseurin zahlreiche Dokumentationen fürs Fernsehen. Die Autorin lebt und arbeitet in Köln.


Pressestimmen

»Noch lange nach der Lektüre bleibt diese Geschichte im Kopf.«
MDR, Unter Büchern 30.06.2021
Empfehlungen Ihres Buchhändlers
Ihrem Buchhändler
von Ihrem Buchhändler - Hugendubel Buchhandlung Cottbus Mauerstraße - 18.06.2021
Unter den vielen Romanen, die in der Kriegs- und Nachkriegszeit spielen, hat mich dieser hier am stärksten berührt. Es ist eine Geschichte von Krieg, Leid und Angst, aber auch von Hoffnung und Liebe unter dem noch immer heiß schwelenden Rassismus. Einmal begonnen, mag man das Buch nicht mehr aus der Hand legen.
Sigrun Franke
von Sigrun Franke - Hugendubel Buchhandlung Hannover Bahnhofstraße - 15.05.2021
Dieser Roman liest sich flott und sehr unterhaltsam, aber es steckt doch eine ganze Menge mehr zwischen den Zeilen. Zum einen ist da Tom Monderath, ein sehr erfolgreicher Moderator, der vielleicht ein bisschen zu sehr vom Erfolg verwöhnt ist und etwas Bodenhaftung verloren hat. Und da ist seine Mutter Greta, bei der sich erste Anzeichen einer Demenz zeigen. Die Mutter, die nie über ihre Jugend oder Ihre Vergangenheit gesprochen hat. Aber mit den ersten Anzeichen einer Demenz öffnen sich auch die Türen zu dieser Zeit und lange unter Verschluss gehaltene Erinnerungen kommen ans Tageslicht. Und so wird dem Leser nicht nur eine Mutter - Sohn Beziehung nahe gebracht, sondern auch ein Stück deutsche Vergangenheit. Eine Geschichte von Flucht und Vertreibung und einer damals unmöglichen Liebe. Themen, die nicht nur zu dieser Zeit präsent waren, sondern auch in der heutigen Zeit stattfinden. Ich habe dieses Buch gern gelesen und kann es sehr empfehlen.
Hedda Freier, Hugendubel Flensburg
Sehr bewegende Familiengeschichte
von Hedda Freier, Hugendubel Flensburg - Hugendubel Buchhandlung Flensburg Holm - 23.03.2021
Die 84-jährige Greta Monderath leidet an beginnender Demenz. Ihr Sohn Tom, ein bekannter Fernsehmoderator, macht sich große Sorgen um sie. Dann findet er bei seiner Mutter Hinweise auf ihre Flucht aus Ostpreußen und findet außerdem noch das Foto eines farbigen Mädchens. Bevor sie alles vergessen wird, versucht Tom möglichst viel über die Kindheit und Jugend seiner Mutter zu erfahren. Und sie beginnt, einiges aus ihrem Leben zu erzählen. Geprägt wurde ihr Leben durch die verbotene Beziehung zu einem farbigen amerikanischen Soldaten nach dem 2. Weltkrieg. Eine bewegende Familiengeschichte. Sehr emotional erzählt.
Bewertungen unserer Kunden
Sehr bewegend
von brauchnix - 19.09.2021
Schon lange habe ich kein so berührendes Hörbuch mehr gehört. Okay, bei dem Thema war das zu erwarten. Aber es ist ein Debüt-Roman und der hat mich wirklich in jeder Szene abgeholt. Dabei war es nicht nur die Aktualität, die dem ganzen anhaftet, denn irgendwo endet immer gerade ein Krieg und es gibt Menschen, die ihn überstehen, überstanden haben, die mit Besatzern umgehen müssen, die einander mit Vorurteilen, Hass und Unverständnis begegnen und dann doch erkennen, dass alles menschlich ist außer dem Krieg. Es ist ganz profan einfach die Geschichte der alten Frau, die ihr Gedächtnis verliert und ihrem Sohn an ihrer Vergangenheit teilhaben lässt. Einer lange verschwiegenen Vergangenheit, die auch sein Leben umkrempelt. Dabei konnte ich mir die Gefühle der Darsteller so gut nachvollziehen, weil die Autorin Raum für Interpretation lässt, weil sie gekonnt beschreibt und nicht ständig erklärt. Diese Art des Erzählens kommt mir sehr nahe und gefällt mir wahnsinnig gut. Eine Geschichte, die man gehört/gelesen haben sollte. Sie bereichert und erfüllt trotz der schmerzhaften Dinge auch mit Glück und Hoffnung. Das können nicht viele Bücher bei mir schaffen.
Eine bewegende Geschichte
von Mk - 29.07.2021
Das Buch "Stay away from Gretchen" von Susanne Abel hat mich wirklich berührt. Die Geschichte "im Jetzt" vom Nachrichtenmoderator Tom und seiner Mutter, bei der die Alzheimerkrankheit erkannt wird und immer weiter fortschreitet, und in der Vergangenheit von Toms Mutter Greta konnte ich kaum aus der Hand legen. Mit viel Gefühl ist die damalige Zeit und sind die schwierigen Probleme der damaligen Zeit beschrieben worden. Die Person Greta in der Gegenwart hat mich öfter zum Schmunzeln gebracht und so den Ernst der Alzheimerkrankheit für die Geschichte gut erträglich gemacht. Auch die anderen Personen der Geschichte finde ich sehr treffend beschrieben, so dass ich sie mir gut vorstellen konnte. Besonders gut hat mir an dem Buch gefallen, dass es ein spannender, interessanter Roman und gleichzeitig ein Zeitzeugnis ist. Von mir eine absolute Leseempfehlung und fünf Sterne.
Liebe zu Zeiten des Zweiten Weltkriegs
von Mareike Kollenbrandt - 18.07.2021
Vorweg: Die Sprecherin dieses Hörbuch ( exklusiv bei Audible ) ist grossartig. Vera Teltz drückt mit ihrer Stimme zahlreiche Gefühlssituationen aus und kann Spannung, Trauer und Freude hundertprozentig rüberbringen. Auch die verschiedenen Personen in dieser Geschichte werden sehr gut von ihr dargestellt. Nicht zuletzt durch ihre angenehme Stimme ist dieses Hörbuch so hörenswert. Aber auch die Geschichte ist mitreissend. Eine Mischung zwischen Gegenwart und Vergangenheit zeigt einerseits den Verfall der 84jährigen Greta, und andererseits ihr Leben in den schweren Zeiten des Krieges. Eine grosse Liebesgeschichte, die scheinbar in einem anderen Leben stattgefunden hat und deren Auswirkung bis in die heutige Zeit zu spüren sind. Die Geschichte der vielen unerwünschten Kinder, die der Zwiete Weltkrieg hervor gebracht hat und das traurige Schicksal ihrer Mütter. Ergreifend, erschreckend und auch sehr berührend, aber eine Geschichte die auf jeden Fall erzählt werden musste.
Ich bin begeistert von der Geschichte, vom Hörbuch
von Magnolia - 11.07.2021
Zwei /drei Hörbücher hatte ich bis jetzt gehört und danach beschlossen, doch beim gedruckten Wort zu bleiben. Dann aber ist mir "Stay Away from Gretchen" in Hörform begegnet und es war ein so eindringlicher Hörgenuss, dass ich mein Urteil bezüglich dieses Formates revidiere. Diese so wundervolle Geschichte hat durch die ausdrucksstarke Stimme der Synchronsprecherin Vera Teltz ganz enorm gepunktet. Zum einen war es die sehr berührende, emotionale Geschichte Gretchens und zum anderen das so gekonnte Vortragen. All die Stimmungsschwankungen der einzelnen Charaktere konnte ich gut heraushören. Die Sprecherin hat jedem Einzelnen ein Gesicht gegeben, ich konnte mich zurücklehnen und genießen, mich mit ihnen freuen, ob ihres Schicksals traurig und verzweifelt sein. Vera Teltz, ihre Stimme, werde ich mir merken, ich werde sie bestimmt wieder hören. "Geschichte, so bitter sie auch sein mag, ist Realität, die täglich in unserer Gegenwart und in unserer Zukunft fortwirkt." Willy Brandt in einer Rede in Jerusalem am 7. Juni 1973. So beginnt Gretchens Lebensgeschichte und in diesem Satz verbirgt sich ganz viel Wahrheit. Heute: Greta ist topfit, so denkt sie sich und will nur schnell was besorgen. Mit ihrem Auto fährt sie immer weiter, sie ist auf der Autobahn, verpasst die Ausfahrt, bis sie irgendwo im ihr unbekannten Nirgendwo stehen bleibt, im Krankenhaus landet. Der bekannte Nachrichtenmoderator Tom Monderath wird angerufen, er holt seine 84jährige Mutter zurück, muss sich eingestehen, dass er ihre weiter fortschreitende Demenz nicht länger ignorieren kann. Er wird sich zwangsläufig um sie kümmern müssen. So beginnt er nachzuforschen, findet in Gretas Sachen ein Foto von einem ihm unbekannten dunkelhäutigen Mädchen. Gestern: Gretas Familie muss weg aus Ostpreußen, in Heidelberg finden sie eine neue Heimat und die blutjunge Greta - Gretchen genannt - erlebt während des Zweiten Weltkrieges und der US-Besatzung ihre große Liebe, aber auch die bitterste Enttäuschung, die sie fast nicht verkraften kann. Vertreibung und Flucht, der auch hierzulande verbliebene Rassenhass mit all seinen Folgen werden hier thematisiert, genau so Adoption und die Suche nach den eigenen Wurzeln. Heute ist unvorstellbar, was im Nachkriegsdeutschland alles möglich war. Ein Frauenschicksal, das für viele andere steht. Gegen die starren Vorschriften der aus jetziger Sicht verstaubten Behörden kam man nicht an, im Gegenteil. So manches menschliche Drama war amtlich gewollt. Die Autorin erzählt ausdrucksstark in zwei Zeitebenen, die gut ineinandergreifen. Tom in seinem durchgestylten Leben in der Gegenwart gräbt immer tiefer in der verborgenen, verschwiegenen Vergangenheit seiner Mutter. "Stay Away from Gretchen" hat mich in seiner Gänze umgarnt, bewegt, begeistert. Ein Stück Zeitgeschichte, mitreißend geschrieben von Susanne Abel, von Vera Teltz wundervoll vorgetragen. Gerne empfehle ich diesen Leckerbissen.
Vom kaum bekannten Schicksal der Brown Babys
von de.Susi - 01.07.2021
Rezension des HÖRBUCHES: Toms Mutter Greta zeigt Anzeichen von Alzheimer-Demenz und ihre Alleingänge bringen das nur auf sich gerichtete Leben des Yuppies ziemlich durcheinander. Ignorant egoistisch versucht der dieses Problem weg zu planen, was selbstredend schiefgeht. Als er beginnt sich mit der Situation auseinanderzusetzen, findet er das Foto eines kleinen dunkelhäutigen Mädchens in den Sachen seiner Mutter. Neugierig geworden spricht er sie darauf an und erfährt zum ersten Mal näheres über das bisher verschwiegene Leben seiner Mutter So traurig und schwer die Thematik, so feinfühlig hat die Autorin dies in eine absolut lesens-/hörenswerte Geschichte gepackt, die unter die Haut geht. Vor allem die - mir bisher unbekannte - Sprecherin Vera Teltz verleiht der Geschichte eine Aura, der man sich nur schwer entziehen kann und durch ihre starke Ausdrucksweise bei mir stellenweise Gänsehaut hervorrief. In Stay away from Gretchen wird ein dunkles Kapitel der Nachkriegsgeschichte thematisiert, dessen Tragweite mir für alle Betroffenen so noch nicht bewusst war. Ich bewundere Gretchen sehr, wie sie, vor allem in dieser Zeit, an ihrem Ziel und Traum festhält, obwohl Schwierigkeiten und schlimme Konsequenzen vorgezeichnet sind. Dazu gehört verdammt viel Mut! Aber ich glaube auch, das zeichnet diese Generation aus, die nach dem Erlebten fast nichts Schlimmeres mehr erwarten konnten. Und trotz aller Schwere klingt auch eine Leichtigkeit durch, die mir mehr als einmal ein Schmunzeln entlockte. Sehr interessant ist auch der Verweis zu den vererbten Erinnerungen der Kriegsenkel , mit denen ich mich selbst auch schon beschäftigt habe. Somit bietet dieses Buch eine weite Bandbreite von Themen, die man erstmal gelungen zusammenfügen muss. Dies ist Susanne Abel hervorragend gelungen, so dass ich auch über die fast zu kitschig anmutenden Zufälle hinwegsehen kann. Fazit: Durch die spannende Story und die klasse Umsetzung durch die Sprecherin war ich sehr an dieses Hörbuch gefesselt, so muss ein Buch sein. Empfehlung!
Sehr bewegende Lebensgeschichte
von bookloving - 18.06.2021
Mit ihrem großartigen Debüt "Stay away from Gretchen - Eine unmögliche Liebe " ist der deutschen Autorin Susanne Abel ein hervorragend recherchierter, sehr bewegender historischer Roman gelungen, der mich sehr berühren konnte und noch längere Zeit beschäftigt hat. Gekonnt konfrontiert uns die Autorin in ihrem sehr emotional und fesselnd erzählten Roman mit den Schrecken der deutschen Vergangenheit, zeigt die verheerenden Auswirkungen des 2. Weltkriegs und der erlittenen Traumata auf die Kriegsgeneration auf , die auch auf ihre Nachkommen bis in die Gegenwart nachwirken. Darüber hinaus beleuchtet sie mit dem Schicksal der "Brown Babies" und Afrodeutschen ein sehr dunkles, wenig bekanntes und nachdenklich stimmendes Kapitel der Nachkriegszeit. In der mitreißenden, in der Gegenwart angesiedelten Rahmenhandlung um Greta, die zwar körperlich fitte, aber zunehmend dementer werdende 84jährige Mutter des bekannten Fernsehmoderators Tom, enthüllt diese in plötzlich hochkommenden Erinnerungsfetzen allmählich ihre ergreifende Lebensgeschichte. In den eingeschobenen Rückblicken werden immer mehr, bislang sorgsam verborgene Details aus Gretas bewegter Vergangenheit enthüllt. Um Gretas verwirrenden Geheimnissen und seiner eigenen Familiengeschichte auf die Spur zu kommen, stellt Tom schließlich gemeinsam mit einer Assistentin weitere Nachforschungen an und begibt sich auf eine ereignisreiche Spurensuche. Die sich abwechselnden, auf unterschiedlichen Zeitebenen angesiedelten Erzählstränge, in denen die sehr warmherzig und lebensnah gezeichnete Protagonistin Gretchen steht, haben mich bald in ihren Bann gezogen. Susanne Abel ist es hervorragend gelungen, viele gut recherchierte und zeitgeschichtlich wichtige Themen der Nazizeit und deutschen Nachkriegszeit mit ihrer fiktiven Geschichte zu verweben und die politischen und gesellschaftlichen Hintergründe sehr lebendig und anschaulich zu gestalten. Die Autorin nimmt uns mit auf eine abenteuerliche, sehr facettenreiche Zeitreise, beginnend mit Gretas Kindheit in Preußisch Eylau während der Nazizeit, reißt die traumatischen Erlebnisse während der überstürzten Flucht vor den Russen aus dem Osten an, lässt uns schließlich eintauchen in die entbehrungsreiche Nachkriegszeit im von den Amerikanern besetzten Heidelberg, wo Gretas während der Flucht getrennte Familie schließlich wieder zusammen findet, und lässt uns schließlich Anteil nehmen an Gretas "Unmöglicher Liebe" und ihrem höchst tragischen Ausgang. Kenntnisreich und sehr plastisch führt uns die Autorin die während der unterschiedlichen Zeitepochen vorherrschenden Verhältnisse, die politischen Einstellungen und Stimmungen in der Bevölkerung vor Augen und lässt uns in so manche erschütternden gesellschaftlichen Abgründe jener Zeit blicken. Geschickt untermalt die Autorin zudem einige zeitgeschichtliche Ereignisse und reale Begebenheiten mit Zeitdokumenten, so dass die Geschichte noch authentischer wirkt. Sehr einfühlsam erzählt Abels Gretas außergewöhnliche Lebensgeschichte voller Höhen und Tiefen, die zugleich stellvertretend für viele Frauenschicksale jener Zeit steht. Die Autorin hat mit Greta eine sehr beeindruckende, vielschichtige Frauen-Figur geschaffen, die mit ihren Eigenheiten, Stärken und Verletzlichkeiten sehr lebensnah und lebendig wirkt und die man rasch ins Herz geschlossen hat. Sie versteht es, uns im Laufe der Handlung ihr Innenleben, ihre schillernde Persönlichkeit und charakterliche Entwicklung sehr glaubhaft näherzubringen. Gekonnt zeigt sie in ihrem bewegenden Roman auf, wie nachhaltig Lebensentscheidungen auch das Leben der nachfolgenden Generationen beeinflussen und emotional prägen können. Geschickt verdichtet die Autorin ihre Geschichte immer weiter und lässt diese nach einigen unvorhersehbaren Wendungen und überraschenden Enthüllungen zwar etwas weichgespült, aber dennoch sehr stimmig ausklingen. Hervorragend hat mir auch das Nachwort der Autorin gefallen, in dem sie ausführlich die Hintergründe zu ihrem Roman erläutert und interessante weiterführende Informationen zu ihren Recherchen gibt. Abgerundet wird der Roman für alle an den angeschnittenen Themen interessierten LeserInnen mit einem umfangreichen Literatur- und Filmverzeichnis. FAZIT Ein fesselnder, sehr emotionaler historischer Roman mit einer bewegenden Lebensgeschichte und einer wundervollen Protagonistin - lebendig und mitreißend erzählt, hervorragend recherchiert und kenntnisreich umgesetzt. Eine sehr empfehlenswerte Lektüre!
Ein sehr berührendes Buch!
von Anonym - 18.06.2021
Die Geschichte wird in zwei Zeitebenen erzählt, 2015 und in der Zeit kurz nach dem zweiten Weltkrieg. In der "Gegenwart" ist der bekannte Nachrichtenmoderator Tom Monderath auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Single, erfolgreich und kann jede Frau haben die er möchte. Doch dann bekommt er einen Anruf der Polizei, die seine Mutter vollkommen verwirrt auf der Autobahn aufgelesen haben, viele hundert Kilometer von ihrem Wohnort entfernt. Tom muss sich diesem Problem stellen und erfährt immer mehr über die Lebensgeschichte seiner Mutter und ihre große Liebe zu einem amerikanischen GI... Das Buch war für mich ein echtes Highlight, das mich teilweise auch zu Tränen gerührt hat! Die ganze Geschichte wird so authentisch geschrieben, sowohl in der Gegenwart als auch in der Vergangenheit, alles hätte genau so passieren können. Das Buch ist gleichermaßen Zeitreise und Vergangenheitsbewältigung in einem. Man erlebt die Zeit rund um den zweiten Weltkrieg, die Alliierten und auch immer wieder den Umgang mit "schwarzen" Amerikanern mit. In der Gegenwart bekommt man einfühlsam das Thema Demenz näher gebracht. Die Charaktere sind alle sehr liebevoll gezeichnet und haben ihren eigenen Charakter, den man mögen kann oder auch nicht. Ich kann das Buch nur empfehlen denn selten hat mich eine (Liebes-) Geschichte so berühren können!
Ergreifend
von Gisel - 18.06.2021
Tom Monderath ist ein erfolgreicher Nachrichtenmoderator. Seine 84jährige Mutter Greta hat bisher allein in ihrem Haus gelebt, doch eine Autofahrt zeigt, dass sie immer mehr vergisst. Für Tom ist das einerseits ärgerlich, doch andererseits erhält er nun die Chance, etwas über Gretas Leben zu erfahren. Bisher hat sie kaum etwas darüber erzählt. Besonders überraschend ist für Tom das Foto eines kleinen dunkelhäutigen Mädchens. Tom stößt auf ein wohlgehütetes Geheimnis seiner Mutter und damit auch auf den Grund der vielen Depressionen, die ihr Leben begleitet haben. Die Generation der Kriegskinder hat vieles miterleben müssen, das im Alter allerdings nochmal hochkommt. An Gretas Beispiel zeigt die Autorin Susanne Abel dies sehr anschaulich. In zwei Zeitebenen enthüllt der Roman eine ergreifende Erzählung über ein wichtiges Kapitel der deutschen Geschichte. Dabei fällt es nicht von Anfang an leicht, Greta und Tom sympathisch zu finden - zu erfolgsorientiert, ja arrogant tritt Tom auf, zu trotzig zeigt sich Greta im Bemühen, ihre Demenz zu verschleiern. Und doch wachsen die beiden dem Leser nach und nach ans Herz, je länger man von ihnen liest. Manche Entwicklung fand ich letztendlich etwas zu aufgesetzt, andererseits ergibt sich damit ein stimmiger Schluss. Die Geschichte ist sehr spannend geschrieben, die beschriebenen Themen sind sehr gut aufgearbeitet, so dass ich das Buch unbedingt weiter empfehle. Ich vergebe 4 von 5 Sternen.
Starker Roman
von meggie3 - 17.06.2021
Der Roman hat zwei Zeitebenen, die sich immer wieder abwechseln. Der eine Teil beschreibt Gretas Jugend und ihr Leben während des Zweiten Weltkriegs und in den Jahren danach. Dies geschieht sehr eindrücklich und auf intensive Weise. Der andere Teil beginnt im Sommer 2015: Tom Monderath ist Nachrichtensprecher einer bekannten Nachrichtensendung und sehr beschäftigt. Als seine Mutter Greta nach einer verwirrten Autofahrt ins Krankenhaus kommt und ihn die Ärzte mit der Verdachtsdiagnose Demenz konfrontieren, ist er zunächst schockiert. In der Wohnung seiner Mutter findet er durch Zufall ein Foto und erfährt Stück für Stück, was es mit dem Foto auf sich hat und findet eine Erklärung dafür, wieso seine Mutter als er klein war Phasen hatte, in denen es ihr sehr schlecht ging und sie traurig war. Mir hat der Schreibstil von Susanne Abel gut gefallen, auch die Perspektiv- bzw. Zeitwechsel waren für mich ein gutes Stilmittel. Ich habe den Roman als sehr spannend empfunden und war durchgehend von der Geschichte gefesselt. Sowohl Tom als auch Greta sind sehr gut beschrieben, sodass ich ein genaues Bild von ihnen hatte. Gerade Toms Entwicklung in dem Roman ist überzeugend. Auch die anderen Charaktere sind meines Erachtens detailliert gezeichnet. Der spannende historische Teil war für mich sehr lehrreich, das Thema wird sehr eindrücklich umgesetzt. Interessant war es auch von der Zeit ab Sommer 2015 aus Nachrichtenperspektive zu lesen. Dies war ein guter chronologischer Überblick. Für mich war besonders spannend, wie Tom mit Hilfe einer Kollegin versucht herauszufinden, was Greta in den Jahren nach dem Krieg erlebt hat. Die Suche nach der Wahrheit ist sehr vorstellbar beschrieben. Insgesamt hat mich der Roman sehr überzeugt, auch weil Susanne Abel verschiedene gesellschaftliche Themen in dem Roman zusammenbringt und dieser dabei sehr berührend ist. Auch die Demenzerkrankung von Greta ist eindrücklich beschrieben und wirkt auf mich sehr realistisch. Ich würde den Roman definitiv weiterempfehlen!
Eine wundervolle Liebesgeschichte
von Anonym - 13.06.2021
Das Cover einladend und offen, die Sprache des Buches einfach einnehmen und gewinnend. So wird der Leser auf den ersten Seiten begrüßt von einer in die Jahre gekommenen Greta, die langsam aber sich an Demenz leidet und die ihrem Sohn Tom immer mehr Kummer macht. Doch gleichzeitig kann sie sich noch gut an die Vergangenheit und ihre Kindheit und Jugend in Schlesien und im Krieg und auch an dessen Folgen und die Jahre danach erinnern. Und so nimmt die junge Greta den Leser mit auf eine Reise in eine andere Zeit, während Tom versucht, gegen das Hier und Jetzt anzukämpfen und gleichzeitig mehr über seine Wurzeln herauszufinden. Ich habe das Buch mit einem Lächeln begonnen und mit einem Lächeln beendet. Alles dazwischen war eine Achterbahn der Gefühle, die den Leser von Anfang an packt und fesselt, auch wenn es ein historisch gelenkter Roman ist. Dennoch entwickelt der Leser eine solche Sympathie für Greta und ihr Leben, für ihre Art und ihre Leichtigkeit, dass er sie einfach nicht mehr loslassen kann. Die wunderbare bildliche Sprache, derer sich die Autorin bedient ist so wunderbar einfach und offen, dass es ein jeder schaffen sollte, ohne Umschweife an die Seite von Greta zu gelangen und ihr zum Weggefährten zu werden.
Fesselnde, hochinteressante, brillante Verknüpfung von Historischem und Gegenwar
von Lesendes Federvieh - 10.06.2021
Ich bin einfach nur begeistert von diesem grandiosen Familienroman, in dem so viel mehr als eine bittersüße, letztlich unerfüllte Liebesgeschichte steckt, wie es der Titel erwarten lässt. Susanne Abel erzählt mitreißend und feinfühlig die Lebensgeschichte von Greta Monderath, die mich von der ersten Seite an in ihren Bann gezogen hat. Dabei spannt sie den Erzählbogen von der Vergangenheit bis in die Gegenwart. Fundiert und klasse recherchiert nimmt sie den Leser mit in die Zeit des Nationalsozialismus und zeigt auf, wie der Alltag in dieser Zeit aussah. Ehrlich und objektiv schildert sie, dass es durchaus Sympathisanten des Regimes gab. Das habe ich so bisher noch in keinem Roman gelesen. Auch die Kriegswirren, die Nachkriegszeit mit der entbehrungsreichen, gefährlichen Flucht und den schwierigen, aufreibenden Neuanfang in der amerikanisch besetzten Zone beschreibt sie so lebendig und authentisch, ich konnte das Buch nicht aus der Hand legen. Erst recht nicht, als sie den für mich völlig unbekannten Aspekt der Brown Babys in die Geschichte einfließen ließ, der einen äußerst unrühmlichen, beschämenden Punkt der deutschen Nachkriegsgeschichte darstellt. Durch ihre liebevoll und detailliert skizzierten Charaktere verleiht sie der Handlung eine solche Lebendigkeit, man glaubt alle Figuren zu kennen, ihre Gefühle und Sorgen zu spüren. Diese Nähe lässt die Heftigkeit des Gelesenen noch eindrucksvoller wirken. "Stay away from Gretchen" bietet ein vielschichtiges, absolut lesenswertes Porträt, nicht nur einer außergewöhnlichen Frau, sondern auch unserer Gesellschaft in der Vergangenheit und im Heute. Gerade auch im Gegenwartsteil packt sie auf brillante Art unsere heutige Flüchtlingsproblematik und den Rassismus in unserer Gesellschaft an.
Eine Liebe, die nicht sein durfte
von S.Kuehn - 10.06.2021
Stay away from Gretchen von Susanne Abel ist eine großartige Liebesgeschichte, aber es ist auch noch viel mehr. Es ist eine Geschichte der Nachkriegsjahre in Deutschland, eine Geschichte über Rassismus, eine Geschichte über Menschlichkeit und auch über Unmenschlichkeit. Erzählt wird diese Geschichte in zwei Zeitebenen. Einmal sind wir in den Jahren 2015 und 2016, Greta ist eine fünfundachtzigjährige Frau und ihr Sohn Tom ein überarbeiteter und bekannter Nachrichtensprecher. Greta zeigt erste Anzeichen von Altersdemenz und Tom muss sich mehr um seine sonst noch sehr rüstige und schlagfertige Mutter kümmern. Dabei stößt er auf Spuren und Fragmente aus der Vergangenheit, die ihn interessieren und er fängt an zu recherchieren. Durch seinen Job wird hier auch die politische Gegenwart mit den Flüchtlingen ins Spiel gebracht, was sehr interessante Parallelen bildet. Im anderen Erzählstrang erfahren wir nach und nach Details aus Gretas Leben von ihrer Kindheit an. Die Nazizeit, der Krieg, Hunger und Leid, das alles wird hier sehr bildhaft beschrieben, dass man es sich schon fast zu gut vorstellen kann. In die Zeit kurz nach dem Krieg fällt auch die große Liebe ihres Lebens, die als furchtbares Schicksal endete und die sie wohl bis ins hohe Alter nicht verarbeitet hatte. Das alles wird hier sehr emotional erzählt, ohne ins kitschige abzudriften. Alleine das Ende war mir persönlich dann etwas zuviel. Im Laufe dieses Buches habe ich sehr viel über die Nachkriegsjahre und auch die Zeit der großen Verdrängung erfahren. Hier werden sehr viele gut recherchierte Fakten verarbeitet und als spannende Geschichte erzählt, in der am Ende alle Stränge zueinander finden. Eine absolute Empfehlung von mir. Auch das Hörbuch ist wundervoll gesprochen von Vera Teltz, die es schaffte jeder Person eine eigene Stimme zu geben und mit der man sich in die Geschichte fallen lassen konnte.
Dont stay away from this book
von Cindy - 06.06.2021
Ich habe schon einige Bücher gelesen, die Nationalsozialismus und den 2. Weltkrieg zum Thema hatten. Aber den in diesem Buch geschilderten Aspekt - die Flucht einer Familie aus Ostpreußen und ihr harter Neuanfang in Deutschland - kannte ich tatsächlich noch nicht. Ebenso kamen die Soldaten der Besatzungsmächte meiner Erinnerung nach bisher nie in einem meiner gelesenen Bücher vor. Insofern ein ganz neues Thema für mich, das mich ziemlich schnell in seinen Bann gezogen hat. Voller Spannung und Interesse las ich von Gretchen und ihrem Lebenweg - sowohl im Nachkriegsdeutschland als auch in der heutigen Zeit. Es ist allerdings auch keine leichte Kost, an mehreren Punkten hat mich die Geschichte tief bewegt und ließ mich einmal mehr dankbar sein, in der heutigen Zeit in Mitteleuropa leben zu dürfen. Dass ich trotz der unbequemen Details dennoch immer weiterlesen wollte hängt zu einem nicht unwesentlich Teil auch an dem wundervollen Schreibstil von Susanne Abel. Kein Wort zu viel aber auch keines zu wenig. Ehrlich und authentisch geschrieben, aber auch so, dass man als LeserIn voller Empathie für die Figuren ist, denen Abel so wunderbar Leben eingehaucht hat. Dabei ist dieses Buch anscheinend ihr erster Roman, sie ist eigentlich im Bereich Dokumentarfilm zu Hause. Daher ist ihr wohl gutes Recherchieren auch nicht fremd, denn das hat sie für diesen Roman sehr ausführlich und gewissenhaft getan. Im Anhang zählt Susanne Abel zahlreiche Quellen auf. Wenn sie diese Bücher alle durchgearbeitet hat, dann war die Arbeit an diesem Buch - abseits der reinen Schreibarbeit - echt nicht ohne! Aber es hat sich soo gelohnt, liebe Frau Abel!
Großartiges Leseerlebnis
von Daniela - 30.05.2021
Ich habe bereits sehr viele Roman gelesen, die während des zweiten Weltkriegs spielen. "Stay away from Gretchen" geht mit Details unter die Haut, von denen ich teilweise noch nichts gehört hatte. Bei Kriegsausbruch ist Greta gerade einmal 8 Jahre alt. Was mich auf den ersten Seiten besonders schockiert ist, zu welchem Fanatismus Lehrer ihre Schüler erzogen haben. Greta und ihre ältere Schwester sind glühende Verehrerinnen von Adolf Hitler. Nach dem ich bereits dachte Schmucktassen und Weihnachtskugeln mit seinem Konterfei sind kaum zu überbieten, las ich schockiert, dass sogar eine Art Gebet, adressiert an Hitler, existierte. Wir begleiten Grete durch die späten Kriegsjahre, während der Vertreibung aus Ostpreußen und durch die Nachkriegszeit, als sie sich zum ersten Mal verliebt - in einen schwarzen GI, zur damaligen Zeit ein absoluter Skandal. Die Autorin behält sich die eingangs beschriebene Liebe für weniger bekannte Details aus der deutschen Geschichte bei und ich konnte aus diesem Roman sehr viele Informationen mitnehmen. Zum Beispiel hörte ich zum ersten Mal davon, dass Frauen, die sich mit schwarzen Amerikanern eingelassen haben, teilweise von Deutschen gelyncht wurden. Schwer zu verkraften war auch dieser offen gezeigte Rassismus, der damals an der Tagesordnung war. Das Schicksal der sogenannten brown Babies hat mich sehr erschüttert. Diese Thematik war auch komplett neu für mich und es macht mich fassungslos, mit welcher Selbstverständlichkeit Politiker bestimmt haben, dass es für die Kinder am Besten sei, wenn man sie in einem fremden Land quasi aussetzt. Trotz all der harten Kost schreibt Susanne Abel ungemein fesselnd und mitreißend. Die Kapitel sind sehr lang, teilweise 50 bis 80 Seiten, so dass man nur schlecht einen Punkt findet um das Lesen zu pausieren. Eigentlich möchte man den Roman aber auch gar nicht aus der Hand legen. Der zweite Erzählstrang spielt in den Jahren 2015 und 2016. Greta ist mittlerweile 85 Jahre alt. Erste Zeichen von Altersdemenz machen sich bemerkbar. Dennoch wirkt sie die meiste Zeit sehr rüstig für ihr betagtes Alter und ist nie um einen schlagfertigen Kommentar verlegen. Ihr Sohn Tom ist ein bekannter Nachrichtensprecher und so ist die Brücke geschlagen um immer wieder politische Details aus der Gegenwart einfließen zu lassen. Hier gibt es auch Parallelen zwischen der aktuellen Flüchtlingssituation und zu Gretas Erlebnissen von einst. Der Untertitel "Eine unmöglich Liebe" assoziiert ein wenig, dass dies vor allem ein Liebesroman ist. Ich hoffe, dass sich dadurch niemand davon abhalten lässt, dieses Buch zu lesen, denn es ist bei weitem kein Schnulzenroman. Ja, es gibt eine Liebesgeschichte, aber im Hauptfokus steht das Leben nach Kriegsende, der schwierige Weg in eine neue Normalität und die gesellschaftlichen Normen, die sich noch immer an den alten Idealen orientierten. Dieser Roman war für mich ein großartiges Leseerlebnis und ich bin sehr gespannt, auf die weiteren Geschichten, die Susanne Abel hoffentlich noch schreiben wird.
Die verschüttete Vergangenheit
von Langeweile - 30.05.2021
Ich lese sehr gerne Bücher die sich mit der deutschen Geschichte vor und während des 2. Weltkriegs beschäftigen und habe auch schon viel Literatur dazu gelesen. In diesem Buch habe ich etliches erfahren, was mir bis dahin völlig unbekannt war zum Beispiel die Geschichte der sogenannten "Brown Babys". Der im Mittelpunkt stehende Tom Monderath ,Anchormann einer bekannten Nachrichtensendung,ist ein Mann mit ziemlich narzisstischen Zügen und führt ein Leben auf der Überholspur,für seine 84 jährige Mutter ist wenig Platz. Das ändert sich schlagartig, als er seine Mutter bei der Polizei abholen muss und erfährt, dass sie orientierungslos auf der Autobahn unterwegs war.Die Untersuchungen im Krankenhaus ergeben, dass Greta an einer beginnenden Demenz leidet und Tom muss sich der Tatsache stellen, dass seine Mutter nun mehr Aufmerksamkeit benötigt. Im Zustand zwischen absoluter Klarheit und Verwirrtheit,erzählt sie plötzlich aus ihrer Vergangenheit und Tom erfährt Dinge ,die ihm bis dahin völlig fremd waren.Als er in ihrem Führerschein das Foto eines dunkelhäutigen Mädchens findet ,beginnt er tiefer zu graben. Die Geschichte wechselt nun ständig zwischen der Vergangenheit während und nach dem zweiten Weltkrieg und der Gegenwart. Besonders die Abschnitte in der Vergangenheit verlangen dem Leser einiges ab,ich habe mehr als einmal einen dicken Kloß im Hals und Tränen in den Augen gehabt. Tom erfährt Dinge aus dem Leben seiner Mutter, die auch sein Leben ziemlich auf den Kopf stellen und seine Einstellung verändern. Die einzelnen Personen allen voran Greta(Gretchen) und Bob (Bobby)wurden von der Autorin wunderbar in die Geschichte etabliert und dadurch dem Leser sehr nahe gebracht. Auch wenn es sich um eine fiktive Story handelt,ergeben sich viele Parallelen zu unserem heutigen Leben. Zum Beispiel sind die Themen Flüchtlinge und Rassismus leider immer noch topaktuell. Fazit: Das Buch hat mich tief bewegt und aufgewühlt, es wird mich noch einige Zeit gedanklich begleiten. Ich wünsche ,dass es viele Leser findet,die dadurch auch ihre eigene Einstellung neu überdenken. Von mir fünf Sterne und eine absolute Leseempfehlung.
Eine packende Verknüpfung von Frauenschicksal und Zeitgeschichte...
von Bookworm26 - 29.05.2021
Wir haben es hier mit einem unbedingt lesenswerten Roman zu tun, der auf zwei Zeitebenen spielt: Das Hier und Jetzt (2015/2016). Der zweite Weltkrieg und die Nachkriegsjahre (1939-1953). Die 84-jährige Greta wird zunehmend dement, weshalb ihr Sohn Tom sich mehr um sie kümmern muss. Tom ist ein bekannter und erfolgreicher Nachrichtensprecher und lebt sorgenfrei und luxuriös als Single in Köln. Seine Freiheit genießt er in vollen Zügen. Durch den vermehrten Kontakt zu seiner Mutter erfährt er bisher Unbekanntes aus ihrem Leben, beginnend mit ihrer Kindheit im ostpreußischen Eylau, über ihre Flucht vor den Russen im zweiten Weltkrieg und ihrer Ankunft in der amerikanischen Besatzungszone Heidelberg, wo sie sich in einen schwarzen amerikanischen GI verliebt. Tom sichtet alte Fotos und liest Briefe. Dann entdeckt er ein Foto, auf dem ein dunkelhäutiges Mädchen abgebildet ist. Greta schweigt. Tom ist neugierig und steht vor einem Rätsel: Was hat seine Mutter Greta mit diesem Mädchen zu tun? Nach und nach erblicken lange verschüttete Geheimnisse das Tageslicht. Susanne Abel bringt uns bildgewaltig und einfühlsam ein Frauenschicksal näher und sie erzählt Zeitgeschichte glaubwürdig und packend. Sie verwebt Gretas fiktive Lebensgeschichte mit historischen Fakten und konstruiert daraus einen mitreißenden und gefühlvollen, aber zu keinem Zeitpunkt kitschigen oder gefühlsduseligen Roman. Die Protagonisten werden dabei in all ihrer Vielschichtigkeit und Unterschiedlichkeit dargestellt: Greta, die viel Schmerz in sich trägt, zunehmend in eine andere Welt abdriftet, aber immer wieder klare Momente hat. Tom, der erstmal keine sonderlich große Lust hat, in seiner Freiheit eingeschränkt zu werden, weil er sich mehr um seine Mutter kümmern muss, der aber in diese neue Lebenssituation hineinwächst, sich seiner Mutter zunehmend fürsorglich und liebevoll annimmt und letztlich auch in Kontakt mit seinen Veränderungs- und Verlustängsten kommt. Ich empfehle diesen spannenden und berührenden Debütroman, der viele Themen (Demenz, Krieg, Vertreibung und Flucht, Rassismus) aufgreift und dabei auch ein wichtiges Thema (¿brown babies¿) aus der Vergessenheit hervorholt, sehr gerne weiter.
Alarm in Köln!
von TochterAlice - 25.05.2021
Hier beginnt für Nachrichtenmoderator Tim Monderath im Alter von 49 Jahren der Ernst des Lebens: seine Mutter Greta wird immer tüddeliger. Bisher hat sie noch allein in der ehemaligen Familienwohnung in Köln-Porz, direkt am Rhein, gelebt und ist sogar noch Auto gefahren! Doch nachdem sie sich mit ihrem Auto hunderte von Kilometern weit entfernt von Zuhause findet, ohne Benzin und völlig verwirrt, muss etwas geschehen. Auch wenn Nachbarin Helga sich kümmert und schon immer ein Auge auf Greta hatte. Irgendwie entwickelt sich jedoch so einiges sehr, sehr merkwürdig: sie spricht über ihre Kindheit in Ostpreußen und über andere Dinge, die sie nie zuvor angesprochen hat. Das Gesagte lässt vermuten, dass sie es im und nach dem Krieg noch deutlich schwerer hatte als angenommen - und einige der Fäden weisen in eine komplett unerwartete Richtung! Ein spannender Roman, der sich für meinen Geschmack manchmal etwas zu wild entwickelte, auch in der Entwicklung einiger Figuren schoss Autorin Susanne Abel aus meiner Sicht deutlich über das Ziel hinaus: so wurde Tom zunächst doch sehr einseitig als lebenslustiger Bonvivant dargestellt, zu dem die weiteren Entwicklungen gar nicht so recht passen wollten. Doch einige der Punkte wie bspw. Rassismus in der unmittelbaren Nachkriegszeit trafen in ihrer Darstellung genau ins Schwarze und bewegten mich tief. Auf jeden Fall widmet sich dieser Roman auch einigen Aspekten, die im Zusammenhang mit dem Zweiten Weltkrieg und dessen Folgen nicht ganz so häufig in der Literatur eine Rolle spielen! Wer sich gern mit diesem Thema beschäftigt, wird hier einige neue Impulse und Eindrücke gewinnen!
Verloren und wiedergefunden
von schokoflocke - 14.05.2021
Ein Afroamerikaner inmitten einer deutschen Familie so kurz nach dem Rassenwahn im Nationalsozialismus. Verrückt ! Als der Krieg zu Ende ging musste Greta und ihre Familie Ostpreußen verlassen. Als Flüchtlinge in eigenem Land schlagen sie sich nach Heidelberg durch und hoffen bei der Familie Zuflucht zu finden. Der Neuanfang ist alles andere als leicht, Hunger und Kälte sind ein ständiger Begleiter, aber langsam geht es aufwärts. So schwierig diese Zeit auch war, für Greta hatte sie auch etwas Schönes - sie hat ihre große Liebe gefunden. Leider ist eine Ehe mit dem afroamerikanischen GI Bob unmöglich und die Liebesgeschichte verläuft sehr tragisch. Jahrelang behält Greta dieses Geheimniss für sich, erst im Alter als sie wegen Demenz Vergangenheit und Gegenwart vermischt, fängt sie an über Bob zu reden. Gretas Sohn Tom folgt den Spuren, rechechiert und endeckt so die ganze Geschichte... Ein Hauptthema dieses Buches ist ein nicht so bekanntes Kapitel deutscher Geschichte - die Brown Babies. Schon deswegen lohnt sich die Geschichte zu lesen, auch wenn es teilweise schwer verdaulich ist. Es ist wirklich erschütternd, wie stark der Rassismus in den Nachkriegsjahren ausgeprägt war und es tut im Herzen weh was alles manche Familien und vorallem die Kinder ertragen mussten. Ich fand das Buch gut geschrieben, bewegend und emotional. Die Vergangenheit und Gegenwart sind meiner Meinung nach gekonnt verknüpft und ( was nicht immer der Fall ist ) beide Stränge fand ich gleichermassen interessant ( vielleicht mit ganz kleinem Abzug für die Gegenwart ). Neben Rassismus spricht die Geschichte auch andere wichtigen Themen an und die Ernsthaftigkeit wird durch eine Prise Humor leicht abgemildet. Alles in einem war das für mich eine angenehme, bewegende und informative Lektüre, die ich sehr gerne weiterempfehlen möchte.
Emotionale Reise in die deutsche Vergangenheit
von mimitatis_buecherkiste - 07.05.2021
Der Zweite Weltkrieg fasziniert und stößt mich gleichermaßen ab. Viele Geschichten habe ich darüber gelesen, unzählige Bücher ausgelesen, viele Filme geschaut. Von der Thematik des Buches aber hatte ich bislang noch nie gehört. Ich gebe allerdings zu, ich habe mir bisher noch nie Gedanken darüber gemacht und war mehr als überrascht, von diesem Skandal zu lesen. Eine Liebe, die nicht sein durfte, eine Liebe mit Folgen. Wie mit diesen Folgen umgegangen wurde, beschämt und entsetzt mich. ¿Also, warum sollen wir dann nicht zusammen sein? Wenn ich erst einmal volljährig bin...¿ ¿In my America es is forbidden, zu haben ein weiße Frau¿, unterbrach er sie. ¿Aber in meinem Deutschland nicht! Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.¿ (Seite 236) Die Autorin verbindet hier Fakten mit Fiktion und das macht sie so außergewöhnlich gut, dass man kaum unterscheiden kann, was nun wahr und was erfunden ist. Tom war für mich anfangs kein wirklich sympathischer Charakter; eingebildet, narzisstisch, bindungsunfähig sowie sex- und karrieresüchtig. Ausgerechnet mitten in der Flüchtlingskrise 2015 macht seine Mutter Probleme und somit ist er hin- und hergerissen zwischen Karriere und der Pflicht, ein guter Sohn zu sein. Wie er in diese Aufgabe hinein- und mit dieser über sich hinauswächst, das hat mir gefallen; mehr sogar, es hat mir imponiert! Abwechselnd lesen wir über die Gegenwart im Jahre 2015 und die Vergangenheit, die 1939 beginnt. Ich gebe zu, die Gegenwart hat mich erst nicht so gefesselt, aber das änderte sich im Laufe der Zeit. Die Geschichte von Greta allerdings war so interessant, so spannend, ich konnte das Buch nicht zur Seite legen. Über große Strecken habe ich mit der Familie und besonders mit Greta gelitten und geweint. Ein mir unbekanntes Kapitel deutscher Nachkriegsgeschichte hat Susanne Abel hier in Worte gefasst. Ein emotionales Buch, das berührt und zum nachdenken anregt. Ein Buch, das mich begeistert, mich zum lachen und zum weinen gebracht hat. Ein außergewöhnlich gut recherchiertes Buch, das ich jedem ans Herz legen möchte. Von mir gibt es 5 Sterne und eine unbedingte Leseempfehlung.
tolles Buch
von gagamaus - 05.05.2021
Die Geschichte spielt auf zwei Zeitebenen. Das ist nicht immer mein Fall, vor allem, weil oftmals die eine Ebene spannend ist und die andere zurückfällt. Das ist bei stay away from Gretchen überhaupt nicht der Fall. Ganz im Gegenteil. Die fortschreitende Demenz von Greta wird sehr realistisch geschildert und man möchte den Sohn anfangs schütteln, weil er so wenig einfühlsam zu sein scheint. Das ändert sich aber, um so mehr er aus der Vergangenheit seiner Mutter erfährt. Diese Vergangenheit spielt vor allem nach dem Krieg und es geht um die Liebe zu einem amerikanischen Soldaten und was daraus entsteht. Mich hat das Buch sehr berührt und die geschichtlichen HIntergründe sind sehr interessant in den Plot verwoben. Ich lese gerne Bücher, die vor, im oder kurz nach dem Krieg spielen. Die Ausnahmesituation der Menschen und die Geschehnisse in Deutschland versprechen immer einen ganz speziellen Ton in den Romanen. Susanne Abel besticht mit einer angenehmen Sprache und einem Gespür für ihre Darsteller. Die Entwicklung der Personen ist glaubhaft. Ich kann das Buch nur wärmstens empfehlen.
Geheimnisse kommen ans Licht
von Alexander Bittner - 02.05.2021
Nachrichtensprecher Tom Monderath war bislang fast ausschließlich mit seinem eigenen Leben und seiner der Karriere beschäftigt und sein Leben gerät komplett aus der Bahn als sich herausstellt, dass seine Mutter Greta Demenz hat. Tom versucht das zu verdrängen und redet sich ein, dass alles wieder ins Lot kommen wird. Doch dann beginnt sie erstmals von ihrer Vergangenheit in Ostpreußen zu sprechen, von dem Krieg und von ihrem unehelichen farbigen Kind, seiner Schwester Marie. Nur, dass er davon nichts wusste und somit beginnt auch für ihn eine große Veränderung. Wie der Roman ausgeht, wird hier natürlich nicht verraten, soviel sei nur gesagt: es handelt sich um eine ausgesprochen lesenswerte Geschichte, mit viel Gefühl in der man sogar den unsympathischen Frauenhelden Tom an Ende mag und mit ihm mitfühlt. Nebenher gibt es noch ein gutes Stück deutsche Geschichte die erzählt wird und den Leser bereichert. Mich hat die Geschichte überzeugt und ich empfehle das Buch uneingeschränkt weiter.
Geheimnisse
von Anonym - 26.04.2021
Nachkriegsgeschichten gibt es zur Zeit einige. Diese hier ist aber anders. Sie behandelt das Thema brown babies , worüber ich noch keinen Roman gelesen habe. Auch war mir der Begriff nicht geläufig, die Thematik hingegen schon. Tom, der eher genervt und gestresst ist, als er von der Demenzerkrankung seiner Mutter erfährt, möchte sein Leben nicht ändern und dieser Situation anpassen. Er ist anfangs sehr auf seine Karriere bezogen und teils auch oberflächlich und unsymphatisch. Im Laufe des Buches macht er aber eine positive Entwicklung durch. Er erkennt, was wirklich wichtig ist im Leben. Seine Mutter stellt sein bisheriges Leben völlig auf den Kopf, als sie ihm ihre Lebensgeschichte erzählt, in der er seine Wurzeln hat. Gretchens Leben war lang und nicht immer einfach. Sie musste viele Schicksalschläge hinnehmen, Krieg, Flucht, Entbehrungen, Diskriminierung. Greta ist ein liebenswerte Person, der man gerne zuhört und mit der man mitfühlt. Ihren Humor hat sie nie verloren und der nimmt der Geschichte ein bisschen den Schrecken. Eine interessante Reise durch die Vergangenheit, ein Tabuthema das gerne verschwiegen wird, eine Familiengeschichte, die zu Herzen geht.
von Archer - 24.04.2021
Tom Monderath ist ein berühmter Fernsehmann, der sich nur für sich selbst interessiert. Mit Mitte vierzig lebt er allein in seiner teuren Eigentumswohnung in Köln mit Blick auf den Dom. Eines Tages erhält er einen Anruf aus einer Klinik - seine 84jährige Mutter Greta zeigt Anzeichen beginnender Demenz. Tom, der immer ein gespaltenes Verhältnis zu seiner scharfsinnigen, aber distanzierten Mutter hatte, fängt an, sich mehr um sie zu kümmern. Dabei stellt er fest, dass seine Familiengeschichte alles andere als das ist, was er zu wissen geglaubt hat, und er fängt an nachzuforschen. Bald erfährt er, dass Greta kurz nach dem Krieg in einen schwarzen GI verliebt war und er eine 20 Jahre ältere Halbschwester hat. Je mehr Tom nachforscht und in die Vergangenheit von Gretchen eintaucht, desto mehr erfährt er auch über sich und die Gegenwart. Eigentlich ist das gar nicht mein Genre. Aber nachdem ich die Leseprobe gelesen hatte, wollte ich unbedingt mehr erfahren, und ich habe es nicht bereut. Dieses Buch ist ziemlich dick, aber ich habe mich keine Sekunde lang gelangweilt. Man erfährt etwas über die Zeit des 2. Weltkrieges, als Greta noch ein Mädchen war, über die unglaublich harte Nachkriegszeit, über Liebe und Ausgrenzung, über Hass, der auch nach Ende des Krieges weitertobt, über Rassismus und die Parallelen zwischen den Flüchtlingen von 1945 und 2015. Und man hat das Gefühl, dass sich die Menschheit einfach niemals weiterentwickelt. Im Gegensatz zu dem, was der Klappentext behauptet, erzählt Greta ihrem Sohn gar nichts, er muss sich alles selbst erarbeiten und zusammenreimen, während der Leser Rückblenden in die Zeit zwischen 1939 und 1953 erhält. Die Autorin hat hier ein berührendes Werk geschaffen, das noch lange nachhallen wird und lediglich für den kitschigen Schluss gibt es einen halben Punkt Abzug. 4,5/5 Punkten.
Bewegende Familiengeschichte
von Karolina - 17.04.2021
Zum Inhalt: Der bekannte Kölner Nachrichtenmoderator Tom Monderath sieht sich plötzlich damit konfrontiert, dass sich der Gesundheitszustand seiner 84-jährigen Mutter Greta verschlechtert. Die Ärzte diagnostizieren eine Demenz, was Tom allerdings nicht einsehen möchte. Jedoch merkt er schnell, dass sich der Zustand seiner Mutter immer weiter verschlimmert und die Demenzanzeichen nicht mehr zu leugnen sind. Die Demenz führt dazu, dass Greta ihre selbst errichteten Mauern einreißt und aus ihrer Vergangenheit erzählt. Zum ersten Mal erzählt sie von ihrer Kindheit in Preußisch Eylau, der Flucht vor den russischen Soldaten und vom Leben in Heidelberg, wo die Familie ein neues Zuhause fand. Tom führt weitere Recherchen über die Vergangenheit seiner Mutter durch und findet ein Foto eines kleinen Mädchens. Seine Mutter hütet das Foto wie einen Schatz und Tom beginnt herauszufinden, wer das kleine Mädchen ist und welche Geheimnisse sich noch in der Vergangenheit seiner Mutter finden lassen. Meine Meinung: "Stay away from Gretchen" ist ein absolutes Lesehighlight. Susanne Abel nimmt den Leser mit auf eine emotionale Reise, während welcher man das Buch nicht mehr aus der Hand legen möchte. Sie behandelt Themen wie Rassismus, Migration, Demenz, den Tod und die Sorgen um die Menschen, die wir Lieben in einer sehr gelungenen und hochemotionalen Art und Weise. Demenz ist grausam. Bei der Lektüre konnte man Toms Schmerzen und seine Sorge um seine Mutter direkt spüren, genauso wie Gretas Emotionen direkt ins Herz gegangen sind. Wie soll ein Mensch damit klarkommen, dass seine Gedanken plötzlich nicht mehr mitspielen und ihn sein Umfeld nicht mehr versteht? Auch Gretas Familiengeschichte wurde sehr emotional geschildert und das Wissen, dass es sich hier nicht um Fiktion handelt, sondern das so viele Menschen ein so ähnliches Schicksal erleben mussten ist sehr ergreifend. Auch die Bezüge zu aktuellen Themen wie Migration und Rassismus sind Susanne Abel gelungen. Durch ihr Buch erleben wir erneut die Flüchtlingsdiskussion 2015 und Abel nimmt kein Blatt vor den Mund, als sie Geschichten der Migranten erzählt, erklärt, wie beschwerlich die Flucht ist und auch nicht davor zögert, die auf der Flucht verstorbenen anzusprechen. Die Parallelen zwischen dem Leid der aktuellen Flüchtlinge und denjenigen, die geflohen sind, als Greta ein Kind war, werden sofort deutlich und man stellt mit großem Erschrecken fest, dass sich leider viel zu wenig geändert hat. Damals, so wie heute sind Menschen, die fliehen, mit Hass und Feindseligkeit konfrontiert, und Abel hält der Gesellschaft in ihrem Buch einen Spiegel vor und zeigt ihr, wie wenig sie doch gelernt hat und wie beschämend es ist, dass sie immer noch von so viel Hass gezeichnet ist.
Zartbitter oder bittersüß?
von nil_liest - 17.04.2021
Nimmt man dieses Buch zum ersten Mal in die Hand oder liest den Klappentext kann schnell der Eindruck entstehen, es ist die hundertste Nachkriegsgeschichte die publiziert wird. Dieser Teil der deutschen Geschichte wird seit ein paar Jahren ausdauernd und wiederkehrend beleuchtet. Aber dieses Buch hat Qualitäten, die andere nicht haben. Daher nicht gleich aus dem Rennen kegeln, wenn gerade nach neuer Lektüre gesucht wird! In diesem Roman stehen aus meiner Sicht zwei Themen zentral im Fokus: Zum einen Eltern, die älter werden und für den rasanten Alltag eine Belastung bedeuten, da sie bedürftiger sind. Zum anderen die Lebensgeschichte der Mutter im Nachkriegsdeutschland, die ihren Platz finden musste mit einer belastenden Vergangenheit. Diese beiden Ebenen werden von der Autorin Susanne Abel wunderbar verwoben. Der Sohn, Tom, ein erfolgreicher Nachrichtensprecher, erfährt, dass seine Mutter, Greta, im Krankenhaus ist, nicht wie erwartet in Bonn, sondern 400 km weit weg in Aschaffenburg. Nun kommt zu Tage was die Mutter geschickt verbergen konnte: Sie ist dement und braucht Hilfe. Ihm passt das wenig, ein Unsympath, aber realistisch gezeichnet. Im Zuge dieser neuen Annäherung von Sohn und Mutter, erzählt sie ihm zum ersten Mal ihre Geschichte, ihren Lebensweg mit den vielen Tiefen, die sie erlebt hat. Bittersüße Erinnerungen. Es wird Vieles ausgesprochen was die Mutter zeitlebens belastet hat, aber keine Worte dafür fand, nun im hohen Alter mit der Demenz muss es raus. Und dabei steht besonder eine Geschichte im Fokus: Ihre Liebe zu einem Alliierten GI. Etwas was damals verteufelt wurde von beiden Seiten. Hier im Roman wird dieses Thema eingehend beleuchtet, denn der GI ist Afroamerikaner. Mir war der Themenkomplex im Ansatz bekannt um die damals sogenannten "brown babies", aber es in einer fiktiv persönlichen Geschichte gebetet zu lesen ergreift mehr und macht sprachlos. Sprachgewand schreibt Susanne Abel und seitenfliegend habe ich das Buch gelesen. Macht es doch einerseits Spaß zu lesen und andererseits ist man erschüttert wie Menschen miteinander umgehen. Nicht nur hat sie die Nachkriegsgeschichte plastisch und ergreifend beschriebene, auch die Demenz der Mutter ist gut gezeichnet und man hat den Eindruck, dass die Autorin weiß wovon sie schreibt. Fazit: Eine klare Leseempfehlung! Wer als Erwachsener seine Eltern noch hatte, sollte sich denen auf Augenhöhe widmen und echtes Interesse an dem zeigen was die ureigene Geschichte der eigenen Eltern ist bevor es zu spät ist!
Hände weg von deutschen Fräuleins
von Readaholic - 15.04.2021
Jeden Abend schaut die 85jährige Greta Nachrichten. Nicht, weil sie die Weltpolitik interessiert, vielmehr möchte sie ihren Sohn Tom, den Nachrichtensprecher, sehen. Greta lebt seit dem Tod ihres Mannes allein in einer großen Altbauwohnung in Köln-Porz, Tom nur weniger Kilometer entfernt in einem schicken Penthouse in der City. Als vielbeschäftigter Journalist hat er nicht viel Zeit für die Mutter. Deshalb kommt es ihm äußerst ungelegen, als er eines Nachts einen Anruf von der Polizei bekommt: seine Mutter wurde orientierungslos in ihrem Auto 400 Kilometer entfernt von Köln aufgegriffen und ins örtliche Krankenhaus eingeliefert, Diagnose: Demenz. Tom glaubt zunächst an eine Fehldiagnose, doch dann muss er sich eingestehen, dass seine Mutter ihre Krankheit meisterhaft vor ihm versteckt und überspielt hat. In einem zweiten Handlungsstrang erleben wir Greta als kleines Mädchen bis ins Erwachsenenalter. Aufgewachsen in Ostpreußen, musste sie mit ihrer Familie vor den russischen Besatzern fliehen. Ohne Vater, denn der ist an der Front. Was sie auf der Flucht erleben, ist unmenschlich und als Flüchtlinge sind sie nirgendwo willkommen. Ihr Ziel ist Heidelberg, Oma Gustes Heimat. Dort leben sie zunächst mehr schlecht als recht in einem Gartenhäuschen, doch alles ist besser als was sie zuvor ertragen mussten. In Heidelberg lernt Greta den jungen schwarzen GI Robert Cooper kennen. Zunächst beäugt sie den Besatzer misstrauisch, doch er ist nett zu ihr und hilft ihr eines Tages, als sie von einer Gruppe Jugendlicher überfallen wird. Mit der Zeit entwickelt sich aus der Freundschaft mehr, doch natürlich müssen sie ihre Gefühle füreinander geheim halten, denn bei den Deutschen sind "Amiliebchen" verhasst. Die Amerikaner haben sogar eine Broschüre für die in Deutschland stationierten Soldaten herausgegeben, "Stay Away from Gretchen", in der sie die Soldaten vor den mit Syphilis infizierten deutschen Frauen warnen. Mit fortschreitender Demenz lebt Greta immer mehr in der Vergangenheit. Eines Tages sucht sie in einem Kindergarten nach "Marie". Tom beginnt die Wohnung seiner Mutter zu durchsuchen und findet das Foto eines dunkelhäutigen Kleinkinds. Er stellt fest, dass er herzlich wenig über die Vergangenheit seiner Mutter weiß und beginnt Nachforschungen anzustellen... "Stay away from Gretchen" ist ein äußerst packender Roman, den ich regelrecht verschlungen habe. Man merkt, dass die Autorin mit dem Thema Demenz vertraut ist. Gleichzeitig bringt sie uns ein Stück Zeitgeschichte nahe. Das Buch ist hervorragend recherchiert, die zitierten Reden und Schriftstücke werden durch das angehängte Literaturverzeichnis belegt. Absolute Leseempfehlung!
Lesehighlight schlechthin
von Elke Seifried - 14.04.2021
»Geschichte, wie bitter sie auch sein mag, ist Realität, die täglich in unserer Gegenwart und die in unsere Zukunft fortwirkt.« Ein Stück dieser bitteren Geschichte lässt Susanne Abel in ihrem großartigen, fesselnden Roman wieder aufleben und zeigt dabei wie erschreckend wenig wir daraus gelernt haben. Für mich jetzt schon das LESEHIGHLIGHT des Jahres schlechthin. Der bekannte und beliebte Kölner Nachrichtenmoderator Tom Monderath ist Lebemann, der keine Party und keine hübsche Frau auslässt. Jäh aus seinem für ihn scheinbar perfekten Leben reißt ihn seine Mutter Greta, als diese nachts eine Spritztour unternimmt, sich auf der Autobahn nicht mehr zurechtfindet und es keinen Weg mehr gibt um die Erkenntnis, "DEMENZ. Dieses Wort darf sich nicht in seinem Hirn breitmachen. Er konzentriert sich auf das Atmen, versucht, sich zu beruhigen, und wirft seiner Mutter einen unsicheren Blick zu. »Mam, jetzt erzähl mir mal alles, damit ich es kapiere.« Greta schaut ihn an. »Wie?« »Was ist passiert, dass du mitten in der Nacht durch halb Deutschland fährst?« »Jetzt mach nicht so einen Aufstand. Ich hab dich früher auch überall rausgeholt. Und hab ich jemals gefragt? Bist du jetzt sauer, oder was?« »Nein. Ich bin nicht sauer.« Tom weiß, dass er lügt. Er ist stinksauer. Er könnte platzen vor Wut.". Sein erster Gedanke, sie muss ins Heim, ich habe schließlich auch ein Leben, wackelt schnell, als er nicht nur Unterstützung von Nachbarin Helga bekommt, sondern auch mehr aus Gretas Vergangenheit erfährt, was ihm sie näher bringt, als sie ihm jemals war. Als Leser darf man im Jahr 2015 den Nachrichtenmoderator bei seiner Arbeit begleiten, erfährt von Gretas kleinen und größeren der Demenz geschuldeten Aktionen und findet nach und nach mit ihm mehr Hinweise auf ihre Vergangenheit, die sie stets verschwiegen hat, und die er jetzt zu recherchieren beginnt. In sich abwechselnden Kapiteln reist man in die Vergangenheit, die im Jahr 1939 in Ostpreußen beginnt. Euphorie für den Führer in der Schule eingetrichtert, den Krieg überstanden und dann fast erfroren im eisigen Winter auf der Flucht vor russischen Soldaten, Unerwünschtsein als Flüchtlinge im deutschen Heidelberg, sich dort auf dem Schwarzmarkt nicht nur vor dem Verhungern retten, sondern auch Erfolge erzielen oder sich mit den GI¿s und Besatzern arrangieren sind nur einige Schlagworte dazu. Mehr will ich gar nicht verraten, denn dann geht es darum, langsam verstehen zu können, warum Greta das Foto eines kleinen Mädchens mit dunkler Haut so gut versteckt hat. 528 Seiten, ich weiß nicht wann ich zuletzt so viele Seiten regelrecht weginhaliert habe. Die Autorin hatte mich mit ihrem mitreißenden Schreibstil sehr schnell völlig in ihren Händen. Vielleicht auch ein wenig, weil ich meine persönlichen Erlebnisse mit einem dementen Vater für solche Hauptprotagonisten, wenn sie derart authentisch dargestellt und mit einem solchen einnehmenden Wesen ausgestattet sind, besonders empfänglich machen, ist mir die Geschichte sofort ans Herz gegangen. Aber auch mit dem Ausflug in die Vergangenheit hatte mich die Autorin emotional völlig am Wickel. Szenen die einem das Herz erwärmen, die einen lächeln, schmunzeln, und manchmal auch richtig grinsen lassen, wechseln sich lange Zeit ab mit solchen, die tief schockiert, stellenweise tatsächlich mit offenem Mund lesen lassen, die dann zunehmen und von einer besonders traurigen Geschichte erzählen. Man liest schockiert, man wird aufgerüttelt, einem werden die Augen geöffnet, aber die Autorin schafft eine tolle Balance. Denn für besonders viele Schmunzler sorgt so z.B. Greta sowohl im Heute, als auch schon in dem Strang aus der Vergangenheit mit Szenen wie, wenn sie nachdem Tom das Auto sicher verwahrt hat, einfach mal kurz shoppen geht, "Greta bleibt vor dem roten Cabriolet stehen und streift fast zärtlich über den glänzenden Lack. »Ich will etwas Flottes haben. Nicht so eine Omakarre!«, als Jugendliche noch so unbedarft ist, »Wie, was soll mit Küssen sein?«, fragte Fine langsam. »Denkst du, man wird vom Küssen schwanger?« »Etwa nicht?«, oder mit viel Schalk im Nacken Bob, dem GI nicht nur Deutsch, sondern auch Dialekt beibringen will, »Perfekt! Sag mal: Donnerlittchen.« »Donnerlitschen. What does it mean?« »Das sagt man so. Donnerlitchen, da hast du aber wieder was angestellt. Oder: Donnerlittchen, du hast vielleicht lange Zähne.« Greta schaute bierernst in das fragende Gesicht. »Oder sag mal Hupfdohle.« Gekonnt schlägt Susanne Abel den Bogen zwischen Heute und Vergangenheit. Es finden sich nicht nur Dinge wie z.B. eine alter Singer Nähmaschine oder ein Püppchen, von denen erzählt wird, hier und dort, sondern auch die dunklen Seiten ähneln sich auf erschreckende Art und Weise und öffnen so ohne erhobenen Zeigefinger, aber besonders eindringlich, die Augen dafür, dass wir viel zu wenig aus der Geschichte gelernt haben. Denn da interviewt Tom "die Direktorin des Krisenreaktionsteams von Amnesty International. »Frau Hassan, Sie berichten darüber, wie Geflüchtete und Migrantinnen auf der Flucht in großer Gefahr sind, Opfer von Gewalt zu werden.« »Nachdem sie die Schrecken des Krieges im Irak oder in Syrien durchlebt haben, haben diese Frauen alles aufs Spiel gesetzt, um ihre Kinder und sich selbst in Sicherheit zu bringen«, antwortet Tirana Hassan. »Doch auf der Flucht erleben sie abermals Gewalt und Ausbeutung und erhalten kaum Unterstützung oder Schutz.«, oder auch solche Stimmen, »Warum protestieren Sie hier gegen die Unterbringung von Kriegsflüchtlingen?«, fragt Tom von jenseits des Gitters in die Menge. »Ach, Kriegsflüchtlinge. Das sind doch keine Kriegsflüchtlinge«, antwortet ein Mittsechziger, der nicht einmal seinem Gürtel traut und deshalb die dreiviertellange stützstrumpffarbene Cargohose zusätzlich mit Hosenträgern vor dem Rutschen sichert. »Die jungen Kerle sind alle Schmarotzer. Ich möchte betonen, ich bin kein Nazi, aber Schmarotzer sind das!« obwohl gilt, »Wenn ihr wüsstet, was wir alles mitgemacht haben« und sich tatsächlich wiederholt, was in der Vergangenheit noch so hieß, »Mutter, Mutter, die Flüchtlinge sind da!« Greta stützte ihren Großvater auf dem Weg über den holprigen Hof zur Eingangstür. Sie hat auf der Flucht viele Schimpfwörter gehört. Polacke, Rucksackdeutsche, und jetzt kam ein weiteres hinzu: Flüchtlinge. Hasserfüllt und voller Verachtung ausgesprochen." Greta ist grandios dargestellt, nicht nur im Heute so absolut authentisch, und ich weiß was ein dementer Elternteil bedeutet, sondern auch nicht ohne den einnehmenden Schlack im Nacken, mit dem man sie in der Vergangenheit kennen und schätzen lernt. War mir Tom anfangs mit seinem egoistischen, fast schon selbstverliebten Verhalten fast schon unsympathisch, konnte er mich nach und nach tatsächlich noch ein Stück weit für sich einnehmen, denn auch er hat kein ganz so einfaches Päckchen zu tragen. Gekonnt bunt, lebendig, realistisch und ein breites Spektrum unterschiedlicher Ansichten repräsentierend sind auch die ganzen anderen Mitspieler gezeichnet, beim dunkelhäutigen Bob, dem GI mit dem vielen Charme, angefangen, über Oma Guste, die schon wusste, wie sie einer Greta die falsche Begeisterung austreiben kann, »Was macht ihr hier?«, fragte sie außer Atem. »Adolf Hitler spielen!«, antworteten die Kinder im Chor. »Hier, damit du auf vernünftige Gedanken kommst. Schneid Klopapier zurecht.« , bis hin zu kleinsten Rollen, wie die des verhärmten Kriegsheimkehrers Otto oder auch Prof. Dr. Hermann Holloch, der trotz medizinischer Versuche auch nach dem Krieg wieder ein Schlupfloch findet. Richtig gute historische Roman sind für mich immer die, bei denen viel an die Realität angelehnt ist, und das ist hier der Fall, wie man auch im Nachwort konkret erfährt. Die Autorin hat wirklich grandios bis in viele kleine Details recherchiert. Ein weiteres Kriterium neben dem sprachlichen Können, diese Geschichte lebendig zu machen, was absolut der Fall ist, ist auch die Tatsache, dass ich Neues dazu lernen kann. So habe ich z.B. bisher noch nie vom Brown Baby Plan gehört und habe jetzt ein Bild davon bekommen, wie abgrundtief schrecklich der Rassismus tatsächlich nur so kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges weitertoben konnte. Es gäbe noch so, so viel an diesem Roman zu loben, ich könnte noch seitenlang weitermachen, aber jetzt nur noch so viel, FAZIT: UNBEDINGT LESEN, denn ich hätte wirklich etwas Großes verpasst.
Berührende Zeitreise
von Miss Marple - 12.04.2021
Tom Monderath ist ein bekannter Nachrichtenmoderator und lebte bisher ohne große Sorgen sein etwas machohaftes Single-Leben. Doch plötzlich steht er vor der Demenz-Diagnose seiner Mutter Greta. Die Angst vor dem Vergessen lässt sie nach und nach darüber erzählen, was sie eigentlich vergessen wollte- Geschichten aus der alten Heimat Ostpreußen, über Flucht, Kriegs-und Nachkriegsjahre, in denen vor allem Frauen großes Leid ertragen mussten. Die Autorin nimmt ihre Protagonisten und mit ihnen uns, ihre Leser, auf eine sehr berührende, aber auch schmerzhafte Reise in die Vergangenheit mit. Sie verbindet die Gegenwart mit Gretas Erkrankung gekonnt mit ihren tiefverborgenen Erinnerungen aus ihrer Jugend. Themen wie Krieg, Flucht, persönliche Schicksalsschläge sind schon oft in Romanen beschrieben worden. Aber der Aspekt des Schicksals farbiger Kinder von Besatzungssoldaten ist mir in der Unterhaltungsliteratur selten begegnet und sicherlich wert, noch weiter recherchiert zu werden (der Anhang mit Quellen gibt Anregung dafür). Der Roman wirkt noch lange nach der letzten Seite nach und ist absolut empfehlenswert.
Über Liebe und Rassismus
von Anonym - 11.04.2021
Tatsächlich habe ich mir noch nie so schwer getan, ein Buch zu bewerten, wie bei diesem. Zum einen haben wir Tom, den bekannten Nachrichtensprecher, der viel von sich hält. Ein arroganter und unsympathisch Kerl. Durch seine Art wirkt er abstoßend. Passagen, die sich um ihn drehen, nehmen komplett den Schwung aus der Geschichte und ziehen dehalb meine Bewertung des Buchs nach unten. Zum anderen haben wir die Geschichte von Greta, in deren Kindheit der Krieg begann und sie bis in das Erwachsnenalter begleitet. Die Schilderungen dieser Zeit sind der Autorin hervorragend gelungen. Nur ansatzweise zu erfahren, was die Männer und Frauen zu Kriegszeiten durchmachen mussten, bereitet Gänsehautmomente. Den emotionalen Schmerz nachzuempfinden, ist unglaublich bewegend. Außerdem ist das Buch sehr sprunghaft. Der Aufbau ist allerdings auch nötig, um das Leben einer 84-järigen Dame darzustellen. Dadurch gestaltet sich das Buch abwechslungsreich. Viele nicht zu erwartende Wendungen verleihen dem Buch Spannung. Fazit: Empfehlung für Leser, die Geschichten aus alter Zeit begeistern.
Gute Handlung
von Anonym - 10.04.2021
Die Welt des Bekannten und ambitionierten Nachrichtensprecher Tom scheint aus den Fugen zu geraten, als er seine Muttter Greta nach einer nächtlichen Irrfahrt im 250km entfernten Aschaffenburg abholt. Die Diagnose: Demenz. Tom versucht das zu verdrängen und redet sich ein, dass alles ok ist. Während sich Greta immer mehr in sich zurück zieht, findet Tom die Geheimnisse aus ihrer Vergangenheit, die Flucht aus Ostpreußen im zweiten Weltkrieg, ihr uneheliches Kind, seine Schwester Marie. Doch was ist mit Marie passiert? Warum weiß er nichts von ihr? Tom ist ein sehr unsympathischer Charakter, der sehr von sich überzeugt zu sein scheint, jedoch stark abhängig ist von der Bestätigung durch andere. Das ändert sich im Verlauf des Buches nicht. Er scheint sich in Mitten Einser Midlife Crisis zu befinden. Das Buch Springer zwischen 2015 und Kriegsende/Nachkriegszeit, was ganz spannend ist. Man möchte wissen, was mit Marie passiert ist, ob sie noch lebt. Das Buch ist sprachlich ok geschrieben. Der Spannungsbogen wird nicht immer gut aufgebaut und gehalten. Die Interaktionen zwischen den Protagonisten sind häufig irritierend und banal. Mein Fazit zum Buch: kann man lesen, muss man aber nicht.
Vergangenheit trifft auf Gegenwart
von Janina O. - 09.04.2021
Es gibt Bücher, die einen besonders ansprechen, nachdenklich machen und nachhaltig berühren. Zu ihnen gehört für mich "Stay away from Gretchen - Eine unmögliche Liebe" von Susanne Abel. Das liegt wahrscheinlich auch daran, dass die im Buch erzählte Geschichte einige Parallelen zu meiner Familiengeschichte hat. So war auch meine Großmutter im Krieg ein Flüchtlingskind und ist Jahrzehnte später an Demenz erkrankt. Viele kleine Szenen aus dem Buch kamen mir wahrscheinlich deshalb sehr bekannt vor. In dem Buch wechseln sich zwei Zeitebenen ab, die Spannung aufbauen und gleichzeitig tiefe Einblicke in das Schicksal und die Gefühlswelt der Protagonisten bieten. In der Gegenwart lernen die Leser Tom Monderath kennen, der ein erfolgreicher Nachrichtenmoderator ist und mit der beginnenden Alzheimererkrankung seiner Mutter Greta konfrontiert wird. Ausgelöst durch die Erkrankung verliert die alte Dame immer mehr den Bezug zum Hier und Jetzt und durchlebt ihre schicksalsreiche Kindheit und Jugend während und nach dem zweiten Weltkrieg erneut. Was sie in dieser Zeit erlebt hat, erfahren die Leser in den Rückblicken der zweiten Zeitebene. Die Flucht aus Ostpreußen zusammen mit ihrer Familie vor den Russen, die Angst um den Vater, der seit dem Krieg verschollen ist, der Kampf ums tägliche Überleben¿ Die Familie findet Zuflucht in Heidelberg. Dort verliebt sich Greta in einen dunkelhäutigen GI. Doch diese Liebe war zu damaligen Zeiten ein großes Tabu. Und das Schicksal schlägt noch erbarmungsloser zu als Greta ein Kind erwartet¿ Großartig fand ich die vielen Fakten und Hintergründe, die mit in die Geschichte einflossen. Viele kritische Themen wurden angesprochen und aufgearbeitet - einige Aspekte davon waren mir nahezu unbekannt. Es werden Themen wie der Brown Baby Plan angesprochen, die ich so noch nie in einem Roman gefunden habe. Das breite Themenspektrum machte mir wieder einmal deutlich, wie viel Ungerechtigkeit in diesen Jahren geschehen ist und welche Nachwirkungen sie immer noch auf die Generationen danach haben. Der Schmerz und die Hilflosigkeit der Charaktere waren dabei glaubhaft und nachvollziehbar. Doch gleichzeitig muss ich hier auch ein kleines Aber einschieben, denn durch die Fülle an Fakten machte die Story an einigen Stellen - besonders in der neueren Zeitebene - einen zu konstruierten Eindruck auf mich. Doch das ist Kritik auf hohem Niveau. Und so will und kann ich an dieser Stelle nicht mehr verraten, sondern gebe euch lieber eine klare Leseempfehlung.
sehr interessantes Thema
von Andreas Rahe - 08.04.2021
Stay away from Gretchen von Susanne Abel behandelt eigentlich mehrere Themen , das zentrale Thema ist aber das Umgehen mit den sogenannten Brown Babys Kinder von afroamerikanischen Eltern, die während der Besatzungszeit mit einer deutschen Frau ein Kind gezeugt haben. Sicherlich ist dies eine fiktive Geschichte, die sich aber in der Realität genauso zugetragen haben könnte. Tom Monderath, ein bekannter Nachrichtensprecher, macht sich Sorgen um seine Mutter, die immer dementer wird. Als er eines Tages Briefe bei ihr findet, die an eine gewisse Marie gerichtet sind, recherchiert er und kommt hinter eine Geschichte, die mehr als berührend ist. Diese Geschichte seiner Mutter wird in immer abwechselnden Kapiteln mit der Gegenwart erzählt. Gerda lernte in der Nachkriegszeit einen farbigen Amerlikaner namens Bob kenen und lieben und wurde schwanger von ihm . Ihre Tochter Marie, wurde, nachdem Bob wieder in seine Heimat musste, Gerda entrissen und später zur Adoption freigegeben. Viele dieser Kinder sind damals in die USA zurückgeführt und zur Adoption freigegeben worden, weil man meinte, ihnen dmit einen Gefallen zu tun. Wie sehr die Mütter, aber auch die Kinder unter diesen Maßnahmen litten, kann man nur erahenen. Mir hat dieses Buch nicht nur wegen dem interessantenThema gut gefallen, sondern auch , weil es sehr gutgeschrieben ist. Spannend, aber auch humorvoll und auch berührend wird von dem Schicksal Maries, aber auch von ihrer Mutter Greta und ihrem Sohn Tom berichtet, was es mit ihnen gemacht hat und ihr Leben mitbestimmt hat.
Flashback
von hasirasi2 - 07.04.2021
Tom ist der erfolgreiche Anchorman einer Nachrichtensendung, ein berühmter ehemaliger Kriegsberichterstatter in den besten Jahren. Er ist kein Sympathieträger, unverheiratet mit vielen kurzen Affären, aber klug, gewissenhaft und stets am Puls der Zeit. Und obwohl er nur wenige Kilometer von seiner Mutter Greta entfernt wohnt, besucht er sie kaum. Als er 2015 von dem Flüchtlingsdrama in Heidenau berichtet, löst das bei ihr von allen unbemerkt einen Flashback aus. Greta ist 94 und wird langsam "tüddelig". "Das Gedächtnis verrutscht im Alter." (S. 33) meint sie, aber bei ihr verrutscht es immer mehr. Sie verteilt überall Post-its, erkennt ihre Bekannten nicht mehr und hält sich oft für viel jünger. Als sie eines Tages hilflos und verwirrt auf der Autobahn aufgegriffen wird, muss Tom einsehen, dass es nicht nur das Alter ist, sondern Alzheimer-Demenz. Um ihr helfen zu können, wollen die Ärzte mehr über Gretas Vergangenheit wissen, doch sie schweigt, wie schon die ganzen Jahre. Also durchsucht Tom ihre Unterlagen und stößt dabei auf Bob ¿ "Stay away from Gretchen" bedeutet "Halte dich von den deutschen Fräuleins" fern und war auf die erste Seite des Amerikanisch-Deutschen Wörterbuches gedruckt, das den GI`s nach dem 2. WK in Deutschland ausgehändigt wurde. Und so heißt auch der Roman von Susanne Abel, der die Lebens- und Liebesgeschichte einer jungen Ostpreußin und eines schwarzen GI¿s erzählt. Sie beschreibt sehr drastisch und oft erschreckend Gretas Kindheit und Jugend unter überzeugten Nazis, einen Vater, der sich schon 1939 freiwillig für die Front meldet und bald vermisst, aber nie vergessen oder aufgegeben wird, die Flucht vor den Russen, die Hungerwinter, das Auffanglager Friedland, die Nachkriegszeit in Heidelberg und die Ausgrenzung als Flüchtlinge aus dem Osten. Besonders berührend ist dabei die Beziehung zwischen Greta und Bob, einem schwarzen GI. Auch er wird ausgegrenzt - von den Deutschen und seinen weißen Kameraden. Trotzdem lebt er hier freier als zu Hause, wo es eine strenge Rassentrennung gibt. Und obwohl Beziehungen zu deutschen "Frolleins" verboten sind, verlieben sich Greta und Bob. "Es ist mir egal, ob du schwarz, weiß oder grün bist. Ich mag dich, weil du du bist." (S. 236) Gleichzeitig wird beschrieben, wie Greta immer mehr zurück in die Vergangenheit rutscht, wie die alte Dame um ihre Selbständigkeit kämpft "Du hast nicht über mich zu bestimmen." (S. 36), obwohl sie sich immer mehr verliert "Ich bin hier, ohne da zu sein." (S. 284) Gretas Geschichte ist nichts für schwache Nerven, sie geht ans Herz und bricht es einem fast. Und auch wenn mir Tom lange etwas unsympathisch war, habe ich ihn am Ende doch sehr gut verstanden. Greta hat ihre Verluste und Traumata nie verarbeitet und an Tom weitergegeben. Er fühlt sich nicht geliebt und gut genug für seine taffe Mutter, kann darum keine festen Bindungen eingehen und wirkt oft arrogant und abweisend. "Stets dachte er, es sei seine Schuld, wenn seine Mam wieder tagelang im abgedunkelten Schlafzimmer verschwand. Ihre Stimmungsschwankungen bestimmten sein Leben. Über Jahre fühlte er sich verunsichert und hilflos, weil sie in diesen Phasen nicht auf ihn reagierte." (S. 274) Ich habe mich mit dieser Rezension sehr schwergetan und weiß nicht, ob sie dem Buch wirklich gerecht wird. Ich habe es geradezu verschlungen, es hat mich aufgewühlt und beeindruckt. Susanne Abel zeigt anhand der Flüchtlingskrise von 2015, wie sich die Geschichte wiederholt und wir trotzdem immer wieder vergessen oder verdrängen.
Unsere Großeltern - die heimlichen Helden
von Marlen Blume - 07.04.2021
Als ich dieses Buch gelesen habe, kam mir an vielen Stellen der Gedanke: Was sind wir heutzutage eigentlich für Schlappschwänze? Wir werden panisch, weil aufgrund einer weltweiten Pandemiesituation das Klopapier knapp werden könnte und meckern, wenn wir zuhause bleiben müssen und uns unsere 80qm-Wohnung zu eng wird - trotz Fußbodenheizung und angenehmen 24 Grad im Badezimmer. Unser Tisch ist jeden Morgen, Mittag, Abend gedeckt, wir schlafen satt ein und wachen in unserem eigenen weichen Federbett auf. Wir leben in einer globalen Pandemie und haben keinen Schimmer, wie verdammt gut es uns geht.   "Stay away from Gretchen" beschreibt die Lebenswirklichkeit unserer Großeltern- bzw. Urgroßeltern-Generation. Eine Kindheit im Krieg, mit Bombenalarm, Hunger und Kälte. Eine Flucht aus der vertrauten Heimat, bei minus 20 Grad und mit einem Planwagen, den man selbst ziehen musste. Wieder quälender Hunger. Russische Soldaten, die Frauen beiseite zerrten und ihnen unvorstellbare Dinge antaten. Und wenn man das alles irgendwie überlebt hatte - ein Neuanfang in der Fremde, zu fünft in einer kleinen Holzhütte, weiterhin rationierte Lebensmittel, die zum Leben zu wenig und zum Sterben zu viel waren. Ein blühender Schwarzmarkt, und jeden Tag der schmale Grat zwischen satt werden und ins Gefängnis kommen.   Die wenige Hilfe, die der ostpreußischen Flüchtlingsfamilie um Greta Schönaich im Heidelberg des Jahres 1946/47 zuteil wird, kommt von dem jungen amerikanischen GI Robert "Bobby" Cooper. Robert handelt einfach nur menschlich - und weiß als Afroamerikaner selbst, wie sich Ausgrenzung und Verachtung anfühlt.   Es dauert nicht lange, bis sich zarte Bande zwischen dem musikalischen GI und der burschikosen Greta entwickeln - gekrönt im Jahre 1949 von der gemeinsamen Tochter Marie. Als Bobby in die USA reist, um alle Formalitäten für die Hochzeit vorzubereiten, bricht der Kontakt plötzlich ab. Greta steht allein da mit ihrem kleinen Mischlingskind, wird geschnitten, beschimpft und muss letztlich sogar ihr geliebtes Mariele hergeben.   Verwunden hat diese Frau ihre vielen Kriegs- und Nachkriegstraumata nicht. Ihr viel später geborener Sohn Tom kennt sie nur als strenge und nicht besonders liebevolle Mutter, die viel Zeit in Kliniken verbrachte und immer wieder depressive Phasen hatte. Erst als sie an Alzheimer-Demenz erkrankt, kommen die Dinge aus ihrer Vergangenheit, über die sie nie geredet hat, zum Vorschein und Tom lernt seine Mutter zum ersten Mal wirklich kennen. Auch wenn er für mich bis zum Schluss eine recht unsympathische Figur blieb, aber diesen Gegensatz brauchte das Buch.   Die Demenzerkrankung wird von der Autorin einerseits sehr deutlich, andererseits auch behutsam geschildert - so ambivalent, wie sie sich auch im wahren Leben darstellt. Mit Potential für großartige Lacher und mit Momenten, in denen man einfach nur heulen könnte. Man merkt, dass hier eigene Erfahrungen mit der Erkrankung eines Angehörigen eingeflossen sind.   Stay away from Gretchen hat mich durch alle möglichen Emotionen gehen lassen - nicht nur, weil ich miterlebt habe, wie auch mein Großvater in seiner Demenzerkrankung und seiner Wirklichkeit plötzlich wieder Gefangener in einem Steinbruch in Sibirien war. Es ist ein wunderbares Buch, das aufmerksam macht darauf, wie viel wir der Kriegsgeneration verdanken und wie viel Unrecht diese Generation mit Stolz und Biss überstanden hat. Es lehrt uns - gerade in der jetzigen Zeit - unsere Situation kritisch zu hinterfragen und vielleicht wieder in die richtige Relation zu bringen. Es ist ein ganz, ganz wichtiges Buch, das lange nachklingt!
Brown babies
von Martin Schult - 04.04.2021
Der erfolgsverwöhnte Nachrichtenmoderator Tom Monderath wird mit der schweren Krankheit seiner Mutter konfrontiert. Die Diagnose der Demenz ist erschütternd und stellt das Leben der Beiden vor neue Herausforderungen. Neben seinen sehr zeitintensiven Recherchearbeiten versucht er seiner kranken Mutter mit ihrer zeitweisen Hilflosigkeit gerecht zu werden. In den gemeinsamen Stunden hört er ihr zu und erfährt viel aus dem bewegenden Leben seiner Mutter, was bisher nie thematisiert wurde. Als die Beiden auf das Foto eines jungen farbigen Mädchens stoßen, verschließt sich seine Mutter. Warum weicht sie allen Fragen von Tom aus? Er beginnt kurz darauf mit den Recherchen, in diesem Fall, in seiner eigenen Familie... Die Autorin Susanne Abel hat mit Stay away from Gretchen einen aus meiner Sicht sehr bewegenden Roman geschrieben. Sie nimmt mit den Brown babies ein brisantes Thema in den Fokus und baut dieses in eine persönliche und fesselnde Familiengeschichte ein. Ihr sehr bildreicher und lebendiger Schreibstil führt gerade auch die Schilderungen aus der Vergangenheit gut vor Augen. Als sehr gelungen habe ich den Wechsel zwischen den Handlungssträngen in den Zeiten empfunden. Einmal hat die junge Greta Monderath ihr Leben in einer sehr schwierigen Zeit zu bewältigen und dann steht sie kurz davor, ihre Erinnerungen und Eigenständigkeit für immer zu verlieren. Beides wird von Susanne Abel gefühlvoll und authentisch in Szene gesetzt, so dass der Leser die Entwicklungen der Protagonisten gut nachvollziehen kann. Die Geschichte hat mich im Verlauf immer mehr gepackt, so dass es mir immer schwerer fiel, das Buch zur Seite zu legen. Die historischen Hintergründe wirken zudem sehr gut recherchiert. Insgesamt ist Stay away from Gretchen ein für mich äußerst gelungener und gefühlvoll geschriebener Roman mit einem besonderen historischen Hintergrund und einem brisanten Thema, welches mir bisher in dieser Form noch gar nicht bewusst war. Die Autorin Susanne Abel hat dies mit ihrem Erzähltalent hervorragend umgesetzt, so dass ich das Buch sehr gerne weiterempfehle und mit den vollen fünf von fünf Sternen bewerte.
Die Geschichte der sog. Brown Babies
von Anonym - 03.04.2021
Dieser Roman klärt über einen Aspekt der deutschen Nachkriegsgeschichte auf, der mir wie sicherlich so manch anderem bislang unbekannt war - das Schicksal der sog. Brown Babies, d.h. der aus den Beziehungen zwischen farbigen amerikanischen Besatzungssoldaten und deutschen Frauen hervorgegangenen Kinder. Seinen Ursprung nimmt die Geschichte in Ostpreußen zur Zeit des Zweiten Weltkriegs. Die Familie Schönaich flüchtet vor den nahenden Russen Richtung Westen. Nach grauenhaften Erlebnissen auf der Flucht lässt sie sich schließlich in Heidelberg in der amerikanischen Besatzungszone bei Verwandten nieder. Tochter Greta begegnet dem schwarzen GI Bobby und wird von ihm schwanger. Ihr Plan zu heiraten, stellt sich aufgrund der rassischen Beschränkungen, denen Farbige im Allgemeinen und als Armeeangehörige im Besonderen unterliegen, als unrealisierbar heraus. Greta wird als als "Negerliebchen" und Mutter eines Mischlingskindes diskriminiert und muss ihr Kind in ein Kinderheim geben, von wo es schließlich gegen ihren Willen nach Amerika zur Adoption gegeben wird. Den Vater sieht sie aufgrund von Intrigen nicht mehr. Zeitlebens belastet sie dieses Trauma. Ihr Sohn Tom, der sich um seine Mutter kümmert, als sie zusehends der Demenz verfällt, deckt ihre ihm bis dahin unbekannte Geschichte in ihrer ganzen Tragik nach und nach auf. Sehr eindrucksvoll und historisch interessant schildert die Autorin wesentliche Stationen ostpreußischer Flüchtlinge und zieht berechtigte Parallelen zu dem Schicksal syrischer Flüchtlinge im Jahr 2015 als der Zeit, in der Tom sich mit dem früheren Leben seiner Mutter zu beschäftigen beginnt. Die Diskriminierungen, denen schwarze Besatzungssoldaten und ihre deutschen Freundinnen ausgesetzt waren, berühren zutiefst. Auch mit dem Thema Demenz setzt sich die Autorin sehr einfühlsam und behutsam auseinander. Unpassend erscheint mir allerdings die Darstellung des Protagonisten Tom, der als bekannter Nachrichtensprecher und Frauenheld oberflächlich und mir unsympathisch geschildert wird. Ein lesenswertes Buch.
Nur teilweise überzeugt
von lisbethsalander - 31.03.2021
Nach der Leseprobe, die mich sehr sehr neugierig gemacht hatte, war ich ungeheuer gespannt auf dieses Buch! Da ich etwa im selben Alter bin wie der Sohn der alten Dame, die an Demenz erkrankt ist, wollte ich wissen, wie die Autorin sich hier diesem Thema nähert. Außerdem versprach die Handlung auf zwei Zeitebenen, Gegenwart und Vergangenheit, ein großes Spannungspotential, diesbzgl hatte mich schon der rasante Vorabeinblick überzeugt! Den tollen angenehmen und flüssigen Schreibstil behält Susanne Abel das gesamte Buch über durch und lässt einen das Werk kaum aus der Hand legen. Der besagte Sohn, ein bekannter Fernsehmoderator, Tom Monderath, wirkte auf mich sehr unsympathisch, er ist aus der höher schneller weiter Liga , die einzig und allein ihr eigenes Vorwärtskommen auf der Überholspur im Blick hat. Eine an Demenz erkrankte Mutter bildet da einen Klotz am Bein. Der zweite Handlungsstrang, in dem die Mutter, die sich besser an die Vergangenheit, ihre Kindheit und Flucht aus Ostpreußen vor vielen Jahrzehnten, erinnert, war mindestens genauso interessant wie die Geschichte im Hier und Jetzt! Insofern lässt sich das Buch sehr gut lesen und hat mir entspannte Lesestunden beschert! Das Cover ist ansprechend gestaltet, der etwas seltsam anmutende Titel in Deutsch und Englisch macht vielleicht eher neugierig, als dass er potentielle Leser abschreckt. Warum ich trotdem nicht die volle Sterneanzahl vergebe? Das Buch hat bei mir etliche Fragen aufgeworfen: lässt sich die Vergangeheit und eine Flucht aus Ostpreußen tatsächlich mit der aktuellen Lage in unserem Land vergleichen? Kann man die Generation unser Groß- und Urgroßeltern und deren Verlust von Heimat wirklich als Anlass für so eine Geschichte nehmen (so stellt es sich zumindest im Hinweis des Verlages als Intention der Autorin für mich dar)? Ich bin da sehr skeptisch. Trotzdem spreche ich eine Leseempfehlung aus, da das Buch sich sehr gut liest, und sich vor allem jeder seine eigene Meinung bilden sollte!
Eine Liebe die nicht sein darf
von Bücherfuchs88 - 28.03.2021
Die Geschichte der verbotenen Liebe zwischen der jungen Vertriebenen Greta und dem Army Soldaten Bob konnte mich von Anfang bis Ende begeistern. Greta war nicht nur eine sehr authentische Protagonistin, auch war ihre ganze Art und Einstellung zum Leben sehr erfrischend und machte sie gleichzeitig sehr liebenswürdig. Auch bekam ich Mitleid mit ihr, wenn die Handlung, welche in Gretas Jugend und ihrem Leben als betagte Dame spielt, dann in jene Gegenwart wechselte, in der sie eine alte und zutiefst gebrochene Frau ist. Ihr Sohn Tom, der alles daran setzt, seine Mutter auf Umwege besser kennenzulernen, aber zeitgleich sehr eingespannt in seinem Job ist, war anfänglich ein echt grober Kerl, den man aber im Laufe der Handlung auch besser verstehen lernt. Die Autorin Susanne Abel hat es geschafft, mich mit der Handlung komplett in ihren Bann zu ziehen. Ihre Schreibweise ist flüssig und die Länge der Abschnitte in Vergangenheit und Gegenwart waren stets angenehm, dennoch habe ich mir Manchmal gewünscht, weniger über Tom und dessen Eskapaden zu erfahren und mehr von Greta und ihrer Vergangenheit zu lesen. Dennoch ist es ihr zugleich gelungen, eine runde und sehr tragische Liebesgeschichte zu erzählen, welche ich so schnell nicht vergessen werde. Die Covergestaltung passt hervorragend zum Inhalt und rundet den Gesamteindruck ab.
Tragische Familiengeschichte
von Nessa - 28.03.2021
Der Roman Stay away from Gretchen behandelt gleich mehrere Themen. Zu Beginn begleitet man den bekannten Fernsehmoderator Tom, der feststellen und vor allem einsehen muss, dass seine Mutter Greta an Demenz erkrankt ist und nicht mehr fit genug ist ihren Alltag alleine zu bewältigen. Gleichzeitig lernt man Greta kennen, eine starke, eigensinnige Frau, die ihrerseits nicht wahrhaben möchte, dass sie Hilfe benötigt. Zu den Problemen in der Gegenwart, macht sie aufgrund ihrer Erkrankung immer wieder kleine "Zeitreisen" in die Vergangenheit, wodurch wir als Leser einen Eindruck erhalten, was sie in ihrer Kindheit und ihren jungen Jahren alles in den Kriegszeiten durchmachen musste. Die Autorin führt uns durch die Vergangenheit und bringt eine Thematik zur Sprache, die nicht oft angesprochen wird, wenn von der Zeit gesprochen wird. Nach dem Lesen habe ich zu den sogenannten "Brown Babies" direkt selbst nochmal recherchiert und es ist traurig wie die Kinder und Familien von allen Seiten behandelt wurden. Der Schreibstil der Autorin ist einfach und flüssig zu lesen und mein einziger Kritikpunkt wäre das Ende, da für mich da ein zu schnelles Happy End zustande kam.
Lebendige Zeitgeschichte
von Cassandra - 26.03.2021
Die Autorin greift in ihrem überzeugend recherchierten Roman um das Flüchtlingsmädchen Gretchen ein Thema auf, zu dem es noch nicht viel Literatur gibt. Es geht um die Kinder, die zwischen den Angehörigen der "Siegermächte" und den "deutschen Frauleins" gezeugt wurden. Tom Monderath, der erfolgreiche Nachrichtenmoderator erfährt erst mit Ende Vierzig, dass seine Mutter Greta, die plötzlich Anzeichen von Demenz zeigt, Jahre vor ihm eine Tochter zur Welt gebracht hat. Bei seinen Nachforschungen wird ihm immer klarer, wie sehr die unbekannte Vergangenheit seiner Mutter noch in seinem Leben wirkt. Mir hat der Roman gut gefallen. Er hat mich gerührt, gefesselt und fasziniert. Die Autorin gibt einer totgeschwiegenen Gruppe den sogenannten "brown babies" eine Stimme. Rassismus ist heute aktueller denn je. Aufklärung tut Not. Lebendige Zeitgeschichte ist das überzeugendste Argument gegen Hass und Fremdenfeindlichkeit
Halten Sie Taschentücher parat!
von Stergios Mavridis - 24.03.2021
Der bekannte Nachrichtensprecher Tim Monderath kümmert sich seit Kurzen um seine etwas senil gewordene 84-jährige Mutter Greta. Dadurch erfährt er immer mehr von der Kindheit seiner Mutter. Zu Hilfe kommen ihm Fotos und Briefe aus der Vergangenheit, als im Zweiten Weltkrieg seine Familie nach Heidelberg floh. Unter den Fotos befindet sich aber auch eins mit einem Mädchen dunkler Hautfarbe, und das führt zu Verwirrungen.. Ein gefühlvoller Roman über die schwierige Zeit während des zweiten Weltkrieges und dessen Folgen. Die Autorin scheut nicht auch vor Themen wie Demenz und Rassismus Stellung zu nehmen. Durch diese Reise in die Vergangenheit findet sich Tim mit der Gegenwart konfrontiert und lernt sein Leben aufs Neue zu schätzen und zu bewerten. Die wenigen klaren Momente seiner Mutter und deren Gespräche währenddessen geben Licht in das Geschehene und gespannt mit vielen historischen Fakten erfährt der Leser von mitreißendem Schicksal der alten Frau. Die Liebe spielt auch in diesem Roman eine weitaus wichtige Rolle und je mehr der Roman voranschreitet desto wichtiger und bedeutender wird die Liebe des Sohnes gegenüber seine hilflosen Mutter. Eine emotionale Familiengeschichte an die ich mich noch lange erinnern werde, so berührend fand ich sie.
Toll!
von Anonym - 23.03.2021
Die Geschichte verläuft in zwei Ebenen: einmal verfolgt man Toms Leben als kauziger, resoluter Erfolgsmann ohne feste Beziehung, aber mit dem Herz am rechten Fleck. Zum anderen die Geschichte seiner Mutter Greta, die an Demenz leidet und dadurch man mit ihr in ihre Vergangenheit eintaucht und eine Geschichte von Flucht und Vertreibung. Die Autorin schafft es hier das Thema Demenz auf eine ganz berührende, tiefsinnige Art und Weise zu transportieren. Sowohl aus Sicht des Betroffenen als auch der Sicht der engsten Verwandten. Die beiden Protagonisten wachsen dem Leser von Seite zu Seite ans Herz und man fühlt sich mit eingebunden in das Leben und Fühlen der beiden. Der Schreibstil der Autorin unterstreicht auch sehr schön die beiden Charaktere. Für mich ein absolutes Lese-Highlight bei dem ich jede Seite genossen habe und das ich weiterempfehlen werde.
Aufrührende Geschichte(n)
von Sina2608 - 23.03.2021
Stay away from Gretchen, geschrieben von Susanne Abel, ist ein wirklich aufrührender Familienroman. Es geht um Tom und Greta Monderath (Sohn und Mutter). Während Tom ein vielgefragter und sehr beschäftigter Nachrichtenmoderator ist, erkrankt Greta an Demenz und ist mehr und mehr auf Hilfe angewiesen, was Tom ein wenig umständlich ist. Während bei Greta das Vergessen beginnt, vergisst sie auch, was sie vergessen hatte und beginnt Tom gegenüber erstmals von ihrer Vergangenheit in Ostpreußen, dem Krieg und der Flucht nach Heidelberg zu berichten. Als dann ein Foto auftacht, mit einem kleinen Mädchen mit dunkler Haut, beginnt Greta jedoch, sich zu verschließen. Der Roman spielt auf zwei Zeitebenen, zum einen um das Jahr 2015. In diesem Handlungsstrang begleiten wir Tom und Greta und dem Entdecken der Familiengeschichte neben dem Umgang mit der Erkrankung. Der zweite Strang beginnt 1939 und zieht sich bis 1953, hier geht es um Gretas Leben und Vergangenheit im Krieg, die Flucht und der Zeit danach. Das Buch ist sehr einfühlsam geschrieben und man kann sich durch das Geschriebene emotional unglaublich gut einfinden - auf beiden Zeitebenen. Das bedeutet aber auch, dass man als Leser viel Traurigkeit empfindet. Der Schreibstil ist jedoch locker und leicht lesbar, trotz der emotional wirklich schwierigen Themen. Mir persönlich hat das Buch wirklich gut gefallen und der Wechsel zwischen Gegenwart und Zukunft hat dem ganzen eine unglaubliche Lebendigkeit verliehen.
Mitreißende und berührende Geschichte
von Lamanda - 23.03.2021
Das Buch erzählt die Geschichte von Gretchen und Tom, Mutter und Sohn. Tom ist ein bekannter Moderator, seine Mutter Gretchen ist 84 und wird im Laufe der Geschichte dement. Nach und nach kommt Tom hinter ein Geheimnis seiner Mutter, was sie bisher ihr Leben lang verschwiegen hatte. Gleichzeitig wird die Lebensgeschichte von Gretchen ab ihrer Kindheit in Preußisch Eylau erzählt. Es geht um die Flucht aus Ostpreußen, die Suche nach dem Vater, einen Neuanfang in Heidelberg. Schließlich lernt Greta Bob, einen schwarzen amerikanischen Soldaten, kennen und die beiden verlieben sich ineinander. Doch verschiedene Umstände machen es ihnen unmöglich zusammen zu sein. Das Buch ist toll geschrieben. Ich war sofort von der Geschichte gebannt und habe beide Teile (Gegenwart und Vergangenheit) gerne gelesen. Die Protagonisten wachsen einem schnell ans Herz und man ist gespannt, wie die Geschichte weitergeht. Der geschichtliche Hintergrund ist präzise recherchiert und spannend aufbereitet. Insgesamt hat mich das Buch gepackt und wird sicher noch lange nachklingen.
Vergangenheit und Gegenwart
von Island - 22.03.2021
Tom Monderath, 45 Jahre alt und mehr oder weniger überzeugter Junggeselle ist ein bekannter Nachrichtensprecher. Seine Mutter Gretchen, 84, lebt wie er nach Abstechern ins Ausland auch wieder, in Köln. Es häufen sich jedoch die Zeichen, dass sie langsam geistig abbaut und dement wird, immer wieder kommt es zu mehr oder weniger gefährlichen Vorfällen. Dies führt dazu, dass Tom quasi gezwungenermaßen mehr Zeit als bisher mit seiner Mutter verbringt und so auch auf immer mehr Spuren aus deren Kindheit und Jugend in Ostpreußen und nach der Flucht vor den Russen in Heidelberg stößt. Ab und an gelingt es ihm auch, ihr Erinnerungen aus dieser Zeit zu entlocken, aber bei einem bestimmten Punkt macht sie dicht und sein journalistischer Ehrgeiz ist geweckt, mehr über die Vergangenheit seiner Mutter und die Rolle des großen, dunkelhäutigen amerikanischen Soldaten zu erfahren. Zeitgleich steckt Europa mitten in der großen Flüchtlingswelle und es kommt vermehrt zu Protesten gegen die Aufnahme von weiteren Asylsuchenden, zum Beispiel in Heidenau, und Tom ist durch seine Arbeit besonders mit der Thematik konfrontiert. Mir hat der Roman sehr gut gefallen. Ich mag Bücher, die auf mehreren Zeitebenen zwischen der Gegenwart und der Vergangenheit wechseln. Hier ist dies besonders gut gelungen, indem der Leser immer wieder automatisch Parallelen zwischen den Flüchtlingen aus Ostpreußen am Ende des Zweiten Weltkrieges und jenen aus Syrien heute sieht. Immer wieder werden echte gesellschaftliche Ereignisse in die Handlung einbezogen und dem Leser so wieder ins Gedächtnis gerufen. Und auch die Geschichte des 45 jährigen Sohnes, der damit klar kommen muss, dass seine Mutter langsam dement wird, ihr so aber auch nahe wie nie zuvor kommt und manch ihrer Verhaltensweisen in seiner Kindheit nun besser versteht, ist eine sehr wichtige und berührende. Der Schreibstil der Autorin hat mir ebenfalls sehr gut gefallen.
Sehr emotional
von Katrin - 22.03.2021
Sehr emotional Die Autorin Susanne Abel stammt aus einem badischen Dorf an der französischen Grenze. Sie arbeitete bereits mit 17 Jahren als Erziehungshelferin und später als Erzieherin. Sie schloss ein Studium an der Deutschen Film- und Fernsehakademie in Berlin ab und realisiert seither als Autorin und Regisseurin zahlreiche Dokumentationen fürs Fernsehen. Stay away from Gretchen behandelt das Thema Demenz. Denn Tom Monderath macht sich Sorgen um seine 84-jährige Mutter Greta, die immer mehr vergisst. In vielen Gesprächen erzählt sie von ihrer Vergangenheit, doch auch Geheimnisse kommen ans Tageslicht. Das Cover finde ich gut gelungen. Auch wenn es nur eine kleine Abbildung und mehr Text ist, kann man schon ein bisschen erahnen, wohin uns die Reise bringen wird. Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Immer wieder habe ich mir gedacht, Hätte ich doch meiner Oma besser und aufmerksamer zugehört Als Teenager hat man andere Dinge im Kopf und irgendwann ist es dann leider zu spät dafür. Doch konnte ich einige Dinge doch nachvollziehen bzw. mich an Geschichten erinnern. Dieser sehr gefühlvolle Roman begleitet uns durch verschiedenste Themen, die alle einzeln wahnsinnig wichtig sind und hier als eine Erzählung sehr gut zusammen spielen. Neben der Geschichte von Greta, bekommt der Leser geschichtliche Hintergründe so gut verpackt mit, dass man erst danach merkt, dass man nicht nur einen Roman gelesen hat, sondern auch noch gewisse Dinge lernen konnte. Von mir volle Punktzahl.
Berührende Familiengeschichte!
von Anonym - 22.03.2021
Stay away from Gretchen ist ein total gelungenes Buch. Susanne Abel hat einen sehr berührenden Familienroman geschrieben, der unter die Haut geht. Dabei gelingt es ihr, die Geschichte der Familie von Greta zu erzählen, ohne melodramatisch oder kitschig zu werden. Wir haben zwei Zeitebenen: Heute - Greta ist mittlerweile über 80 und wird dement - und die Zeit des Zweiten Weltkriegs. Ihrem Sohn Thomas hat sie wenig über ihre Vergangenheit erzählt. Durch ihre Demenz driftet sie in die Jahre ihrer Kindheit und Jugend ab. So erfährt Thomas eine Menge über seine Mutter und sieht sie in neuem Licht. Dieses Buch schafft es wirklich ohne Pathos die Gräuel des Zweiten Weltkrieges zu erzählen. Alles ist glaubwürdig, alles ist wichtig. Je mehr ich in dieses Buch eintauche, desto lieber lese ich es. Der Titel stammt aus eine Anordnung für die amerikanische Besatzungszone. Die Soldaten sollten sich von "Gretchens" , deutschen Frauen, fernhalten. Ob Grete sich daran gehalten hat?
Wow!
von LesenundKaffee - 20.03.2021
Wow. Dieses Buch verpackt ein interessantes Stück deutscher Geschichte, die wahrscheinlich kaum jemanden bekannt ist: die Geschichte der "Brown Babies" und des "Brown Baby"-Plans. Diesen Teil der deutschen Geschichte kannte ich bisher nicht, ich bin aber froh, dass sie mir durch dieses Buch näher gebracht wurde. Ich habe nach der Lektüre des Buches noch Einiges gegoogelt und nachgelesen, was meiner Meinung nach auch immer für ein Buch spricht, wenn man sich nach dem Lesen noch eine ganze Weile mit dem Thema des Buches auseinandersetzt. Aber nun reduziere ich das Buch auf ein Thema, obwohl es eigentlich viele wichtige Themen anspricht, die unsere Gesellschaft beschäftigen: Alzheimer und Demenz, Flucht und Kriegstraumata, die Stellung der Frau in der Gesellschaft und die alleinerziehender Mütter und vieles mehr. Viele wichtige Themen in ca. 500 Seiten... Am Anfang des Buches habe ich gedacht, dass 500 Seiten ganz schön viel sind, am Ende der Lektüre habe ich die Seiten nur so dahinachwinden sehen und habe gedacht: Oh nein, ich will doch noch viel mehr wissen und lesen, das Buch kann doch noch nicht zu Ende gehen! Mir hat das Buch sehr gut gefallen, aus oben genannten Gründen, aber auch wegen der gut verständlichen Sprache und den Zeitsprüngen, die das Buch abwechslungsreich machen und einen auf die jeweils andere Zeitenebene der Geschichte hinfiebern lassen. Ich lese in Zukunft gerne mehr von dieser Autorin!
Demenz, Krieg, Flucht, Schicksal der Brown Babys - tolle Themenvielfalt!
von Lia48 - 19.03.2021
INHALT: Köln, 2015: Jeden Abend schaut die 84-jährige Greta ihrem Sohn bei den Nachrichten zu, redet dabei auf ihn ein und wünscht ihm eine gute Nacht. Seit vor 18 Jahren ihr Mann Konrad gestorben ist, hat sie nur noch Tom und ihre Nachbarin Helga. Als sie eines Abends verwirrt in Pantoffeln und Hauskleid auf der Autobahn aufgefunden wird, landet sie mit dem Verdacht auf Demenz in der Klinik. Ihr viel beschäftigter Sohn kann es kaum glauben. Und in Greta erwachen nach und nach die Erinnerungen, die sie all die Jahre versucht hat zu vergessen. Zum ersten Mal erfährt Tom von der Vergangenheit seiner Mutter. Von ihrer Kindheit in Ostpreußen während des Naziregimes, von der Flucht 1945 vor russischen Soldaten und von der beschwerlichen Nachkriegszeit in Heidelberg. Doch was hat es mit der Fotografie eines Schwarzen Mädchens auf sich, welche Tom findet? Je mehr Nachforschungen Gretas Sohn betreibt, desto mehr Geheimnisse kommen schließlich ans Tageslicht MEINUNG: Greta muss man einfach gerne haben! Was für eine goldige, alte Dame! Auch wenn sie sich mittlerweile viele Klebezettel schreiben muss, um wichtige Dinge nicht zu vergessen, ist sie wohl eine der wenigen Personen, die ihre Mitgliedsnummer der Krankenversicherung auswendig weiß. Und humorvoll ist sie ohnehin. Aber Humor benötigt sie nach ihren vergangenen Erlebnissen auch dringend... Das Buch thematisiert in der Gegenwart neben Gretas Lebenssituation auch Toms Arbeit als Nachrichtensprecher und wie er mit der Flüchtlingskrise von 2015 in Berührung kommt. Tom war mir ehrlich gesagt nicht immer sympathisch (was ja auch nicht sein muss, außer man stört sich daran). Ständig hat oder hätte er gerne etwas man irgendwelchen Frauen. Und häufig beurteilt er Frauen nach ihrem Äußeren. Dementsprechend abwertend empfand ich auch manchmal die Wortwahl (bzw. die Sprache in seinen Gedanken), welche zwar zur Figur von Tom passte, mich aber immer wieder genervt mit den Augen rollen ließ. Da habe ich schon gedacht, dass mir sein Charakter nun hoffentlich nicht das ganze Buch vermiesen wird. Doch Tom macht auch positive Entwicklungen durch, kümmert sich rührend um seine Mutter mit Demenz und interessiert sich für die Geschichten der Flüchtlinge, was ihn weniger oberflächlich und arrogant wirken ließ. Trotzdem fand ich manche Stellen mit ihm überzogen, was aber mein einziger Kritikpunkt am Buch bleiben wird. Es wäre schade gewesen, wenn ich das Buch deshalb abgebrochen hätte. Denn es gibt da noch den Erzählstrang von Gretas Vergangenheit, der großen Platz einnimmt und der mich unglaublich begeistern konnte. Er ist ziemlich historisch ausgerichtet, was ich gerne mag. So empfand ich es als sehr eindrücklich, wie Greta bereits in jungen Jahren in Ostpreußen den Nationalsozialisten nacheiferte. Naiv, wie Kinder nun einmal sind, freute sie sich mit dem Rektor über den Kriegsbeginn. Doch dass der Vater in den Krieg ziehen und von ihm irgendwann jede Spur fehlen würde, hatte Greta nicht erwartet. Und auch durch die Flucht vor den Russen und aufgrund der beschwerlichen Nachkriegszeit, macht man an der Seite von Greta so einiges mit. Dann nimmt die Geschichte eine Wendung, und es wird näher auf Themen wie Rassismus und das Schicksal der "Brown Babys" eingegangen (Letzteres bezeichnet Kinder von einer deutschen Mutter und einem afroamerikanischen Besatzungssoldaten als Vater. Die Kinder wurden nach dem Zweiten Weltkrieg häufig zur Adoption freigegeben und von BPoC in den USA adoptiert.). Hierbei wurde oft das "N-Wort" verwendet, allerdings in einem historisch eingebetteten Setting. Trotzdem ist es immer wieder erschreckend, wie schlimm manche Menschen abgewertet und diskriminiert wurden und zum Teil immer noch werden! Mehr über das Schicksal dieser Menschen zur damaligen Zeit zu erfahren, empfand ich jedenfalls als sehr bereichernd. Insgesamt wurde die Geschichte noch sehr emotional. Vielleicht könnte sie manchem gegen Ende zu viel Friede Freude, Eierkuchen beinhalten. Mir hat das an dieser Stelle nichts ausgemacht, da Greta zuvor so viel Schreckliches erleben musste. FAZIT: Auch wenn ich mit einer Figur nicht durchgehend warm geworden bin, so konnte mich Gretas Geschichte und die ihrer Familie unglaublich berühren und begeistern. Bereichernd fand ich es, mehr über den Rassismus und das Schicksal der "Brown Babys" nach dem Zweiten Weltkrieg zu erfahren. Wer gerne historische Romane liest und Familiengeheimnisse mag, der sollte sich das Buch nicht entgehen lassen! 4,5/5 Sterne! ANMERKUNG ZUM TITEL: "Stay away from Gretchen", verlangte die Army von ihren Soldaten - sie sollten sich fern von deutschen Frauen halten, da diese sie angeblich mit Syphilis anstecken könnten.
Großartige Geschichte zwischen früher und heute.
von begine - 17.03.2021
Die Schriftstellerin Susanne Abel hat in ihrem Roman "Stay away from Gretchen" eigene Erlebnisse einfließen lassen. Ihre Personen sind aber fiktiv. In letzter Zeit gibt es viele Roman, die von der Alzheimerkrankheit und der Flucht handeln. Dieselmal war die Geschichte besonders überzeugend. Erstaunlicherweise gibt es immer wieder besonders ausdrucksstarke Geschichten. Die Schwestern Grete und Finja waren so richtige im Sinne des dritten Reichs erzogen worden. Dann kommt es zur Flucht, bei der die Familie getrennt wurde. Greta und ihr Großvater, der im ersten Krieg ein Bein verlor wurden von der Mutter und der Großmutter getrennt. In Heidelberg trafen sie bei Großmutter Gustes Schwägerin wieder. Grete wurde durch die Flucht früh erwachsen. Dann gibt es den Teil von 2016. Der Nachrichtenspeicher Tom Monderath muss sich plötzlich um seine Mutter kümmern, die an Alzheimer erkrankt ist. Zuerst war mir diese Person nicht so angenehm. Aber im Laufe der Geschichte änderte es sich. Die Autorin bringt viele Konflikte zur Sprache. Man erfährt von einigen Geschehnissen von denen ich noch nichts gehört habe, so war der Roman auch noch lehrreich. Der Roman ist stilistisch perfekt. Er war eicht spannend und berührend.
Wirklich bewegende Lesestunden garantiert!
von G. Schad (Hugendubel Landshut) - 17.03.2021
Was es bedeutet, sich als junger deutsche Miss in einen farbigen GI zu verlieben? Liebe und Glück, Angst vor Entdeckung, Neid der Nachbarn, Und dann kommt alles noch dramatischer! Aber Stay away from Gretchen ist für den GI Robert keine Option. Genau die richtige Mischung für bewegende Lesestunden
Eine berührende Geschichte von Liebe und Unrecht
von cebra - 14.03.2021
Greta, die Mutter des bekannten Kölner Fernsehmoderators Tom Monderath kann ihre fortschreitende Demenz nicht länger verbergen. Ihr Sohn ist nun gefordert, sich zu kümmern, und gerät dabei auf eine aufwühlende Spurensuche. Autorin Susanne Abel verknüpft gleich eine ganze Reihe völlig unterschiedlicher Themen zu einem rasanten, fesselnden Roman. Schon der Einstieg lässt den Berufsalltag in der Medienwelt mit einem vernachlässigten Mutter-Sohn-Verhältnis und der Herausforderung durch eine Alzheimererkrankung kollidieren. Noch ist nicht zu ahnen, dass all dies eigentlich erst den Rahmen bildet für eine Geschichte, die tief berührend und erschütternd in eine völlig unerwartete Richtung abbiegt. Dazu braucht es neben der aktuellen Zeitebene eine zweite, die in Intervallen in die Kriegs- und Nachkriegsjahre führt. Hier können wir Greta vom Kind zur jungen Frau heran wachsen sehen. Im historischen Kontext wird ihr unsägliches Leid zugefügt, das sie stellvertretend für viele Frauen durchlebt und bis ins hohe Alter mit sich herum trägt. Der lebhafte, frische Schreibstil mit einfachen, kurzen Sätzen, trotz der Dramatik immer wieder aufblitzender Humor, Personen, die man meint anfassen zu können, außerdem der Eindruck, dass bei schwebender Leichtigkeit hinter allem äußerst gründliche Recherche steht - das sind Zutaten, die das Lesen zum Vergnügen machen. Es ist großartig gelungen, anhand konkreter Schicksale auf eine darüber hinausweisende Problematik einzugehen. Oder derer mehrere. Und genau hier liegt der winzige Mangel: Viel wird zwischen die Seiten gepackt. Vielleicht zu viel. Und das in mancherlei Hinsicht. Zu viel Kehrtwendung des anfangs eher unsympathischen Tom, zu viele wirklich wesentliche Themen, zu viele Emotionen und gegen Ende zuviel ¿ Nein, das wird hier natürlich nicht verraten! Auf jeden Fall lässt sich sagen, dass hier ein Anliegen vorgebracht wurde. Gretas Unglück ist eines, über das gerne geschwiegen wird. Umso besser, dass es hier Gehör findet.
Eine Liebes- und Lebensgeschichte, die unter die Haut geht
von Anonym - 11.03.2021
Greta ist 84 Jahre alt und erkrankt an Demenz. Ihr Sohn Tom, erfolgreicher Nachrichtenmoderator, der sein Leben eigentlich in Glanz verbringt und kaum Zeit für Nebensächlichkeiten hat, hat wenig Lust, sich um seine erkrankte Mutter und um alles Notwendige zu kümmern. Doch bewegt durch die Flüchtlinge in Deutschland 2015 und durch viele kleinen Details, die seine Mutter in ihrer Vergesslichkeit fallen lässt, beschäftigt sich Tom zum ersten Mal mit der Vergangenheit seiner Mutter, mit der Flucht aus dem aus Ostpreußen, mit dem Leben von Greta im neuen Deutschland und mit der Tatsache, dass es ein kleines dunkelhäutiges Mädchen im Leben seiner Mutter zu geben scheint. Das Cover ist einfach und schlicht gehalten, der Titel auf eine Weise geheimnisvoll wie auch anziehend und verträumt. Es wird nicht wirklich viel verraten von dem, was den Leser schließlich erwartet. Doch nichtsdestotrotz ist der Leser bereits nach wenigen Augenblicken des Buches gefangen in der Leichtigkeit des Buches, welche durch Spaß und Humor, eine wunderbar eingängliche Sprache und flüssige Texte erzeugt wird. Dabei schafft es hauptsächlich die alte Greta mit ihrer Vergesslichkeit und ihrer gleichzeitig vorherrschenden Ignoranz, dem Leser immer wieder ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Doch parallel zum Hier und Jetzt wird auch eine andere Geschichte von Greta erzählt: Wie damals der Nationalsozialismus Einzug in ihr Leben hielt, wie sie sympatisierte und auf bittere Weise enttäuscht wurde, wie sie fliehen muss und einsichtig ist, und wie sich die Familie ein komplett neues Leben im neuen Deutschland aufbauen muss. Dieser Teil der Geschichte wirkt auf der einen Seite betrüblich und dunkel, doch auf der anderen Seite schafft es die Autorin, immer wieder kleine Sticheleien und Witzeleien einzubauen, die die Stimmung auflockern, sodass der Leser nach der Fortsetzung lechzt. Susanne Abel schafft es wunderbar, die Vergangenheit real darzustellen, ohne zu sehr in die damalige Grausamkeite zu verfallen. Gleichzeitig gelingt es ihr gut, beide Handlungen miteinander zu verknüpfen, sodass der Leser stets mit Spannung auf den nächsten Abschnitt der jeweilgen Handlung hinarbeitet. Es ist ein Buch, das gespickt ist von Leichtigkeit wie auch von Schwere, von Trauer und Freude, von Mitleid und Begeisterung. Ein Buch, dass Träumen lässt, auch wenn das Thema auf den ersten Blick nicht gänzlich zum Träumen einlädt.
Interessant und berührend
von Leseschwalbe - 11.03.2021
Der Kölner Nachrichtenmoderator Tom Monderath hat sich in seinem Leben eingerichtet. Seine Mutter Greta, 84 Jahre, wohnt in der Nähe, und ist sein größter Fan. Heile Welt - bis eines Nachts der Anruf kommt. Greta ist ist in Würzbug im Krankenhaus, sie hatte sich verfahren. Der Arzt stellt die Diagnose Verdacht auf Demenz . Dise Aussage und was es für Auswirkungen das hat wirbelt Toms komplettes Leben durcheinander. Er muss feststellen dass die Diagnose richtig ist aber auch dass er vieles über seine Mutter nicht weiß. Je mehr sie im Heute vergisst, desto mehr erinnert sie sich an früher. An ihre Flucht, an ihre Zeit in Heidelberg, an ihre große Liebe, den farbigen GI Bob. und dann findet Tom bei Gretas Führerschein das Foto eines kleinen Mädchens. Mariele - auf einmal hat er eine Halbschwester. Das ist eines dieser Bücher dass man nach dem letzten Satz zuklappt und denkt schade, schon zuende? Es ist mit ganz viel Empathie und Liebe geschrieben und toll recherchiert. Empfehlenswert!
Vielschichtig und herzergreifend
von Philiene - 11.03.2021
Eine Geschichte die zu Herzen geht. Der Roman nimmt viele brisante Themen auf. Im Vordergrund stehenGrete, die an Demenz erkrankt zu und ihr Sohn Tom, einem bekannten Nachrichtenmoderator. Gretes Geschichte wird in zwei Teilen erzählt. Zum einen in der Gegenwart, in der sie immer mehr Schwierigkeiten im Alltag bekommt, dafür aber Bruchstücke aus ihrer Vergangenheit preisgibt, von der ihr Sohn noch nie gehört hat. Zum Anderen wird ihre Geschichte aus der Vergangenheit erzählt. Beginnend 1939 in Ostpreußen, über die Flucht in den Westen bis hin zu ihrer ersten Zeit in Heidelberg unter amerikanischer Besatzung.... Gretes Geschichte geht einem unter die Haut. Sie hat viel erlebt und es in ihrem Herzen verschlossen. Erst ihre Erkrankung gibt ihrem Sohn einen Einblick in ihr Leben als Mädchen und junge Frau. Die Autorin nimmt den Leser mit auf eine Zeitreise in denen und viele Ungerechtigkeit und Verzweiflung begegnen. Viele wichtige Themen, geschichtliche wie aktuelle werden aufgegriffen und in die Geschichte hineingeflochten. Ich möchte aber auch noch einmal die Charaktere erwâhnen. Da sticht natürlich vor allem Grete hervor, eine tolle Frau. Tom ist mir ehrlich gesagt nicht ganz so ans Herz gewachsen, aber ich mag es auch nicht wenn alle Personen nur positive Charakterzüge haben, so ist ja kein Mensch. Dagegen finde ich es großartig, wenn Nebendarsteller ein Eigenleben entwickeln und so das Buch bereichern. Das ist hier die Nachbarin Helga. Herrlich erfrischend in der ernsten Geschichte. Ein Roman den man lesen sollte, und nicht so schnell vergisst.
spannend und unterhaltsam
von Anonym - 09.03.2021
Der Roman von Susanne Abel Stay away from Gretchen hat mir ausgesprochen gut gefallen. Der Roman läßt sich gut und flüssig lesen, geschicktes Pendeln zwischen den Zeitebenen baut so viel Spannung auf, dass ich fast ohne Pause bis zum Schluß durchgelesen habe. Die Protagonisten sind glaubwürdig und tiefgehend beschrieben; vor allem der Lebensweg von Gretchen wurde interessant und auch lehrreich geschildert; es gibt so vieles aus den Nachkriegsjahren, was mir nicht bekannt war. ZB , ohne allzu viel zu spoilern, das Problem mit den Brown-Babies . Auch das zweite große Thema des Romans Demenz wurde nachvollziehbar verdeutlicht. Ich konnte die Sorgen des Tom Moderath um seine immer dementer werdende Mutter gut nachvollziehen. Alles in Allem ein gut recherchierter Roman mit viel Unterhaltungswert. Ich wünsche diesem Buch viele Leserinnen und Leser und einen Platz auf der Bestsellerliste.
wunderbares Buch über Generationen und Lebensgeschichte
von Anonym - 07.03.2021
Gleich vorweg: Es ist ein gehaltvolles Buch, das in 2 Zeitebenen spielt. Die Zusammenfassung von einem Generationenunterschied Tom, der smarte TV Liebling, der jenseits der Sphären lebt und seine beginnendt demente Mutter, die allein lebt, bisher alles meisterte und von der Tom herzlich wenig weiß. Jedem ist klar , dass die Situation mit pflegeaufwendigen Eltern nicht einfach ist. Tom lernt aus den neuen Aufgaben und vor allem, er lernt seine Mutter kennen. Die Geschichte der Ostpreussenfamilie, die Anhänger des dritten Reiches sind, kriegsgebeutelt sind und immer noch hitlerkonform bleiben ist interessant. Die Flucht mit den Ängsten und die Aggressionen der Siedlerfamilien sind selten so deutlich dargestellt.Später das Nachkriegs-Überleben in neuer Ansiedlung sind sehr realistisch erzählt. Wie eingangs erwähnt ,ein gelungenes Buch ohne ein Kriegsbuch zu sein.
Vielschichtig und berührend
von Karen - 06.03.2021
In diesem Roman geht es um so vieles: Um Toms Beziehung zu seiner an Demenz erkrankten Mutter, über die er sehr wenig weiss. Im Rückblick in Ansätzen um seine Kindheit mit einer Mutter, die immer wieder an Depressionen litt. Im Rückblick außerdem um das Leben seiner Mutter im Krieg. Der Buchtitel ist ehrlich gesagt etwas irreführend, finde ich. Die zwei Erzählebenen des Buches - Gegenwart und Vergangenheit - lesen sich fast wie zwei Geschichten. Schnell taucht man in beide voll ein. Die Grauen des Krieges werden dabei anschaulich und in ihrem Schrecken gut erzählt. Sehr oft kamen mir die Tränen. Was Menschen damals und auch heute noch aushalten ist oftmals unvorstellbar schrecklich. Und ich denke wir wissen viel zu wenig über unsere noch nicht lange zurückliegende Vergangenheit, denn aus vielen Gründen wird darüber geschwiegen. Gerade zum Ende hin, fand ich einige Stellen zu unrealistisch, und als hätte man noch für alles einen guten Schluss finden wollen. Aber ansonsten hat mir das Buch sehr gut gefallen und es hat mich sehr berührt.
Nur wer die Vergangenheit kennt, hat eine Zukunft. (Wilhelm von Humboldt)
von Dreamworx - 06.03.2021
Der bekannte Nachrichtensprecher Tim Monderath lebt gern als Single in Köln und genießt sein Leben mitsamt allen Freiheiten, die es zu bieten hat. Einzig die zunehmende Verwirrtheit seiner 84-jährigen Mutter Greta macht ihm Sorgen, denn die alte Dame vergisst immer mehr die Gegenwart. Als sich ihr Zustand weiter verschlechtert, bleibt Tim nichts anderes übrig, als sich mehr um Greta zu kümmern. Alte Fotos und Briefe aus der Vergangenheit lassen ihn nach und nach die Geschichte seiner Mutter erfahren, die in dem ostpreußischen Eylau ihre Kindheit verbracht hat, um dann im Zweiten Weltkrieg vor den Russen zu fliehen und nach Heidelberg kam. Beim Anblick eines Fotos von einem Mädchen dunkler Hautfarbe allerdings bringt Greta zum Verstummen und gibt Tom Rätsel auf. Was hat es mit dem Kind auf sich und was hat seine Mutter damit zu tun? Susanne Abel hat mit "Stay away from Gretchen" einen sehr empathischen und gefühlvollen Roman vorgelegt, der gleich mehrere diffizile Themen (wie Demenz, Krieg, Rassismus und Flucht) beinhaltet und gleichzeitig ein Frauenschicksal anhand geschichtlicher Ereignisse Revue passieren lässt. Der flüssige, bildgewaltige und einfühlsame Erzählstil lässt den Leser abwechselnd mal Tom wie einen Schatten in der Gegenwart folgen, um sein Umfeld und sein Leben kennenzulernen, führt ihn aber auch durch eine Reise in die Vergangenheit in Gretas Lebenslauf hinein, wo er ihre Erlebnisse und das ihrer Familie aus erster Hand miterlebt. Während sich Tom mit der Verwirrtheit seiner Mutter beschäftigen muss, die sich als Demenz herausstellt, erfährt er Dinge über Greta, von denen er bisher nichts wusste. Alte Geheimnisse drängen an die Oberfläche, die aufgrund der geschichtlichen Gegebenheiten lange verschüttet blieben und ihre Hüter gezeichnet haben. Die Autorin versteht es wunderbar, Gretas Geschichte mit historischen Fakten zu verweben, so dass der Leser mit ihr nicht nur die harten Zeit der Flucht aus Ostpreußen miterlebt, sondern auch in den Heidelberger Schwarzmarkt eintaucht und Gretas bittersüße Liebe zu einem farbigen GI hautnah miterlebt. Aber auch die Flüchtlingsbewegung im Jahr findet ihren Platz in dieser Geschichte und lässt die Handlung so sehr lebendig wirken. Gerade Toms Bemühungen um seine Mutter und der Austausch zwischen den beiden, wenn Greta klare Momente hat, sind unheimlich nahbar beschrieben und schicken den Leser durch ein wahres Wechselbad der Gefühle. Dies ist sicherlich auch darauf zurückzuführen, dass die Autorin aus einem Schatz an eigenen Erfahrungen schöpfen konnte. Die Charaktere sind liebevoll ausgestaltet und in Szene gesetzt. Mit ihren sehr glaubwürdigen menschlichen Eigenheiten wachsen sie dem Leser schnell ans Herz, der sich gut in sie hineinversetzen und mit beiden Seiten fühlen kann. Tim ist beruflich erfolgreich, führt ein ausgefülltes Leben, wobei ihm Ungebundenheit und Freiheit unheimlich wichtig sind. Die Gebrechlichkeit seiner Mutter passt nicht in sein Konzept, doch muss er sich um sie kümmern. Was erst eher unwillig aussieht und ihn eher hartherzig wirken lässt, entpuppt sich nicht nur als Angst vor Lebensveränderungen, sondern auch vor Verlust. Mehr und mehr kümmert er sich fürsorglich und liebevoll um Greta, taucht in ihr Leben ein, erfährt mehr über seine eigenen Wurzeln und vor allem über den Schmerz, den Greta all die Jahre verdrängt hat. Greta hat so viele Schicksalsschläge ertragen müssen, dass ihr Vergessen eine Art Flucht vor den vergangenen Dingen ist. Auch Gretas Großeltern spielen eine wichtige Rolle in dieser Geschichte. "Stay away from Gretchen" ist ein wunderbarer Schicksalsroman, der mit vergangener Historie und gesellschaftlichen Normen eng verknüpft ist. Authentisch, berührend und vor allem großartig erzählt, klingt dieser tiefgründige Roman noch lange nach der letzten Seite nach. Absolute Leseempfehlung!
Ein Leben lang vermisst
von heidi_59 - 02.03.2021
Als der bekannte TV Moderator Tom Monderath von der Polizei einen Anruf erhält , dass er seine 84 jährige Mutter aus einer Klinik in Süddeutschland abholen soll , ist er darüber verärgert . Wieso zur Hölle ist sie mit dem Auto quer durch Deutschland gefahren und wartet jetzt in einem Krankenhaus darauf von ihm abgeholt zu werden. Das Gespräch mit dem Arzt , zieht Tom im ersten Moment den Boden unter den Füßen weg . Zu brutal ist die Diagnose ! Seine Mutter zeigt alle Anzeichen einer Demenz . Tom hatte nie ein enges Verhältnis zu seiner Mam , wie er sie nennt . Nachbarin Helga war ihm näher , als seine immer traurige und nicht belastbare Mutter. Und jetzt auch noch das ..... DEMENZ ! ¿..DEMENZ ¿¿. DEMENZ ! ! ! ! ! ! ! ! ! Gretas Demenz hängt wie ein Damoklesschwert über Tom . Doch was er anfangs als ärgerlich und störend für sein scheinbar so perfektes Leben empfindet , entwickelt sich mit der Zeit als Geschenk . Eine nie gekannte Nähe entwickelt sich zwischen Mutter und Sohn . Greta , die sich immer öfter im hier und jetzt verliert , öffnet Tom in ihrer Demenz die lang verschlossene Tür zu ihrer Vergangenheit und ihrem Herzen .Nach und nach erzählt sie aus ihrem Leben , von ihrer Kindheit in Ostpreußen, der Flucht vor den russischen Soldaten im eisigen Winter, der Sehnsucht nach dem verschollenen Vater und von ihrer großen Liebe Bob , dem farbigen Amerikanischen GI und Baby Marie, ihrer Tochter . Ich würde mich als anspruchsvolle Leserin bezeichnen , die es liebt, wenn gut recherchierte ,historische Zeitgeschichte und Fiction und zu einem tollen Roman verschmelzen , der dazu noch auf zwei Zeitebenen erzählt wird . "Stay away from Gretchen" erfüllt dies in jeder Beziehung und hat mich von der ersten Seite an begeistert . So eine temporeiche , anspruchsvolle und facettenreiche Erzählung mit unglaublich viel Tiefgang, habe ich ehrlich gesagt nicht erwartet . Der Roman erzählt die bittersüße Liebesgeschichte von Greta und ihrem Bob , wie sie im Nachkriegs-Deutschland bestimmt nicht nur einmal passiert ist . Er behandelt aber auch die Situation der Kriegsflüchtlinge von damals und die in der heutigen Zeit . Einfühlsam verknüpft Susanne Abel die brisante Thematik mit den dazugehörigen Nuancen von konstruierter "Willkommens-Politik" und Ablehnung quer durch die Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland. Gleichzeitig verwebt sie wunderbar ihre Erfahrungen mit der Demenz ihrer Mutter , lässt sie einfühlsam in Gretas Geschichte einfließen und öffnet einen berührenden Abschnitt des Lebens , der zu Herzen geht . Ich habe schon sehr viel in diesem Genre gelesen und doch konnte mich Susanne Abel mit der mir unbekannten Geschichte der "Brown Babies" und ihrem realen Hintergrund in der Nachkriegszeit, überraschen . Davon hatte ich vorher so noch nichts gehört . Vom Taschentuch das man benötigt um die Tränen zu trocknen , bis hin zum Lachen , über das sehr bildlich erzählte , ist dieser Roman so voll mit Emotionen aller Couleur , ohne jedoch ins kitschige oder zu sentimentale abzurutschen. Selbst wenn ich nicht am lesen war, machte sich Greta und ihre Geschichte in meinen Gedanken breit , nahm mich gefangen und ließ mich nicht los , so einprägsam ist der Erzählstil . Ein wirklich toller und sehr gelungener Pageturner , der süchtig macht und die knapp 500 Seiten viel zu schnell dahinschmelzen lässt . Für alle die in dem Genre zuhause sind , ein absolutes "must read" das ich zu 100% empfehlen kann . Sehr gerne vergebe ich für diesen großartigen Roman 5 Sterne ***** Für mich persönlich ein ganz tolles Lese-Highlight, das meine höchste Wertung erhält und in mein Regal mit den ¿¿ Herzensbüchern ¿¿einziehen darf .
Überraschend vielschichtiger Roman
von Lisa - 02.03.2021
"Stay away from Gretchen - Eine unmögliche Liebe" der Autorin Susanne Abel hat mich auf mehrfache Weise positiv überrascht. Der Roman beginnt mit der Diagnose Demenz, dies wirft nicht nur die 84-jährigen Greta sondern auch ihren Sohn Tom ganz schön aus der Bahn. Anders als in anderen Romanen, dominiert die Krankheit aber nicht die Geschichte. Sehr gelungen schafft es die Autorin vielmehr Gretas Lebensgeschichte von Kindheit an zu erzählen und ihre Erlebnisse mit der erwachsenen Frau der Gegenwart zu verknüpfen. In Ostpreußen aufgewachsen, muss die junge Greta mit ihrer Familie, mitten im zweiten Weltkrieg, nach Westdeutschland fliehen. Schonungslos erzählt Susanne Abel dabei die Geschichte einer Flucht, voller Entbehrungen und auch zahlreicher sexueller Übergriffe und zieht, mit Hilfe des Erzählstrangs der Gegenwart, immer wieder Parallelen zur Flüchtlingskrise 2015. Auch weitere große Themen wie Diskriminierung und Rassismus in der Nachkriegszeit oder Transgenerationale Weitergabe, werden immer wieder aufgegriffen und von mehreren Seiten beleuchtet. Auch wenn die Protagonisten fiktiv sind, mutet die Geschichte überaus real an, was auch an der großartigen Rechercheleistung der Autorin liegt. Diese lässt immer wieder echte Reden, Interviews, Zeitungsberichte, Radiosendungen und Fernsehbeiträge der damaligen Zeit, wortwörtlich in den Text einfließen. Darüber hinaus wirken auch die beschriebenen Auswirkungen der Demenz so unglaublich nah, hier konnte die Autorin eigene Erfahrungen einbringen, da sie selbst ihre Mutter an die Krankheit verloren hat. Trotz der schwierigen Themen liest sich die Geschichte nicht nur äußerst berührend sondern konnte auch immer wieder mit ihrem einmaligem Humor bei mir punkten. Für mich ist "Stay away from Gretchen" eine wunderbare Entdeckung und zählt jetzt schon zu meinen Lesehighlights in diesem Jahr. Gerne gebe ich dem Roman deshalb 5 von 5 Sternen und eine uneingeschränkte Leseempfehlung!
Ergreifend
von gabrielem - 02.03.2021
Habe schon lange nicht mehr so ein ergreifendes Buch gelesen. Susanne Abel erzählt in diesem fiktiven Roman von einer Liebe die verboten war. Und von den Folgen. Der bekannte Nachrichtenmoderator Tom Monderath erhält einen Anruf. Seine Mutter Greta wurde orientierungslos aufgefunden. Daraus entwickelt sich eine Geschichte, die weit in die Vergangenheit von Greta zurück führt. Vertreibung aus Ostpreußen, die Flucht, die Aufnahme als Flüchtling. Sehr viele Paralellen zur heutigen Zeit. Es gibt viele Bücher über diese Themen. Aber dieses hier ist wirklich etwas ganz besonderes. Endlich konnte ich auch die Geschichte meiner Familie nachvollziehen. Die wurde auch aus Ostpreußen vertrieben. Dieses Buch hat mich tief gerührt. Sehr oft musste ich erstmal meine Tränen trocknen bevor ich weiter lesen konnte. Die Figuren sind sehr gut beschrieben. Ich konnte alles nachvollziehen. Am liebsten hätte ich das Buch in einem Rutsch durchgelesen. Aber ich musste dann tatsächlich zwischendurch aufhören um erstmal über das gelesene nachzudenken.
Wie die Vergangenheit die Gegenwart beeinflusst...
von Mona_14 - 27.02.2021
"Nur wer die Vergangenheit kennt, kann die Gegenwart verstehen und die Zukunft gestalten" (S.11) Das Buch "Stay away from Gretchen", geschrieben von Susanne Abel, handelt von Tom und seiner Mutter Greta, welche an Demenz leidet und nun beginnt von ihrer Vergangenheit zu erzählen. Tom ist Moderator und lebt in Köln, wie auch seine Mutter Greta. Als festgestellt wird, dass Greta Demenz hat, verändert sich Toms Leben abrupt. Er verbringt mehr Zeit mit seiner Mutter, welche die aktuellen Dinge vergisst und wieder in der Vergangenheit lebt. Sie beginnt von ihrem damaligen Leben in Ostpreußen, sowie ihre Flucht nach Deutschland und ihr Leben danach zu erzählen. Das Buch ist von Beginn ab fesselnd, mitreißend und man kann es kaum noch aus der Hand legen. Es erzählt im Wechsel zwischen Gegenwart und Gretas Vergangenheit. Dabei fand ich besonders die Geschichten aus der Vergangenheit spannend, als man mit Greta durch die schweren Zeiten gegangen ist. Außerdem gab es immer wieder überraschende Wendungen, welche nochmals neugierig machten. Insgesamt würde ich das Buch jedem weiter empfehlen, da es zum einen einen unglaublichen in die damalige Zeit, sowie auch einen Einblick in eine allgegenwärtige Krankheit, nämlich Demenz, bietet.
Schmerzhafte Erinnerung
von Bibliomarie - 27.02.2021
Das Buch beginnt mit einem Kapitel, das auf gekonnte Weise Tragik und Komik vereint. Greta Monderath, die betagte Mutter des bekannten Kölner Nachrichtensprechers und Anchorman Tom strandet auf der Autobahn bei Würzburg. Als er sie abholt, merkt er bestürzt die Anzeichen einer Demenz. Aber das wollen weder er noch am wenigsten Greta wahrhaben. Beruflich überlastet und egoistisch gibt sich Tom erleichtert mit ihren Erklärungen zufrieden. Doch während Greta sich immer mehr verliert, drängen Erinnerungen aus ihrer Kindheit unaufhaltsam an die Oberfläche und Tom muss sich dem Gehörten auseinandersetzen. Damit gerät sein Leben komplett aus den Fugen. Die Autorin verflechtet zwei Zeitebenen miteinander. Gretas Leben in den Kriegs- und Nachkriegskriegen mit all dem Elend von Flucht, Vertreibung, Hunger und Entwurzelung. Diese Erinnerungen sind prägend, wurden aber konsequent tief vergraben und so erfährt Tom zum ersten Mal davon und muss schmerzhaft erkennen, dass auch die zweite und sogar die dritte Generation davon geprägt werden. Ein Thema, dem erst in der neueren Zeit Aufmerksamkeit gewidmet wurde und das doch so wichtig ist. Auch habe ich zum ersten Mal von den "Brown Babies" gehört. Ein dunkles Kapitel in unserer Geschichte, denn diese Kinder wurden von amerikanischer und deutscher Seite gleichermaßen diskriminiert. Die Mütter wurden oft zur Adoptionsfreigabe gezwungen und/oder unter Zwangsvormundschaft gestellt. Auch das ein Thema, über das gern geschwiegen wurde. Diese Themen verbinden sich dem Roman zu einer anrührenden, höchst emotionalen Familiengeschichte, die mich gefesselt hat. Das war ein Pageturner, wie ich es mir anfangs nicht vorstellen konnte. Es gab Seiten, da reichte mir ein Taschentuch nicht aus. Und das alles ohne rührselig zu werden oder in Kitsch auszuarten. Das fand ich großartig geschrieben. Die Autorin zieht Parallelen zur Flüchtlingswelle 2015, also 60 Jahre nach der Flüchtlingswelle, in der die Deutschen die Flüchtenden waren und das ist ein eindringlicher Appell. Diesen Roman werde ich nicht so schnell aus dem Gedächtnis verlieren, eine emotionale Familiengeschichte, die sich so oder so ähnlich sicher häufiger zugetragen hat, wobei mir das Happy End, das Frau Abel ihrem Protagonisten Tom gönnt, unnötig erschien.
Meisterhaft erzählt!
von Lea Ratzel - 26.02.2021
Nie hätte ich gedacht, dass sich hinter diesem doch eher schlichten Cover eine derart fesselnde und weitgreifende Geschichte verbirgt, die mich so viel neues gelehrt hat und mir erschütternde Details der deutschen Nachkriegszeit erzählt hat. Als junge Frau Anfang 20 ist der zweite Weltkrieg für mich recht weit weg und erst durch einige Bücher, die ich in der letzten Zeit gelesen habe, habe ich gemerkt, wie wenig ich über diese Zeit eigentlich weiß - über die Standartthemen , die in der Schule gelehrt werden, hinaus. Seitdem interessiere ich mich sehr für Schicksale während und nach des zweiten Weltkrieges und war durch die Inhaltsangabe von Stay away from Gretchen gleich sehr interessiert. Trotzdem war ich nicht vorbereitet auf diese weitgreifende, fesselnde und erschütternde Geschichte, die so viele wichtige Themen abdeckt und dabei dennoch total unterhaltsam war. Für mich ein grandioses Buch, dass ich sicherlich weiterempfehlen werde und vielleicht auch noch einmal lese (Und das tue ich bei historischen Romanen eigentlich nie). Der Einstieg in die Geschichte verläuft über Tom Monderath, einen bekannten Kölner Journalisten, gestresst, alleinstehend und ohne Absicht, sich jemals zu binden. Seine Mutter Greta besucht er regemäßig, doch dann passieren einige witzige Vorfälle und der Verdacht liegt nahe, dass Greta an Demenz erkrankt ist. Die Handlung wird zu Beginn abwechselnd aus Toms und Gretas Sicht erzählt und vor allem aus Toms Sichtweise ist der Schreibstil schon sehr derb und wenig ausgeschmückt. Genau das fand ich aber so toll, weil ich trotz des eher emotionslosen Schreibstils - oder gerade deswegen - sehr viel über Tom erfahren habe und überraschender Weise auch direkt Sympathien zu ihm aufbauen konnte. Allein das finde ich schon eine Meisterleistung, wo der Nachrichtensprecher, dessen Leben aus Hektik, Wutausbrüchen, übermaßigem Alkoholkonsum und Gelegenheitssex besteht und er zu Beginn charakterlich eigentlich wenig überzeugt. Und trotzdem war ich wie gebannt von der Geschichte und erstmal ziemlich überfordert, als die Handlung plötzlich wechselte und man die achtjährige Greta in Ostpreußen kennenlernte, in der Zeit kurz vor dem zweiten Weltkrieg. Nach wenigen Seiten war ich aber auch in diesem Handlungsstrang völlig gefangen, der so ganz anders erzählt war, als zuvor die Geschichte aus Toms Sichtweise und aus der Perspektive der leicht verwirrten, älteren Greta. Die Handlung wechselt sich nun mit jeweils relativ langen Passagen aus Vergangenheit und Gegenwart ab und jedes Mal gelang mir der Wechsel in die jeweils andere Zeit mühelos, es war einfach alles total stimmig, fesselnd und toll erzählt. Während in der Gegenwart Gretas Demenz, Toms eigene psychische Probleme, die Geschichte der Familie und die Flüchtlingskrise 2015/2016 in Deutschland behandelt wurden und vor allem letzteres Thema auf grandiose Art und Weise mit der Flucht der jungen Greta und ihrer Familie aus Ostpreußen verknüpft wurden, behandelte die Geschichte der Vergangenheit so viel mehr als das Leben in Ostpreußen und die Flucht während des Krieges. Es geht um die Nachkriegszeit in der amerikanischen Besatzungszone, um Liebe, Ausgrenzung, Armut, um die sogenannten Brown Babies und die unvorstellbaren Geschichten, die mit diesen Kindern verbunden sind. Selbst den Bogen in die aktuelle Situation der USA, in der Rassismus noch immer ein wichtiges Thema ist, gelingt der Autorin mühelos. Für mich ist das Buch ein absolutes Highlight, das so viel Wissen vermittelt, aber auch die daran geknüpften Emotionen nicht vernachlässigt. Das Buch erzählt von einem ganzen Leben und noch von viel mehr und ist für mich ein wahrer Schatz, über den ich sehr froh bin, ihn entdeckt zu haben. Der Autorin gelingt alles, was ein gutes Buch ausmachen muss. Sie baut eine Beziehung zu den Protagonisten auf, hat einen interessanten Schreibstil, der je nach Situation ganz anders sein kann, erzählt ungeschönt von den damaligen und heutigen großen gesellschaftlichen Problemen, aber auch von den Einzelschicksalen, die daran gekoppelt sind. Die Botschaft des Buches ist für mich, dass wir immer weiter unsere Vergangenheit aufarbeiten müssen, dass wir unsere Erfahrungen an nachfolgende Generationen weitergeben und dass wir auf gar keinen Fall aufhören dürfen, über diese Dinge zu reden und sie zu verarbeiten.
Überraschend berührend
von rebecca197828 - 25.02.2021
Als ich anfing das Buch zu lesen, hatte ich eine andere Vorstellung von der Story. Mir war bewusst, dass es ein schwieriges und auch trauriges Thema ist, wenn ein Mensch dement wird. Allerdings ist der Schreibstil von so viel charmantem Witz geprägt, dass ich echt überrascht war, als die Geschichte auch die traurige Vergangenheit einer Flüchtlingsfamilie, insbesondere Gretas Vergangenheit so miterlebbar erzählt wurde. Je Kapitel wechselt das Buch zwischen der heutigen Zeit (hier 2005) und Gretchens Vergangenheit. Dies irritierte mich zuerst etwas, verursachte aber, dass ich einfach immer weiter lesen wollte. Der schmerzliche Verlust des verschollenen Vaters, die Flucht aus Ostpreußen, die Zeit nach dem Krieg in Heidelberg und das damit verbundene Kennenlernen der großen Liebe wird jetzt nach und nach erzählt. Gretchens Sohn Tom hatte keine Ahnung und findet die tragische Geschichte über ein kleines dunkelhäutiges Mädchen heraus, dessen Foto er entdeckt hatte. Die heutige Zeit und auch die Vergangenheit scheinen sehr gut recherchiert und so habe ich zum ersten Mal vom Brown Baby Plan gehört. Die Vorstellung, wie viel Leid damit Kindern, Müttern und auch Vätern zugefügt wurde, macht mich sprachlos. Ich bin von dem Buch wirklich sehr angetan und kann es durchaus weiterempfehlen. Es ist nicht das letzte Buch, welches ich von Susanne Abel lesen werde.
von Nele33 - 25.02.2021
Was geschieht wenn die eigene Mutter dement wird? Diese Frage wirft das Buch der Autorin Susanne Abel Stay Away From Gretchen auf. Tom Monderath, ein bekannter Fernsehmoderator wird mit der schnell zunehmenden Demenz seiner Mutter Greta konfontiert. Greta, die sich immer mehr in der Vergangenheit verliert und ihrem Sohn Erinnerungsfetzen aus ihrer Vergangenheit erzählt. Eine KIndheit und Jugend die geprägt wurde vom 2 Weltkrieg und der Nazi-Zeit. Erzählt wird die Geschichte in zwei Zeitsträngen, der Gegenwart der 84 jährigen Greta und ihrem Sohn Tom, dessen Leben durch die schnell fortschreitende Demenzerkrankung seiner Mutter durcheinandergewirbelt wird. Der zweite Erzählstrang beschäftigt sich mit dem Krieg und Gretas Leidensweg bis in die 50-iger Jahre. Eine Leben welches geprägt wird durch Angst, der Flucht, einen tyrannischen Vater und einer Liebe, die so nicht sein durfte. Stay away from Gretchen ist ein sehr berührender Roman, der sich mit einem Teil der deutschen Vergangenheit beschäftigt über den bis heute viel zu wenig bekannt ist und gesprochen wird.
Ganz stark
von raschke64 - 24.02.2021
Tom ist ein sehr bekannter Fernsehjournalist und Anchorman. Er hat keine eigene Familie und lebt sein Leben sehr rasant, viel Arbeit, belanglose Affären. Es ist ihm unheimlich peinlich, dass seine 85-jährige Mutter auf der Autobahn aufgegriffen wird. Die Untersuchungen ergeben, dass sie an Alzheimer-Demenz leidet. Anfangs verdrängt er das noch, doch mehr und mehr häufen sich die Probleme. Gleichzeitig erzählt die Mutter ihm Sachen aus der Vergangenheit, die sie bis jetzt konsequent verschwiegen hat. Ich empfand das Buch als ganz stark. Und das aus mehreren Gründen. Da wird diese schreckliche Krankheit Alzheimer gut geschildert, ohne die Probleme, die entstehen, zu verschweigen. Aber ebenfalls auch, ohne die betroffene Person irgendwie lächerlich zu machen selbst bei den Dingen, die sie tut und die auf den ersten Blick lächerlich erscheinen. Dann geht es um die schrecklichen Erlebnisse, speziell der Frauen, im Zweiten Weltkrieg und in der Zeit danach. Wie sie eine Weile eine Art Freiwild waren, die Familien verloren oder als einzige für sie sorgen mussten, auf ihre Männer warteten. Auch die speziellen Beziehungen zwischen den afroamerikanischen Soldaten und deutschen Mädchen und Frauen sind unsentimental, aber mit sehr viel Gefühl beschrieben. Die aus diesen Beziehungen entstandenen Kinder sind einfach nur zu bedauern. Was sie durchgemacht haben, kann man sich heute überhaupt nicht mehr vorstellen. Umso wichtiger ist es, dass dieses Thema wenigstens heute beschrieben wird. Das Besondere an dem Buch ist, dass solche schwerwiegenden Themen angesprochen werden, ohne dass das Buch den Charakter der Unterhaltung verliert. Man kann die Geschichte gut lesen, ist immer wieder berührt und lernt nebenbei noch unheimlich viel. Für mich das einzige Manko war die Beschreibung von Tom, vor allem am Anfang des Buches. Dort fällt er sehr in das Klischee eines alleinstehenden reichen Machos mit wenig Gefühl. Das hätte es gar nicht bedurft, um die Wandlung im Laufe des Buches darzustellen. Alles in allem gibt es von mir eine absolute Leseempfehlung und das Buch ist für mich das erste große Lesehighlight in diesem Jahr.
Jetzt erst recht!
von Tintenherz - 23.02.2021
Das Cover ist eher schlicht für diese herausragende Geschichte gestaltet. Der Schreibstil liest sich leicht verständlich und sehr flüssig. Das Buch erzählt in 2 Handlungssträngen von Greta, die Ende des 2. Weltkrieges als Jugendliche mit ihrer Familie von Ostpreußen nach Heidelberg flüchtet, um dort neu anzufangen. In der Gegenwart im Jahre 2015 merkt der bekannte Nachrichtensprecher Tom Monderath, Gretas Sohn, dass seine 84-jährige Mutter an Demenz erkrankt und versucht alles, um ihr zu helfen. Hier werden große Themen, wie z. B. die Flüchtlingskrise und Rassenkonflikte damals und heute, angesprochen. Die Geschichte einer liebenden Frau in schweren Zeiten wird mitreißend, tragisch und bewegend erzählt. Der Schrecken des Krieges ist sehr deutlich und detailliert zu spüren. Gretas direkte Art ist sehr erfrischend und die Wellen ihrer Erinnerungen reißen den Leser auf der Reise in ihre Vergangenheit mit. Auch wenn die Thematik in diesem Buch sehr ernst ist, gibt es doch des öfteren auch einen Grund zum Schmunzeln. Fazit: Ein herausragender emotionaler Roman für bewegte Lesestunden!
Berührend und bereichernd
von carola1475 - 23.02.2021
Der bekannte Fernseh-Moderator und Journalist Tom sieht sich mit der Demenz seiner Mutter Greta konfrontiert und stößt beim Sichten ihrer Unterlagen auf ihm bisher unbekannte Ereignisse in der Vergangenheit seiner Mutter, die jedoch auch seine eigene Kindheit und Jugend geprägt und vielleicht auch seinen Lebensstil begründet haben. Tom findet heraus, warum Greta Zeit seines Lebens traurig und psychisch krank war und erst die Demenz "lässt den Betondeckel vergessen, den sie über ihr Leid schieben musste, um weiterleben zu können" (Zitat aus dem Nachwort). Es gibt zwei Erzählstränge, zum einen die Gegenwart, zum anderen die Vergangenheit: Gretas Kindheit zu Beginn des Krieges im heimatlichen Ostpreußen, die Flucht Richtung Westen vor den Russen am Ende des Krieges und die weiterhin entbehrungsreichen Nachkriegsjahre in Heidelberg, wo Greta als junge Frau den schwarzen GI Bob kennen und lieben lernt. Neben der Demenz der alten Mutter und der Umkehrung der Eltern-Kind-Rollen im gegenwärtigen Handlungsstrang, werden auf beiden Zeitebenen weitere wichtige Themen wie Rassismus, Flüchtlingselend, Ausgrenzung, der Führerkult, aber auch der Mut Einzelner behandelt. Die Tatsache, dass die schwarzen GIs in Europa viel freier waren als in ihrer Heimat, wo es die strikte "Rassen"trennung gab, hatte ich mir vorher nie bewusst gemacht und auch die Geschichte um die Brown Babies war mir unbekannt gewesen. Das entsetzliche Unrecht, das unverheirateten Müttern und nicht-ehelichen Kindern, insbesondere "Mischlingskindern", geschah, wird, am Einzelschicksal geschildert, dem Leser schmerzhaft bewusst. Susanne Abels Schreibstil ist flüssig und sehr angenehm zu lesen, die Protagonisten und ihre Entwicklung werden authentisch und glaubhaft beschrieben. Die lebensnah geschilderten einzelnen Begebenheiten könnten sich genau so zugetragen haben. Und auch die Demenz bei uns selbst oder einem Angehörigen liegt jederzeit im Rahmen der Möglichkeiten... Der Roman hat mich tief berührt und sehr bereichert.
Eine sehr bewegende Geschichte
von Maria_21 - 22.02.2021
Bisher kannte ich die Autorin Susanne Abel nicht und war umso erstaunter über ihren Roman "Stay away from Gretchen". Die Autorin erzählt einfühlsam und spannend eine Geschichte über die aktuellen Ereignisse von Krieg, Flucht und Vertreibung, die sie geschickt mit historischen Zeiten verbindet. Inhalt: Der bekannte Kölner Nachrichtenmoderator Tom Monderath macht sich Sorgen um seine 84-jährige Mutter Greta, die immer mehr vergisst. Was anfangs ärgerlich für sein scheinbar so perfektes Leben ist, wird unerwartet zu einem Geschenk. Nach und nach erzählt Greta aus ihrem Leben - von ihrer Kindheit in Ostpreußen, der Flucht vor den russischen Soldaten im eisigen Winter, der Sehnsucht nach dem verschollenen Vater und ihren Erfolgen auf dem Schwarzmarkt in Heidelberg. Als Tom jedoch auf das Foto eines kleinen Mädchens mit dunkler Haut stößt, verstummt Greta. Zum ersten Mal beginnt Tom, sich eingehender mit der Vergangenheit seiner Mutter zu befassen. Nicht nur, um endlich ihre Traurigkeit zu verstehen. Es geht auch um sein eigenes Glück. Meine Meinung: Auf zwei Zeitebenen erzählt die Autorin die Geschichte von Greta. In der Gegenwart ist Greta bereits 84 Jahre alt, die aufgrund ihrer Alzheimer Demenz Erkrankung das Leben ihres Sohnes Tom ganz schön durcheinander wirbelt. Für Greta versinkt die Gegenwart immer mehr im Dunkeln und sie fängt an, sich mit ihrer Vergangenheit auseinander zu setzen. Gretas Erinnerungen beginnen mit ihrer Kindheit, die vom Krieg und der Flucht vor den Russen aus Ostpreußen geprägt ist. Ihre vermeintliche Rettung in Heidelberg, die jedoch auch mit sehr viel Leid verbunden war. Nach Kriegsende wurde Heidelberg von den afroamerikanischen GIs besetzt, die sich jedoch den Deutschen gegenüber, hilfsbereit verhielten. Hier findet Greta ihr vermeintliches Glück mit Bob und als sie schwanger wird, kommt ihr Vater aus der russischen Gefangenschaft, nach Hause. Gretas Vater entwickelt sich zum Tyrannen. Greta flieht aus der elterlichen Wohnung und muss schweren Herzens ihre Tochter Marie in ein Waisenhaus geben. Sie erlebt als Mutter ganz schreckliche Zeiten, da sie kein Besuchsrecht für ihre Tochter erhält und von den Menschen, verabscheut wird.. Bob, der nach Amerika gereist ist um seine Papiere regeln zu können, kommt nicht mehr zurück nach Heidelberg. Die schwerste Zeit für Greta ist angebrochen. Sie hat alles verlorenen und daran zerbricht sie fast. Tom wird immer hellhöriger und sein Interesse als Sohn aber hauptsächlich als Journalist ist geweckt. Dinge, die Tom noch nie von seiner Mutter gehört hat, kommen ans Tageslicht. Nur so ganz langsam wird ihm klar, was für ein abenteuerliches und entbehrungsreiches Leben seine Mutter, die mit ihrer Familie in Heidelberg einen vermeintlich sicheren Hafen gefunden hatte, führen musste. Als er in Gretas Führerschein ein Bild eines kleinen Mädchens mit dunkler Hautfarbe findet, fängt er an zu recherchieren und stößt auf ungeheuerliches. Über das Thema Adoptionen habe ich ja schon viel gelesen aber über die Brown Babys wusste ich so gar nichts und konnte mich richtig in die Lage von Tom versetzen. Erst jetzt konnte er das seltsame Verhalten seiner Mutter aus seiner Kindheit verstehen und selbst seinen Frieden finden. Fazit: Die Autorin hat mit ihrem einfühlsamen Schreibstil hier eine sehr bewegende und gut recherchierte Geschichte geschrieben. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen und hatte viele ergreifende Lesestunden. Von mir eine klare Leseempfehlung!
Großartig und wahnsinnig berührend
von Kittys Kiste - 22.02.2021
Obwohl ich mir diesen Roman selbst ausgewählt hatte, hatte ich überhaupt keine Ahnung, wohin mich die Geschichte wohl führen würde. Mehr als den Klappentext hatte ich mir dazu nämlich nicht durchgelesen und der verrät zwar einiges, aber bei Weitem nicht, wie großartig die Geschichte eigentlich ist. Schon der Schreibstil der Autorin konnte mich sofort überzeugen. Sie schreibt nämlich schön leicht, teilweise humorvoll und teilweise sehr ernst. Sie schreibt aber auch sehr bildlich und mitreißend. Ich konnte das Buch jedenfalls kaum zur Seite legen und hatte es trotz der relativ vielen Seiten auch recht schnell durchgelesen. Genauso hat mir die Geschichte, welche in zwei Zeitsträngen, nämlich ab 2015 und ab 1939 erzählt wird, einfach sensationell gut gefallen. Hier begleitet man 2015 Tom Monderath, einen eingefleischten Junggesellen durch seinen Alltag, der beinahe nur aus seiner Arbeit besteht, aber auch immer mehr aus der Sorge um seine Mutter Greta, bei welcher sich recht schnell Symptome einer Demenz zeigen, was Toms Leben ganz schön durcheinanderwirbelt. Besonders spannend wird es dabei, als er mehr und mehr der Geschichte seiner Mutter auf die Spur kommt, einer Geschichte, welche einfach wahnsinnig emotional und traurig ist, aber auch ihre humorvollen Seiten hat. Diese Geschichte wird im anderen Zeitstrang ab 1939 erzählt, welcher bis in die fünfziger Jahre hinein reicht. Dabei erlebt man Gretas Kindheit im Krieg, ihre Flucht und ihr neues Leben als Teenager nach dem Krieg. Man bekommt mit, wie sie sich das erste Mal verliebt und wie ihr Leben zusammenbricht, bis nicht mehr viel übrig bleibt. Dieser Zeitstrang hat mich einfach komplett zerstört, mich einige Male zum Weinen gebracht und ganz schnell konnte ich dem Buch seine einzelnen kleinen Längen vergeben, weil es mich so sehr berührt hat. Überhaupt finde ich, dass die Autorin mit ihrem Buch einfach komplett richtig liegt, denn die Themen, die darin angesprochen werden, sind genauso aktuell wie damals während und nach dem Zweiten Weltkrieg. Zudem habe ich extrem viel darüber erfahren, wovon man sonst nicht viel hört, denn ich glaube, vieles davon wissen die meisten gar nicht. Das Ende der Geschichte hat mich dann komplett umgehauen, hat mich wahnsinnig berührt und ich habe geheult wie ein Schlosshund. Die Charaktere in diesem Buch mochte ich ebenfalls einfach super gern. Diese sind einfach großartig und realistisch geschrieben. Greta ist eine resolute Frau, die sich nichts vorschreiben lässt und die mir mit ihrer unwirschen Art einfach ans Herz gewachsen ist. Tom wirkt ein bisschen grummelig, hat aber ein gutes Herz, was man allerdings erst mit der Zeit so richtig merkt, da man ihn erst richtig kennenlernen muss. Dann gibt es noch Bob, einen wirklich tollen und hilfsbereiten Typen, Helga, Gretas kettenrauchende aber herzliche Nachbarin und die anstrengende Jenny, die eigentlich gar nicht so anstrengend ist. Allesamt mochte ich einfach extrem. Alles in allem muss ich sagen, dass das Buch zwar ein paar Längen hat und ich deshalb auch einen Stern abziehe, aber es dennoch ein absolutes Highlight für mich war, da es mich berührt und gleichzeitig oftmals zum Lachen gebracht hat, weil die Charaktere so toll sind und das ganze Buch einfach ein richtiger Schatz voller unbekannter, nicht nur deutscher, Geschichte ist.
Greta und Tom
von Lesemone - 22.02.2021
Ein sehr einfühlsam geschriebener Roman, der sich um aktuelle und wichtige Themen dreht. In zwei Handlungssträngen erzählt Susanne Abel die Geschichte von Greta. In der Gegenwart ist Greta eine alte Frau, die aufgrund ihrer Alzheimer das Leben ihres Sohnes Tom ganz schön durcheinander wirbelt. Im Vergangenheitsstrang wird die Lebensgeschichte von Greta erzählt. Hier kommt das aktuelle Thema Flüchtlingspolitik zum Vorschein. Es gibt erstaunlich viele Gemeinsamkeiten zu der Zeit nach dem 2. Weltkrieg. Viele Bücher hören mit dem Ende des 2. Weltkriegs auf, aber hier fängt die Geschichte von Greta erst richtig an. Die Hintergründe zu dem kleinen Mädchen auf dem gefundenen Bild sind erschütternd und dieses Kapitel deutscher und amerikanischer Geschichte war mir bisher unbekannt. Es zeigt aber auch, dass das Thema Rassismus schon immer präsent war. Mir hat besonders der Schreibstil der Autorin gefallen. Er ist sehr abwechslungsreich, denn das Buch ist trotz der ernsten Themen sehr humorvoll und charmant geschrieben, wobei es auch etwas traurigere Stellen gibt. Die Charaktere sind sehr gut gezeichnet, vor allem Greta zaubert einem immer ein Lächeln auf die Lippen. Der heimliche Star des Buches war für mich Nachbarin Helga, ohne sie wären Greta und Tom aufgeschmissen gewesen! Ich hätte noch ewig weiterlesen können, weil ich von der ersten Seite an total gefesselt war. Ein rundum gelungener Roman!
Nachdenken und Innehalten
von Petra Wiechmann - 21.02.2021
Es ist eine fiktive Geschichte die in der Nachkriegszeit sehr oft geschehen sein kann. Die Autorin hat sich die Geschichte ihrer Mutter als Beispiel genommen. Für meine Generation ist das Buch vielleicht hilfreich, denn meine Mutter hat über viele Dinge in ihrer Jugend geschwiegen, während meine Schwiegermutter die mehr als 10 Jahre älter war viel erzählt hat. Demenz oder Alzheimer als Geschenk zu betrachten, mutet mir sehr seltsam an, aber die Autorin erklärt in ihrem Nachwort warum. Tom ist ziemlich lange eine grauenhafte Figur obwohl er sich um seine Mutter bemüht. Er ist übersättigt mit seinen Erfolgen und infolgedessen der Meinung niemand ist besser als er. Wenn es nicht nach seinem Willen geht ist er beleidigt. Trotz allem fasziniert er mich als Leserin. Greta dagegen ist in den Rückblenden ein Kind ihrer Zeit, erst begeistertes Jungmädchen, dann ein Flüchtlingskind am Ende eine vom Schicksal gebeugte Frau. Die Vergleiche die die Autorin zwischen den Flüchtigen 1945/46 und den Asylsuchenden 2015 zieht sind bedrückend. Die Bilder von den Gesichtern der Menschen die beim Lesen vor den Augen entstehen sind sehr ähnlich. Die Autorin hat einige anstrengende Themen aufgegriffen und gut zusammen geführt. Ein Buch zum Nachdenken und Innehalten, vielleicht sogar eine Hilfe zum Verstehen.
Tief berührend
von flieder - 21.02.2021
Selten hat mich ein Buch so mitgerissen. Die Autorin Susanne Abel, die mir bis dahin völlig unbekannt war, hat gleich zwei Themen aufgegriffen, die in unserer Gesellschaft leider oft totgeschwiegen werden. Zum Inhalt des Buches: Der in Köln sehr bekannte Nachrichtenmoderator Tim Monderath, der auch gerne mal über die Stränge schlägt, muss sich mit der Nachricht auseinander setzen, dass seine 84 jährige Mutter Greta unter Demenz leidet. Für Greta versinkt die Gegenwart immer mehr im Dunkeln. Allerdings wird die Vergangenheit immer präsenter. Ihre Kindheit, die vom Krieg und der Flucht vor den Russen aus Ostpreußen geprägt ist, nimmt in ihrem Kopf immer mehr Raum ein. Dinge, die Tom noch nie von seiner Mutter gehört hat, kommen ans Tageslicht. Nur so ganz langsam wird ihm klar, was für ein abenteuerliches und entbehrungsreiches Leben seine Mutter, die mit ihrer Familie in Heidelberg einen vermeintlich sicheren Hafen gefunden hat, führen musste. Tom wird immer neugieriger und sein Interesse als Journalist ist mehr als geweckt. In den Unterlagen, von denen sich Greta nie trennen konnte, findet er das Bild eines kleinen Mädchens mit dunkler Hautfarbe. Doch die Fragen, die er dann seiner Mutter stellt bleiben unbeantwortet und Greta zieht sich immer mehr in ihr Schneckenhaus zurück. Wie oben schon erwähnt hat mich dieses Buch absolut begeistert. In zwei Zeitebenen, einmal 1939 bis weit in die Nachkriegsjahre und 2015, beschreibt Susanne Abel die mitreißende Geschichte von Gretas Leben. Ihren Schmerz, den sie so manches Mal erleben musste, ist fast mit Händen zu greifen und rührt zu Tränen. Aber auch das Verdrängen von Tom, angesichts der Krankheit seiner Mutter, ist gut beschrieben und durchaus realistisch. Sehr gerne vergebe ich 5 von 5 möglichen Sternen und empfehle dieses Buch auf jeden Fall weiter
Eindrücklich
von lifeistardisblue - 17.02.2021
Dement? Die eigene Mutter? Das erscheint dem bekannten Nachrichtensprecher Tom Monderath zu absurd, um weitere Gedanken daran zu verschwenden. Dennoch muss auch er schließlich erkennen, dass er sich zu schnell durch die Kompensationsstrategien von Greta Monderath hatte blenden lassen. Durch ihren zunehmenden Unterstützungsbedarf erhält der Journalist bisher ungekannte Einblicke in Vergangenheit und Leben der seiner Mutter und muss erkennen, dass diese auch in seinem Leben einige blinde Flecken hinterlassen haben. Susanne Abel hat ihren Roman auf zwei Ebenen aufgebaut. Den Rahmen bildet die Handlung um Tom Monderath im Jahr 2015, in die die Autorin kapitelweise Rückblenden in die Lebensgeschichte seiner als Greta Schönaich geborenen Mutter ab Beginn des zweiten Weltkriegs eingebettet hat. Die so entstandenen Handlungsebenen unterscheiden sich auch in der Aufbereitung durch die Autorin deutlich in Sprache, Stil und Tiefe. Einen Bogen spannt nicht nur die Familiengeschichte der Monderaths, sondern auch die zu beiden Zeitpunkten brisante Flüchtlingsthematik. Dabei gelang die Umsetzung der beidenen Ebenen nicht gleichermaßen stimmig. Während die Rückblenden in Kindheit und Jugend Greta Schönaichs unbarmherzig und dennoch äußerst gefühlvoll beschrieben sind und mich so sehr gefesselt und mitgerissen haben, erscheint mir die Gegenwart Tom Monderaths nahezu plump. Sowohl Charaktere, als auch Handlung in diesem Erzählstrang erscheinen mir nicht mit der gleichen Konsequenz ausgearbeitet. Dazu bleibt die Charakterentwicklung des Moderators flach und tritt für meinen Geschmack zu gewollt und plötzlich ein. Dennoch gleicht die Handlung um die junge Greta so manche Schwäche der Rahmenhandlung mühelos aus. Die Autorin beschreibt schockierend unverklärt Haltungen und Gefühlslagen in der deutschen Bevölkerung. Emotionen und Empfindungen werden beim Lesen einerseits greifbar und lösen dennoch auch Ablehnung und Unverständnis aus. Stay away from Gretchen von Susanne Abel ist trotz stellenweiser Schwächen ein sehr gelungener und lesenswerter Roman, der vor allem durch die anklingenden Themen lange nachwirkt. Klare Leseempfehlung, jedoch halte ich eine Triggerwarnung wegen der Darstellung von Gewalt und der Beschreibung rassistischer Handlungen für notwendig.
Bewegend und berührend
von karo_liest - 17.02.2021
Tim Monderath ist ein erfolgreicher, sehr bekannter Nachrichtensprecher aus Köln. Er ist Single, führt ein selbstbestimmtes Leben, muss und vor allem will sich von niemandem etwas vorschreiben lassen. Sein Alltag ändert sich, als sich herausstellt,  dass seine fast 85-jährige Mutter Greta dement ist. Mehr und mehr taucht Greta in ihre Vergangenheit ein und erzählt von Ereignissen und Personen, die bisher kein Thema in der Familie waren. Besonders gravierend ist die Situation, in der das Foto eines dunkelhäutigen Mädchens in Gretas Unterlagen auftaucht. Toms Mutter reagiert verstört - und nun beginnt ihr Sohn zu recherchieren. Susanne Abel hat einen beeindruckenden und zu Tränen rührenden Roman geschrieben, der vor allem tief in die Nachkriegszeit eintaucht. Die Autorin erzählt von den 50er-Jahren, von Hungersnöten, vom Schwarzmarkt, von den amerikanischen GIs und ihren deutschen Freundinnen. Und sie erzählt vor allem von den Kindern, die aus diesen Beziehungen entstanden sind. Kinder mit schwarzer Hautfarbe, die in Deutschland ausgegrenzt wurden. Die Geschichte spielt auf zwei Zeitebenen. Ein Erzählstrang beschreibt unsere Gegenwart im Jahr 2015 und greift die Flüchtlingskrise auf. Der andere Strang blickt zurück in die Vergangenheit und beginnt 1939 in Ostpreußen. Das Buch hat mich zutiefst berührt und vor allem gerührt. Es ist ein Roman, den ich jedem nur ans Herz legen kann. Für mich hat er das Zeug zum Bestseller. Absolut empfehlenswert! Die Lektüre ist im dtv Verlag erschienen und hat 528 Seiten.
Echo der Vergangenheit
von Kerstin Wagner - 16.02.2021
Die Mutter des bekannten Fernsehmoderators Tom Monderath verirrt sich auf der Autobahn und glaubt, dass ihr Zuhause Eylau in Ostpreußen ist. Anfangs klammert sich Tom noch an die Hoffnung, dass der verwirrte Zustand seiner Mutter auf die hohen Temperaturen des heißen Sommers zurückzuführen ist. Das passt auch besser in das unstete Leben, das er führt. Mit der Zeit muss er sich aber damit auseinandersetzen, dass seine Mutter an Demenz leidet und ihr mehr Zeit widmen. Dann findet er Briefe und Bilder aus der Zeit nach dem zweiten Wletkrieg und bevor Greta immer mehr vergisst, erzählt sie ihrem Sohn von ihrer Kindheit in Preußisch-Eylau, ihren Eltern, Großeltern und der schrecklichen Flucht vor den Russen im eisigen Winter. Sie erzählt aber auch darüber, wie sie in Heidelberg lebt und den amerikanischen GI Robert Cooper kennenlernt. Später entdeckt Tom das Foto eines dunkelhäutigen Mädchens und Greta hüllt sich in Schweigen. Da begreift Tom, dass er sich auf eine Reise in die Vergangenheit seiner Mutter begeben muss, um ihre Trauer und das Verdrängen zu verstehen und ihr zu helfen. Susanne Abel ist es gelungen, eine kraftvolle Erzählung aufzubauen. Ein bewegender Roman, der in zwei Zeitebenen spielt und von einer großen Liebe sowie vom Schicksal mehrerer Generationen erzählt. Die Autorin greift dabei verschiedene Teile deutscher Geschichte auf, das Trauma des zweiten Weltkrieges ebenso wie die Not der Menschen in der Zeit danach. Darüber hinaus wird die Flüchtlingsbewegung des Jahres 2015 angerissen. Die schwierige Situation des Umgangs mit Demenzkranken nimmt am Beispiel von Tom und seiner Mutter Greta einen breiten Raum ein. Die Vorurteile und Rassenkonflikte in den USA, aber auch zum großen Teil in Deutschland nach dem 2.Weltkrieg und bis hinein in die 50er- Jahre, sind ein weiteres großes Thema und haben mich sehr bewegt. Die Autorin hat Vergangenheit und Gegenwart eng miteinander verknüpft. Tom und seine Mutter Greta kommen dabei aus wechselnden Perspektiven zu Wort. Susanne Abel hat ihre Protagonisten liebevoll und sehr authentisch gezeichnet. Neben Greta sind mir besonders ihre geliebten Großeltern ans Herz gewachsen, die gegen viele Widerstände immer für ihre Enkelin da waren. Dazu zählt aber auch Tom, der in seiner Sorge um Greta immer sympathischer wird und schließlich das Geheimnis um eine wahre, verbotene Liebe aufdeckt, die das Schicksal von Menschen nachhaltig geprägt hat. Stay away from Gretchen - Eine unmögliche Liebe hat mich tief berührt und besitzt aus meiner Sicht das Potential, sich zu einem Bestseller zu entwickeln. Ich vergebe fünf Sterne und spreche unbedingt eine Kaufempfehlung aus.
Ein kluges Buch
von Steffi Kohl - 15.02.2021
Das Buch behandelt auf 500 Seiten viele interessante und gleichzeitig unbequeme Themen . Die wichtigsten sind Alzheimer bzw. Demenz sowie Traumata durch Krieg und flucht. Es geht aber auch um die Frau in der westdeutschen Geschichte und um Rassismus nach dem Zweiten Weltkrieg. Demenz ist an sich schon ein schwieriges Thema. Dies in einem Roman zu tun , erfordert einen sehr einfühlsamen und respektvollen Umgang mit den betroffenen und dem Leser. Der Autorin Susanne Abel ist das gut gelungen. Man merkt , dass sie sich mit Dokumentationen gut auskennt. Sie beschreibt die Situation aus Toms, als auch aus Gretas Sicht . Beide haben starke Probleme , zu akzeptieren , dass ihr Leben plötzlich ein völlig anderes wird. Dabei verknüpft die Autorin gekonnt Ereignisse aus dem Jahr 2015 mit der Geschichte der Kriegs- und Nachkriegszeit und gießt sie in eine Form, die durch ihrem klaren und direkten Schreibstil den Leser zu fesseln und stark zu berühren vermag. Welch ein emotionaler Satz : Sie vergaß auch den Betondeckel der ihre Erinnerungen verschloss, und eine Welt trat hervor, die sonst geheim streng gehalten wurde . Die Autorin schreibt auch deshalb so glaubwürdig , weil sie selbst Erfahrung mit der Alzheimerkrankheit ihrer Mutter sammeln musste. Die Geschichte der Brown Babies kannte ich bisher nicht - ich denke vielen Lesern wird es so gehen. Dieser Teil der deutschen Nachkriegsgeschichte ist bedrückend , aber ich bin aber froh, dass er mir durch diesen Roman näher gebracht wurde. Mit dem klugen Zitat Willy Brands : Geschichte, wie bitter sie auch sein mag, ist Realität, die täglich in unserer Gegenwart und die in unserer Zukunft fortwirkt. beginnt der Roman und er ist ein gutes Schlusswort. Stay away from Gretchen von Susanne Abel ist ein kluger Roman.
Berührend
von dbrown - 14.02.2021
Susanne Abel hat ein Buch geschrieben, dass meiner Meinung nach in den Unterrichtskanon der Schulen gehört. Ihr gelingt es die Geschichte Deutschlands der letzten 75 Jahre, mittels Fakten und Fantasie, in eine Form zu gießen, die jeden der sie liest zutiefst berührt. Gekonnt verknüpft sie Gegenwart mit Vergangenheit. Der Kölner Nachrichtenmoderator Tom Monderath wird mit der Tatsache konfrontiert, dass seine Mutter Grete an Alzheimer erkrankt ist. Dies für sich allein ist, wie man weiß, schon keine einfache Situation. Doch nun kommt Tom mit einer Zeit im Leben seiner Mutter in Berührung, die sie bisher beharrlich verschwiegen hatte. Sie vergaß auch den Betondeckel der ihre Erinnerungen verschloss, und eine Welt trat hervor, die sonst geheim streng gehalten wurde . Ähnlich formuliert die Autorin ihre eigene Erfahrung mit der Alzheimerkrankheit ihrer Mutter im Nachwort. Ein wunderbarer Satz. Und Grete beginnt zu erzählen: Von ihrer Flucht vor den Russen, ihr hartes Leben als mittelloser Flüchtling im Westen. Und eine geheime große Liebe kommt ans Tageslicht. Dies wird Toms Leben für immer verändern, und ihn endlich glücklicher machen als er es sich je vorstellen konnte. Fünf Sterne!
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