In kalter Absicht als Taschenbuch
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In kalter Absicht

von Anne Holt
Kriminalroman. Originaltitel: Det som er mitt.
Taschenbuch
Es geschah am helllichten Tage ...
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In kalter Absicht als Taschenbuch

Produktdetails

Titel: In kalter Absicht
Autor/en: Anne Holt

ISBN: 349223917X
EAN: 9783492239172
Kriminalroman.
Originaltitel: Det som er mitt.
Übersetzt von Gabriele Haefs
Piper Verlag GmbH

1. Juni 2003 - kartoniert - 368 Seiten

Beschreibung

Packend und beklemmend zugleich ist der brisante Kriminalroman der Bestsellerautorin Anne Holt über eine Serie von dramatischen Entführungsfällen: Am helllichten Tag verschwindet in Oslo die kleine Emilie, wenig später wird der fünfjährige Kim vermisst. Schließlich findet man den Jungen tot auf, mit einem rätselhaften Zettel in der Hand. Hauptkommissar Stubø beschließt, die sensible Psychologin Inger Vik einzuschalten. Schließlich erinnern die Umstände fatal an den Fall, in dem sie gerade recherchiert: ein Verbrechen, das über 40 Jahre zurückliegt ...

Portrait

Anne Holt, 1958 geboren, wuchs in Norwegen und in den USA auf. Als freie Autorin lebt sie heute mit ihrer Familie in Oslo. Ihre vielfach preisgekrönten Kriminalromane werden in alle großen Sprachen übersetzt und machen sie mit über 7 Millionen verkauften Exemplaren zu einer der erfolgreichsten skandinavischen Autorinnen weltweit. Ihre beiden Serien um Inger Vik und Hanne Wilhelmsen genießen Kultstatus und wurden erfolgreich verfilmt.

Pressestimmen

"Gegen diesen Serienkiller-Thriller ist 'Das Schweigen der Lämmer'; eine Gute-Nacht-Geschichte. Hätte Anne Holt mit Inger Vik nicht eine absolut vertrauenerweckende Heldin in die böse Welt geschickt, man würde nach der Lektüre ihres neuen Psychokrimis kein Auge mehr zukriegen.", Brigitte 20151120

Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung vom 15.03.2002

Der Kurier des Klaren
Makabre Paketlösung: Anne Holt beschreibt den perfekten Mord

Den Anstoß gab, wie häufig bei einem Stück schlüssiger Fiktion, ein tatsächliches Vorkommnis. Ende der dreißiger Jahre war in Norwegen ein Mann namens Ingvald Hansen, dem die Anklagebehörden vorwarfen, ein siebenjähriges Mädchen vergewaltigt und ermordet zu haben, zu einer lebenslänglichen Gefängnisstrafe verurteilt worden. Vieles jedoch schien darauf hinzudeuten, daß dieser Mann einem Justizirrtum zum Opfer gefallen war, nicht zuletzt die Tatsache, daß er nach gut zehn Jahren Haft unter völlig ungeklärten Umständen wieder auf freien Fuß gesetzt wurde.

Selbst diese dürre Faktenlage genügte der versierten Autorin von Kriminalromanen, der Journalistin, Juristin und kurze Zeit norwegischen Justizministerin Anne Holt, ihre Phantasie so kreisen zu lassen, daß eine plausible Geschichte entstand, in welcher der Leser auf Anhieb gefangen ist. Mit ihrem Roman "In kalter Absicht" verabschiedet sich Anne Holt von der ermittelnden Hauptfigur ihrer bisherigen Bücher, der Osloer Hauptkommissarin Hanne Wilhelmsen, und bringt eine Psychologin ins Spiel, deren Verstand und Spürsinn alles andere als allmächtig sind und die mindestens so sehr mit sich zu tun hat wie mit dem komplizierten Fall, in den der Kommissar Yngmar Stubø die sich heftig Sträubende zieht. Inger Johanne Vik - der Roman tituliert sie fast durchgängig immer mit beiden Vornamen - weigert sich nämlich entschieden, als das zu fungieren, was die Amerikaner "Profiler" nennen: psychologisch geschulte Spezialisten, denen ein tiefer Blick auf Opfer, Tatumstände und Milieu des Verbrechens genügt, um die Psyche des Täters zu durchschauen.

Inger Johanne Vik gebricht es ebenso wie dem Kommissar Stubø an derlei Eingebungen. Ihnen bleibt nur die akribische Kleinarbeit, Schritt für Schritt, so mühselig diese auch sein mag. Drei Kinder sind in dichter Folge verschwunden. Das erste, ein entführtes Mädchen, ist für Monate unauffindbar. Die anderen finden sich als Leichen unter Umständen wieder, die makaber zu nennen noch gelinde ausgedrückt ist. Das eine Kind wird, zum Paket verschnürt, im Keller seiner Eltern abgelegt, das andere, ebenfalls als Paket, von einem Kurierdienst abgeliefert. Und an beiden Toten, bei denen die Pathologen lange Zeit nicht entscheiden können, wie sie getötet wurden, ist jeweils ein handgeschriebener Zettel angeheftet: "Du hast bekommen, was du verdienst."

Weil Inger Johanne Vik selbst eine kleine Tochter hat - vom Vater des Kindes lebt die Psychologin unterdessen getrennt - und weil dieses kleine Mädchen mental ein wenig außerhalb dessen steht, was man normal zu nennen gewohnt ist, erscheint das Widerstreben der von der Polizei um Hilfe angegangenen Frau glaubhaft. Daß auch der Kommissar ein schweres Schicksal zu schultern hat - seine Frau stürzte bei Reparaturarbeiten am Dach, die eigentlich die Aufgabe des Mannes gewesen wären, von der Leiter und erschlug dabei unglücklich die unten stehende erwachsene Tochter -, könnte man als extrem abtun, wenn es nicht die Kunst Anne Holts wäre, das Außergewöhnliche als realistisch und überhaupt nicht weit hergeholt auszugeben.

Deshalb beschleichen den Leser auch nie Zweifel, daß der vierzig Jahre zurückliegende Fall des vermeintlichen Justizirrtums, mit dem Inger Johanne Vik sich lieber beschäftigen möchte, mit den verschwundenen Kindern in Zusammenhang stehen muß. Deshalb ist das Entsetzen auch unabweisbar, als der beinahe perfekte, nicht nachzuweisende Mord offenbar wird, bei dem der menschliche Kaliumspiegel die entscheidende Rolle spielt - hier mehr darüber und überhaupt preiszugeben, wie eines ins andere greift, muß der Rezensent sich hüten.

Anne Holts neuer Roman ist ein ungemein spannendes, detailreich gebautes und für das Kriminalgenre erstaunlich wahrhaftiges Buch. Weil die Perspektive zwischen dem Täter und seinen kindlichen Opfern, zwischen den Jägern und dem keineswegs Gejagten, sondern sicher in seinem Versteck Lauernden ebenso gewandt wechselt wie die Zeitebene zwischen dem Fall damals - und was aus dem Betroffenen im fernen Amerika geworden ist - und dem Fall heute, resultiert die Spannung nicht aus der Identifizierung des Täters, dessen Name irgendwann fast beiläufig aufscheint, sondern aus der verzweifelten Suche nach den Motiven für den Racheakt eines vom Leben offenbar entsetzlich versehrten Menschen. Für diese Schlußfolgerung steht auch "Det som er mitt", der Originaltitel des Romans, der das einklagt, "was mein ist".

Nur einmal, im Finale, erlaubt sich Anne Holt den Knalleffekt eines Zusammenstoßes von zwei Handelnden, die zwar mittelbar sehr viel miteinander zu tun haben, bei denen es die Autorin aber sichtlich Mühe kostet, sie zur selben Zeit aus zwei unterschiedlichen Richtungen im Auto auf die Straße und in den Unfall zu hetzen, der zur Lösung des Falls beiträgt. Aber sonst ist dies ein so kühl und sachlich gehaltener Roman, daß er erbarmungslos scheinen könnte, wenn die Autorin nicht gerade dadurch dem Erbarmen mit den Figuren Raum gäbe, daß sie vollkommen darauf verzichtet, Emotionen zu schüren und die Betroffenheitstaste zu drücken.

Mit derart angehaltenem Atem, ohne sich dafür schämen zu müssen, folgte man als Leser selten der Beschreibung, wie ein Kind in kalter Absicht gefangengehalten und ein anderes mitleidlos getötet wird. Auf welch feine Art stets mitschwingt, daß der Kommissar auch ein vom Leben enttäuschter, verbrauchter und als Großvater heillos überforderter Mann ist, das berührt andererseits aufs schönste. Und wie, solange die zähen Ermittlungen währen, die Psychologin und der Kommissar einander gefühlsmäßig immer näher kommen, hoffend und verzagt zugleich, ohne daß der eine wie die andere sich und dem Gegenüber ihre Gefühle je einzustehen wagen, das hebt in diesem unendlich ausgehaltenen Schwebezustand Anne Holts Roman bemerkenswert über das Krimigenre hinaus.

HANS-DIETER SEIDEL.

Anne Holt: "In kalter Absicht". Roman. Aus dem Norwegischen von Gabriele Haefs. Piper Verlag, München, Zürich 2002. 365 S., geb., 19,90 <Euro>.

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