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Geh nicht so schnell in diese dunkle Nacht

Roman. Originaltitel: Nao Entres Tao Depressa Nessa Noite Escura. 'btb'.
Taschenbuch
Clara ist sich sicher: Ihr Vater hat sie nie geliebt. Doch als er dann nach einem Herzinfarkt todkrank im Krankenhaus liegt, zieht sie sich heimlich auf den Dachboden zurück und stöbert in seinen alten Sachen, um ihm ein letztes Mal nahe zu kommen. S … weiterlesen
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Produktdetails

Titel: Geh nicht so schnell in diese dunkle Nacht
Autor/en: António Lobo Antunes

ISBN: 3442731313
EAN: 9783442731312
Roman.
Originaltitel: Nao Entres Tao Depressa Nessa Noite Escura.
'btb'.
Übersetzt von Maralde Meyer-Minnemann
btb Taschenbuch

1. Januar 2004 - kartoniert - 592 Seiten

Beschreibung

Clara ist sich sicher: Ihr Vater hat sie nie geliebt. Doch als er dann nach einem Herzinfarkt todkrank im Krankenhaus liegt, zieht sie sich heimlich auf den Dachboden zurück und stöbert in seinen alten Sachen, um ihm ein letztes Mal nahe zu kommen. Sie findet eine Truhe, die dem Vater gehört, angefüllt mit Erinnerungsstücken, Fotos, kleinen Zettelchen und kitschigen Figürchen. Langsam nähert sie sich der Familiengeschichte, die ja auch ihre eigene ist.



Portrait

António Lobo Antunes, geb. 1942 in Lissabon, studierte Medizin, war während des Kolonialkrieges 27 Monate lang Militärarzt in Angola und arbeitete danach als Psychiater in einem Lissabonner Krankenhaus. Heute lebt er als Schriftsteller in seiner Heimatstadt. Lobo Antunes zählt zu den wichtigsten Autoren der europäischen Gegenwartsliteratur. In seinem Werk, das mittlerweile zwanzig Titel umfasst und in über dreißig Sprachen übersetzt worden ist, setzt er sich intensiv und kritisch mit der portugiesischen Gesellschaft auseinander. Er erhielt zahlreiche Preise, darunter den 'Großen Romanpreis des Portugiesischen Schriftstellerverbandes', den 'Österreichischen Staatspreis für Europäische Literatur', den 'Jerusalem-Preis für die Freiheit des Individuums in der Gesellschaft' und zuletzt 2007 den Camões-Preis.

Leseprobe

Mein Vater hat mir nie erlaubt, hier einzutreten. Er wird sich in den Schaukelstuhl gesetzt und aus der Dachluke hinunter in den
Garten, auf das Tor, auf die Straße, auf mich als kleines Mädchen geschaut haben, wie ich am Ufer des Teiches mit meiner Schwester spielte, wir seien Feen. Sonntags zog er die Kommodenschublade auf, wühlte in Papieren, bis wir das Klingeln des Ringes hörten, stieg, zwischen allen andern Schlüsseln nach dem Schlüssel suchend, die Dachbodentreppe hinauf
(wie ich heute, wo es mir niemand mehr verbietet, die Schublade aufgezogen, die Papiere durchwühlt habe, bis ich das Klingeln des Ringes hörte und, den Schlüssel zwischen den anderen Schlüsseln suchend, die Treppe hinaufgestiegen bin) und blieb stundenlang im Schaukelstuhl sitzen (in diesem Augenblick wird mir am Geräusch der Sprungfedern klar, daß es der Schaukelstuhl war)
und schaute aus der Dachluke in den Garten hinunter, auf das Tor, auf die Straße, auf mich, wie ich am Ufer des Teiches mit meiner Schwester spielte, wir seien Feen nein, ich glaube nicht, daß er sich für die Straße oder für uns interessierte, für die Straße hat er sich nie interessiert, und was uns betraf, schenkte er uns allenfalls stummes Mißfallen, meine Mutter zeigte ihm unsere Zeugnisse, und er wies sie mit dem Handrücken von sich, wir stellten ihm Fragen, und er kaute weiter, wir änderten unsere Frisur, und er bemerkte es nicht einmal, eines nachmittags während der Klavierstunde die Lehrerin blätterte gerade die Noten um da spürte ich etwas hinter mir, drehte mich auf dem Klavierhocker um, auf dem ein Wörterbuch lag, damit ich an die Töne reichte, und sah plötzlich ihn auf der Schwelle, sein Gesicht wurde sofort ernst, und er verschwand so eilig auf dem Flur, daß er eine Vase auf dem Konsoltischchen umstieß ich erinnere mich an die ängstlichen Finger, die die Vase wieder aufrichteten, an das verrutschte Deckchen, an sein auf sich selbst ärgerliches Trotten zum Arbeitszimmer, daran, wie er mit dem Rechtsa
nwalt schalt, der ihn, die Handflächen unter respektvollen Verbeugungen einseifend, erwartete.
Haben Sie für das viele Geld das ich Ihnen bezahle nichts zu tun oder was?
tagelang schien es mir so, als schämte er sich vor mir, so wie er sich vor den Besuchern im Krankenhaus schämte, wo er mit all diesen Apparaten und Schläuchen lag, niemandem Befehle erteilen konnte, meine Mutter entschuldigte sich am Fahrstuhl bei den Besuchern, nahm die Nelkensträuße, die Pralinenschachteln, die Bildbände über Malerei entgegen, die er mit dem Handrücken ablehnte
es waren keine Zeugnisse, Vater.
Er ist wegen all dieser Behandlungen ungeduldig der Arme nehmen Sie es ihm nicht übel meine Mutter entschuldigte sich noch beim geschlossenen Fahrstuhl weiter, an dem die Stockwerke vier drei zwei eins abnahmen, während der Rufknopf lautlos an- und ausging.
Ich bin sicher er freut sich wahnsinnig über die Pralinen er ist so ein Leckermaul die Sträuße und die Bücher rutschten ihr aus den Armen, sie hob das Knie, um zu verhindern, daß eine Pralinenschachtel zu Boden fiel.
Was mache ich bloß damit plötzlich so alt, zweiundvierzig oder dreiundvierzig Jahre alt, glaube ich, die sich vervielfältigten, während sie die Päckchen festhielt, die ein Eigenleben besaßen und nicht aufhörten, abwärts zu streben.
Mein Gott Maria Clara Ana Maria und sie flutschten auch uns weg, idiotisch und weich, die Stationsangestellte kippte sie in eine Plastiktüte.
Hier bitte der Kranke in Morgenmantel und Krücken, der heimlich in der Stationsküche rauchte, kam hustend, erstickend, scharlachrot heraus, steckte in einem blauen Nebel die Pfeife ein, hielt inne, um uns zu betrachten, wäre ich eine Fee, würde ich ihn mit dem Stab berühren, und hopp, mein Vater war nicht in jenem Zimmer, er schob den Vorhang zur Seite, der die Bodentreppe verdeckte, und setzte sich inmitten des Staubes, der Schränke und Truhen manchmal eine Stunde, manchmal zwei, manchmal den ganzen Nachmittag lang in den Scha
ukelstuhl, Uniformen, Fotos von Militärs zu Pferde, Hüte meiner Großmutter in runden Schachteln mit französischen Etiketten, elegante Damen auf malvenfarbenem Hintergrund meine Großmutter ging jeden Tag nach dem Mittagessen heimlich aus dem Haus, das lächerliche Hütchen oben auf dem Kopf, mit Perlentasche und ihrem unechten Schmuck, um im Casino Roulette zu spielen, ihre echten Ohrringe und Ketten hatte sie an den Pfandleiher verkauft, eine Art Meeraal hinter einem vergitterten Schalter, die von Rheuma krummen Finger warteten ewig, während der Mund redete, meine Großmutter.
So wenig?, und dann schoben sie sich plötzlich vor und packten die Perlen
es gab unendlich viele Uhren im Laden, die glücklichere Stunden verhießen, billige Eheringe und Regale voller Gegenstände, deren Farbe abgeblättert war, Vergoldetes oder Kupfernes, wie es die Dienstmädchen lieben, und zwischen ihnen führte eine heimliche Katze verächtlich die Genauigkeit ihrer Pfoten spazieren
das lächerliche Hütchen kam am Casino an, noch bevor es öffnete, lehnte sich an die Palme und zog einige zerknüllte Geldscheine aus der Perlentasche, die Möwen, nicht sehr viele, die vom Anfang der Welt, kamen und gingen zwischen dem Cafe Tamariz und den Schiffen, der Portier rief sie mit zum Haken gebeugtem Finger spottend heran.
Bitte sehr Frau Gräfin, meine Großmutter hockte sich mit ein paar geizigen Jetons an die Ecke eines Tisches unter die riesigen Lüster, notierte die Zahlen in der Handfläche, versuchte zu setzen, machte einen Rückzieher, faßte sich ein Herz, machte wieder einen Rückzieher, vielleicht konnte mein Vater vom Dachbodenfenster, nicht aus diesem, aus dem seitlichen, dieses Wesen sehen, das, sobald das Geld aufgebraucht war, mit den Fingern kämpfend, die unechten Schmuckstücke am Schalter einzutauschen versuchte.




Pressestimmen

"Die Romane von Antonio Lobo Antunes sind vielstimmige, reich instrumentierte Gesänge auf die Vergänglichkeit des Menschen. Und sie folgen dem Paradox großer Literatur: Sie handeln von der Hoffnungslosigkeit, und sie lassen uns doch reicher zurück - trotz alledem." (Süddeutsche Zeitung)

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