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Die Elixiere des Teufels

Nachgelassene Papiere des Bruders Medardus, eines Kapuziners. 'Reclam Universal-Bibliothek'.
Taschenbuch
E.T.A. Hoffmanns romantische Lebensgeschichte des Mönchs Medardus gehört zu der ebenso beliebten wie verrufenen Gattung des Schauerromans. Geheimnisvolle Ereignisse und unheimliche Atmosphäre verdichten sich zu einer spannenden Handlung, die den … weiterlesen
Taschenbuch

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Produktdetails

Titel: Die Elixiere des Teufels
Autor/en: Ernst Theodor Amadeus Hoffmann

ISBN: 3150001927
EAN: 9783150001929
Nachgelassene Papiere des Bruders Medardus, eines Kapuziners.
'Reclam Universal-Bibliothek'.
Herausgegeben von Wolfgang Nehring
Reclam Philipp Jun.

1. Januar 1986 - kartoniert - 376 Seiten

Beschreibung

E.T.A. Hoffmanns romantische Lebensgeschichte des Mönchs Medardus gehört zu der ebenso beliebten wie verrufenen Gattung des Schauerromans. Geheimnisvolle Ereignisse und unheimliche Atmosphäre verdichten sich zu einer spannenden Handlung, die den Leser unweigerlich in Bann schlägt.

Portrait

Ernst Theodor Amadeus Hoffmann (dritter Taufname eigentl. Wilhelm), 24. 1. 1776 Königsberg - 25. 6. 1822 Berlin.
H. stammte aus einer Advokatenfamilie und studierte von 1792 bis 1795 Jura in Königsberg; daneben zeichnete, malte, schrieb und komponierte er. 1796-1807 führte ihn die juristische Laufbahn von Glogau (1796-98; 1798 Referendar-Examen) über Berlin (1798-1800; 1800 Assessor-Examen), Posen (1800-02) und Plock an der Weichsel (1802-04, Strafversetzung wegen bissiger Karikaturen) nach Warschau (1804-07; Regierungsrat). Nach der Besetzung Warschaus durch napoleonische Truppen verlor H. sein Amt und ging Mitte 1807 nach Berlin, dann nach Bamberg, wo er als Musikdirektor am Theater scheiterte, aber ohne of zielle Anstellung in verschiedenen Funktionen (Kapellmeister, Komponist, Theaterarchitekt und -maler) weiter für das Theater arbeitete. Daneben gab er Musikunterricht, wobei die Leidenschaft für seine Schülerin Julia Mark in seine Dichtungen einging. 1813-14 war er als Kapellmeister in Dresden tätig; 1814 vollendete er seine Oper Undine (UA 1816 Berlin). Als er im Zuge des Neuaufbaus der Verwaltung durch Vermittlung seines Freundes Th. G. v. Hippel 1814 wieder in den preußischen Staatsdienst aufgenommen wurde (1816 Kammergerichtsrat), verband er p ichtbewusste Amtsführung mit intensiver literarischer Produktion. Von 1819 bis 1821 war er Mitglied einer Kommission, die gemäß den Karlsbader Beschlüssen hochverräterische Umtriebe untersuchen sollte. Die Kommissionsmitglieder bewiesen Rückgrat und wandten sich wiederholt gegen polizeiliche Übergriffe. 1821 wurde H. in den Oberappellationssenat des Kammergerichts, die oberste Instanz der preußischen Strafgerichtsbarkeit, versetzt, doch Anfang 1822 wegen seines satirischen Märchens Meister Floh mit einem Verfahren (Verletzung der Amtsverschwiegenheit) überzogen, vor dessen Konsequenzen ihn Krankheit und Tod bewahrten. H.s vielseitige künstlerische Begabung machte ihm selbst die Entscheidung für eine bestimmte Kunstform schwer. Zunächst stellte er sich selbst nur die Frage, ob er wohl zum Mahler oder zum Musiker gebohren sei (1803), und lange schien die Entscheidung zugunsten des Musikers gefallen zu sein, bis dann mit der 1809 entstandenen Novelle Ritter Gluck und den darauf folgenden Rezensionsaufträgen die Literatur allmählich neben bzw. - nach der Vollendung der Undine-Oper - vor die Musik trat. Als Dichter beschränkte sich H. fast ausschließlich auf Prosagattungen, wobei er viele seiner Geschichten, Novellen, Märchen und z. T. auch kritischen Aufsätze unter bestimmten erzählerischen und/oder thematischen Gesichtspunkten zu großen Sammlungen vereinigte. Daneben stehen die beiden großen Romane, die die Tradition des Schauerromans aufnehmenden Elixiere des Teufels und der Doppelroman Kater Murr mit seiner Verbindung von Kater-Autobiographie als Bildungsromanparodie und romantischer Musiker-Biographie. Zu den charakteristischen Eigenschaften seines Werkes zählt ein grundsätzlicher Dualismus, der in verschiedenen Ausprägungen erscheint: als Gegensatz von Kunst und Leben bzw. Künstler- und satirisch geschilderter Spießerwelt, von phantastisch-grotesker bzw. märchenhafter Kunst und bürgerlich-vernünftiger Normalität, von äußerer Wirklichkeit und den (von Gotthilf Heinrich Schubert beschriebenen) 'Nachtseiten' der Innenwelt, von romantischem religiösen und künstlerischen Enthusiasmus und scharfer, grotesker Satire oder bizarrem Humor. Die Aufhebung der Gegensätze, die Harmonie von Innen und Außen ist nur in der Kunst möglich, und die Verkennung der radikalen Trennung von Kunst und Leben bzw. die Unfähigkeit, Innen und Außen zusammenzuschauen, führt letztlich zur Zerstörung des Bewusstseins. Dabei sorgt häüg eine mehrfach perspektivisch gebrochene Erzählweise dafür, dass für den Leser die Grenzen von Schein und Wirklichkeit undeutlich werden. In späten Erzählungen wie Des Vetters Eckfenster (1822) verschiebt sich das Verhältnis von Innen- und Außenwelt zugunsten der äußeren Wirklichkeit und macht eine Annäherung an die realistische Erzählkunst des 19. Jh.s sichtbar.


In: Reclams Lexikon der deutschsprachigen Autoren. Von Volker Meid. 2., aktual. und erw. Aufl. Stuttgart: Reclam, 2006. (.) - © 2001, 2006 Philipp Reclam jun. GmbH & Co., Stuttgart.

Pressestimmen

Der Reclam Verlag legt Die Elixiere des Teufels in einer Ausgabe vor, die auch den kritischen Literaturfreund vollauf befriedigen dürfte. Von den 376 Seiten des Buches sind 50 Seiten Anhang: Anmerkungen, Dokumente, Bibliographie, Stammtafel des Medardus und Nachwort des Herausgebers. Reclam hatte schon früher über den reinen Text hinaus wissenschaftlich zulängliche Ausgaben geboten. Mit Elixiere des Teufels setzt der Verlag dieses Vorhaben erfolgreich fort. Besonders hat mir das instruktive und gescheite Nachwort gefallen. Nehring ordnet den Roman in die Tradition der europäischen Schauerromane ein, würdigt aber, neueren literatursoziologischen Erkenntnissen folgend, die Bedeutung dieser Art von Trivialliteratur. Mit Recht erkennt er dem Hoffmannschen Roman eine ausgezeichnete Stellung in diesem Genre zu und meint, dass "das Buch weiterhin eine Herausforderung für den Leser" bleibe. Eine vorzügliche, gefällig aufgemachte Taschenausgabe zu angemessenem Preis.
Mitteilungen der E.T.A. Hoffmann-Gesellschaft


Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung vom 04.08.1997

1816
E.T.A. Hoffmann "Die Elixiere des Teufels"

Mein Gott, was ist das schön, und hätte das denn nun nicht bleiben können? Hören Sie nur - noch "dämmern in mir die lieblichen Bilder von dem Kloster und von der herrlichen Kirche in der heiligen Linde, mich umrauscht noch der dunkle Wald, mich umduften noch die üppig aufgekeimten Gräser, die bunten Blumen, die meine Wiege waren; nicht das Sumsen einer Fliege, nicht das Zirpen eines Heimchens unterbricht die heilige Stille . . ." - schön, nicht? Aber der Mensch ist ein andrer: Und so sieht der Erzähler zuerst das gemalte Bild einer so hinreißenden Frau, daß er sie nun finden muß, egal ob im Himmel oder in der Hölle. (Es ist der Himmel, aber wie soll er das wissen? Also durchmißt er die Hölle.) Und dann, zur Wegzehrung, trinkt er aus dem Klosterkeller das Titelelixier, und nun ist die Hölle los. Er, Gott geweiht, doch im Grunde und nichts wollend als die Frau seines Lebens, zieht die Spur eines Wüstlings durch eine Welt, die Wüstlinge ebenso haßt wie offenbar braucht. Er mordet, er raubt, er gibt sich für einen andern aus (das Schlimmste ist: er ist wirklich ein andrer, er hat, erregendste aller romantischen Heimsuchungen, einen Doppelgänger), er schläft als der andre mit der, die ihn, ja, für wen nun eigentlich nimmt? Und er bringt sie fast um, die er liebt. Er flieht, geläutert hat ihn das Kloster wieder: Da kommt, außer sich in dem Wahn, der sich seiner statt seiner bemächtigt hat (bedenken Sie den, der er auch noch ist in dieser wilden Doppelgängerei! Und wie soll sich der Wahn auch nicht seiner bemächtigen in einer durch und durch von ihm beherrschten Welt?), der andre in die Kirche gerannt und bringt, als sie eben sich Gott hingeben will, nun vollends jene um, die sein besseres Ich von vornherein in der schöneren Welt hätte suchen sollen.

Dies ist der verwegenste, wildeste, wahnwitzigste aller romantischen Romane, er zeigt (Balzac, der Realist, hat das gesehen und kaum einen so wie Hoffmann geliebt) die Nachtseite jener Realität, die der Roman uns sonst bei Tageslicht schildert. Abends sitzt Hoffmann dann in Lutters Weinkeller und trinkt, mit ihm trinkt der wilde Freund, der Schauspieler Devrient, Grabbe (meistens schon betrunken) kommt oft dazu, und die Großen bewundernd sitzt Heine dabei. (E.T.A. Hoffmann: "Die Elixiere des Teufels. Nachgelassene Papiere des Bruders Medardus eines Kapuziners". Insel Verlag, Frankfurt am Main 1978. 349 S., br., 16,80 .) R.V.

© Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt.

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