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Ingeborg Bachmann als Taschenbuch
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Ingeborg Bachmann

5. Auflage.
Taschenbuch
Ingeborg Bachmann hat den Mythos des gefährdeten modernen Künstlers für sich neu geschaffen, aber mit dem Blick für die geschichtliche Problematik der Literatur nach 1945 und für die Rolle der schreibenden Frau in der patriarchalischen Zivilisation. … weiterlesen
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Ingeborg Bachmann als Taschenbuch

Produktdetails

Titel: Ingeborg Bachmann
Autor/en: Hans Höller

ISBN: 3499505452
EAN: 9783499505454
5. Auflage.
Rowohlt TB.

14. März 2001 - kartoniert - 192 Seiten

Beschreibung

Ingeborg Bachmann hat den Mythos des gefährdeten modernen Künstlers für sich neu geschaffen, aber mit dem Blick für die geschichtliche Problematik der Literatur nach 1945 und für die Rolle der schreibenden Frau in der patriarchalischen Zivilisation. Biographische und historische Zusammenhänge ihres Werks lassen erst das wirkliche Drama dieser Künstlerexistenz erkennen. Dadurch werden auch in ihren bekannten Texten neue Bedeutungsebenen sichtbar, das verborgene Gespräch der Autorin mit ihr nahestehenden Menschen oder die Erinnerung an Topographien ihres Lebens.

Portrait

Hans Höller, geboren 1947, studierte Germanistik und Klassische Philologie an der Universität Salzburg; nach dem Studium mehrere Jahre an ausländischen Universitäten (Istituto Universitario Orientale, Neapel; Instytut Filologii Germanskiej, Wroclaw; Université Paul Valéry, Montpellier). Danach Dozent am Germanistik-Institut der Universität Salzburg.
Im Rowohlt Verlag erschienen von ihm die Monographien über Thomas Bernhard (rm 50504, 1993), Ingeborg Bachmann (rm 50545, 1999) und Peter Handke (rm 50663, 2007). Buchpublikationen zu Thomas Bernhard, Ingeborg Bachmann, Kleist und Molière, Peter Weiss, Peter Handke. Gesamtherausgeber der Salzburger Bachmann-Edition (mit Irene Fußl).

Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung vom 30.03.2000

Listig in der Wahl der Waffen
Aber diskret: Hans Höllers Monografie über Ingeborg Bachmann

Einmal entdeckt man die Dichterin mit stark geschminktem Mündchen, die Hände mit den feuerroten Fingernägeln ein wenig linkisch vor der Brust drapiert, im Gespräch mit Paul Celan. Ein Schnappschuss aus dem Jahre 1952, aufgenommen bei einer Tagung der Gruppe 47 in Niendorf. Dann wieder zeigt sie sich mit Friedrich Dürrenmatt in der Zürcher Kronenhalle, eine Dame mit verwischten Gesichtszügen, die Pelzstola verrutscht über den nackten Schultern, das verwitterte Dekolleté mit einer dreifachen Perlenschnur geschmückt. Das war zehn Jahre später, in der Zeit der Trennung von Max Frisch; die Tabletten- und Alkoholsucht hatte sie längst eingeholt, die Zusammenbrüche und vergeblichen Entziehungskuren zwangen sie in die Knie, die gescheiterte Liebe hatte die Seele verwüstet und zerstörte jetzt den Körper.

Bilder sind mitunter entlarvender als Worte. Das belegen die Aufnahmen, die Hans Höller in seiner Monografie über "Ingeborg Bachmann" eingestreut hat. Die wenigen Fotodokumente beweisen vor allem eines: was die Autorin alles nicht war. Sie war alles andere als eine hilflose, verträumte, durchsichtige Dichterin, die an den handfesten Forderungen des Alltags scheiterte. So hat sie sich zwar gerne selbst inszeniert und so wurde sie lange auch von einer (weiblichen?) Lesegemeinde verklärt. Diese literarische Göttin, die vor allem in den achtziger Jahren immer wieder als Aushängeschild für die erstarkende Frauenliteratur herhalten musste, war zwar eine überlegende Schriftstellerin, aber sie war eben zugleich eine Frau, die binnen kürzester Zeit "zu den Zentren der Literaturmacht vordrang", ein ausgesprochenes Talent zur "künstlerisch strategischen Inszenierung von Krankheit und idiosynkratischen Symptomen besaß" und ihre Karriere professionell, durch die richtige Wahl der "Waffen" vorantrieb.

Es ist das Verdienst der Monografie des Germanisten Hans Höller, mit den Bachmann-Stereotypen unaufgeregt zu brechen. Seine Darstellung von Leben und Werk zeichnet sich durch einen unangestrengten, aber präzisen Zugriff aus und bietet damit - wie viele rororo-Monografien - dem uneingeweihten Leser einen ersten klärenden Überblick. Viel sei, schreibt Höller, über die "magische Publizität" der Bachmann gerätselt worden, über das "Wie und Warum ihrer Berühmtheit in der westdeutschen Literatur der fünfziger Jahre". Und er weist - ohne den Rang der Autorin zu schmälern - nach, wie die Bachmann, mit mehrjähriger eigener literaturjournalistischer Arbeit im Rücken und unter der Protektion der hohen Schule der Wiener Literatur"patriarchen" (Paul Celan, Hans Weigel), geschickter vorging als viele andere Dichter, dazu alle Register des Rollenspieles einer scheinbar ohnmächtigen Frau beherrschte und den Männern im Literaturbetrieb geschickt die Rolle von Rettern und Wundertätern zuwies, in die sie dankbar hineinwuchsen: "Hab vielen Dank für die Lebensrettung, ich wollte Dir ja gleich schreiben (. . .); hab vielen, vielen Dank für Deinen Brief und das Zikadenhonorar - ich hätte nicht soviel zu erhoffen gewagt (. . . ) ich kann mich damit jetzt aus dem Wasser ziehen." Das stammt aus Briefen an Oswald Döpke, der in den fünfziger Jahren die Hörspielabteilung bei Radio Bremen leitete.

Hans Höller verfolgt die Spuren dieser widerspruchsvollen Autorinnen-Vita, ohne seine Zurückhaltung gegenüber dem an Extravaganzen reichen Leben aufzugeben. Es gelingt ihm, das Faktenmaterial zum Leben zu erwecken und für das Verständnis des Werkes fruchtbar zu machen: Die karge Jugend in Klagenfurt während des Krieges und die Auseinandersetzung mit dem NS-Regime, die Dominanz des Vaters, eines Lehrers und NSDAP-Mitglieds, die Auseinandersetzung mit der Vaterwelt, die Prägung durch die Landschaft des väterlichen Herkunftsortes Obervellach, die später immer wieder geheimer Untergrund ihres Werkes abgibt.

"Die Jugendjahre", schreibt Ingeborg Bachmann, "sind, ohne dass ein Schriftsteller es anfangs weiß, sein wirkliches Kapital (. . .). Was später dazu kommt, was man für viel interessanter hält, bringt seltsamerweise fast nichts ein." Es folgen Ausbruch und Flucht der jungen Studentin nach Innsbruck und Wien, wo sie 1946 ihr Philosophiestudium aufnimmt, die Arbeit als Redakteurin beim Sender Rot-Weiß-Rot, die Initiation in die innersten Kreise der Wiener Literaturszene.

Höller legt in der Zusammenschau die zentralen Lebensprozesse, aber auch die verborgenen Konfliktstrukturen dieser Biografie frei, er betreibt eine strenge Archäologie der literarischen Selbstfindung. Allerdings werden die Forschungsexpeditionen ins Leben der Autorin diskret betrieben, ohne dass dem Leser voreilige Rückschlüsse auf das Werk aufgedrängt würden. Das lässt sich zum Beispiel deutlich an Ingeborg Bachmanns ebenso leidenschaftlichen wie krisenhaften Begegnungen mit Männern nachweisen: dem Theaterkritiker und Romancier Hans Weigel, dem Dichter Paul Celan, dem Komponisten Hans Werner Henze oder Max Frisch. Hans Höller zeichnet mit feinen Strichen nach, wie die Konfrontation mit den je unterschiedlichen künstlerischen Universen dieser Männer verlief. Kein Zweifel, die Liebe war immer von größter Bedeutung für die literarische Selbstwerdung von Ingeborg Bachmann. Im Falle von Max Frisch wurden ihre Erschütterungen aber zu Erschütterungen der ganzen Existenz: Hineingezogen und ausgespuckt, konnte sich das empfindliche Künstlerwesen nach der Begegnung mit dem kraftvollen Gegenspieler nicht mehr erholen und wankte von da an über bodenlosem Gelände. Hans Höller kommentiert den katastrophalen Vorgang nicht. Er deckt nur den lebensgeschichtlichen Untergrund auf und stellt Materialien zur Verfügung, mit denen sich das Werk besser verstehen lässt.

PIA REINACHER

Hans Höller: "Ingeborg Bachmann". Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek bei Hamburg 1999. 188 S., br.

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