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Wahnsinn

Roman. Deutsche Erstausgabe. Originaltitel: Stranglehold. 'Heyne-Bücher Allgemeine Reihe'. 'Heyne Hardcore'.…
Taschenbuch
Schon bald nach ihrer Hochzeit entdeckt Liddy die sadistische Ader ihres Mannes Arthur. Nach der Geburt ihres Sohnes gerät er zunehmend außer Kontrolle. Er verletzt Liddy, schlägt und missbraucht sie. Um ihres Kindes willen erträgt sie zunächst schli … weiterlesen
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Wahnsinn als Taschenbuch

Produktdetails

Titel: Wahnsinn
Autor/en: Jack Ketchum

ISBN: 3453675525
EAN: 9783453675520
Roman. Deutsche Erstausgabe.
Originaltitel: Stranglehold.
'Heyne-Bücher Allgemeine Reihe'. 'Heyne Hardcore'.
Empfohlen Ab 16 Jahre.
Übersetzt von Ralf Schmitz
Heyne Taschenbuch

3. November 2009 - kartoniert - 352 Seiten

Beschreibung

Schon bald nach ihrer Hochzeit entdeckt Liddy die sadistische Ader ihres Mannes Arthur. Nach der Geburt ihres Sohnes gerät er zunehmend außer Kontrolle. Er verletzt Liddy, schlägt und missbraucht sie. Um ihres Kindes willen erträgt sie zunächst schlimmste Demütigungen. Doch dann begreift Liddy, wie wahnsinnig Arthur tatsächlich ist, und nimmt den ungleichen Kampf auf.

Sie informiert die Polizei und reicht die Scheidung ein. Arthurs Anwälten gelingt es jedoch, Liddy als nicht zurechnungsfähig hinzustellen. Während Liddy um ihr Sorgerecht kämpft, werden weibliche Leichen gefunden, die Opfer eines äußerst brutalen Serienkillers.


Portrait

Jack Ketchum ist das Pseudonym des ehemaligen Schauspielers, Lehrers, Literaturagenten und Holzverkäufers Dallas Mayr. Er gilt heute als einer der absoluten Meister des Horror-Genres. 2011 wurde er zum Grand Master der World Horror Convention ernannt. Er erhielt fünfmal den Bram Stoker Award, sowie 2015 den Lifetime Achievement Award der Horror Writers Association.

Leseprobe

Ellsworth, New Hampshire - Ostern 1953


Es reicht, dachte sie. Himmelherrgott, jetzt reicht's. Das Baby weinte.
Das Baby wollte die Brust. Oder das Baby wollte auf den Arm genommen werden. Oder das Baby hatte sich vollgeschissen oder vollgepisst. Oder es wollte sie vollpissen oder vollscheißen. Vielleicht wartete es auch, bis sie in seine Windel sah, um ihr die ganze Scheiße, die es in sich hatte, ins Gesicht zu spritzen. Es wäre nicht das erste Mal gewesen.
Sie stand auf und ging zum Gitterbettchen. Der Mann neben ihr schlief weiter.
Sie nahm das Baby und fühlte an seiner Windel. Die Windel war trocken. Sie wiegte das Baby auf und ab. Es weinte noch lauter.
Tja, die Brust würde es nicht bekommen.
Ihre Nippel waren jetzt schon wund.
Sie war immer noch eine gut aussehende Frau. Und das würde auch so bleiben.
Ab morgen kriegst du die Flasche, dachte sie. Mir egal, was die Ärzte sagen.
Ich kann mit dir machen, was ich will, dachte sie. Ist dir das klar? Du gehörst mir.
Ihr war von dem vielen Portwein nach dem Abendessen immer noch ein bisschen schummerig. Sie hatte Kopfweh.
Sie trank sonst nicht viel. Außer in letzter Zeit. In diesem Moment wollte sie nur noch zurück ins Bett und sich ausschlafen, aber nein, stattdessen musste sie sich wieder mit dem Baby befassen. Jede Nacht die gleiche verdammte Geschichte. Jede Nacht das Baby. Ihr Mann wurde nie wach. Gut, hin und wieder schon, aber dann drehte er sich bloß auf die andere Seite und teilte ihr mit, dass das Baby weinte. Als wüsste sie das nicht bereits. Als hätte sie nicht schon längst wachgelegen und darauf gewartet, dass das Baby sich wieder beruhigte.
Anscheinend musste das Baby nicht pinkeln. Sie schon.
Sie nahm das Baby mit in der Hoffnung, dass es vielleicht wieder einschlafen würde, wenn sie es hin und her trug. Man konnte ja nie wissen.
Sie tappte den Flur entlang zum Badezimmer, zog ihr Nachthemd hoch und hockte sich mit dem Baby in den Armen h
in. Sein Gesicht war vor Wut rot gefleckt, sein Mund stand weit offen und der Lärm, den es machte, schlug ihr ins Gesicht, beschallte den winzigen Raum, unaufhörlich, unerbittlich. Sie roch den strengen Duft ihres Urins und den warmen, eigenartig fleischigen Geruch des Babys. Selbst sein Geschrei schien einen Geruch zu haben.
Manche Menschen mochten ja den Duft von Babys.
Sie nicht.
Für sie roch das Baby nicht mal menschlich.
Als sie aufstand und spülte, schrie das Baby noch lauter.
Schrie wie am Spieß.
Sie schüttelte es. "Herrgott", sagte sie. "Wirst du um Himmels willen ruhig sein?" Das Baby weinte. Sie fühlte, wie der Zorn wie ein heißer Wind in ihr aufstieg. Ich werd dafür sorgen, dass du ruhig bist, dachte sie. Und zwar für immer.
Sie klappte die Klobrille hoch, packte das Baby bei den Füßen und hielt es mit dem Kopf nach unten über der Schüssel. Hab ich wirklich vor, das zu tun?, dachte sie. Wirklich? Und die Antwort lautete: Ja, verdammt nochmal, und ob. Mir steht das Geschrei, das Jammern, Saugen, Sabbern, Pissen und Scheißen bis hier. Ich hab die Schnauze gestrichen voll.
Sie tauchte seinen Kopf ins Wasser.
Und hielt es so.
Blubbern.
Strampeln.
Erbärmlich, kläglich.
Spucken.
Schwächer jetzt.
Das Baby starb.
Ihr Baby.
Oh Himmel oh Himmel Gott oh Himmel.
Sie zog es heraus. Es war tropfnass, die winzigen Augen aufgerissen, erstaunt. Aus dem weit geöffneten Mund strömte Wasser aus der Kloschüssel, und es war ruhig, einen schrecklichen Augenblick lang wollte es einfach nicht atmen, sein Mund stand offen, aber nichts passierte, und dann begann sie es zu tätscheln, klopfte ihm auf den Rücken, es hustete, dann schrie es, wie sie es oder überhaupt irgendetwas noch nie zuvor hatte schreien hören, starrte sie die ganze Zeit aus weit aufgerissenen Augen an, als würde der Kleine sie zum ersten Mal vor sich sehen und direkt in ihre kranke, wilde Seele blicken, so dass sie ihn fest an sich drücken mus
ste, und sei es nur, um seinen Augen zu entgehen, dieser erstaunten Anklage, und so presste sie ihn an sich und dachte, was habe ich getan? Was, in Gottes Namen, habe ich getan? Baby, Baby, Baby, flüsterte sie.


Kinder


Wolfeboro, New Hampshire - Juni 1962


Das kleine Mädchen hatte aufgehört gegen die Tür zu hämmern. Das brachte sowieso nichts.
Sie konnte die da draußen nicht mal mehr hören.
Die feuchte, stickige Luft in der Hütte roch schwer nach Erde und altem, fauligem Holz. Es wurde allmählich dunkel. Das Licht durch die Spalten in den fensterlosen Wänden wurde schwächer und schwächer.
Sie hatten irgendwas in den Türrahmen geklemmt, ein Stück Holz oder so. Sie konnte die Tür keinen Zentimeter von der Stelle bewegen. Zusammengekauert saß sie gegen die schwitzende, glitschige Wand gelehnt, roch den feuchten Lehmboden und den vollen Moschusgeruch ihrer Tränen und dachte: Keiner wird mich finden.
Sie stellte sich vor, wie sie irgendwo da draußen im Sumpf - gut möglich, dass sie inzwischen schon eine halbe Meile entfernt waren - durch flaches, schwarzes Wasser und Morast stapften, der einem die Gummistiefel von den Füßen ziehen konnte, und mit ihren zweizackigen Metallspießen nach Fröschen stachen. Jimmy hatte bestimmt schon ein paar beisammen, die jetzt tot oder sterbend in seinem Eimer lagen. Billy war nicht so schnell wie Jimmy und deshalb womöglich leer ausgegangen.
Das musst du dir ansehen, hatten sie gesagt. Das ist cool.
Die alte Blockhütte lag irgendwo am Ende der Welt. Ihr Daddy nannte so etwas ein scheußliches Bauwerk. Seit Jahren schon versank die Hütte langsam im Sumpf, und für Jagdausflüge wurde sie schon lange nicht mehr benutzt.
Liddy war erst sieben.
Sie hatte nicht reingehen wollen.
Die Jungen, Jimmy und Billy, waren neun und zehn. Warum hatte sie also als Erste reingehen sollen?
Warum immer sie?
Das hatte sie sich insgeheim gedacht, war dann aber doch durch die offen
stehende Tür gegangen. Schließlich durfte sie die Jungs nicht merken lassen, dass sie Angst hatte.


Pressestimmen

"Der Mann ist mindestens so gut wie Stephen King ... Haarsträubend gut."

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