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Schlaf nicht, wenn es dunkel wird

Roman. Originaltitel: Whispers and Lies. 'Goldmanns Taschenbücher'.
Taschenbuch
Der Tod hat zarte Hände ...

Die Krankenschwester Terry Painter führt ein zurückgezogenes Leben in einer kleinen Stadt in Florida. Nicht selten fühlt sie sich einsam, und so fasst sie eines Tages den Entschluss, ihr Gartenhäuschen zu vermieten. Alison, … weiterlesen
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Schlaf nicht, wenn es dunkel wird als Taschenbuch

Produktdetails

Titel: Schlaf nicht, wenn es dunkel wird
Autor/en: Joy Fielding

ISBN: 3442461731
EAN: 9783442461738
Roman.
Originaltitel: Whispers and Lies.
'Goldmanns Taschenbücher'.
Übersetzt von Kristian Lutze
Goldmann TB

11. September 2006 - kartoniert - 352 Seiten

Beschreibung

Der Tod hat zarte Hände ...

Die Krankenschwester Terry Painter führt ein zurückgezogenes Leben in einer kleinen Stadt in Florida. Nicht selten fühlt sie sich einsam, und so fasst sie eines Tages den Entschluss, ihr Gartenhäuschen zu vermieten. Alison, die junge Frau, die bei ihr einzieht, wächst Terry sofort ans Herz, und es entsteht eine liebevolle Freundschaft zwischen den beiden Frauen. Doch plötzlich beschleicht Terry der entsetzliche Verdacht, dass Alison etwas vor ihr verbirgt - und sie hat immer öfter das beklemmende Gefühl, in ein infames Katz-und-Maus-Spiel geraten zu sein, das ihr den Verstand zu rauben droht ...


Portrait

Joy Fielding gehört zu den unumstrittenen Spitzenautorinnen Amerikas. Seit ihrem Psychothriller »Lauf, Jane, lauf« waren alle ihre Bücher internationale Bestseller. Joy Fielding lebt mit ihrem Mann und zwei Töchtern in Toronto, Kanada, und in Palm Beach, Florida.

Leseprobe

Sie sagte, ihr Name sei Alison Simms.
Die Worte pl'cherten zaghaft, beinahe tr' 'ber ihre Lippen, so wie Honig von der Schneide eines Messers tropft. Ihre Stimme war leise, z'gernd und ein wenig m'henhaft, obwohl sie einen festen H'edruck hatte und mir direkt in die Augen sah. Das mochte ich. Ich mochte sie, entschied ich beinahe spontan, auch wenn ich bereitwillig zugebe, dass es mit meiner Menschenkenntnis nicht besonders weit her ist. Trotzdem war mein erster Eindruck von dieser erstaunlich gro'n jungen Frau mit den schulterlangen rotblonden Locken, die im Wohnzimmer meines kleinen Hauses vor mir stand und fest meine Hand dr'ckte, positiv. Und der erste Eindruck ist ein bleibender Eindruck, wie meine Mutter immer zu sagen pflegte.
'Das ist ein wirklich sch'nes Haus', sagte Alison eifrig nickend, als wollte sie ihrer eigenen Einsch'ung zustimmen, w'end ihre Blicke bewundernd zwischen dem aufgepolsterten Sofa, den beiden zierlichen St'hlen im Queen-Anne-Stil, den Raffgardinen und dem gemusterten Teppich auf dem hellen Holzboden hin und her wanderten. 'Ich liebe Rosa und Malve zusammen. Es ist meine Lieblingsfarbkombination.' Sie verzog den Mund zu einem ungeheuer breiten, leicht d'mmlichen L'eln, das ich sofort erwidern wollte. 'Ich wollte immer in Rosa und Malve heiraten.'
Ich musste lachen. Als Bemerkung gegen'ber jemandem, den man gerade erst kennen gelernt hatte, erschienen mir ihre Worte herrlich absurd. Sie lachte mit mir, und ich wies mit der Hand auf das Sofa. Sofort lie'sie sich tief in die Daunenkissen sinken, sodass ihr blaues Sommerkleid fast in einem Strudel aus pink- und malvenfarbenen Blumenmustern versank, und schlug ihre langen schlanken Beine 'bereinander, w'end sie ihren 'brigen K'rper kunstvoll um ihr Knie drapierte und sich zu mir vorbeugte. Ich hockte auf der Kante des gestreiften Stuhls direkt gegen'ber und dachte, dass sie mich an einen h'bschen rosa Flamingo erinnerte, einen echten, nicht eines dieser schrecklichen Plastikdin
ger, die in manchen Vorg'en herumstehen. 'Sie sind sehr gro', bemerkte ich wenig originell und dachte, dass sie sich das wahrscheinlich schon ihr Leben lang anh'rte.
'Ein Meter achtundsiebzig', best'gte sie h'flich. 'Aber ich sehe gr''r aus.'
'Ja, da haben Sie Recht', stimmte ich ihr zu, obwohl mir mit meinen knapp eins dreiundsechzig Meter jeder gro'vorkommt. 'Darf ich Sie fragen, wie alt Sie sind?'
'Achtundzwanzig.' Eine feine R'te huschte 'ber ihre Wangen. 'Aber ich sehe j'nger aus.'
'Ja, da haben Sie Recht', wiederholte ich mich. 'Sie haben Gl'ck. Ich habe immer so alt ausgesehen, wie ich bin.'
'Wie alt sind Sie denn? Das hei', wenn Sie nichts dagegen haben ''
'Was sch'en Sie denn?'
Die unvermittelte Eindringlichkeit ihres Blickes erwischte mich unvorbereitet. Sie musterte mich, als w' ich ein exotisches Exemplar in einem Labor, eingezw't zwischen zwei kleinen Glaspl'chen unter einem unsichtbaren Mikroskop. Der Blick aus ihren klaren gr'nen Augen bohrte sich tief in meine m'den braunen Augen, bevor er 'ber mein Gesicht wanderte, jede verr'rische Falte registrierte und die Spuren meiner Jahre abwog. Ich mache mir keine gro'n Illusionen. Ich sah mich genauso, wie sie mich sehen musste: eine leidlich attraktive Frau mit ausgepr'en Wangenknochen, gro'n Br'sten, dazu noch nachl'ig frisiert.
'Ich wei'nicht', sagte sie. 'Vierzig?'
'Genau.' Ich lachte. 'Hab ich's Ihnen nicht gesagt?'
Wir verstummten und erstarrten in der warmen Nachmittagssonne, die uns wie ein Scheinwerfer anstrahlte und in deren Licht kleine Staubk'rnchen tanzten wie hunderte winziger Insekten. Sie l'elte, faltete ihre H'e im Scho' wo die Finger der einen Hand achtlos mit denen der anderen spielten. Sie trug keinerlei Ringe und keinen Nagellack, aber ihre N'l waren lang und gepflegt. Sie war sichtlich nerv's. Sie wollte, dass ich sie mochte.
'Hatten Sie Schwierigkeiten herzufinden?', fragte ich.
'Nein. Ihre Wegbeschreibung war klasse: die Atl
anctic Avenue in 'stlicher Richtung, dann auf der 7th Avenue nach S'den, vorbei an der wei'n Kirche, zwischen der 2nd und 3rd Street. 'erhaupt kein Problem. Bis auf den Verkehr. Ich wusste gar nicht, dass Delray so belebt ist.'
'Nun, wir haben November', erinnerte ich sie. 'Langsam treffen die Zugv'gel ein.'
'Die Zugv'gel?'
'Die Touristen', erkl'e ich. 'Sie sind offensichtlich noch nicht lange in Florida.'
Sie blickte auf ihre Sandalen. 'Ich mag den L'er. Ganz sch'n mutig von Ihnen, einen wei'n Teppich ins Wohnzimmer zu legen.'
'Eigentlich nicht. Ich habe nur selten Besuch.'
'Ich nehme an, Sie sind beruflich ziemlich eingespannt. Ich dachte immer, dass es toll sein muss, als Krankenschwester zu arbeiten', meinte sie. 'Es ist bestimmt eine sehr dankbare Aufgabe.'
Ich lachte. 'Dankbar w'rde mir nicht unbedingt als erstes Wort einfallen.'
'Welches Wort w'rde Ihnen denn einfallen?'
Sie wirkte ernsthaft neugierig, was ich sowohl erfrischend als auch liebenswert fand. Schon sehr, sehr lange hatte niemand mehr echtes Interesse an mir gezeigt, und so f'hlte ich mich geschmeichelt. Gleichzeitig hatte die Frage etwas so r'hrend Naives, dass ich sie in den Arm nehmen wollte wie eine Mutter ihr Kind, ihr sagen wollte, dass alles in Ordnung war, dass sie sich nicht so anstrengen musste, weil das kleine H'chen in meinem Garten schon ihres war. Die Entscheidung war in dem Moment gefallen, als sie 'ber meine Schwelle trat.
'Mit welchem Wort ich den Beruf einer Krankenschwester beschreiben w'rde?', wiederholte ich und gr'belte 'ber verschiedenen M'glichkeiten. 'Strapazi's', sagte ich schlie'ich. 'Aufreibend. Aufreizend.'
'Gute W'rter.'
Ich lachte erneut, wie ich es in der kurzen Zeit, seit sie sich in meinem Haus aufhielt, anscheinend ziemlich h'ig getan hatte. Ich wei'noch, dass ich dachte, es w' nett, jemanden um mich zu haben, der mich zum Lachen bringt. 'Was machen Sie beruflich?', fragte ich.
Alison stand auf, gin
g zum Fenster und starrte auf die breite, von diversen Arten Schatten spendender Palmen ges'te Stra'. Bettye McCoy, dritte Frau von Richard McCoy und gut drei'g Jahre j'nger als ihr Gatte, was im S'den Floridas keine Seltenheit ist, wurde von ihren beiden kleinen wei'n Hunden 'ber den B'rgersteig gezerrt. Sie trug von Kopf bis Fu'Armani in Creme und hielt in der freien Hand eine kleine wei' Plastikt'te mit Hundekacke, eine modische Ironie, die der dritten Mrs. McCoy offenbar komplett entging. 'Oh, schauen Sie doch mal? Sind die nicht einfach s'' Was sind das, Pudel?'
'Bichons', sagte ich und trat neben sie. Ich reichte ihr knapp bis ans Kinn. 'Die dummen P'ppchen der Hundewelt.'
Nun war es an Alison zu lachen, und der Klang erf'llte den Raum und tanzte zwischen uns wie die Staubk'rnchen in der Sonne. 'Aber niedlich sind sie schon. Finden Sie nicht?'
'Niedlich w'rde mir nicht unbedingt als Erstes einfallen', erwiderte ich als bewusstes Echo meiner vorherigen Bemerkung.
Sie l'elte verschw'rerisch. 'Was w'rden Ihnen denn einfallen?'
'Lassen Sie mich 'berlegen.' Ich fand zunehmend Gefallen an dem Spiel. 'Jaulig. Nervig. Destruktiv.'
'Destruktiv? Wie kann etwas so S''s zerst'rerisch sein?'
'Vor ein paar Monaten war einer ihrer Hunde in meinem Garten und hat meinen Hibiskus ausgegraben. Glauben Sie mir, das war weder s''noch niedlich.' Ich trat vom Fenster zur'ck. Dabei fiel mein Blick auf die Silhouette eines Mannes, der sich inmitten der zahlreichen Schatten auf der gegen'berliegenden Stra'necke verbarg. 'Wartet jemand auf Sie?'
'Auf mich? Nein. Warum?'
Ich tastete mich vorsichtig wieder nach vorn, doch wenn der Mann je existiert hatte, war er samt seinem Schatten verschwunden. Ich blickte die Stra' hinunter, doch es war niemand zu sehen.
'Ich dachte, ich h'e jemanden unter dem Baum da dr'ben stehen sehen', sagte ich und wies mit dem Kinn in die Richtung.
'Ich hab nichts gesehen.'
'Nun, es war wahrscheinlich au
ch nichts. M'chten Sie eine Tasse Kaffee?'
'Liebend gern.' Sie folgte mir durch den kleinen Essbereich, der im rechten Winkel an das Wohnzimmer angrenzte, in die vorwiegend in wei'gehaltene K'che auf der R'ckseite des Hauses. 'Oh, schau sich das einer an', rief sie offensichtlich entz'ckt und steuerte mit ausgestreckten Armen und eifrig flatternden Fingern auf die Regale zu, die die Wand neben der kleinen Fr'hst'cksecke zierten. 'Was ist denn das? Woher haben Sie die?'
Mein Blick streifte die f'nfundsechzig Porzellank'pfe, die von den f'nf Holzregalen auf uns herabblickten. 'Sie hei'n 'Kopfvasen'', erkl'e ich. 'Meine Mutter hat sie gesammelt. Sie stammen aus den F'nfzigerjahren, haupts'lich aus Japan. Sie haben L'cher im Kopf, f'r Blumen vermutlich, obwohl nicht viele hineinpassen. Als sie auf den Markt kamen, waren sie h'chstens ein paar Dollar wert.'
'Und jetzt?'
'Angeblich sind sie mittlerweile ziemlich wertvoll. Man bezeichnet sie, glaube ich, als Sammlerst'cke.'
'Und wie w'rden Sie sie bezeichnen?' Ein listiges L'eln umspielte ihre Mundwinkel, w'end sie gespannt auf meine Antwort wartete.
Diesmal musste ich nicht lange 'berlegen. 'Nippes', sagte ich knapp.
'Ich finde sie toll', protestierte sie. 'Schauen Sie sich doch mal die Wimpern von dieser hier an. Oh, und die Ohrringe von dieser. Und die winzige Perlenkette. Oh, und sehen Sie mal die hier. Hat sie nicht einfach einen wunderbaren Gesichtsausdruck?' Behutsam nahm sie einen der K'pfe in die Hand. Die Porzellanfigur war etwa f'nfzehn Zentimeter gro'mit aufgemalten gew'lbten Augenbrauen, gesch'rzten roten Lippen, hellbraunen Locken, die unter einem pinkwei'n Turban hervorquollen, und einer rosafarbenen Rose am Hals. 'Sie ist nicht so kunstvoll gestaltet wie einige der anderen, aber sie hat einen so 'berlegenen Ausdruck, wie eine hochn'ge Matrone der besseren Gesellschaft, die auf alle herabblickt.'
'Sie sieht aus wie meine Mutter', sagte ich.
Um ein Haar w' ihr der
Porzellankopf aus den H'en geglitten. 'O mein Gott, das tut mir Leid.' Rasch stellte sie die Vase wieder auf ihren Platz zwischen zwei reh'ige M'hen mit Haarb'ern. 'Ich wollte nicht ''
Ich lachte. 'Interessant, dass Sie die ausgew't haben. Es war ihr Lieblingsst'ck. Wie nehmen Sie Ihren Kaffee?'
'Mit Milch und drei St'cken Zucker?', erwiderte sie, als ob sie sich nicht ganz sicher w', w'end ihre Augen weiter an den Porzellank'pfen hingen.
Ich goss uns beiden einen Becher Kaffee ein, den ich aufgesetzt hatte, als sie aus dem Krankenhaus angerufen und erkl' hatte, dass sie meine Anzeige am Schwarzen Brett neben einem der Schwesternzimmer entdeckt h'e und am liebsten sofort vorbeikommen w'rde.
'Sammelt Ihre Mutter immer noch?'
'Sie ist vor f'nf Jahren gestorben.'
'Das tut mir sehr Leid.'
'Mir auch. Ich vermisse sie. Deshalb habe ich es bisher auch nicht 'bers Herz gebracht, eine ihrer Freundinnen zu verkaufen. Wie w's mit einem St'ck K'rbis-Preiselbeer-Kuchen?', wechselte ich das Thema, um nicht tr'bsinnig zu werden. 'Ich habe ihn erst heute Morgen gebacken.'
'Sie k'nnen backen? Jetzt bin ich echt beeindruckt. In der K'che bin ich ein hoffnungsloser Fall.'
'Hat Ihre Mutter Ihnen nicht beigebracht, wie man kocht?'
'Unser Verh'nis war nicht gerade das beste.' Alison l'elte, doch es wirkte im Gegensatz zu ihrem sonstigen L'eln eher gezwungen. 'Egal, ich nehme sehr gern ein St'ck Kuchen. Preiselbeeren z'en zu meinen absoluten Lieblingssachen auf dieser Welt.'
Ich musste wieder lachen. 'Ich glaube nicht, dass ich schon einmal einen Menschen getroffen habe, der so leidenschaftliche Gef'hle f'r Preiselbeeren hegt. K'nnten Sie mir ein Messer anreichen?' Ich wies auf den Messerblock, der am anderen Ende der wei'gekachelten Arbeitsplatte stand. Alison zog das erste Messer heraus, eine drei'g Zentimeter lange Monstrosit'mit einer f'nf Zentimeter breiten, spitz zulaufenden Schneide. 'Wow', sagte ich. 'Das ist ein bisschen zu m
'rderisch, finden Sie nicht auch?'
Sie wendete das Messer langsam in der Hand und betrachtete ihr Spiegelbild in der scharfen Klinge, w'end sie behutsam und f'r einen Moment gedankenverloren mit einem Finger 'ber die Schneide strich. Dann bemerkte sie meinen Blick, steckte das Messer eilig zur'ck, zog eines der kleineren heraus und beobachtete aufmerksam, wie es m'helos durch den gro'n Kuchen schnitt. Jetzt war es an mir zu staunen, wie sie ihr St'ck Kuchen herunterschlang, w'end sie mir Komplimente 'ber Konsistenz, Leichtigkeit und Geschmack desselben machte. Sie a'hastig und konzentrierte sich wie ein Kind vollst'ig auf ihren Teller.
Vielleicht h'e ich argw'hnischer sein sollen oder doch zumindest vorsichtiger, vor allem nach der Erfahrung mit meiner letzten Mieterin. Doch wahrscheinlich waren es genau jene Erfahrungen, die mich so empf'lich f'r Alisons m'henhaften Charme machten. Ich wollte wirklich glauben, dass sie genau so war, wie sie sich pr'ntierte: eine ein wenig naive, liebenswerte, s'' junge Frau.
S'' denke ich heute.
S''w'rde mir nicht unbedingt als Erstes einfallen.
Wie kann etwas so S''s zerst'rerisch sein, hatte sie gefragt.
Warum habe ich nicht zugeh'rt?
'Sie hatten offensichtlich nie Probleme mit Ihrem Gewicht', bemerkte ich, als sie die auf ihrem Teller verstreuten Kr'mel aufsammelte und ihren Finger ableckte.
'Ich habe h'chsten Probleme, die Pfunde draufzubehalten', sagte sie. 'Als ich klein war, bin ich deswegen immer geh'elt worden. Die anderen Kinder haben Sachen gesagt wie 'Lange, lange, Bohnenstange'. Und ich habe als letztes M'hen in meiner Klasse Busen bekommen, wenn auch nicht besonders viel, und daf'r habe ich mir jede Menge Spott angeh'rt. Jetzt will pl'tzlich jeder d'nn sein, aber ich muss mir immer noch alle m'glichen Spr'che anh'ren. Man wirft mir vor, magers'chtig zu sein. Sie sollten mal h'ren, was die Leute so alles sagen.'
'Die Leute k'nnen sehr unsensibel sein', stimmte ich ihr zu. 'W
o sind Sie zum College gegangen?'
'Ach, nirgendwo speziell. Ich war keine gute Studentin. Ich habe nach dem ersten Jahr abgebrochen.'
'Und was haben Sie stattdessen gemacht?'
'Mal 'berlegen. Eine Zeit lang habe ich in einer Bank gearbeitet, dann habe ich Herrensocken verkauft, in einem Restaurant gekellnert und in einem Fris'rsalon am Empfangstresen gearbeitet. Und so weiter. Ich hatte nie Probleme, einen Job zu finden. Meinen Sie, ich k'nnte noch eine Tasse Kaffee haben?'
Ich goss ihr einen zweiten Becher ein und gab Milch und drei geh'te Teel'ffel Zucker hinzu. 'M'chten Sie das Gartenhaus gerne sehen?'
Sie war sofort auf den Beinen, kippte ihren Kaffee in einem Schluck herunter und wischte sich mit dem Handr'cken den Mund ab. 'Ich kann es kaum erwarten. Ich wei'einfach, dass es wundersch'n sein wird.' Sie folgte mir zur Hintert'r wie ein eifriger Welpe. 'Auf Ihrem Aushang stand sechshundert pro Monat, richtig?'
'Ist das ein Problem? Ich h'e au'rdem gern eine Kaution von zwei Monatsmieten.'
'Kein Problem. Ich habe vor, mir einen Job zu suchen, sobald ich eingezogen bin, und selbst wenn ich nicht sofort etwas finde, hat mir meine Gro'utter ein bisschen Geld vererbt, sodass ich im Grunde ganz gut dastehe. Finanziell gesehen', f'gte sie leise hinzu, und ihre rotblonden Locken fielen sanft um ihr langes, ovales Gesicht.
Solche Haare hatte ich fr'her auch mal, dachte ich und strich ein paar rotbraune Str'en hinters Ohr. 'Meine letzte Mieterin war mit der Miete mehrere Monate im R'ckstand, als sie verschwunden ist, deshalb muss ich ''
'Oh, das verstehe ich absolut.'
Wir gingen 'ber das kleine Rasenst'ck, das das winzige H'chen im Garten vom Haupthaus trennt. Ich kramte in der Tasche meiner Jeans nach dem Schl'ssel, doch die Intensit'ihres Blickes in meinem R'cken machte mich ungewohnt unbeholfen, sodass mir der Schl'ssel aus der Hand glitt und ins Gras fiel. Sofort b'ckte Alison sich, um ihn aufzuheben, und als sie ihn mi
r zur'ckgab, streiften ihre Finger meine Hand. Ich 'ffnete die T'r zu dem H'chen und trat einen Schritt zur'ck, um sie hineinzulassen.
Ein langer Seufzer entwich ihren vollen Lippen. 'Es ist noch sch'ner, als ich es mir vorgestellt habe. Es ist ' zauberhaft.' Alison t'elte, den Kopf nach hinten gelegt und die Arme ausgestreckt, in kleinen, anmutigen Kreisen durch den winzigen Raum, als k'nnte sie den Zauber so fassen und an sich ziehen. Sie wei'nicht, dass sie der Zauber ist, dachte ich, und mir wurde pl'tzlich bewusst, wie sehr ich wollte, dass sie das Gartenhaus mochte, wie sehr ich wollte, dass sie blieb. 'Ich bin sehr froh, dass Sie dieselben Farben wie im Haupthaus genommen haben', sagte sie und lie'sich wie ein Schmetterling erst kurz auf dem kleinen zweisitzigen Sofa, dann auf dem Sessel und zuletzt auf dem Bugholz-Schaukelstuhl in der Ecke nieder. Sie bewunderte den Teppich ' ein Webmuster aus malvenfarbenen und wei'n Blumen auf einem rosafarbenen Hintergrund ' und die gerahmten Drucke an der Wand ' eine Gruppe T'erinnen, die sich hinter der B'hne zurechtmachen, von Degas, Monets Kathedrale im Sonnenuntergang und Mary Cassatts liebevolles Portr'einer Mutter mit Kind.
'Die anderen Zimmer liegen nach hinten hinaus.' Ich 'ffnete die Doppelt'r zu Kochnische, Bad und Schlafzimmer, die Platz sparend auf der R'ckseite des Hauses untergebracht waren.
'Es ist perfekt. Es ist absolut perfekt.' Sie wippte auf dem Doppelbett und strich aufgeregt 'ber die antike wei' 'erdecke, bevor sie ihr Spiegelbild 'ber der wei'n Korbkommode entdeckte und sofort eine damenhaftere Haltung annahm. 'Ich liebe alles. Genauso h'e ich es auch eingerichtet. Ganz genauso.'
'Fr'her habe ich selbst hier gewohnt', erkl'e ich, ohne zu wissen warum. Meiner vorherigen Mieterin hatte ich nichts dergleichen anvertraut. 'Meine Mutter hat im Haupthaus gewohnt und ich hier hinten.'
Ein sch'chternes L'eln umspielte nerv's Alisons Mundwinkel. 'Hei' das, wir sind uns einig?'

'Sie k'nnen einziehen, sobald Sie so weit sind.'
Sie sprang auf. 'Ich kann sofort. Ich muss nur zur'ck ins Hotel fahren und meinen Koffer packen. Ich kann in einer Stunde wieder hier sein.'
Ich nickte, und mir wurde schlagartig bewusst, wie schnell die Dinge sich entwickelt hatten. Es gab noch so vieles, das ich nicht 'ber sie wusste, noch so viele Dinge zu besprechen. 'Wir sollten wahrscheinlich 'ber ein paar Grundregeln sprechen '', sagte ich ausweichend.




Pressestimmen

"Die Handlung steckt so voller Überraschungen, dass der Leser sich bald an keine Gewissheit mehr halten kann. Die beklemmend paranoide Atmosphäre dieses Romans schlägt einen komplett in Bann!"

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