Buddy Boldens Blues als Taschenbuch
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Buddy Boldens Blues

Taschenbuch
Er war der beste, lauteste und meistgeliebte Jazzmusiker seiner Zeit: Buddy Bolden.
Taschenbuch

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Buddy Boldens Blues als Taschenbuch

Produktdetails

Titel: Buddy Boldens Blues
Autor/en: Michael Ondaatje

ISBN: 3423123338
EAN: 9783423123334
Übersetzt von Adelheid Dormagen
dtv Verlagsgesellschaft

1. April 1997 - kartoniert - 179 Seiten

Beschreibung

Aus den Bruchstücken eines Lebens konstruiert Michael Ondaatje ein poetisches Porträt, mischt Photos, Interviews, Protokolle von Tonbandaufnahmen mit fiktiven Monologen und Gesprächen. Es entsteht der faszinierende Roman einer bewegten Epoche und eines Mannes, der auf der Suche nach sich selbst seinen Verstand verlor und von dem als Zeugnis nur ein Photo blieb - und der Mythos. Buddy Bolden war der beste, lauteste und meistgeliebte Jazzmusiker seiner Zeit. »Das Buch ist die reinste Musik. Das kann Ondaatje wie nur wenige andere: den Dingen ihre Melodie entlocken.« (Michael Althen, Süddeutsche Zeitung)

Portrait

Michael Ondaatje, von holländisch-tamilisch-singhalesischer Abstammung, wurde am 10. September 1943 in Sri Lanka geboren. Nach seiner Schulausbildung in England übersiedelte er 1962 nach Kanada, wo er heute noch lebt. Internationalen Ruhm erlangte Ondaatje mit seinem Roman >Der englische Patient<, für den er 1992 den Booker Prize sowie 2018 den Golden Man Booker Prize erhielt.

Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung vom 18.02.1995

Es gibt keine Siegerpreise
Michael Ondaatje besucht die Dämonen der Gleichzeitigkeit / Von Paul Ingendaay

"Um der Wahrheit der Fiktion Genüge zu tun", schreibt Michael Ondaatje am Ende seines Buches über den Jazzmusiker Buddy Bolden, habe er "einige Daten verändert, einige Personen zusammengeführt und manche Tatsachen breiter ausgeführt oder ausgeschmückt". Aha, denkt man jetzt: Wenn es so etwas wie die Wahrheit des Erfundenen gibt, dann stößt man ganz in der Nähe vielleicht auch auf die Erfindung der Wahrheit. Und genau dies will Ondaatjes Buch, das durch einen feinen Nebel von Fakten, Spekulationen und Legenden führt, vieles frei hinzudichtet und sich trotzdem nicht "Roman" nennt, wie der Hanser Verlag glauben macht.

Charles "Buddy" Bolden, geboren 1877, gilt als einer der Gründerväter des Jazz. Seine Karriere in den Straßen von New Orleans, wo er mehrere Bands ins Leben rief und bei Familienfesten, Umzügen, Hochzeiten und Todesfällen, nicht aber in Bordellen das Kornett blies, dauerte nur wenige Jahre, leider - nämlich von der Jahrhundertwende bis 1907. Den Rest seines Lebens vegetierte er als anerkannter Paranoiker im East Louisiana State Hospital dahin (,Tanz zweimal die Woche. Kalte Packungen für die Überaktiven"). Als er 1931 starb, war der Jazz, den er buchstäblich bis zum Umfallen zelebriert hatte, ohne ihn zur Weltmusik geworden.

Weil die frühen Bands gegen Honorar zu allen Gelegenheiten spielten, aber keine Zeit hatten, an den Nachruhm zu denken, existiert von Bolden, dem berühmtesten Jazzmusiker seiner Zeit, keine einzige Schallplattenaufnahme. Was statt dessen überdauert hat, sind zahlreiche von Freunden und Kollegen gesammelte Geschichten, deren Zierat mit der zeitlichen Distanz immer üppiger wurde - Geschichten darüber zum Beispiel, welche Art Mensch er war (impulsiv, ein Frauenheld, dazu ein Einzelgänger mit auffälligem Hang zur Selbstzerstörung) und wie sein Spiel klang (laut, sehr laut).

Bis heute kommt die eine oder andere Einzelheit ans Licht und verweist frühere Annahmen ins Reich des Mythischen. "Reclams Jazzführer" bezweifelt sogar, daß der im Irrenhaus Gestorbene mit dem legendären Kornettisten identisch sei. Dem in Kanada lebenden Lyriker und Romancier Michael Ondaatje, einem Spezialisten für unfertige Lebensläufe und poetische Bilderrätsel (,In der Haut eines Löwen", "Der englische Patient"), stellt sich diese Frage nicht; er hat in der Gravier Street in New Orleans gestanden und die ausgebleichten Coke-Schilder auf geheime Botschaften aus jener Zeit untersucht, als im Umkreis weniger Meilen zweitausend Prostituierte, siebzig Berufsspieler und dreißig Pianisten ihr Auskommen fanden; er hat die Leere in der öden, belanglosen Straße gespürt, mit der Hand über den von der Hitze zermürbten Anstrich der Holzwände gewischt und eher aus Biographenpflicht denn aus Überzeugung einige schlechte Aufnahmen von dem Friseursalon gemacht, in dem Bolden "wahrscheinlich gearbeitet hat".

Michael Ondaatje ist auf dem Wissensstand von 1976; so alt nämlich ist sein Buch "Buddy Boldens Blues" (Coming Through Slaughter), das erst jetzt, sorgfältig übersetzt, auf deutsch erscheint. Aber es hat nichts zu bedeuten, daß einzelne biographische Details unscharf beziehungsweise widerlegt sind oder daß das einzige existierende Bolden-Foto, ein Gruppenbild seiner Band, spiegelverkehrt abgedruckt ist. Künstlerisch kommt es Ondaatje gerade gelegen, daß die Spuren verblaßt sind.

In "Buddy Boldens Blues" ist der Abwesende zur Kunstfigur geworden. In diesem Sinne dienen all die Lebensbilder, Memoiren und Tonbandspulen, die der Autor getreulich herbeischleppt und vor uns ausbreitet, lediglich als Unterlage, von der sein Buch abhebt, um eine flirrende Gegengeschichte an den Himmel zu malen. Diese Geschichte handelt mindestens so sehr vom Erzählen wie von der Musik. Wie alle Bücher von Ondaatje setzt sie - mit lakonischen, manchmal dunklen, dann wieder kristallklaren Sätzen, die irgendein gnädiger Geist dieses Textes aus allen Richtungen heranwehen läßt - auf die Magie der Andeutung, des isolierten poetischen Bildes, und zieht den mit Sinn beladenen Großsituationen jederzeit die Randzonen vor, in denen Gesten die Dialoge ersetzen. Man hat von Ondaatjes Beschreibungen gesagt, sie wirkten wie Choreographien. Aber es sind rätselhafte, verzauberte Choreographien, die den Leser nicht loslassen.

Drei Figuren sind unterwegs. Sie suchen etwas, finden etwas, aber nie das Richtige oder nie das Ganze, wandern weiter und suchen immer noch, weil sie das Gesuchte ewig vor sich herschieben. Buddy Bolden sucht in seiner Musik Entgrenzung, Kontrollverlust, eine Art vorbewußten Zustand - das Buch beansprucht nicht, dabei zwischen künstlerischer Vision und Geisteskrankheit zu unterscheiden. Sein alter Freund Webb, ein Polizist, sucht nach dem verschwundenen Bolden (der Frau und Kinder verlassen hat), um ihn aus der Selbstisolation ins Leben und zur Musik zurückzuholen - ein durchaus zweifelhaftes Unternehmen, denn der Jazz ist für Bolden lebensbedrohlich, und nicht von ungefähr bricht er 1907 während einer Parade, als er sich ganz an sein Spiel verliert, mit blutigem Kornett auf der Straße zusammen und ist für die vernünftige Welt verloren.

Der dritte Suchende ist der (damals noch junge) Autor, der sich mit seinem Gegenstand identifiziert. Sicher ist jedenfalls, daß er sich in dem Mann wiedererkennt, der vor den Spiegel getreten sein und sich mit der Rasierklinge in Wange und Stirn geschnitten haben soll, um alle Personen auszulöschen, die er nicht sein wollte. Ondaatje schafft es, die Legende in einen Menschen zurückzuverwandeln, weil er in den heikelsten Momenten innehält und sein Schreiben so offenhält wie den Jazz, von dem sein Schreiben handelt.

Denn Boldens Triumphe sind Kolportage und als solche, zumindest für einen Autor von Ondaatjes Format, nur wenige Zeilen wert; aber wie Bolden einmal, im Zorn, mit der Hand durch die Luft fährt, dann voraussieht, daß im nächsten Moment die Fensterscheibe zerspringen wird, wenn er nicht zurückzieht, also zieht er im letzten Sekundenbruchteil zurück, und die Scheibe fällt wie von einer Peitsche getroffen in sich zusammen, während die Hand auf wundersame Weise unverletzt bleibt, weil sie ihre eigene Bewegung im rechten Augenblick zum Stillstand gebracht hat - dies ist einer der großen Momente in Ondaatjes Erzählkunst. Sie gewinnt ihren Rhythmus nicht aus der Handlung, sondern aus dem Gegenteil, der angehaltenen Zeit.

In den Falten dieser langen Momente lauert der Schrecken. Der Bolden, den Ondaatje zeigt, ist ein Mann, der zuviel hört und zuviel wahrnimmt. "Er war ohne Falsch, aber er durchstreifte Gespräche, als wären es Landschaften." Ein Dämon der Gleichzeitigkeit mag hinter seiner Musik und seinem Leben gesteckt haben: Er wollte den Blues und den Choral in einem, und so spielte er. So trat er während des Umzugs spielend aus der Menge heraus und an anderer Stelle wieder hinein.

Einen einzigen gab es, dessen Freundschaft Bolden wirklich brauchte, und dieser eine war das Gegenteil seiner selbst: der bucklige Fotograf E. J. Bellocq, Schöpfer der berühmten "Storyville-Porträts" aus dem Rotlichtmilieu von New Orleans. Er betrog die Zeit in seinen Fotografien um ein paar Augenblicke Ewigkeit. Es wäre merkwürdig, wenn der letzte Satz in Ondaatjes wunderbarem Buch nicht auch ihm gälte, der erst Frauen fotografierte, dann sehr große Schiffe: "Es gibt keine Siegerpreise."

Michael Ondaatje: "Buddy Boldens Blues". Roman. Aus dem Englischen übersetzt von Adelheid Dormagen. Carl Hanser Verlag, München 1995. 180 S., geb., 29,80 DM.

© Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt.

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