Warenkorb
€ 0,00 0 Buch dabei,
portofrei

Der Ruf der Kalahari

Originalausgabe.
Taschenbuch
Kundenbewertung: review.image.5 review.image.1 review.image.1 review.image.1 review.image.1
Eine bewegende Geschichte über Liebe und Hass, Vertrauen und Betrug

Berlin, 1901. Nach dem Tod ihrer Mutter wagt die junge Jella von Sonthofen den Schritt in ein neues Leben: Sie wird Deutschland verlassen und ihren Vater suchen, der in Deutsch-Südwes … weiterlesen
Dieses Taschenbuch ist auch verfügbar als:
Taschenbuch

9,99 *

inkl. MwSt.
Portofrei
Sofort lieferbar
Der Ruf der Kalahari als Taschenbuch

Produktdetails

Titel: Der Ruf der Kalahari
Autor/en: Patricia Mennen

ISBN: 3442375177
EAN: 9783442375172
Originalausgabe.
Blanvalet Taschenbuchverl

15. November 2010 - kartoniert - 512 Seiten

Beschreibung

Eine bewegende Geschichte über Liebe und Hass, Vertrauen und Betrug

Berlin, 1901. Nach dem Tod ihrer Mutter wagt die junge Jella von Sonthofen den Schritt in ein neues Leben: Sie wird Deutschland verlassen und ihren Vater suchen, der in Deutsch-Südwestafrika verschollen ist. Doch als sie nach langer Suche endlich seine Farm gefunden hat, erwartet sie dort die schreckliche Wahrheit ...

Der Ruf der Kalahari ist der Auftakt zu einer fesselnden Familiensaga vor einer einzigartigen Landschaft. Sie erzählt die Abenteuer einer jungen Deutschen im heutigen Namibia, ihre Seelenverwandtschaft mit dem Buschmädchen Nakeshi und eine wunderbar romantische Liebesgeschichte.

Portrait

Patricia Mennens große Leidenschaft ist das Kennenlernen von Menschen ursprünglicher Kulturen. Wann immer es geht, macht sie sich auf und versucht, einen authentischen Einblick in fremde Lebenswelten zu gewinnen. Ihre Eindrücke und Erlebnisse verarbeitet sie in ihren Büchern. Die Autorin lebt mit ihrem Mann und zwei Töchtern abwechselnd in der Nähe des Bodensees und der Provence.

Leseprobe

Glei'nd hell prallte das Licht der Sonne auf die h'gelige Ebene mit ihren wenig belaubten B'schen und Str'hern. Hin und wieder ragten einzelne B'e wie verkn'cherte H'e in den leuchtend blauen Himmel. Selbst jetzt im Winter, zur Zeit der gr''en D'rre, sah die Kalahari nicht wirklich wie eine W'ste aus. Und doch war sie gerade deswegen unberechenbar. Im Gegensatz zur Namib-W'ste im S'dwesten des Landes, die schon durch ihre riesenhaften roten Sandd'nen abschreckend wirkte, konnte die Kalahari f'r kurze Zeit wie ein friedfertiges Paradies erscheinen. Der Regen im Fr'hjahr f'llte die Senken und ausged'rrten Trockenfl'sse mit Wasser und lie'innerhalb k'rzester Zeit vielerlei Arten von Buschgr'rn ergr'nen. Das Wasser lockte Abertausende von Wildtieren an. Sie str'mten in Scharen in das kurzlebige Paradies, um sich fortzupflanzen. Doch das tr'gerische Gr'n verschwand so schnell, wie es gekommen war. Unbarmherzig l'schte die 'berm'tige Sonne jeden Wasserflecken aus, lie'das Gras verdorren und hinterlie'einen rissigen Boden, der wie ein zer splitterter Spiegel aussah.
Am Horizont kreisten Geier in weiten Himmelsspiralen und warteten geduldig auf ihre Gelegenheit. Ein L'wenrudel hatte ei nen Springbock erlegt und riss gerade die besten St'cke aus dem Kadaver. Die Zeit der Geier war noch nicht gekommen. Hy'n umschlichen ungeduldig das L'wenrudel, n'rten sich der Beute,
wurden allerdings durch grimmiges Gebr'll wieder auf Abstand gebracht, nur um sich sofort von einer anderen Seite zu n'rn. Erst wenn sie ihren Hunger gestillt hatten, waren die Aasv'gel und die Schakale an der Reihe, um sich um die Reste der Beute zu streiten.
Nakeshis feine Nase nahm den Geruch frischen Blutes in der Luft wahr. Vorsichtshalber w'te sie einen Weg, der sie von dem Kill fortf'hrte. Sie hatte sich bereits vor Stunden von ihrer Gruppe abgesondert und streifte allein durch das dicht stehende Gestr'pp. Pr'fend sah sich das zierliche Buschmann-M'hen noch einmal um. Fern am Horizont sah si
e eine Armee von Regenwolken auftauchen. Sie t'rmten sich rasch zu unheilvollen Gebilden auf und versuchten vom Meer her in die W'ste einzudringen. Wie eine m'tige Streitmacht wurden sie vom Westwind landeinw's getrieben, um ihre donnernde Regenlast 'ber dem Land loszu werden. Doch die Sonne stellte sich ihnen mit ihrer unerbittlichen Kraft entgegen. Gierig fra'sie L'cher in die Wolkenberge und zerfetzte das Unget'm, indem sie es zerteilte, bis sich alles in harmlose Sch'henwolken aufgel'st hatte. Nakeshi sah es mit Bedauern. Sie sehnte sich sehr nach dem ersten Regen.
Ein scharfes Knacken aus dem Unterholz weckte ihre Aufmerksamkeit. Ihre Sinne richteten sich instinktiv auf das Ger'ch. W'end ihre Blicke das Geb'sch vor ihr abtasteten, pr'fte ihre Nase die Windrichtung. Der Wind kam ihr entgegen und roch trocken. Also drohte keine unmittelbare Gefahr durch Raubtiere. Weder der bei'nd scharfe Geruch von L'wen noch der moschusartige 'ende Gestank eines Leoparden stiegen ihr in die Nase.Vorsichtig schlich sie n'r, um den Ursprung des Ger'chs zu erkunden. Als sie bis auf zwei Schritte herangekommen war, krachte es nochmals, und ein gelbschwarzer Schabrackenschakal brach unmittelbar vor ihr aus dem Geb'sch. F'r einen kurzen Augenblick blieb er stehen, hob seine Lefzen zu einem kurzen knur rigen Drohen und trollte sich dann unwillig. Offensichtlich hatte sie ihn in seinem Mittagsschlaf gest'rt. Das Joansi- M'hen lachte erleichtert auf. Die Kalahari bot immer wieder 'erraschungen. Auf den ersten Blick sah der karge, struppige Bewuchs der W'ste wie ein undurchdringliches Dickicht ohne jede Orientie rungsm'glichkeit aus. Die armdicken, kahlen 'te und Zweige der Kameldornb'sche bildeten mit ihren fingerlangen Dornen eine nat'rliche Wand. Und doch gedieh in dieser lebensfeindli chen Umgebung allerlei Leben. Springb'cke, Ducker und auch die kleinen, grazilen Steinb'cke mit ihren schwarzen Kulleraugen liebten den Schutz, den ihnen die messerscharfen Dornen boten. Mit ihren
Hufen hoben sie am Fu' der B'sche kleine Gruben aus, um dort ihre Jungen zur Welt zu bringen.
Nakeshi ging weiter. Geschickt und schnell bahnte sie sich einen Weg durch das Geb'sch, ohne ernsthaft mit den Dornen in Ber'hrung zu kommen. W'end sie lief, hielt sie immer wieder nach dem Mankettibaum Ausschau, dessen dreigeteilte Krone jetzt w'end der D'rrezeit weithin sichtbar war. Die schmale rotsan dige Senke mit den Rosinenb'schen hatte sie bereits durchquert, bevor die Sonne in der Mitte des Himmels gestanden hatte. Auch das schwer zu durchdringende Kameldorngestr'pp hatte sie nun hinter sich. Links von ihr erkannte sie den kleinen, felsigen H'gel mit seinen kugelrunden, roten Steinen. Auf seiner Spitze wuchs aus dem glatten Ger'H ein m'tiger Giraffenbaum. Im kr'igen Licht der winterlichen Nachmittagssonne wirkte der leuchtende H' - gel wie eine friedliche Oase. Aber der Schein trog. Zwischen den Steinen und der immergr'nen Krone des Baumes lauerten allerlei Gefahren. Die Buschm'er mieden f'r gew'hnlich diesen Ort. Er war voller Llangwasi, voller Geister, deren Unmut und Unbe rechenbarkeit niemand auf sich ziehen wollte. So war der Fu'des H'gels bei den W'stenl'wen sehr beliebt. Nakeshi f'rchtete kein Tier mehr als diese kr'igen, unberechenbaren Raubkatzen. Die
Savannenk'nige standen mit den Joansi in st'iger Konkurrenz im Kampf ums t'iche 'erleben. Entweder waren es die Buschm'er, die versuchten, den L'wen ihre Beute abzuluchsen, oder es waren die L'wen, die wiederum den Joansim'ern ihre Beute streitig machten. Selbst der Schatten spendende Giraffenbaum mit seiner weit ausladenden Krone war kein friedlicher Ort. Auf seinen 'ten hielten sich oftmals Leoparden auf, die in der luftigen H'he ihre Beute vor den L'wen und Hy'n in Sicherheit brachten. Nakeshi sch'ttelte sich bei dem Gedanken an die Raubtiere und fiel in den ausdauernden Schnellschritt, der ihr wie allen Buschmann- Frauen zu eigen war. Sie beschloss, den H'gel in einem weiten Bogen zu umrunden. Je
tzt war es nicht mehr weit bis zu dem Hain mit den Mankettib'en. Sie musste sich nur beeilen. Die Sonne stand schon tief, und sie musste unbedingt vor der 'Zeit, in der man die Leute nicht mehr sehen kann, weil es dunkel ist' zur'ck bei ihren Leuten sein. Doch vorher hatte sie eine wichtige Aufgabe zu erledigen. Sie hatte Sheshe versprochen, die Gwa-Wurzel f'r sie auszugraben _ und sie w'rde ihr Versprechen halten.
Ein stechender Schmerz schoss v'llig unerwartet durch ihren Unterleib. Sie st'hnte leise und beugte sich nach vorn, um ihm entgegenzuwirken. Doch erst nachdem sie zweimal tief durchgeatmet hatte, lie'das Stechen endlich nach. Sie wollte es nicht wahrhaben, doch tief in ihrem Innern wusste sie genau, woher der Schmerz kam. Die Zeichen waren eindeutig. Schon bald w'rde zum siebzehnten Mal die Zeit kommen, in der Debe den L'wen besiegt hatte und Chuka ihr das Leben geschenkt hatte. Sie ahnte, dass der Schmerz, der in ein gleichm'ges Ziehen 'bergegangen war, etwas damit zu tun hatte, dass sie nun bald endg'ltig zu einer Frau werden w'rde. Der Gedanke gefiel ihr ganz und gar nicht. Nakeshi f'rchtete sich davor. Denn mit der ersten Blutung war die 'Zeit, in der man sich keine Sorgen machen muss' f'r immer vor'ber. Viele Buschmann-M'hen wollten nicht erwachsen werden, um keineVerantwortung in der Gruppe 'bernehmen zu m'ssen. Als Kinder waren sie frei und durften Fehler machen und falsche Entscheidungen treffen. Das hatte keinerlei Folgen f'r sie, weil jeder Erwachsene in der Gruppe wusste, dass Kinder noch keine Verantwortung 'bernehmen k'nnen. Die Kindheit war wie ein sch'tzender Umhang, der sie vor allen Sorgen von au'n sch'tzte. Doch Nakeshi scheute sich nicht vor der Verantwortung. Sie freute sich sogar darauf, wenn endlich auch ihre Stimme in der Gruppe Gewicht bekommen w'rde. Der Grund, weshalb sie nicht erwachsen werden wollte, war ein ganz anderer. F'r sie war die Tatsache, dass sie mit dem Erwachsensein auch ihre Unabh'igkeit verlieren w'rde, weita
us schlimmer. Ihre Leute w'rden von ihr erwarten, dass sie sich einen Mann suchte und mit ihm in eine eigene H'tte zog. Sie w'rde Kinder haben und gebunden sein.Vorbei w'n die Zeiten, in denen sie ihre Freiheit genoss, um mit der Heilerin Sheshe die Natur und ihre Wunder zu erkunden. Aber diese Freiheit wollte sie auf keinen Fall verlieren! Nakeshi schob trotzig die Unterlippe vor und ballte ihre H'e zu F'ten. Noch war es ja nicht so weit!
Mit neuer Entschlossenheit legte sie die letzte Strecke bis zu dem Manketti- Hain zur'ck. Der Baum, den sie suchte, ragte auffallend zwischen den anderen hervor. Sein Stamm war so dick, dass vier M'er sich an den H'en halten mussten, um ihn zu umfassen. Seine Wurzeln umragten ihn wie dicke Spinnenbeine, bevor sie in den sandigen Boden der Kalahari stie'n, um in gro'n Tiefen Wasser zu finden. Nakeshi war schon lange nicht mehr hier gewesen. Trotzdem wusste sie genau, wo sie mit ihrem Grabstock su chen musste. Sie hatte nicht vergessen, was Sheshe, die Heilerin, ihr einmal gezeigt hatte. Aufmerksam umrundete sie den Baum, bis sie schlie'ich die Stelle entdeckte, wo sich zwei Luftwurzeln kreuz ten. Ein St'ck oberhalb hatte der Mankettibaum eine armlange Verletzung in seiner Rinde, die im Laufe der Jahre zu einer tiefen
Schrunde vernarbt war. Zwei Arml'en davon entfernt musste sie graben. Sie wurde schnell f'ndig. Sobald sie den Anfang der Gwa Wurzel ertastet hatte, legte sie den Stock beiseite und schau felte vorsichtig mit beiden H'en den roten, feink'rnigen Sand zwischen den Baumwurzeln beiseite. Das Graben war anstrengend. Feine Schwei'erlen sammelten sich auf der apricotfarbe- nen Haut ihrer Stirn und Schl'n und liefen in feinen B'en ihr Gesicht herab. Endlich ertasteten ihre Finger einzelne, zweifingerdicke Knollen am Ende der Wurzeln. Vorsichtig l'ste sie den Sand von der obersten Knolle und zog sie mitsamt der Wurzel heraus. Die anderen Gwa-Knollen lie'sie an Ort und Stelle. Zu gegebener Zeit w'rde sie sie f'r ein and
eres Ritual ausgraben. Z'lich strich Nakeshi 'ber die dunkle Gwa Knolle in ihren H'en, erst dann steckte sie sie in ihren mit bunten Strau'neierperlen bestickten Sammelbeutel und machte sich eilig auf den Heimweg.
Sheshe w'rde zufrieden sein! Das machte Nakeshi froh, denn sie liebte ihre Tante. Sie war die j'ngere Schwester ihres Vaters Debe und stand ihr in vielem n'r als ihre oft so rechthaberi sche Mutter Chuka. Nakeshi f'hlte sich in vielerlei Hinsicht mit Sheshe verbunden. Und ihrer Tante ging es umgekehrt genauso. Denn nach dem Glauben der Joansi stand jeder Stern am Himmel f'r einen Menschen auf Erden. Sheshe und sie waren Sternenschwestern. Der gro' Kauha hatte sie beide im gleichen Sternenbild nebeneinander geh't. Sie hatten einander erkannt und waren eine lebenslange Bindung eingegangen. Sie konnten sogar durch die Kraft ihrer Gef'hle sp'ren, wie es dem anderen ging, und k'rperlos Kontakt zueinander aufnehmen. Sheshe war der erste Stern in ihrem Sternbild, den sie erkannt hatte.
Sie hatten so vieles gemeinsam. Genau wie ihre Tante mochte Nakeshi es, allein durch den Busch zu ziehen, um Feldkost zu sammeln. Sie genoss es, in aller Ruhe ihren Gedanken nachzuh'en und sich Einzelheiten ihrer Umgebung einzupr'n. Ihre
Tante hatte ihr schon viel von den verborgenen Kr'en in Pflanzen, Tieren und auch Orten erz't und sie ein St'ck weit in die Anderswelt, die Welt der Geister, eingef'hrt. Ihre Mutter Chuka sah das nicht gern. Ihr missfiel, dass ihre Tochter so viel allein war und sich damit der Gemeinschaft ihrer Gruppe entzog. Sheshe wurde nicht m'de, sie daf'r immer wieder in Schutz zu nehmen.
'Wie sollte Nakeshi denn anders sein als ich?', wiederholte sie immer wieder. 'Ihr Stern und meiner sind Schwestern am gro'n Himmelszelt!' Vielleicht war dieses Sternbild auch schuld daran, dass in Nakeshi ein genauso starkes Num heranzuwachsen begann wie in ihrer Tante. Schon zweimal war sie w'end der Regenmachert'e in Trance gefallen - und das, obwohl si
e noch nicht einmal eine Frau war. Sheshe hatte es mit Freude und Besorgnis beobachtet. Der Trancezustand war 'erst gef'lich. Der Geist l'ste sich vom K'rper und entschwebte in die Anderswelt. Wenn das Num, die Gabe, keine feste Verbindung zwischen Geist und K'rper schuf, konnte der Geist sich nur allzu leicht vom K'rper l'sen und w'rde nie wieder zur'ckfinden. Um das zu verhindern, brauchten sie die Gwa-Wurzeln. Sheshe wollte Nakeshi zeigen, wie man aus der Wurzel einen Trank braute, mit dessen Hilfe sie sich in kontrollierte Trance versetzen konnte.
Wieder sp'rte sie das heftige Ziehen in ihrer Leiste. Sie versuchte es zu ignorieren und lief noch schneller. Doch schon nach wenigen Schritten blieb sie abrupt stehen. Voller Abscheu - jedoch ohne einen Blick dorthin zu wagen - registrierte sie, wie sich zwischen ihren Beinen etwas Feuchtes unangenehm auszubreiten begann. Es f'hlte sich warm an und foss in d'nnen Rinnsalen zu ihren Knien hin. Angst und Ekel erf'llten Nakeshi. Gleichzeitig 'erte sie sich 'ber ihre eigene Panik. Mit zugekniffenen Augen neigte sie ihren Kopf nach unten. Sie atmete noch einmal tief durch, bevor sie schlie'ich die Augen 'ffnete.
Es war, wie sie bef'rchtet hatte. Das warme Etwas war Blut!
Es floss in feinen Schlangenlinien entlang den Innenseiten ihrer Schenkel bis zu ihren Knien, um von dort in den Sand zu trop- fen.Vor Entt'chung stie'sie einen lauten klagenden Schrei aus. Sie erschrak selbst 'ber ihren unkontrollierten Gef'hlsausbruch und hielt sich beide H'e vor den Mund. Schlagartig war ihr die Tragweite dieses Ereignisses bewusst geworden. Mit dem Blut, das aus ihrem Scho'tropfte, war das Ende ihrer Kindheit gekommen! Das Ende ihrer Freiheit! Tr'n der Verzweiflung und Wut rannen 'ber ihr Gesicht. Nakeshi gab sich ihrer Entt'chung hin. Doch dann riss sie sich zusammen. Es hatte keinen Sinn, sich l'er gegen das Unvermeidliche aufzulehnen. Es war der Wille Kauhas, des gro'n Erdsch'pfers. Wie alle Joansi- Frauen w'rde sie nu
n das Ritual der Frauwerdung stumm 'ber sich ergehen lassen m'ssen.
Mit h'endem Kopf machte sich Nakeshi auf den Heimweg. Je n'r sie dem Lager ihrer Leute kam, umso schwerer wurde ihr Herz. Das Lager der Joansi lag unter einer gro'n Schirmakazie, deren 'te sich sch'tzend wie ein Dach 'ber eine von Rosinen b'schen eingegrenzte Lichtung breiteten. Selbst im Winter, wenn nur wenige Bl'er an den Zweigen hingen, spendete der Baum gen'gend Schatten, um die hei' Zeit 'berstehen zu k'nnen. Rund um die Lichtung standen einfache Unterst'e, die aus lo sen Zweigen und 'ten zusammengef'gt waren. Die Zwischenr'e hatte man mit langem, gelbem Buschgras ausgestopft. Die Behausungen waren gerade gro'genug, dass sich darin zwei bis drei Buschm'er eng aneinanderkuscheln konnten. Doch das kam nur vor, wenn ein Sandsturm oder ein heftiger Regenschauer 'ber sie hereinbrach oder wenn ein Paar ungest'rt Liebe machen wollte. Normalerweise blieben die H'tten leer, denn die Joansi schliefen lieber in der N' des w'enden Feuers. Dieses Lager unter der Schirmakazie geh'rte zu den Lieblingspl'en von Na keshis Gruppe. Sie kamen immer wieder gern hierher zur'ck. Es gab ausreichend Wasserknollen, und nur eine halbe Stunde Fu'marsch entfernt war sogar eine im Sand verborgene Wasserstelle. Solange sie Wasser f'hrte, gab es keinen Grund, sich ein anderes Zuhause zu suchen.
Wie es die Sitten ihresVolkes verlangten, blieb Nakeshi in Blickweite des Dorfes stehen und kauerte sich auf den Boden. Sorgf'ig achtete sie darauf, dass der Vorder- und Hinterschurz um ihre H'fte sowie der weiche Lederumhang, den sie trug, sie von Kopf bis Fu'bedeckten. Eingeh'llt in Leder, auf den ersten Blick kaum von einem gro'n Stein zu unterscheiden, wartete sie geduldig, bis eine der Frauen sie entdecken w'rde. Jeder Mann w'rde bei ihrem Anblick schnell das Weite suchen, denn es brachte ihnen Ungl'ck, ein M'hen bei seiner ersten Blutung anzusehen. Ab geschirmt von der Au'nwelt nahm sie die Ger'che um sich herum umso de
utlicher wahr. Das Zirpen und Schnarren man cherlei Insekten, den heiseren Schrei eines Raubvogels und das Rascheln von Gras, wenn sich kleine Nagetiere um sie herum bewegten. Mit der einsetzenden Dunkelheit wachten die Menschen des Buschmannlagers aus der Lethargie des hei'n Tages auf. Die Frauen kamen vom Sammeln der Feldkost zur'ck, Kinder tob ten in wildem Spiel 'ber den Lagerplatz, und das aufgeregte Pa laver einiger M'er zeigte an, dass sie bei ihrer Jagd erfolgreich gewesen waren. Dennoch schien ihr die Zeit unendlich lang, be vor sie endlich entdeckt wurde. Ausgerechnet ihre Mutter chu ka und deren Schwester Goshi waren als Erste bei ihr. An der Art, wie Nakeshi auf dem Boden kauerte, erkannten sie sofort, was los war. chuka klatschte begeistert in die H'e. Sofort fiel sie mit Goshi in den laut jubelnden 'Ey ei ey ei ey ei' Gesang ein, der seit alters ein lange herbeigesehntes Fest ank'ndigte. Ihre Mut ter hatte sich schon so lange auf diesen Augenblick gefreut. Seit vielen Monden wartete sie ungeduldig darauf, dass ihre Tochter endlich das Ritual der Frauwerdung erleben durfte. Weil sie schon gezweifelt hatte, ob mit ihr alles in Ordnung war, wollte sie nun ganz sichergehen. Sie hob Nakeshis Lederumhang leicht an. Was sie sah, befriedigte sie. Das angetrocknete Blut zwischen den Bei nen ihrer Tochter best'gte alles, was sie wissen wollte. Z'lich strich sie ihr 'ber den Kopf, bevor sie mit Goshi ins Dorf eilte, um die anderen Frauen 'ber Nakeshis Zustand zu informieren.
'Ey-ei-ey- ei!', jubelten die beiden Buschmannfrauen. 'Kommt schnell her! Unsere Nakeshi ist dabei, eine Frau zu werden!' Sie rannten aufgeregt von einer H'tte zur anderen, bis sich schlie'ich alle zw'lfJoansi- Frauen versammelt hatten. Die erste Blutung einer Frau war immer Anlass f'r ein ganz besonderes Fest. Es war ein Ereignis, das Gl'ck brachte, weil es bedeutete, dass die Gruppe um ein vollwertiges Mitglied reicher geworden war. In einem Pulk liefen sie zu dem Lederberg, unter dem N
akeshi noch immer verborgen war. Die Frauen redeten aufgeregt durcheinander und diskutierten, was sie als Erstes tun sollten. Immer wieder ber'hrten sie Nakeshi, weil es Gl'ck brachte, und stie'n dabei laute Freu denrufe aus. Schlie'ich einigten sie sich darauf, dass Chuka und Goshi die neue H'tte f'r das Fest bauen sollten, w'end Sheshe mit den j'ngeren Frauen Nakeshi ins Dorf trug, wo sie dann f'r das Ritual zurechtgemacht werden w'rde. Nakeshi blieb in ihrer Kauerhaltung und versuchte dabei auf den Boden zu starren. Sie musste darauf achten, dass kein Mann ihr Gesicht zu sehen bekam. Der gro' Kauha und seine Llangwasi waren jetzt um sie, und es war Nakeshis Aufgabe, alles zu tun, um die gro'n Geister sich und ihrer Sippe gewogen zu halten. Dazu geh'rte auch, dass sie w'rend ihrer ersten Blutung jeden Blickkontakt mit den M'ern vermeiden musste. Was jedoch nicht hie' dass sie nicht registrierte, was um sie herum geschah. Aus ihren Augenwinkeln heraus erkannte sie Bo, einen jungen schlanken J'r, der vor gar nicht langer Zeit erst zu ihnen gesto'n war. Wie alle M'er und Kinder 'erte er bei ihrem Anblick rasch seine Richtung und suchte Zuflucht hinter den H'tten. Zu ihrer 'erraschung klopfte ihr Herz f'r einen Augenblick schneller, und sie sp'rte eine gewisse Entt'chung, weil sie pl'tzlich das Gef'hl hatte, dass er sie nicht so mochte wie sie ihn. Die Frauen h'rten nicht auf zu lachen und zu singen. Unter der gro'n Schirmakazie setzten sie Nakeshi ab. Im Schein der kleinen Lagerfeuer entkleideten sie das M'hen und wuschen ihren nackten K'rper mit einer Mongono- Nuss. Das fasrige, seifige Fruchtfleisch der Nuss verlieh ihrer Haut einen goldenen, samtigen Glanz. Anschlie'nd wurde ihr K'rper mit B'ern und Ketten aus Strau'neiperlen, bunten Samenk'rnern und Federn geschm'ckt. Nakeshi lie'alles 'erlich reglos 'ber sich ergehen, aber in ihrem Innersten f'rchtete sie sich vor dem Un bekannten, das jetzt auf sie zukam. W'end f'r die erwachsenen Frauen ihre erste Blutung ein
riesiges Fest bedeutete, f'hlte sie sich stark verunsichert und von den anderen auf eine be'stigende Art und Weise ausgeschlossen. Die H'tte, in der sie die n'sten Tage w'rde verbringen m'ssen, war nun fertig. Sie stand etwas au'rhalb des Lagers, weit genug von den M'ern und Kindern entfernt.
Keine der Frauen sprach mit Nakeshi, w'end sie sie durch die Dunkelheit zu der niedrigen H'tte f'hrten. Sie behandelten sie, als w' sie Luft. Selbst Sheshe war abweisend. Sie zeigte nur wortlos und ohne eine Miene zu verziehen in das finstere Innere der Behausung. Nakeshi kroch hinein. Schwarzes, k'hles Nichts umschloss sie, w'end drau'n die Frauen l'ten. Sie fror und zog zitternd den Lederumhang 'ber sich, der ihr als einziger Ge genstand mit in die H'tte gegeben worden war. Wieder sp'rte sie Blut aus ihrem Scho'flie'n. Nach kurzer Zeit drang das Flackern von Flammen durch die Ritzen ihrer Asth'tte.W'e spendeten sie nicht. Die Joansi- Frauen hatten in ihrer N' ein Feuer entz'ndet und sich darum tanzend und singend versammelt. Der Geruch von gebratenem Antilopenfleisch durchzog die Luft. Die dunklen K'rper der tanzenden Frauen warfen zappelnde Schat ten im flackernden Schein des Feuers. Sie sahen wie bedrohliche Geister aus. Es war ein Auf- und Abebben von wilden Verrenkungen und ruhigerem Stampfen. Wieder und immer wieder, stun denlang. Nach und nach gesellten sich auch die M'er dazu. Sie umringten die tanzenden Frauen, machten ihre Sp' und a'n mit ihnen von dem frisch gebratenen Fleisch. So ging es die gan ze Nacht. Der Mond hatte sich l'st zur Ruhe gelegt, als die Be wegungen der Frauen ruhiger und der Gesang immer monotoner wurde, bis sich schlie'ich die Ersten m'de an Ort und Stelle zur Ruhe legten. Nakeshi war unendlich m'de und schlief ebenfalls ein. Doch kurz darauf wurde sie j'aus ihrem Schlaf gerissen. Mit einem lauten Schrei sprang eine Frau in den Tanzkreis. Sie wirbelte wild herum und begann ausgelassen zu singen. Es war She she. Nakeshi konnte sie deutlich du
rch die Ritzen in ihrer H'tte erkennen. Sie schien au'r sich zu sein, wild und aufreizend wie eine Raubkatze. Und sie tat Dinge, die Nakeshi entsetzten. Es war offensichtlich, dass sie die M'er erregen wollte. Mit beiden H'en presste sie ihre Br'ste zusammen und bot sie anz'g lich den umstehenden M'ern an. Einer griff kichernd zu und versuchte mit der anderen Hand Sheshe an sich zu ziehen, um sie zu k'ssen. Doch die fauchte wild, kratzte nach ihm und stie'ihn hart zur'ck. Nakeshi rieb sich die Augen. Sie wollte nicht glau ben, was sie da sah. Was war mit ihrer Tante geschehen? Welcher Llangwasi war nur in sie gefahren? Doch Sheshes Vorf'hrung war l'st noch nicht vor'ber. Die M'er waren nun in ihren Gesang eingefallen. Sie sangen ein ausgelassenes Paarungslied. Die immer schneller werdenden Rhythmen und die st'igen Wechsel zwi schen tiefen und hohen T'nen stimulierten Sheshe noch mehr. Sie wirbelte mehrfach um ihre eigene Achse und riss sich dann mit einem lauten Schrei ihren H'ftschurz vom Leib. Ihr K'rper zuckte und ihre drallen Pobacken sprangen immer schneller auf und ab, bis sie schlie'ich wie bei einem Krampf vibrierten. Mit breiten Schritten stampfte sie auf die M'er zu, bog sich nach hinten und bot ihnen schamlos ihre 'fnung dar. Dabei stie'sie obsz'ne Paarungsschreie aus. Nakeshi schob die H'e vor ihre Augen, um nicht weiter zusehen zu m'ssen. Ihre Scham wuchs mit dem lauten, begeisterten Johlen der M'er, das ihr wie gei les Brunftgest'hn wilder Tiere in den Ohren klang. Sie weinte vor Scham und Entsetzen und sehnte sich nach ihrer unbeschwerten Kindheit zur'ck. Doch der Krach vor ihrer H'tte lie'sie nicht zur Ruhe kommen. Etwas zwang sie, doch immer wieder nach drau'n zu blicken. Mit einer Mischung aus Ekel und zu ihrer 'erraschung auch aufkeimender sexueller Lust beobachtete sie das ausgelassene Treiben Sheshes und der M'er. Erst im Morgengrauen fiel sie in einen kurzen, traumlosen Schlaf.
Als sie aufwachte, war es heller Tag. Sheshe tanzte immer noch.
Doch ihre Bewegungen waren nicht mehr so wild und ausgelas sen wie in der vorigen Nacht, sondern zitternd und schleppend, als w' sie von einem schweren Fieber befallen. Ihre Tante befand sich in Trance. Nach und nach wachten die Frauen um das Lagerfeuer wieder auf. Sie erhoben sich verschlafen und begaben sich hinter die Rosinenb'sche, um Wasser zu lassen. Sp'r versammelten sie sich wieder vor der H'tte und kauten an den Resten des gestrigen Festmahls herum. Nakeshi lief das Wasser im Mund zusammen, und ihr Magen knurrte erb'lich. Zur Ablenkung starrte sie die W'e der H'tte an. Doch sie konnte an nichts anderes denken als daran, dass ihre Kehle ausgetrocknet war und ihr Magen sich vor Hunger zusammenkrampfte. Keiner hatte daran gedacht, ihr etwas zu essen oder zu trinken zu bringen. Dazu kam die Hitze. So kalt es in der Nacht gewesen war, so warm wurde es jetzt bei Tag. Trotz der sch'tzenden 'te dr'ckte die Sonne in die H'tte. Nakeshis Kopf dr'hnte. Aber noch viel schlimmer war, dass sie sich so ausgeschlossen f'hlte. Flirrendes Licht huschte 'ber ihr Gesicht. Es kam von den Sonnenstrahlen, die sich ihren Weg in die H'tte suchten. Auf ihrem t'ichen Lauf 'ber den Himmel stach die Sonne unbarmherzig auf sie herab. Wo kam sie her? Nakeshi musste an die Geschichte denken, die Debe ihr als Kind so oft er z't hatte. Eines Tages, vor langer Zeit, hatten die Buschm'er die Sonne auf einem ihrer Streifz'ge entdeckt. Sie hatten sie als ihre Tochter erkannt. Und weil es ihre Tochter war, mussten sie sie durch die Welt tragen. Aber die Sonne war so hei'und verbrann te ihnen die Schultern, sodass sich die M'er oft beim Tragen abwechseln mussten. Als aber alle ihre Schultern verbrannt waren, konnten sie nicht mehr. Sie lie'n die Sonne im Busch liegen und brachten sie nicht bis zu ihren H'tten. Der Ort, wo sie liegen geblieben war, das ist der Ort, wo die Sonne jeden Morgen aufgeht.
Nakeshi f'hlte sich wie die Sonne. Man hatte sie einfach in der H'tte abgelegt.
Die Zeit
zog sich wie z'r Harz an den B'en dahin. Die Sonne stieg bis zu ihrem h'chsten Punkt, sank herab und legte sich schlie'ich schlafen, um einer neuen, langen Nacht zu wei chen. Mit der einsetzenden Dunkelheit versammelten sich die Frauen wieder vor Nakeshis H'tte und tanzten, sangen und a'n wie am Abend zuvor. Nur Sheshe fehlte. Am n'sten Morgen gingen die Frauen und M'er ihren gewohnten T'gkeiten nach, und es wurde still vor ihrer H'tte. Lediglich ein paar Alte sa'n abseits im Schatten der Akazie und stellten Schmuck aus Samen und Strau'neierschalen sowie Schn're aus der Sisalpflanze her. Um sie herum spielten die kleineren Kinder, die noch nicht mit zum Sammeln von Feldkost gehen konnten. Ihr leises Mur meln und ihr Lachen hatten etwas Tr'stliches.
Am dritten Tag wusste Nakeshi nicht mehr, wie lange sie schon in der H'tte war. Es kam ihr wie eine Ewigkeit vor. Ein Schleier von
Gleichg'ltigkeit begann sich 'ber ihren Geist zu legen. Die Stimmen der Menschen drau'n vor der H'tte fingen an, sich zu ver zerren. Sie verstand den Inhalt des Gesagten nicht mehr und war auch gar nicht interessiert daran. Bald tr'bte sich ihr Gesichtsfeld ein. Farben und Formen verschoben sich und wurden zu Halluzinationen. Aus den grauen Zweigen ihrer H'tte wurden lebendige Schlangen, die sich wild ineinander verknoteten und ihr so den Weg in die normale Welt versperrten. Seltsamerweise versp'rte Nakeshi keinerlei Angst dabei. Im Gegenteil, sie empfand die Schlangenbrut wie einen Schutz. Immer wieder floss Blut aus ihrer Scheide, auch wenn es deutlich weniger wurde. Mittlerweile hatte es seinen Schrecken verloren. Nakeshi begriff, dass die Blutung etwas Gesundes war, das wie ein Geschenk aus ihr herausfloss und das sie nun in den Kreislauf der Natur zur'ckgeben konnte. Kauha zeigte ihr dadurch, dass sie ein Teil seiner Sch'pfung war. Kauha hatte Debe den Samen gegeben, um ihn in den Scho'ihrer Mutter zu pflanzen. So war sie geboren worden, um nun selbst zum Gef'zu werden, um eines T
ages jemand anderem auf diese Welt zu verhelfen. Und wenn sie starb, w'rde sie wieder zur'ck zu Kauha in sein gro's Himmelshaus kommen. War es vielleicht das, was Sheshe ihr durch ihren obsz'nen Tanz hatte zeigen wollen?
Pl'tzlich b'te sich Nakeshis K'rper auf und begann sich zu verkrampfen. Einzelne Muskeln zuckten und gaben ihre Schwingungen an die benachbarten Muskeln weiter, bis schlie'ich ihr gesamter K'rper wie von einem Sturm wild durchgesch'ttelt wurde. Nakeshi sp'rte, wie ihr Geist aus ihrem K'rper dr'te. Sie versuchte sich dagegen zu wehren, doch es war vergebens. Ein kr'iger Sto'katapultierte ihn weit hinaus in die Weiten der Unendlichkeit.
Sie war 'berrascht von der Freiheit, die sie pl'tzlich ohne ihren K'rper versp'rte. Es war ein merkw'rdiges, ganz leichtes Gef'hl. Und dann stellte sie staunend fest, dass sie wie ein Vogel flog! Weit unter sich erkannte sie ihren Lagerplatz mit den H'tten. Sie sah, wie ihr Vater hinter einem Rosinenbusch einem Springbock auf lauerte und ihn schlie'ich mit einem Pfeilschuss verletzte. Vier andere J'r warteten gut versteckt auf sein Zeichen, bevor sie dem waidwunden Tier durch das Dickicht folgten. Sie entdeckte ihre Mutter und Goshi beim Sammeln von Feldkost. Sie lachten und erz'ten sich Geschichten. Auf einer kleinen Lichtung, nahe dem verborgenen Wasserloch, sa'Sheshe. Sie hob kurz ihren Kopf und sah zu ihr hinauf und dann - Nakeshis Herz machte einen kleinen H'pfer - dann winkte sie ihr zu und lachte!
Nakeshi versuchte ebenfalls zu winken, aber eine unb'ige Kraft zog sie fort von ihren Leuten. Sheshe, die B'e, die Land schaft wurden immer kleiner. Bald waren Menschen und Tiere nur noch winzig kleine Punkte. Immer h'her trug es sie hinaus. Doch wohin? Eine Zeit lang glaubte sie, die ewige Reise zu Kau ha angetreten zu haben.
Sah so der Tod aus?
Nakeshi versp'rte keine Angst, obwohl sie ein wenig bedauerte, dass ihr Leben so kurz gewesen war. Bo kam ihr in den Sinn. W'rde er sie vermissen? Er
hatte ihr nie gezeigt, ob er sie mochte. Sie w'rde es wohl nie erfahren. Stattdessen w'rde sie bald das gro' Himmelshaus sehen. Wem w'rde sie dort begegnen? Gro'utter Nisa und Gro'ater Dau? Sie w'rden ihr sicherlich helfen, sich im gro'n Haus der Ahnen zurechtzufinden.
Doch Nakeshi steuerte nicht auf das gro' Himmelshaus zu. Pl'tzlich stoppte ihr Flug nach oben, und sie wurde wie eine Fe der im Wind parallel zur Erde weiter 'ber die Landschaft gebla sen. Bald tauchte am Horizont eine gro', dunkelblaue Fl'e auf. Sie wirkte bedrohlich und riesig gro' Auf ihrer Oberfl'e tanzten kleine wei' Schaumkronen. Zu ihrem Erstaunen erkannte sie, dass es Wasser war. So viel Wasser! Welch eine Verschwendung! Hatte das Wasser das Land unter sich verschluckt? Nakeshi n'r te sich der Grenze, wo Wasser und Land aufeinandertrafen. Der Ort war noch hei'r und erbarmungsloser als die Kalahari. Kein Busch, kein Baum wuchs an den Str'en, nur riesenhafte, rot leuchtende Sandberge reihten sich so weit das Auge reichte anei nander. An den Str'en entdeckte sie Skelette von gro'n Tieren, noch gr''r als die von Elefanten. Grellwei'lagen die Knochen in der sengenden Hitze der D'nen. Es mussten Ungeheuer aus dem gro'n Wasser gewesen sein, denn Nakeshi hatte noch nie solche Knochen gesehen. Warum waren sie gestorben? Welche Llangwasis hatten sie dorthin gelockt? Hier war kein Leben m'glich. Und schon blies der Wind sie weiter. Inst'ig hoffte sie, dass sie nicht 'ber dem gro'n Wasser, 'ber das sie jetzt flog, abst'rzen w'rde. Die auf und ab rollenden Wellenberge unter ihr machten ihr gro' Angst. Bestimmt war dieses Wasser voller b'ser Geister und wartete nur darauf, sie zu verschlingen! Aber Nakeshi konnte nichts tun. Sie konnte ihren Flug weder steuern noch beeinfus- sen, sondern wurde von dieser unsichtbaren Kraft immer weiter gezogen. Immer weiter 'ber das st'rmische Wasser, bis sie nach unendlich langer Zeit wieder Land unter sich entdeckte. Doch dieses Land war so anders als ihre Heimat! Es
war felsig und saftig gr'n und von hohen, blauen Bergen mit wei'n Spitzen durch zogen. Nakeshi musste an die Muster von geflochtenen K'rben denken, die ihr Volk herstellte. Nur war alles viel bunter und farbenpr'tiger. Sie hatte nicht geglaubt, dass solche Farben 'berhaupt m'glich waren. War sie etwa doch auf dem Weg zu Kauha? Welch ein 'erfuss an Nahrung es in diesem Land gab! Gr'nes Gras f'r die Antilopen und Feldfr'chte ohne Ende. Alle Joansi, ach was, alle Buschm'er der Kalahari konnten davon satt werden. Wie kam es, dass hier so viel wuchs, noch viel mehr, als wenn in der Regenzeit die Feldkost aus dem Boden spross?




Mehr aus dieser Reihe

zurück
Sehnsucht nach Owitambe
Taschenbuch
von Patricia Mennen
vor
Bewertungen unserer Kunden
"Der Ruf der Kalahari" von Patricia Mennen
von Blubb0butterfly - 12.04.2017
Eckdaten 8,99 € ISBN: 978-3-442-37517-2 Blanvalet-Verlag 512 Seiten (mit Nachwort und Sachworterklärungen) 2010 Roman Band 1 Cover Das Cover ist wunderschön und verträumt. Es ist eine typische afrikanische Landschaft zu sehen. Man greift eigentlich automatisch zu diesem Cover. Inhalt (Klappentext) Berlin, 1901. Nach dem Tod ihrer Mutter wagt die junge Jella von Sonthofen den Schritt in ein neues Leben. Sie wird Deutschland verlassen und ihren Vater suchen, der in Deutsch-Südwestafrika verschollen ist. Doch als sie nach langer Zeit endlich seine Farm gefunden hat, erwartet sie dort eine schreckliche Überraschung¿ Autorin (Klappentext) Patricia Mennens große Leidenschaft ist das Kennenlernen von Menschen ursprünglicher Kulturen. Wann immer es geht, macht sie sich auf und versucht, einen authentischen Einblick in fremde Lebenswelten zu gewinnen. Ihre Eindrücke und Erlebnisse verarbeitet sie in ihren Büchern. Die Autorin lebt mit ihrem Mann und zwei Töchtern abwechselnd in der Nähe des Bodensees und der Provence. Derzeit schreibt Patricia Mennen an der Fortsetzung zu Der Ruf der Kalahari. Fazit Das Cover und die Inhaltsangabe hat mich sehr gespannt auf das Buch gemacht. Leider hat es meine Erwartungen nicht erfüllen können und ich habe es vorzeitig abgebrochen, weil ich es einfach nicht mehr lesen konnte. Ich hatte noch nie einen Roman über Afrika gelesen und nach diesem hier habe ich auch gar keine große Lust mehr dazu. Mich hat es sehr gestört, dass die Sachworterklärungen am Ende des Buches waren, anstatt die Begriffe direkt mit einer Fußnote zu erklären. Das hätte den Lesefluss auch weniger gestört.
Eigene Bewertung schreiben Zur Empfehlungs Rangliste
Servicehotline
089 - 70 80 99 47

Mo. - Fr. 8.00 - 20.00 Uhr
Sa. 10.00 - 20.00 Uhr
Filialhotline
089 - 30 75 75 75

Mo. - Sa. 9.00 - 20.00 Uhr
Bleiben Sie in Kontakt:
Sicher & bequem bezahlen:
akzeptierte Zahlungsarten: Überweisung, offene Rechnung,
Visa, Master Card, American Express, Paypal
Zustellung durch:
¹ Mängelexemplare sind Bücher mit leichten Beschädigungen, die das Lesen aber nicht einschränken. Mängelexemplare sind durch einen Stempel als solche ge-
kennzeichnet. Die frühere Buchpreisbindung ist aufgehoben.
* Alle Preise verstehen sich inkl. der gesetzlichen MwSt. Informationen über den Versand und anfallende Versandkosten finden Sie hier.
** Deutschsprachige eBooks und Bücher dürfen aufgrund der in Deutschland geltenden Buchpreisbindung und/oder Vorgaben von Verlagen nicht rabattiert werden. Soweit von uns deutschsprachige eBooks und Bücher günstiger angezeigt werden, wurde bei diesen kürzlich von den Verlagen der Preis gesenkt oder die Buchpreisbindung wurde für diese Titel inzwischen aufgehoben. Angaben zu Preisnachlässen beziehen sich auf den dargestellten Vergleichspreis.