"Es lebte also in dieser Gegend, keine zwei Kilometer von unserem Haus entfernt, ein Mann mit Namen Herr Sommer. Kein Mensch wusste, wie Herr Sommer mit Vornamen hieß, ob Peter oder Paul oder Heinrich oder Franz-Xaver, oder ob er vielleicht Doktor Sommer oder Professor Sommer hieß, oder Professor Doktor Sommer - man kannte ihn einzig und allein unter dem Namen Herr Sommer."Patrick Süskind ist trotz seines schmalen Werkes einer der vielseitigsten Schriftsteller deutscher Sprache. Beinahe alles, was er geschrieben und veröffentlicht hat, trägt den Charakter des Besonderen und sprachlich Akkuraten, aber sowohl das Besondere, als auch das Sprachliche nehmen in den unterschiedlichen Büchern sehr unterschiedliche Positionen ein.Die Geschichte von Herrn Sommer - die durch die Bilder von Sempé vollends zu einem kleinen Werk mit großem Herz beim Leser wird - ist z.B. in einem sehr lebensnahen und gleichzeitig fast kinderbuchartigen Stil gehalten, voll übersprudelnder, knapper Natürlichkeit und Einfachheit. Es ist wahrlich eine Geschichte, wie man sie auch abends am Bett des Kindes erzählen könnte, ein Märchen und doch vexierartig eher ein Märchen im Märchen.Denn die Rahmengeschichte ist die Geschichte einer Kindheit, der damit einhergehenden Faszination der Entdeckungen und Freuden und des großen Abstandes zu manchen Dingen, die dadurch geheimnisvoll und lebendig bleiben.Der Ich-Erzähler beschreibt auf kindliche (aber nicht kindische) Weise die Personen seines Lebens, das Dorf beim See, in dem er aufwächst, Dinge wie die erste Kinder-Liebe, Klavierstunden, Radfahren und manch anders. Gleichzeitig will er eigentlich die für ihn wichtigste "Geschichte" dieser Zeit erzählen, die Geschichte vom Herrn Sommer...Kurz gesagt: Gleichsam angelegt als die Geschichte des Herrn Sommer, ist ein Großteil der Handlung die vom Erzähler selbst noch einmal von dieser Person ausgehende Erinnerung an seine Kindheitsjahre.Das Buch ist eines der wenigen Bücher, die einem gänzlich echt erscheinen, in ihrer Erzählart/-absicht gelungen, in ihrer Botschaft unaufdringlich schön. Vielleicht ist dies abschließend das einzig richtige was man sagen kann, ohne das Buch zu sehr vorwegzunehmen.Man sollte es auf jeden Fall lesen, denn es ist ein Buch zum Liebhaben.